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beschäftigt, während die Gesellen, die mit dem kleinen Meister Hand in
Hand arbeiten, brotlos werden. Und während so die Sozialdemokratie
gestärkt wird, werden ihr weitere Hunderte in Gestalt der um Haus
und Hof gebrachten Hausbesitzer ud Bäckermeister in die Arme ge—
trieben. (Sehr richtig!) So ist bei der ganzen Sache die Sozialdemokratie
der lachende Dritte. (Sehr wahr!)
Und wenn gefragt wird, wer zahlt zuletzt die Kosten; denn Parterre—
Räume sind erheblich teurer, so ist es das große Publikum und vor allen
Dingen sind es die Arbeiter, die die meiste Ware kaufen.
Damit, meine werten Herren, glaube ich wohl Ihnen den Beweis
erbracht zu haben, daß es so nicht weitergehen kann. Wir fordern ja
nichts Unbilliges, wenn wir verlangen, daß die rückwirkende Kraft der
Verordnung aufgehoben wird. Und wenn das Wort der Verfassung wahr
ist, daß vor dern Gesetz alle Bürger gleich sind, so muß dem Staate unser
Eigentum genau so heilig sein, wie das aller andern Bürger, und wenn
das Wort „Gerechtigkeit“ in deutschen Landen noch Geltung behalten
soll, so müssen alle Abgeordneten des Reichstages und des Landtages
für unsere Forderung eintreten!
Daß aber auch schlechte Elemente, wie bei jeder ungerechten Sache
auf beiden Seiten von der Verordnung profitieren wollen, steht fest.
Dadurch wird aber nur die Regierung mit ihren Herren Gewerberäten
in der Meinung bestärkt, daß die Verordnung berechtigt sei. Diese Ele—
mente bedenken gar nicht, daß sie wohl einen Augenblickserfolg haben,
daß aber bei der nächsten Gelegenheit sie selbst auch an die Reihe kommen.
Das darf uns, meine Herren, aber nicht abhalten, treu und fest
zusammenzuhalten und gemeinsam weiterzuarbeiten. Wenn es je einmal
etwas gegeben hat, zwei verschiedene Interessenten-Gruppen zusammen—
zuführen, so ist es diese Verordnung. Darum dürfen die Außenseiter,
die vielleicht einmal selbst die Bäckerei anzeigen, um von dem Kontrakt
entbunden zu werden oder um einen mißliebigen Mieter loszuwerden,
uns nicht irremachen. Die gemeinsame Not hat uns zusammengeführt
und wird uns zusammenhalten. Und wenn jetzt von den Räten immer
wieder gesagt wird: „Die ganze Arbeit ist ja umsonst, es nützt Ihnen
ja alles nichts, wir führen doch durch, was wir uns vorgenommen“,
so darf uns, meine Herren, das nicht davon abhalten, daß wir Schulter
an Schulter weiterkämpfen, bis wir die Schmach, als Bürger zweiter
Klasse behandelt zu werden, wieder los sind. Bleiben wir einig, so wird
der Sieg unser sein, so trostlos wie augenblicklich die Sache auch aussieht.
Ich bitte Sie nun, daß Sie die Resolution, die ich eingebracht, einstimmig
annehmen. In wenigen Tagen wird im Reichstage eine Interpellation
bezüglich der Verordnung stattfinden und wenn nun ihrerseits auch sofort
eine Petition eingebracht wird, so wirkt das doppelt. Und nun, meine
Herren, arbeiten wir unermüdlich weiter, denn „dräut der Winter noch
so sehr, es muß doch Frühling werden“. (Stürmischer, lang an—
haltender Beifall!)