aber einzelne der Herren Räte, um sich den Geheimrat zu verdienen, hier dekretieren: „In 10 Jahren sind in meinem Bezirk alle Bäckereien aus den Kellern raus“ (Hört! hört!), so ist das eine Überhebung, die durch nichts begründet ist, denn kein Wort steht davon in der Verord— nung, daß die Bäckereien aus den Kellern heraus sollen. Nun verweist man auf die Schlächtereien. Aber einmal ist es nicht wahr, daß alle Schlächtereien aus den Kellern entfernt worden sind, und dann ist auch die Verlegung einer Schlächterei aus dem Keller nach dem Parterre nicht den 4. Teil so teuer, wie die einer Bäckerei. Und was die Gesundheitsschädlichkeit der Keller und das Wohlbehagen in denselben anbelangt, so gibt es in Berlin noch zirka 27 000 Keller— wohnungen, wo kein Mensch nach dem Kubikmeter Luftraum fragt. Und dann frage man mal diese Kellerbewohner, ob sie lieber auf dem 2. Hof Treppen oder in ihrem Keller bleiben wollen, ich wette tausend gegen eins, daß sie lieber in ihrem Keller bleiben. Und genau ebenso ist es bei den Bäckergesellen, die selbst Meister werden wollen. In einer Bäckerei in der Eichhornstr., die ganz besonders ungesund sein soll, arbeiten einige Gesellen 20, 19 und 17 Jahre und sind während der ganzen Zeit noch nicht krank gewesen. Wenn aber die Keller verboten werden sollen, ist es da nicht wunder⸗ bar, daß bei Tietz auf dem Alexanderplatz, wie der Geheimrat Hart— mann sagte, die Wirtschaftsräume im tiefen Keller mit Genehmigung der Gewerbepolizei angelegt sind. (Hört! hört); Im Passage-Kaufhaus sind die Kassen im Keller, die von jungen Mädchen bedient werden. Wie tief der Rathauskeller und andere Restaurationsräume sind, wo auch Kellner und Wirtschaftspersonal und auch Lehrlinge von früh bis in die späte Nacht beschäftigt werden, das wissen Sie alle. (Sehr richtig!) Wir brauchen nicht die Kneipen und nicht die Warenhäuser als Aus— nahmen hinzustellen, denn im Kaiser-Schloß zu Berlin liegen die Küchen seit dem Jahre 1857, wie mir wenigstens ein Kollege versichert hat, 3 Meter tief in der Erde! Wäre das nicht ein dankbares Obiekt, meine Herren Gewerberäte, wenn Sie da mal anbeißen würden? Doch das tollste von allem ist wohl in Görlitz passiert, dort trat die Verordnung am J1. Januar 1908 in Kraft und im April, Jahr später, wurde dort die Erlaubnis erteilt, daß in der Passage direkt unter dem Hof, durch Prismenfenster oder runde Löcher erhellt, eine Bäckerei gebaut und am 1.' Oktober in Betrieb gesetzt wurde. Auch wieder für so eine Art Warenhaus! (Hört! hört!) Ja, ja meine Herren, das Großkapital muß überall unterstützt und gefördert werden, aber der kleine Handwerker und Bürger, ja Bauer, das ist ganz was anderes! Und doch ist das Wort von unserm Kaiser gesprochen: „Dem Handwerk soll geholfen werden“. Eine schöne Hilfe ist aber die Ausführung der Verordnung; denn überall da, wo die Bäcker aus ihrem Heim vertrieben werden, wo sie leere Bäckereien haben, wird in der Nachbarschaft eine Niederlage einer sozialistischen Genossen— schaftsbäckerei aufgemacht werden. (Sehr richtig!) Und dort werden nur sozialistische Gesellen, die den Glauben an die Gründung eines eigenen Herdes verloren, die von König und Vaterland nichts wissen wollen,