Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 63

Bei der Entwicklung der Eisenbahnlinien läßt sich der gleiche
Vorgang, wie bei den Handelsstraßen beobachten. Auch hier bestehen
lange Zeit die Schienenwege um das Gebirge herum, bis man 1877*)
zur Anlage der ersten Bahn ins Innere schreitet, der das Innerstethal
hinaufziehenden Linie Langelsheim—Klausthal. Mit Erbauung derselben
gelingt es Langelsheim, der bedeutenderen Stadt Goslar seine Stellung
als Durchgangsplatz für den Handel nach dem Gebirgsinneren streitig
zu machen. Dadurch, daß sich fortan in Langelsheim die Schienenstränge
 nach den verschiedenen Richtungen des Vorlandes verzweıgten,
ist der Entwicklung dieses Ortes ein sehr belebendes Element zu teil
geworden, ohne daß damit freilich Anlaß zu einer Ueberflügelung der
Industriestadt Goslar gegeben wäre.
Eine zweite Linie ins Innere folgte 1884 von Lauterberg nach
Andreasberg, wodurch gerade der letztere Ort, der unter der Unbeständigkeit
 des Silberbergbaues sehr leidet?), durch Hebung seines
Fremdenverkehres in günstigster Weise beeinflußt wurde?). Hine den
ÖÜberharz ganz durchquerende Linie hesteht zur Zeit noch nicht, während
 der Unterharz ın der Eisenbahn Wernigerode—Walkenried eine
solche aufweist. Gleich den alten Handelswegen befördern die HEisenvahnlinien
 die Entwicklung der von ihnen berührten Orte, und heute
sind Osterode, Herzberg als Knotenpunkte der Bahnen Nordhausen—Hildesheim
 und Nordhausen— Northeim, dann Seesen, als Knotenpunkt
ganz im Sinne der alten Straßenzüge, ferner Goslar, Oker und Harz-5urg
 beredte Beispiele dafür.
Mit den durch die Eisenbahnen gegebenen besseren und leichteren
Verkehrsverhältnissen wurde der Harz dank seinen nun erschlossenen
landschaftlichen Schönheiten ein Ziel wachsenden Fremdenverkehrs.
Dieser Umstand kann als für das Erwerbsleben der Bevölkerung von
größter Wichtigkeit bei der Betrachtung der Volksdichteursachen des
Gebirges nicht beiseite gelassen werden. An vielen Punkten sind außerdem
 Sanatorien entstanden und die Zahl der Besucher beträgt in jedem
der heute als Sommerfrischen und Kurorte benutzten Harzorte weit
über 3000, Harzburg und Goslar, welch letztere noch als historische
Kaiserstadt eine besondere Anziehung ausübt, sind die meistbesuchtesten
 Punkte des Harzrandes, während im Gebirge selbst Grund,
Andreasberg, Elend, Schierke und Braunlage hier zu nennen sind. Neben
ihnen kommen jedoch in unseren Tagen fast alle Siedelungen des Gebirges
 wie des Randes mehr oder weniger in Betracht, so daß den
Bewohnern aus dem Fremdenverkehr ein gewaltiger Zuschuß zu ihrem
Lebenserwerb erwächst. Durch die für seine mannigfaltigen Zwecke
benötigten Personen sowie Neubauten vermag er aber außerdem eine
lokal stark verdichtende Wirkung auszuüben. Seinen Ausdruck findet
dies besonders in der Zahl der im Gasthausgewerbe Erwerbsthätigen,

') Diese und die folgenden Angaben nach den betr. Jahrgängen des Reichskursbuches,
 Einiges auch in: Die Eisenbahnverhältnisse des Hzgtm. Braunschweig,
Denkschr. d. Handelsk. Braunschw. 1899. .
?) Daher auch früh hier schon Bestreben nach Nebenerwerb: Kanarienvogel.
zucht und Spitzenklöppeln.
3) Günther. 8. 1839.