Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 97

letzteren Kreises kann dies jedoch nicht überraschen, während im Kreise
Uslar der mehr landwirtschaftliche Charakter des Gesamtgebietes auch
im Hauptberufe wieder deutlich zu Tage tritt.
Interessant ist es aber, aus der Zusammenstellung den geringen
Einfluß zu entnehmen, den der Wald auf den Lebenserwerb der Bewohner
 hat, selbst im Gebiete starker Waldbedeckung. In dem fast
waldlosen Eichsfeld (Kreis Duderstadt 13,3% Wald!) kann natürlich
von irgendwelchem Einfluß des Waldes keine Rede sein. Aber auch
in den immerhin nicht waldarmen Kreisen Worbis, Göttingen und Northeim
 (23,8; 26,9; 31,8% der Gesamtfläche) ist die Anzahl der in der
Forstwirtschaft thätigen Personen äußerst gering. Ebenso vermag..der
das Harzvorland umfassende Kreis Osterode mit seinen 22,4% Wald
nur 1,4% seiner erwerbsthätigen Bevölkerung zu ernähren. KErstaunlich
 aber ist, daß selbst in den fast ausschließlich dem Waldgebiet des
Solling angehörigen Kreisen Uslar und Holzminden, die über 55% ihrer
Gesamtfläche vom Wald bedeckt haben, in erstefem nur 3,04%, in
letzterem sogar nur 1,6% der Erwerbsthätigen ihren Unterhalt durch
eine an den Wald geknüpfte Thätigkeit finden. Dies zeigt den geringen
Einfluß des Waldes auf das Erwerbsleben, und die Zonen größerer Verdichtung
 am Rande der Waldgebirge Südhannovers sind lediglich, abgesehen
 von anderen Faktoren, ein Produkt ihrer Eigenschaft als Gebirge,
 also als Verkehrshindernis.
Die Dichtekarte läßt nun deutlich mit ihren Farbtönen die oben
gemachte Scheidung zwischen vorwiegend landwirtschaftlichen und vorwiegend
 industriellen Bezirken hervortreten. Es bleiben nämlich erstere
an Dichte ihrer Bewohner weit hinter letzteren zurück, Während jene
sich innerhalb 40—80 Menschen auf 1 qkm bewegen (z. B. Eichsfeld,
Einbecker Bucht im Inneren, Muschelkalkzüge zu beiden Seiten des
Leinethales, Buntsandsteinzug), erreichen die schon mit mehr industriellen
 Anlagen ausgestatteten Kreise Worbis, Münden und Uslar
Stufen von 80—150 auf das Quadratkilometer. Darüber hinaus gehen
dann nur die Industriegebiete,. wie sie in der nächsten Umgebung von
Göttingen und im Weserthal, besonders an der Nordseite des Solling
(Kreis Holzminden) vorhanden sind, wo Dichteprovinzen von 150—200
und mehr Bewohnern wahrgenommen werden.

111. Industrie.

Wir wenden uns in diesem Abschnitt sofort zur spezielleren Betrachtung
 der Bedeutung der verschiedenen Branchen für die Einzelgebiete.
 Es kann nicht verwundern, nach dem vorher Gesagten im
Eichsfelde (Kreis Duderstadt) die einzelnen Industriezweige nur sehr
spärlich vertreten zu finden. Von nennenswertem Einfluß ist nur die Tabakverarbeitung,
 die sich an den ausgedehnten Anbau dieser Pflanze in
der Duderstadter Gegend anschließt?), und dann die Holzindustrie, deren

1!) Gem.-Lex. Prov. Hannover, 1887.
?) H. K, B. Gött. 1895, S. 76. In Duderstadt bestanden damals fünf Tabak;
fabriken.