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 folgt Westfalen, welches trotz seiner Industrie günstig steht;
man sieht, wie schwierig es ist, hier allgemeine Gesichtspunkte geltend
zu machen. Doch möchte ich nicht vergessen, die kernige Gesundheit
 der westfälischen Bevölkerung, ihre harte Ruhe, vorzügliches
Auffassungsvermögen hervorzuheben. Durch Fruchtbarkeit in den
Niederungen und den Segen an Bodenschätzen ist die Provinz wohlhabend
 und stellt für Hygiene des Körpers, in Haus und Schule,
größere Mittel ein. Es sei auch erwogen, daß in Westfalen keine
Universität liegt; Münster ist erst im Aufblühen zu einer Zentrale
der Wissenschaft. Es trifft bei dieser Provinz wie bei Schleswig-Holstein
 zu, daß eine feste Gesundheit, körperliche Widerstandskraft
der Entwicklung von jeglichen Körperfehlern eine hemmende Wirkung
entgegensetzt.
Elsaß-Lothringen hat eine gemischte, alemannische und fränkische
 Bevölkerung; Stilling!) hat gefunden, daß bei den Alt-Esässern
weniger Myopie vorkommt als bei den eingewanderten Deutschen.
Auf 100 deutsche Schüler in Straßburg kommen 34 %, Myopie, auf
322 Elsässer nur 5 %,; nach anderer Untersuchung 31% : 11 °%.
Damit stimmen die Stillingschen?) Untersuchungen an einem
Realgymnasium 9 %, und einem Gymnasium 12 % etwa überein,
Hering?) fand in 4 Gymnasien und Realschulen zu Mülhausen nur
23 %,. Es mögen also hier neben anderen Faktoren Verhältnisse
mitsprechen, welche in der Art und Herkunft der Bevölkerung begründet
 sind.
Die Rheinprovinz ist die bevölkerteste Gegend des Reiches mit
großen Städten, verbreiteter Industrie, aber durch seine Natur, seine
Rheinufer, Weinberge ein gesegnetes Land. Es waren 5714 endgültig
Abgefertigte, also mehr als im ganzen Königreich Bayern. Die Bevölkerung
 ist im ganzen kräftig, die Schuljugend bewegt sich bei
heiterem Sinn und Freude an der Natur viel im Freien, der Rhein
ist hierfür die anziehendste und beliebteste Verkehrsstraße, nicht
weniger das Moseltal. So gibt das Rheinland trotz scheinbarer Ungunst
 der Verhältnisse, als reiches und gesegnetes Land, der heranwachsenden
 Jugend einen günstigen Boden für ihre Entwicklung. Es
sei auch erwähnt, daß .dort reiche Städte gut hygienisch ausgeführte
Schulbauten haben.

1) Stilling, Untersuchungen über die Entstehung der Kurzsichtigkeit,
Wiesbaden 1887. — Schädelbau und Kurzsichtigkeit. Wiesbaden 1888,
2) Stillig, Arch. f. Augenheilk, XV, 1885. S. 133,
3) Hering, Aerztl. Gutachten. 1884.