Ich würde es für sehr wünschenswert erachten, wenn alle Banken und
Bankfirmen verpflichtet würden, ihre großen Debitoren, d. h. diejenigen
Firmen, die mehr als einen bestimmten Prozentsatz des Aktien-, bezw.
Geschäftskapitals der Bank plus deren Reserven und Depositen schulden,
mit Angabe der bestellten Sicherheit dem Aufsichtsamt zu benennen.
Ich weiß sehr wohl, daß die Beurteilung der Kreditwürdigkeit einer
Person oder Firma nicht nach einem ein für allemal gültigen Schema
erfolgen kann. Eine vernünftige Begrenzung des Prozentsatzes, der aber
nicht bei allen Instituten von gleicher Höhe sein sollte — die Banken
müßten nach Höhe des Stammkapitals, der Reserven und der fremden
Gelder in verschiedene Gruppen geteilt werden — würde verhüten, daß
die Banken durch den Zusammenbruch eines Unternehmens, an dem sie
stark engagiert sind, in bedrängte Lage kommen und ev. zur Zahlungseinstellung
 genötigt werden.
Von der Leipziger Bank abgesehen, sind in der letzten Zeit Verluste
von Depositengeldern bei großen, ersten Bankinstituten erfreulicherweisenicht
 zu verzeichnen gewesen. Grundkapital und Reserven bei unseren
Großbanken lassen einen Verlust der Depositengläubiger schwer möglich
erscheinen. Hier handelt es sich meist weniger um Gefahren, die durch
tatsächliche Verluste und Betrügereien als durch illiquide Anlagen
drohen. Die Liquidität, wie sie sich aus den Ziffern ergibt, kann allein
natürlich auch nicht maßgebend sein. Waren doch bei der Leipziger Bank
kurz vor ihrem Zusammenbruch etwa. 63 % ihrer Verbindlichkeiten bilanzmäßig
 in leicht zu realisierenden Werten angelegt.
Während bei den Banken mit einem Kapital von mehr als ı Million M
die Summe der Kreditoren und Depositen etwa das 3fache des Aktienkapitals
 beträgt, steigt sie bei den Banken von mehr als 100000 M bis
ı Million M auf‘ das 5—6fache, und bei den Banken bis zu 100000 M
Kapital auf das 3ofache des Kapitals. Manche dieser kleinen und
kleinsten Banken erfreuen sich großen Ansehens und haben stattliche:
Reserven angesammelt, So besitzt die kleinste Bank, die Spar- und Leihkasse
 Kellinghusen, ein Aktienkapital von 250 M, einen Reservefonds.
von 363000 M und 3,7 Millionen M fremde Gelder. Die Schenefelder
Spar- und Leihkasse, Aktiengesellschaft in Schenefeld bei Kiel arbeitet
mit einem Kapital von 2400 M, auf das 600 M eingezahlt sind, und
einem Reservefonds von 76200 M. Die Einlagen gegen Sparbücher
erreichen den Betrag von 1,05 Millionen M, wovon, nebenbei bemerkt,
0,9 Millionen M in Hypotheken angelegt sind.
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