jede Verbesserung, wie Lüftungsgraben, Herausbrechen der Fenster
usw. an. Alles ist aber abgelehnt worden. Da der Wirt „sehr reich sei“,
tkönne er auch die Bäckerei nach parterre verlegen. Dispens höchstens
noch bis Juli 1909.
5. Jaenicke, Steinmetzstraße. Die Bäckerei ist vor 4 Jahren um—
gebaut worden, neuer Ofen usw. für 45600 Mark. Der Bäckermeister
kaufte das Geschäft für 5000 Mark. Das Kaufgeld ist von dem Mann
wie der Frau vor der Ehe gespart worden. Der Wirt bietel noch weitere
Verbesserungen an, doch muß am 1. April 1909 geschlossen werden,
trotzdenn der Bäcker gebeten hat, da er sonst mit seiner Familie ruiniert
ist, ihn doch wenigstens die 123 Jahr seines Kontraktes abwohnen zu
lassen. Beide Häuser werden vollständig entwertet, da andere Geschäste
in der Steinmetzstraße gar nicht gehen, — es stehen so schon viele Läden
leer! — die Bäckereien aber 4000 oder 3500 Mark Miete bezahlen.
6. Müller, Melchiorstraße. Vor wenigen Jahren umgebaut für 7000
Mark, 114 Meter tief, sehr hohe Fenster und sehr geräumig. Soll
Jahre Dispens haben. Bescheid steht noch aus.
7. Rabsahl, Rixdorf. Vor 8 Jahren für 10 000 Mark gekauft. Hat
nur noch 1 Jahr Kontrakt. Dispens höchstens bis dahin, weil Rücksicht
auf die kranke Frau genommen wird. Der Kollege ist ruiniert. (Be—
wegung.)
8. Thier, Eichhornstraße. Vor 6 Jahren gekauft für 35 000 Mark.
Miete 15 000 Mark. Kontrakt noch 9 Jahre, die Bäckerei liegt sehr tief.
Für Durchlüftung ist aber durch Exhaustoren gesorgt. Nach unseren Be—
griffen sind die Räume musterhaft eingerichtet, von den Herren Gewerbe—
inspektoren aber sehr abfällig beurteilt. Trotzdem die Revision schon im
Oktober war, steht der Bescheid noch aus. Sollte die Bäckerei ge—
schlossen werden, so würde das Haus einen Minderwert von 300 000
Mark erleiden.
9. Albrecht, Prinzenstraße. Im Jahre 1903 umgebaut für 4000
Mark. Der Wirt erbietet sich einen Lichtschacht und was sonst verlangt
wird, zu bauen. Dispens ist nur auf 3 Jahre, weil die Räume nur
258 Meter hoch sind.
10. Seeliger, Zimmerstraße. Ist am 1. Februar geschlossen worden.
der Wirt ließ nichts machen, weil er durch Aufhebung des Mietsver—
rrages sein Haus an den Lokalanzeiger verkaufen konnte. Der Bäcker
berliert 6000 Mark. (Hört! hört!)
11. Rapmund, Friedrichsgracht. Die Bäckerei wird am J1. April
1909 geschlossen, da der Wirt nur aus der Bäckerei 3600 Mark Miete
oezieht, ein anderes Geschäft in jener Gegend nicht existieren kann, so
kann er die Zinsen nicht aufbringen. Der Wirt hat die Bäckerei ein
Menschenalter selbst betrieben. (Hört! hört!)
12. Aue, Zossenerstraße. Vor 11 Jahren gekauft für 7000 Mark,
noch viel Geld hineingesteckt. Höhe 2,566 Meter. Miete 3200 Mark. Der
Wirt ist blind und lebt von dem Überschuß des Hauses. Der Gewerbe⸗
inspektor gab an, daß, wenn überhaupt Dispens erteilt werden würde,