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England und bilden hier die Zentralgoldreserve des Landes. In den
Ausweisen der Banken erscheinen sie als Guthaben bei der Bank von
England. Diese behandelt sie wie alle anderen Depositen und verwendet
50—60%, davon in ihrem gewöhnlichen Geschäft, während sie den Rest
in Form vön Noten bereithält, die eine Forderung auf den Goldbestand
im issue department (s. S. 132) darstellen.
Das Einreservesystem, das eine Konsequenz des hoch entwickelten
englischen Scheck- und Kreditverkehrs ist und, wie Bagehot sagte, so
eng mit dem ganzen Aufbau des Geldmarktes verknüpft ist, daß an eine
Änderung dieses Systems nicht gedacht werden könne, hat doch sehr unangenehme
 Folgeerscheinungen gehabt. Im Falle einer Krisis waren und
sind alle Banken angewiesen, auf die Mittel der Zentralnotenbank, die
den Stützpunkt des Geldmarktes bildet, zurückzugreifen, was für diese
natürlich eine große Belastungsprobe darstellt, und von weittragender
Wirksamkeit für das ganze Kreditsystem des Landes ist. So mußte die
Bank von England, um Gold zu erhalten, im Herbst 1007 Wechsel bei
der Bank von Frankreich diskontieren.
Daher sind in neuerer Zeit, auch von englischer Seite, große Bedenken
gegen das Einreservesystem erhoben und alle möglichen Gegenvorschläge
gemacht worden. Sir E. Holden, Direktor der mächtigen London City
and Midlandbank, tritt seit langem: dafür ein, daß die englischen Depositenbanken
 neben ihren Reserven bei der Bank von England auch eigene
Barmittel bereit halten. Jetzt wendet er nun gewissermaßen eine Gewaltmaßregel
 an, indem er erklärt!), seine Bank werde in der Bilanz per
Ende Dezember 1914 die bis dahin aufgesammelten Goldbestände detailliert
 ausweisen, wenn eine Verständigung unter den Banken in anderer
Weise nicht möglich sei. Wenn die London City and Midlandbank ihren
Goldbestand angibt, so müssen, um ihres Prestiges willen, die anderen
englischen Depositenbanken natürlich ein Gleiches tun, was zur Folge
haben wird, daß sie auch die entsprechenden Goldbestände ansammeln.
Nach den englischen Erfahrungen kann das Einreservesystem?) für
uns nicht als Muster dienen, sondern jede Bank muß, was von vielen
allerdings als große Kapitalverschwendung angesehen wird, neben der
Goldreserve der Reichsbank noch ihre eigene Barreserve besitzen.

1) S. auch Frankfurter Zeitung 1914 Nr. 28.
2%) S. a. H. Schumacher in der Frankfurter Zeitung 1914 Nr. 181, Hugo Hartung
 im Tag vom 8, Juli 1914, Leo Jolles ebenda 24, Juni 1914, Max
Schinckel ebenda Nr. 152,
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