E. Wagner,
zwischen Lauterberg und Sachsa in das Gebirge ein. Im Innern wird
ihr Verlauf indessen bald ein so verwischter, daß die obige Teilung
in die beiden Gebirgshälften nur mehr theoretisch auf diese Weise
durchführbar erscheint. Für die vorliegende Arbeit ist deshalb als
Trennungslinie das Oderthal bis zu seiner Quelle angenommen worden
und dann eine Linie, die westlich des Brockenmassives über das Brockenfeld
 zum Radauthal zieht und mit diesem bei Harzburg in das Vorland
 tritt. Hierdurch ist der Harz beiläufig fast an seiner breitesten
Stelle geteilt worden, die zwischen Osterhagen und Harzburg rund
30 km beträgt.
Wenn, wie gesagt, die oben angenommene Grenzlinie der Wasserscheide
 zuweilen sehr undeutlich und willkürlich erscheint, wird die
Thatsache der Teilung in Ober- und Unterharz noch durch andere
Umstände befürwortet. Es zeigen sich nämlich deutliche Unterschiede
in dem Charakter der beiden Gebirgshälften. Der hohe, dicht mit
Nadelwald bestandene, klimatisch rauhe und daher für den Ackerbau
ganz ungeeignete ÖOberharz mit seinen mineralischen Bodenschätzen
bildet einen scharfen Gegensatz zu dem niederen, erzarmen, hochflächenartigen,
 klimatisch milderen und daher mit Feldern und Laubwald bedeckten
 Unterharz. Diese Verschiedenheit überträgt sich naturgemäß
auch auf die Bewohner, die nicht nur in Sprache und Sitte, sondern
vorzüglich in ihren Erwerbszweigen voneinander abweichen.
Für unser Gebiet kommt allein der Oberharz in Betracht, und
es sollen nach seiner Abtrennung vom Unterharz im folgenden zunächst
 seine äußeren Grenzen gegen das Vorland festgelegt werden.
Der äußerste Punkt des Gebirges im Nordwesten wird bei dem
Dorfe Hahausen erreicht. Hier stoßen der Nord- und Südwestrand
unter annähernd rechtem Winkel zusammen. Die Grenze im Süden
und Südwesten ist durchaus markiert durch den schmalen Zechsteingürtel,
 der das sonst aus paläozoischen Schiefern und Grauwacken bestehende
 Gebirge umzieht, Eine große Zahl von Randsiedelungen bezeichnet
 ihren Verlauf: Seesen, Gittelde, Osterode, Herzberg, Scharzfeld,
Osterhagen etc, Verschärft wird die Abgrenzung gegen das Vorland
noch durch ein breites, den Südwestrand von Gittelde bis Herzberg
begleitendes Thal. Daß dies durch Abbruch der jenseits desselben
liegenden Zechsteinscholle entstanden ist, wird schon durch das plötzliche
 Abbiegen der drei Flüsse Söse, Sieber und Oder bei ihrem Austritt
 aus dem Gebirge nach Nordwesten gekennzeichnet, die erst ein
gutes Stück weiter nordwärts die vorgelagerte Zechsteinscholle durchbrechen
 und, ihre alte Südwestrichtung wieder aufnehmend, sich in das
Vorland ergießen.
Am Nordrand fehlt freilich .der Zechsteingürtel völlig, aber hier
legen sich Kreidebildungen des Vorlandes unmittelbar an den Harzrand
an und geben ebenfalls eine scharfe Grenzlinie ab, die die Orte Langelsheim,
 Goslar, Oker, Harzburg, Ilsenburg, Drübeck durchzieht. Die
für die Gebirgsränder charakteristische Grenzlinie entspricht; ganz allgemein
 gesprochen, der Höhenlinie von 260 m.

) Leicher, 8.83.