10

Ich will nun nicht das weiter ausführen, was ich eigentlich aus—
führen wollte. Ich will nur das eine sagen: der Minister hat gesagt,
wir sollten keine unverständigen Forderungen stellen. Ja, was ist unver⸗
ständig? Die Bäckereiverordnungen sind unverständig, weil die Be—
troffenen sie gar nicht erfüllen können. Es ist unbedacht, Lasten dem auf
die Schultern zu legen, der sie nicht tragen kann. Daß die Forderungen
gerecht wären, kann kein normal denkender Mensch behaupten, auch der
Minister nicht, und auch der Polizeipräsident hat es nicht gewagt!
Man bekommt den Eindruck als Fachmann — ich bin zwar nicht
Bäckermeister, aber ich habe lange Jahre Bäckereien beobachtet, ich habe
auch eine in meinem Hause — als ob verschiedene Bestimmungen so
gegeben worden sind, daß sie überhaupt nicht erfüllt werden können.
Dann ist aber die Verordnung im höchsten Grade unbillig. Da hat nicht
Sachkenntnis und Wohlwollen am grünen Tische gesessen, sondern nur
der Schneider.
Meine Herren, strenge Herren regieren nicht lange. Diese Bäckerei—
verordnung ist viel zu scharf. Ich glaube nicht, daß sie wird aufrecht
erhalten bleiben und daß sie wird aufrecht erhalten bleiben können.
(Bravo!)

Wilke-Potsdam:
Meine Herren, die Punkte 4 bis 7 unserer Tagesordnung haben
Männer hierhergestellt, die in Wirklichkeit wissen, wie es in dem Herzen
der deutschen Hausbesitzer und in dem Portemonnaie der deutschen
Handel- und Gewerbetreibenden, soweit sie dem Mittelstande ange—
hören, aussieht. Es wird auch keiner hier heute anwesend sein, der nicht der
festen Überzeugung ist, daß es so, wie es jetzt geht, entschieden nicht mehr
weiter gehen kann mit unserem deutschen Mittelstande, mit unseren deut—
schen Hausbesitzern. Wenn wir uns fragen, wie kommt es, daß wir die
Annehmlichkeit der ganzen neuen Gesetzgebung nur in ungünstiger
Weise an unserem Leibe und Portemonnaie haben fühlen können, da
müssen wir uns sagen, teilweise ist es selbst verdient. Wie kommt es,
daß die Arbeiter heute eine derartige Einwirkung auf unsere Gesetzgebung
haben, daß alles zu ihren Gunsten geschieht? Wie ist es gekommen, daß
die Landwirtschaft, die sich in wirklich wahrhaftiger Not befunden hat,
heute die deutsche Reichsgesetzgebung und unseren Preußischen Landtag
immer dahin bringen, sie zu begünstigen? Es ist daher gekommen, daß
die Leute ihre Pflicht und Schuldigkeit als deutsche Reichsbürger, als
preußische Staatsbürger voll und ganz erfüllt haben. Und was uns heute
passiert, ist nichts weiter, als daß wir ernten, was wir selbst gesät haben.
(Sehr richtig!) Es ist naturgemäß, Handel und Gewerbe und Hausbesitzer
haben sich bis jetzt vom politischen Leben zurückgehalten, und zwar mit
voller Berechtigung, weil die einzelne Persönlichkeit in Handel und Ge—
werbe ihr Geschäft machen will. Es wird nicht gefragt, wenn jemand
kaufen kommt, möge es Brot, Fleisch oder sonst etwas sein, bist du Sozial⸗
demokrat oder gehörst du einer anderen politischen Richtung an. Ein
jeder ist dankbar seiner Kundschaft und keiner will es mit seiner Kund—