In den Kellern der einzelnen Banken ist das Gold gegen interne und
externe Angriffe am besten gesichert. Treten an eine Anzahl Banken große
Anforderungen heran, so kommt bei einer Kassendezentralisation dieser
Ansturm des Barmittelbedarfs gar nicht, oder nur teilweise, im Status der
Reichsbank zum Ausdruck, und ein günstiger oder gegen die Vorwoche
wenig geänderter Bankausweis wirkt auf den Geldmarkt beruhigend.
Werden die Barreserven der Banken bei der Reichsbank eingezahlt,
so wachsen deren fremde Mittel erheblich an; sie scheint’im Golde zu
schwimmen, und daraus wird dann öfter die Berechtigung abgeleitet werden,
eine Diskontherabsetzung zu fordern, und das Bevorstehen eines niedrigeren
 Zinsfußes wieder bietet für Handel und Industrie einen Anreiz zur
Expansion, Die Reichsbank wird sich durch die Goldfülle natürlich nicht
irre machen lassen. Sie darf diese nationale Barreserve, durch die die
Zahlungsbereitschaft der Banken sichergestellt werden soll, nicht angreifen,
um erhöhten Kreditbegehr zu befriedigen, und sie wird es auch nicht
tun, da sie ja durch ihre Maßregeln gerade auf eine Einschränkung der
Kreditgewährung hinwirken will, und weil sie für den Fall einer Krisis
große Barmittel bereithalten muß. Auch beim Bestehen eines Zweireservesystems
 wird in kritischen und kriegerischen Zeiten die Reichsbank immer
die letzte Rettung sein, aber man wird immer erst in zweiter Linie auf
sie zurückgreifen, es wird ihr eine gewisse Schutzfrist gewährt. Die Entnahmen
 werden. aber nicht, wie in normalen Zeiten, durch Giroüberweisung,
 Verrechnung usw. erfolgen, sondern, da jeder in Krisen- und
Kriegszeiten bares Geld sehen und sich hinlegen will. in Banknoten und
in Gold.

Der Konzentrationsprozess im Bankwesen hat uns dem Einreservesystem
bedenklich nahe gebracht. Der Kaufmann, der Industrielle, wie der Private
hält heute erheblich weniger Barbestände als früher, d. h. die eigene Kasse
ist durch die Bankkasse in hohem Maße ersetzt worden. Das Konzernoder
 Schachtelsystem führte dazu, daß die Stellen, die früher selbständig
auf die Haltung von Barreserven bedacht waren und bedacht sein mußten,
sich sehr verringert haben!). Die aus dem Privatbankgeschäft hervorgegangene
 Großbankfiliale hält keine Reserven, sondern sie disponiert ein-7)

 So hat die Reichsbank darauf hingewiesen, daß z. B, das Haus Rothschild
in Frankfurt a, M., dessen Kundschaft 1901 die Disconto-Gesellschaft unter Begründung
 einer Filiale in Frankfurt a, M. aufgenommen hat, niemals unter 20 Millionen
 M Giro-Guthaben bei der Reichsbank besessen hatte, die nach der Liquidation
 der Firma in Wegfall gekommen sind.

37 Obst, Bankpolitik.

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