Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 85

Deutlich heben sich hier das Leinethal mit der angrenzenden
fruchtbaren *) Keuperbucht von Moringen und Einbeck als starke Ackerbaugebiete
 heraus. Die hohe Zahl von 68,4% des dem Ackerbau zufallenden
 Areals auf dem so wenig dafür geeigneten Muschelkalkzug
verdankt dieser hauptsächlich der Mißwirtschaft früherer Tage, die
durch Ausdehnung des Ackerareals gleichzeitig vermehrte Erträge erhoffte,
 Die dort vorhandenen geringen Dichten von 40—50 Bewohnern
auf 1 qkm (34, 37, 38) beweisen jedoch die Nichtigkeit dieser Erwartungen.
 Indessen vermag die fortschreitende landwirtschaftliche
Technik durch rationelle Behandlung auch auf vielen dieser Distrikte
sinigermaßen ertragsreich zu wirtschaften, während andere mehr und
mehr ihrer natürlichen Bestimmung für Waldkultur durch Aufforsten
zurückgegeben werden, wobei indessen wegen der durch längeres Brachliegen
 verlustig gegangenen Bodenkraft, die ehedem in diesen Gebieten
hauptsächlich waldbildenden Buchen und Eichen vielfach durch Nadelholz
 ersetzt werden mußten ?) (so z. B. Weper bei Hardegsen). Der
Muschelkalkzug rechts der Leine hat sich diesen Charakter stets bewährt,
 in dessen Gebiet die Gemeinden mit 32,4 % Wald das Maximum
in vorstehender Uebersicht erreichen, während der Ackerbau mehr zurücktritt.
 Die etwas stärkere Besiedelung, gegenüber dem linksleinischen
 Muschelkalkgebiet, wird durch die unmittelbare Nähe der Städte
Göttingen und Nörten verursacht, deren Arbeiterbevölkerung zum
großen Teil in den dortigen Dörfern ansässig ist (25, 26). 7
Ebenso charakterisiert sich der Buntsandsteinzug links der Leine
mit 24,5% Waldbedeckung als seiner natürlichen Begabung gemäß
von seiten der Gemeinden verwertetes Land. Daß aber seine Ackerwirtschaft
 mehr als die auf dem Muschelkalkboden zu leisten im stande
ist, läßt die im Verhältnis zu jenem dichtere Besiedelung trotz wenig
günstiger Verkehrsbedingungen erkennen (40, 41): Während nämlich
auf dem Muschelkalkboden wenig über 60 Bewohner auf dem Quadratkilometer
 zu finden sind, erhebt sich hier ihre Zahl im Durchschnitt
schon beträchtlich über 70, um in der Nähe des Leinethales, von
diesem beeinflußt, sogar Dichtewerte von über 100 zu erreichen (39.
Nieder- und Oberscheden, Dankelsheim).
Die Wiesen- und Weidewirtschaft ist nirgends ausgedehnt. Allein
in dem thälerreichen Buntsandsteinzug, der vielfach auch zur Hoch-&gt;benenbildung
 neigt, erhebt sich ihr Areal auf 8,7 °% der Gesamtfläche.
Für den Solling lassen sich, wie seiner Zeit beim Oberharz, für
den Ackerbau günstigere Randgebiete und ein ungünstiges, von geschlossenem
 Hochwald bedecktes Gebirgsinnere unterscheiden. Letzterer
weist, abweichend vom Harz, überwiegend Laubwaldbestände (Eichen
und Buchen) auf, während Nadelhölzer erst seit 1760 3) in den höheren
Lagen um den Moosberg von seiten der Forstwirtschaft mit sehr gutem
Erfolge eingeführt wurden.

) Vgl. Meitzen V, S. 442.
) Weser u. Ems I, S. 228.
Wanderbuch f, A, Solline, 8. 18.