Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 75

b) Klimatisches,

Das Klima Südhannovers wird von zwei Faktoren beeinflußt.
Einmal von dem Meer, das seine Einwirkung „wie jede Quelle größeren
Wassergasreichtums der Luft nicht nur auf die ihm selbst zugehörigen
Luftmassen beschränkt, sondern durch Vermittlung von Luftströmungen
in die Ferne, auf die weitere Umgebung zu wirken vermag‘).“‘ Wenn
sich nun aus langjährigen Beobachtungen ein ausgesprochenes Vorherrschen
 westlicher Winde für Zentraleuropa®) ergiebt, die speziell für
Hannover und Braunschweig nur zeitweise von einer Südostströmung
abgelöst werden?), so kann nur die Nordsee als die unser Gebiet benflussende
 Wassergasquelle gelten.
Auf der andern Seite stehen dem Meere vielfach entgegenwirkend
die Bodenerhebungen, deren Einfluß jedoch im Gegensatz zu ersterem
em „streng örtliches Gepräge“*) trägt. Das Entgegenwirken gegen die
vom Meere herkommenden feuchten Luftströme besteht in deren Abfangen,
 so daß die abgekehrte Leeseite vielfach einen erheblich trockneren
Charakter erhält als die Luvseite samt ihrem Vorland. Am stärksten
macht sich in diesem Sinn der Einfluß des Harzes geltend bis weit in
sein westliches Vorland hinein, erst nach ihm in schwächerer Weise der
des Sollinger Waldgebirges. Neben der Beeinflussung der Niederschlagsverhältnisse
 wirken die höheren Erhebungen noch durch die
periodischen Tag- und Nachtwinde auf das Vorland, deren Wesen wir
ben beim Harzer Klima besprachen (S. 48).
In dieser Beziehung untersteht das südhannoversche Gebiet hauptsächlich
 dem Einfluß des Oberharzes, und zwar um so mehr, je mehr die
betreffenden Bezirke sich dem Gebirge nähern. Eine zunehmende
Herabdrückung der Temperaturen, sowie eine Steigerung der Regenhöhen
 bringen dies zum Ausdruck®), Diese ausgesprochene Einflußsphäre
 des Öberharzes erstreckt sich auf sein westliches Vorland bis an
die Rotenberge im Südosten und die Gegend von Gandersheim im
Westen, um sich über diese Linie hinaus abzuschwächen oder mit der
von Westen herüberkommenden Einwirkung der Weserberge, insbesondere
 des höchsten derselben, des Solling, zu vermischen. Jedenfalls
aber ist die Nähe der Gebirge im ganzen südlichen Hannover an der
Erscheinung der kalten, von den Bodenerhebungen herabwehenden Winde
zu erkennen, was vorzüglich in den Thälern der Wasserläufe fühlbar
wird®). Auf diese Weise werden die günstigeren klimatischen Bedingungen
 des Weser- und Leinethales, infolge ihrer nach Süden gegen
warme Luftströme geöffneten Lage und des nördlichen Windschutzes

Assmann, 8. 316.
Assmann, S. 337; Weser und Ems IT, S, 116.
Assmann, a. a. 0.
Ebenda, S. 316.
— Vgl. Hellmann, Regenk. d. Prov. Hannover 1902. Ebenso die Regenk.
Moldenhauers. Letzterer beklagt (S. 328) ebenso, wie das Weser und Emswerk
(I, S. 23) das Fehlen zahlreicherer Stationen im südhannov. Gebiet, um einen genauen
 Nachweis der stärkeren Wasserdampfkondensation im westlichen Harzvorland
zu liefern.
8) Assmann, S. 8358.