Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 111

Was zunächst das Werrathal anbelangt, soweit es in unser Gebiet
 fällt, ergiebt sich eine Abnahme der Bevölkerung. Die Ungunst
der Thalbildung hat hier trotz guter Verkehrsverhältnisse (Eisenbahn
Münden-Halle) den rein landwirtschaftlich erwerbsthätigen Orten eine
Vermehrung nicht gestattet, sondern vielmehr einen Rückgang um
9,9 % gezeitigt. Nicht davon betroffen werden Witzenhausen, das es
indessen auch nur auf 0,5% Vermehrung seit 1871 bringen konnte,
und die schon ganz dem Weserthal angehörige Handels- und Industriestadt
 Münden mit 45,3 % Zuwachs.
Unter den einzelnen für das eigentliche Weserthal gewonnenen
Abschnitten erscheint der am stärksten industriell thätige Teil von
Karlshafen bis zur Forstbachmündung mit der größten Vermehrung
von 14,4 %, die sich mit Einrechnung der beiden Städte Höxter und
Holzminden mit ihren 43,6 % und 52,9% Zuwachs nahezu auf das
Doppelte steigern würde (26,1 %). Hieraus erklärt sich auch ohne
weiteres die Zone größter Verdichtung (63) von 338,5 Bewohnern auf
1 qkm, die uns auf der Karte in diesem Abschnitt des Weserthales
entgegentritt. Hiergegen fällt das Stück von Münden bis Karlshafen
mit der geringen Vermehrung von 4,9% auf. Es liegt dies langsame
Wachsen der Bevölkerung, dem sogar an einigen Plätzen des linken
Ufers eine Verminderung gegenübersteht (Veckerhagen — 3,2 °%), an
den ungünstigen Lageverhältnissen dieses Thalstückes. Schroffe Felswände
 und dichtbewaldete Bergzüge verhindern einen Verkehr mit dem
Hinterland und damit die am Flusse gelegenen Ortschaften, Vorteil
aus dem lebhaften Wasserverkehr zu ziehen. Außerdem fehlt ihnen
eine das Thal berührende Eisenbahnlinie. Erst von Bodenfelde abwärts,
 wo die Eisenbahn nach dem Leinethal das Hinterland erschließt,
tritt in dem letzten Stücke bis Karlshafen auch sogleich ein Zuwachs
von 10,9 % der Einwohnerzahl von 1871 auf. Den Hauptanteil hieran
trägt der aufblühende Weserhafen Bodenfelde mit 20,7 %%, wogegen
Karlshafen aus Mangel an genügendem Hinterland mit seiner nur 4,7 %
betragenden Vermehrung weit zurückbleibt. ‚Jedenfalls aber ist die
hohe Dichte von 175 in dem Thalabschnitt von Münden bis unterhalb
Bodenfelde hauptsächlich das Produkt der Zusammendrängung der Bewohner
 auf beschränktem Raume, und nicht irgendwelcher landwirtschaftlichen,
 industriellen oder Verkehrsbegünstigungen. In seinen nördlichen
 Teilen aber bildet das Weserthal einen sprechenden Beweis für
den auf das Gesamtgebiet Südhannovers anwendbaren Satz, daß günstige
 Verkehrsverhältnisse zusammen mit einer entwicklungsfähigen
Industrie eine Bevölkerung viel stärker zu verdichten und zu vermehren
im stande sind. als die vorteilhaftesten landwirtschaftlichen Bedingungen.