retiker sehen in der Barreserve etwas anderes als die Praktiker. Für uns
ist das Bargeld, das wir haben, gar nicht die eigentliche Reserve; für
uns ist es lediglich dasjenige, was wir notwendig haben, um jeweilig auftretenden
 Bedürfnissen nach Bargeld zu genügen. Unsere Reserve liegt
in anderen Dingen.“
Da diese Anschauungen bisher allgemein in der Praxis vertreten waren
— und ich gestehe, daß ich selbst in dieser Weise verfahren bin, zum
Leidwesen meines Hauptkassierers, der immer viel lieber aus dem Vollen
wirtschaftete —, lag für den einzelnen Bankdirektor, dessen Streben doch
dahin gehen mußte, die Mittel der Bank möglichst nutzbringend anzulegen,
keine Veranlassung vor, große Barreserven anzusammeln. Vom pPprivatwirtschaftlichen
 Gesichtspunkt bedeutet ja jede Kassenerhöhung ein Gewinnminderung.
 Wurde mehr Geld gebraucht als vorhanden war, so
suchte man sich dieses zu dem billigst möglichen Zinssatz zu beschaffen;
zunächst am offenen Markt als tägliches Geld, oder fest für einige Tage,
oder durch Verkauf von Privatdiskonten, durch Lombardierungen bei der
Seehandlung bezw. Reichsbank, durch Rediskontierung bei der Reichsbank
oder einer anderen Notenbank usw.
Wegen Mangel an Bargeld ist noch keine deutsche Bank zu Grunde
gegangen, wenn sie nur sonst andere liquide Mittel besaß, um sich bares
Geld zu beschaffen. Weil die Banken wußten, daß sie in letzter Linie
eine Hilfsquelle bei der Reichsbank hatten, waren sie der Verpflichtung,
bare Reserven zu halten, enthoben. Nun aber kommt die Reichsregierung
und erklärt durch die Reichsbank‘ Ihr Banken solltet etwas selbständiger
werden hinsichtlich Eurer Gelddispositionen. Ihr müßt eine größere Kasse
wie bisher halten, damit ihr bei einem größeren Ansturm wenigstens im
ersten Augenblick so gewappnet seid, daß ihr nicht sofort die Hilfe der
Reichsbank in Anspruch zu nehmen braucht, Ihr müßt insofern umlernen,
als Ihr, wie die Theoretiker es ja schon lange gefordert haben, in Zukunft
in der baren Kasse auch eine Liquiditätsreserve erblickt, Wir, die
Reichsregierung, halten es für notwendig, daß die Reichsbankleitung nicht
nur über ihre eigene Liquidität wacht, sondern. auch über die der anderen
Banken, von denen sie, besonders an den Quartalen und in kritischen
Zeiten, dauernd in Anspruch genommen wird. Wir hatten im übrigen
gehofft, daß die Zweimonatsbilanzen, die Ihr bisher veröffentlicht habt,
Euch stumme Mahner sein würden.
Über Einzelheiten bemerkt offiziös die Norddeutsche Allgemeine
Zeitung: Die Reichsbank wolle an die Banken gruppenweise herantreten

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