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        <title>Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen</title>
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            <forname>Eduard</forname>
            <surname>Wagner</surname>
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IN SÜDHANNOVER

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UND DEREN URSACHEN.

MIT EINER KARTE (1:300000) UND EINEM QUERPROFIL DURCH
DAS LEINETHAL BEI GÖTTINGEN (1 : 200000).

INAUGURAL-DISSERTATION

ZUR

ERLANGUNG DER DOKTORWÜUÜRDE

DER

HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT DER GEORG-AUGUSTS
UNIVERSITÄT ZU GÖTTINGEN

VORGELEGT VON

EDUARD WAGNER

AUS LEIPZIG

STUTTGART.
DRUCK DER UNION DEUTSCHE VERLAGSGESELLSCHAFT
19082.
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BEVÖLKERUNGSDICHTE

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UND DEREN URSACHEN.

MIT EINER KARTE (1 : 300000) UND EINEM QUERPROFIL DURCH
DAS LEINETHAL BEI GÖTTINGEN (1 : 200 000).

INAUGURAL-DISSERTATION

ZUR

ERLANGUNG DER DOKTORWÜUÜRDE

DER

JOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT DER GEORG-AUGUSTS-UNIVERSITÄT
 ZU GÖTTINGEN

VORGELFGT VAN

EDUARD WAGNER
AUS LEIPZIG.

STUTTGART.
DRUCK DER UNION DEUTSCHE VERLAGSGESELLSCHAFT

1902.
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        TAG DER MÜNDLICHEN PRÜFUNG:
924. FEBRUAR 1903.

REFERENT:

HERR GEHE
1:

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“NGSRAT PROFESSOR
AAMAGNER,
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—
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5

Die vorliegende Arbeit erschien in den „Forschungen zur deutschen Landes.
und Volkskunde“, Bd. XIV, Heft 6 (1903).
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        MEINEN ELTERN.
        <pb n="5" />
        Inhalt.

Vorbemerkung

[. Methodischer Teil

1. Wahl des Gebietes
2, Abgrenzung des Gebietes .
3. Das südhannoversche Gebiet bereits berührende Volksdichtearbeiten
4. Rechtfertigung der angewandten Methode (Rückblick in die Methodik
seit Sprecher 1887) . . .
5. Begriff der bewohnten Fläche .
6. Konstruktion der Dichtekarte . . 0. 0.0.0404
a) Behandlung der Bevölkerungszentren
b) Bildung der Dichteskala , . 0.000000 4 4
c) Gruppenbildung und Kontrollrechnung auf der Karte
7. Wahl des Maßstabs (1: 300 000)
a) Einfluß der Gebietsgröße .
b) Einfluß der Methode . .
8. Wahl der Farben für die Dichtekarte
9. Erläuterung der Tabellen. . .
10. Material und Litteraturverzeichnis

Seite
5

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10
L5
18
9
23
25
26
26
28
31
32
28

I. Spezieller Teil . . 38
l. Einleitung: Speziellere Gliederung Südhannovers 38
2. Gesamtüberblick über die wirtschaftlichen Verhältnisse (Landwirtschaft
 und Industrie) .. . . 2. + 38

l. Kapitel. Der Oberharz -
1. Geographische und klimatische Uebersicht
9, Landwirtschaft. . . . .
3. Industrie . . . - sn
4. Verkehrsverhältnisse . . .

5. Bewegung der Bevölkerung

43
43
51
56
50
24
        <pb n="6" />
        Inhalt.

Il. Kapitel. Die südhannoversche Triasplatte
1. Geographische und klimatische Uebersicht
2. Landwirtschaft . .
3. Industrie . . .
4. Verkehrsverhältnisse . .
5. Bewegung der Bevölkerung
Ergebnis oo...
Tabellen zur Volksdichte von Südhannover (nach Gemeinden
aufgestellt};

Seite
66
37
76
7
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‚07
112

113
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Vorbemerkung.

Die Idee zu einer Arbeit über die Bevölkerungsdichte Südhannovers
antsprang der Absicht einen Beitrag für eine vielleicht später zu. verfassende
 Länderkunde Hannovers zu liefern, Die Bearbeitung eines
Gebietsteiles nach seiner Volksdichte eignet sich hierzu insofern, als diese
ja das Produkt der mannigfachsten geographischen, geologischen, wirtschaftlichen
 und historischen Faktoren ist.
Mein hochverehrter Lehrer, Herr Geheime Regierungsrat Prof.
Dr. H. Wagner, ließ während der ganzen Zeit der Ausarbeitung mir
seine liebenswürdigste Unterstützung und seinen überaus wertvollen Rat
zu teil werden, dem ich vorzüglich das Gelingen des methodischen Teils
verdanke. Vielfache geologische Exkursionen, die ich unter Führung
les Herrn Geheimen Bergrates Prof. Dr. A. von Koenen nach allen
Xichtungen durch mein Gebiet zu machen Gelegenheit hatte, förderten
den Fortgang der Arbeit wesentlich. Es drängt mich deshalb, beiden
Herren, besonders aber Herrn Geheimrat Prof. Dr. Wagner, meinen
ahrerbietigsten Dank auch an dieser Stelle auszusprechen.
Desgleichen sei es mir gestattet, die liebenswürdige Unterstützung
des Herrn Geheimen Öberregierungsrates Dr. Blenck, Präsidenten des
Kgl. Preußischen Statistischen Bureaus zu Berlin, und des Herrn Geheimen
Finanzrates F, W. R. Zimmermann, Direktors des Herzoglichen Statistischen
Bureaus zu Braunschweig, durch Erteilung von Auskunft und bereitwillige
 Ueberlassung handschriftlichen nicht publizierten Materials ebenfalls
 dankend hervorzuheben. Schließlich erinnere ich mich noch mit
lebhaftem Dank des freundlichen Entgegenkommens des Herausgebers
der vorliegenden Zeitschrift, des Herrn Prof. Dr. Kirchhoff in Halle,
and ihres Verlegers, des Herrn Kommerzienrats Envelhorn in Stuttgart.

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        [. Methodischer Teil.

|. Wahl des Gebietes.

Obwohl die Provinz Hannover vor anderen Landschaften des
Deutschen Reiches den Vorzug besitzt, in Guthes Werk: Die Lande
Braunschweig und Lüneburg (1867) verhältnismäßig früh eine wirklich
geographische Heimatskunde zu besitzen, fehlt es für eine Wiederaufnahme
 dieser Aufgabe nach neueren Gesichtspunkten (die Neuausgabe
des genannten Werkes 1888 ist fast nur Neudruck) noch stark an
Monographieen über ihre einzelnen geographischen Bestandteile.
Der Verfasser wünscht nun durch vorliegende Arbeit eine solche
Lücke auszufüllen auf dem in der letzten Zeit öfters betretenen Weg
oiner Volksdichtekarte. Letzteres deshalb, da gerade die Volksdichte als
Produkt der mannigfachsten geographischen, geologischen, wirtschaftlichen
 und historischen Faktoren gestattete, mit dieser Arbeit gleichzeitig
 eine allgemein gehaltene Uebersicht über die hauptsächlichsten
geographischen und wirtschaftlichen Fragen des gewählten Gebietes zu
verbinden.

2, Abgrenzung des Gebietes.

Das gesamte Gebiet der Provinz Hannover zum Gegenstand einer
Volksdichteuntersuchung in größerem Maßstabe zu machen, wäre weit
über den Umfang der beabsichtigten Arbeit hinausgegangen. Der Verfasser
 beschränkt sich deshalb auf Südhannover, einen Begriff, den er
ursprünglich bis in die Gegend der Städte Hannover und Braunschweig
ausdehnte, aber nach Erscheinen der Arbeit von W. Nedderich?) enger
begrenzte, um nicht dort schon Behandeltes nochmals zum Gegenstand
einer Betrachtung nach gleicher Methode zu machen.
Bei der Abgrenzung des Gebietes ist versucht worden, möglichst
natürliche Grenzen zu benutzen.
Im Süden bot sich eine leichte Abgrenzungsmöglichkeit durch die
zwischen dem Steilabfall des Thüringer Eichsfeldes und den triassischen
Bildungen südlich des Harzes in ostwestlicher Richtung verlaufende,

') W.Nedderich, Wirtschaftsgeograph. Verhältnisse etc. im ostfäl. Hügeland
 Tieflande. 1902, Forsch. z. deutschen Landes- u. Volkskunde, Bd. XIV, Die
Ausführlichen Titel der in den folgenden Fußnoten nur abgekürzt citierten Schriften
finden sich im Litteraturverzeichnis S. 88 f.
        <pb n="9" />
        E. Wagner, Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 7

von Leine und Wipper durchflossene Thalsenke. Für unsere anthropoyeographische
 Arbeit wurde der Wert dieser Abgrenzung noch erhöht
durch den Verlauf der Sprachgrenze zwischen oberdeutschem (hier
thüringischem) und niederdeutschem (hier südhannoverschem) Dialekt,
die annähernd von Münden aus dem ostwestlichen Leinethal folgt.
Im Westen wurde das tiefeingeschnittene Spaltenthal der Weser
auf seinem ganzen Verlauf als Grenzlinie angenommen, um eine Ab-Srennung
 von den westfälischen Landen zu ermöglichen.
Im Südosten bot sich wiederum durch die Sprachgrenze, die diesmal
 mit der Wasserscheide zwischen Elbe und Weser zusammenfiel,
eine gute und berechtigte Trennungslinie gegenüber den sächsischen
Gebietsteilen. Diese wendet sich östlich Leinefelde nordostwärts, überschreitet
 das Ohmgebirge in seinem westlichen Teil und stösst zwischen
Lauterberg und Sachsa auf den Südrand des Harzgebirges.
Es entstand nun die Frage, ob der Harz dem südlichen Hannover
zuzurechnen sei oder nicht. Der starke Einfluß des Oberharzes in
klimatischer und wirtschaftlicher Beziehung weit in sein Vorland hinein
sowie seine Zugehörigkeit zum Stromsystem der Weser forderten seine
Einbeziehung in unser Gebiet. Der Unterharz dagegen, für den das
oben Gesagte keine Berechtigung hat, blieb außer Betracht. Die Grenzlinie
 über das Harzgebirge, das ja fast unmerklich in seinen niedrigeren
Teil, den Unterharz, übergeht, zog Verfasser das Oderthal hinauf westlich
 des Brockenmassives zum Radauthal, mit dem der Nordrand des
Gebirges erreicht wird (vgl. I. Kap. Oberharz).
Im Norden des Gesamtgebietes fehlte es zunächst ganz an einer
irgendwie schärfer ausgesprochenen Grenzlinie, Einmal war eine Möglichkeit
 gegeben in der geologischen Grenze?) der triassischen Bildungen
Südhannovers gegen die Jura- und Kreidegesteine des Hils und der
Erhebungen des ostfälischen Hügellandes, Diese Linie verläuft vom
nördlichen Harzrand südlich des Sackwaldes zwischen Hils im Norden
und Elfass— Vogler im Süden zur Weser. Um ihr einen bestimmteren
Ausdruck zu verleihen, wurde eingedenk des anthropogeographischen
Charakters der Arbeit die fast denselben Weg einschlagende grosse
Verkehrslinie vom nördlichen Harzrand zur Weser gewählt. Diese seit
dem Mittelalter bestehende, heute von der Eisenbahn benutzte Straße
grenzt, von Goslar über Seesen, Gandersheim, Kreiensen und Stadtoldendorf
 zur Weser (Holzminden) ziehend, unser Gebiet im Norden gegen
das ostfälische Hügelland ab.
Das auf diese Weise umschriebene Südhannover als geographischer
Begriff bedeckt eine Fläche von rund”) 4000 qkm, also etwas weniger
als den neunten Teil der gesamten Provinz Hannover (38510 qkm).
Es enthält folgende politische Bezirke teils ganz. teils in Anteilen:

!) Hier hat v. Koenen (Dislokat. in Nordwestdeutschland, Jahrb. d. geolog.
Landesanst. 1885, S. 81) eine Verwerfungslinie nachgewiesen, die von Herrhausen
Dei Seesen über Gandersheim, Greene, Naensen, Stadtoldendorf verläuft.
?) Die Tabellen ergaben als Endsumme 3957,5 gkm, also eine Differenz von
15 qkm gegen umstehende Schätzung. Letztere ist auf die Unsicherheit der Abschätzung
 der Anteile auf einer Karte 1: 800000 zurückzuführen. Abgerundet kann
ein Wert von 4000 akm unser Gebiet repräsentieren. Vgl. umstehende Tabelle.
        <pb n="10" />
        E. Wagner,

Zellerfeld
)sterode .
Juderstadt .
zöttingen Stadt
Jöttingen Land
Northeim . .
Einbeck , .
„ Uslar. .0.0.000. .
Anteil der Kreise: Goslar und Harzburg .
Gandersheim (Braunschw.) .
Worbis (Prov. Sachsen) . .
Heiligenstadt (Prov. Sachsen) .
Münden u. Witzenhausen (Prov. Hannov., Hessen)
Holzminden und Höxter (Braunschw. Westf.}

Fläche qkm (abgerundet)
586,4
386,7
224,0
26.4
180,4
400,9
310,8
348,9
90
200
283
155
270
260

Gesamtfläche Südhannovers!) 3972,5 qkm
(rund 4000 akm).

3. Das südhannoversche Gebiet berührende Volksdichtearbeiten

sind bis jetzt, abgesehen von den Darstellungen des ganzen Deutschen
Reiches, die unser Gebiet nur in größten Zügen wiedergeben können,
zwei, oder wenn wir das ostfälische Hügelland mit berücksichtigen,
drei erschienen,
Die erste Arbeit stammt aus dem Jahre 1892: C. Käsemacher,
Die Volksdichte der thüringischen Triasmulde?). Der Verfasser grenzt,
wie schon die Fassung des Titels besagt, das von ihm zu bearbeitende
Gebiet durchaus nach geologischen Gesichtspunkten ab, um auf diese
Weise eine von den drei Etagen der Trias bedeckte Fläche zu erhalten,
 die von der Saale bis zur Leine reicht. Auf dieser Unterlage
nimmt er mit Hilfe mathemathischer Figuren (Quadrate von 35 qkm
Fläche) eine Zusammenfassung mehrerer Dichtegruppen vor, auf Grund
deren er seine Dichtigkeitskurven zieht. Geologisch ist also lediglich
die Abgrenzung des Gesamtgebietes, während die Dichteberechnungen
auf keine der Unterabteilungen der Trias basiert werden. Seine Methode
 hat Neukirch?) eingehend besprochen, uns interessiert hier, daß
ar einen Teil unseres Gebietes im Nordwesten seiner Karte (1: 400 000)
zur Darstellung bringt, nämlich das Eichsfeld mit einem Stück des
südwestlichen Harzvorlandes und das Leinethal bis unterhalb Nörten.
Der von ihm gewählte Maßstab, sowie seine weitgefaßte Skala (—25,
—75, —125, —225, über 275) lassen naturgemäss die Details nicht
so hervortreten, wie es unsere Karte thut, wenn auch das Hauptresultat
das gleiche ist. So erscheinen auch bei Käsemacher die Umgebung
von Duderstadt sowie das Leinethal als dichter besiedelte Gebiete
(bis 125), während die seitlichen Höhenzüge des Leinethales sowie das
Eichsfeld und das Harzvorland eine dünnere Bevölkerung (bis 75 auf
1 qkm) zeigen. Die stärkere Verdichtung jedoch in den größeren Thälern
les Eichsfeldes, sowie die allmähliche Abnahme der Dichte nach oben

Wlaliiss.

‘) Siehe Note 2 8. 7.
”) Forsch. VI, 1892.
7 Neukirch, Studien über d. Darstellbarkeit d. Volkd. m. Rücksicht a. d.
Nasgau, S. 33 u. 37.
        <pb n="11" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, Q

auf den linken Randhöhen des Leinethales bringt die Karte nicht zum
Ausdruck.
Die zweite Arbeit, die uns vorliegt, betrifft „Die Verbreitung der
Bevölkerung im Harz“ (1893) von H. Wolff. In dieser untersucht Wolff
die Bevölkerungsverhältnisse des Gebirges auf ihre Veränderung bei
zunehmender Höhe hin. Deshalb basiert sie die Gesamtberechnung der
Dichte auf Höhenstreifen, d. h. auf schmale zwischen zwei Isohypsen
von gewähltem Abstand eingeschlossene Bänder. Planimetrisch wird ihre
Fläche bestimmt, durch Auszählung ihre Bewohnerzahl gewonnen, und
daraus ihre Dichte berechnet. Das Verfehlte dieser Methode liegt darin,
daß die Bevölkerung der Thüäler mit der weiter menschenarmer oder
leerer Flächen der gleichen Höhenstufe zusammengeworfen wird, ganz
abgesehen von der Schwierigkeit, jeder Höhenstufe ihren Anteil an Einwohnern
 zuzuweisen!). Wenn man aber, wie Wolff zur Rechtfertigung
seiner Methode hervorhebt, nichts weiter erreichen will, als festzustellen,
wie die Dichte sich mit der Höhe ändere, so genügt auch, wie Hettner
sagt”), ein Profil, „auf dem die verschiedenen flächentreu gezeichneten
Höhenschichten mit dem ihrer Bevölkerung entsprechenden Farbton bedeckt
 worden wären, oder noch einfacher eine Kurve“. Jedenfalls aber
konnte es diese Arbeit nicht überflüssig machen, das Harzgebirge, soweit
 es in unser Gebiet hineinreicht, nochmals zur Darstellung zu
bringen, um die thatsächliche Verteilung der Bevölkerung ohne irgend
welche vorherige Abstraktion zu zeigen.
Die dritte Arbeit ist die kürzlich in den Forschungen zur deutschen
Landes- u. Volkskunde (Bd. XIV) erschienene von W. Nedderich,
Wirtschaftsgeographische Verhältnisse, Ansiedlung und Bevölkerungsverteilung
 im osttälischen Hügel- und Tieflande, 1902, Sie beruht
auf der von Hettner vorgeschlagenen Methode?) der Karten der Menschenanhäufung
 oder Wohnplätze (sogen. bevölkerungsstatistischer Grundkarten).
 Es werden bei dieser nur in großem Maßstab (1: 200000
und darüber) auszuführenden Methode?) die einzelnen Wohnplätze nach
ihrer Einwohnerzahl durch rechteckige Signaturen dargestellt, in denen
Jurch teilweise oder ganze Farbenbedeckung der Prozentsatz industrieller
 Bevölkerung angegeben wird. Derartige Karten bilden nach
Hettners wie Nedderichs eigenem Urteil”) die beste Grundlage für danach
 zu entwerfende Dichtigkeitskarten in kleinerem Mußstab, der
lie Unterscheidung von bodenständiger und nicht bodenständiger Bevölkerung
 überflüssig mache. Nach diesen Gesichtspunkten ist die bevölkerungsstatistische
 Grundkarte Nedderichs im Maßstabe 1: 200000
entworfen, und ihr als Beispiel einer danach gezeichneten Dichtigkeitskarte
 eine solche im Maßstab 1:500000 über das gleiche Gebiet beigefügt.
 Diese Karten umfassen das. ostfälische Land nördlich des
Harzes und Solling bis in die Gegend von Hannover und Braunschweig.

!) Hettner, Geogr. Zeitschr. VII, S. 513. Außerdem oft Zerreißung zu-3ammengehöriger
 Gebiete.
?) Ebenda.
” Geogr. Zeitschr. VI (1900), S. 185.
‘ Nedderich, S. 196.
Hettner, Geogr. Zeitschr. (1900) VI, S. 185 f.: Nedderich, S. 196.
        <pb n="12" />
        0

E. Wagner,

Die Volksdichtekarte, die nach denselben Grundsätzen entworfen ist,
wie der gleiche Teil meiner ursprünglich weiter reichenden Karte,
veranlaßte mich, wie schon oben erwähnt wurde, zur Beschränkung
auf das südliche Hannover. Einzelne Teile dieses Bezirkes waren zwar
auch schon von Käsemacher und Wolff bearbeitet worden, aber abgesehen
 von dem weiter zurückliegenden Zeitpunkt in einer teils so
wenig detaillierten, teils so gänzlich verschiedenen Methode, daß eine
Neubearbeitung nicht nur berechtigt, sondern sogar notwendig erschien,
um das Bild der thatsächlichen zur Zeit bestehenden Bevölkerungsverteilung
 zu erreichen.

t, Rechtfertigung der Methode der vorliegenden Arbeit.

Bekanntlich hat man in den letzten Jahrzehnten mehrfach versucht,
 den theoretischen Anforderungen, die an eine Dichtekarte gestellt
 werden, gerecht zu werden. Eines Rückblickes in die gesamte
Geschichte dieser Bestrebungen bedarf es nicht. Da in der vorliegenden
 Arbeit nicht eine Uebersichtskarte, sondern eine Spezialkarte
beabsichtigt wird, können wir über die Karten der Volksdichte von
ganz Deutschland hinweggehen. Nachdem die Arbeit Sprecher v. Berneggs*)
 1887 den Uebergang zu den Spezialuntersuchungen gebildet
hatte, ist seit jenem Jahr eine Fülle von Arbeiten entstanden, die sich,
abgesehen von den rein statistischen Kartogrammen, teils als echte
Volksdichtekarten (Beziehung der Bevölkerung auf die von ihr bewohnte
Fläche, also relative Darstellung) ?), teils im Anschluß an die Anregungen
 Ratzels als Siedelungskarten (Eintragung aller Siedelungen in
nach Einwohnerzahl abgestuften Signaturen, also absolute Darstellung) ?)
bezeichnen lassen. Diese zwei Richtungen sind in ihrem Anspruche,
beiderseits echte Dichtekarte zu sein, Gegenstand mannigfacher methodischer
 Erörterungen geworden, die hier nicht wiederholt zu werden
brauchen, nachdem H. Wagner®), K. Neukirch*) und zum Teil auch
E. Küster”) so umfassende und abschließende Betrachtungen hierüber
angestellt und den Siedelungskarten den Charakter echter Dichtekarten
abgesprochen haben. Da in unserem Falle eine Volksdichtekarte
beabsichtigt ist, scheiden also die jener Kategorie angehörigen Arbeiten
aus unserer Betrachtung von vorneherein aus®).
Die geographischen Volksdichtekarten (es ist immer nur von
Spezialarbeiten die Rede) sind seit Sprecher v. Bernegg auf die Gemeinden
 basiert. Alle späteren Autoren sind ihm hierin gefolgt.
Während er aber die Gemarkung lediglich als Grundlage für die

') Sprecher v. Bernegg, Verteilung der bodenständ. Bevölkerung im
Rheinischen Deutschland, 1887. (1: 1000000)
? Neukirch, 8. 4.
) H. Wagner, Lehrb. d. Geogr. 1900, I, 8 360 f.
° Neukirch, Studien über Darstellbarkeit ete,, 1897.
, E. Küster. Zur Methodik der Volksdichtedarstellung. Ausland 64, Heft 8
a. 9, 1891. Hier jedoch vielfach nur theoretische Forderungen ohne Rücksicht anf
praktische Durchführbarkeit aufgestellt. Vgl. Neukirch, 8. 42.
°) Hierzu gehören die Arbeiten von Burgkhardt, Elsaß, 1891; G loy,
Nordalbingien, 1892; Buschik, Sachsen, 18923: Hackel., Oestr. Mühlenviertel, 1902.
        <pb n="13" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 11

Dichteberechnung in ihrer Flächenausdehnung ansieht, räumt er ihrer
Grenze „mit ihrem oft allen Terrainunterschieden spottenden Verlauf
über weite Wälder und Heiden, aus reichbebauten Thälern auf öde
Plateaus“ !), keinen Einfluß beim Ziehen seiner Kurven ein, sondern
bestimmt deren Gang nach geographischen Gesichtspunkten aus der
topographischen Karte. Unter Sprechers Nachfolgern lassen sich zwei
Gruppen?), die Anspruch auf eine selbständige Methode erheben können,
herausheben.
Die Erwägung, daß Sprechers Kurvenmanier in dem von ihm
selbst benutzten Maßstab von 1: 1000000 ihre untere Grenze der Verwendbarkeit
 erreicht habe, brachte E. Träger?) 1888 dazu, für Karten
größeren Maßstabes von 1:1000000 bis etwa 1: 400000 eine Methode
anzuwenden, in der nach J. J. Kettlers Vorbild*) (1878) die Dichtegruppen
 nicht auf Grund der Gemeinden, sondern rechnerisch ganz
unabhängig von Voraussetzungen festgestellt wurden. Zu diesem Zweck
zerlegt er sein Gesamtgebiet in einander kongruente Quadrate von
5 km Seitenlänge, zählt für jedes derselben die Einwohnerzahl aus und
berechnet nun die ihm zukommende Dichte. Aus diesem Mosaik zahlreicher
 Quadrate gewinnt er ebenfalls mit Hilfe der topographischen
Karte die Zonen gleicher Dichte, die er durch Kurven umschließt.
Andere Autoren, wie C. Gelbke®), C. Käsemacher®), H. Friedrich‘) und
H. Stoltenburg®), sind dieser sogen, mathematischen Methode gefolgt,
wobei es teils zur Anwendung von Sechsecken, teils von Quadraten als
Hilfsfiguren kam. Die Schwierigkeit hierbei liegt in der genauen Ermittlung
 der Einwohnerzahl für jede der Figuren und der Gefahr, Zu-')

 Sprecher, 8. 12.
*) Hierbei ist eine Abart der Dichtekarten unberücksichtigt gelassen, „die, an
sich wertvoll, keinen Anspruch haben, Volksdichtekarten genannt zu werden“
Friedrich, Danzig, S. 14). Es ist die Darstellung der Bevölkerung nach Höhenschichten,
 wie sie Burgkhardt, Erzgebirge, 1889; Neumann, Baden, 1892;
Wolff, Harz 1893 u. a. angewandt haben. Das Widersinnige der Methode, ein
Gebirge in schmale Isohypsenbänder aufzulösen und auf deren Fläche die Bevölkerung
 der betreffenden Stufe gleichmäßig zu verteilen, ist bereits bei Besprechung
 der Arbeit Wolffs (Harz) erwähnt worden. Außerdem begehen diese
Karten, ebenso wie andere, auf Grund gewisser Voraussetzungen (z. B. geologischer)
konstruierte, den Fehler, daß sie den Einfluß eines geogr. Fäktors (hier Höhenlage)
der Karte zu Grunde legen, anstatt sich dies aus der fertigen Karte von selbst
ergeben zu lassen. Es wird dadurch zwar der Charakter der Bevölkerungsanhäufung
bei zunehmender Höhe gezeigt, aber die starke Schematisierung, die die Bewohner
über weite Flächen verteilt, denen sie nicht angehören, nimmt ihnen den Wert der
eigentlichen Dichtekarten, die die Bevölkerung auf dem Boden zeigen sollen, dem sie
ihre Existenz verdankt. Hierin liegt der Grund ihrer Uebergehung in unseren
Betrachtungen.
°) E. Träger, Die Volksdichte Niederschlesiens, 1838 (1: 550 000).
*) J.. J. Kettler, Dichtigkeit d, Bev. im Deutschen Reich (1: 3000000).
Andree-Peschel, Physik.-Stat. Atl. 1876/78, Taf. 15.
5) C. Gelbke, Volksdichte des Mansf. See- u. Saalkreises, 1897 (1: 125000).
Trotz dieses großen Maßstabes vermag die Karte mangels jeden Straßen- und
Eisenbahnnetzes nur ein wenig deutliches Bild zu geben.
%) C. Käsemacher, Volksdichte der thür. Triasmulde, 1892 (1: 400000).
‘) H. Friedrich, Das Waldenburger Bergland, 1894 (1: 100000). .
9) H. Stoltenburg, Bevölkerungsverhältnisse im Regierungsbez. Köslin.
L896 (1:520000).
        <pb n="14" />
        2

E. Wagner,

sammengehöriges willkürlich zu trennen!). Dann aber verdienen diese
Karten nicht einmal echt geographisch genannt zu werden. Einmal,
da sie die Einpressung des lebendigen Elementes der Volksdichte in
eine „mathematische Schablone“?) versuchen, mehr aber noch nach
Ratzels®) Ansicht, da sie sich „von der rein statistischen Methode entfernen,
 ohne den Weg der geographischen bis ans Ende zu gehen“,
Schließlich aber wird ihr Endresultat von einer nach Sprecherscher
Manier gezeichneten Karte kaum zu unterscheiden sein, da in beiden
Fällen die Hilfsdienste leistende Grundlage verschwindet. Der Vorwurf
aber, den die Vertreter dieser Methode der Sprecherschen in der beschränkten
 Verwendbarkeit machen, trifft sie nach Nedderichs*) Ausspruch
 ebenfalls. Ein Versuch mit der mathematischen Methode für
das ostfälische Land ließ sie als ungeeignet erscheinen, „ein richtiges
Bild der wirklichen Verteilung der Bevölkerung zu erzielen. Die
Dichteunterschiede der geographischen natürlichen Landschaften, der
Gebirge, ihres Fußes und der Ebene traten nicht genügend hervor.
Bei durchweg ebenen Flächen angewendet mag diese Methode wohl
ziemlich naturgetreue Bilder der Dichte liefern, für unser reichgegliedertes
 Gebiet erwies sie sich als ungeeignet“. In dieser beschränkten
 Verwendbarkeit schien uns zu allem anderen der größte
Nachteil zu liegen, so daß diese mathematische Methode für unser
ebenfalls sehr reich gegliedertes Gebiet nicht mehr in Betracht kommen
konnte.
In dem Bestreben, eine Methode für Maßstäbe noch über 1: 400000
zu geben, schlägt E. Friedrich®) 1895, vielfachen Anregungen in
Ratzels Anthropogeographie folgend, eine andere Richtung ein. Er
will die Bevölkerung lediglich „auf den Boden stellen, der sie bedingt“°),
 und gelangt naturgemäß hierbei auf die Gemeinden als Einheit.
 Unter Abzug der Holzungen, „die in gewissem Sinne auf ihrer
Bodenstelle das Vorhandensein der Menschen ausschließen ‘)“, berechnet
er durch einfache Division der Bevölkerung durch das übrigbleibende
Gemeindeareal die Dichte, um gleichartige Gemeinden sodann zu
Gruppen zu vereinen, wobei er aber die Gemarkungsgrenzen bestehen
läßt. Eine Ausscheidung der Städte findet nicht statt, da diese ebenfalls,
 auf ihr Areal verrechnet, eigene hohe Dichtezonen bilden. Hierdurch
 kennzeichnet er E. Küsters®) Forderungen, der weitgehende
Trennung und Sonderdarstellung von städtischer und ländlicher (oder
bodenständiger und nicht bodenständiger). Bevölkerung verlangt, als
unausführbar mangels geeigneten statistischen Materials. Zu demselben

’) Küster (Ausl. 64, S. 167) macht besonders darauf aufmerksam, „daß oft
las Dorf von seinen Ländereien durch die Grenzen der Figuren getrennt wird“,
?) Delitzsch, Kartogr. Darstellung d. Volksdichte. M. V.f.E. Leipzig
1865, S. 2,
“ Ratzel, Anthropogeogr. II, 1891 8. 194.
Nedderich, Ostfäl. Hügelland ete., 8. 197.
K, Friedrich, Volksd. des Regbz. Danzig, 1895 (1: 400000}.
Ratzel, Anthropogeogr. II, S. 182,
Friedrich, Danzig, S. 5.
E. Küster, Zur Methodik d. Volksdichtedarstellung, Ausland 64. 8 u. 9, 1891.

‘)
        <pb n="15" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 13

Schluß gelangt nach ihm K. Neukirch‘), der die gleiche Methode zur
Anwendung bringt, wenn er es auch vielleicht in Zukunft bei Vervollkommnung
 der statistischen Erhebungen für möglich hält, Küsters
weitgehende Forderungen für kleinere Gebiete mit einfachen Verhältnissen
 zum Teil zu verwirklichen. Da ‘aber Küster keinen eigenen
Versuch macht, seine theoretischen Vorschläge auf ihre praktische Ausführbarkeit
 hin zu prüfen, außerdem sehr oft das Wesen der Volksdichtekarte,
 das nur darin besteht, die Bevölkerungsverteilung ohne Unterscheidung
 der Erwerbsklassen wiederzugeben“), gegenüber den beyleitenden
 Tabellen verkennt, kann seiner an dieser Stelle als Urheber
einer eigenen Methode nicht gedacht werden. Friedrich und Neukirch
haben, wie gesagt, so weit wie möglich seinen Anregungen gerecht zu
werden versucht.
Um auf die Betrachtung der Friedrichschen Methode zurückzukommen,
 muß allerdings zugegeben werden, daß in der Zusammenfassung
 der denselben Verhältnissen unterstehenden Gemeinden zu einer
Dichtegruppe ein stark geographisches Moment liegt, daß sich aber
andererseits: die Karte durch ihr Prinzip, die Gemarkungsgrenzen,
wenn auch ohne „minimale Genauigkeit“ ?%), bestehen zu lassen, nicht
weit von einer statistischen entfernt, wie es Friedrich auch selbst
zugiebt*),
Gerade der letzte Umstand bestimmte mich für die beabsichtigte
Karte Südhannovers auch dieser Methode nicht zu folgen und noch viel
weniger einer neuerdings von E. Ambrosius®) empfohlenen. Dieser
bezeichnet für größere Maßstäbe als echt geographische Volksdichtekarten
 Gemeindekartogramme mit einer darübergelegten topographischen
 Siedlungskarte. Dies bunte Mosaik eckiger Gemeindeareale zusammen
 mit den ausgeschiedenen,. besonders dargestellten Waldflächen
unterscheidet sich in nichts nach unserer Meinung von einem rein
statistischen Erzeugnis, um so mehr, als hier auf jede Gruppenbildung
in Friedrichs Sinne verzichtet worden ist.
Neukirch, S. 70. .
Hettner, G. Z. VII, S. 506.
Friedrich, Danzig, $. 7.
ı Friedrich, Danzig, S. 8. Hier muß eine Arbeit erwähnt werden, die
dem Sinne nach Friedrichs Gemarkungsmethode wohl befolgt, aber unter Verhältnissen,
 die sicherlich, wenn der Verfasser sich nicht zu Sprechers Kurvenmanier
antschließen wollte, die Anwendung von Trägers mathematischer Methode wissenschaftlich
 viel mehr gerechtfertigt hätten: H. Fürchtenicht, Die Volksd. im
Herzogt. Anhalt, Diss, 1597 (1:300000). Da für sein Gebiet die Gemarkungsgrenzen
vielfach nicht zu erhalten waren, wurde vom Verfasser auf der Karte jeder dieser
Einheiten mit dem Polarplanimeter ein Stück Land zugewiesen, „das nicht der
Begrenzung nach, wohl aber hinsichtlich der Größe und der ungefähren(!) Lage
lem wirklichen Areal entspricht“. Somit fallen die Grenzen der Dichtebezirke nur
ausnahmsweise mit den Gemeindegrenzen zusammen. Dies hält der Verfasser für
einen Vorzug, „da der oft regellose Verlauf der Grenzen das Kartenbild stören
würde, auch der Beschauer, der die wirklichen Grenzen nicht kennt (!), an der gewählten
 Abgrenzung keinen Anstoß (!) nehmen wird“. Wenn schon in der Methode
aine nicht zu rechtfertigende Willkür liegt, so entbehrt doch vor allem die Be;
gründung lediglich in Rücksicht auf den etwaigen Beschauer jeder Wissenschaft,
Er as i u 3 Vale. an dewischen Niederchefn, 1004 41x 150000
        <pb n="16" />
        E. Wagner,

Sonach erscheint mir trotz vieler gegen sie erhobenen Bedenken
die Sprechersche Methode thatsächlich „die geographischste aller jetzt
vorliegenden relativen Dichtigkeitskarten“*) zu sein. Denn trotz gewisser
 Willkür in der Kurvenziehung verfällt sie weder in den Fehler
mathematischer Schablonenhaftigkeit noch in den anderen, allzu starker
Anlehnung an die statistische Grundlage der Dichteberechnung. Daß
freilich ihre Verwendbarkeit auch eine beschränkte ist, ist sicher. Doch
erscheint mir diese keineswegs, wie E. Friedrich meint), bei dem Maßstab
 von 1: 1000000 ihre Grenze zu finden. Sicher igt Sprechers Manier
im stande, alles noch darzustellen, was Friedrich bereits der Trägerschen
 (mathematischen) Methode zuweist, was ja auch Nedderich neuerdings
 in einem praktischen Versuche anerkennt. Seine Volksdichtekarte
 des ostfälischen Hügel- und Tieflandes ist nach Sprechers
Methode im Maßstab 1: 500000 angefertigt, wobei er noch ausdrücklich
 ihre Vorzüge vor Trägers Methode hervorhebt%). Wir sind nun
der Ansicht, daß man die gleiche Manier noch über den Maßstab von
1:500000 ausdehnen kann, etwa bis 1:300000, wo allerdings ihre
obere Grenze erreicht sein dürfte). Bis dahin ist sie aber sicher im
stande, ganz dasselbe zu leisten, wie Friedrichs halb geographische halb
statistische Gemarkungsmethode).
Ob es überhaupt noch ratsam ist, Volksdichtekarten in einem
1:300000 überschreitenden Maßstab zur Darstellung zu bringen, ist
fraglich. Die Fülle von Details, die dann wiedergegeben werden müßten,
werden stets an der Schwierigkeit der Beschaffung geeigneten statistischen
 Quellenmaterials wenigstens für weitere Gebiete scheitern. Wenn
aber derartiges dennoch beabsichtigt wird, so ist die einzig hierfür zu
rechtfertigende Methode die von Hettner vorgeschlagene stark spezialisierende
 der bevölkerungsstatistischen Grundkarten, deren bereits oben
Seite 9) gedacht wurde. Nedderich hat sie im Maßstab 1: 200000
zur Ausführung gebracht, dabei aber gleichzeitig hervorgehoben‘), daß
diese Karten als Grundlage dienen sollten für danach zu bearbeitende
Karten der wirtschaftlichen Verhältnisse, wie der Bevölkerungsver-;eilung.
 Hierin scheint mir überhaupt das Wesen derartiger in so
großem Maßstab gezeichneter Dichtekarten zu liegen. Sie sollen Quellenkarten
 für spätere Zusammenarbeitung und Generalisierung in den
oben bezeichneten Richtungen sein, Diesen Anforderungen, die Küster
eigentlich an jede Dichtekarte in größerem Maßstabe stellen zu müssen
glaubte, entspricht aber bis jetzt nur die Hettnersche Grundkarte,
während die von Träger und Friedrich vorgeschlagenen Methoden auch
nicht mehr von diesem Gesichtspunkt aus zu veranschaulichen vermögen,
als die auf ihre Maßstäbe ausgedehnte Sprechersche Kurvenmanier.

) Ratzel, Anthropogeogr. II, S. 198 (1891).
ı Friedrich, Danzig, S. 110.
) Nedderich, 8. 197.
‘) Diese Behauptung werden wir gelegentlich der Besprechung des zu
wählenden Maßstabes (S. 29) zu begründen suchen.
*) Die Gemarkungsmethode haben noch angewandt: Uhlig, Nordbaden, 1899
‘1:300000); Krausmüller, Oberhessen, 1900 (1:150000); Bergmann. Starkenourg,
 1900 (1:250000); Thiele, Aurich, 1901 (1: 2500001.
6) Nedderich. S. 197.
        <pb n="17" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhaunover und deren Ursachen, 15

Der vorliegenden Arbeit liegt also Sprechers Methode zu Grunde,
Ausgehend von dem Satz, daß unter Volksdichte die Anzahl der Menschen
 auf einer bestimmten Einheit (hier 1 qkm) bewohnter Fläche
zu verstehen sei, galt es noch vor der Berechnung zu entscheiden, wie
der Begriff der „bewohnten“ Fläche zu fassen sei, d. h. also, ob die
yanze den Gemeindemitgliedern zur Verfügung stehende Fläche in Be-‘racht
 käme, oder ob gewisse Teile auszuschließen seien, als ohne Einwirkung
 auf die Besiedlung.

5. Begriff der bewohnten Fläche.

Dieser Frage sind so viele Erörterungen zu teil geworden, als
Volksdichtearbeiten erschienen sind. Fast in jeder ist eine etwas abweichende
 Definition gegeben worden, während sie -alle darin übereinstimmen,
 daß gewisse Teile des Landes der bewohnten Fläche nicht
zuzurechnen seien). Es fragt sich nun, was auszuscheiden ist. Während
 sich bei Oed- und Unland die Antwort von selbst ergab, hatte
sich über die Behandlung größerer Waldflächen eine starke Meinungsverschiedenheit
 erhoben, indem diese teils zur bewohnten Fläche
zählten ?), teils von ihr abgezogen wurden®), In der vorliegenden Arbeit
 habe ich mich der letzteren Ansicht gleich der Mehrzahl der
Autoren von Dichtekarten angeschlossen. Die Bevölkerung wird bedingt
Jurch das Kulturland, während der Einfluß der Holzungen auf die
Verdichtung ein sehr verschwindender ist. Wie klein thatsächlich die
Zahl derer ist, die aus einer direkt an den Wald geknüpften Thätigkeit
 ihren Unterhalt gewinnen, habe ich bei der Betrachtung der Kırwerbsthätigkeit
 gelegentlich der Forstwirtschaft nachgewiesen und kann
auf die dortigen Zahlen verweisen. Aus diesem Grunde halte ich aber
auch die von Uhlig*) empfohlene Ausscheidung der forstwirtschaftlichen
 Bevölkerung zugleich mit dem Wald für unnötig. Die geringe
Zahl der zum Teil noch gleichzeitig landwirtschaftlich thätigen Bewohner
 wird das Gesamtresultat nicht zu beeinflussen vermögen, ganz
ahgesehen davon, daß das statistische Urmaterial nur kreisweise vor-{iegt°).
 Betrachten wir hiernach den Einfluß forstwirtschaftlicher Erwerbsthätigkeit
 auf die Dichte der Bevölkerung, so bestätigt sich das
oben Gesagte.
Der waldreichste Kreis Südhannovers, Kreis Uslar mit 55% Waldbedeckung,
 zählt 17805 Bewohner, wovon 1137 der Forstwirtschaft
zufallen (1895). Die Dichte des Kreises. die sonst 107 Bewohner auf 1 akm

1) Krausmüller, Oberhessen. Geogr. Mitteil, a. Hessen 1900, S. 16.
2) So z. B. Neumann, Baden. 1892: Käsemacher, Triasmulde. 1892;
Thiele, Aurich, 1901.
3) So z. B. Sprecher, Rhein. Deutschl., 1887; Trüger, Niederhessen, 1888;
Friedrich, Danzig, 1895; Neukirch, Elsäß. Wasgau 1897; Uhlig, Baden, 1899;
Bergmann, Starkenburg, 1900; Krausmüller. Oherhessen. 1900: Amorosius,
 Niederrhein, 1900.
‘4 Uhlig, Baden, S. 165.
5) Auch auf dem Kgl. Statist. Bureau zu Berlin war gemeindeweises Material
nicht erhältlich.
        <pb n="18" />
        L6

E. Wagner,

beträgt, wird ohne die forstwirtschaftlich Erwerbsthätigen auf 101 herabgemindert.
 Wenn wir aber bedenken, daß Kreis Uslar das Maximum
forstwirtschaftlicher Thätigkeit aufweist, erkennen wir für das übrige
Gebiet das Unnötige einer derartigen Ausscheidung.
Ein weiterer Grund für die Ausscheidung der Waldungen lag
noch in ihrer bereits von Friedrich!) stark betonten Eigenschaft, „in
gewissem Sinne das Vorhandensein des Menschen auszuschließen, während
 die vereinzelt im Walde wohnenden Menschen diesem gegenüber
ebensowenig in Betracht kommen, wie die vereinzelt stehenden Bäume
auf der vom Menschen als Kulturland beschlagnahmten Fläche der menschlichen
 Bevölkerung gegenüber“?). Hierin wird auch der Fehler ausgesprochen,
 den man mit der Einbeziehung der Waldungen in die Dichteberechnung
 begeht, indem man die Bevölkerungsdichte von Gebieten
abhängig macht, die sie eben nicht bedingen, Dadurch muß aber das
Gesamtresultat in falscher Weise nach unten beeinflußt werden. Die Bewohnerschaft
 erscheint der Wirklichkeit gegenüber in zu geringer
Dichte, indem sie auf thatsächlich unbewohnte Flächen mit bezogen
wird. Einige Zahlen, die sich auf das Jahr 1895 beziehen, mögen dies
‘ür unser Gebiet vergegenwärtigen 9).

Gebietsteil:

Harz Nordrand. . .
„ Westrand. . .
Westliches Harzvorland
Gebiet des Kichsfeldes
. » Leinethals
Bergland links der Leine
Solling, Ost- und Nordrand
{nnerer Teil .
Werrathal
Weserthal

Gesamtes Südhannover .

Dichte
xhne Wald! mit Wald

Differenz

absolut! %

528
202
108
107
228
30
18
‚24
285
188

495
175
77
88
178
-.

33
27
26
19
50
16
/3

6,2
13,3
25,2
17,7
21,9
17,7
36,4
89,5
36,2
30,3

F

SS:

155 | 101 | 54 | 348

Nicht vergessen darf freilich werden, daß es sich im vorliegenden
Falle um eine Spezialarbeit handelt, die auf der kleinsten Einheit der
Gemeinde beruht. Sobald mit der Verkleinerung des Maßstabes diese

1 Friedrich, Danzig, 8. 5,
?) Wie gering die Zahl der vereinzelt in den großen Waldflächen wohnenden
 Menschen ist, beweist, daß für den Oberharz (510 qkm) mit allen Einzelsiedeungen
 (Forst-, Gasthäuser etc.) eine Bewohnerzahl von 701 Menschen ermittelt
wurde, abgesehen von den geschlossenen Ortschaften (Gem.-Lex. f, Hann., 1897;
Ortschaftsverz., Braunschw., 1897). Dies ergiebt eine Dichte von 1,4 auf das
Quadratkilometer.
Für den Solling (270 qkm) ergaben sich in den Einzelsiedlungen 305 Bewohner,
 also eine Dichte von 1,1. Somit hat Friedrich recht, wenn er von einem
Nebeneinander der Bodenbesiedelung durch den Menschen und durch den Wald
spricht, a. a. ©, 8.5,
Vgl. hierzu die große Tabelle des Gesamtresultates
        <pb n="19" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 17

zu Grunde gelegte Einheit wächst, wird auch den Waldflächen eine
andere Behandlung zu teil werden müssen. Es werden eventuell nur
große geschlossene Waldungen (Harz, Solling, Göttinger Wald) zur Ausscheidung
 gelangen, bis schließlich bei kleinsten Maßstäben auch solche
mit einbezogen werden. Die Waldausscheidung hängt also durchaus
vom Maßstab der Karte ab und wird hiernach verschieden zu bewerkstelligen
 sein.
Da nun der Waldbestand nach den vorhergehenden Ausführungen
ebenso ein Zustand des Bodens ist, wie seine Besiedlung mit Menschen,
muß ich es mit Friedrich und Neukirch!) für verkehrt halten, die ausgeschiedenen
 Waldflächen nicht als solche auf der Dichtekarte darzustellen,
 wie es einzelne Autoren gethan haben?). Gerade durch die
Waldgrenzen wird dem Verlauf der Volksdichtekurven eine so große
natürliche Sicherheit gegeben, wie sie sonst nur bei genauester Kenntnis
 des Gebietes und größter Sorgfalt des Bearbeiters zu erreichen sein
würde.
Die Ausscheidung von Oed- und Unland hat dagegen für die
vorliegende Arbeit aus Mangel an statistischem Material unterbleiben
müssen. Bei seinem geringen Vorkommen in unserem Gebiet konnte
dies jedoch unbeschadet der Richtigkeit des Gesamtresultates geschehen,

Des weiteren ist nun von vielen Autoren an der nach Abzug der
Waldungen übrigbleibenden Fläche noch herumgekünstelt worden,
welche Teile etwa noch außerdem wegzufallen hätten, und man ist
schließlich zu dem Resultat gelangt, überhaupt nur zu Kulturzwecken
verwandtes Land (Aecker, Wiesen, Gärten und Weinberge) in Betracht
zu ziehen?). Ja, selbst damit noch nicht zufrieden, hat man zu ergründen
 versucht, ob Weiden, soweit sie nicht als Fettweiden gelten
könnten, in die Dichteberechnung einzuschließen seien oder‘ nicht“).
So scharfsinnig auch die Ausführungen Sprechers hierüber sind, so
kann ich doch in einem derartigen Vorgehen nur unnötige Künstelei
erblicken und mich nicht damit einverstanden erklären. Ich für meinen
Teil schließe mich in dieser Beziehung ganz der von Uhlig vertretenen
Ansicht an°): „Solange nicht ausschließlich die landwirtschaftliche Bevölkerung
 auf die Fläche der Gemarkung bezogen wird (was aus Mangel
statistischen Materials schlechterdings unmöglich ist), scheint es durchaus
 unberechtigt, auch nur einen Teil des Areals, was Haus, Hof,
Straßen und Plätze einnehmen, bei der Berechnung der Dichte auszuscheiden.
 Denn einmal bewegt sich gerade ausschließlich auf diesen
Gebieten das Leben der in Gewerbe, Industrie und Handel thätigen
Bevölkerung, und ausserdem ist für den Betrieb der Landwirtschaft
selbst Haus und Hof, wozu ja Scheunen und Ställe gerechnet werden,
von höchster Wichtigkeit und ganz unentbehrlich: ferner wird ein Teil

° Friedrich, S. 5. Neukirch, S, 41.
So z.B. Weihe, Anhalt, 1889. Gloy, Siedlungsk. v. Nordalbingien, 1892.
Neumann, Baden, S. 61. Krausmüller, Oberhessen, S. 22.
Sprecher, $, 33.
Uhlig, Nordbaden, 8. 167.
        <pb n="20" />
        k +

E. Wagner,

der Wege, die Feldwege, fast ausschließlich von der Landwirtschaft
benutzt.“
Diese Ausführungen schienen mir für meine Arbeit um so mehr zu
passen, als eine Beschränkung der Darstellung auf die landwirtschaftliche
Bevölkerung keineswegs beabsichtigt war!). Wohin wäre ich mit einer
derartigen Abstraktion bei Behandlung des industriellen Oberharzes, sowie
 gewisser Teile des Weserthales gekommen? Es ist also von mir
nach Abzug der Waldungen der Rest der Fläche einschließlich der
oft durch Fischreichtum, meist aber durch dargebotene Wasserkraft und
Verkehrserleichterung (bei größeren Dimensionen) die Volksdichte stark
beeinflussenden Wasserläufe, der Areale der Wohnplätze (auf denen ja
eben die . Bevölkerung wohnt!) und Straßen, sowie der in meinem
Gebiet oft sehr einflußreichen Steinbrüche (Solling) in Berechnung gezogen
 worden,
Trotzdem muß ich aber zum Schlusse meine Meinung dahin aussprechen,
 daß für den Begriff der „bewohnten“ Fläche eine stets gültige
Definition nicht zu geben ist, sondern diese von Fall zu Fall für das
jeweilige Gebiet passend zu formulieren ist.

6. Konstruktion der Karte.

Die Dichteberechnung der einzelnen Gemeinden mittelst Division
ihrer Bewohnerzahl durch die „bewohnte“ Fläche geschah auf Grund
der Gemeindeareale, wie sie die preußischen Gemeindelexika (für das
Jahr 1887) gaben. Hierin tritt der Wert des statistischen Materials,
als Hilfsdienste für geographische Zwecke leistend, in seiner ganzen
Unentbehrlichkeit für unsere Wissenschaft hervor. Dabei hat der Geograph
 für seine auf statistischen Zahlen fußenden Darstellungen größeren
Maßstabes den Vorteil, diejenige von der Statistik benutzte Einheit
verwerten zu können, die am wenigsten das Ödiosum politischer Umgrenztheit
 an sich hat. Die Gemeinden, die Zellen im Bau des Staates?),
beruhen mit wenigen Ausnahmen auf der in früherer Vorzeit angewendeten
 Bildung der Gemarkungen. „Sie können,“ sagt Meitzen®),
„in keiner Weise als Gebietsabteilungen gelten, die von der Staatsgewalt
 zur Erleichterung der Verwaltung angeordnet wurden.“ Sie
sind eben eine natürliche Einheit, „das Areal, das dem Dasein der
Dorfbevölkerung die Grundlage giebt“*). In diesem Sinne sind sie
auch von allen Autoren in größerem Maßstabe gezeichneter Dichtekarten
 aufgefaßt, und ist ihre Zugrundelegung bei derartigen Arbeiten
gefordert worden). Ich habe nach Ermittlung der Dichtestufe für alle

* das Ungerechtfertigte einer solchen Trennung auf Volksdichtekarten
überhaupt” erden u elegentlich der Frage nach der Eliminierung größerer Ortschaften
 (S. 20) zu sprechen haben.
?) H. Wagner, Lehrb. I, 1900 58. 724.
°) Meitzen, I, S. 68.
‘) Friedrich, 8. 3. .
A Träger, These 1: Friedrich. S. 3; Ambrosius, S.170: Sprecher. 8.5.
        <pb n="21" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 19

städtischen und ländlichen Siedlungen Südhannovers diesen Wert neben
ihre Ortssignatur auf die Kartenunterlage (Liebenows Mitteleuropa
Bl. 72; 1:300000) eingetragen, Diese vielen Hunderte von Einzelzahlen
 vermochten naturgemäß vorerst noch kein richtiges Bild zu
geben, und es mußte deshalb an ein Zusammenfassen desselben zu
gleichartigen Dichtegruppen unter Umschließung desselben durch Kurven
in Sprechers Sinn, d. h. ohne Rücksicht auf die Feldmarkgrenzen,
lediglich in Anlehnung an die topographische Karte, gegangen werden.
Nun könnte man ja so viele Dichtegruppen herstellen, als es thatsächliche
 Dichteunterschiede im Gebiet giebt. Da jedoch ein solches Vorgehen
 ein allzu unübersichtliches Bild liefern würde, haben sich alle
Autoren entschlossen, die Gruppenbildung nach einer gewissen Skala
von Grenzwerten vorzunehmen, die ja nach dem Charakter des Gebietes
sowie der darzustellenden Dichteverhältnisse ausgearbeitet werden muß.
Die hiernach bewerkstelligte Gruppenbildung verlangt aber vorher noch
die Klarstellung der Frage nach der Behandlung größerer Bevölkerungszentren.


a) Behandlung der Bevölkerungszentren, ;

Gewöhnlich hat man hieran die Frage nach der Trennung bodenständiger
 (oder landwirtschaftlicher) oder nicht bodenständiger (oder
Industrie und Handel treibender) Bevölkerung geknüpft, Diese Frage
ist von E. Küster?) und nach ihm von E. Friedrich?) zum Gegenstand
eingehender Erörterungen gemacht worden. Während ersterer weitgehende
 theoretische Forderungen aufstellte, gelangte letzterer zu dem
Resultat, daß so viele allmähliche Uebergänge und Kontaktzonen vorhanden
 seien, daß eine definitive Trennung beider Bevölkerungsklassen
nicht möglich sei, ganz abgesehen von der schwierigen Beschaffung
ausreichenden statistischen Materials. Bei allen diesen Ueberlegungen
scheint mir indessen ein Fehler von seiten dieser und späterer Autoren
gemacht worden zu sein, nämlich die Verkennung des Wesens der
Volksdichtekarte. Die eigentliche Volks- oder Wohndichtekarte hat
doch die Aufgabe, wie Hettner®) deutlich hervorhebt, „die Bevölkerung
ohne Unterscheidung der Erwerbsklassen in ihrem Verhältnis zum
ganzen bewohnten Lande darzustellen.“ Es wird also mit dem Versuch,
die bodenständige und nicht bodenständige Bevölkerung durch Ausscheiden
 einer gewissen Klasse von Ortschaften zu trennen, ein der
Karte völlig fremdes Moment in sie hineingetragen. Man verlangt von
ihr, eine Art Karte der Erwerbsdichte zu werden. Aber eben nur eine
Art, denn schon Friedrich hat, wie oben erwähnt, das Unmögliche der
völligen Durchführung dieser Anforderung bei dem stets beschränkten
Maßstab einer Volksdichtekarte anerkannt. Es‘war deshalb mein Ziel,
in scharfer Auseinanderhaltung der Begriffe von Volks- und Erwerbs-}



E. Küster, Zur Methodik etc., Ausland 64, 8, 1891.
E. Friedrich, Danzig, 1895, S. 6.
Siehe Note 1, S. 20.
        <pb n="22" />
        20

E. Wagner,

lichte (d. h. eben Trennung nach bodenständigem und nicht bodenständigem
 Erwerb*), einen gangbaren Weg zu finden.
Nun lag die Möglichkeit nahe, dem Beispiel Friedrichs, Neumanns
und Ambrosius’?) folgend, die Bevölkerungszentren überhaupt nicht auszuscheiden,
 sondern für sich als eigene hohe Dichtegruppen darzustellen.
 Indessen lag für uns dabei die Schwierigkeit darin, eine geographisch
 berechtigte Abgrenzung einer solchen Zone zu bewerkstelligen,
eine Frage, die obige Autoren einmal dadurch lösten, daß sie sich nach
ihrer Methode an die Gemarkungsgrenzen des betreffenden Bevölkerungszentrums
 banden (Friedrich, Ambrosius), oder, wie Neumann, teils die
Abgrenzung des städtischen Einflußgebietes durch eine bestimmte Höhenlinie,
 teils durch Kreise (Radius 3—5 km) durchführten. Diese Verfahren
 anzuwenden, konnten wir uns nicht entschließen.
Wenn also die Einbeziehung der Bevölkerungszentren bei der
Gruppenbildung das Gesamtresultat in starkem Maße nach oben fälschen
würde, andererseits aber ihre Abgrenzung gegenüber ihrer Umgebung
als eigene Dichtezonen in genügend zu rechtfertigender Weise nicht
zu erreichen war, ergab sich die Notwendigkeit, sie gänzlich auszuschließen
 und in geeigneter Weise als solche auf der Karte zur Darstellung
 zu bringen. Hierbei ist aber unser Endzweck nicht eine
Trennung und Sonderdarstellung der Bevölkerung nach gewissen Erwerbsklassen,
 sondern lediglich das Bestreben, obige falsche Beein-Aussung
 des Gesamtresultates zu vermeiden. Thatsächlich kommt aber
unser Verfahren auch auf die von Friedrich, Neumann und Ambrosius
angestrebte Heraushebung gewisser Ortschaften „als Punkte intensivster
Bevölkerungsverdichtung“®*) hinaus.
Ich habe nun hierbei nicht den Weg eingeschlagen, den alle
Autoren vor mir gegangen sind, indem sie einen nach Maßstab und
Gebietscharakter mehr oder weniger begründeten Grenzwert von Bewohnerzahl
 annahmen und alles. darüber liegende ausschieden. Sie
alle hatten hierbei immer, wie gesagt, eine größtmögliche Trennung
industriell und landwirtschaftlich Erwerbsthätiger im Auge. In diesem
Sinne gebrauchten z. B. Sprecher (1:1000000) den Schwellenwert von
5000 Einwohnern, Neumann (1:300000) von 6000 und Nedderich
(1:500000, allerdings mit streng zahlenmäßiger Begründung) von
2000. Aber trotz aller Sorgfalt liegt hierin stets eine Verkennung des
Wesens der Volksdichtekarte, ganz abgesehen von der Halbheit des
Vorgehens. Denn der gewählte Schwellenwert wird doch niemals eine
exakte Scheidung der Erwerhbsklassen zu hewirken im stande sein%).

 Hettner, Geogr. Z. VII, S. 506. Definition von Volks-Siedelungs-Erwerbsdichte.

“ Ambrosius, Niederrhein, 1901, S. 169.
Neumann, Baden, S. 65.
) So hat auch Küster schon anerkannt (a. a. O0. S. 169), daß mit der
Fixierung eines gewissen Grenzwertes nichts zu erreichen sei. „Eine in der Natur
begründete Ausscheidung der Bevölkerung wird man durch Ausschließen von Orten,
lie mehr als eine gewisse Einwohnerzahl haben, überhaupt nie erreichen.“ Es
muß eben die Ausscheidung von Fall zu Fall bestimmt werden, und wir hoffen,
hierzu eine geeignete Methode, die „in der Natur (der Dichtedarstellung wenigstens)
hegründet ist“, zur Anwendung gebracht zu haben.
        <pb n="23" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 21

Aber es kommt ja, wie gesagt, hierauf bei einer Volksdichtekarte auch
gar nicht an. Hier wird die gesamte Bevölkerung ohne Unterschied
dargestellt, und mit einer Eliminierung der größeren Ortschaften soll
lediglich eine fälschliche Erhöhung der Mitteldichte ihrer Umgebung
vermieden werden, Nur von diesem Gesichtspunkt aus ist von mir die
Ausscheidung vorgenommen worden.
Wo immer ein Ort (der zufällig meist Stadt war!) die Dichte
seiner Umgebung so stark übertraf, daß seine Einrechnung
 deren Mitteldichte um mindestens eine volle Stufe
der gewählten Skala erhöht hätte, erfolgte seine Ausscheidung.
 Die größeren Städte des Gebietes, wie Göttingen, Northeim,
Einbeck, Osterode, Goslar u. a. fielen dabei ganz von selbst aus dem
Rahmen der sie umgebenden Dichtezonen als lokale Bevölkerungszentren
 heraus. Andererseits wird man aber aus der nachstehenden
Liste sehen, daß vielfach Ortschaften ausgeschieden sind, die an Einwohnerzahl
 weit unter solchen stehen, die mit ihrer Umgebung zu einer
Dichtegruppe vereinigt wurden. So wurden z. B. Markoldendorf (941
Einw.) und Adelebsen (1048 Einw.) ausgeschieden, da ihre Dichten
(323 und 214 Bewohn, auf 1 qkm) die ihrer weiteren Umgebung (60 bis
30 auf 1 qkm) stark übertrafen, Andererseits finden sich Moringen
(2466 Einw., Dichte 110) und Stadt Worbis (2300 Einw., Dichte 167)
in ihre Umgebung, die den Dichtestufen 100-—150 und 150—200 angehört,
 mit verrechnet. Ich habe also die Frage der Ausscheidung von
Bevölkerungszentren nicht auf irgend einen nach dem Maßstab meiner
Karte oder dem Erwerbscharakter des Gebietes bestimmten Schwellenwert
 der Einwohnerzahl basiert, sondern direkt auf ihre Eigenschaft
als Punkte lokaler Menschenanhäufung ihrer Umgebung gegenüber. Die
Frage zu beantworten, welche Faktoren, ob Industrie oder Verkehr
oder irgend welcher andere Umstand diese lokale Verdichtung hervorgebracht
 haben, ist aber nicht: Sache der Volksdichtekarte, sondern
des begleitenden Textes, weshalb unsere Ausscheidung nicht auf Erwerbsunterschieden,
 sondern lediglich auf Dichteunterschieden ohne
Rücksicht auf deren Ursache beruht.
Ein Punkt jedoch ist bei der Frage der Städteausscheidung noch
zu erwägen, ob es nämlich statthaft ist, mit der angehäuften Bevölkecung
 zugleich das gesamte Gemarkungsareal der betreffenden Siedelung
 auszuscheiden, oder ob nur gewisse Teile desselben, etwa nur die
unmittelbar mit Häusern bebaute Fläche, fortzufailen haben. Hier hat
Käsemacher*) einen interessanten Versuch gemacht, dieser Schwierigkeit
 zu begegnen. Es scheidet lediglich die Bevölkerung der Stadt
aus und teilt ihr Areal bei der Gruppenbildung der Umgebung zu, indem
 er durch diese Arealsvergrößerung den durch die Stadt hervorgerufenen
 Bevölkerungszuwachs der Umgebung (seien dies nun in der
Stadt beschäftigte Arbeiter oder andere durch die Nähe der guten Erwerbsquelle
 herangezogene Personen) auszugleichen sucht, um „möglichst
einen Bevölkerungszustand darzustellen, wie er ohne den Einfluß der
Stadt sein könnte. Diese Methode läuft jedoch auf Sonderdarstellung der

+ Käaemacher. Thür. Triasmulde. S. 199 f.
        <pb n="24" />
        22

E. Wagner,

bodenständigen Bevölkerung hinaus, einen Gesichtspunkt, den wir oben
für unsere Arbeit ablehnten. Uns kam es vielmehr darauf an, die verdichtende
 Wirkung der Stadt auf ihre nächste Umgebung hervorzuheben.
 Deshalb haben wir rechnerisch das gesamte Gemarkungsareal
der Stadt mit der städtischen Bevölkerung von der Umgebung abgetrennt,
um letztere lediglich auf ihrem Boden in der ihr zukommenden Dichte
darzustellen. Die besondere Darstellung der ausgeschiedenen Stadtgemarkungen
 nach politischen Grenzen auf der Karte erschien uns jedoch
 nicht angebracht. Hier wurde lediglich die bebaute Fläche als
Punkt intensivster Dichte herausgehoben, während die Dichtekarte der
engeren Umgebung gleichsam bis an die Stadtmauern ausgedehnt wurde,
in der Annahme, daß die Dichte der städtischen Bevölkerung nach der
Peripherie des bebauten Areals zu immer mehr mit der der engeren
Umgebung verschmilzt, so daß hierbei nichts auf der Karte zur Wiedergabe
 gelangt, was sich nicht in den thatsächlichen Verhältnissen wiederfindet.

Die Namen der in dieser Weise ausgeschiedenen Orte sind zu
ihrer Kennzeichnung auf der Karte unterstrichen worden. Die Darstellung
 aller Siedlungen des Gebietes erfolgte durch eine ihrer abso-Iuten
 Einwohnerzahl entsprechende Signatur. Denn trotzdem Ambrosius
diese Manier bekämpft!), indem er in vieler Beziehung ja auch mit
Recht darauf aufmerksam macht, daß die Bevölkerung doppelt dargestellt
 werde, einmal relativ auf die bewohnte Fläche bezogen durch
die Farbe des Dichtetones und dann nochmals absolut durch die Ortssignaturen,
 glaube ich, daß er bei seiner Karte des deutschen Niederrheins
 durch die rein topographisch wiedergegebenen Siedlungen viel
an Deutlichkeit und Uebersichtlichkeit des Bildes verlor. Denn an
Stelle der uns so vertraut gewordenen selbstthätigen Antwort einer
Karte auf die Frage nach der Einwohnerzahl (wenigstens in großen
Zügen) durch ihre nach Größenklassen abgestuften Ortssignaturen, verweist
 er den Leser auf das ständige zeitraubende Zurateziehen der
Texttabellen. Außerdem empfahl sich bei dem von mir schließlich gewählten
 halben Maßstab gegenüber Ambrosius die topographische Ortswiedergabe
 durchaus nicht mehr. Sie hätte so schematisch geschehen
müssen, daß sie die von Ambrosius damit beabsichtigte Darstellung
„ethnischer Merkmale“ nicht hervorzubringen vermocht, also noch
weniger als absolute Signaturen, nämlich gar nichts dem Leser geboten
 hätte. Somit erschien mir die Anwendung der von H. Wagner
empfohlenen?) kombinierten Methode am Platze. Es giebt also die
vorliegende Volksdichtekarte Südhannovers eigentlich zwei Karten in
einer wieder, indem über der relativen Dichtekarte eine absolute Siedlungskarte
 gleichsam darüberliegt.
Folgende 31 Städte gelangten nach obigen Gesichtspunkten zur
Ausscheidung samt ihrer Gemarkungsfläche :

') Ambrosius, Niederrhein, S. 170.
? H. Wagner, Lehrb. I, 1900 8. 778 (Abs, 5).
        <pb n="25" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 23

Name

a) Harzrand:

Goslar .
Harzburg .
Seesen . . .
Osterode .
Herzberg .
Lauterbere .

bo) Harzinneres:

Grund +. 2...
Lautenthal. , .
Wiedemann
Zellerfeld . ;
Klausthal . . .
Altenau . . . +
Andreasberg . .

c) Harzvorland und
Eichsfeld :

Gandersheim . .
Duderstadt . . .
Heiligenstadt .

Gemarkungs-


akm

19,90
4,38 |
16,63
29,09 |
14,26
755

129 |
2,49
1,55
7,89
18,51
227 |
7.38

8,10
20,54 |
20,01

Zewohner
1895

L4 866
3308
4 462
8 249
3 704
4724

2051
2675
1878
4372
8 608
2162
3 552

2851
5219
6692

1
Name

d) Leinethal und
Randhäöähen:

Göttingen . .
Nörten . . . 4
Northeim . .
Dransfeld . 1.
Einbeck. . . .
Markoldendorf .
e) Umgebung des
Solling:
Uslar. . . .
Adelebsen . . .
Hardegsen . . .

f) Werra- und
Weserthal:
Witzenhausen. .
Münden. . . .
Karlshafen . . .
Höxter . . . .
Holzminden . .
Bodenwerder . .‘
Ausgeschiedene |
Fläche u. Bewohner

Gemarkungs-


akın

Bewohner
1895

16,70
5,69
21,38
13,82
21,86
2.91

25 506
1712
7184
1428
8 436
941

7,12
10,59
9.038

2331
1260
1 099

12,31 3270
9,67 8520
2,31 | 1724
18,47 7246
18,27 9071
3886 1512
8351,69 | 160 098

b) Die Bildung der Dichteskala.

Die Bildung der Dichteskala geschah in der Weise, daß, wie
auch Sprecher!) empfiehlt, von der mittleren Dichte des Gesamtgebietes
ausgegangen wurde. Diese beträgt für Südhannover zur Zeit (1895)
mit Einschluß der 31 eliminierten Orte 155%) Bewohner auf 1 qkm.
In dieser Dichtezahl war also ein Ausgangspunkt für die Dichtigkeitsabstufungen
 gegeben. Sehr richtig hat aber neuerdings Hettner ®) darauf
hingewiesen, daß es durchaus verkehrt sei, der Mitteldichte unabgerundet:
 einen direkten Einfluß auf die Stufenbildung einzuräumen. Vielmehr
 sollten alle Verfasser von Dichtekarten es sich zum Prinzip
machen, eine Gleichartigkeit untereinander dadurch anzustreben, daß
ihre Skala stets nur runde Zahlen des Dezimalsystems (0; 5; 10; 15 etc.)
aufweist.

4

Sprecher, S. 15.
Gewonnen aus dem Endresultat der großen Tabeller.
Hettner, Geogr. Z. (1901) X, 8. 510.
        <pb n="26" />
        2

E. Wagner,

In diesem Sinne gehen wir von der Mitteldichte 150 aus und
bezeichnen Bevölkerungsdichten bis zu 80 herab als gut, alles darunter
liegende als schwach, während alles über 150 liegende als relativ stark
bevölkert gilt. Welche Stufen waren nun zu bilden? Erstlich galt es,
den Wald als äußerst dünn besiedeltes Gebiet (0—1) abzutrennen.
Dann handelte es sich darum, die Muschelkalkzüge links der Leine
nicht auf eine Stufe mit dem Öhmgebirge und den zu beiden Seiten
der Oker gelegenen Partieen des nördlichen Harzvorlandes zu stellen,
wo der von den Flußüberschwemmungen mit dem mitgeführten giftigen
Pochsand überdeckte Boden eine ersprießliche Landwirtschaft unmöglich
 macht‘). Deshalb wurde die Stufe 20—40 eingeführt, die die
letzteren Gebiete als sehr ungünstig für eine Besiedelung heraushebt.
Die darunterliegende Stufe 1—20 ist kaum vertreten, die einzige Repräsentantin
 hierfür ist die durch Wald isolierte kleine Gemeinde
Deppoldshausen nordöstlich Göttingen. Als nächstfolgende Abstufungen,
also über 40, empfahl es sich 40—60 und 60—80 einzuführen, da auf
diese Weise die Unterschiede zwischen den beiderseitigen Hängen des
linksleinischen Bergzuges und seinem. Kamme, sowie die dünnere Besiedlung
 des Eichsfeldes gegenüber seinen größeren Thälern am deutlichsten
 hervortraten. Eine anfänglich vorgenommene weitere Stufenbildung
 von 80—150 erwies sich als zu weitmaschig und zu stark
generalisierend. Erst nach Abscheidung einer unteren Abteilung von
80—100 gelang es, größere Partieen des südlichen und westlichen
Harzvorlandes, sowie der Umgebung des Ohmgebirges als dünner besiedelt
 wie das Leine- und Rhumethal hervorzuheben, , welch letztere
eine starke, über 100 betragende Volksdichte aufzuweisen haben. Den
Mittelwert von 150 überschritten dann nur noch einzelne, infolge ganz
besonderer Verhältnisse verdichtete Bezirke. Hierher gehören die durch
Verkehrseinflüsse bewirkten Bevölkerungsanhäufungen der Umgebung
von Bodenfelde, Höxter und Holzminden, ferner die Gegend von
Stadtoldendorf im Nordwesten und Stadtworbis im Südosten unseres
Gebietes, In gleicher Weise hob sich die nähere Umgebung der Stadt
Göttingen als eine solche Zone von der weiteren Umgebung ab. Um
nun schließlich noch die Industriegebiete nördlich des Harzes mit ihrer
auffallend starken Verdichtung besonders zu kennzeichnen, begrenzte
ich die letzte über 150 liegende Stufe durch den Schwellenwert 200,
so daß also die eben genannten Harzer Industriegebiete und die auf
engstem Raume zusammengedrängten Gebirgssiedlungen als Dichtegebiete
 von über 200 zur Darstellung gelangten. Somit erhalten wir
die folgende Skala als Grundlage für die Gruppenbildung:

Wald 0—1 Bewohner auf 1 qkm
IL. 1—20 | 4. r
IL. 20—40 | dünn bevölkert

III. 40—60 nn nn
IV. 60—80 } wüßig bevölkert

\ Meitzen. V. 8. 443.
        <pb n="27" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 87

V, 80—100
VI. 100—150

VII. 150—200
VILlI. über 200

\

| gut bevölkert

stark bevölkert.

ec) Gruppenbildung und Kontrollrechnung auf der Karte.

Die Gruppenbildung geschah auf Grund unserer Dichteskala, wobei
 das Ziehen der begrenzenden Kurven durchaus in Anlehnung an
die von Sprecher beschriebene Methode!) erfolgte. „Es liegt dem
gesamten Kurvensystem ein genaues Studium der topographischen Karte
zu Grunde, wobei neben der Situation der Wohnorte auch die Gestaltung
 des Terrains und die Art der Bodenbenutzung (Wald oder
Kulturland) als ebenbürtige Faktoren zu Rate gezogen wurden.“ Um
der Willkürlichkeit, die bis zu einem gewissen Grade ja sicherlich in
dieser Methode liegt, möglichst zu steuern, wendete auch ıch die ebenfalls
von Sprecher vorgeschlagene Kontrollrechnung an, die darin besteht,
daß „die aus der Dichtekarte hervorgehende Bewohnerzahl des politischen
 Bezirkes mit der wirklichen verglichen und wenn nötig korrigiert
 wurde“ ?).
Als Beispiel führe ich den Kreis Göttingen (Stadt und Land) an.
Dieser (rund) 507 gkm mit 58042 Bewohnern (1895) umfassende Bezirk
 zerfällt neben dem 136 qkm Fläche bedeckenden Waldareal in
5 Dichtegruppen, und zwar besitzen diese,nach der ersten Abschätzung
auf der Dichtekarte folgende Flächen und Bewohnerzahlen.

136 qkın Wald Dichte
2
50
200
70
64
10
3

0- 1

3 Y
a? - Mitte

x Bew.

68
20
0
74

Bewohner

MO

ü Iu
100--150
200— 27

‚ Stadt Göttingen —

A

5 UF

535 akm

Stadt und Landkreis Göttingen = 59 144 Bewohner.

Dies ergiebt gegenüber den thatsächlichen Verhältnissen (507 qkm
mit 58042 Bew.) eine Differenz von + 28 qkm und + 1102 Bewohnern.
 Während die Flächendifferenz bei der Unsicherheit der
Flächenbestimmung für die gesamte Kreisfläche auf einer Karte
1:300000 nicht zu groß ist, machte das starke Zuviel der Bewohner
aber eine Korrektur der Kurven nötig, bei der die stärker bevölkerten
Gebiete an Flächenausdehnung zu verringern waren. Nachdem dies
geschehen, ergab sich bei erneuter Abschätzung folgendes Resultat:

ı) Sprecher, S. 12.
?) Ebenda.
        <pb n="28" />
        E. Wagner,

Wald 136 qkm Stufe 0—1 0,5 = 68 Bewohner
2 1—2C 10 = 20
A0Q- CC 50 = 83025
Fr 70 = 14210
"109 0): 5950
150 Dr 7 625
200—350 “75 _. 2200
Stadt Göttingen , 1527 = 25 506
533 akm Stadt u. Landkreis Göttingen = 58 604 Bewohner.

Die noch bestehende Differenz von 26 gkm mit 561 Bewohnern
kann bei der Dehnbarkeit der obigen Mitteldichten innerhalb der Grenzwerte
 der Stufen, sowie dem vielfach nur sehr generalisiert in die Karte
eingetragenen Grenzverlauf des zu Grunde gelegten politischen Bezirkes
(Kreis Göttingen) als belanglos für das Gesamtresultat vernachlässigt
werden.

7. Wahl des Kartenmaßstabes.

Es ist bereits erwähnt worden, daß unserer Untersuchung der
Volksdichte von Südhannover die Liebenowsche Karte von Mitteleuropa
(Blatt 72) 1: 300000 zu Grunde lag. Es war nun die Frage, ob eine
Beibehaltung dieses Maßstabes sich auch für die fertige Karte empfahl.
 Der Maßstab hängt ja ab von der Größe des darzustellenden
Gebietes und von der bei der. Dichtigkeitsdarstellung befolgten Methode.

a) Einfluß der Gebietsgröße.

Neukirch!) stellt die Forderung auf, daß für Karten kleinerer
Gebiete, wie es die Spezialkarten der Volksdichte meist sein werden,
die Wahl eines „nicht zu großen“ Maßstabes getroffen werde. Was
heißt aber „nicht zu groß“? Dieser von Neukirch als Forderung hingestellte
 sehr relative Begriff steht eben in gewisser Abhängigkeit von
der Flächenausdehnung des darzustellenden Gebietes. Untersuchen wir
im folgenden, wie die Autoren der wichtigsten Volksdichte und Siedelungskarten
 (auf ihren Unterschied kommt es uns hierbei gar nicht an)
diesen Begriff bestimmt haben. Wir geben zu diesem Zwecke eine Zusammenstellung
 ihrer Arbeiten nach der Größe des von ihnen behandelten
Gesamtareales geordnet, um möglichst daraus eine Antwort auf die
Frage abzuleiten, welcher Maßstab erscheint für eine gewisse Flächenausdehnung
 als „nicht zu groß“. resp. als der geeignetste? (Siehe nehenstehende
 Tabelle.)
Wenn wir von den Arbeiten absehen, bei denen bestimmten Darstellungsmethoden
 zuliebe absichtlich große Maßstäbe gewählt wurden,
(wie z. B. von Neumann, Burgkhardt | Erzgebirge] und Leinhose, ihrer
Höhenschichtenmethode wegen, oder auch von den verschiedenen Autoren
der Siedelungskarten, besonders Buschik und Glov), läßt sich aus dieser

) Neukirch, 8. 60.
        <pb n="29" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 27

Verfasser und Gebiet

Sprecher v. Bernegg, Rhein. Deutschland, 1887
7Neumann, Baden, 1892. . .
*Buschik, Sachsen, 1893 . . . .
Stoltenburg, Regierungsbez. Köslin, 1896
Träger, Nordschlesien, 1888 . . .
Käsemacher, Thür. Triasmulde, . 1892
*Burgkhardt, Elsaß, 1891 . . . .
Friedrich, Regierungsbez. Danzig, 1895
*Gloy, Nordalbingien, 1892 .
TBurgkhardt, Erzgebirge, 1887
Sandler, Oldenburg etc., 1899
Nedderich, Ostfalen!), 1902 .
*Hackel, Oest. Mühlviertel, 1902
Krausmüller, Oberhessen, 1900 .
Bergmann, Prov. Starkenburg 1900
Thiele, Regierungsbez. Aurich, 1901
Neukirch, Els, Wasgau, 1897
Uhlig, Nördl. Baden, 1899 .
Ambrosius, Niederrhein 1901
+Wolff, Harz, 1893 . ..
Fürchtenicht, Anhalt?), 1897
Jankowsky, Samland (noch nicht erschienen)
Gelbke, Mansfelder See- und Saalkreis, 1897
+Leinhose. Schwarzagebiet, 1890

Gesamtareal

(abgerundet)
akm

97 000
15 000
15 000
14 000
13 100
11 400
8 300
7 950
7 500
6 560
5380
4 100
4.700
3 8300
3.020
3 000
2750
2600
2 500
2.350
2300
2 000
2.000
500

Maßstab

1:1000000
1: 300000
1: 375000
1: 520000
1; 550000
1; 400000
400000
400000
200000
300000
500000
500000
240000
150000
250000
250000
250000
300000
150000
200000
300000
125000
125 000
100000

l «

Zusammenstellung folgendes für unsere Frage entnehmen. Wir müssen
annehmen, daß jeder der obigen Autoren bestrebt war, den für seinen
Fall zweckmäßigsten Maßstab auszuwählen und anzuwenden, so daß wir
nun diese verschiedenen Einzelerwägungen gewissermaßen in ein Schema
bringen können, das uns Neukirchs dehnbaren Begriff des „nicht zu
großen“ Maßstabes in eine greifbare Gestalt verwandelt.
Es werden angewandt bei einer Gebietsausdehnung von
T. 2000—5000 qkm Maßstäbe von 1:125000 bis 1: 500000
mit Bevorzugung der über 1:300000
IL 5000—10000 qkm Maßstäbe von 1: 300000 bis 1: 500000
mit Bevorzugung der unter 1: 300000
IT. mehr als 10000 qkm Maßstäbe von 1:500000 und darunter.
Diese Aufstellung kann bei der Wahl des Maßstabes, soweit dabei
die Ausdehnung des Gebietes in Frage kommt. für relative Dichtekartern

* Bedeutet Siedelungskarte. + Bedeutet Darstellung nach Höhenschichten,
1) Die bevölkerungsstatist, Grundkarte Nedderichs über dasselbe Gebiet
(1: 200000) ist absichtlich hier außer Betracht gelassen worden.
2) Die Arbeit E. Weihes. Volksd. v. Anhalt, 1888, 1: 500000, ist nur als
Skizze zu hetrachten.
        <pb n="30" />
        28

E. Wagner,

einen ersten Anhalt bieten. Absolute Siedelungskarten und Darstellung
der Volksdichte mit bestimmten Abstraktionen (Höhenschichten etc.) oder
sogen. Karten der Erwerbsdichte!) werden bei der Festsetzung des
Maßstabes mehr auf ihre angewandte Methode als auf das Gesamtareal
ihres Gebietes zu rücksichtigen haben. Immerhin vermag aber auch
ihnen obiges Schema einen Anhalt zu bieten, wenn sie sich auch stets
innerhalb der drei Stufen dem oberen Schwellenwert (also dem größten
Maßstab) stark nähern werden.
Für Südhannover, dessen Grenzen rund 4000 gkm umfassen, erhielten
 wir durch unsere Zusammenstellung einen Maßstab in den Grenzen
von 1: 125000 bis höchstens 1: 500000 zugewiesen, jedoch mit dem
Vermerk, daß die Mehrzahl der hierher gehörigen Karten sich über
1:300000 bewege. Bei der Entscheidung, welcher Darstellung nun
wieder innerhalb dieser engeren Grenze der Vorzug zu geben sei, war es
nötig, sich zu vergegenwärtigen, ob und wieweit die von uns angewandte
 Kurvenmethode ein Heraufgehen bis zur oberen Grenze von
1:125000 gestattete.

b) Einfluß der Methode.

Oben haben wir bereits der Einschränkungen gedacht, die von
Friedrich und neuerdings von Nedderich für die Anwendbarkeit der
Sprecherschen Kurvenmanier gemacht sind. Die obere Grenze Friedrichs
 beim Maßstab von 1: 1000000 ist von Nedderich ?) auf 1: 500000
heraufgesetzt worden, auf Grund eingehender wirtschaftlicher Studien
über den Erwerbscharakter seines Gebietes und der dazu im Verhältnis
stehenden Anwendungsmöglichkeit der Kurvenmanier. Hierbei hat er
gleichzeitig die nur sehr beschränkte Verwendbarkeit von Trägers mathematischer
 Methode lediglich auf ebene Gebiete dargethan, während
Friedrich seiner Zeit ihr alle Dichtedarstellungen zwischen den Maßstäben
 1: 1000000 bis etwa 1: 400000 zuschreiben zu können glaubte®).
Nun möchte ich noch einen Schritt weiter gehen, wie Nedderich, und
behaupten, wie ja aus meinen früheren Aeußerungen schon hervorgeht,

') Diese Karten der Erwerbsdichte, wie sie Sandler zur Darstellung gebracht
hat, beschränken sich lediglich auf die Wiedergabe eines Teiles der Bevölkerung:
der boden- oder flächenständigen. Deshalb sind sie als Karten der Krwerbsdichte
 wohl wertvoll, aber meines Erachtens keine eigentlichen Volksdichtekarten,
deren Aufgabe es ist, „die Bevölkerung ohne Unterscheidung von Erwerbsklassen
in ihrer Gesamtheit zu zeigen“ (Hettner, Geogr. Z. VII, S. 506). „Da sie ein
Zerlegen der Fläche nach Kulturarealen erfordern, lassen sie sich nur in größerem
Maßstab, in einiger Vollkommenheit aber nur mit großem Aufwand von Mühe und
Kosten darstellen“ (Hettner, Geogr. Z. VII, S. 506), Auch Nedderichs Karte
des ostfäl. Landes gehört, was die eingetragenen wirtschaftlichen Verhältnisse betrifft,
 hierher, während eine Grundkarte im Sinne Hettners an sich noch keine
Karte der Erwerbsdichte ist. Indessen werden die oben angedeuteten Schwierigkeiten
 der Herstellung diese Karten stets zu seltenen Erzeugnissen anderen Methoden
 gegenüber machen, weshalb hier diese kurze Erwähnung genügen mag.
Vgl. hierzu auch Nedderich, S. 177, wo er die Schwierigkeit und Mühseligkeit
der Beschaffung statist. Materials für seine wirtschaftsgeogr. Karte schildert.
’) Nedderich, Ostf. Hügel-ete.-land, S. 197.
3) Friedrich, Danzig, S. 11.
        <pb n="31" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 29

daß Sprechers Kurvenmethode mindestens bis zum Maßstab von
1: 300000 jedenfalls dasselbe zu leisten im stande ist, wie Friedrichs
geographisch-statistische Gemarkungsmethode, der er selbst die Volksdichtekarten
 in größerem Maßstabe als 1: 400000 reserviert hatte 1).
Eine Behauptung muß, wenn sie wissenschaftlichen. Wert haben
soll, bewiesen werden. Zum größten Teil muß ich diese Beweisführung
 meiner Karte und den durch sie dargestellten Verhältnissen
überlassen. Dann aber mögen zur Ergänzung noch folgende KErwägungen
 hier Platz finden. |
. Wir hatten eine eigentliche Karte der Bevölkerungsdichte im
Auge, also eine Kategorie, die stets auf einer mehr oder minder generalisierenden
 Betrachtung der Bevölkerungsverteilung beruht °). Hierdurch
 bekommt jede nach der relativen Methode gezeichnete Dichtekarte
 in gewissem Sinne den Charakter eines Uebersichtsblattes, Ganz
zu derselben Ansicht gelangt Friedrich, wenn er die Anforderungen an
eine solche Karte für erfüllt erklärt, sobald man sagen kann®): „So
etwa würde sich aus der Vogelperspektive das Bild der Volksdichte
unseres Gebietes darstellen, wenn wir uns die Bevölkerung wie eine
Flüssigkeit über den Lebensboden in starker oder geringer Dichte hingegossen
 dächten. Der Zweck der Karte kann nicht darin bestehen,
daß sie Grundlage für Messungen und Rechnungen bilde. Die Aufgabe,
 genaue Zahlen zu liefern, muß den Texttabellen zugewiesen
werden.“ Fast mit denselben Worten gibt Neukirch *) diesen Gedanken
wieder, daß das Wesen der (relativen) Dichtekarte nicht darin bestehe,
bis ins einzelne genaue Zahlen der Bevölkerungsmenge, sondern nur
die Bevölkerungsverhältnisse in der charakteristischen Verschiedenheit
ihrer Dichte darzustellen.
Infolge dieser Eigenschaft der relativen Dichtigkeitskarten sind
wir freilich auf einen Maßstab verwiesen, der ebenfalls den Begriff des
„Uebersichtsblattes“ wenigstens bis zu einem gewissen Teil repräsentiert.
 Aber es steht uns frei, hierbei nach dem größten noch möglichen
 in dieser Kategorie zu greifen.
Gemeinhin zählen ja Kartenblätter im Maßstab 1: 300000 schon
zu den Spezialkarten®). Aber im Sinne der Volksdichtedarstellung
scheinen sie mir doch noch auf der Grenze zu stehen zwischen einem
Uebersichts- und einem Spezialblatte. Sie geben zwar sämtliche, auch
die kleinsten geschlossenen Siedelungen wieder, aber von KEinzelsiedelungen
 (resp. Wohnplätzen) können sie doch nur eine sehr beschränkte
Auswahl geben, falls sie überhaupt auf diese Rücksicht nehmen. Gerade
auf ihrer Darstellung aber beruht das Wesen der eigentlichsten
Spezialarbeiten der Volksdichte®), die deshalb erst an Karten von

!) Friedrich, Danzig 8. 15.
” Hettner, Geogr. Z. VII, S. 506.
”) Friedrich, Danzig, 8. 7.
4) Neukirch, Els, Wasgau, S. 68. Beide Autoren wenden sich hier gegen
E. Küsters weitgehende Forderungen. .
5) H. Wagner, Lehrb, I, 1900 S. 209, weist darauf hin, „daß es an einer faßbaren
 Grenze gebricht“ zwischen Uebersichts- und Spezialkarte. N
8) So urteilt z.B. Nedderich, S. 195: „Bei Karten von einem größeren
Maßstab. wie z.B. 1:200000, ist es nicht ausreichend, die Einwohnerzahl der
        <pb n="32" />
        E. Wagner,

1:200000 und darüber anknüpfen können. In diesem Sinne faßten
wir den Maßstab 1: 300000 als einen Grenzwert auf, bis zu dem es
wohl angängig sei, die Darstellung der relativen Dichte nach der von
uns gewählten Methode auszudehnen. Sehr zu begrüßen war es hierbei,
 daß uns in der Liebenowschen Karte von Mitteleuropa (Blatt 72)
eine Unterlage gegeben war, die nicht nur sämtliche geschlossenen
Siedlungen unseres Gebietes enthielt, sondern auch durch ständiges
Nachkorrigieren ihrer Blätter in Bezug auf das Verkehrsnetz (Straßen
und Eisenbahnen) den neuesten Stand verbürgte. Die Wichtigkeit der
Wiedergabe der hauptsächlichsten Verkehrslinien gerade für Karten der
Volksdichte ist bereits von Neukirch!) auf das schärfste betont worden,
„vornehmlich der Kanäle und Eisenbahnen, besonders für die Erklärung
der industriellen und handeltreibenden Knotenpunkte“,
Ein noch weiteres Ausdehnen der Sprecherschen Kurvenmethode
auf größere Maßstäbe als den unseren halte ich, wenn auch nicht für
unmöglich, doch für zwecklos. Denn was diese Manier an Detailliertheit
der Darstellung herzugeben vermag, ist bei dem von uns gewählten
Maßstab erreicht. Darüber hinaus würden die Karten den an sie mit
Recht zu stellenden Ansprüchen nicht mehr genügen können (was teils
an der Methode, teils an ihrem Charakter als relative Dichtekarten
überhaupt liegt), dabei aber die Mängel und Unsicherheiten der Kurvenzeichnung
 in allzudeutlicher und vergröberter Weise zur Anschauung
bringen. Hier verliert eben, meiner Meinung nach, die relative Dichtekarte
 ihre Berechtigung und die absolute Darstellung der Bevölkerungsverteilung
 hat für sie einzutreten. Von da ab muß der Mensch an dem
von ihm bewohnten Punkte dargestellt werden, wie es die Ratzelsche
Schule von jeher überhaupt nur hat gelten lassen wollen ®), und wie
es neuerdings in richtiger Erkenntnis der Thatsachen die Hettnersche
Schule mit ihren bevölkerungsstatistischen Grundkarten für größte
Maßstäbe zur Ausführung bringt. Alle anderen Darstellungen in dieser
Größe nach relativer Methode, mögen sie nun zu Dichtegruppen vereinte
 Gemeindekomplexe wiedergeben (Friedrichs Methode) oder rein
statistische Gemeindekartogramme sein (Ambrosius’ Methode), werden
stets eine Fülle von Angriffspunkten bieten und den absoluten Methoden
 gegenüber nicht standzuhalten fähig sein.

‚politischen Gemeinde‘ zu Grunde zu legen, wenn die Gemeinden nicht zufällig
sämtlich geschlossene Ortschaften bilden, sondern es wird eine größere Naturtreue
erreicht, wenn man die Menschen möglichst an ihren wirklichen Wohnplätzen darstellt.
 Das bezweckt die bevölkerungsstatistische Grundkarte ... die ganze Ortschaften
 und einzeln liegende Gehöfte, in einigen Fällen auch einzelne Häuser
darstellt.“
) Neukirch, 8, 62.
’) Daraus entstand ja eben der Streit, ob relative und absolute Darstellungen
in gleicher Weise als geographische Volksdichtekarten gelten sollten. Er wurde
entschieden durch eine reinliche Trennung in relative Volksdichtekarten und absolute
 Siedelungskarten. (Vgl. darüber H, Wagner, Lehrb. I, 1900 8 361. 4 und
Neukirch, S. 4.)
        <pb n="33" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover’und deren Ursachen. 31

8. Wahl der Farben,

Mit der Frage nach der Auswahl der Farben für die Dichtekarte
wird ein Gebiet berührt, das hart an die Technik streift, worin auch
der Grund liegen mag, daß es noch nicht Gegenstand eingehenderer
methodischer Erörterungen geworden ist. Es herrscht gerade hier eine
Unsicherheit und Verschiedenheit, wenn man die einzelnen Volksdichtekarten
 untereinander vergleicht, wie es eben nur bei einem gänzlichen
 Mangel eines Systems der Fall sein kann. Daher kann denn auch
Hettner*) mit Recht klagen, daß „hier viel gesündigt worden sei, da
man oft die Farben ohne jedes Prinzip gewählt hat, so daß die Karte
nur durch immerwährende Benutzung der Legende entziffert werden
kann“. Wenn es auch dem in der kartographischen Technik ungeübten
Autor schwierig sein wird, jederzeit das für die technische Reproduktion
 Geeignetste in Bezug auf die Farbenauswahl zu finden, so sollte
er dennoch der reproduzierenden Anstalt gegenüber seine Wünsche,
denen ja nach Möglichkeit zu entsprechen gesucht werden wird, eben
darum nach einem bestimmten Grundprinzip aufstellen. Er kann sich
für zwei Wege entscheiden, entweder für mehrfarbigen oder einfarbigen
Druck. Letzterer erscheint aber nur bei einer Stufenzahl von höchstens
fünf am Platze, darüber hinaus muß zwecks deutlicher Unterscheidbarkeit
 zu einer zweiten und dritten Farbe gegriffen werden. Grundprinzip
für alle Fälle muß jedoch das von K. Peucker?) zunächst für topographische
 Karten Aufgestellte, aber auf Dichtekarten leicht Uebertragbare
sein: je dichter die Bevölkerung, desto dunkler die Farbe und umgekehrt.
 Es ist, wie gesagt, hierbei gleichgültig, ob eine oder mehrere
Farben Anwendung finden, denn vorausgesetzt, daß in letzterem Falle
die Auswahl so getroffen ist, daß eine deutliche Unterscheidbarkeit ermöglicht
 ist, muß trotz der Verschiedenheit der Farben als Totalaindruck
 eine Stufenleiter hervorgebracht werden®).
Auf diese Weise wird, wenn alle Autoren sich gleichmäßig dieses
Prinzipes bedienen, dem geübten Auge bei Benutzung einer so abgestuften
 Dichtekarte sofort ein allgemein orientierendes Bild von der
Verteilung der Bevölkerung in dem ganzen dargestellten Gebiet erscheinen,
 und erst detaillierte Fragen werden die Benutzung der Legende
 nötig machen. Freilich erfordert das Bestreben, bei Anwendung

ll Hettner, Geogr. Z. (1901) VII, S. 580.
vb M K, Peucker, Schattenplastik und Farbenplastik (Kartogr. Studien I.), Wien
‚8. 10 f.
3) Ebenda. Diese Schrift Peuckers sollte von jedem, der, ohne auch Kartozraph
 von Beruf zu sein, durch zufällige Aufgaben mit Kartenzeichnen und deren
Reproduktion zu thun bekommt (Autoren geogr. Schriften), gelesen werden. Dann
wird er wenigstens einen Teil der ‚von Peucker so bitter beklagten Unkenntnis auf
liesem Gebiet gerade bei Leuten, die das Gegenteilige aufweisen sollten, verlieren.
Aber dann soll er sich um so mehr hüten, sich für einen Fachkartographen zu
halten, „sobald er nur hin und wieder durch einige Mußestunden eine Karte bearbeitet,
 bezw. mit Anweisungen für den Lithographen versieht oder nur einige
engumzirkte Vorstellungen von kartographischer Technik besitzt“ (8. 55). Wie
beherzigenswert, und doch wie oft machen kartogr. Anstalten gerade die gegenteiligen
 Erfahrungen!
        <pb n="34" />
        m:
“x.
Ska

E. Wagner,

mehrerer Farben diesem Prinzip durchaus treu bleiben zu wollen, eine
gewisse Vertrautheit mit den Elementen der Farbenlehre!) und dem
Wert der einzelnen Farben gegeneinander, worauf hier nicht eingegangen
werden kann. Dabei verläßt sich der Ungeübtere besser auf den Rat
der praktische Erfahrung besitzenden geographischen Anstalt, der er
die Herstellung seiner Karte anvertraut hat.

9. Die Tabellen.

Es erübrigt noch, den ausführlichen Tabellen, die jedem Kapitel
beigefügt sind, einige erläuternde Worte mitzugeben.
Die Tabellen sind nach den von mir gebildeten geographischen
Unterabteilungen des Gebietes angeordnet worden. Innerhalb einer
jeden solchen Abteilung erfolgte die Aufführung der einzelnen Gemeinden
 nach Dichteprovinzen. Jede dieser Dichteprovinzen wurde zusammengezählt,
 und diese Endsummen mit fortlaufenden Zahlen 1—65
versehen, die sich in den entsprechenden Dichteprovinzen der Karte
eingeschrieben wiederfinden. Es ist hierdurch jederzeit ohne Schwierigkeit
 möglich, die Dichtekarte und die absoluten Zahlen der Tabellen in
Beziehung zu setzen.
Was nun die einzelnen Spalten der Tabellen anlangt, so verstehen
sich 1—3 ohne weiteres. Die unter 4—7 gegebenen Zahlen entstammen
 sämtlich dem Gemeindelexikon für Preußen (Ausgabe 1887
und 1897). Soweit ich braunschweigisches Gebiet zu berühren hatte,
ist mir durch die Freundlichkeit des Direktors des Braunschw. Statistischen
 Bureaus, Herrn Geheimrats F. W. R. Zimmermann, das nicht publizierte
 in Spalte 5—7 angeführte Zahlenmaterial zur Verfügung gestellt
worden, wofür ich dem genannten Herrn auch an dieser Stelle‘ nochmals
 zu danken mich veranlaßt sehe. Es muß auch gleichzeitig darauf
hingewiesen werden, daß unter Wiesenflächen das Weideland nicht
mit eingerechnet ist, daß vielmehr dieses zusammen mit Hutungen,
Oed- und Unland, Haus- und Hofräumen, Wegeland, Gewässern u. s. w.
den nicht besonders erläuterten Rest des Gesamtflächeninhaltes jeder
Gemeinde gegenüber Holzungs-, Acker- und Wiesenflächen bildet?).
Spalte 8 giebt sodann die nach den oben erörterten Grundsätzen
(vgl. S. 15 ff.) gewonnene „bewohnte“ Fläche wieder. In den folgenden
zwei Spalten (9 u. 10) habe ich die Bevölkerungszahlen von 1871 und
1895 gegenübergestellt, um einen Begriff von der Bewegung der Be-1)

 Sehr viel hierüber Orientierendes ist in Peuckers bereits erwähnter
Schrift, besonders von S. 80 ab, zu finden. Indessen setzt er mancherlei Vorkenntnisse
 auf dem Gebiet der Farbenlehre voraus, die leicht aus folgenden, vortrefflich
 einführenden Werken gewonnen werden können (durchaus gemeinverständlich
geschrieben): Ernst Brücke, Die Physiologie d, Farben f. d. Zwecke d. Kunstgewerbes,
 Leipzig 1887. — Georg Hirth, Das deutsche Zimmer, I, von S. 75 ab,
München 1894 (kurz gefaßte, gründlich und allgemein orientierende Uebersicht
der Farbenlehre!). — Georg Fritz, Handbuch d. Lithographie, von S. 438 ab,
Halle 1901. (Hier wird vorzüglich Gewicht gelegt auf die für lithographische und
kartographische Zwecke anzuwendenden Kapitel der Farbenlehre.)
?) Nach schriftlicher Mitteilung des Kgl. Statist. Bureaus zu Berlin.
        <pb n="35" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 33

völkerung innerhalb dieser 24 Jahre zu geben. Hierauf folgt in
Spalte 11 die durch die Division ‚von Bewohnerzahl durch bewohnte
Fläche gewonnene Dichte mit der Zahl (TI, II, IIT etc.) meiner neunstufigen
 Skala. Der Rest der Tabelle giebt den Viehstand für das
Jahr 1892 wieder, wie er aus dem Viehstandslexikon für den Preußischen
 Staat (1892) gewonnen wurde, Die braunschweigischen Zahlen
verdanke ich wieder der Güte des Herrn Geheimrats Zimmermann, Erwähnen
 möchte ich noch, daß ich Spalte 14, die noch nicht 4jährigen
Pferde?), einführte, um einen Schluß auf den Umfang etwa betriebener
Pferdezucht zu ermöglichen. Denn die in diesem Alter befindlichen
Tiere sind als noch nicht gebrauchsfähig zumeist noch in Händen des
Züchters. Federvieh hat leider, da seine Anzahl nur kreisweise veröffentlicht
 ist, nicht in der Tabelle Aufnahme finden können. Auf
meine Anfrage bei dem Kgl. Preussischen Statistischen Bureau teilte
mir dessen Präsident Herr Geheimer Oberregierungsrat Dr. Blenck mit,
daß erst im nächsten Viehstandslexikon für 1900 Federvieh gemeindeweise
 aufgeführt würde, Das hierzu vorhandene handschriftliche
Material konnte als nicht in den Zeitpunkt der Arbeit passend, keine
Verwendung finden.

10. Material und Litteratur,

Das der Arbeit zu Grunde liegende statistische Material entstammt,
was Volks- und Berufszählung anbelangt, dem Jahr 1895, während die
Viehstandsziffern den Resultaten einer im Jahre 1892 vorgenommenen
Zählung entnommen sind. Es war also die Möglichkeit geboten,
ziemlich homogenes Quellenmaterial bei der Ausarbeitung der Tabellen
wie der einzelnen Kapitel benützen zu können, Die übrige Litteratur,
auf die sonst im Text Bezug genommen wird, findet sich in nachstehendem,
 nach dem Gang der Arbeit geordneten Litteraturverzeichnis.
Was die Angaben für den methodischen Teil betrifft, so ist hier nur
Bezug auf Spezialarbeiten seit Sprecher v, Bernegg 1887 genommen.
Aeltere in das Gebiet der Volksdichte gehörige Karten und Betrachtungen
 findet man in den sehr genauen und ausführlichen Verzeichnissen
 von E. Küster und K. Neukirch, wo alles bis 1891 resp. 1897
Erschienene aufgeführt ist, Ich habe versucht, die Volksdichtearbeiten
nicht chronologisch wie Neukirch, sondern nach ihrer Methode geordnet
aufzuzählen.

I. Methodischer Teil,
a) Volksdichtearbeiten,

1. Sprechers Kurvenmethode,
H. Sprecher v. Bernegg, Die Verteilung der bodenständ. Bev. im rhein,
Deutschland i. J. 1820. Diss. Göttingen 1887. (1 : 1000000}
W. Nedderich, Wirtschaftsgeogr. Verhältnisse, Ansiedlung u. Bevölkerungsverteilung
 im ostfälischen Hügel- u. Tiefland. Forsch.®) XIV 1902.
(1: 500000}
!) Gewonnen aus der Subtraktion der im Viehstandslexikon gegebenen über
4jährigen Pferde von der. Gesamtzahl derselben,
2) Die Abkürzung Forsch. = Forschungen z. deutschen Landes- und Volkskunde.
2
        <pb n="36" />
        A

E. Wagner,

2. Trägers mathematische Methode.
E. Träger, Die Volksdichte Niederschlesiens, Diss, Kiel 1888, (1 : 550000)
CC. Käsemacher., Die Volksdichte der thür. Triasmulde. Forsch. VI 1892.
(1: 400 000)
AH. Friedrich, Das Waldenburger Bergland. Waldenburg 1894. (1:100000)
H. Stoltenburg, Die Verteilung der Bev. i. Rgbz. Köslin. Diss. Breslau 1896.
(1: 520000)
C. Gelbke, Die Volksdichte d. Mansfelder See- u, d. Saalkreises, Diss. Halle 1887
‚(1: 125000)

3. Friedrichs Gemarkungsmethode,
E. Friedrich, Die Dichte d. Bev. i, Rebz, Danzig. Diss. Danzig 1895.
. (1: 400 000)
K. Neukirch, Studien über d. Darstellbarkeit d. Volksdichte mit bes. Rücksicht
auf d. elsäß. Wasgau. Diss. Freiburg 1897. ; {1 : 250000)
C. Uhlig, Die Veränderung d. Volksdichte im nördl. Baden. Forsch. XI 1899.
(1: 8300000)
G. Krausmüller, Die Volksdichte d. großh. hess. Prov. Oberhessen. Geogr. Mitteil.
 aus Hessen I u. II, Gießen 1900. (1: 150 000)
K. Bergmann, Die Volksdichte d. großh. hess. Prov. Starkenburg, Forsch. XIT 1900.
. (1: 250000)
0. Thiele, Die Volksdichte i. Rgbz, Aurich. Forsch. XIII 1901. (1: 250000)
Aehnliche Methoden, jedoch nicht direkt auf der Gemarkung basierend,
sondern auf ihnen flächen- und lagengleichen Figuren:
E. Weihe, Die Volksdichte i, Herzogt. Anhalt. Mitteil. V. f. Erdk., Halle 1889.
(1: 500 000)
A, Fürchtenicht, Die Volksdichte i. Herzogt. Anhalt, Mitteil. V, f. Erdk., Halle
1897, . (1: 300 000)
Gemeindekartogramm: ,
E. Ambrosius, Die Volksdichte am deutschen Niederrhein. Forsch, XHI 1901.
(1: 150000)

4. Darstellung nach Höhenschichten.
J. Burgkhardt, Das Erzgebirge, orometrisch-anthropogeogr. Studie, Forsch. III
1889. . . . (1: 300000)
H, Leinhose, Verbreitung d. Bev. i. Schwarzagebiet, Diss, Halle 1890.
(1: 100000)
L. Neumann, Die Volksdichte i. Großh. Baden, Forsch. VII 1892. (1:300000)
EB. Wolff, Die Verbreitung d. Bev. i. Harz. Diss. Halle 1893. {1 : 200000)

5, Darstellung nach Erwerbsklassen.
C, Sandler, Volkskarten. Karten über .d. Verteilung d. Bev. i. Rgbz. Oberfranken,
 Großh. Oldenburg (1: 500000} u. im 9. Bezirk d, Stadt München.
o. Jahr (1898 od. 99).
W. Nedderich, Wirtschaftsgeogr. Verh. ete. im ostfälischen Hügel- u, Tiefland.
Forsch. XIV 1902. (1: 200000}

* b) Siedelungskarten:
A. Gloy, Beiträge zur Siedelungskunde v, Nordalbingien. ' Forsch. VII 1892.
en ; , ‚+ . „ (1: 200000)
R. Buschick, Die Abhängigkeit d. Bevölkerungsdichtigkeiten i. Königr. Sachsen
. v. d. verschied. geogr. Bedingungen... Diss. Leipzig 1893. (1: 375000)
0. Hackel:; Besiedelungsverh, d. oberösterr, Mühlviertels, Forsch. XIII. 1902.
(1: 240000)
; c) Bevölkerungsstatistische Grundkarten. .
C. Uhlig, Bevölkerungsstat. Grundkarte d. Umgebung v. Heidelberg. Beigabe zu
Hettner, Ueber bevölkerungsstat. Grundkarten. Geogr. Z. VI, 8. 185 £., 1900.
        <pb n="37" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 35

W. Nedderich, Wirtschaftsgeogr. Verh. etc. des ostfäl. Hügel- und Tieflandes,
Forsch. XIV 1902, (1: 200000)
4) Methodik der Darstelluny der Volksdichte.

Außer den vielfachen methodischen Notizen in der Einleitung der. bereits
aufgeführten Arbeiten (bes. E. Friedrich, Danzig, S. 1—15) u. C. Neukirch (!), Elsäß.
Wasgau, S. 1—45) wurden noch folgende speziell der Methodik der Darstellung
yewidmeten Werke herangezogen:
D. Delitsch, Kartogr. Darstellung der Bevölkerungsdichte v. Westdeutschland.
V. Jahresber. V. f. E, Leipzig 1865.
3. v. Mayr, Zur Verständigung über d. Anwendung d. geogr. Meth. i. d. Statistik,
Zeitschr. d. Bayer. Stat. Bureaus München, Il (S. 179) u. VI (S. 36), 1871
und 1874.
A, Steinhauser, Ueber relative Bev. u. ihre Darstellung auf Karten. Deutsche
Rundsch, f. Geogr. u, Stat, IX, 1886. .
E. Küster, Zur Methodik d. Volksdichtedarstellung. Ausland Jahrg. 64, Heft 8
(8.154 f.) u. 9 (S. 166 f.), 1891. x
H. Wagner, Lehrbuch d. Geographie I, S. 772 f., bes. $ 361. Hannover 1900.
A, Hettner, Ueber bevölkerungsstatist. Grundkarten (Vortrag auf d. 7. internat.
Geogr. Kongr. Berlin). Geogr. Z. VI (1900), S. 185 f.
Derselbe, Ueber die Untersuchung und Darstellung d. Bev.dichte, Geogr. Z. VII,
83 498 f.. 1901.

IT. Spezieller Teil.

a) Geographie.
H. Guthe, Die Lande Braunschweig u. Hannover (2. Aufl. 1881, bearb. v. Renner).
Hannover 1867.
A. Meitzen, Der Boden u. d. landwirtsch. Verhältnisse d. preuß. Staates, Iu. V.
Berlin 1894.
Fr. Knoll, Die Topographie d. Herzogt. Braunschweig. Braunschw. 1897.
A. Beuermann, Die Provinz Hannover (Landesk, v. Preußen IV), 1:1000000.
Berlin 1901.
C. Leicher, Orometrie des Harzes. Halle 1886.
H. Hoffmann, Der Harz, Leipzig 1899.
Weser und Ems, ihre Stromgebiete u. ihre wichtigsten Nebenflüsse, Herausg. v.
„reuß. Wasseratusschuß. Berlin 1901.

b) Geologie,

Oredner, Uebersicht über d. geogr. Verh. Thür. u. d. Harzes. Gotha 1843.
”. Groddeck, Abriß d, Geognosie des Harzes. Klausthal 1871.
A. v. Koenen, Ueber Dislokationen westl, u. südwestl. vom Harz u. deren Zusammenhang
 mit denen des Harzes. Nachr. Ges. d. Wissensch. (math; phys.
Klasse). Göttingen 1894. ;
Derselbe, Dislokationen im nordwestlichen Deutschland. Jahrb. d. Geol. Landesanstalt
 1885. - z
O. Schönermark. Wüstungen des Harzgebirges, Göttingen 1897.

c) Klimatologie.
Hellmann, Klima des Brockens:; Kettlers Zeitschr. f. wissenschaftl. Geogr. III
(S. 5), 1882.
Derselbe, Beiträge z. Kenntn. d. Niederschläge von Deutschland. Meteor. Ztschr.
1886 (S. 429 f. und 473 f.).
Derselbe, Regenkarte d. Prov, Schlesw.-Holstein u. Hannover. Berlin 1902,
Derselbe, Regenkarte d, Prov, Sachsen. Berlin 1902.
R. Assmann, Einfluß d. Gebirge auf das Klima v. Mitteldeutschland. Forsch. I,
1826
        <pb n="38" />
        36
H, Meyer, Witterungsverhältnisse v. Göttingen. Nachr. d. Ges. d. Wiss, Gött. 1886
(S. 404). Ergänzungen dazu Meteor. Ztschr. 1887 (S. 415).
G. Kümmel, Klima v. Göttingen. Nachr. d. Ges. d. Wiss. Gött, 1898, 8. 298 f,
Sandkuhl, Ergebnis d. meteor. Beob, zu Klausthal (1846—85). Saarbrücken 1887,
A. Meitzen, Der Boden u. d. landwirt. Verhältn, des preuß. Staates. (Abt,
Klima) V, 1894.
P. Moldenhauer, Die geogr. Verbreitung d. Niederschläge Nordwestdeutschlands.
Forsch. IX, 1896. .
G. Schwalbe, Tabellen d. Frost- u. Eistage f. Norddeutschland. Meteor, Ztschr.
1897 (S. 161 f).
F. Klager, Klima v. Braunschweig, Festschr. Naturf. Vers., Braunschweig 1897.
F. Schulz, Die jährl. Niederschlagsmengen des Thür, Waldes u. des Harzes. Mitt.
Ges. f. Erdk., Halle 1898.

E. Wagner,

d) Anthropogeographie,
B. v. Cotta, Deutschlands Boden, sein geolog. Bau u. dessen Einwirkung auf d,
Leben d. Menschen. 2. Aufl. Leipzig 1858.
F. v. Andrian, Ueber d. Einfluß d. vertikalen Gliederung d. Erdoberfläche auf
menschl. Ansiedlung. Mitt. anthropol. Ges, Wien VI, 1876.
F. G. Hahn, Die Städte dd. nordd. Tiefebene in ihrer Bez. z. Bodengestaltung.
Stuttgart 1885.
F. Günther, Der Harz in Geschichts-, Kultur- u. Landschaftsbildern. Hann. 1888.
A. Krüger, Ueber d. schwache Bev. einiger Gegenden Norddeutschlands. Progr.
kgl. Gymn. Wehlau 1889.
E, Küster, Die deutschen Buntsandsteingebiete, ihre Oberflächengestaltung und
anthropogeogr. Verh. Forsch. V 1891.
C. Käsemacher, Die Volksd, d. thür. Triasmulde (1: 400000). Forsch. VI 1892.
H. Wolff, Die Verbreitung d. Bev. im Harz. Diss. (1 :200000), Halle 1893.
E. Damköhler, Die Bev. d. Harzgebietes (1: 500000). Mitt. V. f. E., Halle 1894.
R. Andree, Braunschw. Volkskunde. (Zahlr. Karten u. Pläne.) Braunschw. 1896.
L. Brackenbusch, Einfluß d. geol. Verhältn. auf die Besiedlung Nordwestdeutschlands.
 Hannover 1899.
W. Nedderich, Wirtschaftsgeogr. Verhältn., Ansiedlung u. Bev.verteil. im ostfäl.
Hügel- u. Tiefland (1:200000 u. 1:500000). Forsch. XIV 1902.
e) Landwirtschaft und Industrie.
1. Statistische Werke:
Statistik des Deutschen Reiches, bearb. im Kuis, Stat. Amt, N. F. Nr. 2, Berufsstatistik
 n. d. Berufszählg. v. 1882 f. d. kl. Verwaltungskezirke. Berlin 1884.
Nr. 109, desgl. n. d. Berufszählg, v, 1895, Berlin 1897.
Nr. 111, Die berufliche u. soziale Gliederung des deutschen Volkes. Berlin 1899.
Nr. 112, Die Landwirtsch. im Deutschen Reich, n. d. Landw. Betriebszählg. v. 1895.
Berlin 1898,
Preußische Statistik, Bd. CLXI (1900), Anbau u. Ernteerträge.
Gemeindelexikon f. Preußen (Prov. Hannover, Westfalen, Hessen, Sachsen) 1885 u.
1895, herausg. v. Preuß. Stat, Bureau Berlin, 1887 u. 1897.
Ortschaftsverzeichnis v. Braunschweig, herausg. v, herzogl. Minist. Braunschweig
1872 u. 1895.
Viehstandslexikon f. d. preuß. Staat (Prov. Hannover, Westfalen, Hessen, Sachsen),
herausg. v. kgl. Preuß. Stat. Bureau. Berlin 1892.
Jahresbericht d. Landw.-Kammer f, d. Prov, Hannover. Hannover 1900.
Jahresberichte d. Handelskammern von Kassel, Hannover, Hildesheim, Göttingen
1893/1900. (Cit. H. K. B.)
P. Darmstädter, Verbreitung u. Produktion des Tabaks. Diss. Halle 1896.
Die deutsche Volkswirtschaft am Schlusse des 19. Jahrb., herausg. v. Kaiser]. Stat,
Amt. Berlin 1900.
f) Verkehr.

A. Schmidt, Der Einfluß d. alten Handelswege in Niedersachsen auf d. Städte
am Nordrand d. Mittelgebirge. Hannover 1897.
        <pb n="39" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 37

Die Eisenbahnverhältnisse im Herzogt. Braunschw. Denkschr. d. Handelsk. Braunschweig
 1899,

g) Bewegung der Bevölkerung,
O0. Delitsch, Bevölkerungszunahme u. Wohnortswechsel. Pet. Mitt. 1880 (S. 125).
1 :375000.
A. Supan, Die Verschiebung d. Bey. in den industr. Großstaaten Westeuropas
1881—91. 1:1500000. Pet. Mitt, 38 (1892), S. 59.
Statistik des Deutschen Reiches, herausg. v. Kais. Stat. Amt. N. F. 44, Stand und
Bewegung d. Bevölkerung d. Deutschen Reichs u. fremder Staaten in den
Jahren 1844—1886. (Berlin 1892.)

h) Karten, ı

Topograph. Karte d. Deutschen Reichs 1:100000. Sekt. 334 (Höxter), 335 (Einbeck),
 336 (Goslar), 359 (Uslar), 360 (Göttingen), 361 (Northeim), 384 (Kassel),
385 (Heiligenstadt), 386 (Bleicherode).
Meßtischblätter, 1:25000, 2224—2280, 2297—28304, 28371—2877, 2444-—2450,
2518—2524, 2591—2597, 2665—2670.
Geologische Spezialkarte v. Preußen, Bl. 10, 11, 16, 22, 27—30, 33—85. 1:25000.
Höhenschichtenkarte d. Harzgebirges. Geol. Landesanst, Berlin o.J.  1:1000000.
Lossen, Geologische Karte d. Harzgebirges, Geol. Landesanst. Berlin 0. J. 1: 1000000.
Vogel, Karte d. D. R. Bl. 13. 1:500000 1 .
ee Orol. Karte d. D. R. BL. 13. 1:500000 ( Perthes, Gotha,

Während des Druckes der vorliegenden Arbeit erschienen und daher nicht
mehr benutzt:
Levin Frhr. v. Wintzingerode-Knorr, Die Wüstungen des Eichsfeldes (der
Kreise Duderstadt, Heiligenstadt, Worbis und Mühlhausen.) Mit einer
Wüstungskarte des Eichfeldes. 1:100000 Bd. 40 d. Pub]. d, histor. Kommission
 f. d. Prov. Sachsen und Anhalt. Halle 1908.
        <pb n="40" />
        ]I. Spezieller Teil.

Einleitung.

1. Speziellere Gliederung des Gebietes.

Zum Zwecke der spezielleren Betrachtung über die Bevölkerungsverhältnisse
 zerlege ich das Gesamtgebiet des südlichen Hannover, dessen
Flächenausdehnung in den einleitenden Worten des methodischen Teiles
zu 4000 qkm festgelegt wurde!), in zwei natürliche Unterabteilungen.
I. Als erste hebt sich das Massiv des Oberharzes im Nordosten
 deutlich heraus.
II. Ihm im Westen und Südwesten vorgelagert dehnt sich die
zweite Abteilung, die südhannoversche Triasplatte, aus. Sie
besteht aus ausgebreiteten, meist dem Buntsandstein angehörigen triassischen
 Bildungen, die vom Harzrand nordwärts bis an die sogen.
Kohlengebirge (Hils, Sackwald) und westwärts bis an die Weser heranreichen,
 sich indessen in gleicher Ausbildung noch weit nach Westfalen
und Hessen hinein über diesen Fluß fortsetzen. Die Leine ist die
Hauptwasserader unseres Gebietes. Ihr Thal bewirkt im Gebiet der
Triasplatte noch eine engere Gliederung:
a) Das Bergland rechts der Leine mit dem Eichsfeld und dem
westlichen Harzvorland,
b) Das Bergland links der Leine mit dem Solling (Weserbergland).


&amp;gt;. Gesamtübersicht über die wirtschaftlichen Verhältnisse
(Landwirtschaft und Industrie).

Wenn wir die mittlere Dichte Südhannovers von 100% Bewohnern
auf 1 qkm mit anderen Landschaften des Reiches vergleichen, so gelangen
 wir schon hieraus zu der Ueberzeugung, daß wir es mit einem
Bezirke zu thun haben, der hinsichtlich seines Erwerbslebens auf der
Grenze zwischen vorwiegend industriellem Gebiet einerseits und vor-‚

 Vgl, S. 6f. der vorliegenden Arbeit.
7 Es ist hier die mittlere Dichte mit Einbeziehung des Waldes herangezogen
worden, da das Vergleichsmaterial, das aus der Publikation des Kaiserl. Stat.
Amtes, Die deutsche Volkswirtschaft etc. 1900, stammt, ebenfalls mit Einschluß
der Waldungen gewonnen ist.
        <pb n="41" />
        E. Wagner, Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 39

wiegend landwirtschaftlichem andererseits steht. Da sich aber das
uns zur Verfügung stehende statistische Vergleichungsmaterial auf
räumlich viel ausgedehntere Gebiete bezieht, also einen direkten Vergleich
 mit unserem Südhannover nicht zuläßt, wollen wir die für die
ganze Provinz Hannover geltende Dichtezahl in die folgende Uebersicht
einstellen, die zwar durch den nördlichen Teil der Provinz stark gegenüber
 dem südlichen herabgemindert ist, aber doch noch dasselbe Resultat
erkennen läßt,
Landwirtschaftliche Gebiete!): Ostpreußen .
Westpreußen
Oldenburg .
Meckl.-Schwerin
Hannover .
Brandenburg .
Westfalen .
Rheinland . .
Königr. Sachsen

Diesen vorläufigen Schluß auf den Erwerbscharakter des Gebietes
finden wir nun thatsächlich bestätigt durch die absoluten Zahlen der
Berufsstatistik 2).

Kreis

Zellerfeld .

Osterode . . . .
Duderstadt . . .
Worbis . „0
Göttingen . . .
(Stadt u. Land)
Northeim . 2
Einbeck . K#
Münden. . .
Uslar ., 2.0...
Holzminden .
Gandersheim
Gesamtgebiet ohne?)
Kreis Zellerfeld |

Gesamtzahl
ler Erwerbsthätigen
 im
Hauptberuf
18295

12317

15 599
8487
13 872
924 980

12 070
10 544
9258
6792
18 843
19 8398

139 743

Landwirtschaft].
 Erwerbsthätige

. Hauptberuf
1895

Forstwirtschaft],
 Erwerbsthätige

i. Hauptberuf
1895

Industriell
Erwerbsthätige
im
Hauptberuf
1895

997 — 1,8%]

790 = 6,3%

6918 = 55,2%

4718 = 30,2%|
4232 = 50,2
6320 = 45,5
7587 = 80.4.

344 = 2,2%
24 =0,3,
102 = 0,7,
146 = 0,6,

6908 == 44,2%
2490 = 29,5,
5156 = 87,1,
8009 = 82,1,

5891 = 44,6 ,
4497 = 42,7 ,
3404 = 36,7 ,
2913 = 42,9 ,
5901 = 831,3 ,
7409 — 838.2.

148 = 1,2,
173 = 1,6
169= 1,8,
316 = 4,6 ;
411=21,
452 — 93 _

3528 = 29,2 ,
3162 = 29,9 ,
35050 == 38,4
2447 = 36,0
85683 = 45,4
7633 = 39,3 ,

52872 = 37,4% 2285 = 1,6% |51 446 = 36,8%

\ Die deutsche Volkswirtsch, am Schlusse d. 19. Jahrh. 8. 21.
Stat. d. D. R., N.F. 109. 19. Jahr, 1900,
’) Der den Oberharz repräsentierende Kreis Zellerfeld ist so mannigfach
verschiedenen wirtschaftlichen Verhältnissen unterworfen, daß seine Einbeziehung
in das Gesamtresultat des übrigen südlichen Hannovers sich von selbst verbietet.
Die Kreise Worbis, Münden und Holzminden haben allerdings, obwohl dem Gebiet
der vorliegenden Arbeit nur teilweise angehörig, ganz mitgezählt werden müssen,
wodurch indessen das Gesamtresultat kaum verändert sein dürfte. Kreis Goslar
        <pb n="42" />
        E, Wagner,

Das Gesamtresultat ergiebt, daß im südlichen Hannover sich Landwirtschaft
 und Industrie annähernd die Wage halten, daß jedoch ein
geringer Ausschlag zu Gunsten der Landwirtschaft stattfindet. Hervorgerufen
 wird dies durch mehrere ausgesprochen landwirtschaftliche
Bezirke, wie das Gebiet des Eichsfeldes, das zwar sonst mit weniger
yuten Bodenverhältnissen begabt, in der fruchtbaren Umgebung von
Duderstadt, der sogen. Goldenen Mark, eine recht leistungsfähige Landwirtschaft
 entwickeln konnte. Wir sehen hier 50% der Erwerbsthätigen
der Landwirtschaft angehören gegen 29% Industrielle. Aehnlich liegen
die Verhältnisse im daranschließenden Kreis Worbis, wenn sich auch hier
schon mehr Industrie zu entwickeln vermag, als im verkehrsarmen
Eichsfeld (45% landwirtschaftliche gegen 37% industrielle Erwerbsthätige),
 Ein weiteres Dominieren der Landwirtschaft erblicken wir
in den fruchtbaren Gebieten des Leinethales, wie uns die Kreise Northeim,
 Einbeck und Teile von Uslar (44 und 42% landwirtschaftliche
gegen 29 und 36% industrielle Erwerbsthätige) anzeigen. Es wird
später unsere Aufgabe sein, die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft
auf diesen ergiebigen, meist von Diluvium und Alluvium gebildeten
Böden zu beleuchten, und wir werden zu zeigen Gelegenheit haben,
daß ihre Erträge vielfach den in notorisch hervorragend begünstigten
Distrikten des Reiches erzielten wenig nachstehen.
Was nun die Industrie im südlichen Hannover anlangt, so hoben
wir bereits hervor, daß die Anzahl der in ihr Erwerbsthätigen ungefähr
 die gleiche wie in der Landwirtschaft ist. Auch hier wieder vermögen
 wir einige ausgesprochen industrielle Bezirke herauszuheben, so
abgesehen von dem Bergbaugebiet des Öberharzes (Kreis Zellerfeld),
wo naturgemäß die Landwirtschaft fast ganz verschwindet, das westliche
 Harzvorland (Kreis Osterode) mit stark entwickelter Holz- und
Textilindustrie und den Hauptteil des Weserthales sowie des nördlichen
Vorlandes des Solling (Kreis Münden und besonders Holzminden). Daneben
 findet sich eine Anzahl Distrikte, wo sich Industrie und Landwirtschaft
 annähernd gleich stehen, wie im Kreise Göttingen und
Gandersheim, wo der geringe Ueberschuß der industriell Erwerbsthätigen
in den größeren Städten zu suchen ist. Diese Bemerkungen über die
Industrie mögen einstweilen genügen, da des näheren hierüber bei den
einzelnen Kapiteln zu reden sein wird.
Die Forstwirtschaft ist trotz der nicht unbeträchtlichen Waldbedeckung
 Südhannovers (33% der Gesamtfläche)!) von verschwindenwurde

 völlig außer acht gelassen, da nur ein ganz schmaler Streifen in unser Gebiet
 fällt, über dessen vorwiegend industriellen Charakter kein Zweifel ist.
!) Die Verteilung des Waldareals auf die einzelnen Gebietsteile stellt sich
folgendermaßen (abgerundete Zahlen):
Kreis Zellerfeld 482 qkm Anteil von Kreis
Osterode 86
Duderstadt 30
Göttingen 136
Northeim 797?

Goslar u. Harzburg
Gandersheim .
Worbis . . ..
Heiligenstadt . .
Münden u. Witzenhausen
 . . ..
Holzminden und
Höxter . .

3 qkm
17
20 »
10,
85

Einbeck 109
Uslar 184

97

200
1490 akım.
        <pb n="43" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 41

dem Einfluß auf das Erwerbsleben der Bevölkerung, wie uns die Zahl
von 1,6% aller Erwerbsthätigen des Gesamtgebietes beweist. Selbst
die zum großen Teil bewaldeten Kreise Uslar und Holzminden beschäftigen
 nur 4,6 und 2,1% ihrer Erwerbsthätigen in diesen Waldbeständen.
 Wir werden in einem späteren Kapitel hierauf noch Zzurückzukommen
 haben. Es liegt aber auch hierin wieder die Berechtigung
gekennzeichnet, die Waldflächen auszuscheiden, um so mehr als die von
Forstarbeit Lebenden zum größten Teil nebenbei Landwirtschaft treiben,
wobei zumeist der Schwerpunkt ihres Erwerbs auf landwirtschaftlicher
Seite liegt).
Ehe wir nun zur Betrachtung der Einzelgebiete übergehen, empfiehlt
 es sich, noch einen Blick auf Verteilung landwirtschaftlichen
Besitzes in Südhannover und die Art und Weise des hier geübten landwirtschaftlichen
 Betriebes zu werfen.
Die Besitzverhältnisse müssen in ihrer Verteilung als volkswirtschaftlich
 sehr gesund bezeichnet werden.

Kreis?)

Parzellenbetrieb

ınter 2ha

Kleiner
jäuerlich
Betrieb
2—5 ha

Mittlerer
bäuerlich
Betrieb
5—20 ha

Größerer
bäuerlich.
Betrieb
20—100 ha‘

Großbetrieb

über
100 ha

5 Ar Gesamfhatriche

Zellerfeld

Gandersheim
Osterode
Duderstadt
Worbis .
Göttingen
Northeim
Einbeck .
Münden .
Uslar . .
Holzminden

3

10,7
12,7
17,7
14,5
9,7
8,5
9,3
10,6
10,2
12.8

ad)

7,4
16,6
20,8
17,1
9,8
12,5
14,1
15,0
12,6
94

CE

32,6
43,4
45,5
35,7
33,9
34,9
29,8
37,8
39,6
37,8

09

33,6 15,4
17,1 10,2
13,3 3,8
13,9 18,7
27,7 18,8
20,9 28,2
A1,1 16,2
7,7 19,4
24,2 13,4
249 | 151

Nicht nur, daß der mittlere bäuerliche Besitz (5—20 ha) durchaus
 vorherrscht (Kreis Zellerfeld kommt wegen seiner geringen Landwirtschaft
 nicht in Betracht) gegenüber dem im Uebermaß anerkannter-Die

 Differenz von 118 qkm gegenüber dem Tabellenresultat von 1372 qkm muß
auf die Unsicherheit der Waldgrenzen bei der Abschätzung der Anteile auf der
Karte (als Kontrolle der Tabellen!) geschoben werden. Außerdem kann naturgemäß
 der Grenzverlauf der Waldflächen auf der Karte nicht als unbedingt der
Natur entsprechend hingestellt werden.
1) Die deutsche Volkswirtschaft etc., S. 57.
N Stat, d. D. R., N.F. 112 (1898), S. 489 f,
        <pb n="44" />
        Ka

E. Wagner,

maßen schädlichen Großbetrieb!) (über 100 ha), befindet sich auch der
Hauptteil aller Besitzungen in eigener Hand.
Prov. Hannover?) 82% eigenes Land
17 „ Pachtland
Herzogt. Braunschweig 73 „ eigenes Land
925 . Pachtland.

Diese Verteilung hat den Vorteil, den Wirtschaftenden für seine
eigene Rechnung an der größtmöglichen Rentabilität der Landwirtschaft
zu interessieren. Hierin liegt ein sehr wesentlicher Grund der Blüte
der Landwirtschaft unseres Gebietes. Soweit neben dem mittleren
bäuerlichen Besitz Großbetriebe (Domänen, Ritter-, Klostergüter) vorhanden
 sind, bilden sie nach Nedderichs?) Untersuchungen Musterwirtschaften
 und dadurch gute Vorbilder für die bäuerlichen Landwirte.
Für unsere späteren Betrachtungen der Volksdichte liegt jedoch in der
Art und Weise der Besitzverteilung der Vorzug, daß wir Schlüsse, die
wir aus der größeren oder geringeren Rentabilität der Landwirtschaft
eines Distriktes ziehen, direkt auf die Dorfbevölkerung in Anwendung
bringen können, da ihr ja in der Mehrzahl die landwirtschaftliche
Fläche, daher auch der Ausfall der Erträge zukommt. Anders liegen
die Verhältnisse bei vorwiegendem Großbetrieb, der den Hauptteil der
Landbevölkerung als Lohnarbeiter beschäftigt, die dann von einem
besseren oder schlechteren Ertragsausfall wenigstens nicht so unmittelbar
 und in dem Maße berührt werden, wie in unserem Falle.
Die Art und Weise der Bodennutzung wird im einzelnen ebenfalls
später zu erörtern sein. Vorläufig sei angedeutet, daß der Schwerpunkt
durchaus, auf der Ackerwirtschaft‘) liegt (44% der Gesamtfläche),
während Wiesenwirtschaft zurücktritt (7%). Wie wir sehen werden,
ist das Hauptgebiet der letzteren im südlichen Harzvorland sowie auf
den stärker Viehzucht treibenden Höhen links der Leine zu suchen.
Sonst tritt die Viehzucht in Südhannover nur so weit auf, als der
landwirtschaftliche Betrieb ihrer bedarf zur Erlangung der für Ackerbearbeitung
 und Transport nötigen Zugtiere und ‘zur Erzeugung von
Dungstoffen. Auf 100 Einwohner entfallen:
Pferde Rinder Schweine Schafe
7 28 88 2022 7755

Wenn wir daneben die Zahlen für solche Distrikte stellen, die
Viehzucht in ausgedehntestem Maße um ihrer selbst willen betreiben
(extensive Landwirtschaft), wie z. B.5:

Rob.

‘) Vgl. östl. Gebiete des Reiches nach Stat., N. F. 112.
Königsberg 44% Großbetr. 13% mittl. bäuerl, Betr. 3% kl. bäuerl. Betr.
Gumbinnen 33, » 17 x» &amp;gt;
Danzig 36 % a »
Stettin 50 % 15, * ;
Köslin 58 18,
?) Volksw. im D. R. 1900, S. 65.
5 Nedderich, Ostfäl. Hügel- ete.-Land, 8. 167.
‘) Weser und Ems, ihre Stromgebiete etc., S. 84.
‘) Die Volksw. im D. R. (Kaiserl. Stat. Amt) 1900. S. 68.
        <pb n="45" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 43

Pferde Rinder Schweine Schafe
Prov. Schleswig-Holst. . . 4 67 7 9
Großhzgt. Oldenburg . . 30 „67 47 33
Mecklenb -Strelitz 18 49 60 133

so erkennen wir für Südhannover in dem Zurücktreten, der größeren
Haustiere den intensiven Charakter seiner Landwirtschaft. Immerhin
aber ist die Viehhaltung verglichen mit dem Mittel von
Pferde Rinder Schweine Schufe
Königr. Preußen!), . . . 8 TBB 24
Deutsches Reich. . 7 35 27 20

als gut zu bezeichnen. Deutlich offenbart sich aber schon in den Gesamtzahlen
 unseres Gebietes ein Umstand, den wir als typisch für den
Viehstand rechts der Leine (Eichsfeld und Harzvorland) kennen lernen
werden, das ist die ungemein starke Schafhaltuny.

I. Kapitel. -
Der Oberharz.

Im Osten des hier zu betrachtenden südhannoverschen Landes
erhebt sich der nach dem Schwarzwald bedeutendste dem Deutschen
Reiche geschlossen augehörige Gebirgszug, der Harz. Durch seine
durchweg scharfe Scheidung von dem norddeutschen Tiefland, sowie
von dem ihm im Südwesten und Süden vorgelagerten Hügelland steht
seiner Betrachtung als gesondertes Gebiet keine Schwierigkeit im Wege.

I. Geographische und klimatische Uebersicht.

a) Geographisches. Der Harz ist ein geschlossenes, fast durchgängig
 bewaldetes Tafelland, das aus drei in verschiedener Höhe gelegenen
 Terrassen besteht, als höchste das Brockenfeld mit dem Brocken,
hierauf die Hochebene von Klausthal und Zellerfeld, und schließlich die
Hochebene des Unterharzes ?). Die horizontale Gliederung wird einigermaßen
 dadurch erschwert, daß das ganze Gebirge ein zusammenhängendes
 Massiv darstellt, ohne deutlich ausgesprochene Ketten. „Der ganze
Harz ist gleichsam nur ein Berg, der‘ durch eine fast unzählbare
Menge von Thälern in viele Anhöhen geteilt wird“ ®).
Immerhin läßt sich eine recht gute geographische Scheidelinie
finden, um das Gebirge in zwei Teile zu zerlegen. Das ist die Wasserscheide
 zwischen Weser und Elbe. Sie gliedert den Harz in ein der
Weser zugehöriges Gebiet: den Oberharz, und in einen der Elbe tributären
 Teil: den Unterharz. Diese Linie tritt am südlichen Harzrand,

1) Die Volksw. i. D. R. (Kaiserl. Stat. Amt) 1890, S. 68.
?) Leicher, Orometrie d. Harzes 1886, S, 14.
3 Guthe, Lande Braunschw. u. Hannover, 1867, S. 230
        <pb n="46" />
        E. Wagner,
zwischen Lauterberg und Sachsa in das Gebirge ein. Im Innern wird
ihr Verlauf indessen bald ein so verwischter, daß die obige Teilung
in die beiden Gebirgshälften nur mehr theoretisch auf diese Weise
durchführbar erscheint. Für die vorliegende Arbeit ist deshalb als
Trennungslinie das Oderthal bis zu seiner Quelle angenommen worden
und dann eine Linie, die westlich des Brockenmassives über das Brockenfeld
 zum Radauthal zieht und mit diesem bei Harzburg in das Vorland
 tritt. Hierdurch ist der Harz beiläufig fast an seiner breitesten
Stelle geteilt worden, die zwischen Osterhagen und Harzburg rund
30 km beträgt.
Wenn, wie gesagt, die oben angenommene Grenzlinie der Wasserscheide
 zuweilen sehr undeutlich und willkürlich erscheint, wird die
Thatsache der Teilung in Ober- und Unterharz noch durch andere
Umstände befürwortet. Es zeigen sich nämlich deutliche Unterschiede
in dem Charakter der beiden Gebirgshälften. Der hohe, dicht mit
Nadelwald bestandene, klimatisch rauhe und daher für den Ackerbau
ganz ungeeignete ÖOberharz mit seinen mineralischen Bodenschätzen
bildet einen scharfen Gegensatz zu dem niederen, erzarmen, hochflächenartigen,
 klimatisch milderen und daher mit Feldern und Laubwald bedeckten
 Unterharz. Diese Verschiedenheit überträgt sich naturgemäß
auch auf die Bewohner, die nicht nur in Sprache und Sitte, sondern
vorzüglich in ihren Erwerbszweigen voneinander abweichen.
Für unser Gebiet kommt allein der Oberharz in Betracht, und
es sollen nach seiner Abtrennung vom Unterharz im folgenden zunächst
 seine äußeren Grenzen gegen das Vorland festgelegt werden.
Der äußerste Punkt des Gebirges im Nordwesten wird bei dem
Dorfe Hahausen erreicht. Hier stoßen der Nord- und Südwestrand
unter annähernd rechtem Winkel zusammen. Die Grenze im Süden
und Südwesten ist durchaus markiert durch den schmalen Zechsteingürtel,
 der das sonst aus paläozoischen Schiefern und Grauwacken bestehende
 Gebirge umzieht, Eine große Zahl von Randsiedelungen bezeichnet
 ihren Verlauf: Seesen, Gittelde, Osterode, Herzberg, Scharzfeld,
Osterhagen etc, Verschärft wird die Abgrenzung gegen das Vorland
noch durch ein breites, den Südwestrand von Gittelde bis Herzberg
begleitendes Thal. Daß dies durch Abbruch der jenseits desselben
liegenden Zechsteinscholle entstanden ist, wird schon durch das plötzliche
 Abbiegen der drei Flüsse Söse, Sieber und Oder bei ihrem Austritt
 aus dem Gebirge nach Nordwesten gekennzeichnet, die erst ein
gutes Stück weiter nordwärts die vorgelagerte Zechsteinscholle durchbrechen
 und, ihre alte Südwestrichtung wieder aufnehmend, sich in das
Vorland ergießen.
Am Nordrand fehlt freilich .der Zechsteingürtel völlig, aber hier
legen sich Kreidebildungen des Vorlandes unmittelbar an den Harzrand
an und geben ebenfalls eine scharfe Grenzlinie ab, die die Orte Langelsheim,
 Goslar, Oker, Harzburg, Ilsenburg, Drübeck durchzieht. Die
für die Gebirgsränder charakteristische Grenzlinie entspricht; ganz allgemein
 gesprochen, der Höhenlinie von 260 m.

) Leicher, 8.83.
        <pb n="47" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 45

Ueber dieser Basis, von wie gesagt etwa 260 m mittlerer Höhe,
die einen sanften Anstieg nach dem Südrand zu erkennen läßt”),
erhebt sich das Gebirge im allgemeinen steil über das Vorland. Am
deutlichsten kommt dies im nördlichen Teil zum Ausdruck, wo die
Höhen zumeist :500 m weit überschreiten (Bakenberg -bei Hahausen
528 m, Rammelsberg bei Goslar 6836 m, Wartenberg bei Harzburg
590 m u. a.). Die Erhebungen des Südrandes dagegen bewegen sich
durchaus unter 500 m. Es entspricht dieses Abnehmen der Höhen
nach Süden dem ganzen Bau des Gebirges, dessen höchste Gipfel, die
sich sämtlich um den Brocken gruppieren, ja auch ganz an den Nordrand
 gerückt sind.
Was die vertikale Gliederung des Harzgebirges- betrifft, wurde
schon eingangs bemerkt, daß sich das zusammenhängende Massiv aus
drei großen Terrassen auf baue, die von zahlreichen Spaltenthälern nach
allen Seiten hin zerrissen werden.
Wir beginnen mit der Hochebene von Klausthal. Im großen
und ganzen fallen ihre Grenzen im Norden, Westen und Süden mit
dem Abfall des Gebirges zusammen, wobei am Nordrand die Schalke
und der Bocksberg die Hochebene noch um rund 165 m überragen.
Nicht so einfach ist die Abgrenzung im Osten. Hier wird sie einmal
bewirkt durch die Vorberge des Brockenmassives, und dann vorzüglich
durch den daran anschließenden südwestlich ziehenden, hauptsächlich
devonischen Höhenzug des Bruchberges und Ackers. Es ist dies „in
ihrem geradlinigen südwestlichen Verlaufe die einzige ausgesprochene
Bergkette des Harzes, die nahezu senkrecht zur Längserstreckung?) des
ganzen Gebirges läuft“ %). Seine höchste Erhebung erreicht dieser
Zug südöstlich Altenau in der 919 m hohen Wolfswarte, um sich
von hier allmählich ohne weitere bedeutende Erhebungen oder Einschnitte
 gleichförmig nach Südwest bis in die Gegend von Osterode
und Herzberg zu senken. Die einzige geringe Einsattelung seines
Kammes, die die Chaussee Klausthal - Andreasberg überschreitet, bildet
die Grenze zwischen Acker und Bruchberg. Dem einförmigen, mit
Moorboden oder düsteren Tannenwäldern bedeckten und vom sogen.
Fastweg gebildeten Rücken des Ackers stehen die durch Nebenflüßchen
der Söse und Sieber reich gegliederten Abhänge gegenüber. Der Bruchberg
 hingegen ist weniger eine Gebirgskette als eine allseitig gleichmäßig
 abfallende Bergkuppe: (919 m). Mehrere der bedeutendsten
Flüsse des Oberharzes haben hier ihr Quellgebiet. So verläßt die
Oker den Bruchberg nach Norden in stark geneigtem Spaltenthal,
während die Söse, Sieber und Oder südwärts dem Leinegebiet zufließen,
Letztere sammelt ihre Quellwässer an der Ostseite des Bruchberges im

. l) Leicher, S, 5. Der Südrand liegt 8,6 m höher als der Nordrand, „was
bei dem A. Deutschlands nach Süden zu erwarten ist“.
ordran ahausen-Wernigerode): 256. . N .
Südrand (Hahausen Osterhagen $ D0d4 S } mitftl. Höhe (nach Leicher).
2) Es sei hier darauf hingewiesen, dass die Faltungsrichtung des Harzes
nicht mit der südost-nordwestlich weisenden Lüngserstreckung zusammenfällt,
sondern senkrecht auf dieser in südwest-nordöstlicher Richtung steht.
3 GAuthe, S. 232. Leicher., SS. 13.
        <pb n="48" />
        Ko E. Wagner,
Öderteiche, der größten künstlichen Wasseransammlung des Harzes 2),
aus der die Stadt Andreasberg ihre Wasserversorgung bewirkt (Rehberger
 Graben), Der Anlaß zu dieser Wasserstauung war das Bestreben,
 Wasserkraft für den Bergwerksbetrieb zu gewinnen, wie Aehnliches
 auf der Hochebene. von Klausthal zu finden ist.
Die Hochebene selbst, die wir somit umschritten haben, senkt
sich ebenfalls von Norden nach Süden, ihre mittlere Höhe beträgt
585 m”). Die Innerste, die südwestlich Klausthal in den sumpfigen
Gebieten bei Buntenbock entspringt, gräbt sich ihr tiefes Bett entgegen
 der südlichen Neigung nordwärts in die karbonische Hochfläche,
 wodurch ein breites, dem Südwestrand paralleles Stück völlig
abgetrennt wird. Ihr Wasser wird, da die ganz auf den Bergbau angewiesene
 Hochebene Mangel an den nötigen Betriebswässern hat, in
zahlreichen Teichen und Becken gesammelt, als deren größtes der
Prinzenteich erwähnt sei, Indessen genügt die so gewonnene Wasserkraft
 noch nicht, und man hat eine großartige künstliche Leitung angelegt,
 die die Gewässer des Brockens und Bruchberges zur Abgabe
eines Teiles ihrer Wassermassen an die Hochebene veranlaßt. Diese
Anlage, „die Pulsader des Klausthaler Bergbaues“ %), beginnt nördlich
des Bruchberges und zieht von hier über Altenau durch Thäler und
an Bergabhängen hin, durch das Flußgebiet der Oker auf die Hochebene
 hinauf, wo sie, sich verzweigend, in den mannigfachen Stauteichen
endet, deren Zahl 70 überschreitet, Weitere künstliche Wasseranlagen
dienen zur Ableitung der Gewässer in den Gruben, deren größte, der
25 km lange Ernst-Auguststollen, bei Gittelde ins Vorland tritt. Auf
dieser unterirdischen Wasserstraße fahren 500 m unter der Oberfläche
des Plateaus die mit Erz beladenen Kähne dahin.
Schreiten wir über den begrenzenden Zug des Ackers hinweg, so
gelangen wir in den zerklüftetsten und zerrissensten Teil des gesamten
Harzgebirges, was wesentlich durch die große Neigung der Grauwacke
zur Zerklüftung bedingt wird *). Dies noch außerdem von zahlreichen
Durchbrüchen eruptiver Gesteine durchsetzte Gebiet, das Guthe „das
Bergrevier des südwestlichen Harzes“*) nennt, wird durch
folgende Grenzlinien umschlossen: im Nordwesten der Ackerrücken,
im Süden der Harzrand von Herzberg bis in die Gegend von Osterhagen,
 und im Osten durch die Linie der Wasserscheide zwischen der
Bode und den Gewässern des südlichen Harzrandes, die annähernd der
preussisch-braunschweigischen Grenze entlang läuft. Vergebens sucht
man in diesem Teil des Gebirges nach irgend welcher Spur von Plateaubildung,
 die: sonst für den Harz überall so charakteristisch ist. An
ihre Stelle treten schmalrückige, durch Thäler der Sieber, Lutter, Oder
und deren Nebenflüßchen scharf getrennte Gebirgsglieder, die fast
durchgängig 550 m Meereshöhe erreichen, Aus der Zahl der diese
Höhe beträchtlich überschreitenden sei der Porphyrkegel des Knollen

” Guthe, 8, 245.
Leicher, $. 13.
Groddeck, Abriss d. Geognosie d. Harzes 1871, S. 12.
Erläuterung zur geol. Spezialk. v. Preussen. Blatt Lauterberg S. 18.
Guthe, S. 237. Andere wenden den Namen Andreasberger Dreieck an.
        <pb n="49" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 47
bei Herzberg (687 m), der Ravensberg bei Lauterberg (610 m) und als
höchster der Jagdkopf am Oderknie mit 714 m genannt.
An den Bruchberg schließt sich im Osten die Hochebene des
Brockenfeldes, die, unmittelbar am Fuße des Brocken gelegen, von
einer Anzahl der höchsten Erhebungen des Harzes umsäumt wird,
Aus der Zahl dieser Berge sei der Sonnenberg (890 m), der Achtermann
 (926 m) und der Wurmberg (969 m) genannt. Morphologisch
stellt sie ein Becken dar, aus dem die von den weiten Torfmooren
genährten Gewässer sich nach allen Seiten hin ergießen!). Die Ilse,
Radau, Ecker und Holzemme gehören diesem Quellgebiet an, von dem
aus sie in engen, stark geneigten Thälern dem Nordrand des Gebirges
zuströmen. Die recht beträchtliche Höhenlage des Brockenfeldes, im
Mittel 830 m?), zusammen mit den reichen atmosphärischen Niederschlägen
 und dem schwachen Fall der Gewässer haben hier ausgedehnte
 Torfmoore entstehen Jassen, die nur hie und da auf. trockenem
Boden wenig Wald und Heidevegetation aufkommen lassen und- die
Passierbarkeit oft völlig unmöglich machen. Dazwischen liegen zahlreiche,
 oft turm- und mauerähnliche Granitblöcke überall verstreut.
In dem Gipfel des Brocken selbst, der die Hochebene im Osten
überragt, haben wir. die höchste Erhebung des Harzes überhaupt vor
uns, Seine geschlossene Granitmasse, die postkarbonischen Alters ist®),
erreicht eine absolute Höhe von 1142 m. Am Ostabhang derselben
nimmt der bedeutendste Fluß des gesamten Brockengebietes, die Bode,
seinen Ursprung, um bald nachher in die Hochebene des Unterharzes
hinüberzutreten. In früheren Zeiten ist der Berg wohl bis zur Spitze
bewaldet gewesen, zum mindesten aber über die heutige Baumgrenze
(ca. 1000 m) hinaus, wie dies in anderen Mittelgebirgen der Fall ist *).
Eine wenig umsichtige Forstwirtschaft hat jedoch dem Umhauen der
Bestände nicht Einhalt gethan, so daß sich der Berg heute als öder
mit wenig verkrüppelten strauchartigen. und vom Winde niedergehaltenen
 Birken, Weiden und Fichten besetzter Rücken darstellt, der dafür
um so reicher an unzähligen, oft recht grotesken Granitblöcken ist,
Das Vorkommen einiger subalpinen Pflanzen (Anemone alpina L.) ‚verleiht
 der Vegetationsdecke des Berges einen eigentümlichen Charakter 5).
Das Observatorium und das Hotel auf seinem Gipfel gehören außerhalb
 des Alpengebietes mit zu den höchsten, ständig bewohnten Stellen
des Reiches, die zwar im Winter ziemlich einsam gelegen, in der warmen
Jahreszeit dank der Bergbahn. täglich einen Schwarm von Gästen in
ihren Mauern begrüßen können. I
b) Klimatisches. Im allgemeinen ist das Klima des Oberharzes
 als rauh zu bezeichnen. Kurze Sommer und früh eintretende

') Guthe, 8. 235, ;
%) Leicher, 8. 29.
*) Da die Schichten im Nordosten der Granitmasse der großen karbonischen
Faltung Südwest-Nordost mit unterzogen sind, kann zu dieser Zeit die Granitmasse
 noch nicht bestanden ‚haben, da sie ohne Zweifel den Druck aufgehalten
und die in ihrem Nordosten liegenden Schichten vor Faltung bewahrt hätte.
(v. Koenen). -
4) Guthe, S. 2838. r
5) Guthe, 8.387. v. Groddeeck. 8. 16.
        <pb n="50" />
        E. Wagner,

und lang währende Winter charakterisieren schon die Art der Temperaturverhältnisse.
 Für das Gebirgsinnere kommt noch der fast gänzliche
 Wegfall eines Frühlings hinzu. Während der eigentliche Winter
zwar gegen Mitte April sein Ende erreicht, setzt die gänzlich frostfreie
 Zeıt doch erst mit dem Juni ein, und der Uebergang zu dieser
geschieht viel schneller und unvermittelter als im Vorland. Der Sommer
ist wohl heiß, aber sehr unbeständig und niederschlagsreich. Die Abende
und Nächte sind durchgängig kühl, so daß Nachtfröste selbst in den
wärmeren Monaten in den höheren Lagen des Gebirges beobachtet
werden. Ganz frostfrei sind überhaupt nur die Monate Juni, Juli und
August !). Diese bedeutenden täglichen Wärmeschwankungen sind eine
Folge der Tag- und Nacht-, resp. Berg- und Thalwinde, die in jeder
ruhigen heiteren Nacht zur Ausbildung gelangen und von den Gebirgshöhen
 herabströmen ?), unabhängig von der für unser Gebiet vorherrschenden
 westlichen Hauptwindrichtung ®*). Ihr Wesen besteht darin,
daß Luftströme am Morgen und Abend vom Gebirge herab (relativ
kalt) wehen, um am Mittag mehr oder weniger gegen das Gebirge,
(also relativ warm) von unten nach oben zu wehen“*). Immer aber
sind diese Strömungen lokal und der großen und allgemeinen südwestlichen
 Hauptwindrichtung untergeordnet. Von großer Wichtigkeit sind
diese Strömungen für die Ventilation der Thäler und der Randgebiete
des Gebirges. Denn nur so wird in Thälern und Senken, die den
vorherrschenden Winden infolge ihrer Lage mehr oder weniger entzogen
 sind, eine Stagnation der Luftmassen verhindert. Entgegen
dieser vorteilhaften Wirkung steht freilich die zugleich damit erzeugte
beträchtliche Wärmeschwankung zwischen Tag und Nacht”). Es erhellt
 aber schon aus dieser kurzen Uebersicht, wie ungeeignet den
Oberharz sein Klima für die ackerbautreibende Landwirtschaft macht,
und: ein großes Stück Erklärung für die weiten unbesiedelten Waldgebiete
 ist hierin zu erblicken.
Bestimmend für das Klima des Oberharzes sind sein orographischer
 Aufbau, seine Vegetationsdecke (Wald und Moor), namentlich
aber seine Meeresnähe und seine Lage zu der vorherrschenden südwestlichen
 Windrichtung. Letzteres äußert sich besonders in den
Niederschlagsverhältnissen. Die ziemlich bedeutende Abnahme der
Temperatur mit der Höhenlage — die auf 0,48° C, für je 100 m berechnet
 wurde‘) — bewirkt, daß der höhere Oberharz im Nachteil
gegen den Unterharz erscheint. Das kommt auch in der Laubwald-'

 Schwalbe, Tab. d. Frost- u. Eistage f. Norddeutschland 1897, 5. 161,
mit ausführlichen Tabellen der Sommer-, Frost- und Eistage für zahlreiche Stationen
Mitteldeutschlands.
2) Assmann, Einfl. d. Gebirge a. d. Klima Mitteldeutschl. 1886, S. 366.
Wolff, Verbreitung d. Bev. i. Harz 1893, S. 13.
3) Derselbe, 8. 337 f.
) Derselbe, 8. 339.
‘) Derselbe, S. 337 f.
%) Wolff, S. 18; Hoffmann, Der Harz (Klimatisches v. Regel) S. 18,
giebt 0,70 für 100 m. Eine genaue Tabelle für die einzelnen Monate in dem
Werke: Weser und Ems: ete.. I, S. 38 f.. S. 41.
        <pb n="51" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 49

bedeckung des letzteren, sowie in der Ackerwirtschaft seiner Bewohner
zum Ausdruck. Ein genaueres Bild über die Temperaturverhältnisse
des Oberharzes gibt die folgende Zusammenstellung ?):

N-Rand, Wernigerode
S- „ Osterode. .
Inneres, Klausthal .ı
Brocken. .

N-Rand, Wernigerode
S- „ Osterode. .
Inneres, Klausthal .
Brocken. .

Winter
Jan. | Febr. IMS März | April| Mai |Mitte

Jöhe

Dez,

235 0,9°C. 0,1) 0,8 0,6
221 06 —0,3 12 05
502|- 14 —21—1,2— 1,6
1142| — 8,8 |— 5,4/— 5,0— 4,7

3,0' 71 11,4
3,2 7,9 12,2
3 5,1 | 93
‚3,6 0,7 ] 5,8

7,2
7,8
5,0
0,7

— —| Jahr
Juni | Juli | Aug. Mittel Sept. | Okt. | Nov. |Mittel

Sommer

Herbst

Höhe

2835 15,5°C
221 16,2
592; 18,5
1142| 86

17,1 16,5
17.6 16,2
15,0 14,®
ı 10,7 ı 10,2

16,4
17,0

13,6
14,0

8,8
9,2
RR

3,4' 8,6 8,2
8,8' 9,0 8,5
1.81 6,5 | 6,5
—1,0| 3,7 "924

)

Hiernach besteht kaum ein Unterschied zwischen Nord- und Südrand,
 während die Temperatur nach dem Gebirgsinnern zu mit der Höhe
beträchtlich abnimmt, wobei der Brockengipfel das Minimum mit 2,4‘
Jahresmittel erreicht. Die sehr geringe Differenz, die sich zwischen
den Temperaturen zu Gunsten des Südrandes zeigt, ist allein auf dessen
günstigere Exposition gegen die Sonnenstrahlen und die warmen vorherrschenden
 Winde des südlichen Quadranten zurückzuführen ?). Mit
letzterem hängt aber zugleich noch eine andere Erscheinung zusammen,
die den Südrand vom Nordrand unterscheidet.
Es muß sich nämlich der ozeanische Einfluß auf die Niederschlagsverhältnisse
 hier ganz besonders deutlich bemerkbar machen, da
das Harzgebirge den von der Nordsee herstreichenden feuchten Winden
als erste höhere Gebirgswand in den Weg tritt. Daraus folgt, daß
die Niederschlagshöhe auf der Süd- und Südwestseite eine beträchtliche
 sein muß, während die Nordseite, zu der die Luftmassen erst
nach Ueberwindung des Gebirges und dadurch bedingter Abgabe des
Wasserdampfes gelangen, wesentlich trockener ist. Die für beide
Ränder gewonnenen Jahresmittel, 871. mm für den Südrand und 760 mm
für den Nordrand %), bestätigen dies. Ganz in demselben Sinne äußert
sich der Einfluß des Gebirges auf sein Vorland, wovon noch zu reden
sein wird. Auch dem im Pegenschatten des höheren Oberharzes ge-')

 Meitzen, Der Boden u. d. landw. Verhältn. d. Preuß, St. 1894, V, S. 228
\ Aßmann, 8. 367.
_ ..°) Schulz, Der jährl. Niederschl. Thür. u. d. Harzes 1898, S. 29, mit aus
führlicher Begründung aus mehreren Beobachtungsstationen,
        <pb n="52" />
        0

E. Wagner,

legenen Unterharz wird der größte Teil der Niederschläge entzogen, so
laß er kaum 6—700 m jährlicher Regenhöhe erreicht !), während der
durchschnittliche jährliche Wert für ersteren 1000 mm überschreitet ?).
Dies ist ganz besonders im Gebiet des Brockens und des Ackerzuges
der Fall. Für letzteren muß ein Mittelwert von 1400 mm angenommen
werden, während für den Brockengipfel selbst 1700 mm aus den Einzelbeobachtungen
 hervorgehen ?). Das ganze 1000 mm Regenhöhe jährlich
 überschreitende Gebiet reicht von den Höhen tief ins Gebirge
hinab, etwa bis zur Höhe von 400 m, was naturgemäß am bedeutendsten
 am Süd- und Südwesthang zum Ausdruck gelangt. So sind die
Thäler der Söse und Sieber als sehr regenreich bekannt *). Unter Berücksichtigung
 aller dieser Thatsachen ergibt sich für den gesamten
Oberharz ein Mittelwert jährlicher Niederschlagshöhe von rund 1200 mm),
wodurch sich das Gebirge als das regenreichste Gebiet Norddeutschlands
 dokumentiert, denn der Thüringer Wald erreicht nur an den
höchsten Stellen seines Kammes diesen Wert.
Auf die einzelnen Jahreszeiten und Monate stellt sich die Verteilung
 der Niederschläge so’), daß das Maximum in den Sommermonaten
 mit 29,4 % der Gesamtniederschläge erreicht wird, während
das Minimum auf die drei Herbstmonate mit 21,5 % entfällt. Der
Frühling steht dem Herbst mit 22,5 % annähernd gleich und der
Winter bleibt mit 26,1% nicht weit hinter dem Sommer zurück. Es
entspricht dies völlig den Beobachtungen Hellmanns®), daß „in den
höheren Gebirgslagen unseres Gebietes die Winterregen auf Kosten
der Sommerregen immer mehr hervortreten“, bis schließlich in den
größten Höhen über 600 m die Winterniederschläge direkt überwiegen.
Gerade in der kalten Jahreszeit hat der Oberharz besonders unter den
Schneemassen zu leiden, die von Ende des Herbstes ab bis gegen Mitte
April®) das Gebirge weithin überdecken, Nicht nur dadurch, daß die
hohe Schneedecke die Verbindung zwischen den einzelnen Häusern und
Ortschaften gänzlich aufhebt, macht sich dieser Umstand unangenehm
bemerkbar, sondern auch in klimatischer Hinsicht. Und dies besonders
im Frühjahr, wo die in den höheren Regionen noch lange liegenden
Schneemassen von sehr ungünstigem Einfluß sind, da’ sie durch Verstärkung
 der Ausstrahlung und Verminderung der Bodeninsolation
wärmehemmend wirken, und zwar um so mehr, je dicker sie sind !°).
Außerdem beeinflussen die hierüber gesammelten und in die Thäler

')
Ss. 327,

Moldenhauer, Die geogr. Verbr. d. Niederschl. Nordwestdeutschl, 1896,
Hellmann, Regenkarte d. Prov. Hannover, 1902, S. 16.
Zbenda; Hellmann giebt genaueren Wert von 1031 mm,
Schulz, S. 27. Hellmann, Regenkarte v. Hannover, S. 15.
Hellmann, Niederschlagsverh. Deutschlands, S, 474.
Derselbe, Regenk. v. Hannover, 8. 15.
Hellmann, Niederschlagsverh. Deutschlands S. 473. Derselbe, Regenk.
Sachsen, 8. 14.
Zewonnen aus den Tabellen bei Meitzen, V, S. 227.
Hellmann, Regenk. d. Prov. Hannover, 8.20 f., mit genauen Zahlen-Ed


dA, Prorv.
7)
°)
werten.
9) Ebenda S. 44.
9%) Guthe, S.38387: v. Groddeck., S. 186.
        <pb n="53" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 51

and die Randgebiete herabsinkenden kalten Luftmassen den dortigen
Eintritt des Frühjahrs in unvorteilhafter Weise.

IL. Landwirtschaftliche Verhältnisse,
Il. Art des Bodens und dessen Nutzung.

Der Öberharz ist durch seinen Bau und sein Klima ein für
die Landwirtschaft im allgemeinen recht wenig und für den Getreidebau
 im besonderen ganz ungeeignetes Gebiet. Er muß in letzterer
Hinsicht als das kornärmste Gebiet des Reiches bezeichnet werden 1.
Immerhin ist an den klimatisch besser gestellten Rändern die Ackerwirtschaft
 noch einigermaßen ertragsfähig, da hier die durch das Geoirgsklima
 verzögerte Aussaat und Ernte ?) etwas durch die Güte des
Ackerbodens wetigemacht wird. Als ungefähre Grenze des Körnerbaues
kann die 300 m Linie angenommen werden, denn sämtliche Thalajederungen
 des Gebirges, die alle über dieser Linie liegen, vermögen
nichts mehr im Ackerbau zu leisten. Am wenigsten günstig zeigen
sich die Bodenverhältnisse des Südrandes, wo der dicht an den Harz
herantretende Buntsandstein des Vorlandes sandigen Boden bedingt,
der nur durch reichlichen Zusatz von Mergel einigermaßen brauchbar
wird®). Der Nordrand aber besitzt in seinem Ackerboden ein gehaltreiches
 Produkt von Jura- und Kreidegesteinen in Form eines kräftigen
 Lehmbodens, der den Anbau entschieden verlohnt *). Trotzdem
;ritt die Ackerwirtschaft aber gerade am Nordrand des Gebirges zurück,
da hier das Erwerbsleben der Bewohner einen vorwiegend industriellen
Charakter trägt, was weiter unten noch zu erörtern sein wird. Am
Südrand dagegen wird Ackerbau in ziemlichem Umfange getrieben,
angeachtet der weniger günstigen Erträge auf dem armen Sandboden,
Die Wiesenwirtschaft, die im eigentlichen Gebirge zu großer Bedeutung
 gelangt, ist an den Rändern noch von geringer Ausdehnung,
ebenso ist der Gemeindeanteil an den Holzungen durchgängig klein.
Die folgende Zusammenstellung °) gibt ein Bild von der landwirtschaftlichen
 Ausnutzung der Gemeindeareale an den beiden Harzrändern.

Nordrand (1) . .
Westrand (2—4)

Gesamtfläche
aller
Gemeinden
akm

Holzung | Acker Wiesen

79 77— mn.
U der Gesamtfläche

57,0 | 6,3 | 496 | 18,0
176.2 131 | 58.9 16.5

‘) Wolff, 8. 22.
” °) Knoll, Die Topogr. d. Hgt. Braunschw. 1897, S. 21. Die Verzögerung
beträgt ungefähr 14 Tage gegen das weitere Vorland.
%) Meitzen, V, S. 449.
) Ebenda.
) Gewonnen aus den Einzelzahlen (Spalte 4—7) der großen Tabellen.
°) Hier und im folgenden verweisen die beigefügten Zahlen (1) etc. auf die
Jurch die gleiche Zahl gekennzeichneten Dichtegehiete der Karte. Vgl. anch
S, 32 der vorliegenden Arbeit.
        <pb n="54" />
        &amp;gt;

E. Wagner,

Hieraus geht wiederum der bereits oben angedeutete stärkere
landwirtschaftliche Charakter des Südrandes hervor, der sich zugleich
in seiner größeren Viehhaltung ausspricht, was weiter unten erwähnt
werden wird.
Diese Verhältnisse finden nun auch in der Volksverdichtung an
den Gebirgsrändern ihren Ausdruck. Der unter ungünstigen Bodenverhältnissen
 vorwiegend landwirtschaftlich erwerbsthätige Südrand (4)
weist nur geringe Dichte auf, (111 Bewohner auf 1gkm ohne die
Städte), gegen den durch seine Verkehrslage begünstigten Südwestrand
 (2) (130 Bewohner auf 1 qkm ohne die Städte), oder gar den
industriellen Nordrand (1) (345 Bewohner auf 1 qkm ohne die Städte),
der eine der dichtestbesiedelten Zonen des Deutschen Reiches überhaupt
darstellt.
Steigen wir nun ins Gebirge selbst hinauf, ändern sich die landwirtschaftlichen
 Verhältnisse wesentlich. Das überaus rauhe und niederschlagsreiche
 Klima, das ım Boden eine fortwährende Verdunstungskälte
 erzeugt, nimmt dem Ackerbau schon in verhältnismäßig tiefer
Höhenlage jede Aussicht auf Ertragsfähigkeit. Dazu kommt eine
flache, meist thonhaltige und wenig ergiebige Bodenkrume, die in den
höheren Lagen vielfach zu Moorbildung neigt!), während die Thäler,
lie ja auf ihren Sohlen recht guten Boden aufweisen, aus Mangel an
Besonnung und Ueberreichtum an Feuchtigkeit noch besonders ungeeignet
 für den Körnerbau werden. Ihre Hänge sind aber zu steil, um
die Anlage von Feldern an der Sonne zugänglicheren Stellen zu gestatten.
 Immerhin sind die Thäler, wenigstens die nach Süden geöffneten,
 noch im Vorteil gegen die Hochflächen, wo der Ackerbau fast
gänzlich verschwindet. An seine Stelle tritt eine ausgedehnte Wiesenwirtschaft.
 Die Feuchtigkeit der Atmosphäre kommt dieser gerade
sehr zu gute, und die Pracht und Frische der Harzer Wiesen ist jedem,
der den Harz bereist hat, bekannt. Selbstverständlich ist aber, daß
eine derartige Landwirtschaft nicht im stande sein kann, die Bevölkerung
 zu ernähren, und es muß deshalb. erstere mehr und mehr zum
Nebenberufe herabsinken, zur eventuellen Erhöhung der aus dem industriellen
 Haupterwerb erzielten Einnahmen.
Um sich einen Begriff von der Art und Weise der im Gebirge
selbst geübten Bodennutzung zu machen, empfiehlt es sich, mehrere
Siedelungsgruppen zu unterscheiden. Es bestehen hierfür drei Möglichkeiten:
 die Siedelungen können entweder auf den Hochflächen oder an
den Abhängen derselben oder in den tiefeingeschnittenen Gebirgsthälern
gelegen sein. Und in der That sind diese drei von der Natur gegebenen
 Möglichkeiten im Oberharz benutzt worden, wenn auch nicht
alle mit gleicher Häufigkeit. Am seltensten treffen wir die Hangsiedelung,
 und in unserem Gebiet kommt nur Andreasberg hierfür in
Betracht. Indessen ziehen sich seine Bauten so tief in die vielen
Thälchen seiner Umgebung hinab, daß, wir es für unsere Zwecke mit
len Thalsiedelungen zusammenfassen können. Sonach unterscheiden wir

) Meitzen. V. 8. 4438
        <pb n="55" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 53

aur zwei Gruppen: Thal- und Plateausiedelungen, deren Wesen auch ohne
erklärende Worte in ihrem Namen liegt. Ausgesprochene Vertreter der
letzten Kategorie sind die Bergstädte Klausthal und Zellerfeld, sowie
die Orte Altenau, Schulenberg, Hahnenklee und Buntenbock, während
der ersten Klasse der Hauptteil aller Gebirgssiedelungen des Oberharzes
angehört, aus deren Zahl nur die Orte Lautenthal, Wildemann, Grund,
Lauterberg, Lonau und Sieber genannt seien. Besonders charakteristisch
 für alle diese ist ihre Lage in engen und meist tiefen Thälern,
die kaum Raum für die Straße gewähren. Die Thalwände erheben
sich so schnell und steil, daß nur wenig Möglichkeit zur Anlage von
Kulturen geboten ist. Dementsprechend sind die Orte durchweg langzeilig
 gebaut, und die zu beiden Seiten der Straße gelegene einzige
Reihe Häuser lehnt sich oft genug mit ihrer Rückseite unmittelbar an
den Berghang an. Nur ein schmaler Saum grüner Wiesen und spärlicher
 Felder trennt die Siedelungen vom Walde, der sie ganz umschließt.
 Aus letzterem Umstande erklärt sich auch die lokal zu so
hohen Dichten zusammengedrängte Bevölkerung, wovon noch zu reden
sein wird.
Wenn wir also die in diesem Sinne gruppierten Siedelungen überschauen,
 kommen wir zu dem Resultat, daß die Hochebene von Klausthal
 ein fast ausschliesslich zu Graswirtschaft verwendetes Gebiet darstellt.
 Der Ackerbau sinkt hier oben zu gänzlicher Bedeutungslosigkeit
herab, während er bei der Gesamtheit der Thalsiedelungen immerhin
noch eine gewisse Fläche meist zu Kartoffelanbau beansprucht, Dennoch
 liegt aber auch hier der Schwerpunkt auf der Wiesenwirtschaft.
Was schließlich noch die Verteilung der im Gemeindebesitz befindlichen
 Holzungen betrifft, so sind die Anteile der Thalsiedelungen an
erster Stelle zu nennen. Sie sind ja von Wald ganz umschlossen und
haben ihren Baugrund und die landwirtschaftlich genutzte Fläche um
die Ortschaft herum erst durch Niederlegung des Waldes gewonnen,
während das Plateau viel spärlichere Waldbestände aufzuweisen hat.
Der Ertrag aus den Gemeindewaldungen ist mitunter bei einigermaßen
ansehnlichem Besitz nicht unbedeutend ’). Während die Eisenhütten
zwar seit Ausbauung des Eisenbahnnetzes mehr und mehr Kohlen verwenden,
 ist die Verfrachtung von Bau- und Brennholz nach dem Vorland
 eine rege geworden. Minder wichtig ist der Ertrag an Beeren,
von denen vor allem die Preißel- (oder Krons)-beere einen Ausfuhrartikel
 bildet.

2. Anbauflächen und Ernteerträge,

‚ Um die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft des eigentlichen
Gebirges zu kennzeichnen, seien im folgenden die für den Kreis Zeller-')

 Die Grundsteuerreinerträge (Gem.-Lex. Hann. 1887) geben hiervon ein
Bild. Diese betrugen in den mit größerem Waldbesitz versehenen Orten Grund
and Klausthal 13—16 M. vom Hektar, während kleinere und darum weniger vorteilhaft
 zu bewirtschaftende Besitze, wie die von Lonau, Sieber, Riefensbeck nur
i—-3 M. vom Hektar ergaben.
        <pb n="56" />
        ©. Wagner,

feld veröffentlichten !) Zahlen der Anbauflächen und Ernteerträge angeführt.
 Für die Ränder lassen sich hier keine absoluten Zahlen geben,
da die Kreise, denen sie angehören, sich weit in das Vorland erstrecken,
und somit unter den für diese geltenden Zahlen nicht hierher gehörige
Elemente zugleich mit angeführt werden würden. Es muß aus diesem
Grunde für sie auf die in dem folgenden Kapitel angestellten Betrachtungen
 über das Harzer Vorland verwiesen werden, umsomehr
als die landwirtschaftlichen Verhältnisse der Gebirgsränder ganz unter
Jessen Einfluß stehen.

Kreis Zellerfeld.
 . .

Kreis Zellerfeld
 .

Landw.
gen.
jesamtfläche


Winter- ] Sommerweizen
 weizen

Winterroggen


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AS

55

518,8 10,007] 14,01! 0.061 13.51 219,2 100,7)
49 99

Sommerroggen


Sa
SS | €
a5 [CS

Wiesen

5
SZ
as
SS

Daß
Ss
S
+
Bd
5]

ı 34,6 | 26,8
6.7 Ya:

Anbaufläche in Quadratkılometer. Ertrag vom Hektar in 100 ke.

Aus obiger Uebersicht ergibt sich ein Verschwinden des Körnerbaues
 bis auf kaum nennenswerte Reste, während Kartoffelanbau
und Wiesenflächen fast die Hälfte der gesamten landwirtschaftlich genutzten
 Fläche einnehmen, ohne indessen, wie natürlich, die Ertragsmengen
 erreichen zu können, wie wir sie später für das begünstigtere
Vorland kennen lernen werden. Dort erzielen, wie einstweilen zum
Vergleich bemerkt sein mag, die Kartoffeln durchschnittlich 158 (100 kg)
ınd die Wiesen 41 (100 ke) vom ha.

3. Viehhaltung.

Was zunächst die Viehhaltung in den Randgebieten betrifft,
so steht, wie schon angedeutet wurde, der Südrand dem Nordrand
voran. An der Hand der KEinzelzahlen der ausführlichen Tahellen ergiebt
 sich folgende vergleichende Uebersicht:

') Preuß. Stat. Bd. 161. Anbau u. Ernteertrag für 1899, Berlin 1900 S. 18.
        <pb n="57" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 55

Auf 100 Menschen kommen

Pferde

über- ] unter
haupt |4 Jahren!

Rinder

über- ı Kühe,
haupt Kälber

Schafe

Schweine|

Ziegen

Nordrand (1) . .; 3,9 | 05 4,3 29 162 | 14,2 7,7
Westrand (2—4) . Il 510 0,7 | 16,8 | 10,0 | 384 | 25,8 15,4

Die Pferdehaltung ist beiderseits wenig bedeutend, ebenso die
Aufzucht, wie aus der zweiten Spalte hervorgeht. Was hier von Pferden
 gezogen wird, entfällt zumeist auf die Gegend zwischen Herzberg
und Osterode einerseits und Harzburg - Bündheim andererseits. In
letzterem Orte befindet sich ja auch das seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts
 bestehende herzoglich braunschweigische Gestüt. Die Rindviehhaltung
 erreicht nur im landwirtschaftlichen Süden größere Ausdehnung.
 Ganz besonders aber äußert sich der rein industrielle Charakter
 des Nordrandes in der geringen Haltung und Aufzucht der
kleinen Haustiere, die ja zum großen Teil den Viehstand der landwirtschaftlichen
 Nebenbetriebe ausmachen. Die verhältnismäßig starke
Anzahl der Schafe am Südrand unterliegt schon der Beeinflussung
durch das südliche Vorland, für dessen Viehstand wir in der umfangreichen
 Haltung dieser Tiere ein Charakteristikum erblicken werden.
Die Viehstandsverhältnisse des Gebirges werden durch die ausgedehnten
 Wiesenflächen auf das günstigste beeinflußt. Durch sorgsame Pflege
und künstliche Düngung?) liefern die Grasflächen das für die Winterfütterung
 nötige Heu, während die Sommerfütterung auf ihnen selbst
so reichlich und kräftig ist, daß zu dem Harzer Vieh im Mai noch
ganze Herden aus dem Vorland getrieben werden, um im Spätherbst
gemästet das Gebirge wieder zu verlassen?). Während naturgemäß die
Pferdehaltung sehr zurücktritt, erreicht die Rindviehhaltung ziemliche
Ausdehnung und steht den Randbezirken keineswegs nach. Diese vorzüglich
 als Milchvieh gehaltenen braunen Harzer Kühe sind weithin
bekannt. Ueberall in den Thälern und auf dem Plateau trifft man
auf ihre zahlreichen Herden, die inmitten der herrlichen Harznatur ein
reizendes Bild abgeben. . Von kleineren Haustieren werden in den
Thälern noch stark Schweine und Ziegen gehalten. Die Ziegenmilch
liefert ja das Material für die weitberühmten Harzer Käse, die in den
Orten am Harzfuß hergestellt werden?) und einen bedeutenden Exportartikel
 bilden, Schafe werden im ganzen Gebirge kaum gehalten, allein
in den Gutsbezirken der beiden Bergstädte und in Andreasberg. Dafür
treten aber auf dem Plateau die übrigen kleinen Haustiere stark zurück,
 wo sich die wenigen landwirtschaftlichen‘ Betriebe lediglich mit
Rindviehhaltung befassen.

‘) Guthe, 8, 536.
’) Nach mündlicher Mitteilung.
) Benermann. Die Prov. Hannover 1901. 8.17.
        <pb n="58" />
        E. Wagner,

Als in gewissem Sinne ebenfalls hierher gehörig sei noch ein
sıgentümlicher Nebenerwerbszweig der oberharzischen Bevölkerung angeführt,
 die Aufzucht und der Handel mit Singvögeln, von denen
neben Kreuzschnäbeln und Finken besonders die Kanarienvögel von
Bedeutung sind. Der Hauptort hierfür, Andreasberg, beherbergt gegen
35000 dieser Tierchen, von denen jährlich gegen 6000 weithin nach
Amerika und Australien exportiert werden, wodurch dem Orte über
100000 Mark zufließen ).

4. Einfluß der Landwirtschaft und Industrie auf das Erwerbsleben.

Die Bedeutung, die die bis auf die Viehhaltung recht wenig
leistungsfähige Landwirtschaft des Gebirges für das Erwerbsleben der
Bevölkerung hat, zeigt die folgende Zusammenstellung?) :

Kreis

Zellerfeld (1895)

Gesamtzahl der
Srwerbsthätigen
im Hauptberuf

12517

Art
des Berufes

Landw.
Forstw.
Industrie

Als Hauptberuf
betrieben

227 = 1,8 °%
790 = 6,8 %
6918 =— 55.2 9%

Hiernach erscheint im Kreise Zellerfeld, der ja den Hauptteil des
Oberharzes umfaßt, der Anteil der erwerbsthätigen Bevölkerung an der
Landwirtschaft verschwindend gering. Und wenn auch die stärkere Bewaldung
 des Gebirges eine größere Anzahl der in der Forstwirtschaft
verwendeten Personen bedingt, so ist doch der Einfluß von Land- und
Forstwirtschaft auf die Bevölkerung ein äußerst schwacher. Sie können
somit, wenn wir uns gleichzeitig nochmals der geringen landwirtschaftlichen
 Erträge erinnern, nicht Anlaß zu einer derartigen Volksverdichtung
 gegeben haben, wie wir sie thatsächlich an so vielen Stellen des
Gebirges bemerken. Die Ursache hierfür läßt sich jedoch ebenfalls
aus obigen Zahlen entnehmen. Der verdichtende Faktor im Gebiet des
Oberharz ist die Industrie, der im Kreise Zellerfeld mehr als die Hälfte
aller Erwerbsthätigen angehört, wobei die Anzahl derer, die im
Nebenberufe noch industriell thätig sind, nicht einmal berücksichtigt
wurde. Und es soll im folgenden Abschnitt meine Aufgabe sein,
die hauptsächlich hier in Wirksamkeit befindlichen Industriezweige herrorzuheben.


H7. Industrie.

Der Schwerpunkt für eine Begründung der Dichteverhältnisse
anseres Gebietes liegt also ganz und gar auf industrieller Seite. Die
lokal so außergewöhnlich hohe Bewohnerzahl verdankt ihre Entstehung

‘) Wolff, S. 26, nach behördlicher Mitteilung.
A Stat. I. D. R N. F. 109. &amp;lt; 940.
        <pb n="59" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 57

and Erhaltung den reichen mineralischen Bodenschätzen und der mit
ihrer Ausbeutung aufgewachsenen verwandten Industrie. Nur durch
diese bodenständige, d. h. auf direkte Verwertung der Bodenprodukte
ausgehende Industrie war es dem ÖOberharz möglich, den klimatisch und
landwirtschaftlich so viel günstiger gestellten Unterharz an Volkszahl
weit zu überholen. Dazu gesellen sich, aber erst in zweiter Linie, die
Industriezweige, die durch den fast unerschöpflichen Holzreichtum des
Gebirges zur Niederlassung an seinen Rändern und in seimen Thälern
veranlaßt wurden.
Damit haben wir die zwei für das eigentliche Gebirge ursprünglich
 verdichtenden Faktoren genannt. Später kommt, nach Entstehen
der einzelnen Bergwerks- und Hüttenorte und dem allmählichen Ausbau
 eines Straßennetzes, das infolge der schwierigen Verhältnisse des
Gebirges stets ein recht dürftiges blieb, noch das Aufblühen gewisser
Ortschaften, besonders an den Rändern, hinzu, als Vermittlungspunkte
zum Austausch der industriellen Erzeugnisse des Inneren gegen landwirtschaftliche
 des Vorlandes, die im Gebirge gänzlich fehlten. In
unserer Zeit der verbesserten Verkehrsmittel entwickelt sich außerdem
noch ein reger Fremdenverkehr, der sich über das ganze Gebirge erstreckt,
 die heimische Industrie in hohem Maße beeinflußt und aus
einfachen Hütten- und Bergwerksorten aufblühende Sommerfrischen
und Luftkurorte macht. Auf diese letzteren Faktoren wird bei Betrachtung
 der Verkehrsverhältnisse näher einzugehen sein.
Der Bergbau auf Blei-, Zink- und Kupfererze und deren Verhüttung
 ist von jeher der Haupterwerbszweig der Bewohner des Oberharzes
 gewesen, Wirtschaftlich betrachtet stellt eben dieser Teil des
Gebirges das Gebiet des Bergbaues dar, der sich hier im Laufe der
Jahrhunderte zu Musterbetrieben ausgestaltete, von denen Bergwerkskolonien
 nach allen Teilen der Erde ausgesandt werden‘). Die meisten
der oberharzischen Siedelungen verdanken denn auch dem Bergbau ihre
Entstehung und ihr Aufblühen. Es darf hierbei nur an die Orte
Ghittelde, Grund, Lautenthal, Wildemann, Lauterberg, Altenau und vor
allem an die bedeutendsten, Goslar und die Doppelstadt Klausthal-Zellerfeld,
 erinnert werden). Mit dem Bergbau erwuchsen in den genannten
 oder aber benachbarten Orten, wo selbst kein Bergbau möglich
 war®%), verwandte Industriezweige, die sogen. Montanindustrie, die
sich mit der Aufbereitung der Erze und ihrer weiteren Verwendung
befaßte, Solche Anlagen ließen am Nordrand des Harzes die Orte Oker
und Langelsheim, im Süden Lauterberg, Sieber und Lonau entstehen,
während sie in den Bergwerksorten wesentlich zur Entwicklung derselben
 mit beitrugen. So verschmilzt Klausthal noch heute als Rohhütte
 den größten Teil der Harzer Erze, während in Lautenthal die
Entsilberung und in Altenau die Darstellung von Kupfer vorgenommen

‘) Guthe, 8. 294.
‘) Guthe, 5. 258 f,
5) Die Erzgänge, bei der Auffaltung des Gebirges entstanden und später
mit Erzgehalt infiltrierte Risse, führen nur im Karbon (Kulm) Erz: es fehlt. sobald
ä3e in das Devon übertreten (y. Koenen).
        <pb n="60" />
        5X

E, Wagner,

wird). Die fast überall dank den zahlreichen stark fallenden Wasserläufen
 und den reichen Niederschlägen vorhandene Wasserkraft, sowie der
;n den Wäldern zur Verfügung stehende Holzvorrat konnten nur
fördernd auf die Entwicklung dieser mit dem Bergbau verknüpften
[ndustrie einwirken. Ursprünglich wurde auch ausschließlich Holz zur
Verhüttung der Erze verwandt, das die Regierung kostenlos zur Verfügung
 stellte. Mit der fortschreitenden Verstaatlichung der ehemaligen
Gewerkschaften jedoch ist Koksverbrauch mehr und mehr an seine
Stelle getreten, deren Herbeischaffung durch die in das Gebirge eindringenden
 Eisenbahnlinien sehr erleichtert wird.
Die Bedeutung, die der Bergbau und die Montanindustrie für die
Bevölkerung des Gebirges hat, zeigt die folgende Zusammenstellung für
den Kreis Zellerfeld?}:

Gesamtzahl der Erwerbsthätigen im
Hauptberufe

Bergwerke und Hütten

Kisenverarbeitung .

1882
14 9250

3824 = 37,3 %
278 = 1,9%

1895

12517

4019 = 32,1 %
394 = 3,1%

Hiernach findet noch heute über ein Viertel der erwerbsthätigen
Bevölkerung in den genannten Industrieen seinen Unterhalt, oder wenn
wir es für die industrielle Bevölkerung allein ausdrücken wollen, weit
über die Hälfte derselben. Das ganze Innere des Gebirges stellt ein
großes Industriegebiet dar, wo sich Bergwerke, Hütten und Pochwerke
wneinander reihen und der Bevölkerung eine Existenz gewähren. Hierin
liegt also der hauptsächlich verdichtende Faktor für das eigentliche
Gebirge, während für die Randgebiete hierzu noch das nicht zu unterschätzende
 Verkehrsmoment tritt.
Die zum Vergleiche angeführten Zahlen des Jahres 1882 lassen
schon in der kurzen Zeit bis 1895 einen Rückgang der im Bergwerksund
 Hüttenbetrieb beschäftigten Personen erkennen. Diese Thatsache
kann einmal aus dem Fortschritt moderner Technik und ihrer Anwendung
 erklärt werden, wodurch eine größere Zahl menschlicher Arbeitskräfte
 überflüssig gemacht wird, dann aber — und hier liegt der
Hauptgrund — aus der infolge ausländischer Konkurrenz stetig fortschreitenden
 Unrentabilität des Bergbau- und Hüttengewerbes. Die
Folge davon ist eine stetige Erniedrigung der Silber-, Blei- und Kupferpreise,
 so daß die meisten der Hütten gezwungen sind, ausländische
— südamerikanische (bolivianische) — Erze zu verarbeiten, die dort
aicht mit Vorteil verhüttet werden können?®). Als letzter Punkt für
las Nachlassen des Bergbaues mag angeführt sein, daß auch die tiefere
Herabtreibung der Bergwerke selbst die Erzgewinnung um vieles müh-‘)

 Meyer, Harzführer, S. 12, 1901.
‘) Stat. d. D. R. N. F, 2, 8.279 u. 109, S. 242.
‘) Hoffmann, Der Harz, Geologisches von A. v. Koenen. S.5.
        <pb n="61" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 59

3amer macht, wobei aber zugleich der Erzgehalt geringer wird!), Wir
werden auf diesen Punkt, der eng mit der für einen großen Teil der
Siedelungen zu konstatierenden Bevölkerungsabnahme im inneren Oberharz
 zusammenhängt, noch zu sprechen kommen.
Veberblicken wir nochmals den Wert, den Bergbau und Hüttenindustrie
 für das Gebirge haben, so kann wohl gesagt werden, daß
ohne sie die Urbarmachung der kalten und feuchten Thäler, sowie des
unwirtlichen Plateaus, die durch Lage und Klima einen landwirtschaftlichen
 Erwerb verbieten, vielleicht nie, oder doch erst sehr spät
in kleinstem Umfange erfolgt sein würde. Als man aber, durch die
Bodenschätze verlockt, zur Besiedelung schritt, lag es in dem Aufbau
und der dichten Bewaldung des Gebirges, daß die Verdichtung sofort
lokal überaus stark hervortreten mußte. Bei Anlage eines Berg- oder
Hüttenwerkes wurde eben nur so viel von dem Wald entfernt, als zur
Errichtung der nötigsten Gebäude erforderlich war. So drängte sich
lie Bewohnerschaft von jeher auf beschränktem Raum um ihre Erwerbsstellen
 herum und rief die schroffen Gegensätze in der Besiedelung
hervor, daß sich neben dichtest bevölkerten Stellen sofort stundenweite
einsame Wälder und Moorflächen ausdehnen, Kontraste, die die Dichtekarte
 zum Ausdruck bringt. Dank dieser Art der Ansiedelung und einer
durchweg vernünftigen?) Forstwirtschaft, die den Wert des Holzes für
die Bewohner erkannte und für Nachwuchs sorgte, hat das Gebirge bis
auf den heutigen Tag seinen Waldreichtum bewahrt. Mit diesem Holzreichtum
 ist dem Oberharzer eine zweite Erwerbsquelle gegeben, die er
mit der erstbesprochenen in dem alten Spruch zusammenzufassen pflegt:
Es grüne die Tanne,
Ks wachse das Krz.

Mancherlei Industrie hat sich an den Holzbestand des Gebirges
geknüpft, sich aber im Gegensatz zu der vorherigen Gruppe mehr an
den Rändern oder Thalausgängen niedergelassen. Zahlreiche Sägemühlen
 und Holzstofffabriken (für Zwecke der Papierfabrikation) be-‚eben
 hier die Ufer der Bergflüsse, während in Lauterberg (am Südcrand)
 und Wolfshagen (am Nordrand) und anderswo Zündholzfabriken
bestehen, die meist noch die altmodischen Schwefelhölzer herstellen.
Daneben hat Lauterberg eine nicht unbedeutende Möbelfabrik aufzuweisen,
 und in fast allen größeren Orten befinden sich Tischlereien und
Böttchereien. Außerdem spielt in den Randorten der Holzhandel eine
Rolle. Besonders kommen hier Osterode, Goslar und Isenburg in Betracht,
 die den Vertrieb der Gebirgshölzer nach dem Vorland und
weiterhin im Reiche vermitteln. Zu erwähnen ist noch die Holzeimerfabrikation
 in Osterode, die Jährlich gegen 300000 dieser Gefässe exportiert*)
 und zusammen mit einer ebendort bestehenden Möbelfabrik
einer großen Zahl von Arbeitern Beschäftigung gewährt. Außerdem
werden für die sogen. grobe Holzzurichtung im ganzen Gebirge noch

') Hoffmann, Der Harz etc, Ebenda, So ist der Kaiser Wilhelm-Schacht-Klausthal
 heute 865 m tief, die Grube Samson-Andreasberg 780 m.
2?) Mit Ausnahme der S, 47 gemachten Bemerkung.
8) Wolff. 8. 925.
        <pb n="62" />
        N

E, Wagner,

eine Anzahl von Holzfällern und Fuhrleuten in den Wäldern benötigt,
ohne daß freilich hiermit bei der oft nur periodischen Verwendung derselben
 ein größerer Einfluß auf das Erwerbsleben der Gesamtbevölkerung
ausgeübt würde.
Neben diesen beiden Haupterwerbsquellen verdient auch noch der
Steinbruchsbetrieb und die Textilindustrie angeführt zu werden, da
letztere auch als Hausindustrie zum Nebenerwerb beim Nachlassen der
bergmännischen Produktion in Betracht kommt.
Die Steinindustrie erzeugt hauptsächlich Pflastersteine und Platten
für Straßenanlagen, sowie auch Werksteine für Hochbauten?. Wir
finden sie besonders im Gebiet des Gabbro im Radauthal bei Harzburg,
wo eine rege Verfrachtung seit langem stattfindet?). Bei Goslar sind
Schieferbrüche ohne größere Bedeutung in Betrieb, während am Südrand
 von Münchehof bis unterhalb Osterode mehrfach Kalksteinbrüche
auftreten”). Auch Gips wird hier im Gebiet des Zechsteines bis nach
Sachsa hin vielfach gewonnen,
Die Textilindustrie hat ihre Hauptstätte in Osterode, wo sich ausgedehnte
 Tuch- und Wollenfabriken befinden. Diese bestanden schon
zu Anfang des 18, Jahrhunderts und verschafften zusammen mit den
bereits erwähnten Fabriken der Holzbranche der Stadt den Titel „der
bedeutendsten und sogar einzigen Fabrikstadt des Königreiches Hannover“*).
 In den übrigen Teilen des Gebirges tritt die Textilindustrie
nicht in den Vordergrund. Als Hausindustrie hat sie durchaus nicht
die Bedeutung erlangt, wie z. B. im Erzgebirge, und so hat auch das
dort viel geübte Spitzenklöppeln, das die ersten Bergleute mitbrachten.
sich nur in Andreasberg erhalten, ohne hier indessen größeren Umfang
anzunehmen ®). Im Kreise Zellerfeld fanden 1895 überhaupt nur 1,4%
der industriell erwerbsthätigen Bevölkerung in der Textilindustrie Beschäftigung,
 während sich für den Südrand (Kreis Osterode) dank den
in Osterode bestehenden Anlagen die Zahl auf 13,7% erhöhte®).
Wenn wir noch kurz der Glasfabriken Erwähnung thun, die sich
in der Umgebung von Hahausen an der Nordwestecke des Gebirges
befinden, so haben wir die Haupterwerbszweige auf industriellem Gebiet
arschöpft.

IV. Verkehrsverhüältnisse.

‚Vgl. Kartenskizze der Verkehrsverhältnisse S. 103 der vorliegenden Arbeit )

Nunmehr gelangen wir zur Betrachtung der Verkehrsverhältnisse
les Gebirges, die, ursprünglich fast allein auf die Dichteverhältnisse
der Ränder von Einfluß, in neuerer Zeit durch die in das Innere eindringenden
 Eisenbahnen und die verhältnismäßig junge Erscheinung
les Fremdenverkehrs auch im Gebirge in starkem Maße wirksam werden.

Knoll, S. 36.
Guthe, 8. 261.
‚ Knoll, 8. 191.
Guthe, 8. 272,
;‚ Guthe, S. 285.
” Stat. d. D. R. N. F. 109.
        <pb n="63" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 61

Um nun die Art und Weise ihres Einflusses auf die Bevölkerungsverhältnisse
 zu zeigen, ist es geraten, historisch vorzugehen, und mit
len alten Handelsstraßen zu beginnen.
Der Verkehr von Norddeutschland nach dem Süden hat im Mittelalter
 das Gebirge gänzlich vermieden. Seine ehemalige schwere Zuzänglichkeit
 infolge steiler Abhänge und seiner urwaldartigen und
morastreichen Vegetationsdecke veranlaßten die Verkehrsstraßen an
seinem Fuße entlang zu ziehen, was ja bei den geringen Dimensionen
des Gebirges Ohne großen Zeitverlust möglich war. Naturgemäß folgten
Jer Anlage der Verkehrsstraßen auch die ersten Ansiedelungen am Fuße
les Gebirges als Randsiedelungen, die noch heute so eng gedrängt den
Harz umziehen, daß sie bei einem Blick auf die Karte die Grenze gegen
las Vorland deutlich markieren.
Solcher alten Handelswege kommen vier für unser Gebirge in
Betracht:
a) Nördlich das Gebirge umgehend.
1. Die Harzrandstraße*) stieß, von Bremen über Hannover
und Hildesheim kommend, bei Goslar auf das Verkehrshindernis des
Gebirges. So wurde sie denn gezwungen, als Randstraße ihren Verlauf
 östlich nach Halberstadt und Magdeburg zu nehmen?, Wenn
Goslar aus seiner Lage an dieser Straße schon Vorteil zog, so geschah
dies noch mehr durch seine Eigenschaft als Knotenpunkt dieser mit
der südwärts führenden Braunschweig— Wolfenbütteler Straße. Unter
dem Einfluß dieser Verkehrskreuzungen entwickelte sich der heute so
bedeutende Ort, dessen Entstehungszeit, wenn auch nicht bekannt, sicher
sehr weit zurückzudatieren ist3).

b) Westlich das Gebirge umgehend,
2, Die sogen. Nürnberger oder Augsburger Straße*)
zieht dem Westrand des Gebirges entlang von Braunschweig über Hahausen,
 Seesen, anfänglich über Osterode, später aber schon bei Badenhausen
 (nordwestlich von Osterode), den Harzrand verlassend, nach
Duderstadt und weiter nach Süddeutschland.
3, Die Thüringer Straße®) läuft anfänglich mit der vorhergenannten
 von Braunschweig aus zusammen, trennt sich aber dann bei
Badenhausen von ihr und führt über Osterode. Nordhausen nach
Thüringen.
4, Die Frankfurter Straße‘) zweigt sich in der Nähe der
Stadt Seesen von der Thüringer Straße ab und verläuft über Northeim,
Göttingen nach Süddeutschland.
Dank diesen vom mittelalterlichen Handel rege benutzten Straßen
blühten die von ihnen berührten Orte schnell auf und waren schon zu

1!) Schmidt, Herm., Der Einfl. d. alten Handelswege in Niedersachsen etc,
Hannover 1897.
?) Derselbe, S. 44.
3) Ebenda.
” Guthe, S. 251.
Ebenda.
Ebenda.

+
        <pb n="64" />
        12

E, Wagner,

hoher wirtschaftlicher Bedeutung gelangt, als man im 13. Jahrhundert
dazu schritt, veranlaßt durch die reichen Erzvorkommnisse, das öde,
unzugängliche Waldgebiet des Inneren mit erzgebirgischen Bergmannsfamilien
 zu besiedeln, Nun stand den Randsiedelungen eine glänzende
Zukunft in Aussicht als Vermittlungspunkte für den Austausch der
industriellen Erzeugnisse der neuen Bergwerks- und Hüttenkolonien
des Gebirges gegen landwirtschaftliche Produkte des Vorlandes?). Das
Bestreben, die Zu- und Ausfuhr für das Gebirge mehr und mehr zu
erleichtern, führte zur Anlage von Verbindungswegen quer über dasselbe,
 die zuerst nur ganz vereinzelt vorhanden sind. Die erste derselben,
die sogen. Kaiserstraße, die von Goslar, auf kurzem Wege das Gebirge
querend nach Osterode führte, wird 1457 erwähnt?). Dieser Querweg
mußte die Bedeutung Goslars noch erhöhen und es zu einem wichtigen
Stapel- und Marktort machen‘), während er gleichzeitig in bedeutendem
 Maße zur Entwicklung der auf dem Plateau entstandenen Bergstädte
 Klausthal-Zellerfeld beitrug.
Das mächtige Aufblühen der Stadt Goslar, das durch die reichen
Silbererzlager des‘ benachbarten Rammelsberges unterstützt und befördert
 wurde, dauert fort bis zur Abnahme der Bedeutung des Hansabundes,
 deren Mitglied sie war. Als Goslar um diese Zeit in unglücklicher
 Fehde auch der Verlust des Rammelsberges an die Herzöge von
Braunschweig traf*), verblich sein Glanz schnell, und erst mit Erbauung
 der Eisenbahnen beginnt eine neue Entwicklung aufwärts.
Heute ist die alte Kaiserstadt, deren ehrwürdiges Rat- und Innungshaus
 neben der Kaiserpfalz an die stolze Vergangenheit gemahnen,
bekannt als Industrie- und Handelsstadt und als Zielpunkt eines starken
Fremdenverkehrs.
Auch die am anderen Ende der Kaiserstraße gelegene alte Hansastadt
 Osterode hat als thätige Fabrikstadt einen Teil ihrer ehemaligen
Bedeutung in unsere Zeit hinübergerettet und hat ohne Zweifel auch
als Station der Harzrandbahn (Vienenburg—Seesen—Nordhausen) eine
entwicklungsreiche Zukunft vor sich.
Die zweite ältere Querstraße zieht bereits östlich des Brocken
(Harzburg—Braunlage—Nordhausen) über das Gebirge und fällt somit
aus dem Rahmen unseres Gebietes. .
Alle die erstgenannten vielbegangenen Randstraßen mit ihren
Stapel- und Umladeplätzen verloren ihre Wichtigkeit, seit mit Ent-Jdeckung
 der neuen Seewege der Handel andere Bahnen einschlug, wodurch
 diese auch später nicht mehr im stande waren, sich von der wirtschaftlichen
 Depression des Dreißigjährigen Krieges zu erholen. Erst in
neuerer Zeit beginnen einige derselben durch die Eisenbahnen neues Leben
zu gewinnen und einen Teil ihrer alten Bedeutung zurückzuerhalten.

') Guthe, S. 264 u. 271. Dies führte zur Anlage von großen Kornmagazinen
 am Gebirgsrand (Goslar, Osterode), aus dem in Zeiten der Not billiges
Korn an die Bergwerksbevölkerung von Regierungswegen abgegeben wurde.
*) Günther, Der Harz in Geschichts-, Kultur- und Landschaftsbildern 1888,
S. 127; Wolff, S. 16,
%) Schmidt, S, 45.
4) Guthe, 8. 264.
        <pb n="65" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 63

Bei der Entwicklung der Eisenbahnlinien läßt sich der gleiche
Vorgang, wie bei den Handelsstraßen beobachten. Auch hier bestehen
lange Zeit die Schienenwege um das Gebirge herum, bis man 1877*)
zur Anlage der ersten Bahn ins Innere schreitet, der das Innerstethal
hinaufziehenden Linie Langelsheim—Klausthal. Mit Erbauung derselben
gelingt es Langelsheim, der bedeutenderen Stadt Goslar seine Stellung
als Durchgangsplatz für den Handel nach dem Gebirgsinneren streitig
zu machen. Dadurch, daß sich fortan in Langelsheim die Schienenstränge
 nach den verschiedenen Richtungen des Vorlandes verzweıgten,
ist der Entwicklung dieses Ortes ein sehr belebendes Element zu teil
geworden, ohne daß damit freilich Anlaß zu einer Ueberflügelung der
Industriestadt Goslar gegeben wäre.
Eine zweite Linie ins Innere folgte 1884 von Lauterberg nach
Andreasberg, wodurch gerade der letztere Ort, der unter der Unbeständigkeit
 des Silberbergbaues sehr leidet?), durch Hebung seines
Fremdenverkehres in günstigster Weise beeinflußt wurde?). Hine den
ÖÜberharz ganz durchquerende Linie hesteht zur Zeit noch nicht, während
 der Unterharz ın der Eisenbahn Wernigerode—Walkenried eine
solche aufweist. Gleich den alten Handelswegen befördern die HEisenvahnlinien
 die Entwicklung der von ihnen berührten Orte, und heute
sind Osterode, Herzberg als Knotenpunkte der Bahnen Nordhausen—Hildesheim
 und Nordhausen— Northeim, dann Seesen, als Knotenpunkt
ganz im Sinne der alten Straßenzüge, ferner Goslar, Oker und Harz-5urg
 beredte Beispiele dafür.
Mit den durch die Eisenbahnen gegebenen besseren und leichteren
Verkehrsverhältnissen wurde der Harz dank seinen nun erschlossenen
landschaftlichen Schönheiten ein Ziel wachsenden Fremdenverkehrs.
Dieser Umstand kann als für das Erwerbsleben der Bevölkerung von
größter Wichtigkeit bei der Betrachtung der Volksdichteursachen des
Gebirges nicht beiseite gelassen werden. An vielen Punkten sind außerdem
 Sanatorien entstanden und die Zahl der Besucher beträgt in jedem
der heute als Sommerfrischen und Kurorte benutzten Harzorte weit
über 3000, Harzburg und Goslar, welch letztere noch als historische
Kaiserstadt eine besondere Anziehung ausübt, sind die meistbesuchtesten
 Punkte des Harzrandes, während im Gebirge selbst Grund,
Andreasberg, Elend, Schierke und Braunlage hier zu nennen sind. Neben
ihnen kommen jedoch in unseren Tagen fast alle Siedelungen des Gebirges
 wie des Randes mehr oder weniger in Betracht, so daß den
Bewohnern aus dem Fremdenverkehr ein gewaltiger Zuschuß zu ihrem
Lebenserwerb erwächst. Durch die für seine mannigfaltigen Zwecke
benötigten Personen sowie Neubauten vermag er aber außerdem eine
lokal stark verdichtende Wirkung auszuüben. Seinen Ausdruck findet
dies besonders in der Zahl der im Gasthausgewerbe Erwerbsthätigen,

') Diese und die folgenden Angaben nach den betr. Jahrgängen des Reichskursbuches,
 Einiges auch in: Die Eisenbahnverhältnisse des Hzgtm. Braunschweig,
Denkschr. d. Handelsk. Braunschw. 1899. .
?) Daher auch früh hier schon Bestreben nach Nebenerwerb: Kanarienvogel.
zucht und Spitzenklöppeln.
3) Günther. 8. 1839.
        <pb n="66" />
        A

E. Wagner,

die in stetem Anwachsen begriffen ist und sich innerhalb 13 Jahren
von 1882—95 im Kreise Zellerfeld mehr als verdoppelt hat).

V. Bewegung der Bevölkerung.

Die Einwirkung der verschiedenen einzeln betrachteten Faktoren —
Landwirtschaft, Industrie und Verkehr — findet ihren Ausdruck in den
Thatsachen der Bewegung der Bevölkerung, d.h. in ihrem Anwachsen
oder Abnehmen. Dies Resultat ist in den verschiedenen Gebirgsteilen
ein seinem Umfang nach verschiedenes, wie aus der folgenden für die
Jahre 1871 und 1895 gegebenen Zusammenstellung ersichtlich ist?).

Nordrand (ohne Goslar und Harzburg) .
Süd- und Südwestrand (ohne Seesen,
Osterode, Herzberg, Lauterberg) . .
Thalsiedelungen . . . .. .
Plateau von Klausthal (ohne Klausthal-Zellerfeld
 und Altenau) .* © 8
Plateau mit Klausthal, Zellerfeld und
Altenau 2.0.0

Einwohnerzahl

1871

1895

6 145

10 062

9 236
9554

9 860
10 638

1 2839

1 398

17 008

16 535

Zu- oder
Abnahme

+ 68,7

——

6,7
FH 11,8

12,7

27

Hieraus geht ganz allgemein für den gesamten Oberharz eine
Vermehrung seiner Bevölkerung in den betrachteten 24 Jahren hervor.
An erster Stelle steht der Nordrand mit den Vorzügen einer auf glänzende
Verkehrsbedingungen gestützten Industrie ausgestattet, mit 63,7 % Zuwachs.
 Alle hier gelegenen Städte und Industrieorte beteiligen sich
auf das lebhafteste an dieser Vermehrung, so Harzburg—Bündheim mit
73% (3190 auf 5550 Einw.), Langelsheim mit 54,2 % (2016 auf
3108 Einw.) und vor allem die Handels- und Industriestadt Goslar mit
176,2% (5382 auf 14866 Einw.), mit deren Einrechnung in die für
den gesamten Nordrand gegebenen Zuwachszahl diese noch um ein
beträchtliches steigen würde, Auch das dicht bei Goslar gelegene
Oker weist eine Vermehrung seiner Bewohnerzahl um 143,8 % auf
‘1104 auf 2692 Einw.).
Dagegen bleibt der bis auf wenige Ortschaften landwirtschaftlich
erwerbsthätige West- und Südrand mit seinen 6,7% weit zurück. Zwar

‘) Stat, d. D, R. N. F. 2 u. 109. Danach ergiebt sich folgende Uebersicht
°ür das Gasthausgewerbe:

1882

1895

Kreis Zellerfeld .

14250 Erwerbsthätige

12517 Erwerbsthätige

211 = 1,5% | 492 == 3.9 %
1 Gewonnen aus den Einzelzahlen der großen beigegebenen Tabellen.
        <pb n="67" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 65

hat der immer noch einen großen Teil des Verkehrs für den Oberharz
vermittelnde Eisenbahnknotenpunkt Seesen 32,1% (3378 auf 4462 Einw.)
Zuwachs zu seiner Einwohnerzahl von 1871 aufzuweisen, und die
Fabrikstädte Osterode 23,9% (6661 auf 8249 Einw.) und Lauterberg
27,9% (3695 auf 4724 Einw.) in derselben Zeit. Aber diese Zahlen,
an sich schon geringer als die entsprechender Plätze des Nordrandes,
reichen nicht hin, um die Stagnation in der Bevölkerungsbewegung,
der mit der landwirtschaftlichen Umgebung auch Herzberg (3616 auf
3704 Einw, = 2,4%) anheimgefallen ist, aufzuheben. Werden die genannten
 städtischen Ortschaften in die Bevölkerungszunahme des Westınd
 Südrandes eingerechnet, ergiebt sich doch nur eine Vermehrung
um 16% (von 1871—95), also eine Zahl, die weit hinter der Gesamtzunahme
 des Nordrandes zurückbleibt.
‚Im Gebirge selbst zeigen nach der obigen Zusammenstellung nur
die Thalsiedelungen und die kleineren Ortschaften des Plateaus die
Tendenz zu stärkerer Zunahme, während die städtischen Siedelungen des
Plateaus eine direkte Abnahme zu verzeichnen haben. Auch einzelne
vom Fremdenverkehr nicht berührte Thalsiedelungen sind diesem Schicksal
anheimgefallen.

Lautenthal .
Wildemann
Lerbach .
Lonau .
Sieber
ärund
Andreasbere

Wohnort

Einwohnerzahl

1871

1895

2519
1276
1479
497
518
1560
23291

2669
1878
498
+42
517
2051
8559 |

Zu- oder
Abnahme

6,7
7,6
0,9
11,1
- 0,8
+ 381,5
+ 6,9

A

Aus dieser Uebersicht geht der oben schon hervorgehobene günstige
Einfluß des Fremdenverkehrs in der starken Vermehrung von Grund
aervor, Die Stadt Andreasberg hat, trotzdem sie dieser Vergünstigung
auch teilhaftig wird, mit zu vielen Mißständen hinsichtlich des unbeständigen
 Bergbaues und ihrer eigenen baulichen Anlage zu kämpfen,
um kräftig emporblühen zu können. Seit sie ihren Höhepunkt im
Jahre 1860 mit 4200 Einwohnern überschritten hat, ist ihre Bevölkerungszahl
 ständig großen Schwankungen unterworfen gewesen!). Dasselbe
 Geschick einer beschränkten Entwicklungsfähigkeit teilen die
anderen Oberharzer Bergstädte Lautenthal und Wildemann, die sogar
seit 1885 beginnen, nicht unerheblich abzunehmen. Das gleichfalls
hierher gehörige Grund weiß dies, wie gesagt, durch seinen Fremden-X)

 Guthe, S. 286.
        <pb n="68" />
        56

E. Wagner,

verkehr wett zu machen. Ganz verschwindend ist dagegen die Zunahme
in den Hüttenorten Sieber und Lerbach, ja in Lonau tritt sogar eine
fühlbare Abnahme zu Tage.
Sehr viel deutlicher als hier macht sich jedoch der Rückgang der
Bergwerksdistrikte an Bewohnerzahl auf dem Plateau bemerkbar, unter
lenen nur die dem Fremdenverkehr dienenden Orte Buntenbock, Hahnenklee
 und Schulenberg, die sich zu viel benutzten Sommerfrischen im
Laufe der Jahre herausbildeten, lebhaftere Zunahme zeigen.

Klausthal
Zellerfeld
Altenau . .
Buntenbock
Hahnenklee
Schulenberg

Wohnort

Einwohnerzahl

Zu- oder
Abnahme

1871

1895

Ham

3187
4351
2175

8542
4332
2162

— 65
— 06,5
— 0,6

562 602 71
416 | 472 / + 13,4
261 324 + 94,1

Sie sind es allein, die der Bevölkerung der Hochebene eine schwache
Zunahme von 1871—95 gesichert haben, während die beiden Bergstädte
in der gleichen Zeit lediglich abnahmen. Altenau, das neuerdings ebenfalls
 als Luftkurort besucht wird!), hat sich dadurch seit 1885 wieder
zu heben begonnen (von 2117 auf 2162 Einw. = 2,1%), ohne indessen
bis jetzt seine Bewohnerzahl von 1871 ganz erreicht zu haben.
Jedenfalls lassen uns aber vorstehende Betrachtungen über die
Bewegung der Bevölkerung im Öberharz zu dem Ergebnis kommen,
laß, abgesehen davon, daß mit zunehmender Höhenlage der‘ rascheren
Vermehrung der Menschen Einhalt geboten wird, der Bergbau mit der
ihm zugehörigen Hüttenindustrie nicht im stande ist, eine Bevölkerung
auf die Dauer zu ernähren und zu verdichten bei sonst ungünstiger
ınd isolierter Lage. Es müssen vielmehr vor allem günstige Verkehrsverhältnisse
 und die Möglichkeit der leichten Verfrachtung der Erzeugnisse,
 sowie leichter Bezug landwirtschaftlicher Produkte hinzutreten,
wie wir alles am Nordrand des Gebirges so ausgezeichnet bestätigt
Anden.

II. Kapitel.

Die südhannoversche Triasplatte.
In der einleitenden geographischen Betrachtung des speziellen
Teiles wurde der mit Hilfe des Leinethales gemachten Unterabteilungen
der südhannoverschen Triasplatte schon gedacht ?), und wir schreiten hier

) Meyer, Harzführer 1902, S. 176.
Vgl. S. 38 der vorliegenden Arbeit.
        <pb n="69" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 67

ınmittelbar zur Betrachtung dieser Teile. Vorher jedoch sei auf das
ler. Arbeit beigegebene schematische Ostwest-Profil durch das Gesamtzebiet
 hingewiesen, das sowohl seine geologische Zusammensetzung
n großen Zügen, als auch seine Höhenverhältnisse wiedergiebt.

[. Allgemeine geographische Uebersicht.
a) Geographisches.
L. Das Bergland rechts der Leine, das Eichsfeld und das
westliche Harzvorland.

Die ausgedehnte Sandsteinbedeckung, die sich westlich und südwestlich
 unmittelbar an den Harz und den ihm vorgelagerten Zechsteinzürtel
 ansetzt, bildet das westliche Harzvorland und weiterhin nach
Südwesten das Eichsfeld, an das sich die dem Muschelkalk angehörigen
Bergzüge des rechten Leineufers anschließen.
Das Harzvorland dehnt sich zwischen dem westlichen Harzrand
ainerseits und den Rotenbergen sowie dem Rhumethal andererseits
bis zum Leinethal oberhalb Salzderhelden aus. Im Norden findet
Jurch zahlreiche triassische Ausläufer ein unmerklicher UVebergang
in das sogen. Ostfälische Hügelland statt. Eine scharfe Abgrenzung
ist. hier nicht möglich, so’daß wir die oben (Seite 7) besprochene
anthropogeographische Grenzlinie, die vom Harzrand über Seesen
und Gandersheim nach dem Leinethal und weiter zur Weser zieht,
ainführen mußten. Mit Ausnahme des in der Mitte gelegenen jurassischen
 Kahlenberges (371 m) bei Echte, entbehrt das ganze Harzvorland
 jeder charakteristischen Erhebung, die die durchschnittliche
Höhe von rund 320 m überschritte. Deutlich markierte Senkungen
bedingen lediglich die Thäler der Flüsse Söse und Aue.
Nach Südwesten, jenseits des südost-nordwestlich ziehenden Bunt-Sandsteinzuges
 der Rotenberge (265 m mittl. Höhe) und des Rhume-‘hales,
 erstreckt sich das von niedrigen Hügeln besetzte Terrain des
Kichsfeldes. Die Rhume, die den ihr sanft zugeneigten Südwesthang
Jer Rotenberge begleitet, ist seine bedeutendste Wasserader, und gleichzeitig
 der bedeutendste rechte Nebenfluß der oberen Leine. Sie entspringt
 oberhalb Rhumspringe, aus einem runden, 20 m Durchmesser
besitzenden Quellteiche!), und zwar bereits so stark, duß sie bei einer
Wasserlieferung von 4 cbm in der Sekunde?) schon nach 50 m für in-Justrielle
 Anlagen nutzbar gemacht werden kann. Ihre ständige -+7,5°
vetragende Wassertemperatur verhindert im Winter bis unterhalb Gieboldshausen
 das Zufrieren, was von besonderem Werte für die inlustriellen
 Anlagen an ihren Ufern ist°). Erwähnenswerte Nebenflüsse
jer Rhume auf ihrem Wege zur Leine sind von links die Eller und
Hahle, von rechts Oder und Söse.

‘) Beuermann, S. 29, nennt die Quelle eine der merkwürdigsten der Erde.
[hr Ursprung in solcher Stärke erklärt sich vielleicht so, daß hier Sickerwasser, die
sich in dem zerklüfteten und höhlenreichen Zechsteingürtel vor dem Harz sammel-‚en,
 ihren Weg ins Freie nehmen.
°) Erläuterung z. geolog. Spezialkarte, Bl. Duderstadt, Weser u. Ems I, S. 142.
. Beuermann, 8.23.
        <pb n="70" />
        m

E. Wagner,

Schreiten wir weiter in der Umgrenzung des Eichsfeldes, gelangen
wir nach Osten zu nunmehr zu dem Höhenrücken der Wasserscheide
zwischen Weser und Elbe, der sogen. Eichsfelder Grenzhöhe?). Sie
beginnt am Harz in der Gegend von Osterhagen und zieht von da aus
als flachgewölbter, nirgends über 350 m aufsteigender Höhenzug nach
Lüderode, durchweg aus Buntsandstein bestehend. Bei letztgenanntem
Ort bricht dieser an dem aus horizontalen Muschelkalkschichten gebildeten
 Ohmgebirge, das sich zu der beträchtlichen Höhe von 525 m
orhebt, plötzlich ab. Tiefe Erosionsthäler durchsetzen die Kalkmasse,
die an vielen Punkten mit über 100 m hohem Steilabfall aus dem umgebenden
 Hügelland aufragt. Schon von weitem kennzeichnet sich das
Öhmgebirge durch seine weißen vegetationslosen Felsmassen.
Die Umgrenzung des Gebirges gegen das Vorland fällt mit der
geologischen Grenze des Muschelkalkes gegen den Buntsandstein zusammen
 und bezeichnet sich ungefähr durch folgende Ortschaften: der
Steilabfall im Westen durch Brehme, Wehnde, Tastungen, Winzingerode
 und Stadt Worbis, der sanft abfallende Südhang durch das obere
Wipperthal. Nach Osten setzt sich die Erhebung durch tiefe von
Buntsandstein erfüllte Thaleinschnitte zerstückt bis in die Gegend von
Bleicherode fort. Die Wasserscheide, bei deren Verfolgung wir an das
Öhmgebirge gelangt waren, überschreitet es in seinem westlichen Teil
ınd verläuft dann südwärts über Stadt Worbis nach Leinefelde.
Nach Süden bildet die oberste ost-westlich gerichtete Leine auf
ihrem ganzen 25 km langen Laufe eine treffliche Grenze gegen das
gegenüberliegende Obere (thüringische) Eichsfeld. Ihm parallel von
dem ÖOhmgebirge durch einen deutlichen Thaleinschnitt, in dem Stadt
Worbis liegt, getrennt, erhebt sich die Buntsandsteingruppe der Roteberge,
sin bewaldeter allseitig sanft abfallender Zug, dessen höchste Höhe in
seinem südlichen Teil mit 431 m erreicht wird. Westwärts geht er
allmählich in eine andere Erhebungsreihe über, die weit niedriger
(350 m) nur nach dem Leinethal einen bemerkbaren Abfall erkennen
läßt, während er sich nordwärts ununterbrochen in die Hügel des Eichs-Feldes
 fortsetzt.
Die am westlichen Ende dieser Grenzketten bei Ahrenshausen beyinnende
 Grabenversenkung von Keupermassen gegen die beiden älteren
Etagen der Trias (vgl. das der Karte beigegebene Querprofil durch das
Leinethal)?) hat die Leine zu ihrer scharfen Wendung nach Norden
gezwungen, die sie fortan 50km weit bis unterhalb Salzderhelden
beibehält.
Am Leineknie zu Füßen des Rusteberges treffen die Grenzhöhen

‘) Guthe, S. 275.
?) Dieses Profil wurde ursprünglich von Dr. August Wolkenhauer in
Göttingen und mir im Maßstab 1:25000 auf Grund der geologischen Meßtischölätter
 unter freundlichster Unterstützung des Herrn Geheimen Bergrates Prof. Dr.
v. Koenen entworfen. Für den Zweck der vorliegenden Arbeit habe ich es auf
den Maßstab 1: 200000 reduziert und stark schematisiert. Um gleichzeitig eine
Uebersicht über die Höhenverhältnisse des Gebietes zu geben, habe ich die höchsten
Gipfel (die nicht in der Schnittlinie des Profils lagen) gewissermaßen perspektivisch
gesehen, an ihrem wahren Orte eingezeichnet (mit Ausnahme des Brockens, der
20 km nach Westen verschoben wurde).
        <pb n="71" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 69

auf einen Buntsandsteinzug, der sich südlich an den Göttinger Wald
anlegt. Dieser erreicht in den Beiden Gleichen und dem Bocksbühel
bei Schneen seine größten Erhebungen (430 m) und ist landschaftlich berühmt
 durch das tief eingeschnittene malerische Waldthal des Bremkeoaches,
 in dem die Häuser des Dorfes Reinhausen, des Zieles mannigfacher
 Ausflüge aus der Umgebung, mit den Hinterwänden in den
Felsen eingebaut sind. Jenseits des mit reichen Dörfern besetzten
lieblichen Gartethales schließt sich hieran die Muschelkalkmasse des
Göttinger Waldes.
Der Charakter dieser Erhebung, die sich von Klein-Lengden (südöstlich
 Göttingen) bis Holzerode (südöstlich Nörten) hinzieht, ist dem
les Ohmgebirges durchaus vergleichbar, In seinem größten Teil dicht
vewaldet , zeigen sich die davon freien Stellen sehr vegetationsarm.
Auch hier haben die Bäche und Nebenflüßchen der Leine tiefe, steilrandige
 Thäler in den Kalk gerissen, wodurch das Massiv in mehrere
Teile zerlegt wird. Von bedeutenderen Erhebungen sei nur der Bruck
bei Waake (420 m) und des Hünstollens bei Holzerode (423 m) gedacht.
Das Gebirge senkt sich nach dem Leinethal zu sanft ab, während nach
dem Eichsfeld zu, also im Norden und Nordosten, ein ausgesprochener
Steilhang sich zeigt, der nur an einer Stelle westlich Waake eine von
der Straße Gieboldehausen— Göttingen benutzte Eingangspforte aufweist.
 Zwischen dem Nordende des Göttinger Waldes und der bewaldeten
 Hügelkette der Sieben Wieter bei Northeim tritt der Buntsandstein
 des Eichsfeldes bis an die Leine heran und bildet hier die
Erhebungen des sogen. Nörtener Waldes. Jenseits desselben liegen
jann die Wieter, „die wie ein hohes Vorgebirge sich aus der Ebene
les Rhumethales erheben“ !).
Somit sind wir auf dem Wege um das Eichsfeld wieder bei dem
Ausgangspunkt der Mündung der Rhume in die Leine angelangt, und
es erübrigt nun noch des inneren (eigentlichen) Eichsfeldes selbst zu
gedenken. Die Zweiteilung, die das oberste Leinethal bewerkstelligt
ınd das Eichsfeld in ein thüringisches und hannoversches resp. oberes und
unteres zerlegt, ist schon erwähnt worden. Uns beschäftigt hier nur
der hannoversche Teil. Dies Gebiet unterscheidet sich von den umzrenzenden
 Höhen durch seinen mehr flachen Charakter (die wenigen
Erhebungen überschreiten 270 m nicht) und seine gänzliche Waldarmut.
Sein Name”), der wohl ursprünglich auf reiche Eichwaldbestände hinleutete,
 hat jetzt nur insofern noch Berechtigung, als unter den Bäumen
des Gebietes die Eiche thatsächlich vorherrschend ist. Die höchste
Erhebung der Hochebene befindet sich im Süden, während nach der
Rhume zu eine allmähliche Abflachung eintritt. Die Zahl der Wasseräufe,
 die das Eichsfeld durchziehen, ist nicht gering. Sie strömen fast
sämtlich der Rhume zu, und aus ihrer Zahl seien nur die Hahle und
Nuthe als die bedeutenderen genannt. Die Hahle nimmt von links den
Abfluß des merkwürdigen Seeburger Sees auf, der, in einer Senke gelegen,
 einen Durchmesser von etwa 3 km bei 10 m. Tiefe aufweist und

) Guthe, S. 388,
') Beuermann., S 98.
        <pb n="72" />
        70

E. Wagner,

mit seiner Umgebung eine der begünstigtsten und landschaftlich schönsten
Stellen des HEichsfeldes‘ bildet. Unter den wenigen Flüssen, die der
Leine aus diesem Gebiete direkt zuströmen, sei die Garte erwähnt,
jeren liebliches Thal vielfach aus der Umgebung besucht wird.

2. Das Leinethal.

Bevor wir uns der Beschreibung des Berglandes zwischen Leine und
Weser zuwenden, müssen wir noch einen Blick auf die zwischen beiden
liegende Grabenversenkung?) des Leinethales werfen. Wir werden also
den Fluß von seinem Knie bei Ahrenshausen?) nordwärts bis unterhalb
Salzderhelden (etwa in die Gegend bei Kreiensen) zu verfolgen haben,
wo er mit seinem Durchbruch durch die dem Hils vorgelagerten triassischen
 Massen seine Richtung und den Charakter seines '"Thales
ändert.
Auf der ganzen hier zu beschreibenden Länge ist das Thal mit
Keuperbildungen erfüllt, die meist von diluvialen und jüngeren Ablagerungen
 überdeckt sind und nur als unbedeutende Hügel (200 m) vor
den zu beiden Seiten das Thal flankierenden Muschelkalkzügen zu
Tage treten. Aber gerade diese Hügel, diese unruhige Oberfläche
des Thales deuten auf seine tektonische Entstehung hin, da eben die
Thalsohle hier nicht, wie in Erosionsthälern, eine Ebene bildet®). Die
Jiluviale Decke zieht sich besonders auf dem linken Ufer hoch an dem
ziemlich rasch ansteigenden Muschelkalkzuge hinauf, wo sie für die
Landwirtschaft von Bedeutung wird.
Die Breite des Thales ist ungleich. Seine breiteste Stelle befindet
sich südlich von Göttingen zwischen Rosdorf und Geismar mit ca. 4 km,
hierauf verengt sich das Thal unterhalb Nörten auf 1 km, um sich von
Sudheim ab bis nach Salzderhelden hin wieder annähernd auf die erstgenannte
 Breite zu erweitern.
Oberhalb Nörten schließt sich westwärts an das Leinethal ein ausgedehntes
 Gebiet, das von Keupermergeln erfüllt wird, die stellenweise
ebenfalls wieder durch eine diluviale Lehmdecke verhüllt sind: die
Keuperbucht von Moringen und Einbeck. Diese Bucht, nach
Westen und Norden von einer meist schmalen Muschelkalkzone umzogen,
grenzt sich nur durch einige etwa 250 m hohe Keuperhügel gegen das
Leinethal ab, während sie aber die Meereshöhe des Leinethales von rund
120 m um einige 30 m überragt. Die Orte Hevensen, Moringen und
Lutterbeck markieren den zwischen Weper und Ahlsburg gelegenen
unteren Teil, während die Einbecker Bucht, die von der Ilme durchströmt
 wird, sich zwischen Solling und Elfas einschiebt, in ihrer Aus-Jehnung
 veranschaulicht durch die Orte Iber, Mackensen, Lüthorst,
Kohnsen und Einbeck. Inmitten der Bucht wird der Keuper von einer
ausgedehnten Zone liassischer Ablagerungen überdeckt, durch die die
Iime ihren Weg nimmt.

1) Vgl. Weser und Ems etc. I, S. 145, wo eine eingehende geologische Beschreibung
 des Leinethales gegeben wird,
?) Vgl. S. 68 unten der vorliegenden Arbeit.
Weser und Kms ete. I 8. 145.
        <pb n="73" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 71

3. Das Bergland zwischen Weser und Leine.

Parallel den Hügelzügen des rechten Leineufers zieht sich eine
gleiche Erhebungsreihe am linken hin, nördlich Eichenberg beginnend
und unterhalb Fredelsloh (am Westrand der Moringer Bucht) endend.
Die Erhebung aus dem Leinethal geschieht nicht allzu steil bis zu einer
Höhe von 300 m, die nur südlich Dransfeld und dann wieder in der
kahlen Weper, dem nördlichen Ausläufer des Zuges, um einige 50 m
überschritten wird. Aber zahlreiche Basaltkuppen haben sich über dem
oigentlichen Erhebungsgebiet aufgetürmt, unter denen der Hohe Hagen
(508 m) mit seinem ehemaligen, schon vor 20 Jahren aufgegebenen
Braunkohlenbergbau, der Dassen- und OÖssenberg bei Güntersen (450m)
und die Bramburg nördlich Adelebsen (461 m) nennenswert sind. Geologisch
 gehört das Hügelland zwischen Weser und Leine dem Buntsandstein
 und dem Muschelkalk an.
Der Muschelkalkzug, der an seiner breitesten Stelle bei Dransfeld
9 km mißt, bildet den das Leinethal begleitenden Teil des Berglandes
zwischen Leine und Weser. Er stellt die Wasserscheide zwischen beiden
Flüssen bis in die Gegend von Hardegsen dar, wo er von der vom
Solling kommenden Espolde durchbrochen wird; hier geht er in die
schmale, kahl und unbewohnt daliegende Weper über, die sich allmählich
 ostwärts zur Bucht von Moringen abdacht. Ihr Ende erreicht
sie an dem dichtbewaldeten Buntsandsteinzug der Ahlsburg, die, südwestlich
 Northeim beginnend, die Nordwestseite der Einbecker Bucht
bis Wellersen begleitet. Ihre höchste Erhebung bei Fredelsloh beträgt
411 m, während sonst die Kammhöhe 300 m nicht überschreitet. Die
Nordostseite der Ahlsburg umzieht der schon bei der Einbecker Bucht
arwähnte Saum von Muschelkalk, dessen höchste Kuppen im Osten der
Iberg bei Iber (235 m) und im Westen der Grubenhagen bei Rothenkirchen
 (365 m) mit der gleichnamigen vielbesuchten Schloßruine sind.
Parallel diesem eben verfolgten Muschelkalkteil des Weserberglandes
 verläuft zwischen ihm und der Weser eine Reihe dicht bewaldeter
 Erhebungen, die dem Buntsandstein angehören und in ihrem
südlichen Teile ebenfalls von zahlreichen Basaltausbrüchen durchsetzt
sind. . Sie beginnen im Süden oberhalb Hedemünden an der Werra mit
einer Höhe von rund 320 m und gehen alsdann jenseits der Straßenund
 Eisenbahnlinie Münden—Dransfeld in den Bramwald (400 m) über,
der bis zum Thal der Schwülme an den Solling heranreicht!), Die
Grenzlinie der Muschelkalkzone des Berglandes zwischen Weser und
Leine gegen den Buntsandstein verläuft, allgemein skizziert, folgendermaßen:
 Kichenberg, in nach nordwestlichem konvexem Bogen nach
Hedemünden, Überscheden, Dransfeld, Adelebsen, Lödingsen, Hardegsen,
Trögen, Fredelsloh. Das Weserthal, das später im Zusammenhang zu
betrachten sein wird, giebt eine äußerliche Grenze ab zwischen den
betrachteten Buntsandsteinzügen des Bramwaldes und seiner nördlichen

') Der Name „Bramwald“ begreift eigentlich nur die Erhebung von der genannten
 Verkehrslinie bis zur Nieme (im Norden) in sich, seine nördl. Fortsetzung
bis zum Schwülmethal am Solling ist namenlos.
        <pb n="74" />
        79

E. Wagner,

Fortsetzung und dem der gleichen Formation angehörigen Reinhards-Wald
 auf dem linken Ufer der Weser. Dem Fluß wurde hier durch
ajne Verwerfungsspalte der erste Weg gewiesen, auf dem er fort-Aießend
 sein Bett immer tiefer in die Sandsteinmassen einschnitt, so
daß heute sein Spiegel stellenweise 230 m unter den ihn begleitenden
Höhen liegt*).
Die weitaus bedeutendste Bodenerhebung der Weserberge, wie
der gesamten Triasplatte überhaupt, stellt die gewaltige, kaum gegliederte
 Sandsteinmasse des Sollinger Waldgebirges dar, Es zwingt
durch sein Vordringen nach Westen die Weser zu einem mächtigen
Bogen, der seinen Fuß von Bodenfelde bis Holzminden umzieht. Die
Grundfläche des Gebirges stellt annähernd einen Kreis von 3 km Durchmesser
 dar. Die höchste Erhebung liegt fast über dem Mittelpunkt
dieses Kreises, der Moosberg (513 m), zu dessen flachgewölbtem Gipfel
sich das Gebirge gleichmäßig wie ein Kegelmantel hinanzieht.
So deutlich der Westrand des Solling sich durch das Weserthal
markiert, so wenig scharf treten zunächst Südost- und Nordostrand
hervor. Im Süden begleitet die Grenze den Lauf der Schwülme aufwärts
 bis Hettensen, um von genanntem Orte ab zum Oberlauf der
Espolde hinüberzuspringen. Weiter verläuft sie auf der Linie zwischen
Buntsandstein- und Muschelkalkformation durch Hardegsen, Ussinghausen
 und Fredelsloh. Darauf trennt das Diessethal bis Lauenberg
den Zug der Ahlsburg vom Solling ab, und die Grenze zieht über Hilwartshausen
 nach dem Ilmethal (Dassel) und später das Spüligthal hinauf
 bis Merxhausen. Weiterhin wenden wir uns über Linnenkamp nach
Stadtoldendorf und erreichen, dem Thal des Forstbaches folgend, wieder
lie Weser.
Das Innere des Solling zeigt, entsprechend der ihn zusammenzetzenden
 Buntsandsteinzone (Mittlerer Buntsandstein) vielfach weite Hochflächen,
 die von saftigen, aber infolge der starken Verwitterung des Untergrundes
 meist sumpfigen und moorigen Bergwiesen (Mecklenbruch bei
Silberborn) bedeckt sind. Sonst prägt sich überall der Charakter eines
Waldgebirges aus, dessen bedeutendstes der Solling ja auch nächst
dem Harz im nordwestlichen Deutschland ist. Von letzterem unterscheidet
 er sich durch das Vorherrschen der Laubwaldbedeckung, zumeist
 Buchen und Eichen, und nur in den höheren Regionen des
Moosberges treten Nadelwaldungen auf. Der Mangel an größeren
Thalbildungen läßt im Verein mit dem dichten Waldbestand das Gebirgsinnere
 fast unbewohnt”) bleiben. Die radial meist vom Moosberge
ausgehenden nach den Seiten verlaufenden Querthäler sind viel zu eng,
um die Entfaltung von Ansiedelungen zu gestatten, während sich Einzelsiedelungen
 (Forsthäuser, Gehöfte) in größerer Zahl über das Gebirge
zerstreut finden. Die wenigen Thalsiedelungen des Solling sind Nienover

1) Nach den auf der topograph. Karte (1:100000), Bl. 334 eingetragenen
Zahlen.
2) Wie bereits oben, S. 16 Anm. 3, erwähnt wurde, kommt dem Inneren
jes Solling eine Dichte von 1,1 Bewohnern auf 1 akm zu, worin er dem OÖberharz
mit 1.4 Bewohnern auf 1 akm nahezu gleichkommt.
        <pb n="75" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 73

nit der Glashütte Amelith, Schönhagen, Kammerborn und Sohlingen im
Ahlethal, Delliehausen, Volpriehausen, Schlarpe, Gierswalde, Sievershausen,
 Hellenthal und Fohlenplacken, während man Silberborn und
Neuhaus als Plateausiedelungen ansehen kann. Diejenigen Ortschaften
aber, die zu einiger Bedeutung gelangt sind, liegen sämtlich am Rande
des Gebirges, was einigermaßen von den Harzer Verhältnissen abweicht,
wo in Verbindung mit den Bodenschätzen auch Gebirgssiedelungen zu
großer Entfaltung gelangen konnten. Ohne diese aber würden sich
sicher auch für den Harz die gleichen T’hatsachen wie hier feststellen
lassen, was seiner Zeit ja auch hervorgehoben wurde.
Kurze Erwähnung mögen noch die jenseits des Forstbaches befindlichen
 Erhebungen des Vogler und Elfas finden, die die Abgrenzung
der triassischen Weserberge gegen die der Jura- und Kreideformation
angehörenden Kohlengebirge Hannovers bilden.

4, Das Weserthal
(von Münden bis Bodenwerder).

Es bleibt noch eine zusammenhängende Betrachtung des Werraund
 Weserthales übrig. Das Thal dieses Flusses ist bis in die Gegend
von Bodenwerder eine sehr enge Spalte, die in die südhannoversche
Triasplatte hineingerissen ist. Erst unterhalb des genannten Ortes erweitert
 sich das Thal, um bei Hameln eine Breite von nahezu 3 km
zu erreichen, Für die Betrachtung zerlegen wir es in vier Abschnitte !).
1. Das Werrathal?) von Witzenhausen bis Münden: der Fluß
strömt in engem Bett zwischen den Buntsandsteinmassen des Kaufunger
Waldes und südlichen Ausläufern des Bramwaldes dahin. Unterhalb
Hedemünden verengt sich das Thal derart, daß sich auf der 4,5 km
langen Strecke von Laubach bis Münden keine Ansiedelung findet. Von
seiner Vereinigungsstelle mit der Fulda, wo die Stadt Münden entstand,
führt der nun doppelt so breite Fluß den Namen Weser.
2, Von Münden bis Karlshafen: Der Fluß ist fortan im stande, der
größeren Schiffahrt zu dienen, wenngleich das Thal hier so eng wird, daß
es vielfach nicht breiter als der Flußspiegel ist, und für Landstraßen
arst durch umfangreiche Sprengungen Platz geschaffen werden mußte®).
Sogenannte Stromspaltungen früherer Zeit, die heute durch Sperrdämme
 verbaut und teilweise verlandet sind, finden sich gerade in diesem
Teil des Thales, besonders bei Bursfelde, Gieselwerder und Karlshafen %).
Auf seiner ganzen Erstreckung bewahrt dieser Thalabschnitt denselben
Charakter. Stellenweise liegt der Wasserspiegel gegen 230 m unter
den das Ufer begleitenden Buntsandsteinhöhen des Reinhards- und
Bramwaldes, Die Besiedelung ist in diesem Teile eine äußerst geringe,
was naturgemäß durch die Schmalheit des Spaltenthales bedingt wird.

!) Guthe, 8. 396.
?) Der Name Werra ist nur eine andere Form des Wortes Weser aus der
ärundform Wisaraha = Westfluß. Weser und Ems III, S. 3:
3) Beuermann, 5. 37.
Y Weser und Ems II. S. 18.
        <pb n="76" />
        74

E. Wagner,

Nur da, wo Nebenflüsse münden, und sich das Thal dadurch erweitert,
wird Raum für größere Orte geschaffen, so Bodenfelde a. d. Schwülme
and Karlshafen an der aus Westfalen kommenden Diemel.
3. Von Karlshafen bis zur Forstbachmündung: Der Charakter des
Thales wechselt. Das rechte Ufer mit dem Solling tritt zwar noch
licht an den Fluß heran, aber der Steilabfall des linken westfälischen
Muschelkalkplateaus weicht zurück, so daß sich das Thal zu 1,5 km
Breite erweitern kann. Charakteristisch für das linke, flache Ufer sind
eine große Zahl von Hochwasserrinnen, die etwas unterhalb Korvey ihren
Anfang nehmen?!). Von Karlshafen bis weit unterhalb Holzminden fließt
der Fluß auf der Grenze zwischen Buntsandstein und Muschelkalk. Aus
den mehrfachen kesselförmigen Erweiterungen, die das Thal bilden,
läßt sich auf wiederholte Anstauungen und Durchbrüche der Weser in
der alten Verwerfungsspalte schließen. Außerdem zeigen sich noch
heute viele Spuren von Unterwaschungen und Felsrutschungen an dem
linken Kalkufer?), das nur zwischen Herstelle und Beverungen noch
licht an die Weser herantritt, was bis ins 19. Jahrhundert eine Unterbrechung
 der Fahrstraße und einen Fährenverkehr zur Umfahrung bis
Beverungen zur Folge hatte®. Die linken Nebenflüsse Bever und Nethe
tragen durch ihre Thalausgänge wesentlich zur Verbreiterung des
Weserthales bei. Das Stück des letzteren von der Nethemündung,
des größten Flusses des östlichen Westfalen, bis nach Holzminden mag
einen Stausee gebildet haben, ehe sich die Wasser den Abfluß verschafften.
 In der Mitte des alten Seebeckens liegt heute die Stadt
Höxter mit dem Zentrum der Verbreitung christlichen Glaubens und
Kultur in Sachsen unter Karl dem Großen, dem ehemaligen Kloster
Korvey.
4. Von der Mündung des Forstbaches bis Bodenwerder: Etwa
7 km unterhalb Holzminden verengt sich das Thal von neuem. Das
Verwerfungsthal verwandelt sich hier in ein Durchbruchsthal, das sich
die Weser gegen 30 km lang und oft 200 m tief in die von Westfalen
herüberreichende Muschelkalkplatte gegraben hat. Es ist ein enges
steilwandiges Thal, das alten Spalten der Kalkmasse folgt und daher
vielfache Windungen aufweist, die an den ersten Abschnitt von Münden
bis Karlshafen erinnern. Die engste und bei dem häufigen niederen
Wasserstande wegen der Felsenriffe für die Schiffahrt nicht ungefährliche
 Stelle findet sich zwischen Grave und Rüste. Hier ist auch erst
in jüngster Zeit durch Sprengung Raum für die Straße geschaffen
worden, die ehedem auf den begleitenden Höhen hinführte*). Nur
unbedeutende Nebenflüßchen ergießen in diesem Thalabschnitt ihr Wasser
in die Weser, Unterhalb Hajen erweitert sich beim Austritt aus dem
Muschelkalk das Thal rasch und der Fluß nimmt den Charakter eines
Tieflandstromes an, den er nur noch einmal an der Porta Westfalica
abstreifen soll.

X

Weser und Ems III, S. 15.
Guthe, $. 413.
Ebenda.
Guthe, S. 419.
        <pb n="77" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 75

b) Klimatisches,

Das Klima Südhannovers wird von zwei Faktoren beeinflußt.
Einmal von dem Meer, das seine Einwirkung „wie jede Quelle größeren
Wassergasreichtums der Luft nicht nur auf die ihm selbst zugehörigen
Luftmassen beschränkt, sondern durch Vermittlung von Luftströmungen
in die Ferne, auf die weitere Umgebung zu wirken vermag‘).“‘ Wenn
sich nun aus langjährigen Beobachtungen ein ausgesprochenes Vorherrschen
 westlicher Winde für Zentraleuropa®) ergiebt, die speziell für
Hannover und Braunschweig nur zeitweise von einer Südostströmung
abgelöst werden?), so kann nur die Nordsee als die unser Gebiet benflussende
 Wassergasquelle gelten.
Auf der andern Seite stehen dem Meere vielfach entgegenwirkend
die Bodenerhebungen, deren Einfluß jedoch im Gegensatz zu ersterem
em „streng örtliches Gepräge“*) trägt. Das Entgegenwirken gegen die
vom Meere herkommenden feuchten Luftströme besteht in deren Abfangen,
 so daß die abgekehrte Leeseite vielfach einen erheblich trockneren
Charakter erhält als die Luvseite samt ihrem Vorland. Am stärksten
macht sich in diesem Sinn der Einfluß des Harzes geltend bis weit in
sein westliches Vorland hinein, erst nach ihm in schwächerer Weise der
des Sollinger Waldgebirges. Neben der Beeinflussung der Niederschlagsverhältnisse
 wirken die höheren Erhebungen noch durch die
periodischen Tag- und Nachtwinde auf das Vorland, deren Wesen wir
ben beim Harzer Klima besprachen (S. 48).
In dieser Beziehung untersteht das südhannoversche Gebiet hauptsächlich
 dem Einfluß des Oberharzes, und zwar um so mehr, je mehr die
betreffenden Bezirke sich dem Gebirge nähern. Eine zunehmende
Herabdrückung der Temperaturen, sowie eine Steigerung der Regenhöhen
 bringen dies zum Ausdruck®), Diese ausgesprochene Einflußsphäre
 des Öberharzes erstreckt sich auf sein westliches Vorland bis an
die Rotenberge im Südosten und die Gegend von Gandersheim im
Westen, um sich über diese Linie hinaus abzuschwächen oder mit der
von Westen herüberkommenden Einwirkung der Weserberge, insbesondere
 des höchsten derselben, des Solling, zu vermischen. Jedenfalls
aber ist die Nähe der Gebirge im ganzen südlichen Hannover an der
Erscheinung der kalten, von den Bodenerhebungen herabwehenden Winde
zu erkennen, was vorzüglich in den Thälern der Wasserläufe fühlbar
wird®). Auf diese Weise werden die günstigeren klimatischen Bedingungen
 des Weser- und Leinethales, infolge ihrer nach Süden gegen
warme Luftströme geöffneten Lage und des nördlichen Windschutzes

Assmann, 8. 316.
Assmann, S. 337; Weser und Ems IT, S, 116.
Assmann, a. a. 0.
Ebenda, S. 316.
— Vgl. Hellmann, Regenk. d. Prov. Hannover 1902. Ebenso die Regenk.
Moldenhauers. Letzterer beklagt (S. 328) ebenso, wie das Weser und Emswerk
(I, S. 23) das Fehlen zahlreicherer Stationen im südhannov. Gebiet, um einen genauen
 Nachweis der stärkeren Wasserdampfkondensation im westlichen Harzvorland
zu liefern.
8) Assmann, S. 8358.
        <pb n="78" />
        ’6

E. Wagner,

von seiten des Solling und Harzes einigermaßen wieder herabgemindert!).
erade im Leinethal, das den Einflüssen beider Gebirge ausgesetzt ist,
erreichen die Temperaturschwankungen oft eine beträchtliche Höhe. So
wurden hier im Sommer mittlere Monatsmaxima von 25° beobachtet,
denen Januarmittel von —24° gegenüberstanden ?).
Eine genaue Charakterisierung und zahlenmäßige Belegung des
Klimas der südhannoverschen Triasplatte wird nun leider wieder zur
Unmöglichkeit aus Mangel zahlreichen Beobachtungsmaterials, so daß
wir für den Hauptteil des Gebietes auf Vermutungen und vergleichende
Schlüsse angewiesen sind. Immerhin vermag über die Temperaturverhältnisse
 die folgende Zusammenstellung einigermaßen zu orientieren.

Gebietsteil

Eichsfeld
Heiligenstadt?)

Leinethal
+öttingen‘) .

Gebietsteil

Eichsfeld
Heiligenstadt.

Leinethal
3öttingen. .

Höhe

Winter
Dez. | Jan. | Fehr.

Mittel!

Frühline art 1
März ı Mai © 1

769

0.83

u) SE

ü

1.2

2,5

7.9

11.5

7.1

150 | 0,4 —0.1 | 0,8 | 03 | 8,0 | 7.7 | 122 | 76

Somme-:

Juni

Juli

Aug.

Mittel

Aderbst
Zept. | Oktbr.Novbhr.

Mittel

Jahresmittel


[6.2

17 1

16.2

16.5

19 R

vi

»q

3.1

3.0

16.0 | 17.4 | 166 | 16.6

134 | 87 | 34 1 85 I 83

Aehnliche Verhältnisse, wie die hier gegebenen, können für das
Gesamtgebiet des südlichen Hannover angenommen werden, wobei
ainzig die bedeutenderen Bodenerhebungen auszunehmen sind. Sie
weisen wenigstens in ihren höheren Regionen ähnliche Erscheinungen wie
das Harzgebirge auf, ohne naturgemäß dessen klimatische Rauheit zu
erreichen. So tritt auch für den Solling eine Verzögerung in der Bestellung
 der Ackerfelder um 14 Tage gegen das Vorland ein, und der
frühe Eintritt des Winters macht nur zu oft eine Bearbeitung des Sommerfeldes
 im Herbst unmöglich ©). Hierin liegt der Wert dieser Betrachsungen
 für unseren Zweck, die direkte Beeinflussung der Landwirtschaft
und damit der Volksdichte durch die klimatischen Faktoren.

‘') Assmann, 8. 379.
‘) Weser und Ems I, 8.50 f., Assmann, 8. 379.
) Meitzen V, S. 328 (1857—90).
') Weser u, Ems, Tabellenband, S, 25. Die Zahlen gewonnen aus Beobach-‚ungen
 von 1851—90.
5) Meitzen V, 8. 8395.
        <pb n="79" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 77

Weit stärker als auf die Temperaturen wirken die Gebirge auf
lie Niederschlagsverhältnisse ein. Denn die Bodenerhebungen stellen
nicht nur selbst Gebiete größeren Niederschlagsreichtums mit dem bereits
 erwähnten Unterschied von Luv- und Leeseite dar, sondern steigern
 an ihrer Luvseite schon die Regenhöhe des Vorlandes in beträchtlicher
 Entfernung von ihrem Fuße).
In diesem Sinne lassen sich im südlichen Hannover zwei große
Einflußsphären unterscheiden: die des Harzes und die des Solling.
Erstere gelangt in den Niederschlagsverhältnissen des Eichsfeldes zum
Ausdruck. Wir haben hier an der Luvseite des Harzes ein großes
Gebiet von 700 mm jährlicher Regenhöhe, das fast bis an das Rhumethal
 heranreicht. Dazu trägt der Harz insofern bei, als die Luftmassen
sich schon in einiger Entfernung von seinem Fuß anstauen und die
nachkommenden dadurch zum Aufsteigen und zum Niederschlagen ihres
Wasserdampfes gezwungen werden“). Einen ähnlichen, nur örtlich
beschränkteren Einfluß üben sicher das Ohmgebirge, sowie die westlichen
 Grenzhöhen des Eichsfeldes aus, wobei wir jedoch mangels einzelner
 Beobachtungen auf Schätzungswerte angewiesen sind ®).
Zwischen dem Eichsfeld und den ähnlichen Niederschlagsverhältnissen
 unterworfenen Bergzügen des rechten Weserufers tritt im Leine-‘hal,
 das sonst 6—700 mm jährliche Niederschläge aufweist, was dem
Niederschlagsmittel für das südhannoversche Hügelland entspricht *),
stwa von Göttingen bis Salzderhelden ein schmaler Streifen größerer
Trockenheit auf”), der durch die für Göttingen veröffentlichten Zahlen
repräsentiert wird ©).

Gebietsteil

+
=
C
nf

m

=

m'mm mm |Imm

mm

mm

| | = hi
m RS | Se
&amp;gt; I

mm mm '!mm mm

mm mm Imm

Göttingen , 1150145 | 33 | 34 | 41] 33 | 41 | 60 | 71 | 62 | 29 | 45 | 46 | 550
(1R57— 090) :

Für das Gesamtgebiet Südhannovers gestalten sich die Niederschlagsverhältnisse
 so, daß das Maximum auf den Sommer entfällt,
während das Minimum in den ersten Frühjahrsmonaten liegt’). Je
höher man indessen an den Bodenerhebungen hinaufsteigt, desto mehr
verschieben sich die Verhältnisse, bis in den höheren Gebirgslagen des
Solling, genau wie es oben für den Ohberharz zu konstatieren war, ein
allmähliches Vorherrschen der Winterregen bemerkbar wird °).
3 Assmann, 8.378. Die Regenk. Heilmanns Prov. Hannover läßt dies
deutlich hervortreten.
% Hellmann, Regenk. Hannover, S. 15; Assmann, S. 273; Schulz, S. 25.
3) Hellmann, S. 14. „Zu diesem Nachweis würde die dreifache Zahl von
Regenstationen nötig sein“; Moldenhauer, 8. 327.
4 Hellmann, S. 15; vgl. s. Regenk. Hannovers,
5) Ebenda, 58. 14.
“ Weser u. Ems, Tabellenband, 8. 37.
Hellmann, Regenk. Prov. Hannover, S. 20.
Fbenda.
        <pb n="80" />
        1Öö

E, Wagner,

Aehnlich dem Leinethal bildet auch das der Weser eine langgestreckte
Trockeninsel mit weniger als 650 mm mittlerer Regenhöhe*). Hierbei
kommt der Regenschutz des Reinhards- Waldes, sowie der Höhenzüge
am linken Weserufer für das an ihrer Leeseite gelegene Flußthal zum
Ausdruck ?),
Sonst aber gehören die zwischen den beiden Flußthälern befindlichen
 Höhen, wie schon gesagt, einem Gebiet von 700 mm jährlicher
Regenhöhe an, während die ‚geschlossene Masse des Solling, ganz wie
der Harz, inmitten ihrer Umgebung ein Gebiet größerer Niederschläge
bildet. Nach Messungen vom Schießhaus (oberhalb Schorborn) kommen
ihm über 850 mm jährlich zu®), worauf neben seiner Höhe die ausgedehnte
 Waldbedeckung einen wesentlichen Einfluß übt.
Ganz ähnlich aber wie beim Harz ist auch für den Solling und
zein Vorland eine niederschlagsärmere Ostseite mit 635 mm jährlichen
Niederschlägen und eine feuchtere Westseite mit 715 mm nachgewiesen
worden 4)

II. Landwirtschaftliche Verhältnisse.
L. Art und Güte des Ackerbodens®).

Ein Gebiet, das Ablagerungen der drei Unterabteilungen der Trias
neben vereinzelten Vorkommnissen noch jüngerer Formationen innerhalb
 seiner Grenzen aufweist, muß hinsichtlich der Art und Güte seines
Ackerbodens große Verschiedenheiten aufweisen. In Bezug auf die
Bodenverhältnisse am günstigsten sind die Thäler gestellt®), die in
großer Anzahl die verschiedenen Teile des Gebietes durchfurchen und
mit ihrem Diluvial- und Alluvialboden landwirtschaftlich gut veranlagt
sind. Ihre vielfach enge Gestaltung zwingt dazu, die Wiesen im
Grunde, die Aecker an den Abhängen anzulegen, wenn auch deren
Bewirtschaftung dadurch oft sehr erschwert wird und die Gefahr der
Abschwemmung der Ackerkrume entsteht ”).
So sind es auch zunächst die Thäler, die inmitten der weiten
Buntsandsteingebiete des Eichsfeldes, sowie der Weserberge, die Oasen
intensiverer und lohnenderer Bebauung darstellen. Ihrem Ackerboden
ıahe an natürlicher interner Begabung steht der thonig-mergelige,
milde Keuperboden, der vorzüglich in der Bucht von Moringen und
Einbeck vielfach in Verbindung mit einer diluvialen Lehmdecke aufiritt.
 Infolge der Weichheit des zusammensetzenden Gesteines — mit
Ausnahme der zu harten Brocken verwitternden Steinmergelbänke des
!) Moldenhauer, S. 366; Weser u. Ems I, S. 69.
3 Hellmann, Regenk. Prov. Hannover, S. 14.
3) Weser u. Eıns I, S. 67; Hellmannn, Regenk. Hannov,, S 15; Meitzen V,
5. 223.
4) Weser u. Ems I, 8. 68.
5) Die in diesem Abschnitt gemachten Bemerkungen über die verschiedenen
Bodenarten verdanke ich zum größten Teil den Ausführungen meines hochverehrten
 Lehrers, Herrn Geheimen Bergrates Prof, Dr. A. v. Koenen, die er auf
Sxkursionen durch das Gebiet sowie in seinem Kolleg über Geologie gab.
5) Weser u. Ems I, S. 215.
X Ebenda.,
        <pb n="81" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 79

mittleren und der festeren Geländekanten bildenden Sandsteine des
oberen Keupers — verwittert er zu einer tiefgründigen, bauwürdigen
Krume, die bei der geringen Neigung der Schichten keiner Abschwemmungsgefahr
 durch das Wasser ausgesetzt ist. Ein Nachteil dieser
Bodenart besteht allerdings in ihrer Undurchlässigkeit,. was in. den
Niederungen besonders unangenehm empfunden wird. Fast alle kleineren
 zumeist vereinzelt stehenden Erhebungen, die die beiden Ufer der
Leine vor den Muschelkalkzügen begleiten, gehören dieser Formation
an. Der Buntsandstein, ein Konglomerat von mehr oder minder zusammengekitteten
 verschieden großen Quarzkrumen, liefert, je nachdem
2r kieselige oder thonige Bindemittel enthält, eine verschiedenwertige
Ackerkrume !), Als ungünstig muß erstere Zusammensetzung bezeichnet
werden, da der Mangel an mineralischen Pflanzennährstoffen es dem
Landmann unmöglich macht, ohne sehr reichlichen Zusatz von Mergel ?),
aus dem Sandboden einigermaßen lohnende Erträge zu ziehen. Das
schnelle Versickern aller Niederschläge und das ebenso rasche Ausdörren
 bei Besonnung bilden einen weiteren Uebelstand, wozu auf etwas
geneigter Fläche noch infolge der Lockerheit des Bodens eine leichte
Abschwemmung durch das Wasser kommt. Zur Aufforstung ist indessen
 dieser Sandboden besser zu gebrauchen und vermag stellenweise
guten Nadelwald zu tragen *®). (iroße Gebiete des Eichsfeldes und des
Solling müssen hierher gerechnet werden.
Günstiger für landwirtschaftliche Zwecke ist der thonhaltige
Buntsandsteinboden *). Mit der leichten Bearbeitbarkeit des Sandbodens
 verbindet sich hier ein wenigstens einigermaßen genügender
Gehalt an Pflanzennährstoffen. Bei ausreichender Düngung und mittelgroßer
 Feuchtigkeit lassen sich hier besonders auf schwach geneigten
und ebenen Flächen, wo ein Fortführen der Verwitterungskrume durch
das Wasser verhütet wird, zufriedenstellende Ergebnisse erzielen. Korn,
Hafer, Buchweizen und Kartoffeln lassen sich mit Erfolg anbauen 9).
In Gegenden aber, wo die Lagerungsverhältnisse ungünstig sind, wie
im Gebiet zwischen Rhume und Eller mit seinen zahlreichen und tiefen
Wasserrissen, wird die Landwirtschaft trotz des guten Bodens zu einer
sehr kostspieligen. Die fortgesetzte Abschwemmung macht stets erneute
 Düngung nötig. Daneben ergiebt hier die ungünstige Beein-Aussung
 des Klimas durch den nahen Harz einen Faktor, der auch den
dortigen Buntsandsteinboden viel mehr zur Wald- als zur Ackerkultur
zeeignet erscheinen läßt ®).
Außerdem finden sich aber Distrikte, wo der Sandboden mehr
ınd mehr einer lettigen Ausbildung Platz gemacht hat, wie es insoesondere
 bei der Verwitterung der oberen Horizonte dieser Formation,
les Röt, geschieht. Hier gestalten sich dann die Verhältnisse wieder
weniger günstig. Die starke Undurchlässigkeit macht den Boden feucht

Küster, Die deutschen Buntsandsteingebiete etc, 1891, S. 247.
Weser u. Ems IV, 8. 84.
Weser u. Ems I, 8. 143.
Zbenda,
Küster, S. 249.
Täsemacher, Die Volksd. d. Thür. Triasmulde 1892. 8. 201.
        <pb n="82" />
        30

E. Wagner,

und kalt, während längere Hitze ihn völlig ausdörrt und mit zahlreichen
 tiefen Rissen bersten läßt. ?).
Da, wo sich aber beide Bodenarten verbinden, der thonig-sandige
und der Lettenboden, ergiebt sich ein recht fruchtbares Produkt, dem
die Goldene Aue, sowie auch die sogen. Goldene Mark (Umgebung von
Duderstadt, 16) ihren Ruf und ihre dichte Besiedelung verdanken.
Aehnliche Verhältnisse finden sich an dem Abhang des Eichsfeldes zum
obersten Leinethal (18, 19) und in manchen seiner inneren Gebiete
wieder (16b), was zumeist die Dichtekarte hervortreten läßt. Ueberall
wird der Boden in dieser Ausbildung bei entsprechender Düngung selbst
für anspruchsvollere Kulturen geeignet, wie sie Weizen, Zuckerrüben
and Kleearten darstellen, und viele Teile vermögen auf ihm eine rentable
 Obst- vorzüglich Kirschenzucht zu betreiben ?).
Angesichts dieser mehrfach hervorgehobenen, gar nicht so ungünstigen
 Bodenverhältnisse des Eichsfeldes muß dessen thatsächliche
Armut einigermaßen ın Erstaunen setzen. Es beruht aber auch die
Dürftigkeit seiner Bewohner nicht auf einer übergroßen Armut des
Bodens, sondern hauptsächlich auf dem hier geübten Vererbungsgebrauch ®),
der eine stetig fortschreitende Zerteilung der Güter zur Folge hat, bis
diese schließlich zu einer Ernährung des Besitzers nicht mehr im stande
sind *) und diese auf Erwerb als Tagelöhner und Maurer außerhalb der
angeren Heimat bis nach Westfalen und Sachsen hinein treiben ?). Daß
unter diesen Verhältnissen des Klein- und Zwergbetriebes der Landbau
 trotz brauchbaren Bodens wenig ertragsreich sein muß, ist einleuchtend,
 Deshalb hat man in den letzten 20 Jahren durch Verkoppelung
 der schmalen Flurstreifen schon vielfach bessernd von staatswegen
 eingegriffen °).
Fassen wir nun nochmals das über den Buntsandsteinboden Gesagte
 kurz zusammen, so müssen wir uns vergegenwärtigen, daß vom
sterilen Sandboden bis zum schweren, fruchtbaren, lehmartigen Boden
alle Uebergänge und Bodenklassen vorkommen, daß aber die weniger
yünstigen Ausbildungen bei weitem vorherrschen. Dadurch wird der
Buntsandstein zu einem vorwiegend für Waldwirtschaft zu benutzenden
Gebiet gemacht, wie es ja auch die im Gebiet des südhannoverschen
Buntsandsteins vorhandenen ausgedehnten Forsten (Solling) beweisen.
Daß auch das Eichsfeld ehemals eine dichte Walddecke gehabt hat,
beweisen die zumeist aus dem 10. Jahrhundert stammenden zahlreichen
Siedelungen auf —rode ®). Die Aussicht auf (ihrer Meinung nach) lohnenden
 Ackerbau mag hier die Bewohner zum Niederlegen der Wälder
veranlaßt haben,
Regional weit weniger ausgedehnt tritt in unserem Gebiet der
Muschelkalk auf. Wie wir sahen. begleiten das Leinethal zu beiden

‘) Küster, S. 249; Weser u. Ems I, 8. 143.
?) Küster, S. 250; Weser u. Ems I, S. 216.
3 Beuermann, S. 80.
*) Fast die Hälfte der eichsfeldischen Ackerfelder ist in Händen von Be
aitzern, die weniger als 1 ha in Besitz haben.
&amp;gt;) Vgl. auch v. d. Goltz, Vorlesungen über Agrarpolitik 1899, S. 89 f.
X Guthe S 9860.
        <pb n="83" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 81

Seiten Muschelkalkerhebungen; das Ohmgebirge und die Umrandung
ler Bucht von Einbeck sind weitere Vorkommnisse dieser geologischen
Etage. Die Dichtekarte giebt Auskunft über den landwirtschaftlichen
Wert dieser Gebiete. Selbst da, wo das benachbarte Leinethal gute
Verkehrsverhältnisse bietet, vermag sıch die Dichte der Bevölkerung
nicht über 50— 60 auf dem armen Muschelkalkboden zu erheben (34,
37, 38, 46). Wir werden gelegentlich der Betrachtung der Bodennutzung
 hierauf näher eingehen,
Infolge der vorherrschenden Festigkeit der Gesteinszusammensetzung
 leistet der Muschelkalk bis auf wenige thonige Schichten den
zerstörenden Kräften erfolgreichen Widerstand, und ım Gegensatz zu
den sanft gerundeten Formen des Buntsandsteins zeichnen ihn eckige
Kämme und Steilabfälle aus. Fast nirgends bieten infolge der erwähnten
 Gesteinsbildung seine Felder eine genügend tiefe Ackerkrume,
Frost und atmosphärische Niederschläge haben nur spitze, scharfe Gesteinstrümmer
 erzeugen können. Außerdem begünstigt die meist starke
Neigung seiner Schichten die Abschwemmung des wenigen gebildeten
Humus, und so kennzeichnen denn die hierher gehörigen Gebiete schon
von weitem vegetationsarme Hänge, die nur zu Schafhuten!) verwendbar
sind. Soweit diese Gebiete bewohnt sind, zeichnen sie sich durch
geringe Dichte aus, die sich wenig über 50 Bewohner auf 1qgkm erhebt
 (Weper 38, 53). Vielfach kommt hiezu noch ein ausgesprochener
Wassermangel, der eine hochgradige Dürre und Trockenheit des Bodens
arzeugt. Bei günstiger Lagerung bildet sich zwar — besonders im
mittleren und in den obersten Schichten des oberen Muschelkalkes —
eine Bodenkrume, die jedoch meist dürftig bleibt, und nur bei intensiver
 Bearbeitung Erträge liefert, wie im Göttinger Wald bei Nikolausberg
ind Herberhausen (26). Am fühlbarsten für die Landwirte wird die
Ungunst des Muschelkalkbodens trotz etwaiger genügender Körnerausbeute
 in dem geringen Strohertrag, der knapp zur Fütterung des
Viehes ausreicht und zur Verwendung als Streu nichts übrig läßt ®).
Hierdurch wird aber wiederum ein Mangel an guten Strohdungstoffen
erzeugt, der die mit Ertragsaussichten verbundene Bewirtschaftung der
Muschelkalkfelder zu einer recht kostspieligen macht.
Dasselbe wie vom Ackerbau gilt auch von der Wiesenwirtschaft.
Letztere ist zumeist auf die Thalböden und den Fuß der Höhenzüge
angewiesen, wo die Wiesen durch die dort hervorbrechenden Quellen
erheblich durch Nässe und Verschlammung geschädigt werden ®). Im
ganzen Gebiet tritt deshalb, wie wir noch sehen werden, auf dem
Muschelkalk die Wiesenkultur durchaus zurück, während sie auf dem
lettig-sandigen Buntsandsteinboden sich einigermaßen zu entfalten vermag.
 Immerhin reichen aber ihre Flächen für die Bedürfnisse der
Viehfütterung bei weitem nicht aus, so daß der Anbau von Futterpflanzen
 sehr verbreitet ist %).

)
)

EX

Weser u. Ems I, S. 143.
Käsemacher, 8. 207.
Käsemacher, S., 208.
Weser u. Fms 1. S. 218,
        <pb n="84" />
        E. Wagner,

Ganz wie der Hauptteil des Buntsandsteins muß auch diese Abteilung
 der Trias als Waldboden!) bezeichnet werden. Selbst die
steilen, steinigen Hänge bieten noch genügenden Laubholz- (meist
Buchen-)boden, wovon die Waldbedeckung des Göttinger Waldes und
der‘ anschließenden Höhen Zeugnis ablegt. Da, wo heute sterile Hänge
sich zeigen (Weper bei Hardegsen, Wieter bei Northeim), künden diese
fast durchgängig die Mißwirtschhaft vergangener Tage. Der Versuch,
lurch Beseitigung des Holzbestandes mehr Ackerland zu gewinnen,
-ächte sich hier bitter. Abschwemmung verwandelte den Boden bald
in eine Steinhalde, die als Schafhute unter den Hufen der Herdentiere
völliger Verödung anheimgegeben wurde. Erst neuerdings macht man
von staatswegen mit großen Kosten den Versuch, durch Aufforstung
liese Gebiete landwirtschaftlich besseren Verhältnissen entgegenzuführen
 ?).

2. Bodennutzung.

Wenden wir uns nun, nachdem wir den Boden, auf dem die Landwirtschaft
 unseres Gebietes zu arbeiten hat, kurz charakterisiert haben,
zur spezielleren Betrachtung der landwirtschaftlichen Verhältnisse in
den einzelnen Bezirken der Triasplatte und hierbei zunächst zu der von
len Gemeinden geübten Art der Bodennutzung.
Für diese und die spätere Ausführung über die Viehhaltung zerlegen
wir das große Gebiet der Triasplatte in 4 natürliche Unterabteilungen :
', Das Harzvorland, das Eichsfeld mit dem Bergland rechts der
Leine,
2, das Leinethal,
3. das Bergland links der Leine mit dem Solling,
das Weserthal.
Sie zerfallen wiederum in kleinere Gebiete, wie sie aus den
nach diesen Gesichtspunkten zusammengesetzten beigegebenen Tabellen
ersichtlich sind. Weitere Betrachtungen über die Ertragsfähigkeit der
angebauten Früchte, sowie über die landwirtschaftlich Erwerbsthätigen
müssen mangels anderer statistischen Veröffentlichungen allein für die
politischen Bezirke der Kreise gegeben werden.
Bei der Betrachtung der von den Gemeinden geübten Ausnutzung
ihres Grund und Bodens zur Wald-, Acker- oder Wiesenkultur kann
man ganz allgemein von dem Gesichtspunkt ausgehen, daß das Areal
der Kultur am ausgedehntesten sich finden wird, für die der zur Verfügung
 stehende Boden am geeignetsten erscheint. Für unsere Zwecke
der Erklärung der Volksverdichtung oder Auflockerung wird hierbei
vorzüglich auf das Ackerland zu achten sein. Indessen bietet sich gevrade
 hierbei nicht immer eine Bestätigung des oben Gesagten. Denn
nur zu oft hat Unverstand und Unkenntnis die Bewohner dazu veranlaßt,
 entgegen jeder Aussicht auf Rentabilität, weite Striche unter den
Pflug zu nehmen und sie so ihrer natürlichen Bestimmung zu entziehen,
Verhältnisse, auf die oben bereits hingewiesen wurde. . Dies darf also

‘) Weser u. Ems I 8. 148 f.
 Ebenda, I. S. 9298.
        <pb n="85" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 83

bei der Auswertung der folgenden Zahlen nicht vergessen werden. Sie
allein lassen nur einen ungefähren Schluß auf die landwirtschaftliche
Begabung eines Bezirkes zu, um aber im Verein mit den weiterhin
zu gebenden Ertragszahlen ein gutes Bild zu liefern.
Wir beginnen die Einzelbetrachtung mit dem Eichsfeld, um daran
einerseits ostwärts das Harzvorland und westwärts das Leinethal mit
seinen Randhöhen anzuschließen. In ersterem Gebiet zeigt sich eine
deutliche Volksverdichtung in den Flußthälern der Rhume, Eller, Hahle
und Nuthe, aber auch in den mit günstigen Bodenverhältnissen begabten
 Bezirken der Umgebung von Duderstadt und des Südabhanges
zum obersten Leinethal. Die Zusammenstellung der Bodenausnutzung
zieht auf Grund der größeren Tabellen (Spalte 4—7) folgende Resultate:


Gjebietsteil

Rhumethal (18)... .
ENerthal (14. 15) . .
Hahle- und Nuthegebiet
(Duderstadt) (16)
jebiet zw. Nuthe u. Bergl.
rechts d. Leine (16°, 17.22)
West-u.Südabhang d.Ohmgeb.
 z. Leinethal (18—20)
)berstes Leinethal. . .
/Heiligenstadt) (28)

‘Gesamtfläche! Holzungen | Acker | Wiesen
qkm in % der Gesamtfläche

117,2
43,8
170,3

15,4
7,1
14,4

58,6
41,7
58,1

11,9
8,9
6,3

208,9

Y.

‚1

2,5

„1

90,5 ]
105,4

7,7
28.01 |

76,7
56.0

7,1
4.6

Hiernach weisen sich die Thäler der Eller, Hahle und Nuthe,
sowie der Abhang des Ohmgebirges zum Leinethal als zum Ackerbau
sehr stark ausgenutzte Gebiete aus, und die hier wahrzunehmende Verlichtung
 zu mehr als 100 Bewohnern auf 1 qkm (13, 16, 18, 19) läßt
auch einen Schluß auf seine Ergiebigkeit zu. Die geringe Ackerbauläche
 des Rhumethales wird durch die größere Wiesenkultur verırsacht,
 andererseits durch die für die umfangreiche Schafzucht be-1ötigten
 Weideflächen, die hier allerdings nicht zahlenmäßig *) aufgestellt
 werden konnten. Aus demselben Grunde fällt auch sonst im
ganzen Eichsfeld, besonders in den Thälern ®), den Wiesen und Weiden
äine verhältnismäßig ausgedehnte Fläche zu*). Das Zurücktreten landwirtschaftlich
 genutzter Fläche im obersten Leinethal trotz der dortigen
auffallenden Verdichtung zu über 180 Bewohnern auf 1akm (28). er-*)

 Unter Gesamtfläche ist hier und in den folgenden Tabellen die Summe
aller in dem betreffenden Bezirk befindlicher Gemeindeareale verstanden.
°) Das Gem.-Lex. f, 1885, das allein die Bodennutzung angiebt,‘ rechnet
Weideflächen nicht zu den Wiesen. Erstere werden also dort‘ gar nicht aufgeführt.
Nach Mitteil. vom Kgl. Preuß. Stat. Bureau. Vgl. Anm. 2 8. 32.
;) Weser u. Ems IV, S. 84. .
‘) Guthe, S. 372; Weser u. Ems, S, 219. Hier wird auf den minderwertigen
Charakter dieser Weideflächen hingewiesen.
        <pb n="86" />
        dr

E. Wagner,

klärt sich aus dem infolge der ausgezeichneten Verkehrslage vorwiegend
industriellen Charakter dieses Bezirkes, worauf wir gelegentlich der
Betrachtung der Industrie noch zu sprechen kommen werden. Die den
Gemeinden zugehörigen Waldanteile können sich nur in den stärker
bewaldeten Teilen zwischen Nuthe und dem Bergland rechts der Leine,
sowie in dem auf seiner südlichen (Thüringer) Seite mehr Waldbesitz
aufweisenden ostwestlichen Leinethal zu einiger Höhe erheben. Immerhin
 bleiben sie, eben infolge der Waldarmut des ganzen Gebietes gegenüber
 später zu betrachtenden Teilen der Triasplatte zurück.
Wenden wir uns ostwärts zum westlichen Vorland des Harzes.

%ebietstei] est che Holzung | Acker | Wiesen
qRm 9% der Gesamtfläche

Westliches Harzvorland . | 412,2
{7—12)

95,6 |
1 ä79

Q4

Hier findet sich eine ziemliche Ausdehnung des Wiesen- und
Weidelandes, Die Landwirtschaft wird durch den Boden gezwungen,
sich mehr der Viehhaltung als in anderen Gegenden Südhannovers zuzuwenden,
 Ackerbau wird sehr kostspielig dadurch gemacht, daß sich
nur bei reichster Mergelung und Düngung ein Erfolg erwarten läßt?).
Der extensive Charakter der Landwirtschaft wird durch die dünnere
Besiedlung (11, 12) des südlichen Vorlandes verraten, die sich auf der
Stufe von 60—80 Bewohnern auf 1 qkm bewegt. Das westliche Vorland
 (9), sowie die nach dem Leinethal zu gelegenen Partieen (7, 8,
10) haben trotz der Ungunst des Bodens, gestützt auf vielbenuzte
Verkehrslinien, vorzüglich heute im Zeitalter des Eisenbahnverkehrs
eine dichte Bevölkerung zu erringen verstanden, die nur stellenweise
unter 100 Bewohnern auf 1 qkm herabgeht.
Westwärts schließt sich an das Eichsfeld das obere (nordsüdliche)
Leinethal mit seinen Randhöhen

AGebietsteil

Bergland rechts der Leine
(283—26) . 0.0.0...
Leinethal (27, 29—883) . .
(Göttingen, Northeim)
Bucht von Moringen und
Einbeck (41—46) . .
Bergl. links der Leine
a) Muschelkalkzug (34—38)
b) Buntsandsteinzug (39. 40)

Zesamtfläche Holzung | Acker | Wiesen
akm 0% der Gesamtfläche

98,2
288.7

32,4
20.1

58,4
61.7

3,4
7.6

287,9

16,5

390

40

211,1
80,2

18,2
24,5

63,4
51,8

4,0

\ Meitzen V, S, 442.
        <pb n="87" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 85

Deutlich heben sich hier das Leinethal mit der angrenzenden
fruchtbaren *) Keuperbucht von Moringen und Einbeck als starke Ackerbaugebiete
 heraus. Die hohe Zahl von 68,4% des dem Ackerbau zufallenden
 Areals auf dem so wenig dafür geeigneten Muschelkalkzug
verdankt dieser hauptsächlich der Mißwirtschaft früherer Tage, die
durch Ausdehnung des Ackerareals gleichzeitig vermehrte Erträge erhoffte,
 Die dort vorhandenen geringen Dichten von 40—50 Bewohnern
auf 1 qkm (34, 37, 38) beweisen jedoch die Nichtigkeit dieser Erwartungen.
 Indessen vermag die fortschreitende landwirtschaftliche
Technik durch rationelle Behandlung auch auf vielen dieser Distrikte
sinigermaßen ertragsreich zu wirtschaften, während andere mehr und
mehr ihrer natürlichen Bestimmung für Waldkultur durch Aufforsten
zurückgegeben werden, wobei indessen wegen der durch längeres Brachliegen
 verlustig gegangenen Bodenkraft, die ehedem in diesen Gebieten
hauptsächlich waldbildenden Buchen und Eichen vielfach durch Nadelholz
 ersetzt werden mußten ?) (so z. B. Weper bei Hardegsen). Der
Muschelkalkzug rechts der Leine hat sich diesen Charakter stets bewährt,
 in dessen Gebiet die Gemeinden mit 32,4 % Wald das Maximum
in vorstehender Uebersicht erreichen, während der Ackerbau mehr zurücktritt.
 Die etwas stärkere Besiedelung, gegenüber dem linksleinischen
 Muschelkalkgebiet, wird durch die unmittelbare Nähe der Städte
Göttingen und Nörten verursacht, deren Arbeiterbevölkerung zum
großen Teil in den dortigen Dörfern ansässig ist (25, 26). 7
Ebenso charakterisiert sich der Buntsandsteinzug links der Leine
mit 24,5% Waldbedeckung als seiner natürlichen Begabung gemäß
von seiten der Gemeinden verwertetes Land. Daß aber seine Ackerwirtschaft
 mehr als die auf dem Muschelkalkboden zu leisten im stande
ist, läßt die im Verhältnis zu jenem dichtere Besiedelung trotz wenig
günstiger Verkehrsbedingungen erkennen (40, 41): Während nämlich
auf dem Muschelkalkboden wenig über 60 Bewohner auf dem Quadratkilometer
 zu finden sind, erhebt sich hier ihre Zahl im Durchschnitt
schon beträchtlich über 70, um in der Nähe des Leinethales, von
diesem beeinflußt, sogar Dichtewerte von über 100 zu erreichen (39.
Nieder- und Oberscheden, Dankelsheim).
Die Wiesen- und Weidewirtschaft ist nirgends ausgedehnt. Allein
in dem thälerreichen Buntsandsteinzug, der vielfach auch zur Hoch-&amp;gt;benenbildung
 neigt, erhebt sich ihr Areal auf 8,7 °% der Gesamtfläche.
Für den Solling lassen sich, wie seiner Zeit beim Oberharz, für
den Ackerbau günstigere Randgebiete und ein ungünstiges, von geschlossenem
 Hochwald bedecktes Gebirgsinnere unterscheiden. Letzterer
weist, abweichend vom Harz, überwiegend Laubwaldbestände (Eichen
und Buchen) auf, während Nadelhölzer erst seit 1760 3) in den höheren
Lagen um den Moosberg von seiten der Forstwirtschaft mit sehr gutem
Erfolge eingeführt wurden.

) Vgl. Meitzen V, S. 442.
) Weser u. Ems I, S. 228.
Wanderbuch f, A, Solline, 8. 18.
        <pb n="88" />
        £. Wagner,

Die landwirtschaftliche‘ Bodennutzung im Gebiet des Solling gestaltet
 sich wie folet:

Aebietsteil

Umgebung von Uslar(47—51)
Ost- und Nordrand (52—55)
Umgebung von Stadtoldendorf
 (58—65) . . ..
[nnerer Solling (59). . . ]

Gesamtfläche
akm

Holzung | Acker | Wiesen
0% der Gesamtfläche

99,6
194,3

7,3
35,8

56,5
384

21,3
12.4

L02,8 3,8
184,9 | 89,3

66,7
3.1

9,5
| 1,7

Ganz allgemein fällt das Zurücktreten des Ackerbaues gegenüber
den vorher besprochenen Bezirken der 'Triasplatte auf, worin auch
wieder eine Analogie mit dem Harzgebirge besteht. Mit Ausnahme
der weit in das Vorland des Gebirges hinausgreifenden Distrikte von
Uslar und Stadtoldendorf erreicht das Ackerland an den Rändern nur
38,4 % und im Innern des Waldgebirges sogar nur den verschwindenden
 Wert von 3,1 % der gesamten Gemeindeflächen. Dafür ist aber,
wenigstens in den Randgebieten und im Vorland, die Ausdehnung der
Wiesenwirtschaft wesentlich gestiegen. Das Innere freilich bildet einen
geschlossenen Waldhestand; der für keine der Kulturen viel Raum läßt,
so daß sich diese nur in engster Umgebung der wenigen Siedelungen
finden. Die hohe Anteilzahl der Gemeinden und Forstbezirke an den
Holzungen (89,3 %) repräsentiert diesen Charakter des Gebirges.
Gleichzeitig aber bietet der Solling mit seiner spärlichen Besiedelung
im Gegensatz zum Oberharz ein Beispiel dafür, wie ungeeignet bei
schwacher landwirtschaftlicher Begabung der Mangel an technisch
autzbaren Mineralien ein solches Gebirge zur Ernährung einer größeren
Bevölkerung macht. Mit Ausnahme der wenigen Orte, die an den den
Solling passierenden Straßen gelegen sind, Neuhaus, Fohlenplacken, Silbervorn,
 und die, allerdings hier auf engem Raum zusammengedrängt, hohe
Dichten erreichen (über 100 auf 1 qkm), finden sich alle geschlossenen
Siedelungen an der Peripherie des Gebirges. Sonst finden sich in den
weiten Forsten nur verstreute Einzelsiedelungen (Forst- und Gasthäuser),
die ihnen die geringe Bewohnerdichte von 1.1 auf 1 qkm zukommen
lassen *).
Schließlich erübrigt noch eine kurze Betrachtung des Werra- und
Weserthales, das die Grenze unseres Gebietes nach Westen bildet (siehe
1ebenstehende Tabelle S. 87).
Das enge, zwischen dicht bewaldeten Höhen sich hinziehende
Thal läßt trotz günstiger klimatischer Verhältnisse den Ackerbau
nicht zur Entfaltung gelangen, aus Mangel an Bodenfläche. Die
schnell steigenden, oft geradezu steilen Thalhänge sind von vornherein

') Aus dem Gem.-Lex. 1897, f. d. Prov. Hannover und dem Ortschaftsverzeichn,
von Braunschweig 1897, ergeben sich in diesen KEinzelsiedelungen 305 Bewohner,
woraus auf die gesamte Waldfläche von 270 akm bezogen. die Dichte 1.1 resultiert.
        <pb n="89" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 87

Gebietsteil

a) Werrathal (60) . . .
b) Weserthal von Münden
bis Karlshafen (61) . .
von Karlshafen bis Frostbachmündung
 (62. 63) .
von Frostbach bis Bodenwerder
 (64) . ....

‘Gesamtfläche Holzung | Acker | Wiesen
akm 0% der Gesamtfläche

112,4

36,1

"76

59

67,9
212,8

14,4

16,9

20,1

33.0

5,0

8

100,0

29,8

43,5

3,9

zum Ackerbau unbenutzbar, und die tiefer am Fuß gelegenen Stellen
inden wegen der Ueberschwemmungsgefahr und der Bodennässe vielfach
 nur als Wiesen Verwendung, was besonders für den engen Teil
von Münden bis Karlshafen gilt (20 % Wiesenfläche). Bei so geringer
zur Verfügung stehender Anbaufläche kann die verdichtende Ursache
für die Bevölkerung bis zu 200 Bewohnern ohne die Städte (61, 63!)
aicht auf landwirtschaftlichem Gebiet liegen, und wir werden sie auch
vielmehr in der Natur des Flusses und seines Thales als von jeher
viel benutzte Verkehrsstraße begründet finden.

3. Ernteerträre

Es ist zu Anfang des letzten Abschnittes schon hervorgehoben
worden, daß die dort für die Bodennutzung gegebenen Zahlen erst in
Verbindung mit den Ernteerträgen ein Bild von dem Charakter
der Landwirtschaft zu geben vermögen. Leider sind wir hierbei durch
das statistische Material allein auf die Kreise angewiesen und es gilt,
diese für die folgende Betrachtung so zu gruppieren, daß sie mit ihrer
Fläche ungefähr den für die Triasplatte gemachten Unterabteilungen
entsprechen.
Es entfallen danach auf das Eichsfeld die Kreise Duderstadt und
Worbis, ersterer das zentrale Eichsfeld, letzterer den Südabhang des
Ohmgebirges umfassend. Das westliche Harzvorland repräsentiert Kreis
Osterode, das Leinethal mit seinen beiderseitigen Höhenzügen die Kreise
Göttingen und Northeim, während der Keuperbucht von Einbeck der
gleichnamige Kreis entspricht. Die Buntsandsteinzüge der Weser und
das Gebiet des Solling schließen die Kreise Münden und Uslar ein.
Hiernach ergiebt sich folgende Uebersicht für die Anbauflächen
der einzelnen Kulturen und deren Erträge!) (siehe folgende Tabelle
S. 88).
Deutlich tritt für das Gesamtgebiet der geringe Anbau von
Sommerweizen und der fast gänzliche Mangel von Sommerroggen hervor,
 was hauptsächlich den ungünstigen klimatischen Verhältnissen des
Frühjahrs zuzuschreiben ist. Auch Gerste wird mit Ausnahme am Süd-)

 Preuß. Stat., Bd. CLXIT
        <pb n="90" />
        a
3
-

Kreis

Osterode . .
(westl. Harzvorland)}


Worbis . .
(Südabhang)

Duderstadt .
(Eichsfeld)

Göttingen .
(Leinethal)

Northeim . .
{Leinethal)

Einbeck . .
(Kenperbucht)


Münden . .
(Weserberge)}

Uslar . .
(Solling)

* rs
©
385
=
S -
SS:
SEE

Winterweizen


25
58
8
A

ıkm

=}

331,2

23,69 '

17,5

7,6% |

102.1

27,74 |

16,3

6,9%

[98.4

15,24

16,8

7,70
64,92

160,9

16.4 |

14,1
40,26 |

9352.92

18,6 |

11.4

272.9

30.092 |

91,5 |

10,8 |
17,14 | 19,4 |
59 |

289.08)

301.6

14,92 |

19.5

£6

Sommerweizen


1 U
293
Q ©
si:
=]

Fa

0,41 115,2

0,1% |

1,32 114,9 |
0,3% |

0,10 [12,0 |
0,05

19,62 115,2 |

4,3

1.44 117,0 |

0,4 |
0,42 120

0,1 |!
0,37 114,5
0.1

0,07 115,0 ı
0.02

Winterroggen


Se
50
Ss 3
AR

x

51,6

16,0

15,6 %o |

63,64
15,8%

14,1

37,66 116,1
78,9%

40,86 '16,9

8,8

38,59

17,5

10,9

98.924

91,2

10,2

23,58

18,9

8.2

24,62 '15,6 |

vera

Sommerroggen


25
m
sm
a

=

0,03 110,0
2.01% o|

Gerste

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8,07

15,6

2,4%

10,51
2,6%

16,5

2,58

118,7

1,3%

7,22 116,0 ı

16 7
4,57 18,0

13
216 118,8

0.8

1,36 [14,3 |
0,5
1,75 116,7°
0.5

Hafer

Kartoffeln

Klee

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5°
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51,88 [18,4

21,73

152,7

14,25 [52,5

48,85 |38,92

15,6 %o)

6,5%

64,39 113,6
16,0% |
42,00 114,8
21,2%)
65,01 116,1
14,1
41,75 |21,7
11,8
28,63 be )

4,3%
18,73 159,3
4,69%

14,29% |

30,89 123,9

26,10 145,5

7,79%

22,08 127,9
11,1%

8,28 |54,9
4,1%
15,21 147,5
3,3 |
10,32 [55,4

19,07 145,4
9,6%

6,5%

26,29 1151,0
5,7
18,36 |171,2
5,2
13.08 164.9 ı

25.60

153,0

5.5

993 092

152.6

2,9
8.73 156,8

6.5

24.30

48.9

10,8 3,1 8,7
31,68 17,7 ' 13,62 1137,4 8,07 [54,8 ' 20,58 |40,1
10,9 | 4,7 2,7 | 7.1
24,83 |20,0 | 14,36 !155,0 | 7,44 64,4! 31,76 |53,4
| 45 2,3 9,8

Alle Anbauflächen in Quadratkilometer, Erträge in 100 ky vom Hektar.)
        <pb n="91" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 89

abhang des Eichsfeldes, wo annehmbare !) Erträge erzielt werden, wenig
gebaut. Erwähnenswert wäre höchstens noch ihr Anbau im Leinethal,
wo auch auf dem guten Lehmboden die Erträge des Eichsfeldes noch
übertroffen werden (16 und 18 [100] kg gegen 18 [100] kg). Der
in Bezug auf den Boden anspruchsvollere Winterweizen findet sich
aus diesen Grunde am ausgedehntesten und ertragreichsten im Leinethal
 und in der Einbecker Bucht, während sein Anbau in den übrigen
auch klimatisch rauheren Gebieten geringer und unrentabler ist (Harzvorland
 und Eichsfeld besonders in letzterer Beziehung). Hier tritt
der anspruchslosere und wetterfestere Winterroggen an seine Stelle ?).
Das Maximum seines Anbaues liegt im westlichen Harzvorland (15%
Jer Anbaufläche) und im Eichsfeld (18 %%), wie die Zahlen der Kreise
Osterode, Duderstadt und Worbis beweisen, aber auch sonst im ganzen
Gebiet bildet er eine stark angebaute Getreideart.
Haferbau wird überall in ziemlicher Ausdehnung getrieben, vorzüglich
 im Eichsfeld (16 und 21%), wo jedoch die Erträge des
fruchtbareren Leinethales und der Einbecker Bucht bei weitem nicht
erreicht werden können. Die von Kartoffeln bestandene Fläche ist
sbenfalls im Eichsfeld am größten (7 und 11%), das Maximum des
Ertrages liegt jedoch wiederum in den bereits mehrfach erwähnten
begünstigteren Distrikten. Wiesenwirtschaft findet sich im ganzen Gebiet
 nur so weit, als es die Viehhaltung nötig macht, da überall die
Tendenz zur möglichsten Ausnutzung des Bodens zum Ackerbau vielfach
 entgegen jeder Rentabilität (Muschelkalkgebiete!) vorherrscht. In
größerem Maßstabe wird Wiesenkultur allein im Harzvorland betrieben ®)
(14,8 %0), worauf oben schon hingewiesen wurde, Der geringe Ertrag
aber gegenüber den anderen Bezirken in obiger Tabelle charakterisiert
wiederum die Unergiebigkeit des dortigen Buntsandsteinbodens. In
zweiter Linie folgt dann die Wiesenfläche des Eichsfeldes (Kreis Duderstadt)
 und der Sollinger Gegend, die an Ausdehnung und Erträgen die
der Harzränder nicht unwesentlich übertrifft. Ueber die Wiesenwirtschaft
in den natürlichen Unterabteilungen der Triasplatte ist bereits oben bei
Gelegenheit der Betrachtung der Bodennutzung gesprochen worden.
Werfen wir im Anschluß an diese Betrachtungen einen vergleichenden
 Blick auf die Ertragszahlen unseres Gebietes und der zum
Vergleich angeführten süddeutschen Kreise (Seite 89 Anm. 1). so

!) Zum Vergleiche seien bier die Ertragszahlen von zwei landwirtschaftlich
sehr günstig gestellten Bezirken Deutschlands angegeben:

Kraiqg

Rheingau. .
Hanau Land. .

za ‚ag | &amp;amp; a |
38108 58
EN 35 an
A. 5 St
a
a
a

35
So

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+
£
&amp;amp;

29.7 |

a0)1.92 |

924,7

31 | 29283 |

20,9 | 9.0 | 19,9 |

©
+

©
©

20,6 180,2
23,6 | 163,9 | 47,6

47.1

ei
Gb
©
Do
Be
&amp;gt;

40,7

| 36,8

100 kg vom Hektar.
'‘) Weser u. Ems IV, 8. 85.
5) Weser u. Ems IV, S. 84.
        <pb n="92" />
        7

E. Wagner,

zeigt sich zwar eine Differenz zu Ungunsten Hannovers, die aber bei
den begünstigten Gebieten des Leinethales und insbesondere der Einbecker
 Bucht ziemlich gering wird. Hieraus geht aber hervor, welch
großer Anteil der Bodenkultur an der Volksverdichtung in jenen Distrikten
 zukommt. Daß aber der beste Boden dennoch nicht die verdichtende
 Wirkung auszuüben vermag, wie noch gleichzeitig hinzutretende
 Verkehrs- und Industriefaktoren, beweist uns gegenüber dem
Leinethal die Einbecker Bucht (44), die wohl an ihren Rändern eine
sehr dichte Besiedelung (100—150 auf 1 qkm) aufweist (45, 54, 58),
in ihrem Innern jedoch (44) sich nicht über 80 Bewohner auf den
Quadratkilometer zu erheben vermag.
Es ist schließlich noch zweier Kulturen zu gedenken, die gerade
für die Landwirtschaft unseres Gebietes von größter Bedeutung sind
und gleichzeitig durch die ihnen folgenden industriellen Anlagen einen
starken Einfluß auf die lokale Verdichtung der Bevölkerung ausüben.
Das ist der Anbau von Rüben zur Zuckerfabrikation und die Tabakkultur.
Erstere tritt namentlich im ganzen Leinethal, in der Göttinger
und Northeimer Gegend, aber auch in der Umgebung von Duderstadt
und Uslar auf!). Groß ist in den gleichen Distrikten die Zahl der
Zuckerfabriken, an die ihre Produkte abgesetzt werden.
Ein großer Wert der Rübenkultur für die Landwirtschaft liegt
darin, daß sie infolge der nötigen intensiven und tiefen Bearbeitung
des Ackerbodens und der reichen Düngung die Ertragsfähigkeit des
Bodens nachhaltig steigert. Aus diesem Grunde eignet sie sich vortrefflich
 als Vorfrucht für Getreide und bei einer Ueberproduktion im
Rübenbau, wie sie sich gerade jetzt bemerkbar macht, würde in der
zeitweiligen Rückkehr zum Körnerbau kein Nachteil für die Landwirtschaft
 liegen”). Vorderhand aber hat die Rübenkultur in den genannten
 Bezirken manche früher stark gepflegten Kulturen, wie die der
Hülsenfrüchte und vieler Futtergewächse, stark zurückgedrängt. Letzteres
war auch in den heuärmereren Gebieten deshalb möglich, da die Rübenblätter
 und die bei der Zuckerfabrikation entstehenden Rübenschnitzel
ein gutes Viehfutter abgeben 3).
Der Tabak ist durch die Eigenart seiner mühevollen, viele Hände
in Bewegung setzenden Kultur und die bei seiner Verarbeitung beanspruchten
 zahlreichen Arbeitskräfte von ebenso großem Einfluß auf die
lokale Volksverdichtung. Die Hauptgebiete seines Anbaues verteilen
sich nach der Vorliebe der Pflanze für Schwemmlandboden*). So gehört
 vorzüglich das Leinethal von der Göttinger Gegend abwärts bis
Salzderhelden hierher, aber auch im Rhumethal und in der Umgebung
von Duderstadt wird reger Tabakbau getrieben, während im Weserthal
seine Fläche nur sehr gering ist°). Genauere Zahlenangaben hierfür sind®):

’) H.K.B. Gött. 1894/95; 1900/1. (Hier u. im folgenden H. K. B. — Handelskammerbericht.)

* J. Conrad, Grundri£ß d. pol. Oekonomie, Jena 1902, ILL, S. 95.
: Weser u, Kıns IV, 8, 85.
Darmstädter, Verbreitung des Tabaks. Halle 1896, S. 1.
Derselbe, S. 30.
H. K. B Gött. 1895, S. 41.
        <pb n="93" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 91

Duderstadt
Northeim
Göttingen .
Einbeck .
Münden .

Kreis

Landw. gen
Fläche

akm

198,4
352,2
460,9
277,9 |
289.0

Tabakkultur

akm

2,44
1,87
1,17
0,09
0,0002

Tabakkultur
9% dA. landw.
gen. Fläche

1,2
0,5
0,3
0,08
0,0001

Die jährlichen Erträge der gesamten Anbaubezirke betrugen
1870—92- im Mittel 1,5 bis 1,8 Millionen kg), wovon 410000 kg
(27,4 %) auf das Hauptgebiet des Duderstädter Kreises entfielen ?). Seit
1893 beginnt jedoch ein Rückgang der Erträge zugleich mit der Anbaufläche
 ®?), die in den Jahren 1895/96 12% für das Leine- und
Rhumethal beträgt 1). Diese Erscheinung ist ohne Zweifel mit der verminderten
 Rentabilität der Tabakkultur in Verbindung zu bringen.
4. Die Viehhaltung.

Die Viehhaltung unseres’ Gebietes, zu der wir nun übergehen,
läßt sich wiederum an der Hand der Einzelzahlen der beigegebenen
großen Tabellen für die natürlichen Unterabteilungen der Triasplatte
betrachten. Wir beginnen mit dem Eichsfeld, an das wir das westliche
 Harzvorland anschließen 9.

Gebietsteil

Westl. Harzvorland (7—12) .
Rhumethal (18) . . . .
Ellerthal (14. 15.) . . ..
Hahle- u. Nuthegebiet (Duderstadt)
 (16) . 0.0.0...
Gebiet zwischen Nuthe u. Bergl.
rechts d. Leine (16°. 17. 22)
Südabhang d. Ohmgeb., (18—20)
Oberstes Leinethal (Heiligenstadt)
 (28) ......

Pferde | Rinder
über- | unter | über- | Kühe,
haupt 4 Jahre! haupt |Kälber

9,1 1,4
9,8 1,9
8,3 | 1,4

38,7 23,7
29,6 | 19,7
27,9 | 18,1

71 | 19

26,8 | 15,1

13,5 8,1 ! 44,7 '
58 | 0,8 | 957

28,7
15.1

46 | 0,7 | 16,3

10.4

‚DO
E
&amp;lt;
&amp;lt;&amp;lt;
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c
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&amp;amp; ©
DM
a
DO
..m +
an

110,2| 56,2) 18,0| 2,2
81,0| 60,9| 16,7| 1,3
60,2] 58,4! 19,4| 3,5

50,8 56,71 20,3! 2,5

120,9| nn 8,9
44.4| 41,51 25,9] 2,7

117.9 1863| 15.8 2.9

DAN »
Darmstädter, S. 80. Ph N
?) H, K. B. Gött. 1893. ; aD“ V
* Darmstädter, S, 30. 7 . ©.
H. K. B. Gött. 1896, S. 32. 2 Univenpta
, Diese und alle folgenden Viehstandstabellen sehen sich Ehe =
100 Menschen des betreffenden Bezirkes. ® 8 &amp;gt; &amp;gt;
\ 3 del F
NO &amp;gt;
        <pb n="94" />
        E. Wagner,

Die ungünstigen Eisenbahnverhältnisse des Eichsfeldes haben hier,
besonders in den zwischen Nuthe und rechtsleinischem Bergland gelegenen
 Gebieten, eine vermehrte Pferdehaltung und Aufzucht zum Abtransport
 der landwirtschaftlichen Produkte nach den nächsten Marktplätzen,
 wie überhaupt zur Bewältigung des Verkehrs verursacht. Das
Charakteristischste jedoch für die Viehhaltung des ganzen Gebietes, das
obige Tabelle umfaßt, ist die starke Schafzucht!), die im Rhumethal,
besonders aber im Harzvorland (Düderode [8], Dorste, Schwiegershausen,
 Wulften, Hörde, Hattorf, Silkerode [11, 12]) und in dem ganzen
Distrikt links der Nuthe (Bodensee, Ebergötzen [21], Rittmarshausen,
Kerstlingerode [22]), in größter Ausdehnung‘ betrieben wird. Sie liefert
den an ungünstigen Bodenverhältnissen krankenden Distrikten eine
verhältnismäßig gute Erwerbsquelle durch Absatz der Wolle. Gerade
im westlichen Harzvorland sind es seit langem die in Osterode bestehenden
 Textilfabriken, die als Wollkonsumenten auftraten. Gelegentlich
 der Betrachtung der Industrie wird hiervon noch zu
reden sein.
Ueberhaupt spricht sich in dem beträchtlichen Ueberwiegen der
kleineren Haustiere die Art des landwirtschaftlichen Kleinbetriebes
aus, der infolge ungünstiger Vererbungsgebräuche, wie wir anführten,
im Eichsfeld stark herrschend, vielfach sogar zum Zwergbetriebe geworden
 ist. Auffallend erscheint zunächst die im ganzen geringe Viehhaltung
 des obersten Leinethales, das sich auf der Karte als eine Zone
beträchtlicher Volksverdichtung von über 130 Bewohnern auf 1 gkm
zwischen hannoverschem und thüringischem Eichsfeld hinzieht (28).
Ein Hinweis auf den bereits angedeuteten industriellen Erwerbscharakter
 des Thales liefert hier die Erklärung.
Etwas abweichend von dem bisher Betrachteten stellen sich die
Viehstandsverhältnisse im Leinegebiet dar:

Gebietsteil

Bergland rechts d. Leine (23—26)
Oberes Leinethal (Kirchgandern
—Salzderhelden (27. 29—338)
Bucht von Einbeck (41—46) .
Muschelkalkzug links d. Leine
(34—38) 2000000000004
Buntsandsteinzug links der
Leine (39. 40). .

Pferde

über- ! unter
haunt 4Jahre

Rinder
über- | Kühe |
haumt |Kälber

be
S
&amp;lt;&amp;lt;
o
ZN

&amp;amp;

ST
Pa

ar
A

52
ao
ZD
CN

13.4

1,5

49.0

25,8

126,3| 72,1 23,1 5,1

8,9 |
7,2

1,1
1.6

26,9
34,9

62,0 46,2 on 2,1
' zadlars 15,2! 1,2
27,2 |156,6 67,9) 19,5) 5,8

11,6

24

52.3

10,3 | 24 | 57,4 ı 30.4

| 98,1| 65,7 16,1! 4,3

Leicht lassen sich hier die Ackerbaugegenden, wo dieser lohnend
betrieben wird, von denen scheiden, die gezwungen sind, den mehr

N Schon von Guthe, S. 363 hervorgehoben.
        <pb n="95" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 93

oder weniger kärglichen Boden zu Viehweiden zu benutzen. Das
Leinethal und die Einbecker Bucht illustrieren den ersteren Fall, während
 die Muschelkalkgebiete zu beiden Seiten des fruchtbaren Thales
in der letzteren Lage sind. Ihre vorzüglich zur Schaffütterung geeigneten
 Halden haben auch die Bewohner diesen Erwerb ergreifen
lassen. 126 und 156 dieser Tiere auf je 100 Menschen kennzeichnen
diese Verhältnisse. Wenn auch der Buntsandsteinzug etwas besser
durch seinen Boden dasteht, als der Muschelkalk, so ist er dennoch
z. B. dem Leinethal gegenüber auf eine mehr extensive Landwirtschaft
angewiesen, wie uns früher seine ausgedehnte Wiesen- und Weidekultur
 und hier die starke Viehhaltung bewiesen. Ueberhaupt wird
vom Thale, wo der überall fruchtbare Boden zum Ackerbau verwendet
wird, die Viehwirtschaft mehr den für rentable Bodenkultur ungeeigneten
benachbarten Höhen überlassen. Der Einfluß der im Thale gelegenen
größeren Städte, die bei starkem Bedarf an Schlachtvieh und sonstigen
tierischen Produkten ein sicheres Absatzgebiet darstellen, konnte dies
nur begünstigen. Uebrigens läßt die Nähe der Städte einen regen
Handelsverkehr entstehen, was eine vermehrte Pferdehaltung zu Transportzwecken
 bedingt. Es wird dies auf der nach der Leine gerichteten
Seite der beiden Muschelkalkzüge besonders deutlich (rechts der Leine:
Bischhausen, Reiershausen, Eddigehausen, Kl. Lengden (25); links der
Leine: Hebenshausen (34), Sieboldshausen, Mengershausen (35), Jühnde
(37), Volkerode, Hetjershausen, Gladebeck (36).
Für das Gebiet des Solling lassen sich ganz wie beim Oberharz
die Randbezirke dem Innern gegenüberstellen, Von den bisher besprochenen
 Teilen der Triasplatte tritt allein eine Abweichung in dem
starken Zurückbleiben der Schafhaltung auf, die für den gesamten
Solling, besonders aber sein Inneres, zu konstatieren ist, wo allein ın
Derenthal diese Tiere noch gehalten werden. An den Rändern tritt
Ziegenzucht vielfach dafür ein, nicht aber im Gebirge.

Pferde | Rinder

Gebietsteil

Umgebung von Uslar
(47—51) €... 0.
Ost- und Nordrand (52
bis 55) . 0. 0...
Umgebung von Stadtoldendorf
 (58—65) .
Innerer Solling (59) .

über- unter über- a
haupt 4 Jahrei haupt Kälber

ud

0,5

40,2

292,5

6,8

0,9

892.1 |

12,3

73 | 11 1 28,8
5,1 | 0,2 | 384,1 |

17,7
20,2 |

Schafe |

Ziegen |

*

50,1

63,6

14,2

538 | 47.1

20.8

85,5 | 45,9 22,5
22,1 | 36,8 | 14,4 |

SO
DM
&amp;gt;
=
a

1,0

292

8,1
1,9

Hier erhebt sich auf den zwar wenigen, aber kräftigen Bergwiesen
 die Rindviehzucht zu größerer Ausdehnung, während die kleineren
 Haustiere an Zahl zurücktreten. Das Maximum in der Viehhaltung
 aber erreichen die Randgebiete des Solling und die Umgebung
        <pb n="96" />
        FA

E. Wagner,

von Uslar. Erstere liegen zumeist auf der Grenze zwischen Buntsandstein-
 und Muschelkalkboden und sind durchaus auf Viehwirtschaft
angewiesen, da weder der Buntsandstein des Solling noch der Muschelkalkboden
 des Vorlandes eine aussichtsvolle Ackerkultur zuläßt.
Als letztes bleibt uns noch das Weserthal, dessen Ortschaften
wegen der Enge der Thalbildung zu ausgedehnterem Ackerbau nicht
kommen können. In gleicher Weise wird dadurch die Viehhaltung
ungünstig beeinflußt. Außer in der Schweine- und Ziegenhaltung,
deren Vertreter Anspruch auf größere Fläche nicht erheben, werden
hier die vorher besprochenen Bezirke nicht erreicht.

Pferde | Rinder

Gjebietsteil

ı) Werrathal (60) . .
9) Weserthal (Münden-Karlshafen)
 (61) . .
Xarlshafen-Forstbach
(ohne Höxter und
Holzminden (62. 63) .
F"orstbach-Bodenwerder
(64)

über- | unter über- | Kühe,
haupt 4 Jahre haupt Kälber

Schafe

7.8

0,7

2924

12,5

50,5

4,3 |

0.5

26.9

16,7

378 |

10,4 | 1,2
8.3 0,8 |

30,2
98.7

194 57,5
17.4 | 41.6

Ziegen |

= ©
CE]
SS
OD IQ
vn +.
en

41,2

20,8

25

51,8

15.1

1.6

65,4 31,8 2,4
87,5 ' 21,4 3,2

Und gerade diese Thatsache ist auf die im Nebenberufe beiriebene
 Landwirtschaft zurückzuführen, der sich die meist auf in-Justriellem
 Gebiet thätigen Bewohner zur Vermehrung ihrer Einkünfte
widmen. Es kann dies hier in Rücksicht auf die Nähe größerer
Städte, die sich dicht aufeinander folgen und vielbedürfende Absatzplätze
 bilden in größerem Umfange geschehen. Infolge dieses städtischen
 Charakters der Siedelungen ist auch die Pferdehaltung eine recht
hohe [besonders von Karlshafen bis zum Forstbach (62, 63)], wie ja
überhaupt die hohe Dichte des Thales nicht durch landwirtschaftliche,
sondern vielmehr durch industrielle und kommerzielle Faktoren erzeugt
 ist.
Veberblicken wir nochmals das über die Viehstandsverhältnisse
der Triasplatte Gesagte und vergleichen hierbei gleichzeitig das Ergyebnis
 mit der Dichtekarte, so treten uns als die viehreichsten Gebiete
die am dünnsten bevölkerten entgegen, was bei dem extensiven Chavakter
 der sich der Viehzucht mehr widmenden Landwirtschaft nur
natürlich ist. Hierher gehören die Distrikte des Eichsfeldes links der
Nuthe (22), die beiderseitigen Randhöhen des Leinethales (25—27;
34—37, 40—41), wo wir lediglich Dichten von weniger als 75 Bewohnern
 auf 1 qkm begegnen, in besonders sichtbarer Weise und was
Schafzucht anbelangt, auch gewisse Teile des westlichen Harzvorlandes
(11, 12). Die landwirtschaftlich so begünstigte Bucht von Einbeck
verdankt die geringe Dichte ihrer zentralen Partieen von unter 80 Bewohnern
 auf 1 gkm (44) nicht einer extensiven Landwirtschaft, die im
        <pb n="97" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 95

Gegenteil hier recht intensiv betrieben wird, sondern ihren ungünstigen
Verkehrsverhältnissen. Gleichen Charakter besitzt die Landwirtschaft
in den dicht besiedelten Zonen des Leinethales (29—32) (Dichte über
100), sowie in den größeren Thälern des Eichsfeldes (16, 19) (Dichte
über 100). Die Viehhaltung beschränkt sich auf die zur Ackerwirtschaft
 und Dungerzeugung nötigen Tiere!), während eine etwas umfangreichere
 Viehhaltung den erstgenannten, für die Ackerwirtschaft
weniger begabten Teilen überlassen bleibt.

5, Einfluß von Landwirtschaft und Industrie auf das Erwerbsleben.
5. Nachdem in den vorhergehenden Abschnitten ein Bild von der
Art und Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft der Triasplatte gegeben
worden ist, soll zum Abschluß eine Betrachtung über ihren Einfluß
auf das Erwerbsleben der Bewohner hier Platz finden. Hierbei soll
nicht nur Land- und Forstwirtschaft gegenübergestellt, sondern auch
lie Anzahl der industriell erwerbsthätigen Personen mit herangezogen
werden, um einen Schluß auf den Haupteinfluß der einen oder der
anderen Berufsart zu ermöglichen.

&amp;lt;reis

Isterode (Harzvorland) .
Duderstadt (Kichsfeld). .
Worbis (südöstl. Eichsfeld)
Göttingen (Leinethal) . .
Northeim (Leinethal) .
Einbeck (Keuperbucht)
Münden (Weserberge). .
Uslar (Sollinggebiet) . .
Holzminden (Sollinggebiet)
aandersheim (nördl. Grenzstreifen
 d.Gesamtgebietes}

Gesamtzahl ?)
ler Erwerbsthätigen
 im
Hauptberuf‘
1895

15 599
8437
13.872
24. 930
12 070
10 544
9258
6792
18 843

19398

[39 743

Landwirtschaft


Forstwirtschaft


Industrie

als Hauptberu

Un

4 718 = 30,2
4232 = 50,2
6320 = 45,5
7587 = 30,4
5391 = 44,6
4497 = 42,7
3404 = 36,7
2913 = 29
5 901 = 31,8

344 = 2,2
24 == 0,3
102 = 0,7
146 = 0,6
148 = 1,2
173 = 1,6
169 == 1,8
316 = 4,6
411 = 2.1

5 903 = 44,2
2490 =.29,5
5156 = 87,1
3009 = 32,1
3528 = 29,2
3162 — 29,9
3555 = 38,4
2447 = 36,0
3563 =— 45,4

7 409 == 38.9|

452 — 23

7 6883 = 39,3

52372 = 87.4 2985 — 1.6 |51446 = 36,8

Hiernach kennzeichnet sich der schon früher (Seite 40), erwähnte
Üharakter des Gesamtgebietes als eines, in dem die Landwirtschaft zwar
noch dominiert, aber nur um ein geringes die Industrie zu überragen
vermag, um von ihr sicher in kurzer Frist überholt zu werden. Immerhin
 bemerken wir im Jahre 1895 erst in wenigen Bezirken ein starkes

') Weser und Ems IV, S. 85.
?) Stat. d. D. R. N. F. 109.
        <pb n="98" />
        IM

E. Wagner,

Ueberwiegen industrieller Bevölkerung, wie im Kreise Osterode und
Holzminden, während sich in den Kreisen Göttingen, Münden und
Gandersheim beide Erwerbsarten ziemlich gleichstehen mit geringer
Verschiebung zu Gunsten der Industrie. In den anderen Bezirken herrscht
durchweg die Landwirtschaft vor. Als das am stärksten in dieser Beziehung
 erwerbsthätige Gebiet erscheint das zentrale Eichsfeld. Hier
im Kreise Duderstadt finden über 50% im Hauptberuf darin Beschäftigung
 und über 30% der gesamten Erwerbsthätigen betreiben sie
im Nebenberuf. Mit dieser starken Anzahl erwerbsthätiger Personen
geht hier indessen mit wenigen Ausnahmen die Rentabilität aus früher
angeführten Gründen keineswegs Hand in Hand, so daß ein großer Teil
der Bevölkerung gezwungen ist, seinen Erwerb außerhalb der engeren
Heimat zu suchen.
Blicken wir aber nach dem Südabfall des Eichsfeldes (Kreis Worbis),
ergiebt sich schon ein Rückgang der landwirtschaftlichen Bevölkerung
und ein Anwachsen der industriellen, trotz der dort im Leine- und
Wipperthal recht günstigen Bodenverhältnisse. Dies läßt schon jetzt
den vorläufigen Schluß zu, daß die dort auftretenden sehr hohen Dichtezonen
 von 150 und mehr Bewohnern auf 1 qkm andere Ursachen haben
müssen, die wir späterhin vorzüglich in der Verkehrslage dieses Bezirkes
finden werden.
Auf gleicher Stufe mit diesem südöstlichen Teile des Eichsfeldes
und seinen zentralen Partien nachstehend erweisen sich die Zahlen der
landwirtschaftlich Erwerbsthätigen für das Leinegebiet und die Bucht
von Einbeck. Die Konzentration städtischer und industrieller Bevölkerung
 in der Umgebung von Göttingen, Northeim und Einbeck erzeugen
auch hier wieder ein stellenweises schwaches Ueberwiegen der Industrie.
Ja, noch auf den das Leinethal zu beiden Seiten begleitenden Höhenzügen
 zeigen viele der Ortschaften eine Arbeiterbevölkerung von durchaus
 industriellem Charakter, die in den Städten des Thales ihre Arbeitsplätze
 haben. Daß aber Landwirtschaft von ihnen noch im Nebenberuf
betrieben wird, zeigen die hohen für die Kreise Göttingen und Northeim
hierfür geltenden Zahlen: 20,6 und 29,4 °% der gesamten erwerbsthätigen
Bevölkerung!). Aber auch hier ist die im Leinethal auftretende Volksverdichtung
 weniger den günstigen landwirtschaftlichen Bedingungen,
als vielmehr dem industriellen und daneben, wie wir noch sehen werden.
dem Verkehrsfaktor zuzuschreiben.
Das Zurücktreten landwirtschaftlichen Erwerbs in den Gebirgsgegenden
 zwischen Leine und Weser (Kreis Münden) kann nicht überraschen.
 Hier hat die Ungunst der Verhältnisse eine deutliche Auflockerung
 der Bevölkerung hervorgerufen und diese, soweit sie Landwirte
sind, auf eine mehr extensive, nur wenige Personen beschäftigende Landwirtschaft
 verwiesen. In den beiden Kreisen Uslar und Holzminden
erlangt der landwirtschaftliche Nebenbetrieb wieder einen starken Anteil
am Erwerbsleben mit 30,7 und 25,9% der erwerbsthätigen Bevölkerung?).
 Bei dem ausgesprochen industriellen Charakter gerade des

') Stat. d. D. R., N. F. 109. S. 2838 u, 241.
! Ebenda. S. 290 u. 675.
        <pb n="99" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 97

letzteren Kreises kann dies jedoch nicht überraschen, während im Kreise
Uslar der mehr landwirtschaftliche Charakter des Gesamtgebietes auch
im Hauptberufe wieder deutlich zu Tage tritt.
Interessant ist es aber, aus der Zusammenstellung den geringen
Einfluß zu entnehmen, den der Wald auf den Lebenserwerb der Bewohner
 hat, selbst im Gebiete starker Waldbedeckung. In dem fast
waldlosen Eichsfeld (Kreis Duderstadt 13,3% Wald!) kann natürlich
von irgendwelchem Einfluß des Waldes keine Rede sein. Aber auch
in den immerhin nicht waldarmen Kreisen Worbis, Göttingen und Northeim
 (23,8; 26,9; 31,8% der Gesamtfläche) ist die Anzahl der in der
Forstwirtschaft thätigen Personen äußerst gering. Ebenso vermag..der
das Harzvorland umfassende Kreis Osterode mit seinen 22,4% Wald
nur 1,4% seiner erwerbsthätigen Bevölkerung zu ernähren. KErstaunlich
 aber ist, daß selbst in den fast ausschließlich dem Waldgebiet des
Solling angehörigen Kreisen Uslar und Holzminden, die über 55% ihrer
Gesamtfläche vom Wald bedeckt haben, in erstefem nur 3,04%, in
letzterem sogar nur 1,6% der Erwerbsthätigen ihren Unterhalt durch
eine an den Wald geknüpfte Thätigkeit finden. Dies zeigt den geringen
Einfluß des Waldes auf das Erwerbsleben, und die Zonen größerer Verdichtung
 am Rande der Waldgebirge Südhannovers sind lediglich, abgesehen
 von anderen Faktoren, ein Produkt ihrer Eigenschaft als Gebirge,
 also als Verkehrshindernis.
Die Dichtekarte läßt nun deutlich mit ihren Farbtönen die oben
gemachte Scheidung zwischen vorwiegend landwirtschaftlichen und vorwiegend
 industriellen Bezirken hervortreten. Es bleiben nämlich erstere
an Dichte ihrer Bewohner weit hinter letzteren zurück, Während jene
sich innerhalb 40—80 Menschen auf 1 qkm bewegen (z. B. Eichsfeld,
Einbecker Bucht im Inneren, Muschelkalkzüge zu beiden Seiten des
Leinethales, Buntsandsteinzug), erreichen die schon mit mehr industriellen
 Anlagen ausgestatteten Kreise Worbis, Münden und Uslar
Stufen von 80—150 auf das Quadratkilometer. Darüber hinaus gehen
dann nur die Industriegebiete,. wie sie in der nächsten Umgebung von
Göttingen und im Weserthal, besonders an der Nordseite des Solling
(Kreis Holzminden) vorhanden sind, wo Dichteprovinzen von 150—200
und mehr Bewohnern wahrgenommen werden.

111. Industrie.

Wir wenden uns in diesem Abschnitt sofort zur spezielleren Betrachtung
 der Bedeutung der verschiedenen Branchen für die Einzelgebiete.
 Es kann nicht verwundern, nach dem vorher Gesagten im
Eichsfelde (Kreis Duderstadt) die einzelnen Industriezweige nur sehr
spärlich vertreten zu finden. Von nennenswertem Einfluß ist nur die Tabakverarbeitung,
 die sich an den ausgedehnten Anbau dieser Pflanze in
der Duderstadter Gegend anschließt?), und dann die Holzindustrie, deren

1!) Gem.-Lex. Prov. Hannover, 1887.
?) H. K, B. Gött. 1895, S. 76. In Duderstadt bestanden damals fünf Tabak;
fabriken.
        <pb n="100" />
        38

E. Wagner,

Schwerpunkt ebenfalls in den östlichen Teilen des Kreises Duderstadt,
im Nuthethal und in der weiteren Umgebung der Kreishauptstadt liegt.
Weberei wird trotz des durchschnittlich schlechten Vermögensstandes
der Bevölkerung wohl aus Mangel an geeigneten Absatzplätzen als
Hausindustrie nicht betrieben. Die in der Textilindustrie Beschäftigten
gehören wenigen über das Gebiet verstreuten Tuchfabriken an.

18951)

Industriezweig

Gesamtzahl der industr.
Erwerbsthät, im Hauptund
 Nebenberuf ?)

Bergbau und Hütten «

Steinbruch, Ziegelei ete. .

Eisenverarbeitung . .
(Schlosserei)
Holzverarbeitung . . . .
(Waldarb., Tischler etc.)

Textilindustrie .
Papierindustrie

Tabakverarbeitung

Kreis
Duderstadt

2672

43 = 1,6%

237 — 8,9% |

183 = 6,8%

140 = 5,2%
230 = 8,6%

Kreis
Worbis

Kreis
Osterode

Kreis
Gandersheim

BANA

7447

8223

138 = 1,8%/415 = 5,0%
244 = 4,1%! 366 = 4,9% 1688 = 8,4%
299 = 3,6% 502 = 6,7%/630 = 7,7%

179 = 2,9% 1321 = 17,8% 902 = 10,9%

12806 = 88,4%11161 = 15,6% 97 = 1,2%
835 = 0,4%|167 = 6,2%
483 = 8,0%) 178 = 2,49% 573 = 6,2%

Ein wesentlich anderes Bild ergiebt sich für den durch Kreis
Worbis repräsentierten Südabhang des Eichsfeldes (18—20), wo die
Dichte stellenweise schon bis 170 steigt. Hier beginnt die industrielle
Bevölkerung schon mehr Einfluß zu gewinnen und zwar vorzüglich
durch die in jener Gegend (Umgebung von Stadt Worbis) bestehenden
Webereien und Tuchfabriken. 38,4% der industriellen Bevölkerung
werden durch diesen Fabrikationszweig ernährt. Auch der Steinbruchsbetrieb,
 sowie die Eisenverarbeitung vermögen einen gewissen Einfluß
auszuüben, während die Tabakverarbeitung, deren Rohmaterial zumeist
aus dem Eichsfeld bezogen wird, noch 8% der industriellen Bevölkerung
 beschäftigt. Auch der lokal verdichtende Einfluß der Zuckerfabriken
 zu Duderstadt und Rittmarshausen ist nicht zu verkennen.
Was das Vorland des Harzes anbetrifft, das durch den Kreis
Osterode und einen Teil von Gandersheim repräsentiert wird, zeigt sich
ein starkes Hervortreten der in der Holzverarbeitung thätigen Personen.

') Stat. d, D. R., N. F. 109.
?) Es sind hier und in den folgenden Zusammenstellungen die für Hauptund
 Nebenberufe geltenden Zahlen der Statistik zusammengefaßt, um den Wert
der einzelnen Industriezweige für die gesamte erwerbsthätige Bevölkerung darzuthun.
        <pb n="101" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 99

Die Bau- und Möbeltischlerei trägt daran den Hauptanteil, und die
für Kreis Osterode geltenden Zahlen erreichen vorzüglich durch die
in Osterode selbst bestehenden derartigen Fabriken diese Höhe. In
derselben Stadt wird auch Textilindustrie in größerem Maße betrieben,
was die hierfür angeführten Zahlen vorzüglich zu ihrer Höhe bringt.
Der Charakter Osterodes als Hauptsitz dieser beiden Branchen bedingt
die starke Verdichtung in seiner nächsten Umgebung (3). Auch sonst
wird in den landwirtschaftlich schlecht gestellten Teilen des Harzvorlandes
 Weberei als Hausindustrie vielfach betrieben. Zur sachgemäßen
Ausbildung der Bevölkerung in dieser Hinsicht besteht die königliche
Webschule zu Einbeck‘!).
Der Bergbau, der sonst im Gebiete rechts der Leine ganz wegfällt,
 bleibt auch im Kreise Osterode unbedeutend, während die für
Kreis Gandersheim aufgeführten Zahlen sich auf den Kohlen- und
Eisensteinbergbau des Hils beziehen, also über den Rahmen unseres
Gebietes hinausreichen.
Tabakindustrie wird in beiden Kreisen betrieben. In Seesen und
Osterode bestehen größere Etablissements zur Verarbeitung der in ihrer
Umgebung reichlich gezogenen Pflanzen.
Im Leinethal, wo dem industriellen Faktor ein wesentlicher Anteil
 an der Volksverdichtung zukommt, ergeben sich folgende Verhältnisse?):


Industriezweıg

Bergbau (Kali)
Steine und Erden

Eisenverarbeitung
Holzverarbeitung

Textilindustrie

Papierindustrie
Tabakverarbeitung
Zuckerfabrikation

Göttingen
84.14 industr
Erwerbsthätige


Northeim
3860 industr.
Erwerbsthätige


Einbeck
‚3463 industr.
Erwerbsthätige


5= 0,1% | 67 = 1,9%
280 = 2,7% 2928 = 5,9% |169 = 4,9%
734 = 8,7% 253 = 6,5% |228 = 6,6%
750 = 8,9% ' 239 = 6,3% |409 — 11,8%
591 = 7,0% | 55 = 1,4% |205 = 5,6%
25 — 0,3% | 8= 0,2% | 97 = 2,8%
198 = 2,3% | 86 = 2.2% | 40 = 1,1%
86 = 1,0% | 84 = 2,1% | 25 = 0,7%

Zunächst tritt hier als neuer Industriezweig die Kali- und Steinsalzindustrie
 auf, deren Vertreter zumeist in den Kaliwerken von
Freden, sowie in den Salinenwerken von Salzderhelden, Luisenhall bei
Grone und Sülbeck ihre Arbeitsplätze haben. Indessen bleibt diese Industrie
 in dem hierher gehörigen Teil des Leinethales von unter-’)

 H. K. B. Hildesh. 1895, S. 103.
3 Stat. d. D. R., N. F. 109.
        <pb n="102" />
        100

E. Wagner,

geordneter Bedeutung. Erst im Gebiet der jüngeren Gebirge Hannovers
(Deister, Süntel etc.) wird sie von stärkerem Einfluß auf das Erwerbsleben
 der Bevölkerung.
Die Rübenzuckerfabrikation gelangt im Gebiet der Leine zu
größerer Entfaltung, wenn sie auch mehr die Landwirtschaft durch
ihren umfangreichen Rohmaterialienbedarf beeinflußt. Viele der Städte
und größeren Ortschaften des Bezirkes beherbergen Zuckerfabriken, so
Öbernjesa, Göttingen, Nörten, Northeim und Einbeck!). Aehnliche
Verhältnisse bestehen für die Tabakverarbeitung, die gleichfalls in Northeim
 und Einbeck Fabriken hat entstehen lassen,
Die für Eisen- und Holzverarbeitung geltenden Zahlen, unter denen
Bauschlosserei und Tischlerei mit inbegriffen sind, werden hier durch
die regere Nachfrage nach deren Erzeugnissen bei den durch die Städte
veranlaßten zahlreichen Neubauten zu einiger Höhe gebracht. Ebenso
wird die Produktion der Steinbrüche und Ziegeleien beeinflußt, wobei
jedoch besonders aus den Basaltbrüchen bei Dransfeld noch ein gutes
Exportgeschäft nach Westfalen und Schleswig-Holstein betrieben wird?).
Interessant ist es aber, gerade im Gebiet des Leinethales und der
Einbecker Bucht die Verteilung der industriellen Bevölkerung von der
Dichtekarte abzulesen. Das überall hervortretende Bestreben der Arbeiterschaft,
 ihrer Arbeitsstätte möglichst nahe zu wohnen, hat Zonen
größerer Verdichtung im Umkreis der industrielle Anlagen beherbergenden
 Plätze entstehen lassen. Göttingen und Northeim sind Beispiele
hierfür, indem sich von ihnen aus das Thal hinauf und hinab derartige
Zonen erstrecken. Ganz das Gleiche läßt sich für die Stadt Einbeck
nachweisen, ın deren Umgebung ja überhaupt fast die ganze Industrie
der Keuperbucht konzentriert ist. Der Hauptteil dieses Distriktes war
ja schon früher als vorwiegend landwirtschaftlich erkannt worden, womit
 auch die zu beobachtende geringere Dichtestufe von 60—80 Bewohnern
 auf das Quadratkilometer übereinstimmt.
Mit dem letzten zur Triasplatte gehörigen Teil, dem Solling, den
Weserbergen und dem Weserthal, gelangen wir in ein vorwiegend industrielles
 Gebiet, in dem der landwirtschaftliche Erwerb durchaus zurücktritt
 (siehe nebenstehende Tabelle S. 101).
Metallische Bodenschätze, wie sie der Harz aufweist, die einen
wesentlichen Einfluß auf die stärkere Besiedelung des Gebirges ausüben
könnten, fehlen dem Solling, und die hier bei Uslar und Dassel bestehende
 Hüttenindustrie muß sich mit dem Verschmelzen fremder Erze
befassen, wobei ihr freilich die Kohlenvorkommnisse des Gebirges
(Volpriehausen) einigermaßen zu gute kommen. Dagegen knüpfen sich
an den Buntsandstein sowohl in den Weserbergen wie im Sollinger Gebiet
 mannigfache Industrieen, Bekannt sind die in der Mündener Gegend
in dem durch kieselige Zusätze verhärteten Buntsandstein betriebenen
Mühlsteinbrüche, die jährlich 6—800 dieser Steine anfertigen und weit
bis Norddeutschland hinein versenden”). Noch wertvoller sind die bei

!) Jahresber. d. Landw.kammer Hannover 1900.
?) H. K. B. Gött. 1896, 8. 41.
3 H. K. B. Gött. 1895, 8. 55.
        <pb n="103" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 101

Industriezweig

Bergbau und Hütten
Steine und Erden

Eisenverarbeitung
Holzverarbeitung .
Textilindustrie
Papierindustrie

Tabakfabrikation

Zuckerfabrikation

Glasfabrikation

Porzellanfabrikation

Solling
Kreis
Holzminden
9145 industr.
Erwerbsthätige


Kreis!)
Münden
3802 industr
Erwerbsthätige


Kreis
Uslar
2626 industr
KErwerbsthätige


18 = 0,5% 1838 = 5,8%
333 = 8,7% [1365 = 13,9%
997 = 5,9% 1192 = 5,6%
389 = 8,9% 1290 = 11,1%
82 = 2,2% 1135 = 5,1%
24 = 0,7%
377 = 9,9%
93 = 0,6%

| 56 = 0,6%
2062= 22,5%
401 = 4,4%
706 = 7,7%
769 = 8,4%
67 = 0,7%

11 = 0,4%
148 =— 5,6%

470 = 5,1%
186 = 1,5%

Holzminden gewonnenen sogen, Sollinger Platten, mehr oder weniger
dünn gespaltene glimmerreiche rote Sandsteine, die zu Treppenstufen,
Laboratorientischen, Fenstergesimsen u. dergl. Verwendung finden. Ihre
Gewinnung und Zurichtung verschafft 22,5% der industriellen Bevölkerung
 des Kreises Holzminden Erwerb. Das Hauptzentrum dieser Industrie
 ist Holzminden, von wo aus auch der Export geschieht. In
gleicher Weise besorgt Karlshafen den Versand der im südlichen
Solling gewonnenen Bausteine. Jedenfalls ist aber die Steinindustrie
von größter Bedeutung für das vorliegende Gebiet und nimmt, wie die
Zusammenstellung zeigt, den ersten Platz unter dem industriellen Lebenserwerb
 der Bevölkerung ein. Als ebenfalls hierher gehörig sei noch
der Porzellanfabrik zu Fürstenberg mit 140 Arbeitern gedacht, wie
denn überhaupt im Gebiet des Solling Töpferei in ziemlicher Ausdehnung
 betrieben wird.
Ebenso wie der das Gebirge aufbauende Fels hat auch sein Waldbestand
 mancherlei Industrie hervorgerufen. In früheren Jahren befanden
 sich über das ganze Gebiet zerstreut zahlreiche Pottaschesiedeveien”),
 deren Produkte teilweise zur Bleiche der hier verfertigten
Leinewand, teils zur Glasfabrikation Verwendung fanden. Zwar hat
diese Verwertung des Holzreichtums in unserer Zeit bedeutend nachgelassen,
 aber seine Verarbeitung zu Bauholz, sowie zu verschieden-!)

 Stat. d. D. R., N. F. 109.
? Guthe, S. 897. Noch 1796 bestanden 17 Pottaschesiedereien im
Kreise Uslar.
        <pb n="104" />
        102

E. Wagner,

artigen Holzstofferzeugnissen wird in allen größeren Siedelungen des
Gebirges betrieben. Die nahe Weser ermöglicht eine weite und billige
Verfrachtung bis nach Hannover (über Hameln) und Bremen. In
früheren Jahren wurde freilich mit Hannover direkt durch die Leine
verkehrt*), während in unserer Zeit der Umweg über Hameln allein in
Benutzung ist.
Von den übrigen Industriezweigen vermag keiner mehr die Bedeutung
 zu erlangen, wie die beiden bereits erörterten. Die Textilindustrie,
 die hier besonders als Leinewandfabrikation entwickelt ist,
hat ihre Hauptstätte in Uslar und der benachbarten Musterbleiche
Sohlingen. Daneben bestehen noch in Uslar umfangreiche Teppichwebereien.
 Sonst erreicht die Weberei ihre größte Ausdehnung im
Kreise Holzminden, wie ja überhaupt dieser Kreis das vollkommenste
Industriegebiet der Triasplatte darstellt. Bekannter sind auch die Erzeugnisse
 der Glashütten des Gebietes, die meist aus den größeren
unter ihnen, Ameliet und Nienover, stammen. Daneben aber bestehen
noch zahlreiche kleinere Hütten über das Gebiet verstreut.
Von den eng mit der Landwirtschaft verknüpften Industrien zeigt
sich die Tabakverarbeitung in der Mündener Gegend von Einfluß,
während die Zuckerindustrie zu sehr untergeordneter Bedeutung
herabsinkt.
Daß sich die meisten der industriellen Anlagen, die eine Verarbeitung
 der Rohstoffe des Solling vornehmen, an seinem Rande und
hierbei hauptsächlich an der Weser befinden, ist im Hinblick auf die
hier gebotenen schnellen und billigen Transportmittel durchaus verständlich.
 So erklären sich auch leicht die sehr hohen Dichtezonen,
die das Weserthal aufweist (Münden bis Karlshafen 150—200 Bewohner
auf 1 gkm (61), Höxter, Holzminden 200— 350 Bewohner auf 1 qkm (63),
als ein Produkt aus der Zusammenwirkung des industriellen und kommerziellen
 Faktors.

IV. Verkehrsverhältnisse.

Drei große durch die Natur gegebene Verkehrsstraßen bestimmen
die Verkehrsrichtung im Gebiet der südhannoverschen Triasplatte, Diese
sind das Weserthal im Westen, das Leinethal in der Mitte und die
Thalsenke zwischen dem hannoverschen und thüringischen KEichsfelde
im Süden, wobei als Verbindungsweg zwischen den letzten beiden noch
der Straßenzug Northeim— Nordhausen angeführt werden kann, Diesen
vorgezeichneten Linien folgte denn auch der Verkehr des Mittelalters
mit seinen Straßen, und ebenso heutzutage der Schienenweg der Eisenbahnen.

Die Weser galt von jeher für den Verkehr zwischen Italien und
Süddeutschland und den an der Küste gelegenen Hafenstädten als vielbenutzter
 Transportweg. Die Stadt Münden, wo das starke Gefälle der
Werra und Fulda der Schiffahrt Einhalt gebot, mußte sich unter diesen

:) Guthe, S. 399. Der Name Holzhof in Hannover deutet auf die Flößerei
auf der Leine hin.
        <pb n="105" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 103

Nordhau:

;hmg3ßge.
ge

u

— Kilometer

Umständen bald zu einem hochwichtigen Stapel- und Umladeplatz entwickeln?!),
 dessen Bedeutung noch durch die den Ufern der Flüsse
folgenden Heerstraßen erhöht wurde. Es bildete sich auf diese Weise
ein Knotenpunkt aus drei, den Thälern der Fulda, Werra und Weser
nachziehenden Straßen. Mancherlei Privilegien, die sich auf die Weserschiffahrt
 bezogen, sowie das erst 1824 aufgehobene Stapelrecht?), wonach
 alle die Stadt passierenden Waren hier ‚erst drei Tage zum Kauf
ausgeboten werden mußten, erzeugten schnell einen blühenden Wohlstand.
 Wenn auch später die bereits bei den Verkehrsverhältnissen
des Oberharzes besprochene Richtungsänderung des Handels die Stadt
sehr stark schädigte, hat sie sich doch in neuester Zeit mit der infolge
Regulierung der Fulda und Oberweser gehobenen Schiffahrt wieder
einige Bedeutung verschafft. Sicher aber würde wohl Münden noch zu
größerem Einfluß gelangen können, wenn die Schiffahrt auf der Oberweser
 nicht ständig in der warmen Jahreszeit mit dem niedrigen
Wasserstande zu kämpfen haben würde, Gerade hierdurch wird eine
genügende Ausnützung der Ladefähigkeit der Fahrzeuge verhindert
und eine sichere Ankunft der Güter am Bestimmungshafen nur zu oft
fraglich gemacht, weshalb die Elbe noch stets einen großen Teil der
Fracht der Weser entzieht®). Auch die Ende der 90er Jahre vorgenommene
 Regulierung des Fahrwassers auf der Oberweser hat diese

7) Guthe, 8. 407.
% Guthe, 8. 409. |
‘) H. K. B. Gött. 1894. Umfassende Abhandlungen über die wasserwirt.
schaftlichen Verhältnisse der Weser finden sich in dem Werke: Weser und Ems. 1901
bes. Ba. IH. 8. 187 £.
        <pb n="106" />
        E. Wagner,
Uebelstände nicht ganz zu beseitigen vermocht. Bis zu welcher Leistungsfähigkeit
 bei günstigen Verhältnissen sich der Flußverkehr steigern
könnte, läßt sich aus Beobachtungen entnehmen, die in Jahren hohen
Wasserstandes und daher ungestörten Schiffahrtsbetriebes angestellt
wurden?), Es kommen nämlich dann nicht nur Güter aus dem Weserthal,
 den Provinzen Hannover, Hessen und Westfalen, sondern auch
Massengüter aus dem Herzogtum Braunschweig und der Provinz Sachsen
mit Vorteil auf dem Flusse nach Hameln und von da weiter nach
Bremen zur Verschifung. Es wäre also sicher zu erwarten, daß beständige
 Wasserstandsverhältnisse ein ausgebreitetes Hinterland für die
Weserschiffahrt erschließen und den Verkehr noch bedeutend schneller
zunehmen ließe, als bisher?). Den Umfang dieses Verkehrs für den
Zeitpunkt der vorliegenden Abhandlung veranschaulicht die folgende
für Münden geltende Zusammenstellung. Hiernach betrug die Zahl
der die Stadt berührenden Fahrzeuge — Weserkähne und Dampfer —
und der von ihnen beförderten Güter — meist Getreide und Baumaterial
 — 3;

Verkehrsrichtung

Stromauf .

Stromab .

18394

1895

18596

Zahl
der
am. | Taus.
Schiffel Tons

Güter

Zahl | Güter‘
‚ der
Schiffe] Taus,

Zahl
der
Schiffel

Güter

Taus.
Tons

142

25

QQ

5,6

057

52.3

143 | 2,0 | 91 | 1,7 | 252 | 14,9

1897
Zahl | Güfer
der
Schiffe

Taus.
Tons

831,1
270 | 11,9

In obiger Tabelle macht sich der günstige Einfluß des Fuldakanals
 bald nach seiner Eröffnung (1895) geltend. Allerdings wird
außerdem das Jahr 1896 als ein sehr günstiges bezeichnet, wo stets
ausreichender Wasserstand die volle Ausnützung der Ladefähigkeit gestattete*).
 Die starke Abnahme der beförderten Güter im darauffolgenden
 Jahre illustriert auf das deutlichste, wie groß die Schädigung der
Schiffahrt durch die schlechten Wasserverhältnisse ist.
Die zweite große Verkehrsstraße, die unser Gebiet durchzieht, ist
das Leinethal. Im Mittelalter, als die Weserschiffahrt noch eine
recht unsichere, stellenweise infolge mangelnder Flußregulierung sogar
unmögliche war, und auch das Weserthal an einzelnen Stellen seiner
geringen Breite und steilen Felsufer wegen eine dem Flusse selbst
folgende Straße nicht zuließ, zog sich ein großer Teil des von der
Nordseeküste kommenden Verkehrs von Hannover aus nach dem Leinethal,
 um so Süddeutschland (Frankfurt, Augsburg) und weiter Ober-D.

 R.ı,

') A. K. B Hannover 1894, S. 286 und 1896, S. 316.
?) Ebenda, N
°) Die Stromgebiete des Deutschen Reiches, Gebiet Weser, S. 12 in Stat. d.
N. F. 39 IIb 1901 und H. K, B. Gött. 1894—97,
‘) H. K. B. Gött. 1896, S. 81; H. K. B. Hannover 1896, S. 316.
        <pb n="107" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 105

italien und die Schweiz zu erreichen!). Einbeck, Northeim und besonders
 Göttingen?) verdanken ihrer Lage an dieser Verkehrsader ihr
Aufblühen zu großem Wohlstand, woran freilich der umgebende fruchtbare
 Thalboden einen wesentlichen Anteil hatte. Die Verschiebung der
Handelswege und die Schrecken des 30jährigen Krieges haben indessen
diese Städte schwer getroffen. Erst in späterer Zeit ıst Göttingen durch
seine Universität wieder ein belebendes Element zu teil geworden, unter
dessen Einfluß es sich wieder zu heben beginnt.
Naturgemäß mußten zwei so bedeutende vielbenutzte Handelswege
wie das Weser- und Leinethal eine starke Anziehung auf einander ausüben
 und manche verkehrsreiche Verbindungsstraße zwischen sich entwickeln,
 Die nördlichste in unser Gebiet entfallende derartige Straße
zieht vom Harzrand (Goslar) herkommend über Gandersheim, Kreiensen,
Stadtoldendorf nach Holzminden zur Weser. In früheren Zeiten bildete
die von Salzderhelden über Einbeck nach Eschershausen und Bodenwerder
 verlaufende Straße in Stadtoldendorf einen nicht unwichtigen
Knotenpunkt heraus’). In unseren Tagen ist nur der erstgenannte ostwestliche
 Straßenzug in eine Eisenbahnlinie umgewandelt worden. Dadurch
 hat sich an ihm ein anderer hochbedeutender Knotenpunkt in
dem Orte Kreiensen im Leinethal entwickelt, wo sich die nach Goslar,
Hildesheim, Holzminden, Hannover und Göttingen gerichteten Schienenstränge
 treffen. Dies Zusammenlaufen der Linien hat in diesem Teile
des Harzvorlandes das Anwachsen der Bevölkerung, ungeachtet der oben
ee Ar schlechten Bodenverhältnisse im stärksten Maße begünstigt
7, 8, 9). +
Eine andere Straße aus dem Leinethal verlief von Salzderhelden—
Einbeck über Dassel nach Holzminden. Gleichzeitig bildet Holzminden
auch den Ausgangspunkt der noch heute wichtigen Querstraße über den
Solling durch das Holzminde- und Ahlethal über Fohlenplacken—Neuhaus
 (300 m) nach Uslar, und weiterhin nach Hardegsen (190 m) und
Northeim. Da nicht Holzminden, sondern das etwas südlicher gelegene
Höxter, die alte Uebergangsstraße*) über die Weser und dank seiner
Lage in der Nähe des Nethethales die Eingangspforte nach Westfalen
bildete, setzen sich alle diese Straßen von Holzminden aus hierhin fort,
und noch heute verfolgt die verkehrsreiche Eisenbahnlinie Köln—Magdeburg
 dieselbe Richtung. Gerade der Umstand, an dieser Eisenbahnlinie
 gelegen zu sein, ist für beide Städte, Höxter und Holzminden, von
großem Wert,
Ein dritter Verbindungsweg des Leinethales mit der Weser führt
von Northeim durch das Espoldethal über Hardegsen und Uslar, wo
die Sollingstraße auf ihn trifft (s. o.), nach Lauenförde-—-Beverungen
und über die Weser weg nach Westen. Als letzte von größerer Wichtigkeit
 selen die von Göttingen ausgehenden Straßen über Adelebsen

') Schmidt, Der Einfluß d. alten Handelswege in Niedersachsen. Hannover
1897, S. 35. .
2) Historische Entwicklungsgeschichte der Stadt Göttingen bis zur Mitte des
19. Jahrhunderts bei Guthe, 8. 381 f.
3) Guthe, S. 390. |
4) Guthe, S. 416. Schon 1249 befand sich hier eine steinerne Brücke.
        <pb n="108" />
        106

E. Wagner,

durch das Schwülmethal nach Bodenfelde und Karlshafen, und über
Dransfeld nach Münden genannt.
Diese Straßen „zweiter Ordnung“ übten ebenfalls einen starken
Einfluß besonders auf die an ihren Endpunkten gelegenen Orte aus,
gleichzeitig aber entwickelten sich auch die von ihnen durchzogenen
Siedelungen. Die Umgebung von Stadtoldendorf (56, 57, 58), Einbeck
(45), Dassel (54) und Uslar (47) verdankt dieser Einwirkung des Verkehrs
 zu einem großen Teile ihre dichtere Besiedelung, die bei Stadtoldendorf
 und Uslar 150 Bewohner auf 1 qkm nahezu erreicht, in den
anderen beiden Distrikten aber 100 überschreitet. Einige dieser Straßen
sind in der Neuzeit zu Eisenbahnen geworden, wie die mehr und mehr
an Bedeutung verlierende Linie Göttingen—Dransfeld—Münden!), und
ferner die Linie Northeim— Uslar—Bodenfelde und weiter durch Westfalen
 nach Düsseldorf. Die Bedeutung der Hauptlinie nach Westfalen
und dem Rhein, die schon bei Kreiensen das Leinethal verläßt (s. 0.),
vermag sie indessen nicht zu erlangen.
Bei Besprechung der Oberharzer Straßen hatten wir eines von
Braunschweig aus am Westrand des Gebirges nach Osterode und weiter
nach Nordhausen führenden Straßenzuges gedacht, von dem sich bei
Badenhausen die sogen. Nürnberger Straße abzweigte, um sich über
Duderstadt und Heiligenstadt südwärts zu wenden. Der das Eichsfeld
durchquerende Teil dieser Straße wird heute von der für die zentralen
Gebiete äußerst wichtigen Eisenbahn Wulften—Duderstadt— Worbis—
Leinefelde vertreten. Dazu gesellte sich nun ehemals von Duderstadt
ausgehend eine andere Handelsstraße, die sich über Worbis, Mühlhausen
nach Erfurt wandte, Hierdurch wurde Duderstadt zu einem wichtigen
Durchgangs- und Knotenpunkt für den Verkehr zwischen Erfurt und
Braunschweig. Diese Erfurt—Braunschweiger Straße suchte naturgemäß
 ebenfalls Verbindung mit dem Leinethal. Eine derselben benutzt
von Wulften aus das Rhumethal abwärts nach Northeim, dem Knotenpunkt
 der Straßen nach Einbeck und der Weser und der Hannover—
Frankfurter Straße, während eine andere durch das Gartethal nach
Göttingen führt, welche Richtung heute die von Göttingen bis Rittmarshausen
 in Betrieb befindliche Kleinbahn einhält. Wenn sich das
Projekt, sie bis Duderstadt fortzusetzen, verwirklicht, wird dieser alte
Verbindungsweg ganz durch einen Schienenstrang ersetzt sein, wie es
der ersterwähnte des Rhumethales schon lange ist.
Die Dichteverhältnisse des Eichsfeldes lassen noch heute den Verlauf
 der genannten Straßen erkennen. Ihnen folgen die hohen Dichtestufen
 von über 100 Bewohnern auf dem Quadratkilometer, wie sie das
Rhumethal (13) und die Umgebung von Duderstadt (16), von der sich
Ausläufer gleich hoher Dichte in die benachbarten Thäler erstrecken,
besitzen. Freilich hat Duderstadt die Bedeutung, die es ehemals als
Knotenpunkt hatte, verloren, da der nach dem Osten gerichtete Ver-')

 Der Verkehr beschränkt sich nur noch auf wenige Personenzüge und den
Güterverkehr. Schnellzüge benutzen die Strecke Göttingen—KEichenberg—München,
um der sehr starken Steigung bis Dransfeld zu entgehen. Die von Kassel kommenden
 Schnellzüge befahren allerdings diese Strecke, aber meist ohne zu halten.
        <pb n="109" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 107

kehr entweder dem Harzrand entlang oder südlich durch das oberste
ostwestliche Leinethal verläuft. Gerade diese Ausschließung des unteren
Eichsfeldes von den großen Verkehrslinien unserer Tage hat es veranlaßt,
 daß sich hier ein industrielles Leben nie hat entwickeln können.
Und somit sind wir auf die dritte Hauptverkehrsader der Triasplatte
gekommen, die heute durch die von Halle über Nordhausen, Heiligenstadt
 nach Kassel führende wichtige Bahnlinie repräsentiert wird. Es
ist dies die alte sogen. „Mittlere Verbindungsstraße zwischen Elbe und
Rhein“ 1), eine der wichtigsten deutschen Heerstraßen. Auf ihrem Weg
in dem zwischen beiden Hälften des Eichsfeldes gelegenen Thale nach
Witzenhausen, wo sie sich in einen Kasseler und einen thüringischen
Straßenzug spaltet, wird sie auf die Bevölkerungsverhältnisse von größtem
Einfluß. Nur aus diesen Verhältnissen heraus, die schon seit dem Mittelalter
 her bestehend, durch die Eisenbahnen der Neuzeit mächtig belebt,
wirksam sind, lassen sich die Zonen großer Verdichtung in diesem Teil
erklären (20, 28). Wichtige Knotenpunkte haben daneben vermocht,
lokal noch besonders hervortretende Dichteprovinzen zu schaffen, wie
Leinefelde an der Einmündung der HEichsfelder Querbahn (305 Bew.
auf 1 qkm) und Eichenberg (123 Bew. auf 1 qkm), wo sich, ganz wie
in alter Zeit die Straßen, heute die Schienenstränge Hannover—Frankfurt
 und Halle—Kassel kreuzen. Sehr gut läßt die Karte auch die Bedeutung
 der Stadt Heiligenstadt hervortreten, „als ein Vermittelungspunkt
zwischen den westlichen nach dem Werrathal gravitierenden und den
östlichen bereits der Goldenen Aue zuneigenden Gebieten“ ?).
V. Bewegung der Bevölkerung.

Zum größten Teil läßt sich die Wirkung der drei vorstehend betrachteten
 hauptsächlichen Dichtefaktoren — Landwirtschaft, Industrie
und Verkehrsverhältnisse — aus der Bewegung der Bevölkerung erkennen.
 Es soll daher zum Schluß des Kapitels über die südhannoversche
 Triasplatte noch einiges über deren Erscheinung in den Einzeldistrikten
 während der Jahre 1871—95 gesagt werden (siehe folgende
Tabelle S. 108).
Die äußerst schwache Zunahme des westfälischen Harzvorlandes wird
lediglich durch seine nördlichen dem Leinethal nahegelegenen und deshalb
 verkehrsreicheren Gebiete (7—10) bewirkt, während die südöstlichen
landwirtschaftlichen und von größeren Verkehrslinien abgeschnittenen
Bezirke (12) in den gleichen Jahren 3,9% Abnahme ihrer Bevölkerung
zeigen.
Im Eichsfeld kann von einer Zunahme nur in den Thälern die
Rede sein, während die übrigen Teile abnahmen (Gebiet links der Nuthe
—5,3%). Diese Erscheinung ist einesteils aus den wenig günstigen
landwirtschaftlichen Verhältnissen außerhalb der Schwemmlandböden

) Guthe, S. 375. Die nördliche Verbindungsstraße geht von der Elbe
über Hannover-Minden; die südliche über Erfurt-Fulda zum Rhein, Dies hier ist
demnach die mittlere.
2) Käsemacher, S. 203.
        <pb n="110" />
        108

(Gebhietsteil

Westliches Harzvorland . .
(ohne Gandersheim) (7—12)
Rhumethal (13). . .

Hahle- u. Nuthethal . . . ..
(ohne Duderstadt) (10)
Gebiet zwischen Nuthe u. Bergl.
rechts der Leine (16%. 17, 22).

Ellerthal (14. 15) .

Süd- u. Südwestabhang d. Ohmgebirges
 (18—20) . . ..
Oberstes Leinethal ,‚ . . ..
(ohne Heiligenstadt) (281

E. Wagner,

Einwohnerzahl

Zu- oder Abnahme

[871

1895

28 866

1—+ 0,4 (41,7 mit Gandersheim)

10865 + 0,9
5348 ' 410,2

29 002

10760 *

4 853

12888

13 020

+ 1,0 (+ 7,1 mit Duderstadt)


14 556

13 781

53

11043 |

11 406

\—

3.1

6 794

75392

H 10,8 (+ 21,8 mit Heiligenstadt)


der Thäler zu erklären, anderenteils aber, und vielleicht noch wirksamer,
 aus den schlechten Verkehrsbedingungen, die ein Aufblühen
irgend welcher industriellen Thätigkeit ungeheuer erschweren. Denn
da, wo die Verhältnisse sich in dieser Beziehung glücklicher gestalten,
wie in der Umgebung von Duderstadt und am Südwestabhang des
Ohmgebirges, findet sich auch sofort eine Zunahme, und zwar in ersterem
Gebiet ohne Duderstadt um 1,0%, die bei Einrechnung dieser Stadt
mit ihren 26,1% Zuwachs sich auf 7,1% erhöht. Natürlich ist auch
im obersten Leimethal (Umgebung von Heiligenstadt) die Zunahme eine
rege (10,1%). Die Stadt Heiligenstadt selbst hat in derselben Zeit eine
Bevölkerungsvermehrung von 87,1% zu verzeichnen.
In gleicher Weise findet sich die Vermehrung im Gebiet der Leine
von Kirchgandern bis Salzderhelden auf das Thal beschränkt (siehe
nebenstehende Tabelle S. 109).
Die landwirtschaftlich und industriell gleich schlecht gestellten
beiderseitigen Randhöhen haben ein Wachsthum der Bewohnerzahl nicht
zu erzeugen vermocht, sondern vielmehr in den betrachteten 24 Jahren
einen nicht unbeträchtlichen Teil verloren. Dagegen aber ist die Bevölkerung
 des Leinethales mit seinen mannigfachen günstigen Bedingungen
 ebenso wie die der Einbecker Bucht selbst bei Abzug der
größeren Zentren gewachsen. Rechnen wir aber diese Städte (Göttingen
60,9% ,. Nörten 9,9% und Northeim 50,1%) ein, so ergiebt sich für
das Leinethal ein Zuwachs von einem Drittel (38,0%) seiner Bevölkerung
von 1871, während die vom heutigen Fremdenverkehr abgeschnittene
Einbecker Bucht durch die gleichnamige Stadt (4 36,2%) nur auf 13,3%
gebracht wird.
Die ziemlich starke Entvölkerung der seitlichen Höhenzüge des
Leinethales ist sicher in vieler Beziehung durch die anziehende Wir-
        <pb n="111" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen, 109

Gebietsteil

Bergland rechts der Leine (23—26)

Leinethal ohne Göttingen, Nörten,
Northeim (27. 29—833). . ..

Stadt Göttingen (30). . . .
Stadt Northeim (38) .
Bucht von Einbeck ohne Einbeck,
Markoldendorf (41—46) . .

Muschelkalkzug links der Leine
ohne Dransfeld (34—38). .

Buntsandsteinzug links der Leine
(39. 40)

Einwohner

1871

1895

5 899

4 778

19 372

20 864
925506

15 852

4 785

7184

13 591

14 1832

10 380

9 672

4830 | 46938

Zu- und Abnahme

— 10.1

+ 7,7
| (+233,0 mit Göt-—+
 60,9 tingen, Nörten
| u. Northeim)
A 50,1

+ 3,9 (418,8 mit Einbeck
 u. Markoldendorf)

— 6,7 (— 5,9 mit Dransfeld

-— 48

kung des Thales und seiner städtischen Siedelungen hervorgerufen. Es
kommt also hierin der Zug nach den Zentren, obgleich diese selbst
nur in lokalem Sinne so genannt zu werden verdienen, zum Ausdruck.
Das flache Land und ganz besonders das ungünstig gestellte, wie hier
die Randhöhen, wird vielfach seinen Bevölkerungszuwachs nicht zu ernähren
 im stande sein und ihn abgeben müssen. Naturgemäß wendet
sich dieser den nächstgelegenen Städten zu, wenn er nicht, sobald diese
einen Erwerb auch nicht mehr zu bieten vermögen, zur Auswanderung
gezwungen wird. Jedenfalls aber muß das schnelle Wachstum, das
wir auch in unserem Gebiet für die größeren Städte der ländlichen
Umgebung gegenüber beobachten, zum größten Teil auf Kosten der
letzteren, dann auf Einwanderung von weiter her und erst zuletzt auf
die natürliche Vermehrung der städtischen Bevölkerung aus sich selbst
geschoben werden 2).

Stadt Göttingen 1871—95 . . . . . 60,9% Zuwachs
Nächste Umgebung (80) 26,4% »
Weitere Umgebung (81) . . . . . 18,8% $
(bis Bovenden im Norden und Rosdorf.
 Geismar im Süden).

Eine weitere Bestätigung der Vermehrungsunterschiede zwischen
land wirtschaftlichen und industriellen Gebieten liefert der Solling mit
seiner Umgebung. Die industriell thätigen Bezirke der Umgebung von
Uslar und Stadtoldendorf, welch letzteres von 1871/95 um 33,8 % zunahm,
 während Uslar nur 9.9 % erreichte, üben eine kräftig anziehende

) Supnan, Pet. Mitteil. 38, 1892, S. 59.
        <pb n="112" />
        110

E. Wagner,

Wirkung auf die Randgebiete des Gebirges, unterstützt von ihrer
günstigen Verkehrslage, aus, der die Bevölkerung auch thatsächlich
 folot.

(Gehbietesteil

Umgebung von Uslar (47—51)
(ohne Uslar)
Umgebung von Stadtoldendorf .
(58—65)
Ost- und Nordrand (52-55) .
(ohne Adelebsen, Hardegsen)
[nnerer Solling (59) . ..

Einwohner

1871

18295

8 501

Q 445

11 562

18 215

12 744

12 402

90865 |

2463

Zu- oder Abnahme

+ 11,1 (+ 10,8 mit Uslar)

+ 14,3

' + 9,7 (— 2,0m. Adelebsen
u. Hardegsen)

+ 19,2

Dabei ist interessant, zu beobachten, daß die Landstädte Adelebsen
 am Südrand und Dassel am Nordostrand diese Anziehung nicht
auszuüben vermochten, sondern sogar selbst in diesen 24 Jahren 0,3 %
(Adelebsen) und 8,4% (Dassel) ihrer Bevölkerung eingebüßt haben,
während Hardegsen dank seiner Lage an der Eisenbahnlinie Northeim-Karlshafen
 um 4,1 °% zuzunehmen im stande war, ohne indessen damit
seine ländliche Umgebung stärker.zu beeinflussen. Die wenigen Siedelungen
 des Gebirgsinnern haben sich trotz ihrer Abgeschlossenheit in
starkem Maße vermehrt, was neben der an den Buntsandstein geknüpften
 bodenständigen Industrie ihrer Lage an den das Gebirge überschreitenden
 Verkehrsstraßen zu danken ist.
Ein Gebiet reger Vermehrung wird schließlich noch durch das
Weserthal repräsentiert. Hier nehmen Verkehr und Handel, verknüpft
mit mancherlei Industrie, einen hervorragenden Platz ein, wogegen die
Landwirtschaft, auch schon wegen der durch die Enge der Thalbildung
gegebenen ungünstigen Verhältnisse. wie wir sahen, bedeutend zurücktritt.


(Gdebietsteil

Werrathal (60). .. . 0...
(ohne Münden n. Witzenhausen)

Weserthal, Münden bis Karlshafen
(ohne Karlshafen) (61)

Karlshafen-Forstbach (62. 63). .
(ohne Höxter, Holzminden)
Forstbach bis Bodenwerder (64) .
{ohne Bodenwerder)

Finwohner

1871 |

1295

5700

5 1392

8950

8 759

12 464

14 2560

5 691

BR 065

Zu- oder Abnahme

— 9,9 (414,3 m. Münden
u. Witzenhausen)

+ 4,9 (+ 4,9 mit Karlshafean}


+ 14,4 (-}+ 26,1 mit Höxter
u. Holzminden)

+ 6,5 (+ 9,1 mit Bodenwearder)
        <pb n="113" />
        Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 111

Was zunächst das Werrathal anbelangt, soweit es in unser Gebiet
 fällt, ergiebt sich eine Abnahme der Bevölkerung. Die Ungunst
der Thalbildung hat hier trotz guter Verkehrsverhältnisse (Eisenbahn
Münden-Halle) den rein landwirtschaftlich erwerbsthätigen Orten eine
Vermehrung nicht gestattet, sondern vielmehr einen Rückgang um
9,9 % gezeitigt. Nicht davon betroffen werden Witzenhausen, das es
indessen auch nur auf 0,5% Vermehrung seit 1871 bringen konnte,
und die schon ganz dem Weserthal angehörige Handels- und Industriestadt
 Münden mit 45,3 % Zuwachs.
Unter den einzelnen für das eigentliche Weserthal gewonnenen
Abschnitten erscheint der am stärksten industriell thätige Teil von
Karlshafen bis zur Forstbachmündung mit der größten Vermehrung
von 14,4 %, die sich mit Einrechnung der beiden Städte Höxter und
Holzminden mit ihren 43,6 % und 52,9% Zuwachs nahezu auf das
Doppelte steigern würde (26,1 %). Hieraus erklärt sich auch ohne
weiteres die Zone größter Verdichtung (63) von 338,5 Bewohnern auf
1 qkm, die uns auf der Karte in diesem Abschnitt des Weserthales
entgegentritt. Hiergegen fällt das Stück von Münden bis Karlshafen
mit der geringen Vermehrung von 4,9% auf. Es liegt dies langsame
Wachsen der Bevölkerung, dem sogar an einigen Plätzen des linken
Ufers eine Verminderung gegenübersteht (Veckerhagen — 3,2 °%), an
den ungünstigen Lageverhältnissen dieses Thalstückes. Schroffe Felswände
 und dichtbewaldete Bergzüge verhindern einen Verkehr mit dem
Hinterland und damit die am Flusse gelegenen Ortschaften, Vorteil
aus dem lebhaften Wasserverkehr zu ziehen. Außerdem fehlt ihnen
eine das Thal berührende Eisenbahnlinie. Erst von Bodenfelde abwärts,
 wo die Eisenbahn nach dem Leinethal das Hinterland erschließt,
tritt in dem letzten Stücke bis Karlshafen auch sogleich ein Zuwachs
von 10,9 % der Einwohnerzahl von 1871 auf. Den Hauptanteil hieran
trägt der aufblühende Weserhafen Bodenfelde mit 20,7 %%, wogegen
Karlshafen aus Mangel an genügendem Hinterland mit seiner nur 4,7 %
betragenden Vermehrung weit zurückbleibt. ‚Jedenfalls aber ist die
hohe Dichte von 175 in dem Thalabschnitt von Münden bis unterhalb
Bodenfelde hauptsächlich das Produkt der Zusammendrängung der Bewohner
 auf beschränktem Raume, und nicht irgendwelcher landwirtschaftlichen,
 industriellen oder Verkehrsbegünstigungen. In seinen nördlichen
 Teilen aber bildet das Weserthal einen sprechenden Beweis für
den auf das Gesamtgebiet Südhannovers anwendbaren Satz, daß günstige
 Verkehrsverhältnisse zusammen mit einer entwicklungsfähigen
Industrie eine Bevölkerung viel stärker zu verdichten und zu vermehren
im stande sind. als die vorteilhaftesten landwirtschaftlichen Bedingungen.
        <pb n="114" />
        112 E., Wagner, Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen.

Ergebnis.

Wir sind am Schluß unserer Ausführungen über die Ursachen
der Volksdichte in Südhannover angelangt. Nochmals rückwärts
blickend, vermögen wir aus dem Gesagten folgendes Ergebnis in Form
allgemeiner für das ganze Deutsche Reich geltender Sätze abzuleiten:
1. Landwirtschaft vermag selbst bei guten Bedingungen eine Bevölkerung
 nicht stark zu verdichten und zu vermehren. Rein landwirtschaftliche
 Bezirke zeigen in der Bewegung der Bevölkerung eine
meist der Stagnation sehr nahe kommende Tendenz, oder aber bei ungünstigen
 Bodenverhältnissen eine mehr oder weniger ausgesprochene
Abnahme, auf die eventuell benachbarte industrielle Dichteprovinzen
einen verstärkenden Einfluß ausüben. (Zug nach den Zentren, Entvölkerung
 des platten Landes.)
2, Industrie und Verkehrslinien (Eisenbahnen, Straßen, schiff bare
Flußläufe) vermögen eine Bevölkerung in ihrer Zusammenwirkung auf
das intensivste zu verdichten und zu vermehren. Beide sind eng miteinander
 verknüpft und wirken anziehend aufeinander. Günstige landwirtschaftliche
 Bedingungen können fördernd hinzutreten, wogegen ungünstige
 in ihrer nachteiligen Wirkung kompensiert werden.
3. Die verdichtende Wirkung größerer Waldflächen an ihren
Rändern ist im Gebirgsland aus deren Gebundenheit an die Bodenerhebungen
 zu erklären. Hierbei ist der Nachdruck auf „Gebirge“ zu
legen, die als Verkehrshindernis Straßen und Eisenbahnen zwangen,
an ihrem Fuß entlang zu gehen. Damit verknüpft sich ein Aufblühen
der Randsiedelungen als Vermittlungspunkte für späteren Handel und
Verkehr nach dem Innern zum Austausch von (meist bergmännischen)
Gebirgsprodukten gegen landwirtschaftliche des Vorlandes. Größeren
direkten Einfluß auf das Erwerbsleben der Anwohner besitzt der Wald
als solcher nicht.
4. Gebirge stellen stets Zonen der Auflockerung der Bevölkerung
dar, wenn nicht mineralische Bodenschätze zu ihrer dichteren Besiedelung
 veranlassen, die dann lokal einen hohen Grad annehmen kann.
        <pb n="115" />
        TABELLEN

ZUR

VOLKSDICHTE VON SÜDHANNOVER

NACH GEMEINDEN AUFGESTELLT.

(VERGL. 5. 32).

Es bedeutet in Spalte 3 der folgenden Tabellen:

A. = Provinz Hannover,
S. = Provinz Sachsen,
IN. = Provinz Hessen-Nassau,
W, = Provinz Westfalen, ;
Br. = Herzogtum Braunschweig

Anmerkung: In den in Spalte 7 gegebenen Flächenzahlen der Wiesen ist das Weideland nicht
mitenthalten. Weiden und Hutungen, Oed- und Unland, Haus- und Hofräume, Gewässer
 u. s, w. bilden den nicht besonders erläuterten Rest des Gesamtflächeninhaltes
jeder (jemeinde, (Nach Schriftl, Mitt. des Kgl. Statist. Bureaus zu Berlin.)
        <pb n="116" />
        E. Wagner,

Erstes Kapitel.
Fächeninhalt in Quadratkilometern

Gemeinde

Provinz
(Staat)
und Kreis

X
5
ä2 do |
3 %
3} z | 8 5
Oo
SE | © &amp;lt; S 3
5
| ©
7

[. Nord-Harzburg-Neustadt

 . . ., Br. Amtsg. Harzburg
Bündheim , . . . .
Schlewecke. . . . ..
Oker 2000000000000 »
Goslar .. .. . . .,‚H. Kreis Goslar. .
Astield . . .' Br. Amtsg. Lutter .
Langelsheim

+46 0,08 2,18
441. — 1,83
3,47 — 1,86
4,50 | 1,90| 0,26
21,33 | 1,43 | 10,77
7,221 0,07| 4,4F
11,60! 0.10° 7,5$

0,71 4,38
1,58 | 4,41
0,91 | 3,47
0,46 | 2,60
3,79 | 19,90
0,81 | 7,15
200! 11,50

Gesamter Nordrand (1). . nn m En “ 56,99 | 3,58 | 28,89 | 10,27/ 53,41
Desgl. ohne Goslar und Harzburg . . . | 31,220| 151) — | — | 29,12
!) Herzogl. Hauptgestüt.
PS IL. West-Hahausen

 . . . . 4.
Seesen 2.0.0000.
Herrhausen. . . . ..
Münchehof-Staufenberg. .
Aittelde . 2. 0.0.0.0.
Windhausen-Laubhütte. .
3Zadenhausen . . . ..
Lasfelde en

Br. Amtsg. Lutter .
Amtseg. Seesen.

6,52 0,19
16,05 —
5,51 0,06
086 —
277 0,36
139 0,49
‚50, 0,52
4293| 0.01

CR
3,59
3,60
7,738 '
6,35
1,69
1,69
2,14

4,001 6,33
83,04 | 16,63
1,10 5,45
1,77 | 10,56
2,13 9,41
0,62| 2,90
0,96 | 6,98
1.36! 4,22

H, Kreis Osterode

Summa . . .
Desgl, ohne Seesen. .

68,811 1,63 | 87,70 | 11.98! 62,18
47,78' 1,681 — 46,15
37,76 10,67! 16,45

Osterodem. Freiheit, Uehrde | H. Kreis Osterode .

Herzberg. ... . . .|H, Kreis Osterode ,
Scharzfeld . . 2. 0... 01 »
Barbis .0.0.0.00. 4 . #
3artolfelde , . 0.0.0. 0.1
Jsterhagen .
uauterbere .

16,90
16,11
9,08
5.66
3,67
3.992

2,64
2,28
0,30
1,36
3,45
0.827

7,71
8,34
6,67
9,32
3,27
3,63

2,14 14,26
2,35 | 13,88
0,95| 8.78
2.75 14,30
Xe7, 522
399| 785

Summa . . 2.0.

..0000 1. +1 74,64 | 10,85
Desgl. ohne Herzberg und Lauterberg . . . .ı 49,52| 7,34

38,94

11,85 | 63,79
— 4218

Gesamter West- und Südrand (2—4) . .. „Jı76,21 | 28,15 | 95,09 | 29,02 1153,06
Desgleichen ohne Seesen, Osterode, Herzberg, |
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Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 115
Oberhärz.

Ortsanwesende
Bevölkerung
am 92. Dezemb.

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und Südrand.

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VI | 46 3 262 153
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1037 792 3517| 11
754 286 2165| 6
1571 . 604 197 | 15
497 | 565 | 241 | —
194 282 | 139 | 7
385 | 345 | 216 | 138
441 | 92061 82 | 30

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1449

58340 | 3401 | 1800 | 84

VII

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3716 3704
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Erstes Kapitel.

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Desgl. ohne Klausthal-Zellerfeld und Altenau?) .'209,31 1201,75 | — | -— | 7.56

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Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen,

117

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J)rtsanwesende
Bevölkerung
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Zweites Kapitel. Süd-7]ächeninhalt
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Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 119
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Ortsanwesende
Bevölkerung
am 2. Dezemb.

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1895
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        E. Wagner,

Zweites Kapitel. Süd-Flächeninhalt

 in Quadratkilometern

Gemeinde

Provinz
(Staat)
ınd Kreis

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Kirchberg . .
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H. Kreis Osterode .
3r. Amtsg.Gandersh.
‚ Amtsg. Seesen .

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3,63
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7,64
3,16
2,82
3,98
1,8€
1,36
1.721

1,55,
0,57
0,70
1,49
0,29
17

4,30
2,48
3,69
4,52
3,75
155

0,34
0,21
9,26
0,75
0,75
0,44
0,97
0,19
1,99
0.14

5,70
3,08
3,45
6,15
5,87
2,15
6,85
1,86
11,36
1.37

A E. Kreis Osterode .

3
7

0,35

08

Summa .

5439| 6.501 3869| 8.04

47.82

Sboldshausen . . . . .|H. Kreis Osterode ,
[mbshausen. . . . . .|„ Kreis Northeim .
Wiebrechtshausen ,‚ . .|
‚angenholtensen-Brunstein | „
Jenkershausen ;
‚agershausen . .

4,34 | 0,95
9,841 3,69
11,47 | 5,97
18,97 | 4,78
7,36 | 0,65
9955| 046

2,73 | 0,23
4,91 | 0,47
4,09 | 0,23
7,26 | 0,47
0,86 | 0,21
1.541 0.27

3,39
6,15
5,50
9,19
1,71
209

Ol Summa VL

44,53 | 16,50 |

921.39 | 1.88

28.0838

Dorste ,‚ . ... . .|H. Kreis Osterode .
Schwiegershausen . . . |
Wulften 20.0.0000

18,13 | 3,60.
13,98 | 2,57
11611 8.01

9,30 | 2,72
6,49 | 3,44
RO5! 149

14,53
11.41
11.60

Summa . . .

48.79 | 618

9324| 755 | 9754

lörden . . . . . . .|H. Kreis Osterode .
lbingerode . . . 2. .|,
tattorf , 2. 0.0.0.0000101 $
'öhlde . .0.0.0.00041 »
Neilerode-Bockelnhagen .!5S. Kreis Worbis .
ülkerode . . . . .

10,58 | 1,58
5,62 | 0,38
32,29 | 8,01
36,49 | 11,76
.0,98| 1,38
‚8.091 72.16

6,16 1,61
3,39 1,33
15,02 3,75
15,75 38,86
5,94 0,73
7.761 0.829

9,05
5,24
24,28
24,73
9,60
10.92

»

Summa ..

„114.05! 30.22

55.04 | 12,17 ı

83.83

Gesamtes westliches Harzvorland (7—12) . . . Az jioöre vn / 37,86 So
Desgl. ohne Gandersheim. . 402,30 1104.01] — — 1298,29

Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen,

121

hannoversche Triasplatte.
rtsanwesende
Bevölkerung
am 2, Dezemb.

Viehstand am 1. Dezember 1892

Dichte
1895
auf |
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66
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11
9
17
9
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265 146 580
168 108 348
315 174 575
278| 163! 476|
236 129 981
118| 67 | 229
3380| 205 | 529
98 2274| 78
645' 470° 856
87 253 107

433| 155 | 381
195 56 6
260, 85 —
335 192 18
355 120 5
142 51, 16
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9540| 1589

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9887| 996 | 127

246 261
588 523
172 181
799 877
297 259
245 208

76,9
85,1
23,8
94,5
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109.1

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559| 185 50 30
802| 3872| 1251 —
997] 119 13 6
— 645| 674 146 4
117° 140 52 | 16
151 1809 47 3

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2847 | 92979

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268 | 36 | 1098! 670 | 8261| 16791 433 | 59

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2331| 9245

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770
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131 | 29
99 | 36
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3452 | 8711

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300 |! 60

1540| 1088

5966| 1785

399 | 74

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547 40%
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83 | 22
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149 | 54
116 | 23
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7918| 1400

99925

3444

847 | 181

31308 !31853 | 103,8 * VI ‚2906 | 462 |1ı2178| 7550 |95082 |17920| 5716 / 699
90021 ara v
        <pb n="120" />
        E. Wagner,

Zweites Kapitel. Süd-7]lächeninhalt

 in Quadratkilometern

Provinz
(Staat)
ınd Kreis

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3

Gemeinde

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Sattenburg-Duhm
Suterode. . .
Vachenhausen
Lindau , .
3Zilshausen . .
eboldshausen
Züdershausen . . .
Ahumspringe . . .
Wollershausen. .
Lütgenhausen

. JE. Kreis Northeim

7,59
3,40
7,80
3,58
7,99
56
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2,66
9,75
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2,68
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2.831

3.46
5,00
3,97
6,61
2,60
2,94
5,84
4,02
5,22
6,24
#51

0,58
9,79
1,48
1,24
1.26
1.05
425
91
2,89
‚01
0,27
0,95
7.61

1.93
7.65
5,93
1,50
3,31
4,6:
9,20
7,42
9,86
8,14
3.60
3,21
481

Kreis Duderstadt

£
3,68
3,18
5,692

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3 Gesamtes Rhumethal

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18.29 |99.90

2. Umgebung
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 . 0.0.0...
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H. Kreis Duderstadt

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3.16
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0,53
0,51
0,51
1.25

3,84
3,45
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9.77

0,61
0.16
0,30
0.27

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0.62
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5,67
6,77
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5 Summa .

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0,31

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Ellergebiet (14. 15)

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Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen.

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hannoversche Triasplatte.

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Irtsanwesende
Bevölkerung
am 2. Dezemb.

Viehstand am 1. Dezember 1892

Dichte
1895
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1871 | 1895

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1359
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122,9
61,7
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112,7
145,4
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162,9
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170
176
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466 78 14
403 114
368 95
381 82
387 86
611 221
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124 446
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18

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9145 | 8802 | 6613 | 1820 ' 145

von Duderstadt.
gebiet.

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345
491
550

874
541
508
539

168,1
124,1
189,8
151.6

II
VI
VI
VII

89 | 24
67 12
29 1
31 f

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179
122
157

123
100
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397
420
169
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625
379
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318

166
109
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18
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60 | 10
64 7
61 13
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227
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192

30
68
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120

509
493
513
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334
447
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108
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165
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22
20
31
14

2755

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2898 116,2 VT 299 | 35 855

542

9009 ' 1485. 589 |

87

4pan | a34R” 1815 7 VL “ 445 | 75 1493 | 966: 3221 | 3122 | 1028 1 185
        <pb n="121" />
        E. Wagner,

Zweites Kapitel. Süd-Flächeninhalt

 in Quadratkilometern

Provinz
Gemeinde | (Staat)
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Scklingerode ,
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I. Kreis Duderstadt

7,48) 0,97
„0.74 1.60
525 0,28
6,83 | 0,52
5,63 | 1,80
1,09 | 3,36
5:50) 128
13,21 | 9:
4,29 245
5:65) 0.10
1 0.41
570 095

5,08
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4,51
4,92 |
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10,84
5,55
4,80
5,75

Kreis Worbis .

6 8umma .

107,58 | 17,48

70,68 |

7,82 | 90.05

Desgl. ohne Duderstadt

38.94 | 14,03

69,21

Westerode , .
Tiftlingerode .
mmingerode .
zerblingerode
Vehnde‘) .
"eistungen !)
3öseckendorf .
Neckenrode?) ,
Zerlingerode
Neuendorf .
ützenborn

I. Kreis Duderstadt

15
3,28
5,26
2,23
6,36
1,09
2,68
1,66
‚15
1,49
51

0,30
0,24
0,57
0,01
1,32
3,10
d,10
33
2,88
&amp;gt;15
1,60

3,94
2,52
3,79
1,78
1,27
3,88
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0,52
0,26
0,54
0,12
0,25
0,33
2,27
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‚18
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0,25

4,85
2,99
4,69
2,22
5,04
10,99
8,58
1,33
10,82
9,34
3,91

» n
S. Kreis Worbis. ,

_. Kreis Göttingen ‘

1,26
3.91

i

„2 ..62,76| 7,05 | 45,42 | 8,07 | 55,71
Hahle- und Nuthegebiet (16, 17) . . ... „170,29 | 24,58 116,10 | 10,89 1145,76
„146,00 | 21,08 — | —

Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen,

125

hannoversche Triasplatte.

Ortsanwesende
Bevölkerung
am 2. Dezemb.

Dichte
1895
auf
ı qkm
ohne
Wald

Viehstand am 1. Dezember 1892

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1871 1895

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Nuthegebiet.

668 644
792 843
423 445
680 697
5283 | 472
172 11835
488 448
„227 19227
‘136 5219|
750 755 |
706 791
647 674

99,7
92,2
88,6
110,5
123,7
146,$
106,4
117,9
250,4
136,0
164,8
117,2

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115 8°
26 E
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63 10
118 381
36 | 28
101 | 25
„2.191 | 10
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230
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131
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147
127
146
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454
710
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677
5
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667
307
314
562

505° 111 17
812 86 | 36
319 78 12
574 8° 12
407 Ce 5
761) 287 1:
377 80 .
881 300 | 1.
1367 7411 63
523 | 254 | 17
397 202 | 41
340! 188 9

£

12212 13850 '

148,2

VI

858

184 | 2950! 1676 I 5872 ! 7263| 2454 ! 250

8131|

117,5

VI

395
239
380
485
373
312
334
159
698
706
281

416
268
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595
339
857
200
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345
279

85,8
39,6
78,3
16,9
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17,5
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103,8
68,7
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349 | 98 | 18
226 43 6
350 76 | 21
356 177 6
238 1% 15
446 25 47
258 47 | 20
49 31! 15
290 230 15
319 102 37
208 80 6

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4812 | 4889| 87,7 1 V ! 449 | 61 " 1953

1080

3392

3084 | 1258 | 206

1 1 }
17024 | 18280 | 125,1 | vr |ısor | 245 | 4908 | 2756 | 9264 |10847| 8712 | 456
| | |
wort wma 1 wr A

) Mit Gutsbezirk.
        <pb n="122" />
        E. Wagner,

Zweites Kapitel. Süd-7ächeninhalt
 in Quadratkilometern

jemelilnde

Provinz
(Staat)
ınd Kreis

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5-5
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3. West- und Südabhang des Ohmgebirges

Tastungen'!). . . . . .|S. Kreis Worbis. .
U EN »
Hundeshagen-Freiheit . ‚|, 7
Reinholterode .
Steinbach

4,21
4,45
5,94
2,72
R.Oß

0,70 | 2,78 0,8388 3,51
0,05 373 0,27 440
0,183 | 4,68 | 0,24 | 5,81
0,26 | 7,34 0.47 8.47
041 | 640 062 | 785

8’ Summa . . .

Breitenbach. . . . .. | S. Kreis Worbis .
Wintzingerode. . . ..
Kirchohmfeld . . . 2.

31,59 | 1,55

25,03 | 1.98

30.04

5,76 | 0,04
5,15 | 1,00
7.23 | 4,09

6,94 0.93 8,72
3,59 | 0,25 ° 4,15
3,83 | 0,07 383,14

9 Summa . .

‘1.14

5,13 |14,36 ! 1,25 |16,01

Breitenholz . . . . . .|S. Kreis Worbis .
Stadt Worbis . . 0.0. 0x „
Kirchworbis . . „I »
Breitenworbis .
Gernrode .

2,59
12,12
5,42
‚0,36
1,39 ı

0,18
0,02
0,16

2,05 0,29 2,59
9,73 0,72 11,94
3.97 | 0,78 ! 5,40
8,31 0,89 10.20
6,00 | 0,52 7182

20: Summa

137,81 | 0,36 180,06 | 3,20 |37.45

Gesamter West- und Südabhang (18—20) . . ‚90,54 | 7,04 | 69.45 | 6,43 | 83,50

Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen.

197

hannoversche Triasplatte.

Jrtsanwesende
Bevölkerung
ım 2, Dezemb.

Dichte
1895
auf
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Viehstand am 1. Dezember 1892

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1871 | 1895

(zum obersten Leine- und Wipperthal).

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124 3
312 | 50
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31831 | 3110 103,5

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58 | 964‘ 508 | 1698 ! 1204 | ‚740 | 105
184 || 75 | 451 | 218 | 12
80 | 884 | 270 | 184 | 34
821 461 176" 1181 a1

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520
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118,2 | VI | 89 5 | 297
126,8 | VI | 34 7 165
138,4 * VI 30 5 1 150

2017 | 1974

123,83

VI

153 '

17

| 612

346

920 | 8971 514 | 57

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1209
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2003
1486
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173,7
167,8
275,2
202,9
179,2

N 3
VIL 107 | 14
71 |] 58 5
VILL | 62 4
VL. 3835 8

143
252
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2483
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519

72 8
367 51
287 | 41
685 | 27
343 | 924

5895 | 6322: 1688 | vll | 273 | 29 | 1304 | 868 - 2448 | 2630 | 1704 ] 151

11048 |11406% 136,6 | v1 | 664 | 99 | 2940 | 1722 | 5066 | 4731 | 2958 | 313

ı) Mit Gutsbezirk.

Gillersheim . . . . . .,H, Kreis Northeim ,
Renshausen. ... .. . » Kreis Duderstadt
Bodensee. ..0.0.0..1 ,
Krebeck , . 0.000000 0 x „
Ebergötzen-Radolfshausen . | „ Kreis Göttingen .

21  Summa

4. Gebiete zwischen Nuthe

8,89 ' 8,43
3,09 | 2,85
7,46 0,72
„18 | 1,37
2.98 ne

6,25
2,44
5,46
3,71
349

0,86
0,25
9,53
0,47
AS

0,46
3,24
6,74
4,83
ZA

47.90 114.00 126.35 |

2.97 133.40

und Bergland rechts der Leine.

789 884
432 404
650 615
615 | 498
912 886

84,3 V 1 145
1247 | VI 81
91,8 | V ! 79
102,1 | VI * 46
102,7 VI | 104

82
8
17
de

340 | 197 941
131 72 176
284 | 146 1041
202 | 108; 264
247 ' 146 1904

714
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370
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248 | 9
115 | 22
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7017
195 98

l H M ! :
3398 | 39821 968 vv 4925 | 85 /19204 | 668 | 4326 | 2891 | 739 |

235
        <pb n="123" />
        E. Wagner,

Gemeinde

Provinz
(Staat)
ınd Kreis

NVollbrandshausen
Zernshausen .
}ermershausen .
)splingerode .
Landolfshausen
Waake . ..
Mackenrode. . .
ir.-Lengden . .
‘otzwenden. .
Aalkenhagen , . . ..
‚attenhausen-Himmigerode
Völlmarshausen .
kittmarshausen .
ferstlingerode .
3Zeienrode , .
Weissenborn . .
Alasehausen., . .
zünterode , . ..
5iemerode!) . ..
3ischhagen-Vogelsang .
Streitholz . . . .
Mengelrode. . . ..
tengelrode . . . ..
;teinheuterode !) . .
Jurgwalde . . ..

H. Kreis Duderstadt

Kreis Göttin gen.

Kr. Heiligenstadt

Summa

reienhagen .
iohrberg .
jänseteich . .
;chachtebich .
tastenfelde ,
Aarth .

.! 8. Kr. Heiligenstadt

3 Summa .

Gesamtgebiet zwischen Nuthe und Bergland rechts
der Leine (21—23) . .

Zweites Kapitel. Süd-Flächeninhalt

 in Quadratkilometern

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53 | 5 5 2
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5,39
1,24
4,60 |
9,84
5,06 |
3,08
6,57
1,75
2,60
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167
1,79 |
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5,66
2.46 |
1.95

4,83
3,31
3,28
3,23
5,61
3,10
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5,0
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0,66
0,27
0,40
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0,14
0,32
7.04
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0,37
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0,028
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2,57
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1,66
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0,47
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0,77
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D,52
0,47
0,04
0.09
1.22
1,19
0.11
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138,70 | 26,84

88.771 8.092 111.86

4,10
3.02
1.55
24
3,13
4,34 |

0,16
0,61
12
1.37
0,90

3,22 0,18
241 0.18
130 0,08
181, 0.05
„00 0,16
971] 0.48

3,94
2,91
1,55
2,12
1.96
3.94

2238| 3.16

15.45 | 1.15

19,22

9208,98 | 44,00 130.57 | 12,14 l;04.00

Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen.

129

hannoversche Triasplatte.

Irtsanwesende
Bevölkerung
am 2. Dezemb

Dichte
1895
auf
qkm
ohne
Wald

Viehstand am 1. Dezember 1892

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Rinder

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1871 | 1895

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7438
191
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199
568
355
470
298
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125
148
118
141
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117
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232
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151
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305
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12,41 | 2,69 27,23| 0,89 | 9,72
2,421 0,17 1,52] 0,59 ı 2,25
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30 | Summa

Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. .
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Zweites Kapitel. Süd-Mächeninhalt

 in Quadratkilometern

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Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen.

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Zweites Kapitel. Süd-7lächeninhalt
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2.281 1.32 | 12.76

1.00

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7esamte Bucht von Moringen und Einbeck (41—46) an | 39,39 jo 16,63 [198,59
Desgl. ohne Markoldendorf und Einbeck , . . 208.40 | 34,58 — — lı73.82

Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen.

‘43

hannoversche Triasplatte.
Irtsanwesende
Bevölkerung
ım 2. Dezemb.

Dichte
1895
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Viehstand am 1. Dezember 1892

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Zweites Kapitel. Süd-Flächeninhalt

 in Quadratkilometern

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3,28 | 0,09 8 | 121 | 3,19
445 | 0,07 9,97 1,26 | 4,38
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994 | 0.21! 5.001 2.54 | 9.03

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Desgl. ohne Uslar . "9246 7,281 — | — "85.18

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Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen.

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Viehstand am 1. Dezember 1892

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Zweites Kapitel. Süd-RMächeninhalt

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1.10‘ 7.08

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3 Summa. . . .

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1,75 6,60
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0,80 2,80
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2.15. 18,87

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82,45 | 12,52 29.79

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55 Summa . . 2.0.0... 2000. ,M 4,40| 0,67 8,73
Gesamter Ost- und Nordostrand (52—55) . . „194,33 69,57 | 74,67 12426 ‘124,76
Desgl. ohne Adelebsen-Hardegsen. . . . . . 1167,99 57,72 - — 110,27
!) Mit Gutsbezirk, dieser nicht mit ausgeschieden (5,73 qkm berechnete Fläche
und 127 Bewohner.

Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen.

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hannoversche Triasplatte.

Irtsanwesende |
Bevölkerung
am 2. Dezemb.

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Viehstand am 1. Dezember 1892

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575 | 2511 20
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257 | 1213 | 25
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165 | 44 7
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Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen.

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c) Karlshafen bis zur

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1,855 2,59
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30 75
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2,55
0,17
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7,00
1,33
2,89
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0,32 | 4,72
0,07 0,50
9,33 ° 2,91
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10 17,81
7 4,08
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11,89
6,81
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6,70

146,25 | 64,49 | 55,50

6,36 | 81,76

Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen,

153

hannoversche Triasplatte.
Ortsanwesende
Bevölkerung
am 2. Dezemb.

Dichte
1895
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1871 | 1895 I ohne
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Viehstand am 1. Dezember 1892
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Karlshafen.

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269,1
168,3
110,5
226,6
31,2
137,4
717,5
181,7
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746,3

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476 126
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173.8

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Forstbachmündune.

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58
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Zweites Kapitel. Süd-7lächeninhalt
 in Quadratkilometern

Provinz
(Staat)
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Gemeinde

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1,28 18,27
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58 | Summa

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9.00 161.10

Karlshafen bis zur Forstbachmündung (62, 63) . 212,75 69,89 ‚mm im [142,86
Desgl. ohne Höxter und Holzminden . . . „06 64,83 | — | — 106.12

A) Von der Forstbach-Jleinsen

 . . : ‚. H. Kreis Hameln .
Polle 20. a
zeileifzen . . . . . {| Fr. Amtsg. Holzminden
Zegestorf . . 0... | Kreis Hameln .
zühle. . 0.0... ‚! x. Amtsg, Holzminden
3odenwerder ‚4. Kreis Hameln .
Kamnade P- Amteao Otteanatain

68,68 7,67
1,18‘ 9,38
2,16 0,03
&amp;gt;29 | 1,70
5,66| 0,18
3,82] 5,96
5483! 1.64

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1,79
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2,30
1.37

0,87
0,99
0,34
0,29
0,26
0.42

10,96
11,80
2,13
6,59
6,48
3,86
14.29

Summa .

82,17 ' 26,56 133,18 | 8,17 ' 55,61
72.35 | 20.60 | — | 51,75

Desgl. ohne Bodenwerder -

Brevörde. ... . . . .|H. Kreis Hameln ,
ZraVE 2... 0... | Br.Amtsg.Ottenstein
Jölme. 2.0.0.0... | „ Amtsg. Holzminden

09,87 | 3,27 | 4,77
3,89 | — 2,43
4.091 0.09 | 23830

0,44 6,60
0,27 | 3,89
0,13 | 4,00

iz Summa

0,84 14,49
Forstbachmündung bis Bodenwerder (64, 65) . 100,02 29,92 |43,68 4,01 en
90.20 283.96 — -— 166,24

Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 155
hannoversche Triasplatte.
Ortsanwesende Dichte
Bevölkerung | 1895
am 2. Dezemb. auf
ı qkm
ohne 'i
Wald

Viehstand am 1. Dezember 1892

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1368 1757
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1518 1672
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1015 | 11583

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235,8
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285,8
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mündung bis Bodenwerder.

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491 255, 24
371 269 | 46
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8301| 78 | 7
363 | 207 | 15
387 | 348‘ 78
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5758 | 6544 | 117,7
— | 5032l 972

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471 | 2

1566 | 973 ' 9575 | 2256 | 1881 | 196

582 497
344 309
314 287

75,8
79,4
71.8

168 | 277 1211 18
]98 | 182. 74 9
245 | 1511 471 9
160 ı 12 | 6261 8571 6061 610] 242 | 36

1240 | 1098] 754
6998 | 7687 | 108,9 * vr | 681 | 64 | 2192 | 1380 | 3181 | 2866 | 1629 | 2832
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Nummer
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Flächeninhalt in Quadratkilometern !Ortsanwesende
Bevölkerung
am 2. Dezemb.

Geographischer
Bezirk

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Nordrand ‚.....
Westrand ...... 2.3.4
Chalsiedelungen ..
Plateausiedelungen . |
ÖOberharz. ‚|. .0.0.0..0..

s n S 53,41 Sn
176,21/ 23,15 95,09| 29,02| 153,06] 26686! 30959
303,68| 279,00 2,76 12,18| 24,68] 9554 10638
785.88] 203,11! 1.38 99.80 Zn 20894| 20087
772.76] 508.84 127.47 74.27] 268.99 BOTRO RoaDn

„Kaital


I. Westliches Harz %
vorland ....(7.8.9.10.11.12! 412,17] 105,78! 197.771 37,86! 306,39 21208! 31853

N. Eichsfeld.
.. Rhumethal ... .
2. Ellergebiet ,...
3. Hahle- und Nuthegebiet
 .......
4. West-u.Südabhang
des Ohmgebirges .
5. Gebiet zwischen
Nuthe u. Bergland |
rechts der Leine . 21. 22, 23
ji. Bergland rechts
der Leine ..| 24.25. 26.27
Eichsfeld . . .|.
Al, Leinethal.
1. OberstesLeinethal 105,36)
2. Oheres Leinethal . 129.20.31.29 29 080 mal
Leinethal ..ı.

99,20. 10760| 10865
40,66 4853| 5348
‚70.290 24,53| 116,10] 10,89 145,76] 17024! 18289
|; |
90.54) 7.04 du a48l ensel 11043 11406

17,20 be 68,68 13,89
43.771 3.11 31.40 3.90

208.98 44.00 180.57] 12.14| 164.08

14556) 13781

98,21) 31,83 54,48| 3,36| 66,28! 5309| 4773
ne
728.99] 128,51! 470.68! 50,611 600.481 635451 644192

ae 59,00 3 77,95) 11677) 14224
57.10. 172,51! 21,72 226.601 41551| 55266
.. 389,06] 84,51! 2392,51| 26.59| 804.55] 539228) A9400

ıV. Bergland links
der Leine,
ı) Muschelkalkzug .
&amp;gt;) Buntsandsteinzug
c) Bucht v. Moringen
und Kinbeck. ..
Bergland links | . | |
der Leine ‚./.........] 529,26 97,44) 325,19| 32,76) 431,82] 37360) 39287
Tebertrag , .. 2832,24 925.081403.57[222.09/1907.16.255 939995 219

Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen.

157

Südliche Hannover.

Dichte |
1895 |
auf 1 qkm |
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au 12 Tas

Viehstand am 1. Dezember 1892

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4

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175,7/202,2} VII!

1986| 138l 1220 = 4579| 4010| 2172| 198
1596| 231] 5049 3096 11914 7840 4772, 254
-I—- 10) 4 1346 805, 49) 1497| 1356
85.116512! DaB a9 910 yann! oil 608 868 — | "feld, Altenau, Andreasberg:
16.1340, 7 VII]: 8318| 405: 9927! 6174| 16756| 13975| 9168| 460! 198.1 (VID-Dichte

 ohne Goslar und Harzburg:
 345,4 (VIMN).
Dichte ohne Seesen, Osterode,
Herzbr. Lauterbe&amp;amp;.: 111.2(YD

77,2108,8' v1! 2906| 46212178) 75501 850891 17090) 5716| 6998 Dichte olne Gandersheim :
SE —!| .

92,7/1005 YI
122,11181,5! VI

068 188 zer 2145 8802 een8] m 145
445/75, 1493! 969 3221 312%. 1088| 185
| | ;
‚307 245' 4903| 2756| 9264) 10347) 3712| 456
|
anal an nun ara anne araıl anne! ur

vo7z.alıes1| vı
(25.9l136.6! v1

Dichte ohne Duderstadt: 104,2
(VD

I
65.9) 83,5. v

859 488° 6164| 29278) 1666| oral __.

48,6| 72,0) ıv 540 74! 2330| 1234! 6020] 3449| 1105| 242
88,31107.2 VI 58801111921057112104” 49050! 3720011843011880'

|
‚35,0 182,5, VIL!' 848 1067 2325| 1475 2540 5165 2229 418|
194,8/243,8 VII! 2585! 240l 2279) 5406 10277 14RR8BI 6236 657.
(78.612982. 5 VIII] 2938 454 10704| 6881: 921898! 19558! R4aBEI1075

Dichte öhne Heiligenstadt:
180,2 (VD).
Dichte ohne Götting., Nörten,
Nartheim: 114.1 (VI

59,5| 64,2. IV
57,8 76,6 IV
ga.7lı18.4 vi

1296 268 5802 3020. Her 7588 2163| 594 Dichte ohne Dransfeld: 60,9
481 112. 2659| 1408. 4544 3043! 750 208 All
1848! 390. 8205| 4588! 18727] 11171 3571 382

|
- 90,8 V | 4620 77016666| 9016 40656| 21752| 6484/1179
| — | — /ı9952 210.70 582141752 ,1638701111 000452685292
        <pb n="138" />
        £. Wagner,

Gesamtresultat für das
“Fläcbeninhalt in Quadratkilometern °rtsanwesende
Sevölkerung
ım 2. Dezembh.

Nummer
der
n ihm enthaltenen

Dichte-Irovinzen


Geographischer
Ranzirk

ZB
El OD Oo
53 S = © © 3
53 Ss © ‚© S:8
D— S &amp;lt; S | SE
Ka m 5

1871 | 1895

a6
Jebertrag . . 2822,24! 925.0811403.57'92.0911907.16 2552801295312

A V. Solling.
tel Umgebung von
Uslar .......
&amp;gt;) Ost-undNordrand
c) Umgebung von
Stadtoldendorf .
4) Innerer Solling
Solling . ...
VI. Weserthal.
a) Werrathal ....
b) Münden bis Karlshafen.......

:) Karlshafen bis
Forstbach ....
1} Forstbach bis
3odenwerder 61. 65

7.48.49.50.51 99,59 7,29 26 21,25 — 10621| 11776
52. 53. 54. 55! 194,38/ 69,57| 74,67| 24,26! 124,76 15064! 14761
56.57.58 ! 102,29 337 P—- 9,71]
39 184,91] 165.21 5,72 3,12

98,72| 11562| 13215
19,70 2065| 2468
335.48 39319) 429215

581.12 9245.64) 204.96| 36.34|

|
112,40/ 40,55 43,20) 6,96| 71,85 14818| 16942
|
67,901 9,82 3 m 58,09| 9998| 10483
|
212,75| 69,89 97,30| 15,36! 142,86! 23548| 29694

100.02 29,92 43,68] 4,01 70,10. 6998 7687
498.07) 150.18! 21.608! 29.99| 849.89] 55860| 64756

Weserthal . .!....

In den Tabellen nicht enthalten
sind folgende 9 unbewohnten
Forstbezirke:
Dachsberg . .... .)H. Kreis Götting.
ärossholz bei Eber-KÖötzZeN
 . ... 004
‚Jarster Ober- und
Unterholz. ....
Aainholz und Boden-Knüll.
 2.0.0...
Mackenroder Staneberg
 .. 0.0...
Leinholz-Brakenbg..
Dlessforst ......
Torst Potzwenderbg. , .
Yorst Uslar .... .'H., Kreis Uslar

104

K99

1083|

„40
245
&amp;gt;30
4,311

Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen.

159

Südliche Hannover.

Dichte
1895
auf 1 qkm
mit lotne
Wald

Viehstand am 1. Dezember 1892

Pfarde

Rinder

5
„&amp;gt;
x oS
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N tal
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Bemerkungen

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DS 8 TE.
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5

CH
8 | 17

14

Rn

20

1

199592221070 522141725 1632701111 000'4526215299

en vı | a 61 4739) 2655| Sa ze ur 123
75,9118,11 VI * 1001| 145| 4747| 1820; 7942| 6951| 3073. 338
{ |
974 149 3750 2840| 4608 6060 2980 403
127 6! 841 499 2546| 9083| 3855| 49
2980| 261114077 7317! 19185 21407 8089! 91°

Dichte ohne Uslar: 110,8 (VD)
Dichte ohne Adelebsen, Hardersen:!
 118.5 (VI.

701] 62] 2011| 1118! 4528 3701| 2266| 22
: |
54.11180,5| vır | 453 » 2820 1794 3978 m im 16°
\ ] |
‚so.slzo7,olvırıl zs06l 170! 4607! 2900! 7870| gese! 4873 64

Dichte ohne Witzenhausen
Münden: 103,1 (VI).
Dichte ohne Karlshafen: 175,9
(VI).
Jichte ohne Höxter, Holzminden:
 126,8 (YD.
Dichte ohne RBodenwerder:
a9 (VI

76,8108,9 vr! 63ıl 64l 2192! 18301 g181) 2866| 1623| 2
131,3188.2! VIL 83370 835811680! 72111 19557| 219861108401 990

Be,
/ „Kimi wer abe
CA
a '%

51,07 51.07

Gesamtresultat für Süd-Hannover 3957,501371,971774,61/298.42/2585.59 349912 401883

|
1015/1554] VII "253026934 96 23956 253203062154 392161 6857194.

Dichte ohne die 31 eliminierten
Orte: 108.9
        <pb n="139" />
        Lebenslauf.

Ich, Eduard Wagner, wurde am 18, April 1876 zu Leipzig
geboren. Meine erste Schulbildung erhielt ich anfangs im Elternhaus
durch Privatunterricht und dann auf der I. Bürgerschule meiner Vaterstadt.
 Hierauf absolvierte ich‘ das Nikolaigymnasium zu Leipzig, das
ich Ostern 1896 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Nach zwei im
Ausland — der französischen Schweiz, Frankreich und England —
verbrachten Jahren, in denen ich mich neben dem Studium der. Landessprache
 schon mit Geographie und Geologie (besonders in Edinburgh
unter Professor James Geickie L.L.D.) beschäftigte, genügte ich
zunächst meiner einjährigen Dienstpflicht beim 3. (kgl. sächs.) Feldartillerieregiment
 Nr. 32 zu Riesa a. Elbe. Sodann bezog ich
Michaelis 1899 die Universität Göttingen, um mich vorzüglich geographisch-geologischen
 Studien zuzuwenden. Mit Ausnahme des auf
Berlin entfallenden Wintersemesters 1900/01 verbrachte ich meine gesamte
 Studienzeit bis zu meiner am 24, Februar „1903 erfolgten Pronotion
 in Göttingen. In diesen Jahren besuchte ich die Vorlesungen
and Praktika folgender Herren Professoren und Dozenten: Wagner,
von Koenen, Cohn, Lexis, Wiechert, Bürger in Göttingen;
Freiherr von Richthofen, von Drygalsky, Sieglin, Meitzen,
Wahnschaffe, Lasson, Meinardus in Berlin,
Allen diesen meinen hochverehrten Lehrern, besonders aber Herrn
Geheimrat Professor Dr. Hermann Wagner, fühle ich mich zu
yrößtem Danke verpflichtet.
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        ee war denommenagme BB EVÖ LKERUNGSDICHTE IN S U DHANNOVER 1895

Aha Lände 1

Sl

On
“ir

— 1300.00
EHE
—] Wald, 0-1 Bewohner at
A) 1 - 20
_X] 20 - 40
|] +40 - 60
Nr] 60 - 80
N] 80-100
5] 100-150
Ya] 150-200
über 200
ne vor der Berechnung ausgeschiedenen
Irte sind, unterstrichen.

7
ad“

10rte unter 100 Kinw.| @ Orte von, 800 -1500 Einw
5 Orte von 100-300 » | LI Orte von 1500 - 3000
® Orte von 300-800 » | Orte von; 3000- 5000
N n Zi
Ss Orte über 5000 Einw.
zz Grenze des im Text behan
delten, Gebietes.
Die stehenden Zahlen (42) verw
sen auf‘ die Tabellen.

1— 1.0
Topische Unterlage nach, Liebenows Specialkarte von Mitteleuropa Blatt 72

SCHEMATISCHES QUERPROFIL DURCH L.
VRABENVERSENKUNG)

.

„ad AL

Zw

5 Kilome

N

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; Län

orschungen. zur deutschen Landes -&amp;amp; Volkekunde , Band XIV nu:

MM Basalt

I Buntsandstein Miuschelkalk

EM Keuper U Zertiär

Verlag von J. Engelhorn in Stuttgart

Jer Brocken Ist gegenüber semer Oatsdechli
um 20 Ktlometer nach Westen, verschoben. Worden

Geugraph. Anstalt von Wagner &amp;amp; Debes, Leipag.
        <pb n="141" />
        TU
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      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
