Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 21

Aber es kommt ja, wie gesagt, hierauf bei einer Volksdichtekarte auch
gar nicht an. Hier wird die gesamte Bevölkerung ohne Unterschied
dargestellt, und mit einer Eliminierung der größeren Ortschaften soll
lediglich eine fälschliche Erhöhung der Mitteldichte ihrer Umgebung
vermieden werden, Nur von diesem Gesichtspunkt aus ist von mir die
Ausscheidung vorgenommen worden.
Wo immer ein Ort (der zufällig meist Stadt war!) die Dichte
seiner Umgebung so stark übertraf, daß seine Einrechnung
 deren Mitteldichte um mindestens eine volle Stufe
der gewählten Skala erhöht hätte, erfolgte seine Ausscheidung.
 Die größeren Städte des Gebietes, wie Göttingen, Northeim,
Einbeck, Osterode, Goslar u. a. fielen dabei ganz von selbst aus dem
Rahmen der sie umgebenden Dichtezonen als lokale Bevölkerungszentren
 heraus. Andererseits wird man aber aus der nachstehenden
Liste sehen, daß vielfach Ortschaften ausgeschieden sind, die an Einwohnerzahl
 weit unter solchen stehen, die mit ihrer Umgebung zu einer
Dichtegruppe vereinigt wurden. So wurden z. B. Markoldendorf (941
Einw.) und Adelebsen (1048 Einw.) ausgeschieden, da ihre Dichten
(323 und 214 Bewohn, auf 1 qkm) die ihrer weiteren Umgebung (60 bis
30 auf 1 qkm) stark übertrafen, Andererseits finden sich Moringen
(2466 Einw., Dichte 110) und Stadt Worbis (2300 Einw., Dichte 167)
in ihre Umgebung, die den Dichtestufen 100-—150 und 150—200 angehört,
 mit verrechnet. Ich habe also die Frage der Ausscheidung von
Bevölkerungszentren nicht auf irgend einen nach dem Maßstab meiner
Karte oder dem Erwerbscharakter des Gebietes bestimmten Schwellenwert
 der Einwohnerzahl basiert, sondern direkt auf ihre Eigenschaft
als Punkte lokaler Menschenanhäufung ihrer Umgebung gegenüber. Die
Frage zu beantworten, welche Faktoren, ob Industrie oder Verkehr
oder irgend welcher andere Umstand diese lokale Verdichtung hervorgebracht
 haben, ist aber nicht: Sache der Volksdichtekarte, sondern
des begleitenden Textes, weshalb unsere Ausscheidung nicht auf Erwerbsunterschieden,
 sondern lediglich auf Dichteunterschieden ohne
Rücksicht auf deren Ursache beruht.
Ein Punkt jedoch ist bei der Frage der Städteausscheidung noch
zu erwägen, ob es nämlich statthaft ist, mit der angehäuften Bevölkecung
 zugleich das gesamte Gemarkungsareal der betreffenden Siedelung
 auszuscheiden, oder ob nur gewisse Teile desselben, etwa nur die
unmittelbar mit Häusern bebaute Fläche, fortzufailen haben. Hier hat
Käsemacher*) einen interessanten Versuch gemacht, dieser Schwierigkeit
 zu begegnen. Es scheidet lediglich die Bevölkerung der Stadt
aus und teilt ihr Areal bei der Gruppenbildung der Umgebung zu, indem
 er durch diese Arealsvergrößerung den durch die Stadt hervorgerufenen
 Bevölkerungszuwachs der Umgebung (seien dies nun in der
Stadt beschäftigte Arbeiter oder andere durch die Nähe der guten Erwerbsquelle
 herangezogene Personen) auszugleichen sucht, um „möglichst
einen Bevölkerungszustand darzustellen, wie er ohne den Einfluß der
Stadt sein könnte. Diese Methode läuft jedoch auf Sonderdarstellung der

+ Käaemacher. Thür. Triasmulde. S. 199 f.