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Erlaubnis gab, einen neuen Osen zu bauen, — was ja auch immer
3—4000 Mark kostet, — durch eine neue Verordnung die ganze Frucht
ihres Lebens und ihres Arbeitens genommen wird, meine Herren,
das hätte ich nie von anständigen, bürgerlichen Blättern gedacht. Was
hat man sonst für Mitleid.
Ich will nur aus der letzten Zeit den Fall Berger erwähnen.
Sicherlich ist der Herr Kapitän ein Ehrenmann vom Scheitel bis zur
Sohle, sicherlich ist die Strafe von 6000 Mark für eine Beleidigung sehr
hoch, aber etwas hat der Herr doch begangen, wofür er eben bestraft
wird. Und welches Lamento stimmen da die bürgerlichen Zeitungen
an, wie bedauern sie den Armsten, der so schwer in seinem Vermögen
geschädigt ist. Und wenn so ein armer Bäcker, der in harter Arbeit sich
—DV
und sein Hauswirt kann nun dadurch, daß er anstatt 324000 Mark Miete
nur noch 1000-1200 Mark bekommt, seine Zinsen nicht mehr zahlen,
so „geschieht ihnen recht“. So schreiben Blätter, die sich liberal nennen.
Nein, meine Herren, wenn für das Gemeinwohl, wie es heute
verstanden wird, andere Anforderungen gestellt werden wie früher,
wenn Ränme, die jahrzehntelang in gesundheitlicher Beziehung allen
Anforderungen entsprochen, wo Gesellen unter viel härteren Arbeits—
bedingungen gearbeitet und gesund geblieben sind, wenn solche Räume
zum besten der Gesellschaft geschlossen werden, dann muß auch diese
Gesellschaft die Kosten tragen, d. h. mit anderen Worten: diejenigen
die ihr Eigentum dadurch verlieren, müssen von Staatswegen ent—
schädigt werden. Und wie schwer manche Hausbesitzer und Bäcker ge—
troffen werden, will ich Ihnen durch einige Beispiele beweisen, indem
ich einige Bäckereien anführe:
1. Bäckerei Metzerstraße. Der Wäckermeister ist selbst Hauswirt.
Der Ofen ist umgebaut, die Wände sind mit Kacheln, der Boden mit
Fliesen, die Bäckerei mit sonstigen Verbesserungen versehen. Am
1. Juli 1908 war der Umbau fertig: der Stolz des Herrn Polizeileutnants,
der die Bäckerei dem Gewerbeinspektor gegenüber als ein Schmuck⸗
kästchen bezeichnet. Die Kosten des Umbaues etwa 6000— 7000 Mark.
Dispens auf 2253 Jahr, weil die Räume zu niedrig sind. (Hört! hört!)
2. Bäckerei Lübeckerstraße. Bäckermeister selbst Hauswirt. Bisher
musterhafter Betrieb. Licht und Luft durch hohe Fenster, aber 114 Meter
unter der Erde. Es wird zum Weiterbetrieb ein Umbau verlangt, der
15000 Mark kostet, dann aber soll auch nur ein Dispens auf 5 Jahre
erteilt werden. (Stürmisches Hört! hört!)
3. Reißig, Grunewaldstraße. Die Bäckerei gekauft vor 8 Jahren
für 1250 Mark, weil niemand bestehen konnte. 6 Jahre kein Geschäft.
Dann ist gebaut worden, so daß heute die Bäckerei 8000 Mark wert ist.
Der Wirt bietet jede Verbesserung und jeden Umbau an, doch wird
alles abgelehnt, weil die Räume zu tief sind. Dispens ist nur bis 1. Mai
1909 erteilt worden, obwohl der Kontrakt noch 5 Jahre läuft.
4. Fritsche, Steinmetzstraße. Vor 324 Jahren vom Onkel gekauft
für 4000 Mark, Wert 6000. Kontrakt noch bis 1912. Der Wirt bietet