Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 57

and Erhaltung den reichen mineralischen Bodenschätzen und der mit
ihrer Ausbeutung aufgewachsenen verwandten Industrie. Nur durch
diese bodenständige, d. h. auf direkte Verwertung der Bodenprodukte
ausgehende Industrie war es dem ÖOberharz möglich, den klimatisch und
landwirtschaftlich so viel günstiger gestellten Unterharz an Volkszahl
weit zu überholen. Dazu gesellen sich, aber erst in zweiter Linie, die
Industriezweige, die durch den fast unerschöpflichen Holzreichtum des
Gebirges zur Niederlassung an seinen Rändern und in seimen Thälern
veranlaßt wurden.
Damit haben wir die zwei für das eigentliche Gebirge ursprünglich
 verdichtenden Faktoren genannt. Später kommt, nach Entstehen
der einzelnen Bergwerks- und Hüttenorte und dem allmählichen Ausbau
 eines Straßennetzes, das infolge der schwierigen Verhältnisse des
Gebirges stets ein recht dürftiges blieb, noch das Aufblühen gewisser
Ortschaften, besonders an den Rändern, hinzu, als Vermittlungspunkte
zum Austausch der industriellen Erzeugnisse des Inneren gegen landwirtschaftliche
 des Vorlandes, die im Gebirge gänzlich fehlten. In
unserer Zeit der verbesserten Verkehrsmittel entwickelt sich außerdem
noch ein reger Fremdenverkehr, der sich über das ganze Gebirge erstreckt,
 die heimische Industrie in hohem Maße beeinflußt und aus
einfachen Hütten- und Bergwerksorten aufblühende Sommerfrischen
und Luftkurorte macht. Auf diese letzteren Faktoren wird bei Betrachtung
 der Verkehrsverhältnisse näher einzugehen sein.
Der Bergbau auf Blei-, Zink- und Kupfererze und deren Verhüttung
 ist von jeher der Haupterwerbszweig der Bewohner des Oberharzes
 gewesen, Wirtschaftlich betrachtet stellt eben dieser Teil des
Gebirges das Gebiet des Bergbaues dar, der sich hier im Laufe der
Jahrhunderte zu Musterbetrieben ausgestaltete, von denen Bergwerkskolonien
 nach allen Teilen der Erde ausgesandt werden‘). Die meisten
der oberharzischen Siedelungen verdanken denn auch dem Bergbau ihre
Entstehung und ihr Aufblühen. Es darf hierbei nur an die Orte
Ghittelde, Grund, Lautenthal, Wildemann, Lauterberg, Altenau und vor
allem an die bedeutendsten, Goslar und die Doppelstadt Klausthal-Zellerfeld,
 erinnert werden). Mit dem Bergbau erwuchsen in den genannten
 oder aber benachbarten Orten, wo selbst kein Bergbau möglich
 war®%), verwandte Industriezweige, die sogen. Montanindustrie, die
sich mit der Aufbereitung der Erze und ihrer weiteren Verwendung
befaßte, Solche Anlagen ließen am Nordrand des Harzes die Orte Oker
und Langelsheim, im Süden Lauterberg, Sieber und Lonau entstehen,
während sie in den Bergwerksorten wesentlich zur Entwicklung derselben
 mit beitrugen. So verschmilzt Klausthal noch heute als Rohhütte
 den größten Teil der Harzer Erze, während in Lautenthal die
Entsilberung und in Altenau die Darstellung von Kupfer vorgenommen

‘) Guthe, 8. 294.
‘) Guthe, 5. 258 f,
5) Die Erzgänge, bei der Auffaltung des Gebirges entstanden und später
mit Erzgehalt infiltrierte Risse, führen nur im Karbon (Kulm) Erz: es fehlt. sobald
ä3e in das Devon übertreten (y. Koenen).