Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 105

italien und die Schweiz zu erreichen!). Einbeck, Northeim und besonders
 Göttingen?) verdanken ihrer Lage an dieser Verkehrsader ihr
Aufblühen zu großem Wohlstand, woran freilich der umgebende fruchtbare
 Thalboden einen wesentlichen Anteil hatte. Die Verschiebung der
Handelswege und die Schrecken des 30jährigen Krieges haben indessen
diese Städte schwer getroffen. Erst in späterer Zeit ıst Göttingen durch
seine Universität wieder ein belebendes Element zu teil geworden, unter
dessen Einfluß es sich wieder zu heben beginnt.
Naturgemäß mußten zwei so bedeutende vielbenutzte Handelswege
wie das Weser- und Leinethal eine starke Anziehung auf einander ausüben
 und manche verkehrsreiche Verbindungsstraße zwischen sich entwickeln,
 Die nördlichste in unser Gebiet entfallende derartige Straße
zieht vom Harzrand (Goslar) herkommend über Gandersheim, Kreiensen,
Stadtoldendorf nach Holzminden zur Weser. In früheren Zeiten bildete
die von Salzderhelden über Einbeck nach Eschershausen und Bodenwerder
 verlaufende Straße in Stadtoldendorf einen nicht unwichtigen
Knotenpunkt heraus’). In unseren Tagen ist nur der erstgenannte ostwestliche
 Straßenzug in eine Eisenbahnlinie umgewandelt worden. Dadurch
 hat sich an ihm ein anderer hochbedeutender Knotenpunkt in
dem Orte Kreiensen im Leinethal entwickelt, wo sich die nach Goslar,
Hildesheim, Holzminden, Hannover und Göttingen gerichteten Schienenstränge
 treffen. Dies Zusammenlaufen der Linien hat in diesem Teile
des Harzvorlandes das Anwachsen der Bevölkerung, ungeachtet der oben
ee Ar schlechten Bodenverhältnisse im stärksten Maße begünstigt
7, 8, 9). +
Eine andere Straße aus dem Leinethal verlief von Salzderhelden—
Einbeck über Dassel nach Holzminden. Gleichzeitig bildet Holzminden
auch den Ausgangspunkt der noch heute wichtigen Querstraße über den
Solling durch das Holzminde- und Ahlethal über Fohlenplacken—Neuhaus
 (300 m) nach Uslar, und weiterhin nach Hardegsen (190 m) und
Northeim. Da nicht Holzminden, sondern das etwas südlicher gelegene
Höxter, die alte Uebergangsstraße*) über die Weser und dank seiner
Lage in der Nähe des Nethethales die Eingangspforte nach Westfalen
bildete, setzen sich alle diese Straßen von Holzminden aus hierhin fort,
und noch heute verfolgt die verkehrsreiche Eisenbahnlinie Köln—Magdeburg
 dieselbe Richtung. Gerade der Umstand, an dieser Eisenbahnlinie
 gelegen zu sein, ist für beide Städte, Höxter und Holzminden, von
großem Wert,
Ein dritter Verbindungsweg des Leinethales mit der Weser führt
von Northeim durch das Espoldethal über Hardegsen und Uslar, wo
die Sollingstraße auf ihn trifft (s. o.), nach Lauenförde-—-Beverungen
und über die Weser weg nach Westen. Als letzte von größerer Wichtigkeit
 selen die von Göttingen ausgehenden Straßen über Adelebsen

') Schmidt, Der Einfluß d. alten Handelswege in Niedersachsen. Hannover
1897, S. 35. .
2) Historische Entwicklungsgeschichte der Stadt Göttingen bis zur Mitte des
19. Jahrhunderts bei Guthe, 8. 381 f.
3) Guthe, S. 390. |
4) Guthe, S. 416. Schon 1249 befand sich hier eine steinerne Brücke.