112 E., Wagner, Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen.

Ergebnis.

Wir sind am Schluß unserer Ausführungen über die Ursachen
der Volksdichte in Südhannover angelangt. Nochmals rückwärts
blickend, vermögen wir aus dem Gesagten folgendes Ergebnis in Form
allgemeiner für das ganze Deutsche Reich geltender Sätze abzuleiten:
1. Landwirtschaft vermag selbst bei guten Bedingungen eine Bevölkerung
 nicht stark zu verdichten und zu vermehren. Rein landwirtschaftliche
 Bezirke zeigen in der Bewegung der Bevölkerung eine
meist der Stagnation sehr nahe kommende Tendenz, oder aber bei ungünstigen
 Bodenverhältnissen eine mehr oder weniger ausgesprochene
Abnahme, auf die eventuell benachbarte industrielle Dichteprovinzen
einen verstärkenden Einfluß ausüben. (Zug nach den Zentren, Entvölkerung
 des platten Landes.)
2, Industrie und Verkehrslinien (Eisenbahnen, Straßen, schiff bare
Flußläufe) vermögen eine Bevölkerung in ihrer Zusammenwirkung auf
das intensivste zu verdichten und zu vermehren. Beide sind eng miteinander
 verknüpft und wirken anziehend aufeinander. Günstige landwirtschaftliche
 Bedingungen können fördernd hinzutreten, wogegen ungünstige
 in ihrer nachteiligen Wirkung kompensiert werden.
3. Die verdichtende Wirkung größerer Waldflächen an ihren
Rändern ist im Gebirgsland aus deren Gebundenheit an die Bodenerhebungen
 zu erklären. Hierbei ist der Nachdruck auf „Gebirge“ zu
legen, die als Verkehrshindernis Straßen und Eisenbahnen zwangen,
an ihrem Fuß entlang zu gehen. Damit verknüpft sich ein Aufblühen
der Randsiedelungen als Vermittlungspunkte für späteren Handel und
Verkehr nach dem Innern zum Austausch von (meist bergmännischen)
Gebirgsprodukten gegen landwirtschaftliche des Vorlandes. Größeren
direkten Einfluß auf das Erwerbsleben der Anwohner besitzt der Wald
als solcher nicht.
4. Gebirge stellen stets Zonen der Auflockerung der Bevölkerung
dar, wenn nicht mineralische Bodenschätze zu ihrer dichteren Besiedelung
 veranlassen, die dann lokal einen hohen Grad annehmen kann.