heute vielfach machen. Man wird aber auch hier einen Modus suchen
und finden. Alle Sonderinteressen müssen dem allgemeinen Interesse
 gegenüber in den Hintergrund treten.

2. Ein- oder Zweireservesystem?
Wo sollen die neubeschafften Barmittel aufbewahrt werden? Können
sie in den Kassen der Kreditbanken bleiben, oder sollen sie der Reichsbank
 in Form von Giroguthaben zugeführt werden? Die Reichsbank
selbst überläßt dies bekanntlich dem Ermessen der Banken. Sie arbeitet
also nicht, wie vielfach behauptet wurde, auf den Ausbau des Einreservesystems
 hin.

Heiligenstadt hatte seinerzeit angeregt, daß jeder, der gewerbsmäßig
Gelder annimmt, bei der Reichsbank eine Barreserve von 2°, des jährlichen
 Durchschnittsbetrages dieser Gelder halten solle, wenn er seinen
Geschäftssitz an einem Orte hat, an dem die Reichsbank oder eine
andere Notenbank eine Niederlassung besitzt; 1%, an allen übrigen
Orten. Auch die Sparkassen und die Genossenschaften — diese durch
ihre zuständige Verbandskasse — sollen eine Reserve bei der Reichsbank
 unterhalten, die nach dem Bestande der fremden Gelder im Jahresdurchschnitt
 zu berechnen wäre, Später!) erachtete Heiligenstadt dann, auch
im Hinblick auf die englischen Banken, die durchschnittlich etwa 15%,
Barreserven halten?), eine Barreserve von mindestens 10%, für erforderlich,
 wovon 2%, an die Reichsbank abgeführt werden sollten. Dadurch
würden, meinte er, zwei günstige Momente erreicht: ı. wird die Reichsbank
 für den gesamten Geld und Kreditverkehr gestärkt, und 2. wird
dennoch nicht das ganze Geld- und Kreditgebäude auf eine Einheitsreserve
 aufgebaut, sondern es bleibt eine zweite große Reserve in den
Händen der Banken.
In England besteht bekanntlich das Einreservesystem, d. h. die
Goldreserve des ganzen Landes ist in den Gewölben der Bank von
England zentralisiert (s. S. 136). Die englischen Banken halten für die
große Menge der Depositen nur so viel bare Kasse, als für die gewöhnlichen
 Bedürfnisse genügt. Ihre Hauntreserven ruhen in der Bank von

!) Verhandlungen der Bankenquete. S. 165.
2 Ende Mai 1914 betrugen die Depositen und Kreditoren der 11 größten englischen
 Banken 567,23 Millionen £, denen an Kasse und Guthaben bei der Bank
von England 85,96 Millionen % = 15,1% (gegen 15,5% im Mai 1913) gegenüberstanden.


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