Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 11

Dichteberechnung in ihrer Flächenausdehnung ansieht, räumt er ihrer
Grenze „mit ihrem oft allen Terrainunterschieden spottenden Verlauf
über weite Wälder und Heiden, aus reichbebauten Thälern auf öde
Plateaus“ !), keinen Einfluß beim Ziehen seiner Kurven ein, sondern
bestimmt deren Gang nach geographischen Gesichtspunkten aus der
topographischen Karte. Unter Sprechers Nachfolgern lassen sich zwei
Gruppen?), die Anspruch auf eine selbständige Methode erheben können,
herausheben.
Die Erwägung, daß Sprechers Kurvenmanier in dem von ihm
selbst benutzten Maßstab von 1: 1000000 ihre untere Grenze der Verwendbarkeit
 erreicht habe, brachte E. Träger?) 1888 dazu, für Karten
größeren Maßstabes von 1:1000000 bis etwa 1: 400000 eine Methode
anzuwenden, in der nach J. J. Kettlers Vorbild*) (1878) die Dichtegruppen
 nicht auf Grund der Gemeinden, sondern rechnerisch ganz
unabhängig von Voraussetzungen festgestellt wurden. Zu diesem Zweck
zerlegt er sein Gesamtgebiet in einander kongruente Quadrate von
5 km Seitenlänge, zählt für jedes derselben die Einwohnerzahl aus und
berechnet nun die ihm zukommende Dichte. Aus diesem Mosaik zahlreicher
 Quadrate gewinnt er ebenfalls mit Hilfe der topographischen
Karte die Zonen gleicher Dichte, die er durch Kurven umschließt.
Andere Autoren, wie C. Gelbke®), C. Käsemacher®), H. Friedrich‘) und
H. Stoltenburg®), sind dieser sogen, mathematischen Methode gefolgt,
wobei es teils zur Anwendung von Sechsecken, teils von Quadraten als
Hilfsfiguren kam. Die Schwierigkeit hierbei liegt in der genauen Ermittlung
 der Einwohnerzahl für jede der Figuren und der Gefahr, Zu-')

 Sprecher, 8. 12.
*) Hierbei ist eine Abart der Dichtekarten unberücksichtigt gelassen, „die, an
sich wertvoll, keinen Anspruch haben, Volksdichtekarten genannt zu werden“
Friedrich, Danzig, S. 14). Es ist die Darstellung der Bevölkerung nach Höhenschichten,
 wie sie Burgkhardt, Erzgebirge, 1889; Neumann, Baden, 1892;
Wolff, Harz 1893 u. a. angewandt haben. Das Widersinnige der Methode, ein
Gebirge in schmale Isohypsenbänder aufzulösen und auf deren Fläche die Bevölkerung
 der betreffenden Stufe gleichmäßig zu verteilen, ist bereits bei Besprechung
 der Arbeit Wolffs (Harz) erwähnt worden. Außerdem begehen diese
Karten, ebenso wie andere, auf Grund gewisser Voraussetzungen (z. B. geologischer)
konstruierte, den Fehler, daß sie den Einfluß eines geogr. Fäktors (hier Höhenlage)
der Karte zu Grunde legen, anstatt sich dies aus der fertigen Karte von selbst
ergeben zu lassen. Es wird dadurch zwar der Charakter der Bevölkerungsanhäufung
bei zunehmender Höhe gezeigt, aber die starke Schematisierung, die die Bewohner
über weite Flächen verteilt, denen sie nicht angehören, nimmt ihnen den Wert der
eigentlichen Dichtekarten, die die Bevölkerung auf dem Boden zeigen sollen, dem sie
ihre Existenz verdankt. Hierin liegt der Grund ihrer Uebergehung in unseren
Betrachtungen.
°) E. Träger, Die Volksdichte Niederschlesiens, 1838 (1: 550 000).
*) J.. J. Kettler, Dichtigkeit d, Bev. im Deutschen Reich (1: 3000000).
Andree-Peschel, Physik.-Stat. Atl. 1876/78, Taf. 15.
5) C. Gelbke, Volksdichte des Mansf. See- u. Saalkreises, 1897 (1: 125000).
Trotz dieses großen Maßstabes vermag die Karte mangels jeden Straßen- und
Eisenbahnnetzes nur ein wenig deutliches Bild zu geben.
%) C. Käsemacher, Volksdichte der thür. Triasmulde, 1892 (1: 400000).
‘) H. Friedrich, Das Waldenburger Bergland, 1894 (1: 100000). .
9) H. Stoltenburg, Bevölkerungsverhältnisse im Regierungsbez. Köslin.
L896 (1:520000).