VII. Besondere Beobachtungen über Störungen des
Sehorgans bei den zum einjährig-freiwilligen Dienst
berechtigten jungen Leuten in Deutschland.

Von
Jberstabsarzt Dr. Nieolai.

1. Einleitendes.
Schon seit langer Zeit hat die Frage nach dem schädlichen Ein-Auß
 der Schule auf die Funktionen des Sehorgans im Vordergrund
des Interesses gestanden; die Schulhygiene hat sich in erster Linie
damit beschäftigt, Unterrichtswesen und Sozialwissenschaft sind ihr
gefolgt. Die ersten planmäßigen Untersuchungen an einer großen
Zahl von Schülern hat H. Cohn?!) ausgeführt, zahlreiche Arbeiten
über diesen Gegenstand folgten. Von den Brechungsfehlern war die
Hyperopie nur mit 2,3 % beteiligt, allerdings nur manifeste Hyperopie.
Nimmt man die fakultative Hyperopie hinzu, so sind die Zahlen
wesentlich höher [Erismann?) 43 %; Cohn bei atropinisierten Augen
vechts 77 %,, links 64%]; da in der Jugend Hypermetropie der
normale Refraktionszustand des Auges ist. Diese Ergebnisse sind
nichtssagend gegen die Zahlen über Kurzsichtigkeit. Es fand sich
Myopie in 10 °%,,, die Myopie ist in Dorfschulen selten, steigt in den
Stadtschulen von den niederen zu höheren an; sie steigt an nach
Zahl und Grad innerhalb der Schule, steigt schließlich mit den Schuljahren.
 Bei der progressiven Myopie muß naturgemäß, wie es bei
der fortschreitenden Erkrankung anderer Körperorgane auch der Fall
ist, die Funktion leiden, also die Sehschärfe allmählich abnehmen.
Die Zunahme der Kurzsichtigkeit in den höheren Schulen
betrug:

1) Cohn, H., Untersuchungen der Augen an 10060 Schulkindern, Nebst
Vorschlägen zur Verbesserung der den Augen nachteiligen Schuleinrichtungen.
Eine ätiologische Studie, Leipzig 1867.
2) Erismann, Archiv für Ophthalm. Band 17, 1.