Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 81

Seiten Muschelkalkerhebungen; das Ohmgebirge und die Umrandung
ler Bucht von Einbeck sind weitere Vorkommnisse dieser geologischen
Etage. Die Dichtekarte giebt Auskunft über den landwirtschaftlichen
Wert dieser Gebiete. Selbst da, wo das benachbarte Leinethal gute
Verkehrsverhältnisse bietet, vermag sıch die Dichte der Bevölkerung
nicht über 50— 60 auf dem armen Muschelkalkboden zu erheben (34,
37, 38, 46). Wir werden gelegentlich der Betrachtung der Bodennutzung
 hierauf näher eingehen,
Infolge der vorherrschenden Festigkeit der Gesteinszusammensetzung
 leistet der Muschelkalk bis auf wenige thonige Schichten den
zerstörenden Kräften erfolgreichen Widerstand, und ım Gegensatz zu
den sanft gerundeten Formen des Buntsandsteins zeichnen ihn eckige
Kämme und Steilabfälle aus. Fast nirgends bieten infolge der erwähnten
 Gesteinsbildung seine Felder eine genügend tiefe Ackerkrume,
Frost und atmosphärische Niederschläge haben nur spitze, scharfe Gesteinstrümmer
 erzeugen können. Außerdem begünstigt die meist starke
Neigung seiner Schichten die Abschwemmung des wenigen gebildeten
Humus, und so kennzeichnen denn die hierher gehörigen Gebiete schon
von weitem vegetationsarme Hänge, die nur zu Schafhuten!) verwendbar
sind. Soweit diese Gebiete bewohnt sind, zeichnen sie sich durch
geringe Dichte aus, die sich wenig über 50 Bewohner auf 1qgkm erhebt
 (Weper 38, 53). Vielfach kommt hiezu noch ein ausgesprochener
Wassermangel, der eine hochgradige Dürre und Trockenheit des Bodens
arzeugt. Bei günstiger Lagerung bildet sich zwar — besonders im
mittleren und in den obersten Schichten des oberen Muschelkalkes —
eine Bodenkrume, die jedoch meist dürftig bleibt, und nur bei intensiver
 Bearbeitung Erträge liefert, wie im Göttinger Wald bei Nikolausberg
ind Herberhausen (26). Am fühlbarsten für die Landwirte wird die
Ungunst des Muschelkalkbodens trotz etwaiger genügender Körnerausbeute
 in dem geringen Strohertrag, der knapp zur Fütterung des
Viehes ausreicht und zur Verwendung als Streu nichts übrig läßt ®).
Hierdurch wird aber wiederum ein Mangel an guten Strohdungstoffen
erzeugt, der die mit Ertragsaussichten verbundene Bewirtschaftung der
Muschelkalkfelder zu einer recht kostspieligen macht.
Dasselbe wie vom Ackerbau gilt auch von der Wiesenwirtschaft.
Letztere ist zumeist auf die Thalböden und den Fuß der Höhenzüge
angewiesen, wo die Wiesen durch die dort hervorbrechenden Quellen
erheblich durch Nässe und Verschlammung geschädigt werden ®). Im
ganzen Gebiet tritt deshalb, wie wir noch sehen werden, auf dem
Muschelkalk die Wiesenkultur durchaus zurück, während sie auf dem
lettig-sandigen Buntsandsteinboden sich einigermaßen zu entfalten vermag.
 Immerhin reichen aber ihre Flächen für die Bedürfnisse der
Viehfütterung bei weitem nicht aus, so daß der Anbau von Futterpflanzen
 sehr verbreitet ist %).

)
)

EX

Weser u. Ems I, S. 143.
Käsemacher, 8. 207.
Käsemacher, S., 208.
Weser u. Fms 1. S. 218,