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E. Wagner,

Hieraus geht wiederum der bereits oben angedeutete stärkere
landwirtschaftliche Charakter des Südrandes hervor, der sich zugleich
in seiner größeren Viehhaltung ausspricht, was weiter unten erwähnt
werden wird.
Diese Verhältnisse finden nun auch in der Volksverdichtung an
den Gebirgsrändern ihren Ausdruck. Der unter ungünstigen Bodenverhältnissen
 vorwiegend landwirtschaftlich erwerbsthätige Südrand (4)
weist nur geringe Dichte auf, (111 Bewohner auf 1gkm ohne die
Städte), gegen den durch seine Verkehrslage begünstigten Südwestrand
 (2) (130 Bewohner auf 1 qkm ohne die Städte), oder gar den
industriellen Nordrand (1) (345 Bewohner auf 1 qkm ohne die Städte),
der eine der dichtestbesiedelten Zonen des Deutschen Reiches überhaupt
darstellt.
Steigen wir nun ins Gebirge selbst hinauf, ändern sich die landwirtschaftlichen
 Verhältnisse wesentlich. Das überaus rauhe und niederschlagsreiche
 Klima, das ım Boden eine fortwährende Verdunstungskälte
 erzeugt, nimmt dem Ackerbau schon in verhältnismäßig tiefer
Höhenlage jede Aussicht auf Ertragsfähigkeit. Dazu kommt eine
flache, meist thonhaltige und wenig ergiebige Bodenkrume, die in den
höheren Lagen vielfach zu Moorbildung neigt!), während die Thäler,
lie ja auf ihren Sohlen recht guten Boden aufweisen, aus Mangel an
Besonnung und Ueberreichtum an Feuchtigkeit noch besonders ungeeignet
 für den Körnerbau werden. Ihre Hänge sind aber zu steil, um
die Anlage von Feldern an der Sonne zugänglicheren Stellen zu gestatten.
 Immerhin sind die Thäler, wenigstens die nach Süden geöffneten,
 noch im Vorteil gegen die Hochflächen, wo der Ackerbau fast
gänzlich verschwindet. An seine Stelle tritt eine ausgedehnte Wiesenwirtschaft.
 Die Feuchtigkeit der Atmosphäre kommt dieser gerade
sehr zu gute, und die Pracht und Frische der Harzer Wiesen ist jedem,
der den Harz bereist hat, bekannt. Selbstverständlich ist aber, daß
eine derartige Landwirtschaft nicht im stande sein kann, die Bevölkerung
 zu ernähren, und es muß deshalb. erstere mehr und mehr zum
Nebenberufe herabsinken, zur eventuellen Erhöhung der aus dem industriellen
 Haupterwerb erzielten Einnahmen.
Um sich einen Begriff von der Art und Weise der im Gebirge
selbst geübten Bodennutzung zu machen, empfiehlt es sich, mehrere
Siedelungsgruppen zu unterscheiden. Es bestehen hierfür drei Möglichkeiten:
 die Siedelungen können entweder auf den Hochflächen oder an
den Abhängen derselben oder in den tiefeingeschnittenen Gebirgsthälern
gelegen sein. Und in der That sind diese drei von der Natur gegebenen
 Möglichkeiten im Oberharz benutzt worden, wenn auch nicht
alle mit gleicher Häufigkeit. Am seltensten treffen wir die Hangsiedelung,
 und in unserem Gebiet kommt nur Andreasberg hierfür in
Betracht. Indessen ziehen sich seine Bauten so tief in die vielen
Thälchen seiner Umgebung hinab, daß, wir es für unsere Zwecke mit
len Thalsiedelungen zusammenfassen können. Sonach unterscheiden wir

) Meitzen. V. 8. 4438