E. Wagner, Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 7

von Leine und Wipper durchflossene Thalsenke. Für unsere anthropoyeographische
 Arbeit wurde der Wert dieser Abgrenzung noch erhöht
durch den Verlauf der Sprachgrenze zwischen oberdeutschem (hier
thüringischem) und niederdeutschem (hier südhannoverschem) Dialekt,
die annähernd von Münden aus dem ostwestlichen Leinethal folgt.
Im Westen wurde das tiefeingeschnittene Spaltenthal der Weser
auf seinem ganzen Verlauf als Grenzlinie angenommen, um eine Ab-Srennung
 von den westfälischen Landen zu ermöglichen.
Im Südosten bot sich wiederum durch die Sprachgrenze, die diesmal
 mit der Wasserscheide zwischen Elbe und Weser zusammenfiel,
eine gute und berechtigte Trennungslinie gegenüber den sächsischen
Gebietsteilen. Diese wendet sich östlich Leinefelde nordostwärts, überschreitet
 das Ohmgebirge in seinem westlichen Teil und stösst zwischen
Lauterberg und Sachsa auf den Südrand des Harzgebirges.
Es entstand nun die Frage, ob der Harz dem südlichen Hannover
zuzurechnen sei oder nicht. Der starke Einfluß des Oberharzes in
klimatischer und wirtschaftlicher Beziehung weit in sein Vorland hinein
sowie seine Zugehörigkeit zum Stromsystem der Weser forderten seine
Einbeziehung in unser Gebiet. Der Unterharz dagegen, für den das
oben Gesagte keine Berechtigung hat, blieb außer Betracht. Die Grenzlinie
 über das Harzgebirge, das ja fast unmerklich in seinen niedrigeren
Teil, den Unterharz, übergeht, zog Verfasser das Oderthal hinauf westlich
 des Brockenmassives zum Radauthal, mit dem der Nordrand des
Gebirges erreicht wird (vgl. I. Kap. Oberharz).
Im Norden des Gesamtgebietes fehlte es zunächst ganz an einer
irgendwie schärfer ausgesprochenen Grenzlinie, Einmal war eine Möglichkeit
 gegeben in der geologischen Grenze?) der triassischen Bildungen
Südhannovers gegen die Jura- und Kreidegesteine des Hils und der
Erhebungen des ostfälischen Hügellandes, Diese Linie verläuft vom
nördlichen Harzrand südlich des Sackwaldes zwischen Hils im Norden
und Elfass— Vogler im Süden zur Weser. Um ihr einen bestimmteren
Ausdruck zu verleihen, wurde eingedenk des anthropogeographischen
Charakters der Arbeit die fast denselben Weg einschlagende grosse
Verkehrslinie vom nördlichen Harzrand zur Weser gewählt. Diese seit
dem Mittelalter bestehende, heute von der Eisenbahn benutzte Straße
grenzt, von Goslar über Seesen, Gandersheim, Kreiensen und Stadtoldendorf
 zur Weser (Holzminden) ziehend, unser Gebiet im Norden gegen
das ostfälische Hügelland ab.
Das auf diese Weise umschriebene Südhannover als geographischer
Begriff bedeckt eine Fläche von rund”) 4000 qkm, also etwas weniger
als den neunten Teil der gesamten Provinz Hannover (38510 qkm).
Es enthält folgende politische Bezirke teils ganz. teils in Anteilen:

!) Hier hat v. Koenen (Dislokat. in Nordwestdeutschland, Jahrb. d. geolog.
Landesanst. 1885, S. 81) eine Verwerfungslinie nachgewiesen, die von Herrhausen
Dei Seesen über Gandersheim, Greene, Naensen, Stadtoldendorf verläuft.
?) Die Tabellen ergaben als Endsumme 3957,5 gkm, also eine Differenz von
15 qkm gegen umstehende Schätzung. Letztere ist auf die Unsicherheit der Abschätzung
 der Anteile auf einer Karte 1: 800000 zurückzuführen. Abgerundet kann
ein Wert von 4000 akm unser Gebiet repräsentieren. Vgl. umstehende Tabelle.