Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 59

3amer macht, wobei aber zugleich der Erzgehalt geringer wird!), Wir
werden auf diesen Punkt, der eng mit der für einen großen Teil der
Siedelungen zu konstatierenden Bevölkerungsabnahme im inneren Oberharz
 zusammenhängt, noch zu sprechen kommen.
Veberblicken wir nochmals den Wert, den Bergbau und Hüttenindustrie
 für das Gebirge haben, so kann wohl gesagt werden, daß
ohne sie die Urbarmachung der kalten und feuchten Thäler, sowie des
unwirtlichen Plateaus, die durch Lage und Klima einen landwirtschaftlichen
 Erwerb verbieten, vielleicht nie, oder doch erst sehr spät
in kleinstem Umfange erfolgt sein würde. Als man aber, durch die
Bodenschätze verlockt, zur Besiedelung schritt, lag es in dem Aufbau
und der dichten Bewaldung des Gebirges, daß die Verdichtung sofort
lokal überaus stark hervortreten mußte. Bei Anlage eines Berg- oder
Hüttenwerkes wurde eben nur so viel von dem Wald entfernt, als zur
Errichtung der nötigsten Gebäude erforderlich war. So drängte sich
lie Bewohnerschaft von jeher auf beschränktem Raum um ihre Erwerbsstellen
 herum und rief die schroffen Gegensätze in der Besiedelung
hervor, daß sich neben dichtest bevölkerten Stellen sofort stundenweite
einsame Wälder und Moorflächen ausdehnen, Kontraste, die die Dichtekarte
 zum Ausdruck bringt. Dank dieser Art der Ansiedelung und einer
durchweg vernünftigen?) Forstwirtschaft, die den Wert des Holzes für
die Bewohner erkannte und für Nachwuchs sorgte, hat das Gebirge bis
auf den heutigen Tag seinen Waldreichtum bewahrt. Mit diesem Holzreichtum
 ist dem Oberharzer eine zweite Erwerbsquelle gegeben, die er
mit der erstbesprochenen in dem alten Spruch zusammenzufassen pflegt:
Es grüne die Tanne,
Ks wachse das Krz.

Mancherlei Industrie hat sich an den Holzbestand des Gebirges
geknüpft, sich aber im Gegensatz zu der vorherigen Gruppe mehr an
den Rändern oder Thalausgängen niedergelassen. Zahlreiche Sägemühlen
 und Holzstofffabriken (für Zwecke der Papierfabrikation) be-‚eben
 hier die Ufer der Bergflüsse, während in Lauterberg (am Südcrand)
 und Wolfshagen (am Nordrand) und anderswo Zündholzfabriken
bestehen, die meist noch die altmodischen Schwefelhölzer herstellen.
Daneben hat Lauterberg eine nicht unbedeutende Möbelfabrik aufzuweisen,
 und in fast allen größeren Orten befinden sich Tischlereien und
Böttchereien. Außerdem spielt in den Randorten der Holzhandel eine
Rolle. Besonders kommen hier Osterode, Goslar und Isenburg in Betracht,
 die den Vertrieb der Gebirgshölzer nach dem Vorland und
weiterhin im Reiche vermitteln. Zu erwähnen ist noch die Holzeimerfabrikation
 in Osterode, die Jährlich gegen 300000 dieser Gefässe exportiert*)
 und zusammen mit einer ebendort bestehenden Möbelfabrik
einer großen Zahl von Arbeitern Beschäftigung gewährt. Außerdem
werden für die sogen. grobe Holzzurichtung im ganzen Gebirge noch

') Hoffmann, Der Harz etc, Ebenda, So ist der Kaiser Wilhelm-Schacht-Klausthal
 heute 865 m tief, die Grube Samson-Andreasberg 780 m.
2?) Mit Ausnahme der S, 47 gemachten Bemerkung.
8) Wolff. 8. 925.