Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 19

städtischen und ländlichen Siedlungen Südhannovers diesen Wert neben
ihre Ortssignatur auf die Kartenunterlage (Liebenows Mitteleuropa
Bl. 72; 1:300000) eingetragen, Diese vielen Hunderte von Einzelzahlen
 vermochten naturgemäß vorerst noch kein richtiges Bild zu
geben, und es mußte deshalb an ein Zusammenfassen desselben zu
gleichartigen Dichtegruppen unter Umschließung desselben durch Kurven
in Sprechers Sinn, d. h. ohne Rücksicht auf die Feldmarkgrenzen,
lediglich in Anlehnung an die topographische Karte, gegangen werden.
Nun könnte man ja so viele Dichtegruppen herstellen, als es thatsächliche
 Dichteunterschiede im Gebiet giebt. Da jedoch ein solches Vorgehen
 ein allzu unübersichtliches Bild liefern würde, haben sich alle
Autoren entschlossen, die Gruppenbildung nach einer gewissen Skala
von Grenzwerten vorzunehmen, die ja nach dem Charakter des Gebietes
sowie der darzustellenden Dichteverhältnisse ausgearbeitet werden muß.
Die hiernach bewerkstelligte Gruppenbildung verlangt aber vorher noch
die Klarstellung der Frage nach der Behandlung größerer Bevölkerungszentren.


a) Behandlung der Bevölkerungszentren, ;

Gewöhnlich hat man hieran die Frage nach der Trennung bodenständiger
 (oder landwirtschaftlicher) oder nicht bodenständiger (oder
Industrie und Handel treibender) Bevölkerung geknüpft, Diese Frage
ist von E. Küster?) und nach ihm von E. Friedrich?) zum Gegenstand
eingehender Erörterungen gemacht worden. Während ersterer weitgehende
 theoretische Forderungen aufstellte, gelangte letzterer zu dem
Resultat, daß so viele allmähliche Uebergänge und Kontaktzonen vorhanden
 seien, daß eine definitive Trennung beider Bevölkerungsklassen
nicht möglich sei, ganz abgesehen von der schwierigen Beschaffung
ausreichenden statistischen Materials. Bei allen diesen Ueberlegungen
scheint mir indessen ein Fehler von seiten dieser und späterer Autoren
gemacht worden zu sein, nämlich die Verkennung des Wesens der
Volksdichtekarte. Die eigentliche Volks- oder Wohndichtekarte hat
doch die Aufgabe, wie Hettner®) deutlich hervorhebt, „die Bevölkerung
ohne Unterscheidung der Erwerbsklassen in ihrem Verhältnis zum
ganzen bewohnten Lande darzustellen.“ Es wird also mit dem Versuch,
die bodenständige und nicht bodenständige Bevölkerung durch Ausscheiden
 einer gewissen Klasse von Ortschaften zu trennen, ein der
Karte völlig fremdes Moment in sie hineingetragen. Man verlangt von
ihr, eine Art Karte der Erwerbsdichte zu werden. Aber eben nur eine
Art, denn schon Friedrich hat, wie oben erwähnt, das Unmögliche der
völligen Durchführung dieser Anforderung bei dem stets beschränkten
Maßstab einer Volksdichtekarte anerkannt. Es‘war deshalb mein Ziel,
in scharfer Auseinanderhaltung der Begriffe von Volks- und Erwerbs-}



E. Küster, Zur Methodik etc., Ausland 64, 8, 1891.
E. Friedrich, Danzig, 1895, S. 6.
Siehe Note 1, S. 20.