Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 107

kehr entweder dem Harzrand entlang oder südlich durch das oberste
ostwestliche Leinethal verläuft. Gerade diese Ausschließung des unteren
Eichsfeldes von den großen Verkehrslinien unserer Tage hat es veranlaßt,
 daß sich hier ein industrielles Leben nie hat entwickeln können.
Und somit sind wir auf die dritte Hauptverkehrsader der Triasplatte
gekommen, die heute durch die von Halle über Nordhausen, Heiligenstadt
 nach Kassel führende wichtige Bahnlinie repräsentiert wird. Es
ist dies die alte sogen. „Mittlere Verbindungsstraße zwischen Elbe und
Rhein“ 1), eine der wichtigsten deutschen Heerstraßen. Auf ihrem Weg
in dem zwischen beiden Hälften des Eichsfeldes gelegenen Thale nach
Witzenhausen, wo sie sich in einen Kasseler und einen thüringischen
Straßenzug spaltet, wird sie auf die Bevölkerungsverhältnisse von größtem
Einfluß. Nur aus diesen Verhältnissen heraus, die schon seit dem Mittelalter
 her bestehend, durch die Eisenbahnen der Neuzeit mächtig belebt,
wirksam sind, lassen sich die Zonen großer Verdichtung in diesem Teil
erklären (20, 28). Wichtige Knotenpunkte haben daneben vermocht,
lokal noch besonders hervortretende Dichteprovinzen zu schaffen, wie
Leinefelde an der Einmündung der HEichsfelder Querbahn (305 Bew.
auf 1 qkm) und Eichenberg (123 Bew. auf 1 qkm), wo sich, ganz wie
in alter Zeit die Straßen, heute die Schienenstränge Hannover—Frankfurt
 und Halle—Kassel kreuzen. Sehr gut läßt die Karte auch die Bedeutung
 der Stadt Heiligenstadt hervortreten, „als ein Vermittelungspunkt
zwischen den westlichen nach dem Werrathal gravitierenden und den
östlichen bereits der Goldenen Aue zuneigenden Gebieten“ ?).
V. Bewegung der Bevölkerung.

Zum größten Teil läßt sich die Wirkung der drei vorstehend betrachteten
 hauptsächlichen Dichtefaktoren — Landwirtschaft, Industrie
und Verkehrsverhältnisse — aus der Bewegung der Bevölkerung erkennen.
 Es soll daher zum Schluß des Kapitels über die südhannoversche
 Triasplatte noch einiges über deren Erscheinung in den Einzeldistrikten
 während der Jahre 1871—95 gesagt werden (siehe folgende
Tabelle S. 108).
Die äußerst schwache Zunahme des westfälischen Harzvorlandes wird
lediglich durch seine nördlichen dem Leinethal nahegelegenen und deshalb
 verkehrsreicheren Gebiete (7—10) bewirkt, während die südöstlichen
landwirtschaftlichen und von größeren Verkehrslinien abgeschnittenen
Bezirke (12) in den gleichen Jahren 3,9% Abnahme ihrer Bevölkerung
zeigen.
Im Eichsfeld kann von einer Zunahme nur in den Thälern die
Rede sein, während die übrigen Teile abnahmen (Gebiet links der Nuthe
—5,3%). Diese Erscheinung ist einesteils aus den wenig günstigen
landwirtschaftlichen Verhältnissen außerhalb der Schwemmlandböden

) Guthe, S. 375. Die nördliche Verbindungsstraße geht von der Elbe
über Hannover-Minden; die südliche über Erfurt-Fulda zum Rhein, Dies hier ist
demnach die mittlere.
2) Käsemacher, S. 203.