Die Bevölkerungsdichte in Südhannover’und deren Ursachen. 31

8. Wahl der Farben,

Mit der Frage nach der Auswahl der Farben für die Dichtekarte
wird ein Gebiet berührt, das hart an die Technik streift, worin auch
der Grund liegen mag, daß es noch nicht Gegenstand eingehenderer
methodischer Erörterungen geworden ist. Es herrscht gerade hier eine
Unsicherheit und Verschiedenheit, wenn man die einzelnen Volksdichtekarten
 untereinander vergleicht, wie es eben nur bei einem gänzlichen
 Mangel eines Systems der Fall sein kann. Daher kann denn auch
Hettner*) mit Recht klagen, daß „hier viel gesündigt worden sei, da
man oft die Farben ohne jedes Prinzip gewählt hat, so daß die Karte
nur durch immerwährende Benutzung der Legende entziffert werden
kann“. Wenn es auch dem in der kartographischen Technik ungeübten
Autor schwierig sein wird, jederzeit das für die technische Reproduktion
 Geeignetste in Bezug auf die Farbenauswahl zu finden, so sollte
er dennoch der reproduzierenden Anstalt gegenüber seine Wünsche,
denen ja nach Möglichkeit zu entsprechen gesucht werden wird, eben
darum nach einem bestimmten Grundprinzip aufstellen. Er kann sich
für zwei Wege entscheiden, entweder für mehrfarbigen oder einfarbigen
Druck. Letzterer erscheint aber nur bei einer Stufenzahl von höchstens
fünf am Platze, darüber hinaus muß zwecks deutlicher Unterscheidbarkeit
 zu einer zweiten und dritten Farbe gegriffen werden. Grundprinzip
für alle Fälle muß jedoch das von K. Peucker?) zunächst für topographische
 Karten Aufgestellte, aber auf Dichtekarten leicht Uebertragbare
sein: je dichter die Bevölkerung, desto dunkler die Farbe und umgekehrt.
 Es ist, wie gesagt, hierbei gleichgültig, ob eine oder mehrere
Farben Anwendung finden, denn vorausgesetzt, daß in letzterem Falle
die Auswahl so getroffen ist, daß eine deutliche Unterscheidbarkeit ermöglicht
 ist, muß trotz der Verschiedenheit der Farben als Totalaindruck
 eine Stufenleiter hervorgebracht werden®).
Auf diese Weise wird, wenn alle Autoren sich gleichmäßig dieses
Prinzipes bedienen, dem geübten Auge bei Benutzung einer so abgestuften
 Dichtekarte sofort ein allgemein orientierendes Bild von der
Verteilung der Bevölkerung in dem ganzen dargestellten Gebiet erscheinen,
 und erst detaillierte Fragen werden die Benutzung der Legende
 nötig machen. Freilich erfordert das Bestreben, bei Anwendung

ll Hettner, Geogr. Z. (1901) VII, S. 580.
vb M K, Peucker, Schattenplastik und Farbenplastik (Kartogr. Studien I.), Wien
‚8. 10 f.
3) Ebenda. Diese Schrift Peuckers sollte von jedem, der, ohne auch Kartozraph
 von Beruf zu sein, durch zufällige Aufgaben mit Kartenzeichnen und deren
Reproduktion zu thun bekommt (Autoren geogr. Schriften), gelesen werden. Dann
wird er wenigstens einen Teil der ‚von Peucker so bitter beklagten Unkenntnis auf
liesem Gebiet gerade bei Leuten, die das Gegenteilige aufweisen sollten, verlieren.
Aber dann soll er sich um so mehr hüten, sich für einen Fachkartographen zu
halten, „sobald er nur hin und wieder durch einige Mußestunden eine Karte bearbeitet,
 bezw. mit Anweisungen für den Lithographen versieht oder nur einige
engumzirkte Vorstellungen von kartographischer Technik besitzt“ (8. 55). Wie
beherzigenswert, und doch wie oft machen kartogr. Anstalten gerade die gegenteiligen
 Erfahrungen!