Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 53

aur zwei Gruppen: Thal- und Plateausiedelungen, deren Wesen auch ohne
erklärende Worte in ihrem Namen liegt. Ausgesprochene Vertreter der
letzten Kategorie sind die Bergstädte Klausthal und Zellerfeld, sowie
die Orte Altenau, Schulenberg, Hahnenklee und Buntenbock, während
der ersten Klasse der Hauptteil aller Gebirgssiedelungen des Oberharzes
angehört, aus deren Zahl nur die Orte Lautenthal, Wildemann, Grund,
Lauterberg, Lonau und Sieber genannt seien. Besonders charakteristisch
 für alle diese ist ihre Lage in engen und meist tiefen Thälern,
die kaum Raum für die Straße gewähren. Die Thalwände erheben
sich so schnell und steil, daß nur wenig Möglichkeit zur Anlage von
Kulturen geboten ist. Dementsprechend sind die Orte durchweg langzeilig
 gebaut, und die zu beiden Seiten der Straße gelegene einzige
Reihe Häuser lehnt sich oft genug mit ihrer Rückseite unmittelbar an
den Berghang an. Nur ein schmaler Saum grüner Wiesen und spärlicher
 Felder trennt die Siedelungen vom Walde, der sie ganz umschließt.
 Aus letzterem Umstande erklärt sich auch die lokal zu so
hohen Dichten zusammengedrängte Bevölkerung, wovon noch zu reden
sein wird.
Wenn wir also die in diesem Sinne gruppierten Siedelungen überschauen,
 kommen wir zu dem Resultat, daß die Hochebene von Klausthal
 ein fast ausschliesslich zu Graswirtschaft verwendetes Gebiet darstellt.
 Der Ackerbau sinkt hier oben zu gänzlicher Bedeutungslosigkeit
herab, während er bei der Gesamtheit der Thalsiedelungen immerhin
noch eine gewisse Fläche meist zu Kartoffelanbau beansprucht, Dennoch
 liegt aber auch hier der Schwerpunkt auf der Wiesenwirtschaft.
Was schließlich noch die Verteilung der im Gemeindebesitz befindlichen
 Holzungen betrifft, so sind die Anteile der Thalsiedelungen an
erster Stelle zu nennen. Sie sind ja von Wald ganz umschlossen und
haben ihren Baugrund und die landwirtschaftlich genutzte Fläche um
die Ortschaft herum erst durch Niederlegung des Waldes gewonnen,
während das Plateau viel spärlichere Waldbestände aufzuweisen hat.
Der Ertrag aus den Gemeindewaldungen ist mitunter bei einigermaßen
ansehnlichem Besitz nicht unbedeutend ’). Während die Eisenhütten
zwar seit Ausbauung des Eisenbahnnetzes mehr und mehr Kohlen verwenden,
 ist die Verfrachtung von Bau- und Brennholz nach dem Vorland
 eine rege geworden. Minder wichtig ist der Ertrag an Beeren,
von denen vor allem die Preißel- (oder Krons)-beere einen Ausfuhrartikel
 bildet.

2. Anbauflächen und Ernteerträge,

‚ Um die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft des eigentlichen
Gebirges zu kennzeichnen, seien im folgenden die für den Kreis Zeller-')

 Die Grundsteuerreinerträge (Gem.-Lex. Hann. 1887) geben hiervon ein
Bild. Diese betrugen in den mit größerem Waldbesitz versehenen Orten Grund
and Klausthal 13—16 M. vom Hektar, während kleinere und darum weniger vorteilhaft
 zu bewirtschaftende Besitze, wie die von Lonau, Sieber, Riefensbeck nur
i—-3 M. vom Hektar ergaben.