Die Bevölkerungsdichte in Südhaunover und deren Ursachen, 15

Der vorliegenden Arbeit liegt also Sprechers Methode zu Grunde,
Ausgehend von dem Satz, daß unter Volksdichte die Anzahl der Menschen
 auf einer bestimmten Einheit (hier 1 qkm) bewohnter Fläche
zu verstehen sei, galt es noch vor der Berechnung zu entscheiden, wie
der Begriff der „bewohnten“ Fläche zu fassen sei, d. h. also, ob die
yanze den Gemeindemitgliedern zur Verfügung stehende Fläche in Be-‘racht
 käme, oder ob gewisse Teile auszuschließen seien, als ohne Einwirkung
 auf die Besiedlung.

5. Begriff der bewohnten Fläche.

Dieser Frage sind so viele Erörterungen zu teil geworden, als
Volksdichtearbeiten erschienen sind. Fast in jeder ist eine etwas abweichende
 Definition gegeben worden, während sie -alle darin übereinstimmen,
 daß gewisse Teile des Landes der bewohnten Fläche nicht
zuzurechnen seien). Es fragt sich nun, was auszuscheiden ist. Während
 sich bei Oed- und Unland die Antwort von selbst ergab, hatte
sich über die Behandlung größerer Waldflächen eine starke Meinungsverschiedenheit
 erhoben, indem diese teils zur bewohnten Fläche
zählten ?), teils von ihr abgezogen wurden®), In der vorliegenden Arbeit
 habe ich mich der letzteren Ansicht gleich der Mehrzahl der
Autoren von Dichtekarten angeschlossen. Die Bevölkerung wird bedingt
Jurch das Kulturland, während der Einfluß der Holzungen auf die
Verdichtung ein sehr verschwindender ist. Wie klein thatsächlich die
Zahl derer ist, die aus einer direkt an den Wald geknüpften Thätigkeit
 ihren Unterhalt gewinnen, habe ich bei der Betrachtung der Kırwerbsthätigkeit
 gelegentlich der Forstwirtschaft nachgewiesen und kann
auf die dortigen Zahlen verweisen. Aus diesem Grunde halte ich aber
auch die von Uhlig*) empfohlene Ausscheidung der forstwirtschaftlichen
 Bevölkerung zugleich mit dem Wald für unnötig. Die geringe
Zahl der zum Teil noch gleichzeitig landwirtschaftlich thätigen Bewohner
 wird das Gesamtresultat nicht zu beeinflussen vermögen, ganz
ahgesehen davon, daß das statistische Urmaterial nur kreisweise vor-{iegt°).
 Betrachten wir hiernach den Einfluß forstwirtschaftlicher Erwerbsthätigkeit
 auf die Dichte der Bevölkerung, so bestätigt sich das
oben Gesagte.
Der waldreichste Kreis Südhannovers, Kreis Uslar mit 55% Waldbedeckung,
 zählt 17805 Bewohner, wovon 1137 der Forstwirtschaft
zufallen (1895). Die Dichte des Kreises. die sonst 107 Bewohner auf 1 akm

1) Krausmüller, Oberhessen. Geogr. Mitteil, a. Hessen 1900, S. 16.
2) So z. B. Neumann, Baden. 1892: Käsemacher, Triasmulde. 1892;
Thiele, Aurich, 1901.
3) So z. B. Sprecher, Rhein. Deutschl., 1887; Trüger, Niederhessen, 1888;
Friedrich, Danzig, 1895; Neukirch, Elsäß. Wasgau 1897; Uhlig, Baden, 1899;
Bergmann, Starkenburg, 1900; Krausmüller. Oherhessen. 1900: Amorosius,
 Niederrhein, 1900.
‘4 Uhlig, Baden, S. 165.
5) Auch auf dem Kgl. Statist. Bureau zu Berlin war gemeindeweises Material
nicht erhältlich.