74

E. Wagner,

Nur da, wo Nebenflüsse münden, und sich das Thal dadurch erweitert,
wird Raum für größere Orte geschaffen, so Bodenfelde a. d. Schwülme
and Karlshafen an der aus Westfalen kommenden Diemel.
3. Von Karlshafen bis zur Forstbachmündung: Der Charakter des
Thales wechselt. Das rechte Ufer mit dem Solling tritt zwar noch
licht an den Fluß heran, aber der Steilabfall des linken westfälischen
Muschelkalkplateaus weicht zurück, so daß sich das Thal zu 1,5 km
Breite erweitern kann. Charakteristisch für das linke, flache Ufer sind
eine große Zahl von Hochwasserrinnen, die etwas unterhalb Korvey ihren
Anfang nehmen?!). Von Karlshafen bis weit unterhalb Holzminden fließt
der Fluß auf der Grenze zwischen Buntsandstein und Muschelkalk. Aus
den mehrfachen kesselförmigen Erweiterungen, die das Thal bilden,
läßt sich auf wiederholte Anstauungen und Durchbrüche der Weser in
der alten Verwerfungsspalte schließen. Außerdem zeigen sich noch
heute viele Spuren von Unterwaschungen und Felsrutschungen an dem
linken Kalkufer?), das nur zwischen Herstelle und Beverungen noch
licht an die Weser herantritt, was bis ins 19. Jahrhundert eine Unterbrechung
 der Fahrstraße und einen Fährenverkehr zur Umfahrung bis
Beverungen zur Folge hatte®. Die linken Nebenflüsse Bever und Nethe
tragen durch ihre Thalausgänge wesentlich zur Verbreiterung des
Weserthales bei. Das Stück des letzteren von der Nethemündung,
des größten Flusses des östlichen Westfalen, bis nach Holzminden mag
einen Stausee gebildet haben, ehe sich die Wasser den Abfluß verschafften.
 In der Mitte des alten Seebeckens liegt heute die Stadt
Höxter mit dem Zentrum der Verbreitung christlichen Glaubens und
Kultur in Sachsen unter Karl dem Großen, dem ehemaligen Kloster
Korvey.
4. Von der Mündung des Forstbaches bis Bodenwerder: Etwa
7 km unterhalb Holzminden verengt sich das Thal von neuem. Das
Verwerfungsthal verwandelt sich hier in ein Durchbruchsthal, das sich
die Weser gegen 30 km lang und oft 200 m tief in die von Westfalen
herüberreichende Muschelkalkplatte gegraben hat. Es ist ein enges
steilwandiges Thal, das alten Spalten der Kalkmasse folgt und daher
vielfache Windungen aufweist, die an den ersten Abschnitt von Münden
bis Karlshafen erinnern. Die engste und bei dem häufigen niederen
Wasserstande wegen der Felsenriffe für die Schiffahrt nicht ungefährliche
 Stelle findet sich zwischen Grave und Rüste. Hier ist auch erst
in jüngster Zeit durch Sprengung Raum für die Straße geschaffen
worden, die ehedem auf den begleitenden Höhen hinführte*). Nur
unbedeutende Nebenflüßchen ergießen in diesem Thalabschnitt ihr Wasser
in die Weser, Unterhalb Hajen erweitert sich beim Austritt aus dem
Muschelkalk das Thal rasch und der Fluß nimmt den Charakter eines
Tieflandstromes an, den er nur noch einmal an der Porta Westfalica
abstreifen soll.

X

Weser und Ems III, S. 15.
Guthe, $. 413.
Ebenda.
Guthe, S. 419.