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        <title>Ueber die Körperbeschaffenheit der zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten Wehrpflichtigen Deutschlands</title>
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            <forname>Heinrich</forname>
            <surname>Schwiening</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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            <idno>1926073347</idno>
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        st
        <pb n="2" />
        Veröffentlichungen

aus dem Gebiete des

Militär-Sanıtätswesens.

Herausgegeben

on der

Medizinal-Abteilung

das

Königlich Preussischen Kriegsministeriums.

Heft 40.

Ueber die Körperbeschaffenheit der zum einjährig-freiwilligen
Dienst berechtigten Wehrpflichtigen Deutschlands.
Auf Grund amtlichen Materials
inter Mitwirkung

von
Dr. Nicolai,
Shayetahenrzt und Regimentsarzt des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4

hearheitet

von
Dr. Heinrich Schwiening,
3tahsarzt und Hitlfsreferant hei der Medizinal-Abteilung des Kriegsministeriums

Wit 15 Kurventafeln im Text und 7 Karten.

Berlin 1909.

Verlag von August Hirschwald.

IWW TIntar dan Linden 68
        <pb n="3" />
        Verlag von August Hirschwald in Berlin.

Bibliothek von Coler-Schjerning.

l. Kübler, Geschichte der Pocken und der Impfung. Mit 12 Textfig.
und 1 Tafel. 1901. 8 M.
2. E.von Behring, Diphtherie, (Begriffsbestimmung, Zustandekommen,
Erkennung und Verhütung.) Mit 2 Textfiguren, 1901. 5 M.
3. Buttersack, Nichtarzneiliche Therapie innerer Krankheiten. Skizzen
für physiolog. denkende Aerzte. Mit 8 Textfig. Zweite Aufl. 1903. 4M. 50 Pf,
4. Trautmann, Leitfaden für Operationen am Gehörorgan. Mit 27 Textfiguren.
 1901. 4 M.
5. Hermann Fischer, Leitfaden der kriegschirurgischen Operationsund
 Verbandstechnik. Zweite Auflage. Mit 55 Textfig. 1905. 4 M.
6. N. Zuntz u. Schumburg, Studien zu einer Physiologie des Marsches,
Mit Textfiguren, Kurven im Text und 1 Tafel, 1901. 8 M.
7. Alb. Köhler, Grundriss einer Geschichte der Kriegschirurgie. Mit
21 Textfiguren. 1901. 4 M.
3. P.Musehold, Die Pestundihre Bekämpfung. Mit4Lichtdrucktaf, 1901. 7 M.
9. H, Jaeger, Die Cerebrospinalmeningitis als Heeresseuche, In ätiologischer,
 epidemiologischer, diagnostischer und prophylaktischer Beziehung.
Mit 33 Texttafeln. 1901. 7 M.
l0. C. Gerhardt, Die Therapie der Infektionskrankheiten. In Verbindung
mit Stabsarzt Dr. Doren dorf, Oberstabsarzt Prof. Dr. Grawitz, Oberstabsarzt
 Dr. Hertel, Oberstabsarzt Dr. Ilberg, Oberstabsarzt Dr. Landgraf,
Generaloberarzt Prof. Dr. Martius, Stabsarzt Dr. Schulz, Oberstabsarzt
Dr. Schultzen, Stabsarzt Dr. Stuertz und Stabsarzt Dr. Widenmann.
Mit Kurven im Text. 190% - 8 M.
J1. E. Marx, Die experimentelle Diagnostik, Serumtherapie und Prophylaxe
 der Infektionskrankheiten. Zweite Aufl. 2 Taf, 1907, 8 M.
12. M.Martens, Die Verletzungen und Verengerungen der Harnröhre und
ihre Behandlung. Auf Grund des König’schen Materials (1875—1900).
8. Mit einem Vorwort von Geh. Rat Prof. Dr. König. 1902. 4 M.
[3. A. Menzer, Die Aetiologie des akuten Gelenkrheumatismus nebst
kritischen Bemerkungen zu seiner Therapie. Mit Vorwort von Geh. Rat
Prof. Dr. Senator. Mit 5 Tafeln. 1902. 5 M.
i4. A. Hiller, Der Hitzschlag auf Märschen., Mit Benutzung der Akten der
Med.-Abt. des Preuss. Kriegsminist. Mit 6 Textfig. und 3 Kurven. 1902, 7M.
15/16. Ed. Sonnenburg und Rich. Mühsam, Kompendium der Verband- und
Operationslehre. I. Teil. Verbandlehre. 2. Auflage. Mit 87 Textfig.
1908. II. Teil (im Druck). 3 M.
17. Niedner, Die Kriegsepidemien des 19. Jahrhunderts, 1903, 5 M.
18. Stechow, Das Röntgen-Verfahren mit besonderer Berücksichtigung
der militärischen Verhältnisse. Mit 91 Textfiguren. 1903. 6 M.
19. J. Boldt, Das Trachom als Volks- und Heereskrankheit. 1903, 5M,
20. Thel, Grundsätze für den Bau von Krankenhäusern. Mit 11 Tafeln
und 66 Textfiguren. 1905. 6 M.
21/22. Hildebrandt, Die Verwundungen durch die modernen Kriegsfeuerwaffen,
 ihre Prognose und Therapie im Felde. I Bd: Allgemeiner
Teil. Mit 2 Taf. u. 109 Textfig. 1905. 8 M. — II. Bd.: Spezieller Teil.
Von Stabsarzt Dr. Graf u. Dr. Hildebrandt. Mit 180 Textfig. 1907. 12 M.
23. Fr. Strieker, Die Blinddarmentzündung (Perityphlitis) in der Armee von
1880—1900. Mit 10 Tafeln. 1906. 4 M.
24. Fr. Paalzow, Die Invaliden-Versorgung und Begutachtung beim
Reichsheere, bei der Marine und bei den Schutztruppen, ihre
Entwickelung und Neuregelung nach dem Offizier-Pensions- und Mannschafts-Versorgungs-Gesetze
 vom 31. Mai 1906. 1906. 5 M.
25. Momburg, Der Gang des Menschen und die Fussgeschwulst. Mit 22 Taf. 1908. 5 M.
26. Custodis, Die Verletzung der Arteria meningea media. 1908. 8.
Mit 2 Textfiguren. 3 M.,
        <pb n="4" />
        Veröffentlichungen

aus dem Gebiete des

X

Filitär-Sanıtätswesens,

Herausgegeben

von der

Medizinal-Abteilung

des

Königlich Preussischen Kriegsministeriums.

Heft 40.

Ueber die Körperbeschaffenheit der zum einJährig-freiwilligen
Dienst berechtigten Wehrpflichtigen Deutschlands.
Auf Grund amtlichen Materials
unter Mitwirkung

von
Dr. Nicolai,
Yberstabsarzt und Regimentsarzt des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4,

Aparhaitet

TAT

Dr. Heinrich Schwiening,
3tabsarzt und Hülfsreferent hei der Medizinal-Abteilung des Kriegsministeriums.

Mit 15 Kurventafeln im Text und 7 Karten.

Berlin 1909.
Verlag von August Hirschwald.

NW. Tntar den Linden 68.
        <pb n="5" />
        Ueber die

Körperbeschaffenhelt

der zum

einjährig-freiwilligen Dienst

yerechtieten Wehrpflichtigen Deutschlands.

Auf Grund amtlichen Materials

unter Mitwirkung

San

Dr. Nicolai,
Oberstabsarzt und Regimentsarzt des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4,

bearbeitet

Jan

Dr. Heinrich Schwiening,
Stahsarzt und Hülfsreferent bei der Medizinal-Abteilung des Kriegsministeriums.

Mit 15 Kurventafeln im Text und 7 Karten,

Berlin 1909.

Verlag von August Hirschwald.

NW. Unter den Linden 68.
        <pb n="6" />
        Alle Rechte vorbehalten!

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Inhaltsverzeichnis.

Binleitung . +
i. Ueber die Tauglichkeitsverhältnisse der zum einjährigen Dienst Berechtigten
 im allgemeinen. ......
Verteilung des Zählkartenmaterials nach Schularten. . . . . +
Pauglichkeitsverhältnisse nach Schularten . . . 0.0.0400 He
Jauer des Schulbesuches bei den verschiedenen Schulen. . . ..
Pauglichkeitsverhältnisse nach der Länge des Schulbesuches . . .'
‚änge der Zwischenzeit zwischen Schulbeendigung und militärirztlicher
 Untersuchung bei den verschiedenen Schulen . . . .
Jesgleichen bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Schulbesuchs-Jauer.
 +... 0. Ra 02m 8 U 2
Fauglichkeitsverhältnisse nach Schularten, unter Berücksichtigung
Jer Schulbesuchsdauer und der Zwischenzeit zwischen Schulbeendizung
 und Untersuchung. . + + +00 4 2
Anteil solcher Militärpflichtiger an der Gesamtsumme, welche bei
früheren Untersuchungen für untauglich und erst von der Ober-Zrsatzkommission
 für tauglich befunden worden sind... . .-HI.
 Ueber die verschiedenen Grade der Untauglichkeit .......-i.
 Die Untauglichkeitsgrade nach Schularten. . . .. 2
3, Die Untauglichkeitsgrade nach Schularten unter gleichzeitiger Berücksichtigung
 der Schulbesuchsdauer und der Zwischenzeit
zwischen Schulbeendigung und Untersuchung. . . -
IN. Ueber die Krankheiten und Körperfehler, welche hauptsächlich die
Untauglichkeit bei den zum einjährigen Dienst Berechtigten
bedingt haben... 00000000040 .
Zinleitende Bemerkungen über die Feststellung und die statistische
3Zewertung der als Untauglichkeitsgrund vermerkten Fehler . ..
die hauptsächlichsten Untauglichkeitsgründe im allgemeinen . . -.
/ergleich mit den bei den übrigen Militärpflichtigen festgestellten
Intauglichkeitsgründen . + + + 040000008
Die festgestellten Krankheiten und Körperfehler nach Schularten .
Die Häufigkeit der festgestellten Krankheiten und Körperfehler
ınter Berücksichtigung der Schulbesuchsdauer und der Länge der
Zwischenzeit zwischen Schulbeendigung und Untersuchung . . .
Dasselbe nach Hauntschularten. . . -. +... Sa

Seite

X

7

4

16

29

30
33
33

26

49

42
43

45
19

55
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        MT

Socite

IV. Ueber die Tauglichkeitsverhältnisse unter Berücksichtigung des
Geburtsortes der zum einjährigen Dienst Berechtigten. . .
Tauglichkeitsverhältnisse im allgemeinen. . . - 5 x m
Verteilung auf die Hauptschularten und Tauglichkeitsverhältnisse
nach Schularten unter Berücksichtigung der Gebürtigkeit , . . .
Häufigkeit der Untauglichkeit bedingenden Krankheiten und Körperfehler
 nach der Gebürtigkeit. . . -
V. Ueber die Körpergröße der zum einjährigen Dienst Berechtigten . .
1. Die Körpergröße im allgemeinen und im Vergleich mit derjenigen
der übrigen Militärpflichtigen . . . -
Die Körpergröße bei den Tauglichen und Untauglichen unter besonderer
 Berücksichtigung der wegen allgemeiner Schwächlichkeit
und Lungenkrankheiten Untauglichen . . . . . m nm
Tauglichkeitsverhältnisse bei den verschiedenen Körpergrößen .
Die Körpergröße bei den verschiedenen Schularten . . . . + +
Tauglichkeitsverhältnisse nach Körpergrößen und Schularten . . -
Körpergrößen nach Geburtsstaaten . . . +. + + .
Tauglichkeitsverhältnisse nach Körpergrößen unter Berücksichtigung
der Gebürtigkeit . . 20.040000
Einfluß der Schulbesuchsdauer und der Zeit nach der Schule auf
die Körpergrößen. . 0.040000 .
Tauglichkeitsverhältnisse nach Körpergrößen unter gleichzeitiger
Berücksichtigung von Schulbesuchsdauer und Zwischenzeit. . . .
VI. Beziehungen der Körpergröße zu anderen Körpermaßen . . . .
L. Allgemeine Bemerkungen . . +
2. Das Pignetsche Verfahren . . . . -
3. Verhalten der Gesamtsumme nach Pignet .. .
4. Verhalten nach Pignet, getrennt nach Tauglichen und Untauglichen
 + 0.000000 7
Tauglichkeitsverhältnisse unter Berücksichtigung des Pignetschen
Index. 2020
Verhalten nach Pignet, getrennt nach Körpergrößen . . . . .
Verhalten nach Pignet, getrennt nach Tauglichen und Untauglichen
 in jeder Körpergrößengruppe +. 0.000008 .
Tauglichkeitsverhältnisse in jeder Größengruppe unter Berücksichtigung
 des Pignetschen Index . . 040404040 HN
Verhalten nach Pignet bei den verschiedenen Schularten. . .
Tauglichkeitsverhältnisse nach Schularten unter Berücksichtigung
des Pignetschen Index. + + + 0400000000 114
Einfluß der Schulbesuchsdauer und der Zeit nach der Schule auf
die Gestaltung des Pignetschen Index . . . +.
Verhalten nach Pignet unter Berücksichtigung der Gebürtigkeit
der Untersuchten. .

&amp;gt;

115

118

VIL. Besondere Beobachtungen über Störungen des Sehorgans bei den
zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten jungen Leuten
in Deutschland. Von Oberstabsarzt Dr. Nicolai. -

122
122
195

i. Einleitendes . . . . ..
9. Plan der Einteilung
        <pb n="9" />
        VL —

Seite

Augenfehler bei den zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten
jungen Leuten, welche Gymnasien besucht haben . .
a) unter Berücksichtigung der Schulbesuchsdauer . . . +.
5) unter Berücksichtigung der Zwischenzeit zwischen Sechulbesuch
 und Untersuchung - + + + +
c) unter Berücksichtigung der Berufsarten +... 0.0.0400 4
4. Fehler des Sehvermögens, unter Berücksichtigung der Schularten .
a) unter Berücksichtigung der Sechulbesuchsdauer . . +. + +
b) unter Berücksichtigung der Zwischenzeit zwischen Schulbesuch
 und Untersuchung + + + 008 8 NT
3. Volle Sehschärfe auf einem oder beiden Augen, unter Berücksichtigung
 der Schularten . + + +09 8 8 NN
a) unter Berücksichtigung der Schulbesuchsdauer . . +. + +
b) unter Berücksichtigung der Zwischenzeit zwischen Schulbesuch
 und Untersuchung +» + + 40400000
6. Sehschwäche auf beiden Augen, unter Berücksichtigung der Schularten
 . . 0.0.0.0 +04 SE DD
a) unter Berücksichtigung der Schulbesuchsdauer . . +. +
bh) unter Berücksichtigung der Zwischenzeit zwischen Schulbesuch
 und Untersuchung + + + 0.0-0000004000 HH
Kurzsichtigkeit auf einem oder auf beiden Augen, unter Berücksichtigung
 der Schularten . . + + ‚#3
a) unter Berücksichtigung der Schulbesuchsdauer . . + + +
b) unter Berücksichtigung der Zwischenzeit zwischen Schulbesuch
 und Untersuchung . +. + + + + .
8, Die Untauglichkeitsverhältnisse bei Augenfehlern . . . . . +.
9. Fehler des Sehvermögens, insbesondere Kurzsichtigkeit, unter Berücksichtigung
 der Geburtsstaaten, -provinzen . + + + + 0104 + 156
10. Ueber die schädlichen Ursachen, welche für die Entstehung und Entwicklung
 von Augen-Brechungsfehlern in Betracht kommen. . .
11 Ueber Verhütungsmaßregeln gegen die Ausbreitung der Augenbezw.
 Brechungsfehler . . + .
VIII. Schlußsätze . . . -
Schlußwort. .. + +
Anhang: Verzeichnis derjenigen Nummern der Anl. 1 A bis E der Heerordnung,
 welche unter den im Text angeführten Krankheitsgruppen
zusammengefaßt sind

170
174
188

192
        <pb n="10" />
        Einleitung.

Ueber den ungünstigen Einfluß der höheren Schulen auf die
körperliche Entwickelung der Schüler ist schon seit langer Zeit und
von vielen Seiten Klage geführt worden, ohne daß es möglich war,
für die Berechtigung oder Nichtberechtigung dieser Klagen sichere
zahlenmäßige Nachweise zu erbringen. Wohl liegen eine Reihe von
statistischen Erhebungen vor über das Vorkommen einiger Körperfehler
 bei den Schülern höherer Schulen, z. B. über die Häufigkeit
von Refraktionsfehlern, sie beziehen sich aber entweder nur auf einzelne
 Schulen oder geben keinen Aufschluß über die Art der besuchten
Schule und die Länge der Schulbesuchszeit, so daß sie zu vergleichenden
Untersuchungen nicht verwertbar sind.
Dieser Mangel an ausreichendem Material über den Kinlluß der
höheren Schulen auf die Körperentwickelung der jungen Leute kann
nicht wunder nehmen. Während für die breite Masse der aus den
niederen Schulen hervorgegangenen männlichen Jugend die Listen der
Aushebungskommissionen wenn auch nicht ganz einwandfreie, so doch
einigermaßen verwendbare Daten über ihre körperliche Entwickelung
enthalten, versagen diese Listen für die Besucher der höheren Schulen
völlig; wenn auch ein Teil der letzteren vor der Aushebungskommission
zur Untersuchung kommt, so wird doch der bei weitem größere Prozentsatz
 nur bei demjenigen Truppenteil untersucht, bei dem er sich zur
Einstellung als Einjährig- Freiwilliger meldet; nur diejenigen, welche
von den Truppenteilen als untauglich abgewiesen werden, kommen
behufs endgültiger Entscheidung ihres Militärverhältnisses noch vor die
Öber-Ersatzkommission.
Die Untersuchungen bei der Meldung zum einjährig- [reiwilligen
Dienst geben bisher aber die einzige Möglichkeit, für sämtliche
Schüler der höheren Lehranstalten vergleichbares Material über ihre
körperliche Entwickelung zu erhalten.
Bei der Wichtigkeit, welche unzweifelhaft diese Frage in vielen
Beziehungen — sowohl in rein pädagogischer, als auch in schul-Veröffentl,
 aus dem Gebiete des Milit.-Sanitätsw. 40. Heft,
        <pb n="11" />
        hygienischer und nicht zuletzt in allgemein sozialer Hinsicht — bositzt,
war es eine nicht zu umgehende Pflicht der Heeresverwaltung, Mittel
and Wege zu finden, um die Untersuchungsergebnisse der sich zum
sinjährig-(reiwilligen Dienst meldenden jungen Leute zu einer 'statistischen
 Bearbeitung verwertbar zu machen.
Die Schwierigkeiten, welche sich einer Sammlung des diesbezüglichen
 Materials entgegenstellten, waren nicht gering und sind bedingt
durch die Bestimmungen über die Ableistung des einjährig-freiwilligen
Militärdienstes überhaupt.
Gemäß Ziffer 8 der „Dienstanweisung zur Beurteilung der Militärdienstfähigkeit“
 sind zwar besondere Listen vorgeschrieben, welche
die Truppensanitätsoffiziere über jeden sich zu genanntem Dienst
Meldenden auszufüllen haben. Eine einfache summarische statistische
Aufbereitung dieser Listen würde aber zu durchaus falschen Ergebnissen
geführt haben. Es kommt oft vor, daß sich ein junger Mann bei einem
Truppenteil zum Dienst meldet und für untauglich erklärt wird; er
meldet sich darauf an einer anderen Stelle und kann dort als tauglich
angenommen und eingestellt werden; die nicht zu vermeidenden verschiedenartigen
 Auffassungen der untersuchenden Sanitätsofliziere über
den Einfluß mancher Körperfehler auf die Militärtauglichkeit, die
Vorschrift der Heerordnung ($ 5,5), daß an junge Leute, welche
freiwillig zum Waffendienst eintreten wollen, die zulässig geringsten
körperlichen Anforderungen gemacht werden dürfen, endlich die verschiedenen
 Anforderungen an die körperliche Rüstigkeit bei den einzelnen
Waffengattungen, geben hierfür eine ausreichende Erklärung ab. Aber
auch, wenn ein zum einjährig-freiwilligen Dienst Berechtigter von
mehreren Truppenteilen als untauglieh abgewiesen ist, so kann er doch
später noch bei der behufs endgültiger Regelung seiner Militärverhältnisse
erfolgenden Vorstellung vor der Ober-Ersatzkommission von dieser für
‘auglich zum aktiven Waffendienst erklärt werden.
Es erhellt, daß sich bei dieser Sachlage aus den Freiwilligen-Untersuchungslisten
 der Truppen-Sanitätsoffiziere kein brauchbares Material
zewinnen ließ; zahlreiche Doppelzählungen ein und desselben Mannes
wären nicht zu vermeiden, und über diejenigen, welche von der Öber-Ersatzkommission
 ihre endgültige Beurteilung als untauglich erhalten,
wäre auf diesem Wege überhaupt keine Kenntnis zu erhalten gewesen.
So blieb für eine zuverlässige Statistik einzig und allein die Zählkartenmethode
 über, indem über jeden jungen Mann, der sich zum einjährigfreiwilligen
 Dienst meldet, an jeder Stelle, wo er untersucht wird, eine
Zählkarte ausgefüllt wird; auf diese Art ließ sich allein das endgültige
Urteil des einzelnen, ob tauglich oder dauernd untauglich, feststellen.
        <pb n="12" />
        So wurde denn durch kriegsministerielle Verfügung vom. 9. 4. 1904
Nr. 126/4. 04 MA die Ausfüllung der nachstehenden Zählkarten über
jeden zum genannten Dienst sich meldenden jungen Mann angeordnet.

Truppenteil bezw. Bezirkskommando.

u ATMeekorps,

Zählkarte
für
Einjährig-Freiwillige.

Vor- und Familienname: .......

Bi Uekeeeeeen se PO USW ee Se
DO aaa Bürgerlicher Beruf: ...........
hat welche Schule besucht? EEE EEE
dis zu welcher Klasse? sense... DIS zu welchem Lebensalter? BEE arsent teren
hat die Berechtigung zum einj.-freiw, Dienst auf Grund W. 0. *8 89,6, *8 90, *8 91?
“Ist bereits früher untersucht bei: ee

‘und für untauglich befunden A

Tag der jetzigen Untersuchung ee Körpergröße: sn
Körpergewicht: seen Brust tete
Befund an den Augen, Sehschärfe rechts: 131] N
Etwaige Brechungsfehler
der sonstige Veränderungen
SE a teette S
Hörschärfe für \ . .
Befund an den Ohren, Flüstersprache } 171) 15) NEN
Etwa nachgewiesene Ursache der
Beeinträchtigung der Hörsaal
Befund an den Atmungsorganen: EEE HERE
m am Herzen: nn EEE EHRE RER ee
“Sonstige Fehler: TÜTETTTEEERRERREEERRRERERR ET RE
Tauglich für: EEFEHERTETERERERTEEREEEREREREEEHHEEEEEEE
Untauglich wegen: WEEEEETEE REES EEE ER
‘“Endgültige Entscheidung der Ober-ErsatzkommiSSiOD: ee

‘Bemerkungen: EEE EEE
Unterschrift:

Die mit * versehenen Fragen sind in Fällen, in welchen sie nicht in Betracht
xommen, zu durchstreichen.
        <pb n="13" />
        In der ersten Zeit wurden, wie in der genannten Verfügung aus-Jrücklich
 angeordnet war, auch beim Aushebungsgeschäft über die
hier zur Vorstellung kommenden, zum einjährigen Dienst Berechtigten
Jie gleichen Zählkarten ausgefüllt. Da es sich aber herausstellte, daß
in einigen Bezirken — namentlich den Großstädten — durch diese
Ausfüllung den kommandierten Sanitätsoffizieren eine sehr große Mehrarbeit
 erwuchs, welche geeignet war, das eigentliche Aushebungsgeschäft
 zu verzögern, so wurde gem. Verfügung vom 28. 8. 05,
Nr. 2010/6. 05 MA nachgegeben, daß von der Ausfüllung der
Karten beim Aushebungsgeschäft abgesehen werden könne; über diejenigen
 jungen Leute, welche von der Ober-Ersatzkommision für tauglich
 erklärt werden, soll nur bei ihrer Einstellung bei einem Truppenteil
 die Karte ausgestellt und mit 2 diagonalen roten Strichen als
Unterscheidungszeichen versehen werden. Ueber diejenigen, welche bei
der Vorstellung vor der Ober-Ersatzkommission in Bestätigung früherer
Untersuchungen die Entscheidung als „dauernd untauglich“ erhalten,
wird somit eine besondere Karte nicht mehr ausgefüllt; findet sich
also über einen Mann neben der Karte über die Untersuchung bei
zinem Truppenteil mit der Entscheidung als „zeitig untauglich“ keine
weitere Karte mit den diagonalen roten Strichen, so ist ohne weiteres
der Schluß zu ziehen, daß er auch von der Ober-Ersatzkommission als
dauernd untauglich erklärt worden ist. ;
Diese Erleichterung durch Nichtausfüllung der Zählkarten seitens
der zum Aushebungsgeschäft kommandierten Sanitätsoffiziere ist aber,
wie nicht verschwiegen werden soll, mit einem wesentlichen Nachteil
verknüpft. Infolge der Vergünstigung der zum einjährigen Dienst
Berechtigten, sich aus den verschiedensten Gründen zurückstellen lassen
zu können, braucht die Einstellung der von der Ober-Ersatzkommission
als tauglich erklärten Leute zum aktiven Dienst nicht sogleich nach
der ergangenen Entscheidung zu erfolgen, sondern kann noch mehrere
Jahre hinausgeschoben werden. Die Einreichung der wie oben angezeben
 besonders gekennzeichneten Zählkarten wird ‚sich in diesen
Fällen also auch bedeutend verzögern, so daß ein sicheres Urteil über
lie endgültige Entscheidung der zahlreichen, vom Truppenteil als
zeitig untauglich zurückgewiesenen jungen Leute auf Grund der Zählkarten
 sich erst nach Verlauf einer längeren Reihe von Jahren gewinnen
 lassen wird. Jedenfalls ist der Zeitraum, über welchen sich
die nachfolgenden Untersuchungen erstrecken, hierfür zu kurz und die
Ergebnisse können daher bisher nur als vorläufige angesehen werden.
Die vorstehenden Ausführungen dürften die Schwierigkeiten gezeigt
 haben, welche der Gewinnung eines einigermaßen zuverlässigen
        <pb n="14" />
        Materials über die Körperbeschaffenheit der zum einjährigen Dienst
verechtigten Militärpflichtigen entgegenstanden, welche Schwierigkeiten
aber auch die Aufbereitung der Zählkarten selbst bereitete. Da nach
lem Gesagten über zahlreiche Leute, je nach ihren Meldungen bei
verschiedenen Truppenteilen bzw. ihrer Untersuchung beim Ober-Ersatzgeschäft,
 2, 3 oder noch mehr Zählkarten vorlagen, so galt es zuaächst,
 neben der sonstigen Ordnung der Karten nach den verschiedenen,
der Bearbeitung zu Grunde zu legenden Richtungen die Doppelkarten
über ein und denselben Mann herauszufinden und zu vereinigen).
Nach Aussonderung der Doppelkarten blieben aus dem Zeitraum
7on 1904—1906, aus dem das Material zur Bearbeitung herangezogen
werden konnte, die Zählkarten über 80454 untersuchte, zum
3injährigen Dienst berechtigte junge Leute übrig. Von diesen
waren nach den Zählkarten 27804 als zeitig untauglich erklärt: es
ist nicht unwahrscheinlich, daß ein erheblicher Prozentsatz von diesen
.NZzwischen eine endgültige Entscheidung erhalten hat, doch ist es, wie
2ach den obigen Ausführungen über die neu eingeführte Kennzeichnung
der Zählkarten über die beim Öber-Ersatzgeschäft untersuchten Leute
arklärlich, bei der Kürze der Zeit nicht möglich, ein Urteil darüber
zu gewinnen, ob diese zeitig Untauglichen schließlich doch noch tauglich
zum aktiven Dienst geworden, oder ob sie als dauernd untauglich erklärt
worden sind. ‘Aus diesem Grunde sind diese 27804 zeitig Untauglichen
bei den weiteren Untersuchungen außer Betracht gelassen und
letztere nur auf die 52650 endgültig Abgefertigten ausgedehnt.
Die Unsicherheit über die große Zahl der zeitig Untauglichen macht
sich jedoch auch bei den Untersuchungen über die endgültig Abzefertigten
 insofern störend bemerkbar, als die Berechnung des Prozentverhältnisses
 zwischen Tauglichen und dauernd Untauglichen natürlich
aicht ganz den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen kann; die Zahl
der Untauglichen ist wahrscheinlich zu klein, da eben die aus der
Zahl der zeitig Untauglichen für dauernd untauglich Erklärten bei der
Berechnung nicht berücksichtigt werden konnten. Es muss einer nach
Mehreren Jahren in Aussicht zu nehmenden erneuten Bearbeitung des

1) Die Auszählung der Karten und die Aufstellung der umfangreichen Listen
18w. ist zum großen Teil in der sanitäts-statistischen Abteilung bei der Kaiser
Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen (Vorstand: Oberstabsarzt
 z, D. Professor Dr. Salzwed 81) ausgeführt worden. Außerdem beteiligten
3ich an den Vorarbeiten in dankenswerter Weise die Stabsärzte an der Kaiser
Wilhelms -Akademie Flemming, Friedheim, Wagner, Pochhammer, Saar,
Thiemich, Stier, Scholz, Koch, Hillebrecht, Bertkau, Eckert und
Calähne.
        <pb n="15" />
        yesamten Materials vorbehalten bleiben, diesen Mangel abzustellen. —
Die vorliegenden Ergebnisse können daher, wie schon cinmal gesagt
und hier nochmals besonders hervorgehoben sei, nur als vorläufige anyesehen
 werden.
Wie der Titel des Buches besagt, umfassen die Untersuchungen
yanz Deutschland, da die Medizinal-Abteilung des Königlich
Bayerischen Kriegsministeriums, welche seinerzeit die gleiche
Zählkarte für den Bereich der Bayerischen Armee eingeführt hatte,
im Interesse einer einheitlichen Bearbeitung das gesamte Material in
Jankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat.
        <pb n="16" />
        I. Ueber die Tauglichkeitsverhältnisse der zum
einjährigen Dienst Berechtigten im allgemeinen.

Auf den Zählkarten ist, wie das Muster S. 3 zeigt, angegeben,
9b die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst auf Grund des
5 89.6, 90, oder 91 der Wehrordnung erworben ist.
Der 8 90 umfaßt alle diejenigen jungen Leute, welche die Berechtigung
 auf Grund des Besuches einer zur Ausstellung der entsprechenden
 Zeugnisse autorisierten höheren Schule erworben haben.
Welche Schulen dazu gehören, wird weiter unten angeführt werden.
Naturgemäß entlällt der weitaus größte Teil aller unserer Statistik zu
Grunde liegenden Militärpflichtigen auf diese Gruppe — von den
52640 endgültig Abgefertigten nicht weniger als 50407 = 95,7%, der
Jesamtzahl.
Der $ 91 umfaßt solche jungen Leute, welche die Berechtigung
auf Grund eines besonderen, vor einer Prüfungskommission abgelegten
wissenschaftlichen Examens erlangt haben: ihre Zahl beläuft sich auf
1976 == 3,8%.
Der 8 89,6 der Wehrordnung endlich bezieht sich auf diejenigen
jungen Leute, welchen auf Grund einer besonderen Hand- oder Kunstlertigkeit
 oder sonstiger besonderer hervorragender Leistungen usw.
1ach Bestehen einer Prüfung in den Elementarkenntnissen die Be-“echtigung
 zum einjährigen Dienst erteilt ist. Ihre Zahl beträgt nur
267 = 0,5% aller Berechtigten.
Die 50407 naclı 8 90 W.O. Berechtigten verteilen sich nun auf
Jie einzelnen Schulen) wie folet:

1) Für die Einteilung nach Schularten ist das Verzeichnis maßgebend gewesen,
welches alljährlich im Armee- Verordnungsblatt über diejenigen Lehranstalten des
Deutschen Reiches veröffentlicht wird, welche die Berechtigung zur Ausstellung
zon Befähigungszeugnissen für den einjährigen Dienst besitzen.
        <pb n="17" />
        Gymnasien .
Realgymnasien
Progymnasien .
Realprogymnasien
Yberrealschulen .
Realschulen , .
Seminare. . .
3. Handelsschulen!) .
9. Industrieschulen!) , .
‚0. Landwirtschaftsschulen. .
‚1. Privatschulen ‚'‘. .
Summe 50407

25.246
6791
813
142
4026
3953
2910
578
369
601
478

Den Hauptanteil hat somit das Gymnasium, sodann die Realschule,
 das Realgymnasium und die Oberrealschule. Auf diese Schularten
 wird sich hiernach — auch ihrer allgemeinen Bedeutung entsprechend
 — im wesentlichen die spätere vergleichsweise Darstellung
erstrecken. Die zu 8—10 in obiger Uebersicht aufgeführten Schulen
können bei ihrer geringen Besetzung für Vergleiche mit den übrigen
Schulen im allgemeinen kaum herangezogen werden, da bei der Kleinheit
 der absoluten Zahlen die Schwankungen der Prozentverhältnisse
naturgemäß zu. groß sind und dadurch leicht unzutreffende Schlußfolgerungen
 gezogen werden könnten. Dazu kommt, daß die Schüler,
welche sich die wissenschaftliche Befähigung zum einjährigen Dienst
auf diesen Schulen erworben, doch zum Teil vorher schon eine
andere Schule besucht haben, worüber die Zählkarten zumeist keine
Auskunft geben. Das gleiche ist der Fall mit den „Privatschulen“,
doch werden die sämtlichen genannten Schulen in den folgenden
Tabellen usw. der Vollständigkeit halber meist mit aufgeführt werden.
‚Auch bei den gemäß 8 91 W.0. zum einjährigen Dienst Be-‚echtigten
 ist auf den Zählkarten fast überall die Art der vorher
besuchten Schule angegeben — eine Trennung der Gesamtzahl hieraach
 erübrigt sich aber, da die Ziffern für die einzelnen Schulen dann
viel zu klein würden.

2.

Berechnet man nun zunächst im allgemeinen, wieviel von den
aus den einzelnen Schulen hervorgegangenen Schülern tauglich‘ oder

1) Es sei darauf hingewiesen, daß unter „Handels- und Industrieschulen“
vielfach andere Schulen, Anstalten pp. verstanden werden, als die hier in Frage
kommenden. Bei letzteren handelt es sich um solche Privatschulen, die in ihren
Lehrplänen — neben den Handels- usw. Fächern — vollständig den staatlichen
der kommunalen Schulen gleichen.
        <pb n="18" />
        lauernd untauglich zum aktiven Dienst waren, so ergibt sich die
folgende Uebersicht:
Es waren

tauglich
abs, C
5696 Bee
1344 84,J
202 64,5
95 566,9
2724 67,7
5907 66,0
2127 73,1
401 69,4
239 64,8
501 83,4
358 - 74.9

dauernd untauglich
abs, 9%
9550 37,8
2:7 36,0
1 355
47 33,1
1302 32,3
3046 34,0
783 26,9
177 30,6
130 35,2
100 16,6
120 925.1

äymnasien .
ealgymnasien
7rogymnasien
Aealprogymnasien
‚ ÖOberrealschulen .
°, Realschulen. .
/. Seminare. . 2...
8. Handelsschulen .
9. Industrieschulen, .
10. Landwirtschaftsschulen .
11. Privatschulen ., .
I. Summe nach $ 90 . . 32594 64,7 17815 35,8
II. Nach 891 , . 2... 1449 783 527 26,7
J[. Nach &amp;amp; 89,6 , . ... 201 753 66 24,7
Gesameume rururur34944 65.0 18406 35.0

|.
x

Bei Betrachtung dieser Tabelle ist zunächst an das zu erinnern,
was oben über die Bewertung dieser Prozentziffern im allgemeinen
zesagt ist — daß wahrscheinlich die Zahl der dauernd Untauglichen
zu gering, die der Tauglichen dagegen %zu hoch ist. Aber auch
bei Berücksichtigung dieser Fehlerquelle, die ja bei allen Schularten
“emlich gleichmäßig anzuschlagen sind, fällt sofort in die Augen
(Tafel 1), daß das Gymnasium den ungünstigsten Tauglichkeitsquotienten
 aufzuweisen hat. Es folgen von den zahlenmäßig vergleichbaren
Schulen das Realgymnasium, die Realschulen und die Oberrealschulen.
Sehr günstig stehen, soweit die kleinen Zahlen ein Urteil zulassen,
lie Seminare, die Privatschulen und die Landwirtschaftsschulen. Bei der
50 günstigen Stellung der Seminare ist übrigens daran zu denken, daß
sich von deren Angehörigen vielleicht nur solche jungen Leute
zum einjährig-freiwilligen Dienst melden, welche sich gesund und
kräftig fühlen, während die andern, welche schwächlich sind oder an
ffensichtigen, den Dienst ausschließenden Krankheiten leiden, sich
acht erst um die Vergünstigung des einjährigen Dienstes bemühen.
Auch wenn aus den schon mehrfach besprochenen Gründen der Tauglichkeitsquotient
 in Wirklichkeit selbst wesentlich niedriger sein sollte, so
lürfte doch die Zahl der Tauglichen an sich noch immer als nicht
ıngünstig bezeichnet werden können, namentlich gegenüber den allzemeinen
 Aushebungsergebnissen, wie sie alliährlich für das Deutsche
        <pb n="19" />
        10

Reich veröffentlicht werden. Nun darf man allerdings dabei nicht außer
Acht lassen, daß, wie schon mehrfach erwähnt, an die zum freiwilligen
Dienst sich Meldenden die zulässig geringsten körperlichen Anforderungen

"Tafel 1.

Von je100 Besuchern der nachstehenden Schulen
Waren
Laualich zum Dienst mit der Waffe

Schulart
Gymnasıen
Realgymnasıer
Srogymnasien
Tndustrieschule
Realschulen

IP

1640

m

———
1648

1
1660

Realorogymnasier
Oberrealschulen
Handelsschulen
Seminare
ivatschulen.

1669

1694
7317
] Zr
] 74.9

Dandrirtschschul
Durchschnitt
($90 WO.)

Hedu

zum |

97 W.O.

)

ha

689 WO.

..

Gesamltdurchschnitt


20

gestellt werden dürfen, und daß die Untersuchungen und Entscheidungen
über die Militärtauglichkeit bei den zum einjährig-freiwilligen Dienst sich
Meldenden und den sonstigen Militärpllichtigen unter wesentlich anderen
        <pb n="20" />
        Umständen ausgeführt werden. Bei den letzteren hat der untersuchende
Arzt cine große Auswahl unter den vorgestellten Leuten und wird cher
geneigt sein, bei zweifelhalter Tauglichkeit die Zurückstellung oder Ausmusterung
 des Einzelnen zu empfehlen, während bei den zum einjährigen
Dienst Berechtigten diese Auswahl fortfällt und jeder der überhaupt
als tauglich bezeichnet werden kann, auch eingestellt werden muß.
Noch günstiger, als die auf Grund eines Schulzeugnisses zum
einjährigen Dienst Berechtigten stehen diejenigen, welche ihre Befähizung
 gemäß 8 91 W.O0. durch ein besonderes Examen nachgewiesen
haben, und diese werden noch um ein weniges von denjenigen übertroffen,
 welchen der Vorzug des einjährigen Dienstes auf Grund besonderer
 Leistungen usw. (8 89,6 W.O.) eingeräumt ist. Nächst
anderen, wohl mit dem Schulbesuch zusammenhängenden Gründen
dürfte in erster Linie an diesem so günstigen Ergebnis der Umstand
Teil haben, daß sich zu dem besonderen Examen nur solche jungen
Leute melden, welche von vornherein körperlich kräftig entwickelt
und. von ihrer Militärtauglichkeit überzeugt sind; das gleiche wird der
Fall bei denjenigen sein, welche sich um die Berechtigung gemäß &amp;amp; 89,6
W.0. bemühen. Minder kräftige, oder mit offensichtlichen, die Tauglichkeit
 ausschließenden Fehlern behaftete junge Männer werden sich
vielfach der Mühe des für sie zwecklosen EKxamens oder der entsprechenden
 Eingaben an die zuständigen Behörden garnicht unterziehen,


2

Bei der Beurteilung, ob die für die einzelnen Schulen festgestellten
Unterschiede in den Tauglichkeitsprozenten auf Rechnung der Schule
und ihres Einflusses auf die körperliche Entwickelung der Schüler zu
setzen sind, ist es von Wert, zu untersuchen, wie lange die
Schüler die‘ Schule besucht haben, und ob aus der Länge
des Schulbesuches sich gewisse Anhaltspunkte für die Beurteilung
 der hier interessierenden Frage sich gewinnen
lassen. Es wäre ja von Bedeutung gewesen, auch die Klasse, bis
zu welcher die Schule besucht worden ist, festzustellen — ausgehend
von der Ueberlegung, daß die oberen Klassen mit ihren gesteigerten
Ansprüchen an die Körper- und Geisteskräfte des einzelnen besonders
geeignet sein dürften, die Entwickelung der jungen Leute zu beein-Aussen.
 Eine Auszählung der Zählkarten nach dieser Richtung
scheiterte aber an der zu verschiedenartigen Bezeichnung der Klassen,
50 daß davon Abstand genommen werden mußte. Es ist daher zunächst
 nur das Lebensalter berücksichtigt. und sind zu diesem Zwecke
        <pb n="21" />
        .

3 Gruppen gebildet: Gruppe I mit einem Schulbesuch bis zum
vollendeten 16. Lebensjahre — in der Erwägung, daß der Abyang
 aus der Schule mit dem Zeugnis der wissenschaftlichen Befähigung
 für den einjährigen Dienst vor diesem Jahre im allgemeinen zu
den Ausnahmen zu rechnen ist; Gruppe II mit einem Schulbesuch
 bis zum 19. Lebensjahre — diese Grenze dürfte im
Durchschnitt dem Lebensalter entsprechen, in dem das Abiturientenexamen
 gemacht wird; Gruppe II mit einem Schulbesuch bis
zum 20. Lebensjahr und darüber — ‚diese Gruppe umfaßt das
militärpflichtige Alter. Eine weitere Differenzierung erschien nicht
angebracht, da sonst die Besetzung der einzelnen Gruppen — wenigstens
 bei einer Reihe von Schulen — zu gering geworden und auch
lie Uebersichtlichkeit der Betrachtung vermindert wäre.
Die folgende Tabelle zeigt nun zunächst, wie sich die Zahl der
ınseren Untersuchungen zugrunde liegenden 52650 jungen Leute auf
liese 3 Gruppen verteilt,

Es hatten die Schule besucht bis zum

16. Lebensjahre

17 —19. Lebensjahre


20. Lebensjahre
u, darüber
abs. 9%
7850 31,1
1099 16,2
25 8,0
3 0,70
527 13,1
386 4,3
2132 78,3
35 6,1
213 57.7

abs,

äymnasien . . . 1925
Realgymnasien . . 1287
Drogymnasien , . . 95
Zealprogymnasien . 67
)berrealschulen . . 979 245
Zealschulen ... 3502 39,1
. Seminare . .... 7 0,58
3, Handelsschulen . . ’49 25,8
9, Industrieschulen . 14 3,8
10. Landwirtschaftsschulen
 .... 104 217,8 402 66,9 95 15,8
I1. Privatschulen . . . 157 32,8 262 54,8 59 12,3
Summe nach 8 90... 8296 16,5 29689 8,9 12422 24,6
Nach $91 . 0... 605 30,6 1048 53,0 323 16,3
Nach 8 89,6 ..... 140 52,4 75 28,1 52 19,5
Gesamtsumme ...., 9041 17,2 30812 58,5 12797 24,3

m

Die Uebersicht bietet schon an sich manches Interessante. Wie
a priori zu erwarten war, ist bei den unter den $ 90 W.0. fallenden
Schülern die Gruppe II (Schulbesuch bis zum 17.—19. Lebensjahre)
am stärksten besetzt, allerdings mit erheblichen Unterschieden bei
Jen einzelnen Sehulen. Um einiges herauszugreifen, so ist die Zahl
        <pb n="22" />
        49

der das Gymnasium schon mit dem 16. Lebensjahr verlassenden
Schüler ganz gering, bei dem Realgymnasium beträgt ihre Zahl schon
‘ast 1/3, bei den Oberrealschulen fast 1/4 und den Realschulen sogar
fast 2/.. Das umgekehrte Verhalten zeigen diese 4 Schulen hinsichtlich
 der Schüler, welche erst im 20. oder noch höheren Lebensjahren
die Schule verlassen haben; ihre Zahl beträgt beim Gymnasium fast
'\/s, beim Realgymnasium nur etwa 1/6, bei der Öberrealschule etwa
'/a und der Realschule sogar nur 1/5; der Gesamtzahl. Die absoluten
Zahlen für das Progymnasium und Realprogymnasium sind zu klein,
um zu Vergleichen herangezogen werden zu können. Hält man diesen
Prozentzahlen die oben (S. 9) mitgeteilten Tauglichkeitsquoten gegenüber,
 so ergibt sich zunächst, daß die Gymnasiasten, welche die Schule
am längsten besuchen, in der Tat die wenigsten Tauglichen aufweisen,
etwas günstiger stehen die Realgymnasiasten und ziemlich gleich am
zünstigsten die Überrealschüler und Realschüler, deren Anteil an den
höheren Lebensaltern am geringsten ist. Es wird aber noch eines
weiteren Eingehens auf die Einzelverhältnisse bedürfen, um hieraus
stwa zu ziehende Schlüsse gewinnen zu können.
KEigenartig sind die für die Seminare ermittelten Zahlen; sehr
auffallend erscheint es, daß bei ihnen die Gruppe I (Schulbesuch bis
zum 16. Lebensjahre) wenn auch nur gering, so doch überhaupt ver-;reten
 ist, da es kaum möglich erscheint, daß jemand. bereits in diesem
Alter seine seminaristische Ausbildung vollendet haben kann. Es
liegt der Gedanke nahe, daß es sich hierbei um Irrtümer bei der
Ausfüllung der Zählkarten gehandelt hat — eine nachträgliche Feststellung
 war- leider nicht möglich. Im übrigen erklärt sich der hohe,
last 3/, der Gesamtzahl ermittelte Anteil der III. Altersklasse leicht
durch den Bildungsgang dieser jungen Leute, welcher einen früheren
Eintritt in das Seminar im allgemeinen überhaupt ausschließt. Daß
sie trotzdem "eine so günstige Tauglichkeitsquote (73,1%) haben,
ist wohl zum großen Teil dem oben besprochenen Umstande (S. 9)
zuzuschreiben, daß sich zum einjährigen Dienst nur die kräftigsten
von ihnen melden; außerdem mag dabei mitsprechen, daß die Semiaaristen
 zum nicht unerheblichen Teil aus ländlichen Verhältnissen
stammen und so von Hause aus vielfach körperlich kräftiger sein
dürften, als die wohl meist stadtgeborenen oder in Städten groß gewordenen
 Besucher der anderen höheren Schulen und daß sie vor
lem Seminar meist nur eine niedere oder mittlere Schule besucht
haben, welche ihren Gesundheitsverhältnissen weniger geschadet hat.
Der Faktor der ländlichen Abstammung spricht wohl auch außer der
Beschäftigung bei denjenigen jungen Leuten viellach mit, welche auf
        <pb n="23" />
        einer Landwirtschaltsschule ihre Berechtigung zum einjährigen Dienst
erworben haben. Trotzdem bei ihnen die II. und MI. Gruppe der
Lebensalter verhältnismässig stark besetzt sind, haben sie ja die
höchste. Tauglichkeitsquote aufzuweisen: auch hier dürfte der Besuch
der Landwirtschaftsschule überhaupt erst relativ Spät einsetzen
and so dem günstigen Kinfluß der Herkunft und der wohl oft
schon vorher begonnenen Berufstätigkeit keinen Abbruch mehr tun
können.
Auffällig liegen die Verhältnisse — soweit die kleinen Zahlen
in Urteil zulassen — bei den Handels- und Industrieschülern; von
letzteren hat über die Hälfte die Schule erst im 20. oder noch höherem
Lebensjahre verlassen, während von den Handelsschülern nur ein ganz
geringer Prozentsatz so lange die Schule besucht, ja über ein 1!/, hat
sie schon mit 16 Jahren verlassen. Man könnte auch hier an einen
Einfluß der Länge des Schulbesuches denken, wenn man die entsprechenden
 Tauglichkeitsquoten dagegenhält: bei den Industrieschulen
64,8%, also etwa entsprechend denjenigen bei den wissenschaftlichen
Vollanstalten — bei den Handelsschulen dagegen 69,4%, nächst den
aus Seminaren, Landwirtschafts- und Privatschulen Hervorgegangenen
ler höchste Anteil von Tauglichen. Aber die Zahlen sind, wie gesagt,
zu klein, um sichere Schlüsse zu gestatten,
Daß von den nach 8 91 W. 0. zum einjährigen Dienst Berechtigten
‚ast 1% die Schule nur bis zum 16. Lebensjahr besucht hat, ist weiter
aicht auffällig; die Verteilung auf die Lebensalter ähnelt sehr der-‚enigen
 bei den Privatschulen, ebenso auch die Prozentanteile der
Tauglichen und Untauglichen — wie ja wohl auch die äußeren Lebensverhältnisse
 und der sonstige Entwickelungsgang der zu diesen beiden
Kategorien Gehörigen vielfach ziemlich gleich sein dürlten,
Von den gemäß 8 89,6 W.O. auf Grund besonderer Leistungen
zum einjährigen Dienst Zugelassenen entfällt, wie nicht anders zu erwarten,
 über die Hälfte auf die I. Gruppe, von den 140 hierzu Gehörigen
 haben sogar 73 die Schule — wohl meist eine Volks- oder
Bürgerschule — nur bis zum 14. Lebensjahre besucht. Ks kann sovar
 als auffällig bezeichnet werden, daß noch so viele eine längere Schulzeit
 aufzuweisen haben.

Die vorstehende Uebersicht und die daran geknüpften kurzen
3emerkungen vermögen aber noch keine sichere Auskunft darüber zu
zeben, ob der Länge der Schulzeit tatsächlich ein bestimmender Ein-Auß
 auf die körperliche Entwickelung und damit auf die mehr minder
        <pb n="24" />
        große Tauglichkeit oder Untauglichkeit zum aktiven Militärdienst beizumessen
 ist. Es ist vielmehr dazu noch erforderlich, zu untersuchen,
wie sich die Tauglichkeitsquoten bei den einzelnen, nach der
Länge der Schulbesuchszeit gegliederten Gruppen stellen.
Die folgende Tabelle gibt hierüber Auskunft.
Es waren bei einem Schulbesuch bis zum

AL,
16. Lebensjahre
. . dauernd
vaunglich untauglich
abs. | 9% | abs. 1 9%

aM
17.—19. Lebensjahre
: dauernd
tauglich ' untauglich
abs. | 9% abs TOLL

AL
20. Lebensjahre u. dar.
: dauernd
tauglich untauglich
abs. | 9% | abs. | Oo

. Gymnasien . .
Realgymnasien .
Progymnasien. .
Realprogymnasien .
Öberrealschulen . .
Realschulen , .
Seminare , . ..
. Handelsschulen . .
9. Industrieschulen .
‚0. Landwirtschaftsschulen
 . 2...
‚1. Privatschulen . .

L161 60,8
319 163,6
60 (63,2
40 59,7
645 165,9
2256 844
11 164,7
95 163,8
71500

764 39,7
168 36,4
35 186,8
27 40,8
334 34,1
1246 [35,6
6 35,3
54 136,2
750,0
21909
38 124.2

9839 163,6
2835 64,4
126 [65,3
54 173,0
1722 168,8
3400 67,1
555 72,9
280 71,1
99 169,7

5632 [36,4
1570 35,6
67 84,7
20 27,0
798 [81,7
665 |32,9
206 |27,1
114 28,9
43 180.3

1696 159,8
690 28
16 164,0
1 —
357 67,7
251 65,0
(561 173,2
26 74,8
133 62.4

3154
409
Q

40,2
87,2
360

178

LP
Bu

32,8
35,0
26,8
25,7
87,6

Sf

19 20,0
17 1288
Summe nach 8 90 . .} 7849 [63,2 | 4573 | 36,8
Nach 8 91... il 238 73,7 [a
Nach &amp;amp; 89,6 . 4688,55 61115
Gesamtsumme , . . . |5842 64,6 | 8199 {85.4 | 20269 [65.8 | 10543 34.2 | 8133 163.5 | 4664 126.5

Vergleicht man zunächst die Tauglichkeitsquoten der einzelnen
Schulen innerhalb jeder der 3 Gruppen, so ergeben sich im allgemeinen
lie gleichen Verhältnisse, wie bei der Gesamtzahl in. der Tabelle
3. 9. Von den 4 Hauptschularten stehen immer die Gymnasien
ım ungünstigsten, es folgen dann die Realgymnasien, die Realschulen
 und‘ zuletzt die Oberrealschulen. Auch die übrigen Schulen
zruppieren sich in gleicher Weise wie in der genannten Tabelle.
Vergleicht man dann weiter die 3 Gruppen bei jeder einzelnen
Schule, so kommt man zu eigenartigen Ergebnissen. Bei den Gym-1asiasten,
 Realgymnasiasten und den aus Privatschulen
Hervorgegangenen haben diejenigen, welche die Schule bis
zum 20, Lebensjahr und länger besucht haben, die niedrigste
P’auglichkeitsziffer. Sonst findet sich die ungünstigste Taug-.ichkeitsquote
 fast durchweg gerade bei der Gruppe I, also
        <pb n="25" />
        16

bei denjenigen, welche schon mit spätestens dem 16. Lebensjahre die
Schule verlassen haben und somit dem Einfluß der Schule am kürzesten
 ausgesetzt gewesen sind; allein bei den Privatschulen und bei den
nach 8 91 W. 0. zum einjährigen Dienst Berechtigten zeigt die I. Gruppe
die besten Tauglichkeitsverhältnisse, welche im übrigen fast durchweg
bei der Gruppe II nachzuweisen sind.
Es wäre verfehlt, aus den Zahlen der vorstehenden Tabelle allein
schon weitgehende Schlüsse über den Einfluß der Schulbesuchsdauer
auf die körperliche Entwickelung ziehen oder gar auf Verschiedenheiten,
welche bei den einzelnen Schulen in dieser Beziehung etwa obwalten,
schließen zu wollen. Man muß bedenken, daß die Schulbesuchsdauer
doch immer nur ein Faktor von vielen ist, die für die Gestaltung
der Tauglichkeit der Schüler wirksam sind. . Immerhin kann man
— und die weiteren Untersuchungen werden das bestätigen — soviel
aus den Ergebnissen folgern, daß ein besonders langer Schulbesuch
 für die spätere Tauglichkeit zum aktiven Dienst
nicht günstig, daß aber auch ein frühes Verlassen der
Schule der gesundheitlichen Entwickelung durchaus nicht
besonders zuträglich zu sein scheint.

ER

Bevor num hierüber und über die mutmaßlichen Gründe dieser
Erscheinung in nähere Erörterungen eingetreten werden kann, sollen
vorerst noch einige weitere zahlenmäßige Uebersichten gebracht
werden, welche über einen zweiten, für die körperliche Ausbildung
der jungen Leute wichtigen Faktor Aufschluß zu geben und den
obigen Schlußsatz zu ergänzen geeignet sind.
Es ist ja klar, daß nur ein Teil der zum einjährigen Dienst Berechtigten
 gleich oder wenigstens bald nach Beendigung ihrer Schulzeit
 sich schon zum Diensteintritt meldet und untersucht wird.
Nach 8 89,1 W.0. darf die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen
Dienst im allgemeinen nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre nachgesucht
 werden. Die frühere Nachsuchung, sofern es sich nur um
einen kurzen Zeitraum handelt, darf ausnahmsweise zugelassen werden,
doch hat in solchen Fällen die Aushändigung des Berechtigungsscheines
 nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre zu erfolgen. Es
folgt daraus, daß bei den zur Gruppe I gehörigen jungen Leuten,
deren Schulzeit schon mit dem 16. Lebensjahre beendet war, eine
sofortige Meldung und Untersuchung ausgeschlossen ist, aber auch
von den anderen verschieben nicht wenige die Meldung und etwaige
Einstellung zum Dienst um oft viele Jahre nach dem Verlassen der
        <pb n="26" />
        17

Schule, Es war daher erforderlich, noch zu untersuchen, wieviel
Zeit im Durchschnitt bei den einzelnen Schulen und den anderen
Kategorien Zwischen der Beendigung der Schulzeit und dem
Tage der militärärztlichen Untersuchung (Ausstellung der Zählkarten)
 vergangen war -— denn diese Zeit der beginnenden Berufslätigkeit
 oder des weiteren vorbereitenden Studiums ist natürlich
von nicht unwesentlicher, unter Umständen sogar von ausschlaggebender
 Bedeutung für die endgültige körperliche Entwickelung des
Kinzelnen,
Zu diesem Zwecke sind 4 Gruppen gebildet: Gruppe A mit
ciner Zwischenzeit von längstens 1 Jahre, Gruppe B mit
einer Zwischenzeit von 2 bis 3 Jahren, Gruppe C von 4 bis
5 Jahren und Gruppe D mit einer Zwischenzeit von mehr
als 5 Jahren. Kine weitere Differenzierung erschien nicht notwendig,
da bei einem zwischen Schulbesuch und militärärztlicher Untersuchung
liegenden Zeitraum von mehr als 5 Jahren ein Einfluß der Schule auf
lie Körperentwickelung kaum noch nachweisbar sein dürfte.
Es betrug nun die Zwischenzeit zwischen Beendigung des
Schulbesuches und der militärärztlichen Untersuchune:

A, B. C. D.
1 Jahr 2—3 Jahre 4—5 Jahre über 5 Jahre
abs. %, abs. % abs. 9% abs. 9%
Gymnasien... 4187 36,6 4577 18,1 8875 35,2 7607 30,1
Realgymnasien . 57% WO 118L 17,4 2372 34,9 2561 37,7
Progymnasien , , ) 54 17,3 109 34,8 128 40,9
Zealprogymnasien . . 4 2538 13 9,1 39 27,5 86 60,6
Oberrealschulen . .. 482 2,0 699 17,4 1362 238,8 1483 36,8
5, Realschulen .... 585 6,5 1474 16,5 3287 36,2 3662 40,9
+ Seminare , ..... 1080 37,1 1293 44,4 459 15,8 78 2,7
3, Handelsschulen . . . 58 10,0 185 32,0 231 40,0 104 18,0
9, Industrieschulen .. 161 43,6 883 22,5 84 22,8 41 11,1
(0. Landwirtschaftsschulen 81 183.5 257 42,8 192 31,9 71 11,8
11. Privatschulen... 43 9.0 85 17,8 153 32,0 197 41,2
Summe nach 8 90. ... 7375 14,6 9901 19,6 17113 34,0 16018 31,8
Nach &amp;amp;91 ....... 216 10,9 41° &amp;gt; € 81,0 729 36,9
Nach &amp;amp; 80 &amp;amp; We 30 11.2 45 16.90 51 191 141 52,8
Gesamtsumme ...... 7621 14,5 10865 19,7 17776 33,8 16888 32,1

=

Die vorstehende Tabelle bietet — namentlich bei einem Vergleich
mit derjenigen S, 12 — manches Interessante. Sie zeigt, daß die
zum einjährigen Dienst Berechtigten nur in relativ wenigen Fällen
bald nach Beendigung ihrer Schulzeit sich zum Dienst melden.
Veröffentl, aus dem Gebiete des Milit,-Sanitätsw. 40. Heft,
        <pb n="27" />
        Insbesondere trifft das zu bei den Besuchern der höheren wissenschaftlichen
 Schulen (Gymnasien, Realgymnasien und Realschulen), die
_— trotz ihres verhältnismäßig späten. Abganges von‘ der Schule,
doch in etwa ?/z und mehr aller Fälle über 3 Jahre, ja in '/s
sogar über 5 Jahre verstreichen lassen, ehe sie sich zur militär-Tafel

 92.

Von je 100 abgefertigten Leuten mit der Berechtigung
zum einjährigen Dienst hatten
die Schule besucht.
; ,
bes zum 16. Lebensjahre bis zum 20. Lebensjahre u
. darüber
nach der Schulbeendigung bis zur Untersuchung
gewartet

A m &amp;lt;
mehr als 5 Jahre

Serinar

rl Tr

A ————

ÖVmmmnasium

Realgymnasium

Oberrealschule

Reoalschule

m
100

ärztlichen Untersuchung behufs Ableistung. ihrer. Dienstpflicht melden.
Die Beziehungen zwischen Länge der Schulbesuchsdauer und Zwischenzeit
 gibt die Tafel 2 in bildlicher Darstellung übersichtlich wieder,
Anders liegen die Verhältnisse bei den Spezialschulen, Hier scheint
eine Zwischenzeit von mehr als 5 Jahren relativ selten zu sein, nur
die Besucher einer Handelsschule warten — dem ziemlich frühen Ab
gang von der Schule entsprechend — ebenfalls zum großen Teil mehr
        <pb n="28" />
        9

als 3 Jahre mit ihrer Meldung zum Dienst, während von den aus
einer Industrie- und Landwirtschaftsschule Hervorgegangenen etwa An
schon innerhalb der ersten 3 Jahre nach der Beendigung des Schulbesuches
 sich stellen. Die aus den Seminaren hervorgegangenen
Lehrer müssen im allgemeinen sofort nach Beendigung ihres Examens
eintreten, da sie nicht vor Ableistung ihrer Dienstpflicht angestellt
werden. Daß bei einem immerhin nicht ganz geringen 'Peile eine
längere Zwischenzeit auf den Zählkarten angegeben ist, erklärt sich
wohl daraus, daß manche der jungen Lehrer zuerst an Privatschulen
Stellung nehmen oder behufs Ausbildung in anderen Unterrichtszweigen
\%. B. Turnen, Musik) einige Zeit bis zu ihrer Meldung zum Diensteintritt
 verstreichen lassen.
Die auf Grund des 8 91 W.O. Berechtigten stehen denjenigen
aus Privatschulen Hervorgegangenen und im allgemeinen den Gymnasiasten
 usw. nahe.
Daß von den auf Grund besonderer Teistungen gemäß S$ 89,6
zum einjährigen Dienst Zugelassenen über die Hälfte mehr als 5 Jahre
bis zur Gestellung warten, ist bei dem meist frühen Abbruch ihrer
Schulzeit nicht auffällig.

A

Um den Einfluß, welchen offensichtlich die Dauer des Schulhesuches
 auf die Zeit der Gestellung zum Dienst‘ ausübt, noch deutlicher
 zu beleuchten, war es erforderlich, das Material unter gleichzeitiger
 Berücksichtigung der beiden Gesichtspunkte auf-Zubereiten
 und zu sehen, wie viele von jeder der 3 Schulbesuchsgruppen
 sich schon im 1. Jahre nach der Schulentlassung,
 dann im 2. und 3., im 4. und 5, Jahre und in
noch späteren Jahren zum Dienst gemeldet haben und untersucht
 sind. -
Die Kombination dieser beiden Gesichtspunkte ergibt allerdings
die Schwierigkeit, daß bei manchen Schulen die absoluten Zahlen für
die einzelnen Untergruppen recht klein werden, so daß sie zu prozentualen
 Vergleichen nicht herangezogen werden können. Der Vollständigkeit
 halber sind aber in der folgenden Tabelle (S, 20) alle
Schulen aufgeführt.
Es war oben (S. 16/17) gesagt, daß bei den zur Gruppe I gehörigen
Touten, deren Schulzeit schon mit dem 16. Lebensjahre beendet war,
auf Grund der Bestimmung des 8 89,1 W.O. eine sofortige Meldung
zum Diensteintritt ausgeschlossen ist. Wenn trotzdem in der nachstehenden
 Tabelle unter der Gruppe I einige Leute aufgeführt sind.
        <pb n="29" />
        —
ie

EN
Schulbesuch bis zum 16. Lebensjahre

darunter mit einer Zwischenzeit
zwischen Schulbeendigung und Unter
suchung von

A. |B. 2u.|C. 4u. /2. Mehr
1 Jahr 3 Jahren| 5 Jahren | als 5 J,
A. 0/0 !ape | 0/2 label! 9/a habs! 9/n

Gymnasien. . .
Realgymnasien .
Progymnasien . .
Realprogymnasien
Oberrealschulen .
Realschulen . .
Seminare . . .
. Handelsschulen .
9. Industrieschulen .
10. Landwirtschaftsschulen
 . . +
11. Privatschulen . .

14 10,731170
7'054! 79
1:17 9
— 9
11 83
17 61759
1
9

8,8
6,1
95
8)
8,3
7,2
2|

567 29,51174 61,0
401131,2| 800:62,2
23/24,2/ 62653
9/13,4 A
306/31,3. 581159,3
1140132,6 len |
4/23,5| 12|/70,6
6543,6 62141,6
3/21.4| 964,3

4

8,8!

15/14,4
9| 5.7

43(41,4
35192.3

42 40,4
113172.0

Summe nach &amp;amp; 90 157 0,691640| 7,7/2596|31,315008160,8

10,17 r 33 10208 SE
von) slad aolınek res?

AL,
Schulbesuch bis zum 17.—19. Lebensjahre


darunter mit einer Zwischenzeit
zwischen Schulbeendigung und Untersuchung
 von

A. IB. 2w | C. 4u. D. Mehr
1 Jahr | 3 Jahren 5Jahren |! als 5 J.
abs. | %/n habs. ! 9% I abs. | 9% labs.! 9%

1966 12,72727117,6
345| 7,8| 843 19,1
16/83 39202
4 5,4 11/149
282/11,2| 489/19,4'
367| 7,2| 118/22,0
246 32,3 263 34.6|
35 8,9 154891
2695.4! 29/204

EEE
1678 38,1 1539/34,9
7840,4/ 6081,1
2939,2/ 30405
944/37,5/ 805 31,9
2047 40,4/1588|80,4
203 267 49| 6,4
164416 41110,4
5035,23 27|19,0

A 148,8
96| 9.9158 129.1

128130,6|
101138.6

26) 6,5
77/29.4

3380/11.415922|19,9111338|38,219049130,5
ul 2269 a7060 SE
18240 2128.01 2229,31 14118,7

Schulbesuch bis zum 20. Lebensjahre
 und darüber

41l.

darunter mit einer Zwischenzeit
zwischen Schulbeendigung und Untersuchung
 von

A.
1 Jahr
abs. of

B. 2u C. 4u. D. Mehr
| 8 Jahren ! 5 Jahren | als 5 J.
Tabs. | 9% abs. 1 9% |abs. | %

2207/28,1 1680/21,4 2387/80,4'1576 20,1
325/29,6| 259123,6| 293 26,7 222.202
520.0) 624.0 8320 624.0
11100,0
112/21,2!
50.12,9
a
9| 5,71
31114.6|

189/85,9| 129/24,5
196 50,8| 108|28,0
8334/39,1/1029/48,8
22162,9 1028|
12357,7' 5425,31

2021,0
1728.81

46|48,4'
18'30.5-26127,4


171988

3) 3,2
zlı19

3938/31.713339/26,9/3179125,611966|15,8

solo 1271839,3| 69l21,4)
111212! 21l40.4! 109.2!

“ 9,0
10119,2

Nach $ 89,6 .
Gesamtsumme . . . [59 lo.651663| z,3le771!80,7l5548161,4 | 3515111,4 6215120,2|11747|38,119335!30,8 | 4047|31,613487|127,218258125,5'2005115,7
        <pb n="30" />
        21

welche schon im 1. Jahre nach ihrer Schulentlassung behufs Einstellung
 zum einjährig-freiwilligen Dienst untersucht sind, so kann
das nur auf Ungenauigkeiten bei den Altersangaben auf den Zählkarten
 beruhen. Eine nachträgliche Richtigstellung dieser Angaben
ließ sich nicht. ermöglichen, schien auch bei der geringen Anzahl
der Leute ohne wesentliche Bedeutung, da ihre Verteilung auf die
anderen Gruppen an den sonstigen Ergebnissen kaum etwas geändert
hätte,
Im übrigen bestätigt die Tabelle im allgemeinen die Erwartung,
daß von den jungen Leuten mit kurzer Schulzeit eine baldige Meldung
zum Dienst nur ganz vereinzelt erfolgt, während die überwiegende
Mehrzahl von ihnen (durchschnittlich etwa 3/,) mehr als 5 Jahre damit
warten. Von denjenigen, welche eine Schulzeit von mittlerer Länge
hinter sich haben, wartet im Gesamtdurchschnitt fast ein Drittel nur
1—3 Jahre mit ihrer Gestellung, am häufigsten findet bei diesen Leuten
die Meldung zum Dienst im 4. und 5. Jahre nach der Schulentlassung
statt — doch walten in dieser Gruppe bei den einzelnen Schulen
größere Unterschiede ob, als in der I. Gruppe, indem die Schüler
der wissenschaftlichen Anstalten im allgemeinen eine längere Zwischenzeit
 aufweisen, während die aus den Fachschulen Hervorgegangenen
bedeutend häufiger in den ersten 3 Jahren nach ihrer Schulbeendigung
 zur Untersuchung kommen, und cine Wartezeit von mehr als
5 Jahren bei ihnen zu den Seltenheiten gehört.
Von den Leuten endlich, die bis zum 20. Lebensjahr und noch
länger die Schule besucht haben, meldet sich naturgemäß die Mehrzahl
 bald nach ihrer Schulentlassung; doch weisen auch hier die verschiedenen
 Schulen charakteristische Unterschiede auf, Namentlich
zeichnet sich das (Gymnasium dadurch aus, daß seine Schüler trotz
langen Schulbesuches doch erst verhältnismäßig spät zur Untersuchung
sich stellen, etwas mehr als die Hälfte (50,5%) warten noch über
3 Jahre mit ihrer Meldung; auch bei den Realgymnasiasten ist der
Anteil der auf die längeren Zwischenzeitsgruppen entfallenden jungen
Leute mit 46,9% recht hoch, während bei den Schülern der anderen
Schulen, namentlich der Fachschulen, die Mehrzahl ihrer Dienstpflicht
schon in dem 1. Jahre oder wenigstens innerhalb der ersten 3 Jahre
nach der Beendigung ihrer Schulzeit zu genügen versucht.
Auf weitere Einzelheiten der Tabelle einzugehen, erübrigt sich:
auch die mutmaßlichen Gründe der Unterschiede bei den einzelnen
Schulen näher zu erörtern, dürfte nicht erforderlich sein, da sie sich
durch die Verschiedenheiten der für die einzelnen Schulen hauptsächlich
 in Betracht; kommenden Berufe und ihren entsprechenden
        <pb n="31" />
        29

Ausbildungsgang, Studium USW. hinreichend und leicht erklären
lassen.

7.
Es sei daher gleich zu der wichtigeren Frage geschritten, wie
sich die Tauglichkeitsverhältnisse bei Berücksichtigung der
Zwischenzeit zwischen Schulbeendigung und Untersuchung
gestalten.
Die folgende Tabelle gibt darüber Auskunft und zwar unter
gleichzeitiger Trennung der Zahlen nach der Länge des Schulbesuches.
Es sind nur die Zahlen für die Tauglichen aufgeführt, diejenigen für
die Untauglichen lassen sich durch Abzug von den Zahlen der Tabelle
 S. 20 leicht berechnen.
Die Prozentzahlen beziehen sich stets auf die bei jeder Schule
und in jeder Untergruppe endgültig abgefertigten Leute, deren Zahl
ebenfalls aus der Tabelle S. 20 sich ergibt — z.B. die Zahl der
Gymnasiasten, welche bei einem Schulbesuch bis zum 16. Lebensjahre
noch mehr als 5 Jahre bis zur Gestellung gewartet haben, beträgt
1174, davon sind tauglich erklärt 573 = 48,8 9%:
Zum Schluß sind in der Uebersicht die gleichen Daten für die
Gesamtsummen, nicht getrennt nach der Schulbesuchsdauer, aufgeführt.
Es waren nun tauglich:

1. Gymnasien . .
°. Realgymnasien . .
Progymnasien . .
Realprogymnasien .
Oberrealschulen .
Realschulen. .
Seminare .
. Handelsschulen. .
9, Industrieschulen .
10. Landwirtschaftsschulen.
 +...
11. Privatschulen . .

Summe nach $ 90. .
Nach $ 91. . +. +
Nach &amp;amp; 89,6...

desamtsumme . .

{. Schulbesuch
bis zum 16. Lebensjahre

II. Schulbesuch
bis zum 17.—19. Lebensjahre

darunter mit einer Zwischenzeit
zwischen Schulbeendigung und Untersuchung
 von
A. B. 2u.|C. 4u. |D. Mehr
1 Jahr 3 Jahren 5Jahren als 5 J.
ats.) %/o_ abs] %o [abs | %o !abs.| %

darunter mit einer Zwischenzeit
zwischen Schulbeendigung und Untersuchung
 von
A. B. 2u.|C. 4u. |D. Mehr
1 Jahr :3 Jahren 5 Jahren (al 5 J.
abs. | 9% |abs.| 9% abs. | % |abs.! %%

9! 64,3/185| 79,4| 444178,31 57348,8
5 714 76 96,2 319/795 419/524
1 1000 9 100.0 309 3048.4|
„| 21000! 8/8389 30)58,6
54,5) 73| 90.1 24479,7l 322/55,4
20 07,2 954 83,7 1042 498
L100.0l 125.0 975,0
100 51 100,0 wi 23371
100.01 + - 266,7 38/33,8
36(83,7 29[69,1
2880.0. 82/726:

1732| 88,1'2163'79,313741/63,2/2203 145,4
3923| 936| 68981,71098,65,4 725/47,1
14| 875 31/795 4861,5/ 33550
411000 981,8 25/86,2 16/5338
270) 95.71 428/87,5| 619/65,6| 405/50,38
2338| 99.1 940184,5|1389/67,9| 738147,
233 947 181688 119586) 2244,%
38 ©4331 132185,7 97392 18105
52l 5) 2275,91 30|60,0] 151554

©

4

100,0 14/ 93,3
? | 31100.0

S7,71 18019,8 100/812 12462
Yu. 9523| 511879 68/673 54170.)

el

49 | 73,71586| 91,€'2106181.12562151.2'8058 90.340261. 738 164.714286/46
| 1. 100,0 he EI 2881670 91,5 EM 282172,0] 1838/50,
1.1000) 3.1000 15/78,9) 7967,51 15 88,83| 19190,5/ 1672,71 750.

! ! : ! ! z ! |
44 | 74,6/609| 91,912260:81,6/2929152,8]8175 90.315081 81,8:7632|65.04881'46
        <pb n="32" />
        23

III. Schulbesuch bis zum 20. Lebensjahre
 und darüber

darunter mit einer Zwischenzeit
zwischen Schulbeendigung und Untersuchung
 von
A. B. 2u. C. 4u. |D. Mehr
1 Jahr | 3 Jahren | 5Jahren als 5 J.
bs, | 9 ‚abs. | 9% | abs. ; Do abs. | 0%

-. Gymnasien ,
2. Realgymnasien
3. Progymnasien .
‘. Realprogymnas,
5. Oberrealschulen
„ Realschulen. .
‘. Seminare. .
5. Handelsschulen
9. Industrieschulen
10. Landwirtschaftsschulen,
 . .
11. Privatschulen .

707 77,3
258 79,38]
5 100.0)

994/59,2/1345' 56,4/650'
171,66,0/ 159 54,8 102
5/83,3| 5 62,5 1,
11000 —
72] 64,8! 42|
88! 66,00
‘78 A7,9|
0,0
54,81

41,5
9
16,7

156 82,5 87/67,4|
1355| 68,9 64503
579 81,4 725/705
17 77,3 7/70,0|
90. 78,2‘ 925146,3!

43,3]
59,4:
ı 64,7
100,08
| 20,0

(8

90,0) 40187,0;
824 183:722

65.4
58,0

„|

83,2
‚1,4

Summe nach $ 90. 3079| 78,2.2181168,8|1806| 7° 8988|
Nach 891 . | 89| 82 7! 102180 8!
Nach &amp;amp; 89.6 , . . 1 10' Su,m 20:53.

2

AA Q

SU,

Gesamtsumme

darunter mit einer Zwischenzeit
zwischen Schulbeendigung und Untersuchung
 von
A, B. 2u.: C. 4u. |D. Mehr
1 Jahr | 3 Jahren: 5Jahren | als 5 J.
abs.| % |abs.| % | abs. | 9% ‚abs. | 9%

3448! 82,4/3292/71,9| 5530/62,318426/45,0
586| 86,6| 936/79,8° 1576 66,4/1246|48,7
20 90,9) 4583,38 78 67,0) 64 50,0
4'100,0| 1184,6 3487,29| 46 53,5
4331 89,6 588/841 935/68,7| 76951.9
487 &amp;amp; 1125084,8 2876/73,4/1794149.0
5 ' 907 70,2 26658,0| 42/53,9
16086,5. 148/64,1/ 4240,38
47,56,6| 4958,83] 191463
A 42 59,2
1061693 141 71,6

3174 83.7|7548/76,2/11246165,7|7681147,6
88,0 258105. 462 75,5/ 489 60,2
86,7. 421933 39/76,5| 94667

sesamtsumme . . 3171: 7° 29"%.64.6'1855' 56,9/854! 42,6,5390) 83,9'7943176.6 L1747|66.1.8164/48,3

„2Tlehr



y dd.
9

15,4
47,1
55,0
50,8
47,7
14,9
43,9
55.6

46,2
70.1

146.8

50,7
50.0

46.9

Betrachtet man in der vorstehenden Tabelle zunächst nur die Brgebnisse
 für die Gesamtsumme, ohne Teilung nach der Schulbesuchsdauer,
 und vergleicht wieder in jeder Zwischenzeitgruppe die einzelnen
Schulen miteinander, so ergibt sich, daß von den 4 Hauptschularten,
wie bisher, das Gymnasium überall die wenigsten Tauglichen
geliefert hat, demnächst, ausgenommen in Gruppe A, das Realgymnasium,
 dann die Realschulen, wobei die Oberrealschulen
und die eigentlichen Realschulen in den einzelnen Gruppen
im günstigsten Platz wechseln. Läßt man die Progymnasien und
Realprogymnasien als zu kleine Zahlen darbietend außer Betracht, so
haben ferner fast stets die Landwirtschaftsschulen die meisten
 Tauglichen aufzuweisen. Auch die aus Privat- und Handels-Schulen
 Hervorgegangenen stehen nicht ungünstig, nur in der letzten
Gruppe hat die Zahl der Tauglichen unter den Handelsschülern erheblich
 abgenommen. Die Industrieschüler stehen dagegen durchweg
wenig günstig da.
Auch das Verhältnis der beiden anderen Kategorien (nach 8 91
und $ 89,6 W.0.) ist im allgemeinen das gleiche, wie, es sich in der
Gesamtübersicht S, 9 darstellt.
Besonderes Interesse aber beansprucht der Vergleich der einzelnen
        <pb n="33" />
        R

Schulen innerhalb der 4 Gruppen; da zeigt es sich nämlich, daß
mit der Länge der Zwischenzeit zwischen Beendigung des
Schulbesuches und der militärärztlichen Untersuchung die
Tauglichkeit mit wenigen Ausnahmen kontinuierlich abnimmt:
 diejenigen wehrpllichtigen jungen Ieute, welche sich im
ersten Jahre nach ihrem Abgang von der Schule zum Diensteintritt
gemeldet haben, weisen die günstigsten, diejenigen, welche mehr als
5 Jahre gewartet haben, fast durchweg die ungünstigsten Verhältnisse
auf. Der Unterschied in den Tauglichkeitsprozenten zwischen den
Gruppen A und D ist ganz bedeutend, bei den meisten Schulen beträgt
 er zwischen 30—40 %,. Allein die Realschulen und Landwirtschaftsschulen
 zeigen in der Gruppe B (Zwischenzeit von 2—3 Jahren)
eine etwas höhere Tauglichkeitsziffer als in der Gruppe A, doch ist
die Differenz so gering, daß sie keine besondere Bedeutung beanspruchen
 kann. Auch daß die 3. Kategorie (nach $ 89,6 W.0.) in der
Gruppe B etwas mehr Taugliche aufweist, dürfte bei der Kleinheit der
Zahlen nicht ins Gewicht fallen.
Nun sei angesichts dieses Ergebnisses zwar wieder an die schon
mehrfach betonten Fehlerquellen des der Bearbeitung zugrunde liegenden
 Materials erinnert; es ist zuzugeben, daß bei Berücksichtigung
der bisher als nur zeitig untauglich außer Betracht gelassenen Zählkarten
 sich die Zahlenreihen insofern verschieben werden, als sich die
Zahl der Untauglichen in den Gruppen der kleineren Zwischenzeiten
vergrößern, die Zahl der Tauglichen vermindern wird, denn es ist
wahrscheinlich, daß unter denjenigen, welche sich bald nach ihrer
Schulentlassung zum Dienst melden, mehr zeitig Untaugliche sein
werden als unter denjenigen, welche sich erst später zur Untersuchung
 stellen — immerhin sind die Unterschiede der einzelnen
Gruppen A—-D doch so groß, daß selbst erhebliche Korrekturen an
dem Gesamtergebnis kaum etwas ändern dürften; vielleicht werden
sich die Differenzen etwas ausgleichen und verkleinern, die Gesetzmäßigkeit
 selbst, wie sie sich in der Tabelle kundgibt, wird
wohl kaum durchbrochen werden. Daß man die besprochenen
Ergebnisse tatsächlich als etwas Gesetzmäßiges anzusehen berechtigt
 ist, dafür spricht auch schon der Umstand, daß sich die
gleiche Tendenz fast durchweg — auch bei den nur gering besetzten
 Schulen —- nachweisen läßt; ein derartiges regelmäßiges
Verhalten trotz kleiner Zahlen kann kaum durch Zufälligkeiten erklärt
 werden. .
Zu einer richtigen Bewertung dieser Verhältnisse kommt man
aber erst, wenn man bei der Betrachtung auch die Schulbesuchsdauer
        <pb n="34" />
        x
AA

mitberücksichtigt, wie es in den Hauptspalten I—-II der vorstehenden
Tabelle geschehen ist.
Zunächst seien die Hauptsummen ins Augc gefaßt, die sich
übrigens von der Summe der nach $ 90 W.O0. zum einjährigen Dienst
(allein auf Grund des Schulbesuches) Berechtigten kaum unterscheiden,
and zur leichteren Uebersichtlichkeit nochmals kurz wiederholt und in

Tafel 3.

Von je 100 ÄAbgefertigten waren
tauglich bei einer Schulbesuchsdauer
von bis zum 16. Lebensjahre
— . „0 III »
ee 20 u H.darüber
und einer Zwischenzeit zwischen Öchulent
lassung und Untersuchtng Von
IJahr |Zu.3Jahren | 4.5 Jahren) mehr als 5
Jahren

Tele

°18

“x”

3

7C

nd
a 7%

528

SU

469

426

40

Tafel 3 graphisch dargestellt. Dabei ist von der Anführung der auf
die Gruppe I A entfallenden Zahl aus den auf S, 16,17, 19 u. 21 angeführten
 Gründen — als den Tatsachen widersprechend — außer Betracht
gelassen. Es waren tauglich in % der jeweilig endgültig Abgefertigten:
Zwischenzeit zwischen Schulheendigung und Untersuchung:
B Ö D Summe
_ 91,9 81,6 52,8 64,6
90,8 81,8 65,0 46,9 65,8
78.4 64.6 AR Q 42.6 63,5
AR ER

1

Summe 839 an fr
        <pb n="35" />
        2ö

Hier zeigt es sich nun, daß, ebenso wie im Gesamtdurchschnitt,
auch in allen 3 Gruppen I—III die Zahl der Tauglichen mit
der Länge der Zwischenzeit abnimmt, d.h. diejenigen,
welche sich innerhalb des ersten Jahres nach ihrem Schulabgang
 gestellt haben, haben stets die höchste Tauglichlichkeitsquote,
 und diese nimmt konstant und beträchtlich
ab, je länger die jungen Leute mit der Meldung zum Dienst
gewartet haben. Des weiteren zeigt sich aber auch, daß
die Gruppe I durchweg am günstigsten steht — es haben stets
diejenigen die meisten Tauglichen gehabt, welche am
kürzesten die Schule besucht haben, während diejenigen
die wenigsten Tauglichen aufweisen, die bis zum 20. Lebensjahre
 und länger auf der Schule gewesen sind. Wenn auch
für diese eigenartige Gestaltung der Tauglichkeitsverhältnisse noch
andere, weiter unten zu besprechende Faktoren mitsprechen, so wird
man doch hiernach der Länge des Schulbesuches einen nicht
zu unterschätzenden Einfluß auf die körperlicho Entwickelung
 beimessen können: je kürzer der Schulbesuch, desto
günstiger die Tauglichkeitsverhältnisse, je länger die
Schulzeit, desto ungünstiger, und zwar in gleicher Weise,
ob die Zwischenzeit zwischen Schulbeendigung und Untersuchung
 kurz oder lang gewesen ist — allerdings mit dem
Unterschiede, daß die Differenz zwischen den Tauglichkeitsziffern
 der kürzesten und längsten Schulbesuchszeit immer
geringer wird, je länger die Zwischenzeit währt; in Gruppe B
(Zwischenzeit 2 und 8 Jahre) beträgt diese Differenz 27,3 % In
Gruppe € 24,7 % und in Gruppe D nur 10,2 —_.
Der Einfluß der Schulbesuchszeit verliert sich also, je länger die
jungen Leute aus der Schule sind — a priori ja eine ganz natürliche
Erscheinung, welche in obigen Zahlen ihre Bestätigung findet.
Es ist nicht möglich und erforderlich, die gleichen Verhältnisse
für die gesamten Schularten zu besprechen; im allgemeinen lassen sic
sich überall in gleicher Weise nachweisen, wie sie sich im Gesamtdurchschnitt
 darstellen. Namentlich trifft das für die 4 Hauptschularten
 zu, gewisse Abweichungen von der Regelmäßigkeit bei den anderen
 Schulen erklären sich leicht durch die geringen absoluten
Zahlen und dürften wohl kaum auf etwaige besondere Einflüsse der
Schulen selbst zurückzuführen sein.
Im übrigen zeigt ein Vergleich der 4 Hauptschularten untereinander,
 daß auch bei dieser Betrachtungsweiso das Gymnasium fast
in allen Spalten die niedrigsten Tauglichkeitsziffern aufzuweisen hat,
        <pb n="36" />
        was man wohl kaum als einen Zufall ansehen kann, sondern als
einen gewissen ungünstigen Einfluß des Gymnasiums auf die körperliche
 Entwickelung seiner Schüler aufzufassen berechtigt ist.
Wie erklären sich nun diese eigenartigen, auf den ersten Blick
etwas verwickelten, im Grunde aber durchaus klaren Verhältnisse?


Werfen wir nochmals einen Blick auf die kleine Tabelle S. 25,
so sehen wir, daß in den Schulbesuchsgruppen I und II die Tauglichkeitsquoten
 bei den Zwischenzeiten von 2—-5 bzw. 1—383 Jahren
auffallend hoch sind; 80—90 %, und noch etwas darüber aller jungen
Leute, die zu diesen Gruppen gehören, sind als tauglich befunden,
während der Gesamtdurchschnitt nur 65 beträgt. Diese ganz enorme
Höhe der Tauglichkeitsprozente mag zwar z. T. auf die relativ geringeren
 Anforderungen an die Körperbeschaffenheit bei den zum freiwilligen
 Dienst sich meldenden jungen Leuten zurückgeführt werden
können; immerhin überragen die genannten Prozentsätze den Durchschnitt
 so bedeutend, daß dies allein als ausreichende Erklärung
kaum gelten kann. Man wird vielmehr noch nach andern Gründen
suchen müssen, und da dürfte zuerst daran zu denken sein, daß von
den jungen Leuten, welche frühzeitig oder wenigstens zu
normaler Zeit die Schule beendigen, sich in den ersten
Jahren nach ihrer Schulentlassung überhaupt nur solche
zum Dienst melden, welche von vornherein körperlich
kräftig sind, oder sich wenigstens kräftig genug fühlen, um
den Anstrengungen des Dienstes gewachsen zu sein. Durch
diese gewissermaßen natürliche Auslese sammeln sich in den
späteren Jahren die schwächlicheren Leute und solche mit offensichtlicheren
 Fehlern usw. in stärkerem Maße an, wodurch naturgemäß
die Tauglichkeitsquoten erheblich heruntergedrückt werden, So erklärt
 sich auch, daß der Unterschied zwischen den "Tauglichkeitsquoten
 in den einzelnen Zwischenzeitgruppen mit der Länge der
Schulzeit geringer wird; während die Differenz zwischen der Gruppe
B und D bei einer Schulzeit bis zum 16. Lebensjahre 39,1 %,, bei
einer Schulzeit bis zum 17.—19. Lebensjahre noch 34,9 %, beträgt,
stellt er sich in der II. Gruppe bei einer Schulzeit bis zum
20. Lebensjahre und darüber nur auf 22 %,. Die Angehörigen
der letztgenannten Gruppe; welche so spät die Schule verlassen,
können eben aus den verschiedensten leicht erklärlichen Gründen
vielfach ihre Dienstzeit nicht so lange hinausschieben, so müssen sich
von ihnen zahlreichere junge Leute zum Dienst melden, auch wenn
über ihre Tauglichkeit oder Untauglichkeit Zweifel obwalten — WO-
        <pb n="37" />
        28

Jurch natürlich die Tauglichkeitsprozente auch schon in der Gruppe
der kürzeren Zwischenzeiten ungünstiger beeinflußt werden.
Aber ganz allein diesen Faktor — dem freiwilligen Hinausschieben
 der Meldung zum Dienst seitens der schwächlicheren usw.
jungen Leute — die konstante Abnahme der Tauglichkeit mit zunchmender
 Länge der Zwischenzeit zuzuschieben, ist doch wohl kaum
angängig.
Es ist den obigen Ausführungen gegenüber zu bedenken, daß
auch mancher, der mit Sicherheit auf Befreiung vom Dienst rechnen
kann, die Regelung seines Militärverhältnisses möglichst frühzeitig erstreben
 und sich daher sobald wie möglich zur Untersuchung melden
wird. Dann ist aber auch die Abnahme der Tauglichkeitsprozente,
je länger die Zeit nach der Schule währt, zu konstant und zu gleichmäßig
 nachweisbar, als daß sie allein durch die Wirkung dieses einen
yillkürlichen Faktors erklärt werden könnte.
Es müssen also wohl noch andere Umstände mitsprechen, die
ım so stärker die körperliche Entwickelung zu beeinträchtigen gezignet
 sind, je weiter die Schule zurückliegt.
Es ist nun eine für die unteren sozialen Schichten bereits
statistisch nachgewiesene Tatsachel), daß die Zeit des Ueberganges
7on der Schule in den Beruf, die Lehrlingszeit, sich durch eine besonders
 hohe Morbidität und Mortalität auszeichnet. Aehnliche Verhältnisse
 dürften auch bei den Angehörigen der höheren sozialen
Schichten, den Besuchern der höheren wissenschaftlichen oder Fachschulen,
 bis zu einem gewissen Grade obwalten.
Die Gründe hierfür sind in beiden Fällen wohl annähernd die
zleichen. Der Schüler steht, solange er die Schule besucht, entweder
in der Obhut des Elternhauses oder lebt wenigstens in der Aufsicht
ınterliegenden Pensionen usw.; auch diejenigen jungen Leute, welche
schon während der Schulzeit ein etwas selbständigeres Leben zu
führen Gelegenheit haben, sind doch immerhin durch den Zwang der
Schulordnung oder — wenn diese sich ja auch oft umgehen lassen
wird — doch durch den Zwang der Arbeit zur Erreichung des gesetzten
 Zieles zu einem einigermaßen regelmäßigen Lebenslauf angehalten.
 Ausnahmen hiervon, welche natürlich vorkommen, dürften im
großen und ganzen vereinzelt sein und die Richtigkeit der obigen
Annahme für die Durchschnittsmasse kaum einzuschränken vermögen.
Anders gestalten sich aber die Dinge, wenn der Schüler den
1) Fr. Prinzing, Die hohe Morbidität der Lehrlinge und jüngeren Gehülfen
 in vielen Berufen. Zeitschr. f. soziale Medizin. Herausgeg. von Grotiahn
und Kriegel. Bad. II. 1906. S. 37.
        <pb n="38" />
        29

Schulstaub abschüttelt und in das Leben eintritt, sei es, daß or sich
a»ınem akademischen Beruf widmen will und die Universität bezicht,
zei es, daß er zur Ausbildung in einem praktischen Beruf die Schulbank
 mit den Kontorsessel vertauscht oder was für Möglichkeiten
sonst noch immer vorliegen. Ledig des Schulzwanges und meist
auch entzogen der elterlichen oder sonstigen autoritativen Aufsicht
werden die jungen Leute nur zu leicht ein Opfer der gewonnenen
Freiheit — es ist schon viel, namentlich in der letzten Zeit, über
liese, dem angehenden Manne von allen Seiten drohenden Gefahren
geschrieben, so daß sich ein weiteres Eingehen erübrigt. Dazu kommt
bei vielen das anstrengende Einarbeiten in die neue Berufstätigkeit,
eine oft vom Morgen bis zum Abend mit kurzer Mittagszeit dauernde
Arbeit, ohne die bei noch so reichlichen Schularbeiten immer mög-'ichen
 Ruhepausen nach eigener Wahl; auch pekuniäre Schwierigkeiten
mögen bei dem einem oder andern zeitweise eine zweckmäßige Ernährung
 hintanhalten, ungünstige Wohnungsverhältnisse kommen vielfach
 hinzu, alles Momente, welche die körperliche Entwickelung zu
schädigen und bei längerer Einwirkung auch einen von Hause aus
widerstandsfähigen Organismus zu schwächen geeignet sind. Natürlich
 kann alles dies nicht für jeden einzelnen Fall als Regel aufgestellt
 werden, auch hat sich in letzter Zeit insofern schon ein er-Ireulicher
 Umschwung bemerkbar gemacht, als gerade auch in den
höheren sozialen Schichten durch die Ausbreitung von sportlichen
Vebungen aller Art ein Gegengewicht gegen die Schädigungen des
sonstigen Lebens geschaffen wird — daß aber die besprochenen Verhältnisse
 vielfach obwalten, wird keiner leugnen können.
Auch ist zu berücksichtigen, daß in der Zeit nach dem Schulabgang
 vielfach mehr Gelegenheit gegeben ist zu äußeren Verletzungen
and Körperschädigungen, als während der Schulzeit selbst. Endlich
ist noch eines Punktes zu erwähnen: je länger die Zeit nach Beendigung
 des Schulbesuches ist und je mehr die jungen Leute eines
in ihre Lebensweise tief einschneidenden Zwanges entwöhnt, je mehr
sie ferner mit ({ortschreitendem Lebensalter körperlichen Anstrenzungen
 entfremdet sind, um so geringer wird die eigene Neigung
sein, sich den Beschwerden des Dienstes aussetzen zu sollen. Natürlich
 wird das auf das Ergebnis der militärärztlichen Untersuchung
und das Urteil, ob tauglich oder nicht tauglich, im allgemeinen keinen
Einfluß ausüben — es ist aber doch denkbar, daß in Fällen, welche
hinsichtlich der körperlichen Tauglichkeit auf der Grenze stehen, der
Untersucher auch derartige Ueberlegungen nicht ganz außer Acht
lassen kann, und daß der Militärpflichtige selbst geringe Fehler und
        <pb n="39" />
        2

Beschwerden, deren er in früheren Jahren kaum geachtet hätte, jetzt
mehr in den Vordergrund zu Stellen geneigt ist. ls sind dies Kinflüsse,
 im einzelnen nicht nachweisbar, die aber doch bei dor Bearteilung
 der gesamten Verhältnisse nicht außer Acht gelassen werden
dürfen.
Alle diese Momente erschweren natürlich die Beurteilung des
Einflusses, welchen die Schule an sich auf die körperliche Entwicke-(ung
 der Schüler ausübt, in hohem Grade. Trotzdem kann man
aber wohl ohne Bedenken sagen, daß die Zeit nach der
Schule aus den verschiedenen, oben besprochenen Gründen
von mindestens der gleichen, wenn nicht von größerer Bedeutung
 für die Gestaltung der Tauglichkeitszilfern ist, als
der Schulbesuch selbst; daß äber auch dieser nicht ganz
yering angeschlagen werden darf, sei hier nochmals
wicderholt.
Denn daß bei gleicher Zwischenzeit, wie wir geschen haben, die
P’auglichkeit abnimmt, je länger der Schulbesuch gedauert hat, und
daß diese Abnahme in allen Zwischenzeitsgruppen nachweisbar ist,
läßt sich doch nur dadurch erklären, daß eben der Aufenthalt auf
der Schule die Entstehung oder stärkere Ausbildung mancher Krankheitszustände
 und körperlichen Fehler und Gebrechen zu begünstigen
geeignet ist.
Wie sich im einzelnen diese konkurrierenden Einflüsse von
Schule und späterer Zeit bemerkbar machen, darüber wird das
spätere Studium der bei dor Untersuchung festgestellten, die Untauglichkeit
 bedingenden Fehler und Gebrechen weiteren Aufschluß geben,
Bevor auf diese eingegangen wird, soll aber noch cin Punkt erörtert
werden, der für die Beurteilung der fraglichen Verhältnisse nicht ohne
Interesse sein dürfte.

8

Wie schon bereits in den einleitenden Bemerkungen auseinander-„osotzt,
 war die Gewinnung cines verwertbaren Materials über die
zum einjährigen Dienst berechtigten jungen Leute dadurch besonders
erschwert, daß ein als untauglich bezeichneter Mann sich doch noch
bei einem anderen Truppenteil melden und hier oder später bei der
Ober-Ersatzkommission. als tauglich erklärt werden kann. Es schien
daher von Wert, festzustellen, wie viele von den endgültig als
tauglich erklärten Leuten schon vorher ein- (oder mehrere)
nal als zeitig untauglich bezeichnet worden waren.
Die folgenden Uebersichten geben kurz die entsprechenden Zahlen,
        <pb n="40" />
        31

Von den Tauglichen waren bei früheren Untersuchungen für un-‚auglich
 erklärt:

Abs,
Gymnasien. . . 1188
Realgymnasien . . 517
Progymnasien . 10
Zealprogymnasien 12
Yberrealschulen . 251
Zealschulen, .... 4170
Seminare. ...... 209
Tandelsschulen . . . . 18
ndustrieschulen . .. 27
0) ‚andwirtschaftsschulen 47
1) Privatschulen ,. ... 49

Summe nach $ 90 2758
Nach 891 . 167
Nach $ 89,6 . 32

0/. der Abgefertigten %, der Tauglichen

4.7

7,5
2,2
3,5
6,2
5,3
7,2
3,1
7,3
7,8
10.3

7,6
14,9
5,0
‚2,6
9,2
7,9
9,8
4,5
11,3
9,4
13.6

5,0
8,5
12,0

2%

6

11,5
15,9

Gesamtsumme 92077

Die Prozentzahlen, bezogen sowohl auf die Summe der Abgefertigten
 wie auf die Tauglichen allein, schwanken in recht erheblichen
Grenzen, ohne daß es möglich ist, hieraus schon wesentliche Beziehungen,
sei cs zu den Tauglichkeitsquoten der einzelnen Schulen an sich, sei
os zur Länge des Schulbesuches ohne Zwang aufzufinden.
Was die Zwischenzeit zwischen Schulbeendigung und Untersuchung
betrifft, so betrug die Zahl der früher untauglich, später als tauglich
Erklärten:

hei den

in der
Gruppe A | Gruppe B | Gruppe € | Gruppe D
abs. | 09% 2 abs. | % 2 abs. | 9%) * abs | % 9

i. Gymnasien. . .
3. Realgymnasien
3. Oberrealschulen .
4. Realschulen . .
3. Saminaren =

192
30
24 |
27 |
71

3,5 92928
5.1 1 67
5,6 36
5,5 97
78 I 104

7,2 435
72 | 185
6,1 | 99
7,8 | 178
15 7! 81

7,9 408
11,7 | 2835
10,6 92
ı 7,5 168
11.7 3

11,8
18,8
12,0
9,4
7.1

Summe nach $ 90 294 4,8
nach $ 9I | 12 6,83 |
1ach S 89.6 5 119.2

570 7,6 975 | 8,7
36 | 10,1 } 60 | 18,9
9 914 A 108

959 | 12,6
59 | 13,4
14 149

Gesamtsumme | 311 | 4,9 | 615 | 7,7 |1089 | 8,8 [1082 | 12,6

1) In % der Tauglichen jeder Gruppe.
        <pb n="41" />
        39)

Bei den aufgeführten Schulen — bei den übrigen sind die Zahlen
zu klein, so daß sich ihre Aufzählung erübrigt — nimmt also die Zahl
der früher Untauglichen ziemlich gleichmäßig mit der Länge der Zwischenzeit
 zwischen Schulbeendigung und endgültiger Entscheidung zu und
erreicht z.B. in der Gruppe D bei den Gymnasien, ÖOberrealschulen
ınd namentlich den Realgymnasien ziemlich hohe Prozentsätze.
Daß in der Kategorie der nach $&amp;amp; 89,6 W.O0. zum einjährigen
Dienst Berechtigten sich die Gleichmäßigkeit nicht findet, hier gerade
die beiden ersten Gruppen A und B mit kurzer Zwischenzeit die
höchsten Prozentsätze an früher Untauglichen aufweisen, ist auffällig,
arklärt sich aber vielleicht. durch die an sich zu kleinen absoluten
Zahlen.
        <pb n="42" />
        II. Ueber die verschiedenen Grade der Untauglichkeit.

Die summarischen Ergebnisse über Tauglichkeit und Untauglichkeit
 haben wohl einen allgemeinen Ueberblick über die Körperbeschaffenheit
 der zum einjährigen Dienst Berechtigten jungen Leute zu
geben vermocht, ein tieferes Erfassen der fraglichen Verhältnisse, insbesondere
 der bei den verschiedenen Schulen wirksamen Einflüsse usw.
wird sich aber erst gewinnen lässen aus einer Untersuchung, welcher
Grad von Untauglichkeit vorgelegen hat bezw. welche körperlichen
Fehler und Gebrechen im einzelnen die Untauglichkeit bedingt haben.
Es ist nicht möglich, alle in Betracht kommenden Körperfehler,
wie sie die Anlage 1 der Heerordnung aufführt, für jede Schule aufzuzählen,
 zumal ein großer Teil der als Untauglichkeitsgrund auf den
Zählkarten angegebenen Krankheitszustände nur vereinzelt vorkommt
and daher ‚für die Beurteilung der Körperbeschaffenheit unserer Militär-»ichtigen
 ohne Bedeutung ist. Es werden daher im folgenden nur
diejenigen Fehler zahlenmäßig nachgewiesen und gruppenweise besprochen
 werden, welche nach ihrer Häufigkeit im ganzen oder bei
ainzelnen Schulen oder auch nach der Art des ihnen zu Grunde liegenden
Krankheitsprozesses besonderes Interesse beanspruchen können.

Zunächst sei in der folgenden Uebersicht kurz angegeben, wie
sich die als dauernd untauglich erklärten Leute auf die verschiedenen
arade der Dienstuntauglichkeit verteilen, und zwar nach den
Anlagen 1 A\—E der H.0., wobei bemerkt sei, daß die Anlage
LA solche Fehler enthält, welche an sich die Fähigkeit zum Dienst
mit der Waffe nicht aufheben; nur bei besonders starkem
feryortreten oder bei dem Vorliegen mehrerer Fehler darf nach
dieser Anlage die Diensttauglichkeit als ausgeschlossen angesehen
 werden;
Solche Fehler enthält, welche die Fähigkeit zum aktiven Dienst
mit der Waffe ausschließen, den Dienst in der Ersatzreserve
aber noch gestatten (bedingte Tauglichkeit);
Ygröffentl, aus dem Gebiete des Milit-Sanitätsw. 40 Hoft.

RR
        <pb n="43" />
        4

ı © Krankheiten und Gebrechen umfaßt, welche zeitig untauglich
machen, aber beseitigt oder so vermindert werden können,
daß vollkommene oder bedingte Tauglichkeit erwartet werden
kann (s, unten);
Krankheiten und Gebrechen betrifft, welche nur den Dienst
im Landsturm gestatten;
[| E alle Körperfehler enthält, welche dauernd zu jedem Militärdienst
 untauglich machen.
Wenn die Anlage 1 C eigentlich auch nur solche Fehler betrifft,
die zeitig untauglich machen, so finden sich doch auch bei den endzültig
 Abgefertigten häufig die Untauglichkeitsgründe nach dieser Anlage
 angegeben — es betrifft solche Leute, bei denen nach ärztlichem
Urteil noch zu beseitigende oder vorübergehende Krankheitszustände
vorliegen, die aber — im 3. Militärpflichtjahre — doch eine endgültige
 Entscheidung über ihr Militärverhältnis erhalten und, da sie un-:auglich
 sind, nun auf Grund des ärztlichen Urteils ausgemustert werden
müssen. Zu dieser Anlage 1C sind auch alle diejenigen Fälle gerechnet
 worden, in denen sich auf den Zählkarten keine bestimmten
Nummern der Anlage fanden, sondern nur der $ 8 der H.O. als Untauglichkeitsgrund
 angeführt war; der 8 8 enthält die Bestimmungen
über die zeitige Untauglichkeit — seine Anführung entspricht im allgemeinen
 dem Vorliegen von allgemeiner Schwächlichkeit gem. Anl. 1C1,
unter welcher Rubrik auch die fraglichen Fälle verrechnet sind.
Von den Untauglichen waren nun beurteilt nach H.O., Anl. 1:

BR

a

k

E

wegen
Mindermaß


unhekannel
 Summe

bs. | 9

abs. ! 9/a

aha ı 0

abs. | 9%

abs. 07

;»ha | 0)

abs.! 9% ! abs..| Oo

', Gymnasien . . .
. Realgymnasien . .
Progymnasien , .
Realprogymnasien .
Oberrealschulen .
‚ Realschulen. .
Seminare . . .
*, Handelsschulen. .
9. Industrieschulen , |
10. Landwirtschafts- |
schulen... | 9,67 100 16,6
IL. Privatschulen . . 410,84! . 120125,1
Summe nach $ 90 427 0,85[888 116 0829 20,5 2080 4,1 I 18 00017818000
|
Nach &amp;amp; 91 | 13 0,66| 24 1,2 261 929414,9 628,1 ° 10,05) 527/26,7
Nach 889,6 | 8]1,1 | 7/26 _ 913,4 . 4416,51 _ 20,75 —' — 110,371 _6624,7
zesamtsumme [443 10,84[914 [1,7 |4207 3.0110667/20,3|21444,1 | 16 0.08] 15 Jo,08l18406185,0

285 0,93|475 |1,9
51 0,75/116 1,7
—| 3 0,96)
21,4 | 214
23 0,82] 66 1.6
68 0,76]161 ®
21 0,72] 84 1°
5.087 1322
411) 5114

5646122,4
149922,1
66/21,1
29120,4
729/18,1
1647/18,4
425 14,6
95/16,4
6918.7'

1944/4,9
26418,9
10/3,2
42,8
135 3,4
292/3,3
682,3
193,3
— 1318,5

4 10,02
4 10,06
20,64

2 0
7 10.10

9550137,8
9447 36,0
111/35,5
47/88,1
130232,3
3046 34,0
783/26,9
17730.
130135.9
        <pb n="44" />
        35

Der Anteil der nach Anl. 1A Beurteilten ist durchweg recht klein
und bietet zu Bemerkungen keinen Anlaß. Auch die nur bedingt
Tauglichen (Ersatzreserve, Anl. 1 B) machen im Durchschnitt noch
nicht 2%, der Abgefertigten aus; bei den 4 Hauptschulen ist die Zahl
der hierzugehörigen Untauglichen fast ganz gleich (1,6—1,9%%). Der

Tafel 4.

Von je 100 abgefertigten
Gymnasiasten EOMUNMNUTENHN Realschülerr

Aal

Realaymnasiasten

1 Oberrealschülern

7 Seminarister

sind als untauglich befunden worden nach
H.0.Anl. 1C. TH.O0. Anl. 1D. | H.O.AnI.TE.

234

29

20

3

2

.

zrößte Prozentsatz entfällt auf die nach Anl. 1 D, als nur landsturmtauglich
 beurteilten jungen Leute; hier steht — wie auch Tafel 4
deutlich erkennen läßt — das Gymnasium am höchsten mit 22,4%,
os folgt das‘ Realgymnasium (22,1%), die Realschule (18,4%) und
Jie Oberrealschule (18,1%), also bei den 4 Hauptschulen allein ein
Unterschied von 4,3%. Die übrigen Schulen weisen alle viel kleinere
Prozentsätze auf. Nächst der Anl. 1D ist die Anl. 1 C am zahlreich-
        <pb n="45" />
        36

sten besetzt. Dauernd zu jedem Militärdienst untauglich (Anl. 1 E) sind
im Durchschnitt nur 4,1%, aller Abgefertigten gewesen. Auch hier steht
wieder das Gymnasium mit 4,9%, bedeutend am schlechtesten; an
zweitungünstigster Stelle folgt das Realgymnasium mit 3,9%, dann
die Oberrealschule (3,4%) und die Realschule (3,3%). Letzteren nahe
stehen die Handelsschulen (3,3%), Industrieschulen (3,5%) und die
Privatschulen (3,4%). Daß von den nach $ 89,6 W.O. auf Grund
besonderer Leistungen zum einjährigen Dienst Berechtigten nur 0,75%,
nach Anl. 1 E als zu jedem Militärdienst untauglich befunden sind,
erklärt sich — abgesehen von den durch die kleinen Zahlen bedingten
Fehlerquellen — dadurch leicht, daß Leute mit schwereren Krankheitszuständen,
 wie sie bei der Anl. 1 E in Frage kommen, sich wohl im
allgemeinen nicht. allzu häufig um die genannte Vergünstigung bemühen
werden.
Aus der Uebersicht ergibt sich hiernach kurz dies, daß die
arnsteren Untauglichkeit bedingenden Krankheitszustände
nach den Anlagen 1 D und 1 X sich am häufigsten bei den
4 Hauptschulen, und unter diesen wieder am stärksten bei
den Gymnasien und Realgymnasien vorfinden.

D

Wie macht sich nun bei den verschiedenen Graden der
Untauglichkeit die Länge des Schulbesuches einerseits und
Jiejenige der Zwischenzeit zwischen Schulbeendigung und
militärärztlicher Untersuchung geltend? Die folgenden Uebersichten
 enthalten die entsprechenden Angaben, jedoch nur für diejenigen
Schularten, welche nach der Größe der auf sie entfallenden absoluten
Zahlen eine Vergleichbarkeit der Prozentzahlen gestatten; die letzteren
würden bei den anderen Schularten bei der Kleinheit der absoluten
Zahlen doch zu sehr von Zufälligkeiten abhängen und könnten so leicht
zu falschen Schlüssen führen. Bine Zusammenfassung dieser Schulen,
an die gedacht werden könnte, erschien aber mit Rücksicht auf das
ben (S. 20/21) erörterte, recht verschiedene Verhalten hinsichtlich der
Länge des Schulbesuches und der „Zwischenzeit“ zu dem vorliegenden
Zweck nicht angängig.
Auch war es hier — sowie bei allen folgenden Untersuchungen —
nicht möglich, die beiden Gesichtspunkte —- Länge des Schulbesuches
siner- und der Zwischenzeit andererseits — zu kombinieren, wie es
ben in der Tabelle S. 22/23 geschehen ist. Die beiden nachstehenden
Tabellen zeigen an sich in manchen Spalten so geringe absolute
Zahlen. daß eine noch weitere Teilung nicht angängig erschien,
        <pb n="46" />
        |. Gymnasien .

2. Realgymnasien .

5. Oberrealschulen

6. Realschulen . .

7. Seminare

Summe nach $ 90

Nach &amp;amp; 91

jesamtsumme

Untauglich nach
Anl. 1 A der H.O.

Untauglich nach
Anl. 1B der H.0,

Untauglich nach
Anl. 1 C der H.O.

Untauglich nach
Anl. 1 D der H.O0.

Untauglich nach
Anl. 1 E der H.0.

Schulbesuch
bis zum
Jahre

Schulbesuch _
» bis zum
3 | Jahre
DB | 17.| 20,
| 16. bis u
19. | dar.

D |
A
A, 117.) 20.
16. bis’ u.
* 19. | dar

Schulbesuch
bis zum
Jahre

»
H

Schulbesuch
bis zum
Jahre

Schulbesuch
bis zum
Jahre

&amp;gt;

»
3
A

ı 17.1 20.
16. | bis ı u.
19. | dar.

17. 20.
16. | bis | u.
‚19. | dar.

5
N

1 27.1 20.
16. bis u.
19. | dar.

1944| 438/[3412 176 5646} 78] 698/ 473[1244
7,71 22,8 22,1/ 22,9 22.41 41 4,5| 6,0] 4,9
506| 261! 977 261 1499) 44| 167 53| 264
7,5 20,5 22,2 28,7! 22,1 8,41 3,8| 4,81 8,9
389| 180 442 107) 729‘ 39| S7| 16' 185
8,4 18,4 17,6 20,3* 18,1 3,3, 8,5! 3,0 3,4
875] 667| 897 83] 1647 126 156 10) 292
9,8 | 19,0| 17,7/ 21,5 18.4 34 3,1| 2,6 | 3,3
230) 4 109/812l 95 -' 14 54| 68
7,9 23,5 14,3 14.01 14.6 18 25123
aD 77| in 110 3} a 510/ 216 1 8002291| 976 A OT EM 623[2080
9/ 10,98| 0,81 0,89] 0,85 1,9 1,7 11,7 [1,8 [9,6 7,7 | 7,9 | 8,1 | 20,0, 20,8, 21,2] 20,5 | 3,6 | 3,9| 5,0| 4,1
994) 20 3 11| 62
14,9* 8,31 3,01 3.4] 3,1
| | |
abs.| 83! 248| 112 443 171) 522) 221] 914] 8392373| 995|4207|17796202/2686|10667 3211189 634/2144
9/ | 0,92! 0,80! 0,88] 0,84| 1,9 | 1,7 [17417 [03 17,7 17,8 [8,0 |19,7 20,1! 21,0| 20,8 | 8,5! 8,9 5,0| 4,1

abs. 19| 187| 79 281 42| 278| 155| 475} 186[1111' 641
9 | 0,99 0,89 1,0 10,9812,2 |1,8 |2,0 (1,9 | 9,7! 7,2, 8,2
abs.| 16 29 6 51| Se 72 ı8| 116{ 118 322 66]
5% [1,2 10,66! 0,551 0,751 2,0 11,6 |1,6 |1,7 | 9,2 | 7,3 6,0
abs.| 8 19 6 ie 16! 40 10| 66] 98! 210 31
9% 10,82! 0,75! 1,1 10,821 1,6 11,6 |1,9 11,6 ‚0,0 8,8! 5,9
abs.) 29) 38 ı 68 66| 901 5 161] 856 483) 361
% a“ 0,75, 0,26] 0,761 1,9 | 1,8 |1,8 [1,8 10,2 9,5 9,3
bs. — 1 615] 21 —' vo 24] 3a] 2/ 661 162
Y% 2 — 10,79: 0,701 0.72 18 13719 ‘18 8.71 76

X
m“
        <pb n="47" />
        Untauglich nach
Anlage 1 A der H.0.

Untauglich nach
Anlage 1B der H.O0.

Untauglich nach
Anlage 1C der H.O.

Untauglich nach
Anlage 1D der H.0.

Untauglich nach
Anlage 1 E der H.0.

Zwischenzeit
zwischen Schule
und Untersuchung

in Jahren

Zwischenzeit
zwischen Schule
und Untersuchung

in Jahren

Zwischenzeit
zwischen Schule
und Untersuchung

in Jahren

Zwischenzeit
zwischen Schule
und Untersuchung

in Jahren

Zwischenzeit
zwischen Schule
und Untersuchung

in Jahren

5
ä
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de Te ‚44 lübe
' nis Y | ı IBistbie
5 3 5

£

Z | 4% lüder
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3

5

PN

564611171217418292]1244
22,4 12,8 4.7 4,7 6,5 4,9
1499| 23! 31| 87/1281 264
29,1 13,4 12,6 18,7 14,8 3,9
7239| 5117 44| 69 185
18,.111,0 2,4 1 3,24,6 3,4
16471 9! 38 89156 292
18.4 1,6 12,6 2,7 43 8,3
4251 13] 34| 19|: 2? 68
146'1,2 2,614,.112.6 2,8
abs 38! 69! 150| 175| 427 661 13861 CE 883,253466|14231192514067 A 10329 rec he
0/9 10.4510.70:0,88! 1,1 0.35[0.89 1,4 11,6 12,5 [18 |. 47) 8,3 12.01 8,1 ] 9,1113,5 119,4 181,2 ı 20,5 12,4 3,5 4054) 4.1
ach s 911206 = 8 3 | 1 ı) 4 8 u 24] 5! 10 44! 72) 131] 14/ 3676| 168]
) 9/1 — 10,72:0,4910,9610,6610.46 0,95/1,8 /1,5 11,2 12,3 2.4 | 7,21 9,9 6,6 6,5 86 112,4 128,0

ı. Gymnasien. .

2. Realgymnasien

5. Oberrealschulen .

3. Realschulen . -
7. Seminare . . .

Summe nach $ 90*

a9al 5‘ 8) ı7| 39| 62
149123 1,9 2,8144 | 3,1

jabs. 34| 72| 1538| 184 22 67! 140| 29041 71914]258'477| 1468/2004]4207] 689|1371|8412|5195]10667 18118581700 905]2144
0 ]0,45.0,6910,77, 1,110,8410,88 1,4 1,5 12,5 [1,7 3,4 14,6 | 7,4 111,9 | 8,0] 9,0.18,2 17,3 30,8 20,3 2,4 18,5 13,5 5,4 4,1
| 19:58 i |

jesamtsumme
        <pb n="48" />
        34

Unter Berücksichtigung der Erörterungen S. 23—26 wird man aber
auch ohne diese Differenzierung in der Lage sein, die folgenden Untersuchungsergebnisse
 einigermaßen richtig beurteilen zu können.
Die Prozentzahlen in den beiden vorstehenden Tabellen beziehen sich
immer auf die in der betreffenden Gruppe endgültig abgefertigten Leute
(vergl. Tabelle S. 8, 12 u. 17); die wegen Mindermaß als untauglich
Erklärten und die wenigen Leute, bei denen der Grad der Untauglichkeit
aus den Zählkarten mit Sicherheit nicht zu erkennen war (s. Tabelle
S. 34), sind außer Betracht gelassen. Für die Spalten I A gilt das
oben S. 13, 19 u. 21 Gesagte. Betrachtet man nun zunächt die Tabelle
über die Länge der Schulzeit, und zwar die Spalten für die Gesamtsummen
 bzw. für die Summe nach 8 90 W. O., welche fast vollkommen
 übereinstimmen, so ergeben sich recht bemerkenswerte Verhältnisse.

Es zeigt sich nämlich, daß nach Anl. 1 A, B und U, d. h. wegen
geringerer oder heilbarer Leiden im Durchschnitt mehr Leute der Gruppe1
für untauglich erklärt sind, als in den beiden anderen Gruppen. Am
ausgesprochensten ist das Verhalten für die nach Anl. 1 C Beurteilten
nachweisbar; auch die 5 in der Tabelle nachgewiesenen Schularten
haben durchweg in der Gruppe I die meisten und — mit Ausnahme
des Gymnasiums — in der Gruppe II_ die wenigsten Untauglichen
nach Anl.1l C.
Umgekehrt liegen dagegen die Verhältnisse bei dem nach Anl. 1 D
und 1 E Beurteilten, bei denen also ernstere körperliche Fehler und
Krankheitszustände vorliegen; hier steigt bei Berücksichtigung der
Gesamtsumme und insbesondere auch bei den beiden Hauptschulen
(Gymnasium und Realgymnasium) die Untauglichkeitsquote mit der
Länge der Schulzeit regelmäßig an, und zwar in recht erheblichem
Grade. So sind bei den Gymnasien z. B. von der Gruppe I (kürzeste
Schuldaner) nur 4,1% von der Gruppe III (längste Schuldauer) 6,0%,
der jeweilig endgültig Abgelertigten dauernd untauglich zu jedem
Militärdienst gewesen; für die Realgymnasiasten lauten die gleichen
Zahlen 3,4 und 4,8%. Bei den Öberrealschulen und Realschulen ist
bei den nach Anl. 1 D Beurteilten das gleiche Verhalten nachweisbar,
während sich bei den nach Anl. 1 E Beurteilten die Prozentzahlen etwas
verschieben; ob das wirklich den Tatsachen entspricht, oder nicht vielmehr
 auf Zufälligkeiten beruht, muß bei den immerhin kleinen
Zahlen dahingestellt bleiben. Die Seminare verhalten sich hinsichtlich
der‘ Anl. LE wie die Gymnasien usw., bei der Anl. 1D stehen
dagegen hier die Leute mit kürzester Schuldauer am ungünstigsten.
Betrachtet man zunächst noch die zweite der vorstehenden Tabellen.
        <pb n="49" />
        £O

m welcher in gleicher Anordnung, die nach Anl. 1A—PBE als untauglich
Befundenen, nur getrennt nach der Zwischenzeit zwischen Beendigung
des Schulbesuchs und der militärärztlichen Untersuchung, aufgeführt
sind, so ergibt sich, daß hier bei sämtlichen Untauglichkeitsgraden
 die Untauglichkeitsquote stetig ansteigt, je länger
die Zwischenzeit währt, und zwar gleichmäßig bei allen in der
Fabelle aufgeführten Schulen und dementsprechend auch in den Gesamtsummen.
 Die Zunahme der Untauglichen ist durchweg eine recht
beträchtliche, der Unterschied zwischen der kürzesten und längsten
Zwischenzeitgruppe beträgt das Zwei- bis mehr als Vierfache.
Es macht sich hier also das gleiche Verhalten geltend, wie wir
es bezüglich der Gesamtsummen kennen gelernt haben (S. 23 ff).
Ist nun den oben besprochenen Verschiedenheiten in der Häufigkeit
 der Untauglichen nach den Anl. 1 A—C einerseits und 1 D und
andererseits, wie sie sich in den Schulbesuchsgruppen zeigen eine besondere
 Bedeutung beizumessen?
Wir hatten gesehen, daß der Länge des Schulbesuches unzweifelhaft
 ein ungünstiger Einfluß auf die körperliche Entwicklung eingeräumt
 werden muß, daß dieser aber durch das Hinausschieben der
Meldungen zum Dienst und das Ansammeln der weniger kräftigen und
weniger gesunden Leute in den Gruppen der längeren Zwischenzeiten
sowie durch die sonstigen Einflüsse der Jahre nach der Schulentlassung
%. T. verdeckt und der sicheren Beurteilung entzogen wird. Nun werden
natürlich diejenigen jungen Leute, welche die Schule nur bis zum
16. Lebensjahre besucht haben, die Meldung zum Dienst besonders
häufig länger hinausschieben — wie ja auch die Tabelle S. 20 beweist
 —, namentlich aber dann, wenn sie mit geringeren oder vorübergehenden
 Krankheiten oder Körperfehlern behaftet sind, welche
über ihre Tauglichkeit zum Dienst Zweifel zulassen — teils in der
Erwartung, daß sie nach Beseitigung oder Besserung des Zustandes
sicher tauglich sein werden, teils vielleicht in der Hoffnung, daß bei
einer Meldung in späteren Lebensjahren auch schon der geringere
körperliche Fehler als Untauglichkeitsgrund anerkannt werden könnte.
So ließe sich dadurch ohne allzugroßen Zwang erklären, daß solche
unbedeutendere und mehr vorübergehende Krankheitszustände bei den
Leuten mit der kürzesten Schuldauer am häufigsten verzeichnet sind,
Dazu kommt, wie nicht verschwiegen werden soll, daß wenigstens die
Zahlen für die nach Anl. 1 A u, B Beurteilten an sich etwas kleiner sind,
so daß bei ihnen auch manche Zufälligkeiten nicht auszuschließen sind.
Natürlich ist dieser Faktor des längeren Hinausschiebens der Meldung
zum Dienst auch bei den nach Anl. 1 D und E Beurteilten ebenso
        <pb n="50" />
        wirksam wie der sonstige Einfluß der Zeit nach der Schule; aber die
Regelmäßigkeit, mit der die Zahl der nach Anl.1 D und auch E Untauglichen
 ansteigt, je länger der Schulbesuch gedauert hat, legen die
Vermutung nahe, daß gerade bei diesen ernsteren Fehlern die
Dauer des Schulaufenthaltes nicht unwesentlich mitspricht.
Im übrigen zeigt sich auch in den beiden Tabellen S, 37/88,
daß fast in allen Spalten das Gymnasium die höchsten Untauglichkeitszahlen
 aufweist, demnächst das Realgymnasium
und dann die beiden Realschularten in wechselnder Weise; besonders
 ausgesprochen ist die ungünstige Stellung des Gymnasiums
 und auch des Realgymnasiums den anderen Schulen
gegenüber bei den nach Anl.1DundE Beuürteilten, am wenigsten
 bei den nach Anl. 1 C für untauglich Erklärten — eine weitere
Stütze für die eben ausgesprochene Vermutung, daß gerade bei. den
ernsteren Fehlern und Gebrechen ein ungünstiger Einfluß des Schul-Jesnches
 nicht von der Hand zu weisen ist.
        <pb n="51" />
        Il. Ueber die Krankheiten und Körperfehler, welche
hauptsächlich die Untauglichkeit bei den zum einjährigen
 Dienst Berechtigten bedingt haben.

Die wichtigste Frage ist nun: welches sind die körperlichen
 Fehler im einzelnen, die in erster Linie die Untauglichkeit
 der zum einjährigen Dienst Berechtigten jungen
Leute bedingt haben?
Bevor die festgestellten Krankheiten und Gebrechen tabellarisch
aufgeführt und im einzelnen besprochen werden, seien noch einige
kurze Bemerkungen über die Art der Registrierung und die Bewertung
ler gefundenen Zahlen vorausgeschickt.
In den mehrfach erwähnten Anlagen 1 A—E der H.O. ist unter
78 Nummern eine grosse Reihe von Krankheitszuständen aufgeführt,
soweit möglich geordnet nach Körpergegenden, und innerhalb jeder
Nummer wieder auf die einzelnen Anlagen (1A, 1B, 1C, 1D, 1EB)
nach der Schwere des Zustandes verteilt — welche erfahrungsgemäß
am häuhgsten bei den Militärpflichtigen vorgefunden werden. Es
leuchtet ein, daß ein derartiges, zur Listenführung bestimmtes Schema
nicht alle überhaupt vorkommenden, vom Regelrechten abweichenden
Körperzustände enthalten kann, auch bei noch so großer Vermehrung
der einzelnen Nummern. Es ist vielmehr erforderlich, in einem solchen
Schema manche Krankheitszustände unter einer Nummer zusammenzufassen,
 wobei es natürlich — dem praktischen Zweck entsprechend -—
aur auf den derzeitigen Zustand ankommt, ohne Rücksicht auf die
Aetiologie des Zustandes, ganz abgesehen davon, daß es bei vielen
Fehlern angesichts der kurzen, zur Untersuchung meist zur Verfügung
stehenden Zeit garnicht möglich wäre, die Entstehungsursache des
vorgefundenen Körperfehlers mit Sicherheit festzustellen. Dazu kommt,
daß auch wenn mehrere Krankheitszustände auf den Zählkarten
        <pb n="52" />
        42

notiert waren, statistisch doch stets nur einer verwertet werden
zann, so daß die anderen für die Statistik verloren gehen; das trifft
besonders bei den nach der Anl. 1A Beurteilten zu, bei denen außer
lem als Untauglichkeitsgrund angeführten Fehler meist noch mehrere
andere körperliche Regelwidrigkeiten vorlagen, welche erst zusammen
Untauglichkeit bedingten.
Es ist ferner zu berücksichtigen, daß. die Einreihung mancher
Krankheitszustände unter die einzelnen Nummern der Anlagen zu
Zweifeln Veranlassung geben und von den verschiedenen Untersuchern
je nach ihrem subjektiven Ermessen verschieden gehandhabt werden
kann.

Bei einer statistischen Aufbereitung der notierten Fehler — wie
zu dem vorliegenden Zwecke — ist es endlich nicht möglich, jede
ınzelne Krankheitsnummer besonders aufzuführen und zu besprechen,
Ja dies die Uebersicht sehr erschweren und bei der Seltenheit mancher
Fehler auch ‘zu kleine, statistisch nicht verwertbare Zahlen ergeben
würde. Es ist daher erforderlich, manche der notierten Nummern
zu Gruppen zusammenzufassen, wodurch ja einerseits zwar die oben
kurz angedeuteten etwaigen Ungleichheiten in der Einreihung der
Fehler seitens verschiedener Untersucher zum Teil ausgeglichen,
andererseits aber auch wieder die Zusammenfassung verschiedenartiger
 und im Grunde genommen nicht zusammengehöriger Krankheitszustände
 begünstigt wird.
Bei der Bewertung der zu bringenden Zahlen sind alle diese
Umstände — außer den in der Einleitung schon besprochenen sonstigen
 Fehlerquellen — zu berücksichtigen; die für die einzelnen Fehler
festgestellten Zahlen können eben nur als annähernde angeschen
werden und geben nur cin ungefähres Bild von der Körperbeschaflenheit
 der unserer Statistik zugrunde Kegenden Wehrpflichtigen.

Dies vorausgeschickt, sei in der folgenden Tabelle zunächst
summarisch aufgeführt, welche Krankheitszustände in erster Linie bei
len sich zum einjährigen Dienst meldenden jungen Leuten gefunden
and ihre Untauglichkeit zum aktiven Dienst mit der Waffe bedingt
1ahen.

Im Anhang ist angegeben, welche Nummern der Anlagen
1 A—E der H.0. in den folgenden Krankheitsgruppen zusammenyefaßt
 sind.
        <pb n="53" />
        Von den als untauglich Erklärten litten an:

1, Allgemeiner Schwächlichkeit, schwacher Brust
USW.
?. Krankheiten des Herzens und der großen Gefäße.
 . 0.0.0.0...
3. Augen-(Brechungs-)fehlern . * . .. 0...
4. Krankheiten der Gliedmaßen und Gelenke
(außer Nr. 8). 200
Krankheiten der Lungen und des Brustfolles
Jnterleibsbrüchen .. . 2.0.0.0...
{rankheiten der Ohren . . . .
Dattfuß
Varben. .0.000000000000
fettleibigkeit . . . 2...
Krampfadern. . ;
Aropf . . 0...
. Verkrüppelungen und Mißbildungen. . .
&amp;gt;. Verbiegungen usw. der Wirbelsäule. . . .
). Krankheiten der Harn- und Geschlechtsorgane
(6. Blindheit eines Auges oder beider Augen.
17, Krankheiten des Nervensystems (außer Nr. 20
und 22) . 0.0.0...
18, Unterleibsleiden. , . . 0.0.0.0...
L9. Anderen Augenkrankheiten. . . . ;
20. Epilepsie... .
21. Schlechten Zähnen . 2. 0.0.0000
22. Geisteskrankheit und geistiger Beschränktheit
23. Stottern .

abs.

9% der Untfauglichen


9/ der Abgefertigten


3684

36,4

12,8

2707
1886

14,7
10,8

5,1
36

1023
829
569
192
L79
76
13
741
2382
258
252
245
298

5,6
4.5
3 1
77
7,6
x@

1,9
16
L1
0,93
2,91
2,90
9,78
0,65
0,54
0,49
0,49
0,47
0.48

az
2

‚90 1,0 0,36
‚70 0,98 9,88
31 0,71 0,25
76 0,41 0,14
58 0,29 0,10
45 0,24 0,09
27 0.15 | 005

Die vorstehend aufgeführten Krankheitszustände umfassen 96,9 9%
aller Untauglichen, der Rest von rund 3%, entfällt auf eine Reihe
von ganz vereinzelt notierten Fehlern, deren Namhaftmachung sich
arübrigt.
Ucber die Hälfte aller Untauglichen entfällt auf die 3
zuerst genannten Fehlergruppen, die allgemeinen Schwächezustände,
 die Herzkrankheiten und Brechungsanomalien,
während die Erkrankungen der Lungen und des Brustfelles erst an
fünfter Stelle stehen und z. B. nur 1/3 der Zahl der Herzleiden ausmachen,

Namentlich überrascht der bedeutende Anteil der wegen allzemeiner
 Körperschwäche als untauglich Zurückgestellten; rechnet
man dazu noch die Lungenkrankheiten, was bei den vielfachen Ueberzängen
 und der Schwierigkeit an der Feststellung leichterer Lungenarkrankungen
 wohl berechtigt sein dürfte, so sind über 2/; aller Un-:auglichen
 wegen derartiger Zustände vom Heeresdienst befreit worden,
in Ergebnis, das um so mehr auffallen muss, als ja bekanntlich an
lie Körperbeschaffenheit der zum freiwilligen Dienst sich meldenden
        <pb n="54" />
        4y

jungen Leute die zulässig niedrigsten Anforderungen gestellt werden
dürfen, und weil auch angenommen werden kann, daß unter den
bisher nicht Berücksichtigten zeitig Untauglichen wohl viele sind, die
zu dieser Kategorie gehören.
Auch der Anteil der Erkrankungen des Herzens und der großen
Gefässe sowie der Augenbrechungsfehler an der Gesamtzahl der Untauglichen
 muß als sehr hoch bezeichnet werden. Demgegenüber treten
lie anderen, namentlich äußeren Fehler sehr in den Hintergrund.

A

Von besonderem Interesse ist es, diese Verhältnisse mit
lenjenigen der sonstigen Militärpflichtigen zu vergleichen.
Zwar wird ein Vergleich durch die Ungleichartigkeit des Materials
arschwert; und zwar, abgesehen von der verschiedenen Größe der
absoluten Zahlen, besonders dadurch, daß bei unseren Leuten zahlreiche
 Untauglichkeitsgründe unter der Anlage 1 C') (zeitige Untauglichkeit)
 verrechnet sind, während bei den übrigen Militärpflichtigen
 diese Anlage für die dauernd Untauglichen nicht in Frage
kommt. Auch lassen sich aus den zur Verfügung stehenden Listen
über die Ergebnisse des Aushebungsgeschäfts nach Muster 2 der H.0.
lie Vergleichszahlen nicht für alle Fehler genau in der gleichen
Weise berechnen, wie es in der Uebersicht S. 44 geschehen ist,
da das Muster 2 der H.0. manche Krankheiten ‚und Gebrechen in
anderer Weise zu Gruppen zusammenfaßt. Trotz dieser Schwierigkeiten
 seien im folgenden wenigstens für einige der Untauglichkeitsgründe
 die Zahlen vergleichsweise gegenübergestellt, und zwar sind
aur die Prozentzahlen, bezogen auf die Gesamtsumme der Untauglichen
 gebracht. Bei der so verschiedenen Art der Erhebungen könnte
ein Vergleich von den auf die endgültig Abgefertigten bezogenen
Prozentzahlen leicht zu unrichtigen Schlüssen Veranlassung geben —
während die nachstehenden Daten immerhin einen ungefähren Ueberblick
 über -den verschiedenen Anteil der einzelnen Fehler und Gebrechen
 von der Gesamtuntauglichkeit‘ der beiden Kategorien von
Militärpflichtigen gestatten.

1) Die Angaben von Nummern der Anlage C der H. 0. trotz endgültiger
Untauglichkeitserklärung des Mannes ist wohl so zu erklären, daß das Leiden
/om Arzt als noch besserungsfähig oder überhaupt in absehbarer Zeit vorüberzehend
 gehalten, daher unter Anlage 1 C verrechnet und diese Angabe bei der
andgültigen Entscheidung nicht in die entsprechende Nummer der Anlage 1 B,
D oder E abgeändert worden ist.
        <pb n="55" />
        Von je 100 dauernd zum aktiven Dienst mit der Waffe Untauglichen
 waren vom Heeresdienst befreit bei den

Wecen

Allgemeiner Schwächlichkeit, schwacher Brust usw.
Krankheiten des Herzens und der großen Gefäße
Krankheiten der Lungen und des Brustfells .
Augenbrechungsfehler . ......
5lindheit eines Auges oder beider Augen .
Anderer Augenkrankheiten . . . .
Ohrenerkrankungen. . . . __-.
Epilepsie... . .
Geisteskrankheiten . . . . 0...
Anderer Krankheiten des Nervensystems
Krankheiten der Gliedmaßen und Gelenke
Unterleibsbrüche . . . . .
Plattfuß . 0.0.0.0.
Krampfadern . . .
Narben . 2. 0.0.000000000000
Verkrüppelungen und Mißbildungen .
Schlechter Zähne . . .
Fettleibigkeit

Zum einjährigen

Dienst Berechtieten


36.4

14,7
45

10,8
1,2
0.71

2,7
0,41
0,24
L0

5,6
3.1
2,6
19
2,6
1,4
v29
19

Sonstigen
Militärpflichtigen


85.4

5,8
1,9

4,4
1,8
1,0
2,9
0,70
1,4
038

6,1
4.9
39
16
3.1
0,7
0.29

Tafel 5 gibt die Hauptdaten der vorstehenden Uebersicht
graphisch wieder.
Die Verschiedenheiten zwischen beiden Kategorien sind sehr benerkenswert.

Die allgemeine Schwächlichkeit, schwache Brust usw.
ist zwar bei beiden ziemlich gleich hoch vertreten, dagegen übertrifft
der Anteil der Herz- und Lungenkrankheiten bei den zum einjährigen
Dienst Berechtigten um ein ganz Bedeutendes den gleichen Anteil bei
den sonstigen Militärpflichtigen. Das gleiche ist der Fall bei den
Refraktionsfehlern, während der Prozentsatz der Blindheit bei beiden
Kategorien fast gleich ist, und auch derjenige der anderen Augenfehler
ist in beiden Fällen nur wenig verschieden voneinander.
Anders ist es bei den äußeren Fehlern und Gebrechen. Bei
len Krankheiten der Gliedmaßen und Gelenke ist der Unterschied
 zuungunsten der sonstigen Militärpflichtigen noch nicht schr
bedeutend, aber bei den Unterleibsbrüchen, Plattfußleiden und
besonders bei den Krampfadern und den Verkrüppelungen und
Mißbildungen überwiegen die sonstigen Militärpflichtigen die zum
ainjährigen Dienst Berechtigten sehr erheblich.
        <pb n="56" />
        Auffällig ist, daß bei den letzteren die Narben nicht unbeträchtlich
häufiger als Untauglichkeitsgrund verzeichnet sind, als bei ersteren.
Daß bei diesen schlechte Zähne zahlreicher verzeichnet sind,
als bei den aus höheren Schulen Hervorgegangenen, kann nicht weiter
wundernehmen.

Tafel 5.

Von je 100 dauernd zum aktiven Dienst mit der Wafe Ütlauglien
 waren vom Heeresdienste befreit bei den
= einjährigen Dienst Berechtigten, YZZZZ sonstigen Militärpflichtigen
wener.

Allgemeiner Schwächligkeit
Schwacher Brust

Ärankheiten des Herzens u.
der großen Gefäße

Augen-(Brechungs) Fehler

Ca

Pe

=

10,3

36 4

35,4

74

Krankheiten der Lungen
und des BDrustfelbs

Ärankheiten des Hervensystem:
(außer Epilepsie)

Fettleibig keit
Ärankheiten der Gliedmaße:
und Gelenke

0
0,33
ZZ 22
0.23

(LeEnterleihsbrüche

DYattuß

Krampfadern

223,9

“Verkrüppelungen
und Missbildungen
Geisteskrank heit
und. Öpileosie

Die Ohrenleiden sind bei beiden Kategorien ziemlich gleich
vertreten. ,
Die Epilepsie weist bei den sonstigen Militärpflichtigen einen
höheren Anteil auf: auch die Geisteskrankheiten sind bei.,diesen be-
        <pb n="57" />
        deutend häufiger — doch ist hierbei das S. 54/55 über diese Krankheiten
Gesagte zu beachten. Umgekehrt ist der Anteil der anderen Krankheiten
 des Nervensystems bei den zum einjährigen Dienst Berechtigten
 wesentlich höher.
Daß endlich bei den letzteren die Fettleibigkeit fast 8 mal
häufiger als Untauglichkeitsgrund vertreten ist, als bei den sonstigen
Militärpflichtigen, ist bei der Verschiedenheit der sozialen Verhältnisse
ınd der Lebensweise beider Kategorien leicht verständlich.
Es sind also in erster Linie die eigentlichen Organörkrankungen,
 Krankeiten der Atmungs- und Zirkulationsörgane,
 des Nervensystems, sodann namentlich die
Brechungsiechler der Augen, welche bei den den höheren
Schichten angehörigen Militärpflichtigen überwiegen, während
bei der großen Masse der Wehrpflichtigen die zwar z. T. auf angeborener
 Anlage beruhenden, aber durch äußere mechanische Ein-‚Jüsse
 zur Entwickelung kommenden Körperschäden sowie die Folgen
sonstiger äußerer Verletzungen häufiger zu finden sind,
Kine Erklärung für diese beachtenswerten Unterschiede ist nicht
schwer; es ist von vornherein einleuchtend, daß die breiten Schichten
der militärpflichtigen Jugend durch ihre bedeutend früher einsetzende
3erufstätigkeit, welche zum großen Teil mit erheblicher körperlicher
Anstrengung verbunden ist, viel mehr äußeren Schädlichkeiten, sei
es cinmaligen Verletzungen, sei es dauernden mechanischen Insulten,
Ueberanstrengungen usw., ausgesetzt sind, als die Schüler der höheren
Schulen. Diese hinwiederum sind in erhöhtem Maße den Schädlichkeiten
 ausgesetzt, welche mit anstrengender sitzender Lebensweise,
dem Mangel an Luft und Bewegung verknüpft sind; in Verbindung
hiermit steht ferner eine — infolge geringerer Abhärtung des Körpers
— wohl denkbare grössere Neigung zu Erkältungen mit ihren Folgen
für Lunge und Herz. Und wenn der Anteil der wegen allgemeiner
Schwächlichkeit usw. vom Heeresdienst Befreiten an der Gesamtzahl
 der Untauglichen bei beiden Kategorien zahlenmäßig keinen erneblichen
 Unterschied darstellt, so muß dies durchaus als eine zuungunsten
 der zum einjährigen Dienst Berechtigten sprechende Erscheinung
 gedeutet werden, denn a priori hätte angenommen werden
können, daß bei diesen infolge der besseren sozialen Verhältnisse,
aus denen sie stammen, sowie unter Berücksichtigung des vielfach bedeutend
 höheren Lebensalters, in dem die Untersuchungen stattgefunden
haben, der Anteil der Schwächlichen und in der Entwickelung Zurückgebliebenen
 geringer sein müßte, als bei den sonstigen Militärollichtigen.
        <pb n="58" />
        47

Alles dies spricht jedenfalls dafür, daß der Besuch der
höheren Schulen und die späteren Berule, welchen sich
liese jungen Leute zuwenden, für die körperliche Kräf-Ligung
 und Entwickelung mancherlei Nachteile in sich
birgt, welche zwar durch das Fehlen anderer Schädlich-«oiten
 zum Teil aulgewogen werden, die aber gerade in
sozialhygienischer Bezichung besonders schwer wiegen und
sorgfältiger Beachtune wert sein dürften.

Wie verhalten sich nun die verschiedenen Schulen hinsichtlich
 der einzelnen Fehler und Gebrechen?
Leider sind zum Teil die auf jede Schule und jede Krankheitszruppe
 entfallenden Zahlen zu klein, um daraus sichere Prozentzahlen
jerechnen zu können. Es seien daher in der folgenden Uebersicht
aur die Daten für die wesentlichsten Fehler gebracht; auch bei diesen
sind die auf die gering besetzten Schulen entfallenden Zahlen zum

Tafel 6.

Von je 100 Abgefertigten waren untaunglich

wegen

Allgemeiner Schwäch
Bechkeit sr hacker Brax

157

Ärankheiten des
Herzens und der
großen Gefäße

Augen-(Brechungs
fehler

Krankheiten der
Sliedmaßen und
Gelon to

Gymnasium
tealgymnasium
Oberrealschule
&amp;amp; Realschule
Seminar

Krankheiten der
Gungen und
des Brustfells

Veröffentl. aus den: (dabiete dee Milit-Sanititsw. 40. Heit
        <pb n="59" />
        50

Teil so klein, daß sie zu Schlußfolgerungen kaum in Betracht
kommen können.

Zs waren untauglich wegen

1, 3. d.
Gymna- Realgym- | Progym- ‘ Realpro- | Oberreal- | Realsien
 nasien nasien gymnasien| schulen schulen
abs. | % | abs. | % ' abs. ] 0% ‚abs. | 9% | abs. | % | abs. | %

„ Allgemeiner Schwächlichkeit,
schwacher Brust usw.. . .
}. Krankheiten des Herzens und
der großen Gefäße . . .
3. Augen-(Brechungs-}fehler .
L, Krankheiten der Gliedmaßen
und Gelenke. . . . ..
+ Krankheiten der Lungen und
des Brustfells ... . ..
5. Unterleibsbrüche . . . .
7. Krankheiten der Ohren . .
3, Plattfuß . 0.0.0.0.
9. Narben . 0.0.0.
L0. Fettleibigkeit . . . .
11. Krankheiten des Nervensystems
 (einschl. Epilepsie
und Geisteskrankheit). . .
Verbiegungen usw. d. Wirbelsäule


3069/12,2 | 950 |14.1
1421| 5,6 ‘ 336 | 5,0
1122 44 2258| 3,8
120 | 1,9

45 14.4

17111,9 | 5438 13.6 |1344|15.1

ACC

| 6,8 1 4,7
128 | 105| 2,7
170 791 20

439| 4,9
226| 2,6

573) 2,3

149) 1.7

463 1,8 | 99) 1,5
285) 1.1! 87! 1,8 '
261 1,0 | 59) 0,87!
9246| 0,97| 57 0,84
269| 1,1 | 69! 10
9276| 1.1 51, 075

nn

1.1 115 1,3
0,92; 102 1,1
0,97 75) 0,84
094) 81) 0,90
1810.70 37 0,63
\7| 042 37 041

CC

R

Ur
0,5.
0.5F

196 m *! 0,63|
181 0,58) 341 0,51

“1 O0

MW on 25| 0,28
14 0,36] 49] 0.54

51

die Reihenfolge, wie sie für die Untauglichkeitsquoten insgesamt sich
ergeben hatte (S. 9); die Unterschiede zwischen den 3 letzgenannten

Seminare Handels- | Industrieschulen
 schulen
abs. | % | abs.| % | abs. | %

10,
Landwirt- .
Privattal
 | schulen
schulen
abs. | % | abs. ı

Summe
£ S 7. x :
nach &amp;amp; 90 | Nach 8 91 | Nach $89,€

Gesamtsumme

abs. | 9% abs! % | abs. | % | abs. | 9%

Ho

279 | 9,6 | 61'10,6 | 51118,7 | 3834| 5,6 | 50110,5 [6448|12,8 211|10,7 I 30|11,2 |6684 12,8
147! 5.1 | 88 5,7 19| 5,2 18 | 2,7 12638| 5,2 | 70, 3,5 | 415 [2707| 5,1
81) 2:8 * 25 | 6 16 10) 51 ‚1841| 36 | 43 223) 92|0,74|1886| 3,6
32| 1.1 | 40,69 30,81! 81 0.63! 68 2,0 1 6 1,5 2,2 n- 1,9
329) 1,6
569| 1,1
492 0,93
479) 0,91
476, 0,90
4183| 0,78
311) 0,59
11] 252 0,49

„7 4] 0,84] 301 0,60
! |
1 0.17 3 0,68| 245 0,49]

IE

Die Prozentzahlen beziehen sich auf die endgültig Abgefertigten jeder Schule.

Die Ergebnisse der Tabelle sind auf Tafel 6 (S. 49) bildlich
dargestellt.
Betrachtet man die einzelnen Fehler und Fehlergruppen hinsichtlich
 ihrer Häufigkeit bei den verschiedenen Schulen, so ergibt
sich, daß die unter die Gruppe „Allgemeine Schwächlichkeit,
schwache Brust usw.“ zusammengefaßten krankhaften Zustände
am zahlreichsten bei den Schülern der Realschulen zu verzeichnen
gewesen sind (15,1 %,); am günstigsten von den vier Hauptschulen
steht das Gymnasium (12,2 %); auf die mutmaßlichen Gründe für
diese Erscheinung wird später eingegangen werden. Die anderen
Schulen weisen — mit Ausnahme der Industrieschulen — durchweg
etwas geringere Prozentzahlen auf. Daß die Landwirtschaftsschulen
mit 5,6 % bei weitem die wenigsten schwächlichen Leute gehabt haben,
dürfte wohl kaum als Zufall angesehen werden können.
Die Krankheiten des Herzens und der großen Gefäße
sind unter den 4 Hauptschulen am häufßgsten bei den Gymnasien zu
verzeichnen gewesen (5,6 %,), dann bei den Realgymnasien (5,0 %);
den Realschulen (4,9 9%.) und den Oberrealschulen (4,7 9%) —- also

Schulen sind nur gering, so daß der sehr hohe Prozentsatz für die
Gymnasien um so mehr Beachtung verdient. Diesem fast gleich, ihn
zogar noch um 0,1 %, übertreffend, ist der Anteil der Herzkrankheiten
bei den Handelsschulen; auch die Industrieschulen und Seminare weisen
sehr ungünstige Zahlen auf. Daß auch hier wieder die aus den Landwirtschaftsschulen
 Hervorgegangenen mit 1,7 %, (wenigstens unter den
zcemäß 8 90 der W. O. Berechtigten) am günstigsten stehen, dürfte
sbenfalls den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen.
Das gleiche ist der Fall hinsichtlich der Brechungsfehler,
wegen derer von den Landwirtschaftsschülern nur 1,3 %, als untauglich
 erklärt sind. In dieser Gruppe überragt nun das Gymnasium
 mit 4,4 % alle anderen Schulen hei weitem; auch die
Realgymnasien, Oberreal- und Realschulen bleiben bedeutend, zum
Teil fast um die Hälfte, himter dem Gymnasium zurück, Seminare,
Handels- und Privatschulen, auch die nach $ 91 Berechtigten, zeigen
nur geringe Unterschiede untereinander und gegenüber den Rcealschularten.
 Der ungünstige Einfluß des Gymnasialbesuches auf die Entstehung
 von Refraktionsfehlern dürfte nach diesen Zahlen kaum zu
bezweifeln sein: auch die Realgvymnasien übertreffen in dieser Be-
        <pb n="60" />
        5392

ziehung noch sämtliche anderen Bildungsanstalten in recht unerwünschter
 Weise. Auf die Fehler des Sehvermögens wird im Abschnitt
 VII noch näher eingegangen werden.
Bei den wegen Fehler und Gebrechen an den Gliedmaßen
and Gelenken Untauglichen bieten die einzelnen Schulen ein recht
verschiedenes Verhalten; das Gymnasium steht auch hier — man
kann wohl sagen auffälligerweise — mit 2,3 %, am ungünstigsten;
irgendwelche Schlüsse aus den Zahlen zu ziehen, erscheint nicht
möglich. Hervorgehoben sei noch, daß hier die Landwirtschaftsschüler
nur eine mittlere Stellung einnehmen, und daß die nach $ 89,6 der
W.0. Berechtigten nächst den Gymnasien die ungünstigste Prozentzahl
 aufweisen. Bei der Art der in dieser Gruppe zusammengefaßten
Fehler, welche zum nicht geringen Teil als Folgen von Verletzungen usw.
anzusehen sind, also von allerlei Zufälligkeiten abhängen, ist den besprochenen
 Verhältnissen cine besondere Bedeutung nicht beizulegen,
jedenfalls ein Einfluß der verschiedenen Schulen auch a priori kaum
zu erwarten.
Anders ist es bei den Erkrankungen der Lungen und des
Brustfelles; bei ihnen kann man wohl einen Einfluß der Anforderungen
 des Schulbesuches auf ihre Entstehung oder Entwickelung erwarten.
 Hier steht nun wieder — abgesehen von den zu kleine Zahlen
bietenden Progymnasien und Realprogymnasien — das Gymnasium
mit 1,8 %, am ungünstigsten; es folgen in der vielfach beobachteten
Reihenfolge das Realgymnasium, die Realschule und ÖOberrealschule;
die beiden letzgenannten Schulen weisen sogar mit die günstigsten
Verhältnisse auf, — außer den Landwirtschaftsschulen haben alle
anderen Schularten etwas höhere. im ganzen ziemlich gleich hohe
Prozentzahlen.
Bei dem besonderen Interesse, welches die Lungenkrankheiten
beanspruchen, seien noch einige weitere Bemerkungen angeschlossen.
Unter der Gesamtrubrik sind natürlich die verschiedensten Krankheitszustände
 zusammengefaßt, welche an sich von sehr verschiedener
Bedeutung sind. In der Gesamtsumme sind enthalten Lungenleiden
1. die nach Anlage 1C der H.O. eigentlich nur zeitig die Tauglichkeit
zum Dienst aufheben, — wohl vielfach Folgezustände überstandener
akuter Lungen- und Brustfellerkrankumgen, akuter Katarrhe usw.;
2, die nach Anlage 1D der H.O. die Tauglichkeit zum aktiven Dienst
und in der Ersatzreserve aufheben, aber noch den Dienst im Landsturm
 gestatten — hierher gehören die zahlreichen chronischen Katarrhe,
namentlich der Spitzen, welche den Verdacht auf Tuberkulose erwecken.
 ohne daß der allgemeine Körperzustand bisher besonders ge-
        <pb n="61" />
        53

litten hat, oder daß die tuberkulöse Natur des Leidens mit Sicherheit
nachgewiesen werden kann, ferner alle ausgedehnteren, schon länger
bestehenden Brustfellschwarten usw.; endlich 3. die nach Anlage 1E
der H.0. die Tauglichkeit zu jedem Militärdienst aufheben — hierzu
zu rechnen sind alle schwereren Lungenerkrankungen tuberkulöser
oder nicht tuberkulöser Art, durch welche bereits der allgemeine
Körperzustand gelitten hat.
Ks war nun von Interesse, zu untersuchen, wie sich die Gesamtheit
 der Lungenkrankheiten bei den verschiedenen Schulen auf diese
3 Gruppen verteilt.
fs waren untauglich wegen einer Lungen- oder Brustfellerkrankung

 nach

Anl. 1C
der H.0. |

Anl. 1D
der H.O.

Anl. 1X
der H.O.

abs. 0

abs. | 9%

abs. | 9%

1. Gymnasien .
‘. Realgymnasien .
Progymnasien .
Realprogymnasien
Jberrealschulen .
Realschulen . .
Seminare . .
Tandelsschulen .
Industrieschulen . . .
1), Landwirtschaftsschulen
1. Privatschulen .

67
11
9
]

0,27
0,16
0,64
0,70
0,17
0,22
0,48
0.52

241
55
3
1
23
55
21
4
4
4

0,95 155
0,81 33
0,96 2
0,70, 2
0,57 16
0,61 ! 40
0,72 | 6
0,69 ?
1,1 ] 1
0,67 2
11 -

0,62
0,49
0,64
1,4
0,38
0,45
0,21
0,35
0,27
0,38
049

20
14
2

J

0,33
991

Summe nach $ 90
nach $ 91
nach &amp;amp; 89.6

128 |0,25 ı 416
15

0,83
0.76

261 |
9

0,52
046

Gesamtsumme | 128 ‘0.24 | 431 | 0.82 | 270 | 0,50

Die Tabelle zeigt, daß die nach Anlage 1 C zu beurteilenden
Krankheitszustände durchweg nur ganz vereinzelt vorgekommen
sind, die geringen Unterschiede können keine weitere Bedeutung beanspruchen.

Auch bei den nach Anlage 1D beurteilten Krankheiten sind die
absoluten Zahlen zum Teil schon recht gering, immerhin ergibt sich,
daß hinsichtlich dieser Zustände das Gymnasium wohl unter den vier
Hauptschularten am ungünstigsten steht, daß aber einige andere
Schulen ihm sehr nahe kommen und es zum Teil noch übertreffen.
Bei den nach Anlage 1E Beurteilten steht aber das Gymnasium
anzweifelhaft am ungünstigsten (das Proevymnasium und Realpro-
        <pb n="62" />
        5A

oymnasium, wie immer, außer-Betracht gelassen) — die anderen
Schulen zeigen nur geringe Unterschiede.
So klein die Zahlen, wie gesagt, sind — daß gerade die
arnsteren und schwereren Lungenerkrankungen bei den
Gymnasien am häufigsten sind, dürfte wohl kaum zu bezweifeln
sein und verdient besondere Beachtung.
Das oben über die Fehler an den Gliedmaßen Gesagte trifft zum
großen Teil auch für die Unterleibsbrüche und Verbildungen
der Füße, darunter hauptsächlich Plattfußbildungen zu.
Auf diese Zustände, meistens auf angeborenen oder in frühester Jugend
erworbenen Anlagen beruhend, übt der Schulbesuch wohl im allgemeinen
 kaum einen begünstigenden Einfluß aus. Die bei den vorschiedenen
 Schulen nachweisbaren Unterschiede dürften daher auf
anderen Einwirkungen beruhen — wir werden hierauf bei der Besprechung
 des Einflusses der Dauer des Schulbesuches und der
Zwischenzeit zwischen Schulbesuch und Untersuchung noch zurückkommen.

Auch bei den Ohrenerkrankungen ist wohl weniger an den
Einfluss der Schule zu denken, als an andere Einwirkungen, insbesondere
 auch an die je nach den sozialen Schichten, aus denen sie
sich in einzelnen Schulen rekrutieren, verschieden große Sorgsamkeit
Ohrenerkrankungen gegenüber; in diesem Sinne ist vielleicht der hohe
Prozentsatz bei den nach $ 89.6 Berechtigten nicht als ganz zufällig
anzusehen.
Die Diensttauglichkeit aufhebende Narben sind bei den Gymnasien
 am häufigsten gewesen, desgleichen die Fettleibigkeit.
Was die Krankheiten des Nervensystems betrifft, so sind
in der Tabelle S. 50/51 die Geisteskrankheiten und die Epilepsie —
im Gegensatz zu Tabelle S. 44 -— mit verrechnet; trotzdem sind die
Zahlen doch noch so klein, daß es nicht angängig erscheint, den
Unterschieden bei den einzelnen Schulen besondere Bedeutung beizuiegen.
 Auffällig ist ja, daß ihre Zahl an sich so gering ist, weniger
für die eigentlichen Geisteskrankheiten, deren Entstehung wohl vielfach
 erst in eine spätere Zeit fällt oder — wenn schon früher entstanden
 — den Besuch einer höheren Schule ausschließt, als vielmehr
bei den eigentlichen Nervenkrankheiten; wird doch gerade der Ueberbürdung
 der Schüler ein nicht unwesentlicher Anteil an der angeblich
zunehmenden Häufigkeit nervöser Krankheiten zugeschrieben. Es ist
aber dabei zu bedenken, daß derartige Zustände wohl nur selten —
wenn nicht ärztliche Zeugnisse usw. vorliegen, oder die Erkrankung
schon einen hohen Grad erreicht hat — bei der militärärztlichen
        <pb n="63" />
        55

Untersuchung behufs Einstellung zum Militärdienst festzustellen sind,
auch vielfach von den betreffenden Leuten ihre Beschwerden aus den
verschiedensten Gründen verschwiegen werden. Man kann also wohl
die berechneten Zahlen kaum als der Wirklichkeit entsprechend
ansehen.
Auffällig gering erscheinen auch die als Verbiegungen usw.
der Wirbelsäule zusammengefaßten Zustände. Ks erschien von
Interesse, diese Fehler besonders zu untersuchen, da auch für diese
gerade der Schulbesuch als Entstehungsursache angesprochen wird.
Mit Rücksicht hierauf muß, wie gesagt, ihre geringe Zahl an sich
überraschen, und man kann wohl aus den geringen Unterschieden
auch keinen Schluß auf irgend welchen Einfluß bestimmter Schulen
ziehen.
Die übrigen in der Tabelle S. 50/51 aufgeführten Krankheitsgruppen
sind bei der Verteilung auf die einzelnen Schulen durchweg so selten
vertreten, daß ihre Aufzählung und Besprechung im einzelnen sich
erübrigt.

5.

Von besonderem Interesse würde es sein und für manche der
besprochenen Zahlenverhältnisse erst das . rechte Verständnis geben,
wenn man für jede einzelne Schule und jede Krankheitsgruppe den
Einfluß der Länge des Schulbesuches und der Zwischenzeit
zwischen Schulentlassung und Untersuchung feststellen könnte.
Leider ist das aus den mehrfach betonten Gründen über die Kleinheit
ler absoluten Zahlen nicht durchführbar; es seien daher zunächst in
der folgenden Tabelle (S. 56) nur die entsprechenden Angaben für die
Gesamtsummen gebracht.
Die Uebersicht bietet sehr auffällige Ergebnisse dar. Die Zustände
 der allgemeinen Schwächlichkeit, schwacher Brust usw.
als Untauglichkeitsgrund nehmen in den 3 Gruppen betr. ‘die Länge
des Schulbesuches nicht nur nicht zu, sondern sogar merklich ab;
von den jungen Leuten, die die Schule nur bis zum 16. Lebensjahre
besucht haben, waren 15,2 %,, von denen, die bis zum 20, Lebensjahre
 und mehr auf der Schule waren, nur 11,2 %, wegen der geaannten
 Leiden untauglich zum aktiven Dienst. Dagegen nehmen
diese Zustände mit zunehmender Zwischenzeit zwischen Schulentlassung
 und militärärztlicher Untersuchung stetig und sehr bedeutend
zu; von denjenigen, die sich im ersten Jahre nach Abschluß ihreı
Schulstudien zum Dienst meldeten, waren nur 4,5%, von denjenigen,
die mehr als 5 Jahre verstreichen ließen, 19,4 %, deswegen untaug-
        <pb n="64" />
        56

Sehulbesuch bis zum

Zwischenzeit zwischen Schulentlassung
und Untersuchung

Untauglich
wegen

L.
L6.Lebens|
Jahre

II.
17.—19.
Lebensjahre


JHIL.
20.Lebensjahre
 ı
iu. darüber

B
A 2—3
1 Jahr | Jahre |

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1+—5
Jahre

D
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5 Jahre

abs. ! 9%

abs.! 9% Habs. | %

abs, | 0

abs. | 07

als. 9

abs. | Ta

.. Allgemeiner Schwächlichkeit,
 schwacher Brust usw.
Krankheiten des Herzens
ınd der großen Gefäße .
Augen-(Brechungs-) Fehler
Krankheiten der Gliedmaßen
 und Gelenke . .
Krankheiten der Lungen
und des Brustfells . .
6. Unterleibsbrüche . .
7. Ohrenkrankheiten .
8, Plattfuß . 0. 0.0.04
9, Narben. . 0.00.00 +4
„0. Fettleibigkeit. . . .
‚1. Xrampfadern . . . +
‚3. Verkrüppelungen und Mißildungen
 . . 2... +
Verbiegungen. der Wirbel-3äule
 2.00.0000 HH
Xrankheiten der Harn- und
Geschlechtsorgane . .
Blindheit eines oder beider
Augen . 0.0.0000 2040
(7. Krankheiten des Nervensystems
 (ausschl. No. 20
und 22%) 2000000400404
20. Epilepsie . . . «+
29 (eisteskrankheiten .

1373115.

|
(3880112.6 huasılın.2 1344145

iz3517.1

2389l13.2

[3266]19,4
1289 7,6
] 846| 5.0
{| 470l 2.6

428 4,7
944! 2.7

1544‘ 5,0 735. 5,7
1128 3.7 | 514i 4.1

16512.2
16822

2828,6 ] 871 4,9
27226 | 600 33

33] 1.7

597 94 |]

971] 2.1

a7ı9 hallıa

| 2905| 1,8

142| 1,6
:09| 1,2
79| 0,87!
u2| 1,2
68 0,75
51| 0,56
4383| 0.48

434! 1,4
318 1,0 |
276| 0,89
249 0,82!
280| 0,91
238 0,761
203 0.66

2538| 2,0
142! 1,1
137 1,1
118| 0,92)
198| 1,0
129/ 1,0
95| 0.74-ben


3810,50
40 0,52
4310,56
290,38
190,25
9810.87

129 1,2
83 0,80
68 0,66
68/0,66
63/0,61
530,0:
420.41

274: 1,5
187) 1.1
1783| 0,97
159| 0,89
‚59 0,89
99 0,56
1119| 0.66

384| 2,3
261) 1.6
211 15
309 12
325 13
240 1.4
152 0,90

34] 0,38) 143! 0.40]
40l 0.44) 157) 0,511
a6] 0,51) 131) 0,43
46l 0,51] 127 0.411 55! 0,48)

75 0.431 101] 0,60
71) 0.41) 110) 0,65
1510.09 3910,89 881 0.46] 108! 0,68
200.261 370.361 62! 0.35) 109) 0,65

68! 0.531

4 0,18| 112 91 62| 0,48] 130,17] 101 ä 0,30]
54 0,27| 40 0,13| 12) 0,09 3.0,04' 140,14] 21] 0,12
5| 0.06] 25) 0.08 15 @ —' | A 20) 0.11
1 I
lich, also 4,3 mal soviel. Gegenüber dem. Gesamtdurchschnitt der
Untauglichkeitsquote auf: Grund dieser Krankheitszustände (12,8%)
müssen sogar die Prozentzahlen in den beiden ersten Zwischenzeitgruppen
 (4,5 und .7,1°%) als auffällig gering bezeichnet werden —
dies läßt sich eben nur so erklären, daß von den Schülern, mögen
sie die Schule nur kurze 'oder sehr lange Zeit besucht haben, innerhalb
 der ersten 3 Jahre nach‘ ihrer Schulentlassung vorzugsweise
solche sich zum Diensteintritt melden, welche körperlich besonders
kräftig sind oder wenigstens sich besonders krältig fühlen, und daß
sich dadurch die Schwächlichen in den späteren Jahren gewissermaßen
 anstauen. Das gleiche gilt bis zu einem gewissen Grade von
den wegen Krankheiten des Herzens oder der großen Gefäße
 für untauglich erklärten Leuten. Zwar nimmt deren Prozentaaty
 mit der Länge der Schulzeit etwas zu, die Zahlen bewegen sich

98| 0,56
38 0,29
90) 018
        <pb n="65" />
        BR —

A

jedoch in nur geringen‘ Schwankungen um die‘ Durchschnittszahl
5,1%); viel bedeutender ist aber die Zunahme mit ansteigender
Zwischenzeit, von 2,2%, bis 7,6%, also um das 3'/, fache, Auch
hier bleibt der Anteil in den beiden ersten‘ Zwischenzeitgruppen
wesentlich unter dem Gesamtdurchschnitt und überschreitet ihn wesentlich
 erst in der Gruppe D.
Bei den Brechungsfehlern ist ein nicht unerhebliches Ansteigen
ler aus diesem Grunde Untauglichen mit der Länge des Schulbesuches
nicht zu verkennen; noch stärker ausgeprägt ist die Zunahme, je
länger die Zwischenzeit zwischen Schulbeendigung und Gestellung
dominiert. Aber auch bei diesen Fehlern bleibt der Prozentsatz der
Untauglichen in den ersten 3 Jahren nach der Schulentlassung‘ unter
Jem bezüglichen Gesamtdurchschnitt (3,6%), so daß man auch hier
Jaran denken kann, daß viellach die Schwachsichtigen sich ersi
später zum Dienst melden und daher in den höheren Zwischenzeitstufen
 stärker ansammeln.
Wegen Krankheiten der Lungen und des Brustfelles sind
lie wenigsten als untauglich entlassen von denjenigen Leuten, welche
sine mittlere Schulzeit gehabt, am meisten von denjenigen, welche
bis zum 20. Jahre und länger die Schule besucht haben; doch sind
lie Unterschiede an sich nicht allzu groß. Hinsichtlich der Zeit
nach .dem Schulbesuch weisen diese Krankheiten genau das gleiche
Verhalten auf, wie die bisher besprochenen Fehler, insbesondere wie
lie allgemeinen Schwächezustände.
Die Krankheiten der Gliedmaßen und Gelenke haben in
der I. Schulbesuchsgruppe die wenigsten Untauglichen geliefert, in
den beiden folgenden Gruppen steigt ihre Zahl nicht unbeträchtlich
an, wobei dem etwas geringeren Prozentsatz in der III. Gruppe wohl
keine besondere Bedeutung zukommt; die Zunahme mit der Länge
des Schulbesuches ist aber, wie bereits oben betont, wohl kaum
diesem selbst zur Last zu legen, als vielmehr dem Umstande, daß
mit dem zunehmenden Lebensalter natürlich auch die Häufigkeit von
äußeren Verletzungen usw., um deren Folgen es sich bei den in
Frage kommenden Fehlern wohl zum großen "Teil handelt, ansteigt.
So ist auch das erhebliche Ansteigen der wegen dieser Körperfehler
Untauglichen mit zunehmender Zwischenzeit nicht auffällig.
Die Unterleibsbrüche sind‘ als Untauglichkeitsgrund in allen
3 Gruppen des Schulbesuchs fast gleichmäßig vertreten, nehmen
dagegen mit der Zeit nach der Schulentlassung bedeutend zu.
Es ist nicht‘ erforderlich, alle anderen, in der Tabelle aufgeführten
 Krankheiten und Fehlererunpen des weiteren im einzelnen Zu
        <pb n="66" />
        58

erörtern — 65 zeigt sich fast überall das bisher besprochene gleichartige
 Verhalten. Gerade diese Regelmäßigkeit dürfte es ‚rechtfertigen,
 auch trotz der Kleinheit der absoluten Zahlen ihnen eine
vewisse Beweiskralt zuzusprechen.

A

Für einige der zahlreicher vertretenen Krankheiten
lohnt es sich nun, noch die gleichen Verhältnisse bezüglich
 der Hauptschularten zu untersuchen.
So betrug die Zahl der Untauglichen wegen
allgemeiner Körperschwäche, schwacher Brust usw.

El A ss z
S S 7 eo SD
5138 852 2 jÖE &amp;lt;E|S@
£ Hz : .
a 2254| 5 Sa 1S2, 22-1385
E S SR = 5 SSV &amp;gt; 2
; ES = N Zn oc

sg:
338
5
»o 8
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535
25
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A
a
38
Sun
53
245
CL
Se
352
a2 L
5b |
RS
©
mn

16. Lebensjahr


abs. 315 ES 156; 559' 8 1298
9% 16,4 |15,8 15,9 15,8 17,6 ' 15,6
abs. 1870| 607 324] 742 63 | 3750
9% 112,1 18,8 12,5 114,6 8,8 "12,6
abs. | 884| 140 2683| 50' 218. 1400
9% 111,8 112,7 12,0 18,0 ‘10.0 ! 11,38

60° 13878
9,9 15,2
122 * 3880
116 112,6
29 14381
9.0 111,2

17, bis
19. Lebensjahr‘
20. Lebensjahr
und darüber

Summe

abs. |3069| 950| | ES’ 21116684
9% 112,2 14,1 118,6 |15,1 | 9,6 112,8 10,7 .12,8

| Jahr

abs.
%
abs.
9%
abs,
%
abs.
07

1961 20 14 31
4,7 3,0 2,9 | 5,8
858 | 89) 88 | 59°
7,71 7,51 471 4,0
1195 829 193 3892!
13,5 | 18,4 14,3 371
1825 | 512 3083| 862
16.1900 19204 9285

57
5,8
147
"A

334
4,5
717
7,2
9269
13,3
2798
129

9
4,9
16
3,8
65
10,6
121
16

| 344
4,5
735
7,1
2839
18,2
3266
19:4

2 und
3 Jahre

4 und
5 Jahre
mehr als
5 lahrn

nm

162

Summe [obs 13069 0) 545 | 1344 | 279 ] 6443
0% 112,2 114,1 18,6 115,1 | 9,6 [12,8

11 | 6684
10,7 112,8

Auch bei den Hauptschularten zeigt sich, wie in der Gesamtsumme,
 die Abnahme der wegen körperlicher Schwächlichkeit
 für untauglich Erklärten mit der zunehmenden Länge
der Schulzeit; nur bei den Seminaristen und den gem. $ 91 W. 0.
Berechtigten ist die Abnahme in den 3 Schulbesuchsgruppen nicht
so konstant, wie bei den anderen Schulen,
Andererseits ist — dem Durchschnitt entsprechend — auch bei
allen Schulen die Zunahme der wegen des genannten Leidens
        <pb n="67" />
        59

Untauglichen nachweisbar,‘ je länger die Zeit nach der Schulentlassung
 sich ausdehnt; ganz besonders auffällig ist diese
Zunahme in der Gruppe D (Zwischenzeit über 5 Jahre) bei den
Realschulen; das Vebergewicht, welches diese Schulen über die
anderen Schulen im Durchschnitt haben, ist im wesentlichen durch
lie sehr hohe Untauglichkeitsziffer in dieser Gruppe bedingt. Im
übrigen wechselt innerhalb der einzelnen Gruppen sowohl bei Berücksichtigung
 der Länge des Schulbesuches als auch der Zwischenzeit
 die Untauglichkeitsquote bei den einzelnen Schulen recht erheblich,
 ohne daß man besondere Regelmäßigkeiten ersehen kann; jedenfalls
 genügen die Unterschiede nicht, einen wesentlichen Einfluß der
Schulart auf die Häufigkeit der allgemeinen Schwächlichkeit herauszulesen.

Des weiteren waren untauglich wegen
Herzkrankheiten.

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16. Lebensjahr


abs. 1001 56) 44 179 1
9% 5,2 4,4 245 4.9 5,9
abs. | 8836| 222 122 236 | 86
0% 54 5,0 | 48] 47) 147
abs. | 485 58 95| 31 110
0. 1 621353147159 A292

402 | 24| 428
48! 4,01 47
1508‘ 85 | 1544
5.1 38,3 | 5,0
723 11) 785
A8 84° 5,7
‚26331 7012707
52 3851 51

17. bis |
19. Lebensjahr
20. Lebensjahr
und darüber

Summe

abs. | 1421 | 386 | 191| 489! 147
% 56 501 4,7! 4,9 51

| Jahr

| 96 |  12| 4
9% | 23 1,8! 0,88
abs. | 185 | 36! 78
9% | 4,01 3,0 3
il 497 | 119
% | 5,6 | 5,0
abs. | 648 | 76
9% 85

2,9
49
3,3
In

97)
25 1
74
5,7
37
R&amp;amp;1

| 3| 165
221 141 22
375| 7| 389
3,81 17] 3,6
852) 19| 871
50 8.1 4,9
1289
7,6

2 und 3
Jahre .
4 und 5 |
Jahre
mehr als
5 Jahre

B

9
5

1245
18

n abs. | 1421| 336) We
Summe | 0/ "| 56 5.01 4,7] 49

1

712688 | 70 | 2707
531 8,51 5.1

Die fast konstante Zunahme der Herzerkrankungen, je länger
der Schulbesuch gewährt hat, ist bei allen 4 Hauptschularten ziemlich
 gleichmäßig nachzuweisen; am geringsten ist sie bei den Öber-«ealschulen
 gewesen, während sich bei den Scminaren eher eine ab-
        <pb n="68" />
        60

nehmende Tendenz bemerkbar macht, cbenso wie bei den nach &amp;amp; 91
W. O0. zum einjährigen Dienst Berechtigten.
Der Vergleich der Schulen untereinander in jeder der 3 Gruppen
ergibt stets, daß das Gymnasium am ungünstigsten steht, nur in der
Gruppe des kürzesten Schulbesuches haben die Seminare eine etwas
höhere Untauglichkeitsquote aufzuweisen, was jedoch bei der kleinen
absoluten Zahl nicht viel besagen will.
Wie im Gesamtdurchschnitt, so ist auch bei den verschiedenen
Schulen die Zunahme der Herzleiden mit zunehmender Zwischenzeit
sehr viel bedeutender, als mit dem länger währenden Schulbesuch.
Besondere Unterschiede bei den verschiedenen Schularten treten jedoch
in dieser Beziehung nicht hervor.
Von den 4 Hauptschularten steht auch hier wieder, abgesehen
von der Gruppe A (Untersuchung im 1. Jahre nach der Schulentlassung)
 das Gymnasium durchweg deutlich am ungünstigsten, nur
in der genannten Gruppe haben die Realschulen etwas mehr untaugliche
 Herzleidende geliefert. Auffällig ist, daß die Untauglichkeitsquoten
 der Seminare fast durchweg und zwar nicht unerheblich diejenigen
 der 4 anderen Schularten übertreffen; die Unterschiede sind
so erheblich, daß sie durch Fehlerquellen infolge zu kleiner Zahlen
kaum bedingt sein können. Kine Erklärung hierfür ist schwer zu
gehen, denn daß gerade bei den Seminaristen die Zeit nach der
Schulentlassung der Entwickelung von Herzleiden besonders Vorschub
leisten sollte, ist a priori kaum anzunehmen.
Für die übrigen 3 Schularten und für die nach $ 91 W.O. Berechtigten
 lassen sich aus der Tabelle keine durchgreifenden Unterschiede
 auffinden.
Es waren ferner untauglich wegen

Augen-(Brechunegs-)Fehler.

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16. Lebensjahr

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19. Lebensiahr
20. Lebensjahr
und darüber

230 | 13| 244
2,81 2,1 | 2,7
1105| 22|1128
8,7 | 2,1 | 3,7
506| 81 514
Ay! 95[ 41
Sam | abs. us 258 | 105 | 226 81|[1841| 43|1886
um % | 44 | 3,8} 2,7| 2,6 2,8 | 3,6 | 2,2 | 3,6
        <pb n="69" />
        61

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8A
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35%
335
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1 Jahr

abs.
9%
abs.
0
abs,
0%
abs.
9%

2 und 3
Jahre
4 und 5
Jahre

mehr als
5 Jahre

Summe | abs
Yo

a x &amp;gt;
SB 28 AB 3
3 188 SE 1 IS
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8 188105 8 85
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110 15 | 9 7
26 | 22! 1,9 12
145 34! 9, 27,
3,2 | 2,9 1,8" 1,8
375 | 75| 45 68
42 | 3,2 33 ©
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1,5
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2.15.88
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19
°C
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168
2,2
272
2,6
600
846
5.0

1886
‚| 3,6

Mit der zunehmenden Länge der Schulzeit steigt die Untauglichkeitsquote
 bei den Gymnasien und den Realgymnasien gleichmäßig
und beträchtlich an. Auffällig ist, daß die beiden Schulen in der
Gruppe des kürzesten Schulbesuches bedeutend größere Unterschiede
zuungunsten des Gymnasiums — eigen, als in derjenigen des
längsten Schulbesuches, in der sich die Zahl für das Realgymnasium
(4,4 9/) fast ganz der Prozentzahl des Gymnasiums (4,6 %) nähert.
Auch die Oberrealschule zeigt eine Zunahme in der IIL Gruppe
“20 Jahre und darüber) gegenüber der I. Gruppe (16. Lebensjahr).
während die mittlere Gruppe die wenigsten Untauglichen gehabt hat.
Demgegenüber weisen die Realschulen das umgekehrte Verhalten
auf — hier nimmt die Untauglichkeitsquote mit zunehmender Länge
des Schulbesuches, wenn auch nicht sehr viel, aber doch deutlich ab.
Worauf diese Verschiedenheiten beruhen, ist nicht klar, Auch die
Seminare zeigen keine ausgesprochene zunehmende Tendenz, doch ist,
wie schön oben mehrfach erwähnt, die I. Gruppe zu gering hesetzt,
um sie vergleichen zu können.
Realgymnasium, Oberrealschule und Realschule zeigen in der
Gruppe des kürzesten Schulbesuches fast völlig übereinstimmende
Prozentzahlen, welche nur von denjenigen des Gymnasiums bedeutend
übertroffen werden — man kann sich diesen Verhältnissen gegenüber
des Eindruckes nicht erwehren, daß auch schon der kürzere Besuch
 eines Gymnasiums häufiger Augenfehler hervorzurufen
oder zu begünstigen geeignet ist, während bei den Realgymnasien
 und noch mehr bei den Überrealschulen erst ein
längeres oder besonders langes Verweilen auf der Schule
        <pb n="70" />
        52

schädigend aul die Augen einwirkt. Die Realschulen fallen, wie
gesagt, aus dieser Regelmäßigkeit völlig aus.
Bei allen Schulen nimmt nun ferner die Zahl der wegen Augenfehler
 Untauglichen mit zunehmender Zwischenzeit zwischen Schulbeendigung
 und Untersuchung zu; bei Gymnasium, Realgymnasium
und Realschule konstant bis zur Gruppe D, in welcher die meisten
Untauglichen vorkommen; bei den OÖberrealschulen und Seminaren ist
das Maximum dagegen schon bei einer Zwischenzeit von 4 und
5 Jahren erreicht, während die jungen Leute, welche mehr als 5 Jahre
gewartet haben, weniger Augenfehler aufweisen.
Ob man hieraus Schlüsse auf Einflüsse der verschiedenen berullichen
 Tätigkeit machen kann, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls
steht das Gymnasium auch hier wieder fast durchweg, z. 'l'. bedeutend ungünstiger,
 so daß eine auch nach der Schulzeit fortwirkende schädigende
Einwirkung des Gymnasialbesuches auf die Augen wohl kaum von
der Hand zu weisen ist.
Im übrigen wird hinsichtlich der Augenfehler auf Abschnitt VII
verwiesen.
Für die Krankheiten der Lungen und des Brustfells stellen
sich die gleichen Daten folgendermaßen:

N
ES
o58
a 5
SS
a.
FE
S B:5
3
A.
"I

©
aß
SE
as
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F Bl
258
© qq
Se
SEr
=
S OD |
ZN E

16. Lebensjahr


17, bis
19. Lebensjahr

20. Lebensjahr
und darüber

Summe

1 Jahr

2 und 3
Jahre
4 und 5
‚Jahre

mehr als
5 Jahre

S
3 8241 2 ©
4 1a |8S &amp;gt; S
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Di &amp;gt; © mn
5 6 Pa

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Sn
Sal

Se
‚a Es
227
5°

abs. -
lo
abs. |
9),

838 141 14 57
2,01 11 14 46
2838| 67| 28! 54
15 15 11)
1187| ı8| 4
SA 181076) 10

„1892| 4 142
_ 16l 17116
12] 4934| 10| 484
16) 1.4 [0,95 ' 14
29° 249) 4 258
ı8 90 9 920
| 899
16

abs,
a!

abs.| 463| 99| 46| 115| 41
0 18 15111 18 14

805* 24
16 1.2

abs. | 35| 4 1.2092 5 42 — | 42
0% | 0,601 0,59! 0,21 0,34 0,46‘ 0,571 — 10,55
abs.) 75| 11. 1 10' 22] 126 3| 129
0% 11,6 | 0,93 0.14 0,68. 1,7 11,8 ! 0,721 1,2
abs. | 166 30; 10 30 141 266 8| 274
0% 18 1,3 073 0,98|81 16 | 13 11,5
abs.l 197| 54 34 78' - 3871‘ 18° 384
"96 191 23 20 23 18 238

abs] 4683| 99| 46| 115) 41] s05| 24| 829
Summe | 0%; 18 1,5 | 11 13 14 | 16 | 12 | 16
        <pb n="71" />
        63

Auch hier bieten die einzelnen Schulen wicder recht verschiedene
Verhältnisse dar. Bei den Gymnasien und Realgymnasien steigt die
Zahl der wegen Lungenkrankheiten Untauglichen mit der Länge der
Schulzeit (bei den (iymnasien zwar ‘nicht gleichmäßig, aber doch
deutlich erkennbar) — während bei den Oberreal- und Realschulen
das umgekehrte Verhalten Platz hat, ein Sinken der Lungenkrankheiten
 mit zunehmender Schuldauer. Auch bei den Seminaren und
den nach $ 91 W. O. Berechtigten liegen die Verhältnisse ähnlich.
Eine Erklärung für dieses eigenartige Verhalten zu geben, ist natürlich
schwer; jedenfalls ist es wohl kaum angängig, unmittelbare Einflüsse
der Schule darin zu suchen. Eher ist daran zu denken, daß junge
Leute mit Lungenerkrankungen, welche ein Gymnasium oder Realgymnasium
 besuchen, sich schwerer entschließen werden, kurz vor
der Erreichung des Schulzieles die Schule zu verlassen und auf das
in Aussicht genommene Studium usw. zu verzichten, wodurch natürlich
 in den höheren Schulaltersklassen die Zahl derartig kranker
Leute vergrößern wird — während die von vornherein mehr für einen
praktischen Beruf bestimmten Besucher von Realschulen eher ihre
Schulstudien aufzugeben geneigt sind und sich früher einer ihrer
Gesundheit zuträglicheren Tätigkeit zuwenden.
Daß aber bei längerem Verweilen auf der Schule dem Schulbesuche
 auch ein gewisser begünstigender Einfluß auf die Entstehung
oder Entwickelung der Lungenkrankheiten zugeschrieben werden kann,
dürfte nicht zu bezweifeln sein. Dafür spricht auch wieder der
Umstand, daß das Gymnasium, wie bei den meisten bisher besprochenen
 Fehlern fast durchweg am schlechtesten steht; nur in der
Il. Gruppe (17.—19. Lebensjahr) nähert sich die Prozentzahl bei den
Gymnasien derjenigen der anderen Schulen, in der I. und III. Gruppe
übertrifft sie sie aber ganz bedeutend.
Diese ungünstige Stellung des Gymnasiums tritt nun auch bei
Berücksichtigung der Länge der Zwischenzeit zwischen Schulentlassung
und Untersuchung zutage, besonders in den ersten 3 Gruppen gegenüber
 den Realschulen, während sich in der Gruppe D mit einer
Zwischenzeit von mehr als 5 Jahren der Unterschied zwischen den
4 Schulen wesentlich ausgleicht. Die zunehmende Länge der Zwischenzeit
 macht sich also bei den Gymnasien und Realgymnasien, welche
schon im ersten Jahre nach der Schulentlassung relativ hohe Untauglichkeitszahlen
 wegen Lungenkrankheiten aufweisen, verhältnismäßig
 weniger ungünstig bemerkbar, als bei den Oberreal- und Realschulen,
 bei denen die Gruppen A—C mit einer Zwischenzeit von
1—5 Jahren noch relativ niedrige Untauglichkeitszahlen zeigen; erst
        <pb n="72" />
        in der Gruppe D mit der längsten Zwischenzeit nimmt die Zahl der
Untauglichen enorm zu.
Auch bei den Seminaren und den nach $ 91 W. 0. Berechtigten
ist die mit der wachsenden Zwischenzeit zunehmende "Tendenz nachzuweisen,
 von den Seminaristen, welche 4 und 5 Jahre gewartet
haben, ist sogar eine auffällig hohe Zahl wegen eines Lungenleidens
untauglich gewesen.
Aus den. dargelegten, etwas verwickelten Verhältnissen geht
jedenfalls wohl so viel hervor, daß der Besuch eines Gymnasiums und
auch bis zu einem gewissen Grade eines Realgymnasiums von vornherein
sich hinsichtlich der Ausbildung von Lungenleiden als ungünstiger crweist,
 als der Besuch einer Oberreal- oder Realschule — auch bei
Berücksichtigung der oben besprochenen etwaigen Verschiedenheiten
beider Schularten hinsichtlich des frühzeitigen Abganges bei ausgebrochenen
 Lungenkrankheiten. —
Für die übrigen Krankheiten und Gebrechen erübrigt sich die
Beibringung der gleichen Tabellen; einzig noch die Krankheiten der
Gliedmaßen und Gelenke würden nach ihren absoluten Zahlen eine
weitere Differenzierung erlauben, doch sind wesentliche Unterschicde
bei den einzelnen Schulen gegenüber den Gesamtdurchschnitten, wie
sie sich S. 50/51 und 56 darstellen, nicht nachweisbar — für die
sämtlichen anderen Fehler verbietet die Kleinheit der Zahlen ein noch
weiteres Zerlegen.
        <pb n="73" />
        IV. Ueber die Tauglichkeitsverhältnisse unter Berücksichtigung
 des Geburtsortes der zum einjährigen
Dienst Berechtigten.

Aus den Zählkarten ließ sich auch der Geburtsort der sich
zum einjährig-freiwilligen Dienst meldenden jungen Leute feststellen.
Es war daher von Interesse, die entsprechenden Angaben zusammen-„ustellen
 und zu sehen, wie sich die Tauglichkeitsverhältnisse usw.
je nach der territorialen Herkunft gestaltet haben.
Es können aus diesen in den folgenden Tabellen enthaltenen
Feststellungen natürlich keine weitgehenden Schlüsse gezogen werden.
Erstens ist die Zahl der aus manchen Gebieten stammenden Leute
zu klein, dann besagt die Angabe über den Geburtsort noch nicht,
ob der betreffende Mann auch tatsächlich in diesem Gebiet groß geworden
 ist; da das Material doch im allgemeinen die Söhne aus sozial
höher stehenden Schichten umfaßt, so wird gerade bei diesen jungen
Leuten infolge häufigeren Verziehens der Eltern, Versetzungen usw.
der Geburtsort vielfach von gewissen Zufälligkeiten abhängen und
keine Rückschlüsse auf die eigentliche „Heimat“ des Betreffenden zulassen.

Endlich sind die Gebiete, für welche die Zahlen gebracht werden
können, im allgemeinen zu groß, um aus den auf sie entfallenden
Prozentberechnungen sicher Schlußfolgerungen auf die körperliche
Tüchtigkeit ihrer Bewohner ziehen zu können; die Aufzählung nach
kleineren Gebietsteilen, etwa nach Regierungsbezirken oder gar
Kreisen usw. verbot sich aber von selbst, da dann die Zahl der auf
jeden Gebietsteil entfallenden Leute viel.zu gering geworden wäre.
Zugrunde gelegt sind der Auszählung, soweit möglich, die Provinzen
 Preußens und die einzelnen Bundesstaaten; von letzteren sind
die kleineren, welche nur wenige Leute zu unserer Statistik geliefert
haben, z. T. nach ihrer geographischen Lage zu den benachbarten
preußischen Provinzen zugezählt, bzw. — wie die Thüringischen
Veröffentl. aus dem Gebiete des Milit.-Sanitätsw. 40. Heit,
        <pb n="74" />
        - 66 —

Staaten — zu einem größeren Gebiete zusammengefaßt. Die größeren
Bundesstaaten sind als solche aufgeführt, doch ohne Trennung in
kleinere Verwaltungsbezirke — mit Ausnahme des Königreichs Bayern,
für welches eine Teilung nach Regierungsbezirken gerechtfertigt erschien.
Im übrigen ergibt die Einzelheiten der fraglichen Zusammenfassungen
 die folgende Tabelle selbst, welche zunächst die Prozentsätze
 für die Tauglichen und Untauglichen, bezogen auf die endgültig
Abgefertigten des betreffenden Gebietes enthält.

Geburtsstaat, -provinz USW.

Ostpreußen .
Westpreußen .
Berlin. .
Brandenburg .
Pommern .
Posen . . .
Schlesien... . . . .
Sachsen und Hzgt. Anhalt . .
Schleswig-Holstein ......0. + 4
Hannover, G.-Hzgt. Oldenburg und Hzgt.
Braunschweig . . 0.0.0.0. 0 4
Westfalen, Fürstentum Schaumburg-Lippe
und Lippe . 0. 0.000000... 4
Hessen-Nassau und Fürstentum Waldeck .
Rheinland. . . .
Oberbayern .
Niederbayern.
Schwaben .
Unterfranken .
Pfalz . .
Mittelfranken.
Oberfranken .
Oberpfalz...
Königreich Sachsen .
® Württemberg .
Gr.-Hzgtm. Baden. .
Hessen. .. 0.0.0...
„ Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz
Thüringische Staaten. . . . . .
Hamburg, Bremen, Lübeck. .
Elsaß-Lothringen . . .

Deutsches Reich . . .
Ausland . . 2...

Gesamtsumme . 2. 2.0.0.0.
Darunter
Königreich Preußen . . ..
% Bayern. . . +.
Die übrigen deutschen Staaten . .

Sp.a
Z5
SS
50°
DD 56
AS
Az

Davon waren
2 dauernd
tauglich | untauglich
abs. | 0 ahe | 0%

1 464
997
2.933
2 140
1218
1111
3.1083
3219
975

1071
685
1642
1377
861
694
1764
2 158
619

73,2 398
68,77 312
56,0 19291
64,4| 763
70,7 357
62,5 417
56,9 1389
67,0 1061
635 356

26,8
81,3
44,0
35,6
29,3
37,5
43,1
83,0
36.5

9 550

2580| 718

10201287

3 344
2425
5714
1114
334
6381
815
363
982
559
346
3 406
2435
2.070
1494|
717
1 268
1446
L 358

2 086
1582
3 497
675
212
390
464
518
615
349
205
2349
1627
1 439
990
507
927
945
85

62,4
65,2
61,2
60,6
63,5
61,8
569
59,4
62,6
62,4
59,3
68,8
66,8
69,5
69,5
70,7
78,1
65,4
795

1258 37,6
843 34,8
3217 38,8
439 39,4
122 36,5
241 38,2
351 43,1
350 40,6
367 37,4
210 | 37,6
141 40,7
1064 31,2
808 33,2
631 30,5
434 30,5
210 29,38
341 | 26,9
501 34,6
373 | 27,5

51 961
689

88 75.
498

65,0 18210 385,0
716: 1961284

592 650

34 244

65.0 18 406 | 35.0

30644, 19469
5 644] 3.4928
1567831 10859

63,5 11175 36,5
60,7 22921 389,3
69.3| 4814 | 30.7
        <pb n="75" />
        — 610 —

Karte Nr. I gibt die. Verhältnisse für die Tauglichen wieder.
Ordnet man die Geburtsstaaten und -provinzen nach der Höhe
der Tauglichkeitsprozente, so ergibt sich die folgende Reihenfolge:
Ostpreußen. . .
Thüringische Staaten .
Elsaß-Lothringen .. 2.0.0000
Hannover einschl, Oldenburg u. Braunschweig .
Pommern . 0.000000
Mecklenburg-Schwerin u. -Strelitz
Baden. . .
Hessen, . . +
Königreich Sachsen .
Westpreußen . . 2. 2.0. -
Provinz Sachsen einschl, Anhalt.
Württemberg . .
Hansestädte ... . .
Hessen-Nassau einschl. Waldeck.
Brandenburg . 2. 2...
Sohleswig- Holstein „0
Niederbayern , ;
Mittelfranken
Posen. .
Westfalen einschl. der beiden Lippes
Oberfranken
Schwaben
Rheinland
Oberbayern.
Pfalz .
Oberpfalz
Schlesien .
Unterfranken
Berlin

Die Prozentzahlen schwanken also in recht erheblichen Grenzen
— zwischen 73,2 %, in Ostpreußen und 56,0 % in Berlin.
Aus den oben angeführten Gründen soll auf Einzelheiten nicht
weiter eingegangen und die festgestellte Reihenfolge nicht zu besonderen
 Schlußfolgerungen über die körperliche Tüchtigkeit der Bewohner
 der betreffenden Gebiete benutzt werden. Auffällig kann es
erscheinen, daß z.B. Westpreußen, wenn auch nicht schlecht, so doch
bei weitem nicht so günstig steht, wie Ostpreußen und so den günstigen
 Stand fast des gesamten Küstengebietes, von Hannover mit
Oldenburg an, Mecklenburg, Pommern etwas unterbricht; nur Schleswig-Holstein
 zeichnet sich merkwürdigerweise im Norden durch eine relativ
geringe Tauglichkeitsziffer aus. Hinsichtlich des Küstengebietes ist
allerdings zu beachten, daß die bei der Marine als Einjährig-
        <pb n="76" />
        58

Freiwillige eingetretenen jungen Leute in unserer Statistik fehlen; ob
Aadurch eine wesentliche Aenderung in dem Gesamtergebnis bedingt
sein würde, entzieht sich leider der Beurteilung.
Besonders bemerkenswert ist die hohe Tauglichkeit der aus den
Thüringischen Staaten und den Reichslanden gebürtigen Leute. Bayern
steht durchweg unter dem Durchschnitt des Reiches. Sehr ungünstig
verhalten sich die Schlesier; und daß Berlin die niedrigste Tauglichkeitsziffer.
 aufweist, kann nach den auch sonst bekannten Erfahrungen
nicht wundernehmen.

}
ar

Wie verhalten sich nun die einzelnen Schulen hinsichtlich
 ihres Anteils an der Gesamtsumme und hinsichtlich
der Tauglichkeit ihrer Schüler — unter Berücksichtigung
von deren Gebürtigkeit?
Die folgende Tabelle gibt zunächst Auskunft, wie sich die aus
den verschiedenen Staaten stammenden Leute auf die Schularten
erteilen,
Es entfielen von den in

Gymnasien . .
Realgymnasien .
Oberrealschulen
Realschulen. .
Seminare. . .
Handelsschulen .
Industrieschulen . . .
Landwirtschaftsschulen .
Privatschulen . . .

Preußen
Geborenen

Bayern
(jeborenen

den übrigen
d. Staaten
Geborenen
abs. | %

abs. | On

abs. | Ya

L6161
4238
2536
8508
'

52,7
38
83

2914
276
54
RS
79
59
1

51,6 | 5812 37,1
49 2195 14,0
0,96: 1871 | 8,7
22,5 | 4079 26,0
76 | 880 ! 5,6
30 | 2835 | 1,5
46 1 PA 0,4)
6781 5 046]
6.94 “212

88

f

2

Progymnasien und Realprogymnasien sind, da ohne Bedeutung,
nicht mit aufgeführt, desgleichen nicht die nach $ 91 u. 89,6 W. 0.
zum einjährigen Dienst Berechtigten. Die Prozentzahlen beziehen
sich auf die in den betreffenden Staaten überhaupt Geborenen.
Die Uebersicht zeigt recht erhebliche Unterschiede in der Besetzung
 der verschiedenen Schulen. Während der Anteil der Gymnasiasten
 unter den in Preußen und Bayern Geborenen fast gleich ist
und in beiden Staaten etwas über die Hälfte aller der Statistik zugrunde
 liegenden jungen Leute ausmacht, ist er in den übrigen Staaten
wesentlich geringer und umfaßt nur etwas mehr als !/, aller Abgefertieten.
 Umgekehrt ist der Anteil der Realgymnasiasten unter den
        <pb n="77" />
        69

aus Preußen und den übrigen Staaten stammenden Leuten ganz gleich
hoch, dagegen in Bayern bedeutend niedriger. Unter den geborenen
Bayern sind ferner Schüler von Oberrealschulen nur ganz vereinzelt
vertreten — in Bayern selbst gibt es keine Oberrealschulen!) —
während sie unter den in Preußen und den aus den übrigen Staaten Gebürtigen
 ebenfalls den gleichen Prozentsatz aufweisen. Dagegen beträgt
 der Anteil der Realschulen unter den in Preußen Geborenen
mit 11,4% nur die Hällte des gleichen Anteils unter den Bayern
(22,5 9%), und er steigt bei den aus den übrigen Staaten Geborenen
noch höher an, auf 26,0%. Durch dieses Plus bei den Realschülern
wird das Minus bei den Gymnasiasten fast ganz aufgewogen — auf
die 4 genannten Schularten entfallen nämlich zusammen bei den
Preußen 86,2 %,, bei den übrigen Staatsangehörigen 85,8 % aller
Leute. Bei den Bayern reicht das Plus der Realschulen aber noch
nicht aus, das Minus der Realgymnasiasten und Öberrealschüler zu
decken; hier umfassen die 4 Schulen nur 79,9 % der Gesamtzahl.
Dafür sind unter den Bayern die Seminaristen und namentlich die
Besucher von Handels- und Industrieschulen recht bedeutend zahlreicher
 vertreten; namentlich die letzteren kommen unter den in
Preußen Geborenen nur vereinzelt vor. Die Landwirtschaftsschulen
sind dagegen unter den Preußen wesentlich häufiger als in Bayern
und den übrigen Staaten. Auffällig gering sind unter den Bayern.
die aus Privatschulen hervorgegangenen, zum einjährigen Dienst Berechtigten.
 Die in der Tabelle aufgeführten Schulen machen zusammen
 in allen 3 Gruppen ziemlich den gleichen Anteil an der
Gesamtzahl aus, nämlich bei den in Preußen Geborenen 94,6 °%,, bei
den in Bayern Geborenen 95,6 % und bei den aus den übrigen
Staaten Gebürtigen 95,1 %-Die
 folgende Uebersicht gibt nun, wenigstens für die 5 Hauptschularten,
 die Tauglichkeitsverhältnisse an.
Es waren tauglich von den Gebürtigen aus
Preußen Bayern
9771 = 60,5% 7662 = 57,0 ©
2584 E13 58 = 60,9
“"7.-63,7 , 35 = 640
3 —655 . 79 = 62.7
3 2 741 302 = Tre

unter den
Gymnasiasten .
Realgymnasiaster
Oberrealschülern
Realschülern .
Seminaristen . .

den übrig. d. Staaten
4013 == 69,0 %
1532 — 69,8 ,,
974 = 71,0 ,,
2754 = 67,5
657 DA

1) Vergl. Armee- Verordnungsblatt für 1907, Beilage zu No. 30, Gesamtverzeichnis
 derjenigen Lehranstalten, welche gemäß $&amp;amp; 90 der Wehrordnung zur
Ausstellung von Zeugnissen über die Befähigung Zum einjährig-freiwilligen
Militärdienst berechtigt sind.
        <pb n="78" />
        {U

Durchweg ‘stehen die aus Bayern Gebürtigen am ungünstigsten,
wenn auch die Unterschiede bei den Realgymnasiasten und Oberrealschülern
 den Preußen gegenüber nur gering sind. Die besten Tauglichkeitsverhältnisse
 weisen bis auf die Seminaristen die aus den
übrigen Staaten Stammenden auf,
Vergleicht man die einzelnen Schulen miteinander, so zeigen sie
bei den Preußen und Bayern die gleiche Reihenfolge, wie in der Gesamtsumme,
 nur bei den aus den übrigen Staaten Gebürtigen stehen
die Realschüler auffälligerweise am ungünstigsten, übertreffen aber
auch so noch recht erheblich die sämtlichen Schulen der anderen
beiden Staaten — mit Ausnahme der Seminare.
Worauf diese Abweichung beruht, ist schwer zu erklären.
Man konnte daran denken, daß wesentliche Unterschiede in der
Länge des Schulbesuches und in der Zwischenzeit dabei mitsprechen,
doch hat eine Auszählung nach dieser Richtung keine sicher verwertbaren
 Anhaltspunkte dafür angeben; es erübrigt sich daher auch
die Aufführung der diesbezüglichen Tabellen, welche im allgemeinen
die gleichen Verhältnisse erkennen lassen, wie wir sie für die Gesamtsumme
 festgestellt haben.

3

Es bleibt noch übrig, zu untersuchen, ob hinsichtlich der
Häufigkeit der verschiedenen Körperfehler als Untauglichkeitsgrund
 bei den einzelnen Geburtsprovinzen oder -staaten
wesentliche Unterschiede zu verzeichnen sind.
Natürlich ist es nicht möglich, die Untauglichkeitsprozente für
alle Provinzen usw. und alle Krankheiten und Fehler zu berechnen,
da die absoluten Zahlen für manche Gebiete zu klein werden würden.
Es sind daher in der folgenden Tabelle (S. 71) nur für die 4 hauptsächlichsten
 Fehlergruppen die entsprechenden Zahlen gebracht.
Hinsichtlich der allgemeinen Schwächlichkeit und
schwachen Brust stehen die in Berlin Geborenen bei weitem am
ungünstigsten; es folgen die aus den Provinzen Posen, Schlesien und
den Hansestädten Gebürtigen. Die anderen Staaten und Provinzen
zeigen verhältnismßäig geringe Schwankungen um den Gesamtdurchschnitt,
 die wenigsten Schwächlichen haben Elsaß-Lothringen,
Oberfranken, Pommern, Ostpreußen und die Thüringischen Staaten
aufzuweisen.
Was die Krankheiten des Herzens und der großen Gefäße
 betrifft, so fallen sofort die hohen Untauglichkeitsziflern in
einem Teile der bayerischen Bezirke auf; auch das Königreich
        <pb n="79" />
        71] —

Württemberg steht über dem Durchschnitt. Unter den preußischen
Provinzen steht auch hier wieder Schlesien recht ungünstig. Die geringste
 Zahl von Herzkranken haben die geborenen Mecklenburger
aufizuweisen.

Geburtsstaat,
-provinz

Ostpreußen . .
Westpreußen . .
Berlin... .
Brandenburg. . .
Pommern. . .
Posen . . .
Schlesien . . .
Sachsen, Anhalt .
Schleswig-Holstein .
Hannover, Oldenburg,
 Braunschweig
Westfalen, Schaumburg-Lippe,
 Lippe.
Hessen -Nassau, Waldeck
 . . 0...
Rheinland. . .
Oberbayern . .
Niederbayern. ®
Schwaben . . .
Unterfranken . g
Pfalz . . .
Mittelfranken. . .
Oberfranken . . .
Oberpfalz... +.
Königreich Sachsen
Königreich Württemberg
 . . 0. +4
Baden . . . «4
Hessen. . . .
Mecklenburg-Schwerin
 und -Strelitz .
Thüringische Staaten
Hansestädte . . .
PFisaß-Lothringen .

Deutsches Reich .
Ausland . . ;

Gesamtsumme . .

Darunter
Königreich Preußen
Königreich Bayern .
die übrig. d. Staaten

Von den Abgefertigten waren untauglich wegen
allgemeiner Krankheiten Augen- Krankheiten
Körperschwäche,| des Herzens rec S- der Lungen
schwacher Brust und der  ,ehler” | und des
usw. großen Gefäße Brustfells
abs. | 9% ' abs. 98 abs. ! 9 | abs. | 9%

142
122
654
320 |
115
180
491
384
194

9,6
12,2
22,2
15,0
9,5
16,3
15,8
11,9
127

59
39
144
TI
55
55
199
174
53

4,0
8,9
4,9
3,6
45
19
6.4
5,4
54

58
35
122
82
34
41
168
123
34

3,7
3,5
4,2
3,8
28
3,7
5,3
3,8
85

22
18
28
29
19
26
54
45
4

15
1,8
0,95
1,4
1,2
2,3
1,7
| 1,4
0.41

285

10,8 |!

136 ı 38 |

91

986 | 40

| 11

260

10.8

176 | 58

142

| 492

z1 91

306
658
151
38
75
102
124
113
52
47
481

12,6
11,4
18,6
11,4
11,9
12,5
14,4
{15
9,8
14,6
14.2

117
322
98
22
55
64
61
49
29
19
157

4,8
5,6
8:8
6,6
8.4
7,9
71
20
5,2
5,5
47

75
235
25
12
7
26
26
30
22
9
135

8,1 41 | 1,7
4,0 | 110 | 1,9
2,2 19 | 1,7
8,6 3 0,90
1,1 | 14 22
3,2 21 26
30 24 928
8,0 19 1,9
40 ; 11 20
2,6 6 1,7
40 83 0.97

|

192
240
176

14,6
11,6
12.3

190
83
65

7,8
4,0
‚46

82
78
44.

3,3 | 60
3,8 ) 40
3.0 20

2,5
1,9
1.4

94 181 19
126 9,9 65
221 ' 15,38 55
123 90 592

2,6 233 32, 4
51 38 80 | 15
38 | 36 | 25 | "3
38 483 32 7

0,56
0,79
0,90
13

6591 1397| 2687 |
93 : 13,5 20

5,8 | 1866 | 3,6 | 821 ' 16
9.9 20 | 29 8 12

6684 | 12,8 | 2707

5.1 | 1886 | 3,6 | 829 | 1,6

4082
702
1807

18,3 | 1529
12,5 | 395
11.5 | 768

5,0 | 1190 | 8,9 | 488
70 | 157 | 28 117
49 | 519 | 34 221

1,6
2,1
A
        <pb n="80" />
        2

Die Augenbrechungsfehler sind wiederum unter den in
Schlesien Geborenen am häufigsten vertreten gewesen; es folgen
Berlin und Westfalen mit den beiden Lippes. Günstig verhalten sich
Schwaben, Oberbayern, die Hansastädte, Hannover mit Braunschweig
und Oldenburg, Oberpfalz, Pommern. Die übrigen Provinzen und
Staaten zeigen nur geringe Abweichungen vom Durchschnitt. KEin
wesentlich anderes Bild gewinnt man aber, wenn nicht nur die
schwereren Brechungsfehler berücksichtigt werden, welche Untauglichkeit
 zum aktiven Dienst bedingt haben, sondern alle, auch die leichteren
 Grade von Augenfehlern der Betrachtung zugrunde legt. Da
im Teil VII auf diese Verhältnisse eingehend eingegangen ist, erübrigt
 sich an dieser Stelle eine weitere Erörterung darüber.
Die Zahlen für die Krankheiten der Lungen und des Brustfelles
 sind z. T. so klein, daß sichere Schlüsse kaum aus den Prozentziffern
 gezogen werden können. Von den preußischen Provinzen
stehen Posen und Westfalen erheblich über dem Durchschnitt,
Schleswig-Holstein am besten; auffällig ist die niedrige Ziffer der
Berliner. Bayern hat — mit alleiniger Ausnahme von Niederbayern
— durchweg über dem (jesamtdurchschnitt stehende Untauglichkeitsquoten.
 Von den übrigen Staaten zeichnet sich Württemberg durch
besonders zahlreiche, Mecklenburg und die Thüringischen Staaten durch
besonders wenig Lungenkranke aus.
Im übrigen bringen die Karten Nr. I1L—IV die fraglichen Verhältnisse
 besser zur Anschauung, als es viele Worte vermögen.
Faßt man die vier besprochenen Krankheitsgruppen für Preußen,
Bayern und die übrigen Staaten zusammen, so machen sie in Preußen
23,8 9%, Bayern 24,4 % und den übrigen deutschen Staaten 21,2 %,
der Abgefertigten aus. Im ganzen waren untauglich in Preußen 36,5 %,
in Bayern 39,3 %, in den übrigen Staaten 30,7 % der Abgefertigten.
Es entfallen somit auf die 4 Fehlergruppen in Preußen 65,2 %, in
Bayern 62,1 % und in den übrigen Staaten 69,1 aller Untauglichen.
Für einige der weiteren Fehler seien noch die Zahlen für die
3 Geburtsgebiete gebracht.
Es waren untauglich von den Gebürtigen aus

wegen

7
»

Fehler an den Gliedmaßen
Unterleibsbrüche
Plattfuß + &amp;amp;
Krampfadern .
Pettleibiekeit

Preußen
abs. 9%
667 — 2,2
350 = 1,1
277 = 0,90
242 — 0,79
2312 — 1.0

Bayern
2b... 9%
97 =— 1,7
72 — 1,3
58 — 1,0
32 — 0,57
36 — 0.64

den übrigen
d. Staaten
abs. 9%
255 — 1,6
140 = 0,89
140 = 0,89
64 — 0,41
61 — 0.39
        <pb n="81" />
        73

wegen

7
x

Ohrenkrankheiten .
Krankheiten des Nervensystems
Krankheiten der Harn- und
Geschlechtsorgane .
Kropf 200000
Krankheiten der Verdauungsorgane


Preußen Bayern
abs. % abs. %
306 = 1,0 59 = 1,0
169 — 0,566 63 = 1,1

den übrigen
d. Staaten
abs. %
126 — 0,80
76 = 0,48

149 — 0,48 39=0,69 54 =— 0,40
90 = 0,29 102 = 1,8 88 — 0,56
883—0,27 37=—= 066 47 = 0,30

Die größten Unterschiede weist der Kropf auf, der bei den
Bayern 6 mal so häufig als bei den in Preußen Geborenen und 3 mal
so häufig, als bei den in den übrigen deutschen Staaten Gebürtigen Untauglichkeit
 verursacht hat. In wieweit mit dieser großen Häufigkeit
des Kropfes etwa die auffällige große Zahl von Herzkrankheiten bei
den Bayern zusammenhängt, läßt sich auf Grund unseres Materials
nicht entscheiden.
Auffällig ist, daß die Krankheiten des Nervensystems bei den
geborenen Bayern doppelt so viele Untaugliche geliefert haben, als in
den übrigen Gebieten, auch die Krankheiten der Harn- und
Geschlechtsorgane, sowie der Unterleibseingeweide sind bei
den Bayern zahlreicher vertreten — soweit die kleinen Zahlen Schlüsse
erlauben.

Die äußeren Gebrechen sind bei den aus den übrigen deutschen
Staaten stammenden Leuten nicht unerheblich geringer, als bei den
Preußen und Bayern, welche letzteren in dieser Beziehung keine
besonders auffälligen Unterschiede erkennen lassen.
Daß bei den in Preußen Geborenen: die Fettleibigkeit so
wesentlich häußger zur Untauglichkeit geführt hat, als bei den übrigen
Leuten, muß in Anbetracht des doch meist noch recht jugendlichen
Lebensalters der Untersuchten als ein nicht gerade sehr günstiges
Zeichen angesehen werden.
Ueberblickt man noch einmal kurz die vorstehenden Erörterungen,
so ergibt sich, daß die größere Untauglichkeit der in Bayern
Geborenen im wesentlichen gerade durch Fehler organischer
oder konstitutioneller Art bedingt ist: die Krankheiten der
Zirkulations- und Respirationsorgane, des Nervensystems.
der Harn- und Geschlechtsorgane und des Unterleibes, endlich
 der Kropf sind bei den Bayern durchweg häufiger verzeichnet,
 als bei den übrigen Leuten. An der durchschnittlich
größeren Untauglichkeit der in Preußen Geborenen gegenüber den aus
        <pb n="82" />
        den übrigen Staaten Gebürtigen sind fast alle in Betracht gezogenen
Krankheiten und Fehler beteiligt.
In Anbetracht der immerhin kleinen Zahlen und unter Berücksichtigung
 der im Anfang dieses Abschnittes dargelegten Schwierigkeiten
 hinsichtlich der Bewertung des Geburtsortes ist es natürlich
nicht angängig, aus diesen Verschiedenheiten irgend weitgehendere
Schlüsse zu ziehen.
Die verschiedene Besetzung der einzelnen Schularten und dadurch
bedingte Verschiedenheiten in dem früher oder später erfolgenden
Eintritt der jungen Leute in die berufliche Tätigkeit, Verschiedenheiten
 in den jeweilig bevorzugten Berufen. selbst, Unterschiede in den
sozialen und vor allem sozial-hygienischen Verhältnissen, klimatische
Einflüsse u. a. m. mögen dabei mitsprechen.
Auf Grund des. vorliegenden Zählkartenmaterials lassen sich
alle diese Faktoren nicht erforschen, zumal die kleinen Zahlen
an sich eine weitere Differenzierung nach Schularten, Schulbesuchs-
 und Zwischenzeitdauer verbieten; es muß späteren Untersuchungen
 an der Hand eines noch umfangreicheren Materials überlassen
 bleiben, soweit überhaupt möglich, über diese Fragen nähere
Kenntnis zu erlangen.
        <pb n="83" />
        V. Ueber die Körpergröße der zum einjährigen Dienst
Berechtigten.

Für die Beurteilung der Körperbeschaffenheit von Militärpflichtigen
 ist es von Bedeutung, auch über die Größe der Leute einerseits,
sowie über die Beziehungen zwischen dieser und dem Körpergewicht
andererseits zahlenmäßige Unterlagen zu erhalten.

In erster Linie interessiert, wie groß die Leute überhaupt
sind, bzw. wie sie sich auf die einzelnen Körpergrößen verteilen.
 Es hat natürlich keinen Zweck, diese Verteilung für jedes
Zentimeter der vorkommenden Größen vorzunehmen, es seien daher
in folgendem die Angaben für Gruppen von je 5 cm gebracht.
Es entfielen von sämtlichen abgefertigten jungen Leuten mit der
Berechtigung zum einjährigen Dienst auf die Größengruppen.
Einj.-Freiwillige Sonstige Militärpflichtige
258 058 8,7 9%
) 9,2 N”
25,5
30,5
21,2
© 9 ”
ZU m
52 479 — 100,0 100,0
Für 171 Mann war die Größenangabe auf den Zählkarten unterblieben.

Die ganz kleinen Leute, unter 155 cm, sind bei den zum einjährigen
 Dienst Berechtigten nur ganz vereinzelt vertreten; der Anteil
an den einzelnen Gruppen steigt dann bis zur Gruppe von 171 bis
175 cm an, um in den nächsten beiden ziemlich erheblich abzufallen.
Neben den Zahlen für die zum einjährig-freiwilligen Dienst Berechtigten
 sind die gleichen Zahlen für die in den Jahren 1904 bis
1906 bei den Aushebungsgeschäflten vorgestellten sonstigen Militärpflichtigen
 aufgeführt. Bei einem Vergleich der beiden Zahlenreihen

,r
        <pb n="84" />
        {€

ist allerdings zu beachten, daß sich die Zahlen der sonstigen Militärpflichtigen
 auf alle überhaupt vorgestellten Leute beziehen, also auch
auf die als zeitig untauglich Zurückgestellten, während unser Material
nur die endgültig Abgefertigten umfaßt.
Immerhin lassen die Zahlen doch einen gewissen Vergleich Zu,
und da zeigt sich (Tafel 7), daß die zum einjährigen Dienst
Berechtigten bedeutend größer sind, als die anderen Militär-Tafel

 7.
“Don je 700
endgültig abgefertigten zum untersuchten sonstigen
1] einjährigen Dienst Derechtigten ON Militärpflichtigen
hatten ei- Varmarıröße von

bis 155 cm

756-160cm V767- 5 se

"Kom ı 1776-180cm | über 180cm

in

28

26

14

19

70

B

£

f

pflichtigen. Bei diesen entfällt der größte Anteil mit 30,5 %, auf
die Leute von 166—170 cm — bei den Schülern der höheren Schulen mit
29,8 °%/, auf die Gruppe von 171—175 cm. Zu den großen Leuten von
171 cm und darüber zählen bei den sonstigen Militärpflichtigen nur
31,1 %, bei den zum einjährigen Dienst Berechtigten dagegen 54,3 Us
also mehr als die Hälfte. Die ganz großen Leute von über 180 cm
Körperlänge sind bei letzteren allein 3,5 mal so zahlreich vertreten,
als bei den ersteren.
        <pb n="85" />
        {7

Diese interessante Erscheinung steht nicht vereinzelt da; so beberichtet
 z. B. Bruinsmal), daß in den Niederlanden die aus höheren
sozialen Schichten stammenden jungen Leute, wie Freiwillige, Ka-Jetten
 usw. größer sind, als die aus den niederen Schichten stammenlen
 Milizen; er führt dies größere Wachstum auf die bessere Ernährung
der ersteren zurück.
Bruinsmas Zahlen haben den Vorzug, daß sie sich auf junge
Leute des gleichen Lebensalters beziehen, während unser Material die
verschiedensten Lebensalter umfaßt. Die beim Aushebungsgeschäft
vorgestellten Leute gehören ja zum überwiegenden Teile dem 20. bis
22, Lebensjahre an, ältere sind nur in verschwindend kleiner Zahl
Jarunter — bei den zum einjährigen Dienst Berechtigten sind dagegen
prozentual bedeutend mehr ältere Leute vorhanden, aber auch die
jüngeren Altersklassen unter 20 Jahren, welche bei den sonstigen
Militärpflichtigen ganz fehlen, sind bei unserem Material in nicht zu
vernachlässigender Zahl vertreten. Wenn man daher auch daran
denken könnte, daß der stärkere prozentuale Anteil der größeren
Körperlängen durch das höhere Lebensalter der zum einjährigen Dienst
Berechtigten bedingt sein könnte, so würde deren Uebergewicht wohl
sicher durch die jüngeren Leute wieder ausgeglichen.
So kann man wohl mit einiger Sicherheit behaupten, daß tatsächlich
 die unserer Statistik zugrunde liegenden Militärpflichtigen
Aurchschnittlich recht erheblich größer sind, als die große Masse der
sonstigen im dienstpflichtigen Alter stehenden männlichen Jugend, und
man wird wohl auch bei uns den besseren sozialen Verhältnissen,
ınter denen die Schüler der höheren Schulen aufwachsen, insbesondere
ler besseren Ernährung, einen bestimmenden Einfluß zuschreiben
dürfen ®).

1) G. v. Bruinsma, De vermeedering van de lichnaamslenghe der mannejjjke
 bevolking von Nederland, Mil, Geneesk. Tijdschrift 1907, 5, 206.
2) Anm. bei der Korrektur: Auch Evert hat in seiner inzwischen erschienenen
 Arbeit „Die Herkunft der deutschen Unteroffiziere und Soljaten
 am 1. Dezember 1906“ (Zeitschr. des Königl. Preuß. Stat. Landesamtes,
Ergänzungsheft XX VI) die größere Körperlänge der Einjährig-Freiwilligen gegeniber
 den Mannschaften nachweisen können; die durchschnittliche Größe betrug
ei den ersteren 171,62, bei den letzteren 167,49 cm. Da Kvert gleichzeitig
nachweisen konnte, daß von den Einjährig-Freiwilligen verhältnismäßig wesentlich
mehr aus Mittel- und Großstädten stammen, als von den Mannschaften, andererseits
 die Körperlänge bei den in den genannten Städten Geborenen eine merklich
zrößere ist, als bei den vom Lande oder aus Kleinstädien stammenden, so ist in
diesen Verhältnissen vielleicht ein weiterer Faktor für das stärkere Wachstum der
zum einjährie-freiwilligen Dienst Berechtigten zu suchen.
        <pb n="86" />
        78

Wie verhalten sich nun die Körpergrößen bei den Tauglichen
 und den dauernd Untauglichen?
Es entfielen
auf die
Gruppe
bis 155 cm
156—160 cm
161—165 cm
166—170 cm
171—175 cm
176 —180 cm
über 180 em

Untauglichen
188= 1,0%
B- 4,4 ”
77 7.2 15,0
a 281
‚K— Bl
„059 =— 16,7 „
12917— 67

ZOR
) 341
0521
5205 -
2389 - 8
34 903 — 100.0 „ 18276= 100.0 „

Es ist hiernach eine gewisse Verschiebung in den Prozentanteilen
der einzelnen Gruppen eingetreten und zwar bei den Untauglichen zugunsten
 der kleinen Leute bis zu 165 cm Körpergröße, bei den Tauglichen
 zugunsten der mittleren und großen Leute. Die größten Differenzen
zwischen den beiden Kategorien weisen die kleinen Leute auf, während
der Unterschied bei den ganz großen Leuten nur sehr gering ist.
Für einen großen Teil der die Untauglichkeit bedingenden Krankheitszustände
 kommt ja auch die Körpergröße gar nicht in Frage;
im wesentlichen werden es die Zustände der allgemeinen Schwächlichkeit
 und die Lungenkrankheiten sein, bei denen die Körperlänge
unter Umständen eine Rolle spielt. Es ist deshalb für diese beiden
Gruppen die Körpergröße besonders ausgezählt, worüber die folgende
Tabelle das Nähere enthält.
Von den wegen allgemeiner Schwächlichkeit und wegen
Erkrankungen der Lungen Untauglichen hatten eine Größe

von
bis 155 cm
156—160 ..
161—165
166—170
171—175
176— 180 „
über 180 ..

Summe .

91 1,2
383 = 5,1
1227 = 16,5
2027 — 27,2
1943 =— 26,1
HL — 15,7
6n7- 8,1
99.9

Bei 64 hierzu gehörigen Leuten war die Körpergröße auf den Zählkarten
nicht angegeben.
Die Unterschiede in den Prozentanteilen der einzelnen Größenyruppen
 gegenüber denjenigen bei den Untauglichen insgesamt sind
        <pb n="87" />
        (9

nur gering; die Gruppen der kleinen Leute bis 165 cm sind noch
etwas stärker besetzt, die mittleren und die großen Leute bis 180 cm
sind etwas weniger zahlreich, die ganz großen Leute weisen wiederum
einen stärkeren Anteil auf.
Dieses Ergebnis kann wohl als überraschend angesehen werden.
Es ist eine durch mehrfache Untersuchungen bewiesene Tatsache,
daß unter den Leuten mit ausgesprochenen Lungenkrankheiten oder
wenigstens mit ausgesprochener Disposition zu einer solchen die
höheren Körpergrößen zahlreicher vertreten sind als bei Leuten ohne
derartige Krankheiten oder Krankheitsanlage).
So konnte man zunächst vermuten, daß sich die gleichen Verhältnisse
 auch bei den ausdrücklich wegen allgemeiner Schwächlichkeit,
 schwacher Brust und wegen Krankheiten der Lungen und des
Brustfelles Untauglichen ergeben würden. Aber gerade das Gegenteil
 ist der Fall; nur die ganz großen Leute über 180 cm sind etwas
zahlreicher, sonst sind gerade die großen und mittleren Leute von
166—180 cm weniger zahlreich und die kleinen Leute bis 165 cm
zahlreicher vertreten.
Nun muß man ja dabei berücksichtigen, daß unter den in obigen
Untauglichkeitsgruppen zusarmhmengefaßten Leuten sich nicht wenige
befinden, bei denen es sich nur um ein Zurückgebliebensein der
ganzen körperlichen Entwickelung, schwache Muskelentwickelung usw.,
ferner um eine Schwächung des Körpers nach kurz vorher überstandenen
 Krankheiten handelt. Aus den Zählkarten ließen sich nähere
Einzelheiten nicht ersehen. Vielleicht würde sich der Anteil der
Größengruppen anders und zwar zugunsten der großen Leute verschoben
 haben, wenn man nur die wegen ausgesprochener Lungenkrankheiten
 Untauglichen berücksichtigt hätte, Bei der Schwierigkeit
der Abgrenzung dieser verschiedenen Zustände und bei der‘ verhältnismäßig
 geringen Zahl der auf den Zählkarten notierten Lungenleiden
(rund 800) ist von einer diesbezüglichen, gesonderten Auszählung
Abstand genommen. Es muß weiteren Untersuchungen vorbehalten
bleiben, über diese Verhältnisse Klarheit zu verschaffen.

1) Vergl. z. B. Gottstein, Statistische Tabellen über den Brustumfang der
Phthisiker, Medizinische Reform, 1905. S. 14. — Schwiening, Ueber Körpergröße
 und Brustumfang bei tuberkulösen und nichttuberkulösen Soldaten. Deutsche
militärärztl. Zeitschr. 1906, No. 5. — Florschütz u, Mollwo, Die Konstitutionsminderwertigkeit
 in ihrer Bedeutung für die frühzeitige Feststellung des Vorhandenseins
 einer Veranlagung zur Tuberkulose. Zeitschr, f. d. gesamte Versicherung
 s- Wissenschaft. Ba. VII. 1908. S. 508.
        <pb n="88" />
        30

3

Es war des weiteren von Interesse, zu sehen, wie sich in
jeder der Größengruppen das Verhältnis von Tauglichen zu
Untauglichen gestaltet hat. ;
Von je 100 zu jeder Größengruppe gehörigen Leuten waren
tauglich untauglich

—155 cm
L56—160
(L61—165
L66—170 „
171—175
176—180
äber 180
insgesamt

BAR

72,9
16,8
39,1
34,8
32,8
33,0
33,6

Bei der Beurteilung der überaus niedrigen Tauglichkeitsziffer bei
den ganz kleinen Leuten ist zu berücksichtigen, daß zu diesen auch
lie Leute mit einer Größe von weniger als 154 cmegehören, welche
schon wegen dieses Mindermaßes allein für untauglich erklärt werden
nußten. Dann steigt, wie auch Tafel 8 besonders deutlich erkennen
läßt, die Tauglichkeitsziffer konstant bis zur Gruppe 171—175 cm an
and fällt in den beiden folgenden Gruppen wieder um ein Geringes.
Es zeigt sich also, daß die Leute mittleren Schlages die meisten
Tauglichen geliefert haben, daß aber auch die großen und ganz großen
Leute nur wenig nachstehen. Diese letztere Tatsache ist von besonjerer
 Bedeutung; es ist schon oben erörtert, daß im allgemeinen angenommen
 wird, daß vielfach die Menschen von besonders hoher
Körperlänge nicht zu den kräftigsten gehören.
Es ist daher untersucht worden, wie sich die wegen allgemeiner
Schwächlichkeit usw. und Lungenkrankheiten Untauglichen in dieser
Beziehung verhalten,
Von je 100 zu jeder Größengruppe gehörigen Leuten
waren aus den oben genannten Gründen

untauglich

—155 cm
156—160
161—165
166—170
171—175
175—180
über 180
Durchschnitt 14,4

34,9
22,2
19.4
34
. 12,4
12,5
16.7
        <pb n="89" />
        Es zeigt sich also auch hier, daß wenigstens unser Material die
allgemeine Annahme nicht bestätigt; im Gegenteil nimmt die Zahl
Jer wegen Körperschwäche . und Lungenkrankheiten Untauglichen
konstant ab, je größer die Leute sind, nur in den beiden letzten
Gruppen steigt ihre Zahl wieder etwas an, bleibt aber prozentual
Tafel 8.

UVDon je 100 zu jeder Körpergröße gehörigen, Zum
einjährigen Dienst berechtigten jungen Leuten
UI TOLL

bis 155 cm

es
a
DD
Zauglich unliaao.

a

TE

ED
Schwächlichkeik,
Runoonkrank hoitoen

156-7160 cm

167-765 C#2

766-7170 CH

1771-1756 CHL

776 - 780 CP

zr———n———————

über 180cm

noch weit unter derjenigen bei den Leuten von kleiner Statur und
ibertrifft den Gesamtdurchschnitt nur um ein Weniges (Tafel 8).
Eine weitere Frage ist, wieviel von den in jeder Größenzruppe
 Untauglichen auf die allgemeine Schwächlichkeit
asw. und auf Lungenkrankheiten entfallen; es war unter 100 zu
Veröffentl. aus dem Gebiete des Milit.-Sanitätsw. 40. Heft.
        <pb n="90" />
        32

jeder Größengruppe gehörigen Untauglichen die Untauglichkeit durch
lie genannten Zustände bedingt bei

—155 om 47,9
156—160 47,4
161—165 44,6
166—170 39,1
171— 175 37,8
EN
über 180 „ ... . 49,5
Durchschnitt 40,9
Auch hier ist das sich darbietende Bild ein ähnliches; der Anteil
ler .Schwächlichkeitszustände und der Lungenkrankheiten an der Zahl
der Untauglichen nimmt mit zunehmender Körpergröße bis zu 175 cm
arheblich ab, hält sich in der Gruppe von 176—180 cm trotz einer
veringen Zunahme noch unter dem Gesamtdurchschnitt und steigt nur
bei den ganz großen Leuten über 180 cm erheblich an, hier fast
lic Hällte aller Untauglichkeitsgründe ausmachend.
Es zeigt sich also bei der Betrachtung von den verschiedensten
Gesichtspunkten aus, daß wohl unter den Leuten der größten Staturen
atwas mehr schwächliche, zu Lungenkrankheiten disponierte oder an
solchen leidende Personen sich finden als unter den mittleren Körperzrößen,
 daß aber bei unserem Material die kleinen Leute noch
wesentlich ungünstiger in dieser Beziehung stehen.
Leider fehlen Vergleichszahlen aus anderen Bevölkerungsgruppen,
namentlich, wie sich die: sonstigen Militärpflichtigen nach dieser
Richtung verhalten; jedenfalls kann man wohl sagen, daß bei unseren
jungen Leuten mit zunehmendem Wachstum — bis zu einem gewissen
Grade — auch die sonstige körperliche Entwickelung Schritt gehalten
 hat.

4.
Daß die einzelnen Schularten große Verschiedenheiten hinsichtlich
 der Körpergrößen aufweisen werden, ist a priori nicht schr
wahrscheinlich, wenn ja auch gewisse soziale Verschiedenheiten, auch
die verschiedene Länge der Schulzeit fördernde oder hemmende KEinlüsse
 auf das Wachstum anszuüben vermögen. In folgender Uebersicht
 sind die fraglichen Zahlen aufgeführt, jedoch nur für die
5 Hauptschularten, da die kleinen Zahlen der übrigen Schulen sichere
Ergebnisse für die prozentuale Verteilung der einzelnen Größengruppen
loch nicht erwarten lassen.
Die Summen weichen in geringem Maße von den S. 8 für die
ainzelnen Schulen aufgeführten Zahlen ab, da, wie schon oben erwähnt,
lie Körnergröße nicht auf allen Zählkarten vermerkt war.
        <pb n="91" />
        30

Größen-Gymnasien



Realoymnasien


Oberrealschulen


Realschulen |

Seminare

zrTuUpPG

abs. | 9% '

abs. | 0

abs. | 0/6

abs. | 0

abs. | %o

Bis 155 cm.
‚56 — 160 cm
(61—165 cm. |
166—170 cm .
171— 175 cm .
176— 180 em.
iiber 180em.

11} 0,38
123 4,2
443/ 15,2
310! 31,8
8351| 29,38
415| 14,3
152) 5,2
Summe | 25158! 100.0 | 6769| 100,0 | 4016| 100.0 | 8925| 99.9 | 2905| 99,9

ax

Tafel 9

Von je 100 aus der befreffenden Schule kervorgegangenen
zum einjährigen Dienst berechtigten jungen Leuten
halten eine Körpergröße von
Lis 165cm

Gymnast zum \Realg ymmnasium) Oberrealschule

Realschule ' Seminar

4

‚2

BP

Sehr wesentliche Unterschiede sind hiernach bei den verschiedenen
 Schularten nicht festzustellen; am geringsten sind die Schwankungen
 der prozentualen Anteile bei den mittleren Größen von 166
bis 175 cm; etwas erheblicher bei den kleinen und großen Leuten.
        <pb n="92" />
        RA

Etwas klarer treten die Differenzen hervor, wenn man die Größenzruppen
 mehr zusammenfaßt, wie in folgendem geschehen:

Von je 100 Leuten entfielen auf die Gruppe
bei den — 165 cm 166 —175 cm über 175 cm
Gymnasien .. 16,1 57,6 26,3
Realgymnasien . 17,7 56,2 26,1
Oberrealschulen . . 15,3 59,7 25,0
Realschulen .... 7 58,9 21,3
Seminaren. ... en 60,6 19.5

Die meisten großen Leute haben also die Gymnasiasten aufzuweisen,
 die wenigsten die Seminare; die meisten kleinen Leute finden
sich dementsprechend auch bei den Seminaren, während die wenigsten
kleinen Leute unter den Oberrealschülern vertreten waren (Tafel 9).
Auch bei dieser Gruppierung weist die mittlere Größe verhältnismäßig
 geringe Differenzen auf.
Irgendwelche Schlüsse lassen sich aus den mitgeteilten Zahlen
Kaum ziehen.

5

Dor Vollständigkeit halber seien noch entsprechend der Uebersicht
 auf S. 80 Angaben gebracht, wie sich die Tauglichkeit und
Untauglichkeit in jeder Größengruppe bei den einzelnen Schulen
vestellt hat.

4 CS
Do
35
328
233
as
XS
=

em

Bis 155
‚56—160
61—16%
66—17C
71—177
1 76-—18C
iber 180

Gymnasien

Es waren

&amp;amp; |  untauglich
 itauglich
he | 0/. lahe 10/7

26/19,1| 110180,9
356/46,3 413 58,7
787/53,9.1345/46.1
1381 62,5/2624 37,5
1823164.4.2671 35,6
3019 65.0 1623 85.0
1988.65.1 69234 0

Realgymnasien
Es waren

tauglich '

untauglich


abs. 1 9/.

aha 1 9/.

18/29,5/ 31|70,5-(12/50,5|
 110 49,5
549159,3 377:40.7
137/68,1 364|86,9
312 65,4 04/5661
384 68,0 4111817
296168 6| 14931 -

Oberrealschulen
Es waren

£ Ntauglich
 | auglich
ahs.'0/ lahe 04

654.5'
63'558
310 63,5
310:70,6
365:69,2
192 68,2
76 E02

5/45,5
5044,2
178/36,5
33729,4
385/30,8
228181,°
116180 =

Realschulen
Es waren

Es untauglich
 | katerlich

aha 10% |

abs! 0/a

15/29,4
HC
814160,5
798167,2
801:69,8
952/65,9
31 9168 2

36170,6!
160144,3
532189,5
379 32,8
778/80,°
“9284,
14Qi9Q21

Seminare
Es waren

ı taugli unglich
 |tauglicl
abs. ! 9/- abs. | 07

4/36,4! 763,6
92 74,8| 31125,2
324|73,1/119/26,9
676174,3/234125,7
518 72,6/288/27,4
302 72,8 113 272
110179 41 490976

Summe 115680162,3.9478137.714333|64.02436|86,012722167,7| 1294 |32,3]5900 66.118025188,9|2 126|73,2|779|26.

Tafel 10 gibt die Ergebnisse der vorstehenden Tabelle bildlich
wieder.
Zunächst ergibt sich, daß auch hier in fast allen Größenzruppen
 die aus Gymnasien hervorgegangenen Leute die
niedrigsten Taueglichkeitsziffern haben, demnächst die Real-
        <pb n="93" />
        =)

oymnasien; nur bei den großen Leuten von 175—180 bzw. über
180 cm stehen die Öberrealschulen bzw. die Realschulen um ein
FJeringes ungünstliger.
Gegenüber den Prozentzahlen für den Gesamtdurchschnitt (S. 80)
weichen die Gymnasien und Realgymnasien insofern etwas ab, als
bei ihnen die höchste Tauglichkeitsziffer nicht auf die Gruppe
171—175 cm entfällt, sondern bei den größten Leuten über 180 em

Tafel 16.

- ee Te IRB EC ber 180m
_155CmM 1186 16EN- 100 vorm [IRB mar E46 Cr TE R-180cm Viber180cm

'0

fl

30

LO

Von je 700 zu jeder Größengrunpe
gehörigen Leuten waren tauglich
beiden

In

D=+
glich

63,6:
25,2
26,9
25,7
27,4
237,2
‚97.6

196.8

en Ga STASTEN
_— Realgymnasiasten
:Oberrealschuülern
‚Realschülern
_Serminaristen

{

sich findet; es steigt also die Tauglichkeit bei diesen Schulen ganz
konstant mit zunehmender Körpergröße an. Bei den Oberreal- und
Realschulen weisen dagegen die Leute von mittlerer Größe, 166—170
bzw. 171—175 cm, die meisten Tauglichen auf. Auffällig ist das
Verhalten bei den Seminaristen; bei ihnen haben zwar auch die
kleinsten Leute unter 155 cm die wenigsten Tauglichen gehabt, dann
steigt aber die Tauglichkeitsquote schon in der nächsten Gruppe steil
an und hält sich in allen folgenden Gruppen mit geringen Schwankungen
 auf der gleichen, dem Gesamtdurchschnitt entsprechenden
Höhe.
        <pb n="94" />
        86

Hierbei ist. wohl namentlich an den schon’ oben (S.' 9) be-»ührten
 Umstand zu denken, daß die Seminaristen die Wahl haben,
5b sie als Einjährig-Freiwillige dienen wollen, und so sich wahrscheinlich
 nur die Kräftigsten von ihnen dazu melden — durch diese
sozusagen freiwillige Auslese wird natürlich der Einfluß der Körporzrüße
 bis zu einem gewissen Grade ausgeschaltet.
Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die Untauglichen verteilen
auf die allgemeine Schwächlichkeit und die Lungenkrankheiten eincrseits
 und auf die sonstigen Körperfehler andererseits.

Gymnasien | Realgymnasien | oberreatschuten | Realschulen | Seminare

Von den Abgefertigten jeder Schule waren untauglich wegen

Zei einer
Körperrröße
 von

am

Bis 155
56—160
L61—165
66—170
.71—175
.76—180
iiber 180

- &amp;amp;
SS8 2.
E78 Sa
Sa ET gs | No
SE =
A 9
8, N
abs. | 9% lab |

50/86,8| 60'44,1
171/22,2! 24231,5
354|17,7| 791 28,4
926|13,2/1698 24,8
315/12,2/1756 23,4
78| 12,5/1045/22,5
3838|17.11 354|17.,8'

Sag 5
Ss es 5a
A a’S EC
ESS 18
F „Ag SS
am PS
Ca io
Na Si
abs. | 9% [abs] %

PER
© © ©
Sa
5 SS
37
ae
5S
A2-abs.)
 0/9 labsıl 9

(431,8!
5625,92
190 20,5
291 16,2,
265/18,2'
‘58/11,8'
80'168:

L7/38,7 827,3/ 218,2
54/24,3' 27,23,9 28/20,3
18720,2} 89/18,2| 89/18,8
373 20,7|171 14,9/166 14,5
429121,4}145 11,6/240/19,2
258125,9) 98/13,7/125|17,5
6914.6 356|19.2' 60120.A

| S
Se 5a
a a8 DE
3 X
x 7 SS
S RS
S &amp;gt;
abs. | 9/ ı abs. l 9%

18/35,3| 18135,8
87241) 78120,8
262 Hy 270/20.0
101.15,0 478 17,8
386/15.0' 392/15.2
295 150 26718,
80.17.1 681146

I

Saga 3
298 52
SE SS
A| 8
da as
ae 8 Sa
SS’ SS
NM =
ads.| On | ads.) 0%

4'86,4| 327,2
16/13.0/ 15/122
35/12.4| 64/145
94110.3/140115.4
39 10,5 144/16,8
421101 711171
20118,2° 22/14.4

Summe [o552|14,015946'23,7|1049]15,5/1387]20,5J589 14,7 705/17,6]1459/16,4/1566117,5[820/11,01459 15.8

Entsprechend dem Gesamtdurchschnitt, wie er S. 80 angeführt,
verhalten sich auch die Angehörigen der einzelnen Schulen; die
&amp;lt;leinen Leute haben fast durchweg die meisten Schwächlichen und
Lungenkranken gehabt, ihr Prozentanteil fällt mit steigender Körperzröße,
 nur in den beiden letzten Größengruppen, z. T. sogar nur,
in der letzten ist wieder eine geringe Zunahme nachzuweisen, die
Zahlen bleiben jedoch auch hier stets recht erheblich hinter denjenigen
 der kleinen Leute — bis 160 bzw. bis 165 cm — zurück.
Auch die sonstigen Fehler zeigen im allgemeinen eine Abnahme
mit steigender Körpergröße — doch ist sie nicht so regelmäßig,
auch schwanken die Zahlen —- wenigstens bei den mittleren Größen —
z. T. nur in recht geringen Grenzen. Bei den Seminaren ist sogar
von der Gruppe 156—160 cm zur Gruppe 176—180 cm ein konstantes
 Ansteigen der sonstigen Fehler zu bemerken.
Diese auch bei den einzelnen Schulen zutage tretende günstige
        <pb n="95" />
        87

ä
7

&amp;gt;
Da
m
&amp;gt;
X

Ho

7,2
2,2
4,5
54
18
1

5.8

Stellung der großen Leute muß, wie schon oben erwähnt, als ein
recht erfreuliches Zeichen angesehen werden. Ks ist ja in. letzter
Zeit vom Verfasser und einigen anderen Autoren eine merkliche Zujahme
 der Körpergrößen der militärpflichtigen Jugend bei uns, wie
anderwärts, nachgewiesen).
Das Material, auf welches sich diese Untersuchungen über die
Größenzunahme stützen, betrifft zwar im wesentlichen die große
Masse der Wehrpflichtigen, es ist aber doch wahrscheinlich, daß eine
derartige zunehmende Wachstumstendenz auch bei den zum einjährigen
Dienst Berechtigten sich bemerkbar macht — leider fehlen Vergleichszahlen
 aus früheren Jahren, um das sicher nachweisen zu können.
Wenn aber diese Annahme zutrifft, so ist es um so wertvoller, daß
zerade mit zunehmender Körpergröße die Tauglichkeit zunimmt, und
daß auch die großen und ganz großen Leute nicht schlechter stehen,
sondern im Gegenteil die Tauglichkeit der kleinen Leute bei weitem
äberragen — bedeutet doch unter diesen Umständen die Abnahme
ler kleinen und die Zunahme der großen Leute in doppelter Beziehung
zinen Gewinn an körperlich tüchtigen, diensttauglichen Leuten für
las Heer.

0

Von besonderem Interesse ist die Verteilung der Größen
nach der Gebürtigkeit aus den verschiedenen Staaten und
Provinzen. Die folgende Tabelle (S. 88) gibt darüber Auskunft, zur
jesseren Uebersichtlichkeit sind nur 3 Größengruppen aufgeführt,
welche einen ausreichenden Blick über die obwaltenden Verhältnisse
yestatten. .
Die Anordnung der Staaten und Provinzen ist die gleiche wie in
den früheren gleichartigen Tabellen.
Man sieht, daß die Körpergrößen je nach dem Geburtsstaat usw.
"echt erheblichen Schwankungen unterliegen. Am geringsten sind
liese wiederum bei den Leuten mittlerer Größe; deren Prozentanteil
an der jeweiligen Gesamtzahl der Abgefertigten schwankt nur zwischen
52,5 % in den beiden Mecklenburg und 63,3 % in Oberfranken und
der Oberpfalz, das macht eine Differenz von 10,8 = 17,1 % der

1) Vgl. Schwiening, Ueber die Zunahme der Körpergröße der militäroflichtigen
 Jugend in den europäischen Heeren, Deutsche militärärztl. Zeitschr.
1908. H. 10. — Daae, Ueber die Zunahme der Körpergröße der militärpflichtigen
Jugend in Norwegen. Ebendas. H. 17. — Die Zunahme der Körperlänge bei den
vorgestellten Militärpflichtigen in Württemberg. 1893 -—1907, Mitteilungen des
Königl. Statistischen Landesamts, Stuttgart. 1908, No, 9.
        <pb n="96" />
        38

Geburtsstaat, -provinz

Istpreußen .
Westpreußen
Berlin .
3randenburg .
Pommern ..
Posen . .
Schlesien . . .
Sachsen, Anhalt. .
5Schleswig-Holstein . . . 2
Hannover, Oldenburg, Braunschweig .
Westfalen, Schaumburg-Lippe, Lippe .
dessen-Nassau, Waldeck
Xheinland . .
Iberbayern.
Niederbayern
Schwaben .
Unterfranken
Pfalz. .
Mittelfranken
Oberfranken
Öberpfalz . . .
Königreich Sachsen . .
Königreich Württemberg
Baden . . .
Hessen . 0.0.00.00000004000404
Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz
Thüringische Staaten . .
Jansestädte . .
Klsaß-Lothringen. . .

Deutsches Reich .
Ausland .

Gesamtsumme .

Darunter
Königreich Preußen. . 0
Königreich Bayern . . . +00.
lie übrigen deutschen Staaten

Von den Abgefertigten waren groß
bis 165 cm |166—175 cm | 176 cmu.mcehr
abs. | % | abs. | 9% | abs, | %

223
162
582
394
208
211
47
6)
39
+80
188
57
7194
213
56
‚32
73
‚61
243
16
77
729
304
358
285
82
327

15,2
16,8
19,9
18,4
71
9,0
21,2
'7,9
10,2
‘3,6
4,7
‘8,9
18,9
19,2
‘6,8
20,9
21,8
18,7
34,8
20,8
22,8
21,4
16,2

861
568
1726
1935
678
668
1741
1882
568
1982
1388
1879
3877
680:
204
870
509
519
585
354
219
‚966
1462
244
848
376
738
897

58,8 380
57,0 266
58,9 620
57,7 511
55,4 385
60,2 230
57,1 362
58,8 745
58,3 307
56,1 073
56,8 42
57.1 581
59,3 528
61,0 221
61,1 74
58,6 129
625 132
60,1 188
59,8 151
68:3 89
63,3 50
57,8 709
60,1 575
60,1 467
594 341
52,5 259
58,3 300;
545 . 476
609 399

26,0
26,7
21,2
23,9
27,5
20,7
21,7
28,3
31,5
30,3
28,5
24,0
26,8
19,8
22,1
20,5
16,2
21,2
15,4
15,9
14,4
20,8
28,7
22,6
24,0
36,1
28,7
32,9
949

fr

.

202

3898
Kr

17,2
112

30227
407

58,4
59.1

12665 | 24,4
205‘ 29.7

2975 | 17.1 !30634'

584

12870 | 24.5

5118 | 16,8
1171 | 20,8
2609 ! 16.7

17659 57,9 7717
3440 61,0 | 1029
‚ 9198| 384 | 3919

25,3
18,2
950

Höchstzahl; die kleinen Leute waren dagegen am zahlreichsten in
Mittellranken mit 24,8 %, und am wenigsten in Schleswig-Holstein
mit 10,2 % vertreten — also ein Unterschied von 14,6 = 58,9 %
Jer Höchstzahl. ‚Die großen Leute endlich wiesen den höchsten Anteil
 in den beiden Mecklenburg mit 36,1 %,, den niedrigsten Anteil
in der Oberpfalz mit 14,4%, auf, die Differenz beträgt somit
21,7 = 60,1 % der Höchstzahl,
Auf der Karte Nr. V ist die Verteilung der großen Leute über
175 cm graphisch dargestellt.
        <pb n="97" />
        89

Es ist bemerkenswert, daß das ganze nördliche Gebiet Bayerns
Unter-, Ober- und Mittelfranken sowie die Oberpfalz — die
wenigsten großen Leute hervorgebracht hat; es schließt sich mit
atwas höheren, aber immer noch erheblich unter. dem Gesamtdurchschnitt
 bleibenden Ziffern nordöstlich das Königreich Sachsen, dann
lie Provinz Schlesien und die Provinz Posen an; durch. besonders
niedrige Prozentzahlen der großen Leute zeichnen sich dann noch
aus. Berlin, Oberbayern, Schwaben und die Pfalz. Nur Niederbayern
hat unter den bayerischen Regierungsbezirken etwas mehr große
Leute aufzuweisen gehabt, doch sind gerade aus diesem Bezirk überhaupt
 verhältnismäßig wenige unserer jungen Leute gebürtig, so daß
die Prozentzahlen keinen Anspruch auf volle Zuverlässigkeit machen
können.
Demgegenüber haben die nördlichen Gebiete durchweg erheblich
mehr große Leute gestellt; interessant ist, wie sich ihr Anteil von
Osten nach Westen fast konstant vergrößert: Ostpreußen 26,0%,
Westpreußen 26,7 %,, Pommern 27,5%, dann Mecklenburg mit dem
höchsten Anteil von 36,1%, Schleswig-Holstein 31,5 %, Hansestädte
 32,9 %; im Westen nimmt dann der Prozentsatz von Norden
nach Süden wieder ab: Hannover einschl. Oldenburg und Braunschweig
 30,3 %,, Westfalen mit den beiden Lippes 28,5 %, Rheinland
 26,8 %, Hessen-Nassau 24,0 %,, G.-H. Hessen 24,0 %, dem die
anderen südwestlichen Staaten ziemlich gleichstehen, Württemberg
28,7 9%, Baden 22,6 %,, Elsaß-Lothringen 24,2 %,. Die mitteldeutschen
Gebiete endlich halten sich ziemlich gleichmäßig etwas unter dem
Gesamtdurehschnitt: Brandenburg 28,9 %,, Provinz Sachsen mit Anhalt
 23,3 %, die Thüringischen Staaten 23,7 %,.
Entsprechend in umgekehrter Reihenfolge stehen die Staaten
and Provinzen hinsichtlich ihres Anteils an den kleinen Leuten —
wenn auch die Reihenfolge nicht ganz innegehalten wird, sondern
infolge des wechselnden Anteils der mittelgroßen Leute gewisse Abweichungen
 zeigt.
Vergleicht man die Gruppierung der Staaten usw. nach dem Anteil
 der großen bzw. kleinen Leute mit derjenigen nach der Tauglichkeit,
 wie S. 66 angegeben, so erhält man im allgemeinen den Eindruck,
 daß die Gebiete mit wenig großen Leuten (Bayern, Schlesien,
Posen) auch hinsichtlich der Tauglichkeit ungünstig — und die Gebiete
 mit zahlreichen großen Leuten umgekehrt günstig stehen. Auch
hier kommen natürlich Abweichungen von dieser Regel vor, denn die
Tauglichkeitsziffer selbst wird in erster Linie durch den durchweg
überwiegenden Anteil der mittelgroßen Leute bestimmt.
        <pb n="98" />
        „Do

Um die fraglichen Verhältnisse noch besser überblicken zu
können, ist wiederum für jeden Geburtsstaat berechnet, wieviel
 von den zu jeder Größengruppe gehörigen. Leuten
tauglich zum Dienst gewesen sind.

Von den zu jeder Größengruppe gehörigen
Leuten waren tauglich

Geburtsstaat, -provinz

Ostpreußen .
Westpreußen
Berlin . .
Brandenburg
Pommern .
Posen . .
Schlesien . ..
Sachsen, Anhalt. . .
Schleswig-Holstein . . . . . + -
Hannover, Oldenburg, Braunschweig .
Westfalen, Schaumburg-Lippe, Lippe.
Hessen-Nassau, Waldeck
Rheinland . .
Jberbayern.
Niederbayern
Schwaben .
Jnterfranken
Pfalz. . .
Mittelfranken
Oberfranken
Oberpfalz . .
Aönigreich Sachsen . .
Xönigreich Württemberg
Baden . . 0.0
Hessen .0.0.00000000000 4
Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz .
Thüringische Staaten . Vs
Hansestädte . . .
Elsaß-Lothringen .

Deutsches Reich .
Ausland.

Gesamtsumme. . . .
Darunter
Königreich Preußen . 4 @
Königreich Bayern . . . .
lie übrigen deutschen Staaten .

bis 165.cm |166—175 om | 176 cmu.mehr
abs. ! % ' abs. ! % ' abs. | %

148
97
290
243
125
‚16
328
346
56
311
245
272
426
32
2
20

66.4
59,9
49,8
61,7
50,1
55,0
50,7
30,4
36,6
34,8
50,2
59,5
58,7
52,0
58,6
62,1
52,6
50,3
60,9
54,3
58,4
64,5
59,6
63,1
61,8
70,7
37,4
54 4
663

641
401
992
789
488
441
015
292
365
‚420
230
923
2070
422
129
289
291
329
376
228
138
1388
1008
893
599|
265 ı
554 )
580
616

74,4 282 74,2
70,6 186 69,9
57,5 357 57,6
68,9 345 67,5
725 246 78,4
66,0 135 58,7
58.3 120 63,4
68,7 519 69,7
64,3 197 64,2
71,6 793 78,9
65,3 507 64,4
66,9 381 65,6
51,8 9292 64,9
52,1 121 54,8
58,2 58 71,6
54,6 69 538,5
57,2 82 621
63,4 08 56,38
64,8 90 59,6
64,4 58 65,2
63,0 22 144,0
70,6 184 58,3
68,9 388 56,6
71.8 320 58,5
71,1 244 71,6
70,5 184 71,0
75,1 220 | 78,8
67,3 | 316 | 66,4
745 935 | 714

1

3
148
63
45
470
235
226
44
58
53
°q
‚34

3194
38

58,4
RR

20072
290

66,4
71.2

8444
150

66,7
789

5247 | 58,5

20862 ' 66,5 |

8594 ' 66,8

2873
679
1649

56,2 11448
57,4 | 2152
639 | 6472

64,9
62,5
70.9

5113
598
2733

66,4
57,6
69.7

Vergleicht man die Reihenfolge der Geburtsstaaten usw. in den
Größengruppen mit einander, und mit derjenigen, wie sie auf
        <pb n="99" />
        41

3 67 für die Gesamttauglichkeitsziffern festgestellt ist, so ergeben
sich nicht unbedeutende Abweichungen, die am geringsten bei den
Leuten von 166—175 cm sind; bei diesen stehen insbesondere die
yleichen Staaten über und unter dem Reichsdurchschnitt, wie auf S. 67,
die gleichen Staaten weisen die höchsten und auch die niedrigsten
Tauglichkeitsziffern auf. Die obige Bemerkung, daß die Tauglichzeitsquote
 in erster Linie durch die mittelgroßen Leute bedingt wird,
wird also hierdurch bestätigt.
Größer sind die Abweichungen in den beiden anderen Größengruppen,
 ohne daß man besondere Regelmäßigkeiten feststellen
könnte.
Was das Verhältnis der Tauglichkeitsziffern in den 3 Gruppen
zueinander betrifft, so zeigen sich einige eigentümliche Verschiedenheiten
 bei den einzelnen Geburtsstaaten.
Bei den preußischen Provinzen (einschl. der dazu gerechneten
Staaten) zeigt sich durchweg das gleiche Verhalten wie im Gesamtdurchschnitt,
 daß die kleinen Leute die wenigsten Tauglichen gehiefert
haben; die mittleren und großen weisen im allgemeinen nur rocht
geringe Unterschiede auf, in 7 Provinzen haben die großen, in
6 Provinzen die mittleren Löute. die überhaupt höchste Tauglichkeitsiffer
 gehabt.
Bei den übrigen Staaten liegen die Verhältnisse ähnlich, nur überwiegen
 bei ihnen die Tauglichen bei den mittleren Leuten in stärkerem
Maße. ;
Ganz anders ist os dagegen bei den bayerischen Bezirken. Zwar
haben auch hier die mittleren Leute die günstigsten Tauglichkeitsziffern,
 aber in Südbayern stehen nicht die kleinen Leute am
schlechtesten, sondern die großen; im Gesamtdurchschnitt für Bayern
zeigen dann auch die großen und kleinen Leute fast die gleiche Tauglichkeitsquote.

Ein solches Verhalten ist sonst in keinem Gebiete des Reiches
zu beobachten; eine Erklärung dafür ist schwer zu geben, sodaß man
sich zunächst mit der Feststellung dieser eigentümlichen Tatsache
oegnügen muß.

4

Sind nun irgendwelche Einflüsse der Länge des Schulhesuches
 und der Zwischenzeit zwischen Schulbeendigung
ınd Untersuchung, wie wir sie in dem ersten Teil der Arbeit
antersucht haben, auch auf die Gestaltung der Körpergröße
nachweisbar?
        <pb n="100" />
        992

Die nachfolgende Tabelle stellt den prozentualen Anteil der
sinzelnen Größen an der Gesamtzahl der zu jeder Untergruppe gehörigen
 Leute dar. Es sind der bequemeren Uebersichtlichkeit wegen
nur 2 Größengruppen der Betrachtung zugrunde gelegt. Die Anordaung
 der Tabelle ist so getroffen, daß man die Prozentanteile jeder
Gäröße nach der Länge sowohl der Schulzeit wie der Zwischenzeit
bequem verfolgen kann.

Zwischenzeit zwischen Schulbeendigung u. Untersuchung

=

Vi
On
5
D
=
D
a
Pad
©
a]

U.
‚6.Lebensjahre


— 1
‚70 cm
über \
70 em

IL,
7.—19.
‚gbensjahre


l
70 em)
über |
70 emf

IT. —
20.Lebens-1170 cm
jahre und [ über“ X
darüber [170 cm

A

B.

U

1 Jahr |2 u.3 Jahre | 4 u, 5 Jahre !über 5 Jahre
— | über | — über | — | über £ — über
70 em 1170 em'!170 cm 170 cm’ 170 em !170 em'170 em|170 cm

D.

12.92

47.6

51.2

57.8 |

52.4

48.8

42,2

42.7

44.2

47.5

548

37.8

535.8

525

— | 54,0 |

46,0

44,0

44.3

47.0 |

— | 55,51

—_ | 5571

| 53.0

Aus der vorstehenden Uebersicht ergibt sich kurz folgendes:
Bei den jungen Leuten, welche die Schule nur bis zum 16. Lebensjahre
 besucht haben, nimmt — die Gruppe IA ist aus den mehrfach
arwähnten Gründen (S. 16 ff.) nicht berücksichtigt — mit der Länge
der Zwischenzeit zwischen Schulentlassung und Untersuchung die Zahl
der kleineren zu, die der größeren ab. Das gleiche Verhalten zeigt
die Schulbesuchsgruppe II (Schulbesuch bis zum 17.—19. Lebensjahre).
Diejenigen, welche die Schule bis zum 20. Lebensjahre und darüber
besucht haben, zeigen dagegen mit zunehmender Zwischenzeit cine
Abnahme der kleineren und eine Zunahme der größeren Leute — bis
auf die letzte Zwischenzeitsgruppe, welche wiederum sich umgekehrt
verhält.
Andererseits nimmt die Zahl der kleineren Leute fast durchweg
ab und der großen Leute fast durchweg zu, je länger der Schulbesuch
zedauert hat, ausgenommen nur in der Zwischenzeitsgruppe B, in
welcher das umgekehrte Verhalten Platz hat.
Was kann man aus diesen etwas verwickelten Verhältnissen
schließen?
        <pb n="101" />
        — 983

A priori sollte man annehmen, daß, jo länger der Schulbesuch
sowohl, wie die Zeit nach der Schule gedauert hat, je älter also die
jungen Leute geworden sind, auch desto zahlreicher die größeren und
desto weniger zahlreich die kleineren Leute sein sollten. Dies trifft nur
zu hinsichtlich des Einflusses der Länge des Schulbesuches; in dieser
Beziehung ist tatsächlich eine Zunahme der großen Leute nachzuweisen,
 je länger sie die Schule besucht haben; worauf das abweichende
 Verhalten der zur Zwischenzeitsgruppe B gehörigen Leute
geruht, ist schwer zu erklären.
Anders liegen die Verhältnisse, wenn man den Einfluß der Zeit
nach der Schule in Betracht zieht. Bei den Leuten, welche die Schule
dis zum 19. Lebensjahre besucht haben, also noch in der vollen
Wachstumsperiode in den Beruf oder zum Studium übergehen, nimmt
die Zahl der kleinen Leute nicht nur nicht ab, sondern sogar zu, die
Zahl der großen dagegen entsprechend ab, je länger der Schulbesuch
zurückliegt. In der III. Schulbesuchsgruppe, deren Angehörige die
Schule bis zum 20. Lebensjahre und darüber besucht haben, tritt davegen
 der Einfluß der Zeit nach der Schule nicht so ungünstig zu
Tage; bei ihnen, die die Hauptwachstumsperiode noch auf der Schule
zugebracht haben, macht sich vielmehr das Wachstum mit dem zunehmenden
 Lebensalter auch noch weiter geltend, so daß die Zahl der
kleineren Leute etwas ab- und diejenige der größeren Leute etwas
zunimmt, je länger die Zwischenzeit währt — bis auf die allerletzte
Gruppe; doch kann das abweichende Verhalten der ältesten Leute
auf den verschiedensten anderweitigen Einflüssen beruhen und jedenfalls
 den oben skizzierten allgemeinen Eindruck nicht abändern,
Vergleicht man die einzelnen Untergruppen noch unter einem
anderen Gesichtspunkte, so kommt man zu den gleichen Ergebnissen.
Es werden nämlich die Angehörigen der Gruppe IC ungefähr im
vleichen Lebensalter stehen, wie diejenigen der Gruppe IIL A; von
den ersteren gehören aber 47,6 %,, von den letzteren nur 46,0 % zu
don kleineren Leuten; auch die Gruppen ID und IT B werden Leute
etwa des gleichen Alters umfassen; von ersteren entfallen aber 51,2,
von letzteren nur 44,5 % auf die Mindergroßen. In beiden Fällen
haben also trotz annähernd gleichen Alters diejenigen den größeren
Anteil von kleinen Leuten aufzuweisen, welche die Schule am frühesten
verlassen und mehrere Jahre bis zur Gestellung gewartet. haben,
während diejenigen, die die Schule länger besucht und sich daher
frühzeitiger zum Dienst gemeldet haben, mehr große Leute aufweisen.
Wie wir also bereits früher gesehen haben, daß sich der Einfluß
ler Zeit nach der Schule auf die körperliche Entwickelung der zum
        <pb n="102" />
        a,

einjährigen Dienst Berechtigten besonders ungünstig bemerkbar macht,
so ist dies auch hinsichtlich der Körpergröße nachzuweisen.
Daß dieser Einfluß in den Prozentzahlen nicht ganz konstant
and in allen Untergruppen zum Ausdruck kommt, dürfte kaum gegen
diese Deutung der obigen Tabelle angeführt werden können. Ks ist
ja oben ausführlicher erörtert, wie vielerlei Momente auf die Gestellung
zum Dienst und somit auf die Verteilung auf die einzelnen Untergruppen
 mitsprechen; wenn trotzdem eine so vielfach gegliederte
Uebersicht, wie die obige, gewisse Regelmäßigkeiten zeigt und ohne
Zwang Deutungen zuläßt, welche mit früheren Ergebnissen im Einklang
 stehen, so kann das wohl nur für die allgemeine Richtigkeit
Jer Schlußfolgerungen sprechen.

Der Vollständigkeit halber sei noch angeführt, wic sich die
Tauglichkeitsverhältnisse in jedor der beiden Größengruppen
 unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Länge
ler Schulzeit und der Zwischenzoit gestalten.
Von je 100 zu jeder Größengruppe gehörigen Leuten waren
tauglich

ä
S
N
1.2
Pe

2
a
=
DD
ex
Oo
Fl

bei einer Zwischenzeit zwischen Schulbeendigung
und Untersuchung von
m
(ner 5 Jahren
— ] über
170 em 170 em

4
»
es
Ei
Ss
sd

1 Jahr | 2 u. 3 Jahren |. u. 5 Jahren
— | über — | über
170 cm 170 em 170 cm 1170 em]

| über |
170 emi170 cm

70 em}
über |
70 em

92,5 |

79.9

32.0

4.
16.Lebensjahre


914

383 1

53.9

70 em!
über |
{70 cm!
IX. —
20.Lebens-|170 cm
jahre üb
u. darüber O0 em — | 80.7 | N

874

80.7 |

63.4 |

44.9 | —

82.7

66.5 |

49.1

640

56.1

40.9

| 6583| — | 578| — | 444

Auch hier zeigt sich fast durchgehends die etwas bessere
Tauglichkeit der größeren Leute gegenüber den kleineren.
Natürlich sind bei dieser Teilung der Gesamtzahlen in nur 2 Größen-
        <pb n="103" />
        95

yruppen die Unterschiede in der Tauglichkeit wesentlich geringer, als
sie sich bei der Teilung in 7 Gruppen, wie S. 80, darstellen —
immerhin sind die Differenzen doch deutlich ausgesprochen. Nur in
der Gruppe IB haben die kleineren Leute cine etwas höhere Tauglichkeitsziffer,
 doch ist die absolute Zahl in diesen Gruppen im Vervleich
 zu denjenigen der anderen Gruppen verhältnismäßig klein, so
daß diesen Abweichungen von der sonstigen Regelmäßigkeit keine besondere
 Bedeutung beizumessen ist.
Im übrigen zeigen, wie nicht anders zu erwarten, die Tauglichkeitsziffern
 durchweg das gleiche Verhalten, wie in der gleichen Tabelle
8. 25 ohne Berücksichtigung der Körpergrößen, so daß sich ein weiteres
Eingehen darauf erübrigt.
        <pb n="104" />
        VI. Beziehungen der Körpergröße zu anderen
Körpermaßen.

L,

Für die Beurteilung der körperlichen Rüstigkeit ist aber die
Körpergröße allein nicht ausreichend, sondern es bedarf dazu noch
der Kenntnis der Beziehungen zwischen Größe und der sonstigen
körperlichen Entwickelung.
Zahlreich sind die Versuche gewesen, bestimmte Relationen aufsufinden
 zwischen der Größe eines Menschen einerseits und gewissen
sicher feststellbaren Maßen des menschlichen Körpers andererseits,
um auf diesem Wege eine gewissermaßen mathematische Formel für
die Tüchtigkeit und insbesondere die militärische Tauglichkeit eines
Individuums zu erhalten.
Als solche Maße sind in erster Linie der Brustumfang und dann
das Gewicht in den Bereich ausgedehnter Untersuchungen gezogen.
Namentlich ist das Verhältnis von Brustumfang und Körpergröße
vielfach studiert und die aus diesen Studien gewonnenen Erfahrungen
haben auch zur Aufstellung bestimmter Forderungen an das gegenseitige
 Verhalten von Größe und Brustumfang geführt, welche als
Anhaltspunkte für die Beurteilung des Körperzustandes gelten können.
Es braucht an dieser Stelle nicht auf die ganze Entwicklung
dieser Fragen eingegangen zu werden; es sei in dieser Hinsicht auf
den Aufsatz des Verfassers!) über Körpergröße und Brustumfang
 bei tuberkulösen und nichttuberkulösen Soldaten hingewiesen,
 welcher das wesentlichste darüber und auch über die Grenzen
der Brauchbarkeit derartiger Untersuchungen enthält.
Daß alle bisherigen Versuche, auf diesem Wege ein gleichmäßig
verwertbares Verfahren zu gewinnen, zu keinem durchweg belriedigenden
 Ergebnis geführt haben, erhellt schon daraus, daß immer
wieder neue Formeln zu diesem Zwecke angegeben worden sind.

I) Deutsche militärärztl. Zeitschr. 1906. Nr. 5.
        <pb n="105" />
        7

Unter diesen Versuchen verdienen entschieden diejenigen besondere
 Beachtung, welche nicht nur die Körpergröße und den
Brustumfang, sondern gleichzeitig auch noch das Gewicht
berücksichtigen.

}

Eine derartige Formel hat nun vor einigen Jahren ein
[ranzösischer Autor, Pignet!) angegeben; er addiert die Zentimeterzahl
 des Brustumfangs bei der Ausatmung und die Kilogrammzahl
 des Gewichts und zieht die sich ergebende Summe von der Zentimeterzahl
 der Körpergröße ab. Setzt man also die Körpergröße = L,
das Gewicht = P und den Brustumfang = C, so gestaltet sich die
Pignetsche Formel
L—(P+0O.
Die Differenz soll nun um so geringer sein, je kräftiger der betreffende
Mann ist, und zwar sollen nach ihm Leute mit einer Differenz von
kleiner als 10 besonders kräftig,
10—20 kräftig,
21—30 schwach,
31—35 sehr schwach und
größer als 35 völlig dienstuntauglich sein.

1) Pignet, Du coefficient‘de Robusticit&amp;amp;6, Nouveau mode d’appreciation de
la force physique de l’homme au moyen d’un indice num&amp;amp;rique tir6 des trois menzurations:
 taille, perimetre et poids, Bulletin mö6dical, No, 33, 27 avril 1901. —
Bei Beginn der Bearbeitung war mir die Originalarbeit von Pignet leider nicht
bekannt und ich daher lediglich auf einige in der Literatur zerstreute Angaben
über die Pignetsche Methode angewiesen. Erst durch die Liebenswürdigkeit des
Herrn Pignet selbst in den Besitz des Originals gesetzt, habe ich gesehen, daß
der Autor der Methode den Index nicht von 10 zu 10 abstuft, sondern kleinere
Abstufungen verwendet, und zwar bezeichnet er Leute mit einem Index von
unter 10 für sehr stark, *
11—15 „ stark,
16—20 „ gut,
21—25 „ mittelgut,
26—30 „ schwach,
31—35 „ sehr schwach,
über 35 „ völlig ungenügend.
Die Vorarbeiten zu meinen Untersuchungen waren schon zu weit vorgeschritten,
 um eine nochmalige Umrechnung genau nach der Pignetschen Einteilung
vornehmen zu können. Auch glaube ich, daß die von mir gewählte Einteilung
ausreicht, um sich ein Bild von der Brauchbarkeit der Methode an sich zu verschaffen,
 zumal bei der weitgehenden Zerlegung des Materials, wie ich sie durchyeführt
 habe, eine Differenzierung des Index in noch kleinere Gruppen angesichts
der sich dann ergebenden kleinen absoluten Zahlen von vornherein zu Fehlerquellen
 Veranlassung hätte geben können.
Veröffentl. aus dem Gebieto des Milit.-Sanitätsw. 40. Heft,
        <pb n="106" />
        Yu8

Hat also ein Mann von 163 cm Körpergröße ein Gewicht von
53 kg und einen Brustumfang von 82 cm, so würde er hiernach, da
163 — (63 + 82) = 18 gibt, zu den Kräftigen zu rechnen sein.
Aus Deutschland liegen umfangreichere Nachprüfungen der
Pignetschen Angaben bisher nicht vor; sie sind auch in größerem
Maßstabe kaum durchführbar, da bei den Untersuchungen beim Aushebungsgeschäft
 das Gewicht nicht in allen Fällen festgestellt wird.
Und derartige Untersuchungen bei eingestellten Mannschaften auszuführen
 hat wenig Zweck, da dann der wichtigste Vergleichsfaktor,
nämlich das Verhalten der für untauglich erklärten und nicht zur
Einstellung gelangten Leute, wegfällt.
Da nun auf den unserem Material zu Grunde liegenden Zählkarten
alle 3 für die Pignetsche Formel erforderlichen Maße angegeben
waren, und der Index sich sowohl für die Tauglichen und Untauglichen
oerechnen ließ, so erschien es von Interesse, an der Hand dieses
Materials in eine Nachprüfung der Pignetschen Untersuchungen einzutreten.

Leider waren nicht auf allen Zählkarten alle 3 Maße notiert,
immerhin ließen sich die Berechnungen für 33962 Taugliche und
18104 Untaugliche, also zusammen für 52066 Mann anstellen, eine
Zahl, welche für die Beurteilung der Methode wohl ausreichen dürfte.

ob
Legt man nun zunächst die Gesamtzahl zu Grunde, so wiesen
auf einen Index von
—+ (einschl. -t =0): 2312=— 4,4%, der Gesamtsumme,
— bis 10: 4991= 96
- 11 bis 20: 13660 = 26,2 „
—21 bis 30:19591= 37,6 „
-31 bis 35: 6950 = 13,4
— über 35: 4562= 88 . j
Summe 52 066 — 100,0 9%, der Gesamtsumme.
Der Hauptteil entfällt hiernach auf den Index „21 bis 30“, also
nach Pignet auf die schwächlichen Leute, während zu den besonders
Kräftigen und Kräftigen nur 35,8%, zu rechnen wären. Auffällig ist
der verhältnismäßig hohe Anteil von Leuten, bei denen die Summe von
Gewichtskilogrammen + Brustumfangszentimetern nicht kleiner ist,
als die Zahl der Körpergrößenzentimeter, sondern gleich oder größer
ist; da der Brustumfang kaum über ein bestimmtes Maß hinausgehen
kann, so ist ein solches Verhalten im allgemeinen nur durch ein
abnorm hohes Gewicht zu erklären.
        <pb n="107" />
        =. 99 —

Wir haben schon oben auf die relativ große Zahl der wegen
Fettleibigkeit für untauglich befundenen jungen Leute hingewiesen,
immerhin reicht ihre Zahl (413) nicht annähernd an die 2312 Mann
heran, die einen positiven Index aufweisen — man muß also annehmen,
 daß noch weit mehr recht hohe, auf Fettleibigkeit hinweisende
Gewichte haben, ohne daß dies als Grund etwaiger Untauglichkeit anvyegeben
 ıst.

Zunächst sei des weiteren erörtert, wie sich die Verteilung
der Leute auf die einzelnen Indexgruppen gestaltet, je nachdem
 man die Tauglichen und die Untauglichen allein der
Betrachtung zu Grunde legt; und zwar sind die letzteren noch
geschieden in solche, welche wegen allgemeiner Körperschwäche usw.
und Lungenkrankheiten — und welche wegen sonstiger Körperfehler
°ür untauglich erklärt worden sind.

Untaugliche

darunter

‚_ndex

Taugliche

insgesamt

wegen
allgemeiner
Schwächlichkeit
 u. Lungenkrankheiten


wegen
sonstiger
Körnerfehler

abs. | 07

abs. | 0

abs. | 9%

abs. ! %

7,2
11,0
26,8
25,8
8,7
5
Summe | 33962 | 100,0 | 18104 | 100,0 | 7408 | 100,0 | 10701 |100,0
Faßt man die Untauglichen insgesamt ins Auge, so sehen .wir in
der Tat eine Verschiebung der Prozentanteile zugunsten der höheren
Indexgruppen. Noch ausgesprochener zeigt sich das Ueberwiegen der
hohen Differenzgruppen bei den wegen Schwächlichkeit und schwacher
Brust Untauglichen. 70,7 %, der letzteren hatten nach Pignet eine
Differenz von über 30, während auf die Leute mit den günstigen
Differenzen bis — 20 noch nicht 5%, entfallen. Demgegenüber nähern
sich die Prozentzahlen bei den wegen sonstiger Körperfehler Unsauglichen
 sehr denjenigen bei den Tauglichen; daß unter ihnen die
Leute mit einem positiven Index zahlreicher sind, als bei den
Tauglichen. läßt sich dadurch leicht erklären, daß hierunter die wegen

784
1237
3160
3636
3582
OA
        <pb n="108" />
        100 —

Fettleibigkeit Untauglichen sich befinden; die günstigen Gruppen von
„— 1 bis 10“ und „— 11 bis 20“ zeigen genau den gleichen oder fast
den gleichen Anteil; die hohen Indexgruppen sind zwar bei den wegen
sonstiger Körperfehler Untauglichen höher besetzt, als bei den Tauglichen,
 doch sind die Zahlen immer noch so bedeutend niedriger,
als bei den wegen Schwächlichkeit usw. Untauglichen, daß an Zutälligkeiten
 wohl kaum gedacht werden kann. ;

5

Für die Beurteilung, ob aus den Differenzen nach Pignet sich
ein Anhalt über die Brauchbarkeit oder Unbrauchbarkeit des Einzelnen
gewinnen lassen kann, war es erforderlich, zu berechnen, wieviel
von den zu jeder Indexgruppe gehörigen Leuten tatsächlich
tauglich und wieviel untauglich gewesen sind. Analog der
Tabelle S.. 99 sind in der folgenden die Untauglichen wieder getrennt
in die wegen Schwächlichkeit usw. und die wegen sonstiger Körperfehler
 Untaueglichen.

Von den zu jeder Indexgruppe vehörigen Leuten waren

Vich
darunter

ınf-Ge-





samt -

tauglich

insgesamt

wegen
| allgemeiner
Schwächlichkeit
 u: Lungen:
krankheit
abs. | 9%

zahl

wegen
sonstiger
Körperfehler

abs. '

0/.

abs. | 9% |

abs. ' Yo

+ (+)
— bis 10
— 11 bis 20
- 21 bis 30
31 bis 835
über 85

2812
4991
„8060
aka”

1528
3754
pam
805

66,1
759

784
237
m

33,9
IQ

10
58
wi

0.43
‘2

38,5
23,6
21,0
19,6
21,0
198
+0701| 20,6

+

Q9f

ür

ARAS

QR7

2705

Summe | 52066] 33962! 65,2 J18104 | 34,8 | 7403 !

4.2

Auf Tafel 11 sind die Ergebnisse dieser Tabelle bildlich darzestellt.


Die beiden Indexgruppen „-— 1 bis 10“ und „— 11 bis 20“ stehen
mit der Zahl ihrer Tauglichen bezw. Untauglichen sehr nahe und
zeigen zugleich die niedrigste Untauglichkeitsziffer. Aber auch der
Index „— 21 bis 30“ hat mit 71,2%, Tauglichen noch recht günstige,
den Durchschnitt weit übertreffende Zahlen aufzuweisen.
Besonders interessant gestalten sich aber die Verhältnisse, wenn
man die beiden Kategorien der Untauglichen getrennt betrachtet, hier-
        <pb n="109" />
        101

bei zeigt sich, daß von den Leuten mit niedrigem Index in der Tat
verschwindend wenig wegen allgemeiner Schwächlichkeit usw. für untauglich
 erklärt sind. und daß ihre Zahl stetig und bedeutend mit

Tafel 11

Von je 100 zu jeder Tndexgruppe
gehörigen jungen Louten waren

tauglich

ACT UNLET WEGEN
Schrächlichkeit
w.Lungenkrank
heiter

Trdex

+(F£)

1 bis 10

„17 bis 20

SZ

27 bis30

37 bis35

- 36 undmeh:

steigendem Index ansteigt, während die Prozentzahlen für die wegen
sonstiger Körperfehler Untauglichen in den Gruppen „— 1 bis 35“
nur ganz geringe Unterschiede zeigen; der Index „— über 35“ steht
bei diesen sogar am günstigsten, die meisten Untauglichen wegen
sonstiger Fehler weisen die Leute mit positivem Index auf, welche
        <pb n="110" />
        102

Fehlergruppen hierbei besonders mitsprechen, entzieht sich der Bearteilung.

Was kann man nun aus diesen bisher mitgeteilten Ergebnissen
über das Pignetsche Verfahren schließen?
Es hat sich gezeigt, daß bei der Zugrundelegung von größeren
Massen der Pignetsche Index in der Tat ein verwertbares Mittel
darzustellen scheint, um die durchschnittlich mehr oder minder größere
körperliche Tüchtigkeit verschiedener Gruppen festzustellen; wenn sich
das auch bei weiteren Untersuchungen bestätigt, so würde das eine
nicht unwesentliche Bedeutung beanspruchen können, indem man die
Methode benützen könnte, um die Körperbeschaffenheit von Leuten
verschiedener Berufsgruppen, verschiedener Gebürtigkeit usw. einigermaßen
 zuverlässig vergleichen zu können.
Ob dagegen im Einzelfalle die Berechnung des Pignetschen
Index für die Beurteilung der körperlichen Tauglichkeit viel nützen
wird, erscheint allerdings zweifelhafter. Bei niedrigem Index kann es
wohl einen leidlichen Anhaltspunkt dafür bieten, daß die Leute
körperlich kräftig und tauglich sind — immerhin sind unter den
Leuten, wie die Tabelle S. 100 zeigt, doch auch schon eine Anzahl
von schwächlichen und namentlich lungenkranken Personen gefunden
worden, so daß das Vorliegen eines niedrigen Indexes durchaus noch
nicht mit Sicherheit gegen das Bestehen einer ernsteren organischen
Erkrankung spricht. Diese Schwierigkeiten in der Beurteilung wachsen
aber, je größer die Pignetsche Differenz wird. Denn wenn von den
11512 Leuten mit einem Index von „— 81 und darüber“ noch
4225 Mann tauglich und 2049 Mann nur wegen sonstiger Körperfehler
antauglich waren, so muß man doch sagen, daß die Methode im
Einzelfalle zu praktischen verwertbaren Ergebnissen nicht führt.
Wenn man ja auch zugeben kann, daß unser Material für die
Bewertung der Pignetschen Methode insofern etwas einseitig ist, als
an die zum einjährigen Dienst sich meldenden Leute die verhältnismäßig
 geringsten Anforderungen gestellt werden dürfen, so kann man
doch wohl kaum annehmen, daß die oben genannten 4225 bzw.
2049 Leute unter strengerem Maßstabe untauglich gewesen wären
oder wenigstens eine so schwächliche Konstitution besessen haben, daß
sie für die Zukunft ernstere Gefahren für ihre Gesundheit erwarten
ließen.

Es zeigt sich auch hier wieder, wie Verfasser in seiner bereits
venannten Arbeit für andere Methoden erörtert hat, daß derartige
Formeln wohl bei dem Durchschnitt von großen Massen gewisse
RPevelmäßigkeiten erkennen lassen, daß aber doch die Abweichungen
        <pb n="111" />
        - 103 —

vom Durchschnitt stets zu große sind, um bei der Verwertung im
3inzelnen zuverlässige Anhaltspunkte bieten zu können. —
Wenn so auch der praktische Nutzen nicht zu hoch anzuschlagen
ist, so dürfte es doch von allgemeinem wissenschaftlichen Interesse
sein, die Methode noch nach verschiedenen anderen Gesichtspunkten
zu untersuchen, und so weitere Unterlagen für ihre Beurteilung zu gewinnen.


Wir haben oben gesehen, daß die Tauglichkeitsquoten je nach
der Körpergröße der Untersuchten recht verschieden waren; es liegt
daher die Vermutung nahe, daß bei einer Trennung der Gesamtzahlen
 nach Körpergrößen auch die prozentuale Verteilung
auf die einzelnen Indexgruppen gewisse Verschiebungen erfahren
 wird. Die folgende Uebersicht gibt zunächst die entsprechenden
 Daten für die Gesamtzahlen.

[Index

+ 5
— bis 10
11 bis 20
- 21 bis 30
31 bis 35
über 35

he,

%
&amp;gt;44

126

A om

6.5

Körpergröße:
‘61—- 170 cm 7* 780 om
abs, 0:
330
5a

über '50 cm
a8 %
226 6,3
364 10,2
:;43 21,0
8 2202 33,7
3508 14,2 539 15,1
2393 9,7 489 13,7

+

1554

‚21

Summe 1949 100.0 21810 100,0 24739 100.0 3568 100,0

In der Tat zeigen sich gewisse Unterschiede in der Besetzung
ler einzelnen Indexgruppen bei den verschiedenen Körpergrößen, wie
auch die Tafel 12 deutlich erkennen läßt.
Die Leute mit einem positiven Index nehmen auffallenderweise
mit der Körpergröße zu; diejenigen mit einem Index bis 10 zeigen
aur geringe Schwankungen, dagegen weist die Gruppe „— 11 bis 20“
eine sehr deutliche und erhebliche Abnahme auf; bei den Leuten mit
einer Differenz von „— 21 bis 30“ tritt zwar auch mit zunehmender
Größe eine abnehmende Tendenz zu "Tage, doch ist sie nicht so konstant
 und bedeutend, wie bei der vorigen Gruppe. Die beiden letzten
Gruppen endlich nehmen mit der Körpergröße erheblich zu.
Unter Zugrundelegung der Pignetschen Erklärung der Zahlen
würden also hiernach die besonders Kräftigen in allen Körpergrößen
ziemlich gleich vertreten sein, die Kräftigen und Mittelkräftigen an
        <pb n="112" />
        104

Tafel 12.

Von je 100 zu jeder Größengruppe
gehörigen Leuten hatten nach
Zignet einen Index von
m A(*) nn NDS 30
an DES TO ne ET OES3GE
AN bis 20 Uber 3E5

— 160Cm \167-1706m 177-7806m \über180cm

4C

38

36

34

39

30

DB

If

24

29

aC

B

E
        <pb n="113" />
        105

Zahl ab- und die sehr schwachen und völlig dienstuntauglichen Leute
an Zahl zunehmen, je größer die Körperlänge wird.
Dieses Ergebnis steht nun in einem gewissen Widerspruch mit
den früheren Resultaten, daß die großen Leute durchaus nicht weniger
Dienstunbrauchbare geliefert hatten, als die von kleinerer oder mittlerer
Statur (vergl. S. 80), ja daß z. B. bei den aus Gymnasien und Realoymnasien
 Hervorgegangenen die ganz großen Leute von über 180 cm
Länge die meisten Tauglichen geliefert hatten (S. 84).
Eine Erklärung für diesen Widerspruch wird sich erst gewinnen
lassen, wenn man bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Körpergröße
ınd des Pignetschen Index die Gesamtzahlen in Taugliche und Un-‚augliche
 trennt und bei letzteren wieder die wegen ‚Körperschwäche usw.
Untauglichen einerseits und die wegen sonstiger Fehler Untauglichen
andererseits unterscheidet.

Zunächst ist in der folgenden Tabelle angeführt, wie sich die
[ndexgruppen in jeder Körpergröße bei den Tauglichen und
Untauglichen verhalten.

— 160 cm

Körnerzröße
161—170 cm

171—180 em

über 180 cm

ndex

Taug- | Untaug- ,
liche liche

Taug- Untaugliche
 ‘| liche
‚he 1 09 !ahel 07.

Taug- | Untaugliche
 ! liche

Taug- | Untaugliche
 liche

abs.! 07

ahs.! O7.

ahs. ! 0/

ahe | 07.

aheal 07

abs,| A

r 5
1 bis 10°
— 11 bis 20
21 bis 36
31 bis 85
über 235

158| 6,7/| 68! 5,7
286 12,1 78| 6,5
\91' 94,9| 157| 18,1
27,5| 314 26,2
25 290 18,4
5.4| 3611 30,7
; |
Summe [972/100,0/977/100,0/14008 100,0 7807| 100,0L6617|100,0/8122,100,0[2870 100,0 1198| 100,0

4,1| 26
12,6| 94
41,9/187
36,0362
ARltcn
N81118) ı

2,7
06

559 4,0| 280l|
15383 11,0| 501
4732| 33,8 1409:
5916| 42,2 2658
87| 7.811696
196! 1.4l1358|

3,6
Ge

IR

Ks zeigt sich auch hier, wie im Gesamtdurchschnitt S. 99,
laß bei den Untauglichen durchweg die hohen Indexgruppen stärker
vertreten sind, als bei den Tauglichen.
Vergleicht man dann die einzelnen Größengruppen miteinander,
30 weist die Gruppe „— 1 bis 10“ bei den Tauglichen nur geringe
Schwankungen auf, bei den Untauglichen nimmt sie mit der Körpergröße
 ab; die Gruppe „— 11 bis 20“ zeigt bei beiden Kategorien
zine Abnahme, die aber bei den Tauglichen bedeutend stärker ist, als
bei den Untauglichen. Der Anteil der Indexgruppe „— 21 bis 30%
        <pb n="114" />
        - 106 —

1äßt bei den Untauglichen eine deutlich abnehmende Tendenz erkennen,
bei den Tauglichen ist sie zwar auch nachweisbar, aber die Prozentzahlen
 schwanken nur in geringem Grade.
Die Gruppen der schwächlichsten Leute endlich, „— 31 bis 35“
and „— 85 und darüber“, nehmen bei den Tauglichen mit der Körpergröße
 sehr erheblich zu, bei den Untauglichen ist diese Zunahme nur
in der letzten Gruppe ausgesprochen, während die vorletzte überhaupt
keine Zunahme zeigt.
Mit anderen Worten: bei zunehmender Körpergröße fällt bei den
Tauglichen der Anteil der Kräftigen und steigt der Anteil der Minderkräftigen
 und Schwächlichen sehr erheblich; bei den Untauglichen
nimmt zwar auch der Prozentanteil der Kräftigen ab, die Minderkräftigen
 und Schwächlichen weisen dagegen keine Zunahme auf, eher
3in Konstantbleiben oder eine Abnahme, und nur die Schwächlichsten
nehmen auch hier mit der Körpergröße zu.
Dieses Ergebnis steht also im Einklang mit demjenigen, wie es
sich vorher für die Gesamtzahlen dargestellt hat.
Aus den Tabellen ist aber noch nicht zu ersehen, wie sich in
Wirklichkeit bei den einzelnen Körpergrößen und Indexgruppen die
Tauglichkeit gestellt hat.

Die folgende Tabelle (S. 108) enthält daher die entsprechenden
Zahlen darüber, wieviel von den zu jeder Größen- und Indexgruppe
 gehörigen Leuten tauglich bzw. untauglich gewesen
sind.
Es ergibt sich aus dieser Tabelle zweierlei:
I. daß zwar in allen Körpergrößen die Tauglichkeit mit ansteigendem
 Index erheblich abnimmt, daß aber diese Abnahme
bei den kleinen Leuten wesentlich größer ist, als bei den
zroßen Leuten, und
daß in jeder Indexgruppe die Tauglichkeit mit zunehmender
Körpergröße ebenfalls zunimmt, und zwar bei den niedrigen
Indexgruppen (bis — 20) am geringsten, etwas mehr bei der
mittleren Indexgruppe „— 21 bis 30“, am bedeutendsten bei
den hohen Indexgruppen „— 81 und mehr“.
Tafel 13 erläutert diese Verhältnisse in übersichtlicher, graphischer
 Darstellung.
Hierdurch erklärt sich schon z. T. der oben angedeutete Widerspruch,
 daß mit steigender Größe einmal die Tauglichkeit zunimmt,

A
        <pb n="115" />
        — 107 —

andererseits auch die als ungünstig im Pignetschen Sinne gedeuteten
hohen Indexgruppen ansteigen: von den großen Leuten sind eben
bedeutend mehr Leute trotz hohem Index tauglich, als von
den kleinen und mittleren Leuten.

Tafel 18,

Von je 100 zu jeder Größengruppe gehörigen
Leuten waren tauglich bei einem Index von
HE) —__ „21bis 30
m m 161510 nn HE
aas0nansas — II6LS20 ber 35

— 1606m |167-170cm \1f1-180Cm \düber 180cm

3{

Tl

50

50

H.

CC

HC
        <pb n="116" />
        108

Index

\—)
— bis 10
— 11 bis 20
- 21 bis 30
81 bis 35
"her 35

160 cm
davon waren

Ge- a
jamt- | tauglich | untauglich
zahl I
abs. ! 9% ' abs. | %

66 140
216 1922
594 | 407
Or
285 |
126 |

60,6
56,5
68,2
40 7

26
94
187
362
90
118

89,4
43,5
31,8
50,8
80,8
98 7

La

Rn

L61—170 cm
Ge- davon waren
Ant | tauglich untauglich
zahl
abs. | % | abs. | %

839 559 56,6
2034. 1588 75,4
6141| 4782 77,1
8569 5916 69,0
2673 ' 1067| 89,9
1554! 196! 1928

280 38,4
501 24,6
1409 | 22,9
2653 | 31,0
789P 60,1
1858 874

Summe | 1949 | 972 | 49,9| 977 | 50,1 [21810 | 14008 | 64,2 | 7807 | 85,8

\71—180 cm
___ davon waren
tauglich untauglich
abs. | % | abs. | %a

über 180 cm .
davon waren

"ndex

Ges;amt-



Gesamt-



tauglich untauglich
abs. | 9% ' abs. %

+ +)
— bis 10
— 11 bis 20
— 21 bis 30
- 31 bis 85
über 835

68 30,1
78 | 21,4
157 | 21,0
314 | 26,1
220 40,8
361 ° 78,1
Summe } 24739 |16617| 67,2 | 8122 | 32,8 ] 83568 | 2370 | 66.4 | 1198 | 33,6

1181
2377
3177
7108
3503
28393

34,7
28,7
22,7
25,8
A7
781

Ehe auf diesen Punkt noch etwas näher eingegangen wird, soll
noch untersucht werden, wie sich die Verhältnisse gestalten, wenn
man die Untauglichen trennt in solche, welche wegen allgemeiner
Schwächlichkeit usw., und solche, welche wegen sonstiger Körperfehler
 vom Heeresdienst befreit sind.

— 160 cm
davon untauglich wegen

161—170 cm
davon untauglich wegen

ndex

Ge-Schwäch-



Lungenkrankheiten


(T
-

samt-_

 sonstiger y samt-Körpnerfehler


Schwächlichkeit,

Lungen -
krankheiten

sonstiger
Körpnerfehler

zahl

zahl

abs. ! 0%

abs. | 0

abs. | 9%

abs. | Of

+ (©) ı
- 1 bis 10
— 11 bis 20
— 31 bis 30 I
— 81 bis 835
über 35

32,8
23,5
20.7
20,6
21,4
18,8
Summe | 1949 | 471 | 24,2 | 506 | 25,9 | 21810 | 3230 |14,8 | 4577 | 21,0

0,591
1,1
29
        <pb n="117" />
        09

index

+ 5)
— 1 bis 10
- 11 bis 20
- 21 bis 80
- 31 bis 35
über 35

171—180 cm a
davon untauglich wegen

Schwächsamt-
 ı lichkeit,
] Lungenzahl
 Ikrankheiten

Gesonstiger

 |
Körperfehler
abs. | 9a

abs. 9%

1181 5
28377 25
3177| 104
9108| 582
3503 815
98393 | 1567 1 6n

042
1,3

405
A839
DR
170

34,3
29,7
9

ie

Gesamt-





226
364
748
1902
539
489

über 180 cm _ .
Javon untauglich wegen

Schwächlichkeit,
 ] sonstiger
Lungen- ' Körperfehler
krankheiten

abs. | 9% | abs. | Yo

- 68 301
5 2144, 78 20,0
18 24| 139 | 18,6
122 10,1| 192 ' 16,0
'43 ' 26,5| 77 43
815 | 644 46 8.7

Summe |24739 | 3099 | 12,6 | 5028 | 20,2 | 8568 | 608 | 16.9| 595 | 16,7

Die vorstehende Tabelle und die Tafel 14 zeigt, daß die beiden
Kategorien der Untauglichen sich hinsichtlich des Pignetschen Index
zerade umgekehrt verhalten; die wegen anderer Körperfehler
Untauglichen nehmen — ebenso wie die Tauglichen — an Zahl
ab, je höher der Index ansteigt, die wegen Schwächlichkeit usw.
Untauglichen nehmen dagegen mit steigendem Index sehr erheblich
zu. Die Zunahme der Untauglichen insgesamt mit ‘steigendem
[ndex ist also allein durch die letztgenannte Kategorie der Schwächlichen
bedingt.

Es zeigt sich aber ferner in allen Indexgruppen, daß, wie die
Zahl der Tauglichen mit der Körpergröße zunimmt, so sich die Zahl
der Schwächlichen mit der Körpergröße vermindert, nur die ganz
großen Leute über 180 cm weisen etwas ungünstigere Zahlen als die
vorhergehende Größengruppe auf — also auch hier ist der günstige
Einfluß der zunehmenden Körpergröße unverkennbar. So bestätigen
auch diese Ergebnisse die oben S. 106 gegebene Erklärung des scheinbaren
 Widerspruches, daß mit steigender Körpergröße einmal die
Tauglichkeit zunimmt, andererseits die ungünstigen Indexgruppen
stärker besetzt sind: je größer die Leute, desto mehr sind von
ihnen trotz hohem Pignetschen Index als kräftig und dienstsauglich
 anzusehen.
Dieses Ergebnis ist aber von prinzipieller Bedeutung
für die Bewertung der Pignetschen Methode als Anhaltspunkt
 für die Beurteilung der körperlichen Tüchtigkeit der
zu untersuchenden Leute.
Es ist bereits oben S. 102 darauf hingewiesen, daß im Einzelfall
nur die niedrigen Pignetschen Differenzen einen einigermaßen sicheren
        <pb n="118" />
        — 110 —

Anhaltspunkt für die Annahme gewähren, daß der Mann kräftig und
diensttaugtich ist; daß dagegen die Schwierigkeiten für die Beurteilung
wachsen, je höher der Index ansteigt.

Tafel 14.

Von je 100 zu jeder Indexgruppe gehörigen Ceuten
waren UTLauglich
weg. allgem. Schwächlichk, Luraemkrrekh, wegen SONSHYET. Fehler
bei einer Mörveraröße

„60cm |767770cm \777-780cm über 160cm) | 60cm |161-770cm \174-7806m \über 160cm

7

3

0

{

af

r

A)

M

{

Trlem
+2)
Cr ES IO
This 20

= 27 bis 30
= 37 bis 35
“Über 35

Die vorstehenden Ausführungen haben nun diesen Zweifeln noch
das weitere Bedenken hinzugefügt, daß auch mit steigender Körpergröße
 die Zuverlässigkeit der Methode sehr nachläßt, indem bei großen
Leuten auch ein hoher Index kein einigermaßen sicheres Zeichen für
sine besonders schwächliche Konstitution zu sein braucht.
Waren z. B. bei einer Körpergröße bis 160 em von 361 Leuten
        <pb n="119" />
        111

mit einem Index „über — 30“ nur 53 tauglich == 14,7%, So waren
in der Größengruppe über 180 cm von 1028 Mann mit gleichem Index
447 — 43,5%, tauglich. Rechnet man noch die wegen sonstiger
Körperfehler Untauglichen hinzu, so ist von den kleinen Leuten bei
141 =— 39,1%, von den ganz großen bei 570 = 55,4% kein Zustand
 festgestellt worden, welcher auf besondere körperliche Schwächlichkeit
 oder Neigung zu Lungenerkrankungen hingewiesen hätte.
Etwas zuverlässiger gestaltet sich das Ergebnis, wenn man nur
die Leute mit dem höchsten Index (über — 35) in Betracht zieht,
immerhin sind bei den ganz großen Leuten auch hier nur 64,4%
wegen Schwächlichkeit usw. für untauglich erklärt, während bei 35,6%,
also über einem Drittel, ein derartiger Zustand nicht notiert war.
Es kann also hier nur wiederholt werden, daß für den Einzelfall
die Pignetsche Methode nur vereinzelt, d. h. bei kleinerer Körperlänge
 sich als brauchbar erweisen dürfte, daß sie aber bei größeren
Leuten zu versagen scheint.
Daß dem so ist, kann im Grunde genommen nicht überraschen.
Villaret!) hat an der Hand von über 40000 Einzeluntersuchungen
nachgewiesen, daß die Differenz zwischen Körpergröße (in cm) und
Körpergewicht (in kg) um so größer war, je größer die Untersuchten
waren. Verfasser?) hat ferner — in Bestätigung früherer Erfahrungen
 — gezeigt, daß auch die Differenz zwischen Körpergröße
and Ausatmungsbrustumfang mit steigender Körperlänge ganz konstant
und erheblich zunimmt. Es ist also einleuchtend, daß die Differenz
zwischen Körperlänge einerseits und Brustumfang und Körpergewicht
andererseits, wie sie Pignet seiner Methode zu Grunde legt, schon
zanz normaler Weise mit steigender Körpergröße etwas zunehmen
muß, da eben Brustumfang und Gewicht mit dem Längenwachstum
nicht gleichen Schritt halten.
Jedenfalls beweisen die obigen Ausführungen, daß man bei Benutzung
 der Pignetschen Methode die Körpergröße nicht außer Acht lassen
larf, wodurch natürlich auch die S. 102 besprochene Möglichkeit ihrer
Anwendung zum Vergleich verschiedener Bevölkerungs- usw. Gruppen
ne Einschränkung erfährt. —
Wenn in folgendem die Ergebnisse einiger weiterer Untersuchungen
iber das Verfahren gebracht werden sollen. so geschieht es. weil trotz

1) Villaret, Körpergröße und Körpergewicht. Deutsche militärärztl. Zeit
schrift. 1905. S. 474.
2) Schwiening, Ueber Körpergröße und Brustumfang bei tuberkulösen
äınd nichttuberkulösen Soldaten. Ebendas. 1906. S. 273.
        <pb n="120" />
        „12

der ausführlich besprochenen Vorbehalte für die Benutzung der Methode
im Kinzelfalle man im allgemeinen doch soviel aus der Verteilung
der Indexgruppen schließen kann, daß dort, wo viele Leute mit hohen
Differenzen vorhanden sind, auch die Zahl der . schwächlicheren
Personen eine größere sein wird, als bei dem Vorwiegen der mittleren
und niedrigen Differenzegruppen.

Im folgenden Abschnitt soll untersucht werden, ob die verschiedenen
 Schularten wesentliche Unterschiede nach der
Pignetschen Methode erkennen lassen. Es seien wieder nur
Jie Daten für diejenigen Schulen gebracht, welche nach der Höhe
der absoluten Zahlen einige Gewähr für die Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit
 der Prozentberechnungen bieten.

iymnasien

Real- * Oberrealyymnasien
 - schulen

Realschulen


Seminare

Gesamt-Summe


Index

abs. | 9%

abs. | 0 I abs. | 9

abs. | 0

abs. | 9%

abs. | 0/n

+ &amp;amp;)
— bis 10
— 11 bis 20
— 21 bis 30
81 bis 35
über 85

2312| 4,4
4991| 9%
13660 26.2
9591 37,6
6950| 13.4
4562 8,8
Summe ]24920 [100.0] 6722) 100,0] 39811100,0[ 8874 100.0]2888'100.0[52066| 100.0

282|
608
11

In der Tat zeigt die Verteilung auf die Indexgruppen bei den
5 aufgeführten Schularten deutliche, wenn auch nicht erhebliche
Unterschiede, und zwar derart, daß bei den Seminaren, Gymnasien
und Öberrealschulen die hohen Indexgruppen am geringsten und bei
den Realgymnasien und Realschulen am stärksten vertreten sind; die
niedrigen Indexgruppen zeigen dementsprechend das umgekehrte Verhalten,
 während die Leute mit einer Differenz von 21—30 geringere
Schwankungen aufweisen.
Faßt man die Gruppen „— 1 bis 10“ und „— 11 bis 20“, die
Kräftigen, einerseits und die Gruppen „— 31 bis 35“ und „— über 35“
andererseits zusammen und ordnet die Schulen nach der Höhe der
so gewonnenen Prozentzahlen, so ergibt sich folgende Reihenfolge:
Von je 100 aus den betreffenden Schulen hervorgegangenen und
endgültig abgefertigten Leuten
        <pb n="121" />
        — 113

Realschulen . . .
Realgymnasien . .
Oberrealschulen . .
Gymnasien . .
Seminare . . .

hatten einen Index

Lbies — 81 und
- bis20| darüber

31,9 25,0
34,8 24,9
35.4 21.4
38,0 20,1
411.7 16.4

waren untauglich erklärt worden
‘ weren

allgemeiner
Schwächlichzeit,
 schwacher
Brust usw.

allgemeinerSchwächlichkeit,
 schwacher Brust,
einschl. Krankheiten der
Lungen u. des Brustfells

15,1
14.1
18,6
12,2
9.6

16,4
6
7
j40
11.0

Gesamtdurchschnitt | 85,8 | 222 | 128 | 14,4 5
In der vorstehenden Reihe nehmen also die „Kräftigen“ stetig
zu, die „Schwachen“ stetig ab. Zum Vergleich sind dann in den
beiden letzten Spalten die Zahlen für die wegen allgemeiner Schwächlichkeit
 usw., sowie wegen Schwächlichkeit und Krankheiten der
Atmungsorgane für untauglich Erklärten (S. 50/51) hinzugefügt;
38 ergibt sich, daß auch in dieser Beziehung die 5 Schulen genau die
yleiche Reihenfolge innehalten, wie nach der Pignetschen Formel.
"Tafel 15.

;6

hatten
Realschule

Von je 100 Abgefertigten
einen Index von 7 wegen allgemeiner
Shane ruhe TATEN | OS Kreml keitmtaugli
mp" — Obkorpealschule \ Gymnasium Seminar

14

29

20

R

4

2

7eröffentl. aus dem Gebiete des Milit.-Sanitätsw. 40. Heft.
        <pb n="122" />
        — 114

Hingewiesen sei dabei übrigens auf den Unterschied zwischen
der Höhe der Untauglichen einerseits und der nach Pignet als besonders
 schwächlich anzusehenden Leute. Die Prozentzahlen der
letzteren sind durchweg erheblich größer, als bei den Untauglichen.
Nun mag ja noch bei einer Anzahl von Leuten eine erhebliche, die
Diensttauglichkeit aufhebende, körperliche Schwächlichkeit bestanden
haben, bei denen aber nicht diese als Untauglichkeitsgrund vermerkt
ist. sondern ein anderer, gleichzeitig bestehender Körperfehler.
Könnte man die Zahl dieser Leute feststellen, so würde sich
aatürlich der Prozentsatz der wegen Körperschwäche für untauglich
Ärklärten nicht unerheblich erhöhen.

10.

Daß aber von den zu den hohen Indexgruppen gehörigen
 Leuten, wie im Gesamtdurchschnitt (S. 99), so auch
bei den einzelnen: Schulen bei weitem nicht alle in Wirklichkeit
 untauglich gewesen sind oder an einer bemerkenswerten
 allgemeinen Körperschwäche bezw. einer Lungenkrankheit gelitten
 haben, beweisen die folgenden Zahlen.

Von je 100 Leuten mit einem Index von
— 81 und darüber — 385 und darüber
waren untauglich waren untauglich
darunter weren "darunter wegen

Schulart

waren | ,
taug- | 67
lich | 8° |
samt

waren ‚,
A a3 -
35; | 58 taug- | 'P5
a z zo e-5835|
 ] lich | 8
SER 25 samt
D » ©
za,
SA

a
A ©
aSE| 3z
an | ws
‚5
3585| 0€
BES AS
DE SS
85'5S | SE
zZ €
So kA
3 }

Realschulen . . .
Realgymnasien .
Jberrealschulen . .
Gymnasien . &amp;gt;.
Seminare .
Gesamtdurchschnitt | 36,7 | 68,3 | 455 | 17,8 | 18,8 | 81.2 | 68.4 | 12,8

86,2
82,8
82,8
80.4
nn

70,1 | 16,1
67,4 | 15,4
72,8 | 10,0
65,3 15,1
572 205

Die Tabelle bedarf keiner ausführlichen Erläuterung — sie beweist,
 daß auch von den Besuchern der Hauptschulen ein recht be-‚rächtlicher
 Anteil trotz hohen Index tauglich gewesen ist oder
wenigstens nicht wegen allgemeiner Schwächlichkeit für untauglich
erklärt zu werden brauchte.
Interessant ist es, daß die Reihenfolge der Schulen in der vorsfehenden.
 Uebersicht genau die gleiche ist, wie in der Tabelle &amp;amp;. 113.
        <pb n="123" />
        — 115 —

Die kleinen Abweichungen bei den Leuten mit einem Index über — 35
erklären sich leicht durch die relativ kleinen absoluten Zahlen, die
den Prozentzahlen zu Grunde liegen.
Worauf diese immerhin bemerkenswerten Unterschiede bei den 5
in Betracht gezogenen Schulen beruhen, ist zunächst schwer zu sagen.
Da, wie wir gesehen haben, die Beziehungen zwischen Pignetschem
Index. und Tauglichkeit usw. wesentlich von der Körpergröße abhängen,
Jie verschiedenen Schularten aber auch hierin gewisse Differenzen
aufweisen, so ist es nicht ausgeschlossen, daß auf die Gestaltung der
eben besprochenen Verhältnisse diese Verschiedenheiten in der Körperlänge
 von Einfluß sind. Kine Untersuchung hierüber führt aber zu
keinen sicheren Ergebnissen, da bei einer Teilung nach Größen- und
Indexgruppen die Zahlen bei einzelnen Schulen zu klein werden, um
Vergleiche zu ermöglichen,
Es muß also mit der Feststellung der in der Tabelle S. 114
niedergelegten Zahlen sein Bewenden haben.

il...

Von Wert erschien es noch, zu untersuchen, ob sich ein Einfluß
der Länge der Schulzeit und der Zwischenzeit zwischen
Schulbeendigung und militärärztlicher Untersuchung auf
den Pignetschen Index nachweisen läßt.
Damit sind wir bei den Faktoren angelangt, welche im 1. Teile
der Arbeit stets im Vordergrunde der Erörterungen gestanden haben.
Berechnet man getrennt nach Schulbesuchsdauer einerseits und
Zwischenzeit andererseits die Verteilung der Gesamtsumme auf die
Pignetschen Indexgruppen, so ergeben sich die folgenden Uebersichten.
 Der besseren Uebersichtlichkeit sind die Differenzen von
— 1 bis 10 und — 11 bis 20, sowie von — 31 bis 35 und — über 35
zusammenzefaßt.

Von je 100‘Leuten mit einer Schulbesuchsdauer bis zum
1. IL. HL.
aatten einen Index 16, Lebensjahre 17.—19. Lebens- 20. Lebensjahre
jahre und darüber
+5 3,0 4,3 5,8
— 1 bis 20 31,3 35,5 39,9
— 21 bis 30 39,5 38,0 . 35,4
— 31 und mehr 96.2 22.2 18.9

Je länger der Schulbesuch gedauert hat, desto mehr nimmt der
Anteil der ersten beiden Indexgruppen zu, der letzten beiden ab; im
Pignetschen Sinne steigt also mit der Länge des Schulbesuches die
        <pb n="124" />
        — 116
Zahl der Kräftigen an, und fällt die Zahl der Mittelkräftigen und
Schwachen ab.
Anders gestaltet sich die Sache, wenn man die Zwischenzeit
zwischen Schulbeendigung und Untersuchung zu Grunde legt.

Von je 100 Leuten mit einer Zwischenzeit von
Ä, B. CC D.
‚Tahre 2 u. 3 Jahren 4 u. 5Jahren über 5 Jahren
+ (4) 6 3,5 4,6 5,7
— ] bis 20 50,4 37,1 36,5 34,5
— 21 bis 30 44,0 40,1 37,4 33,5
— 31 und mehr 17,9 19.4 21.6 26,3

natten einen Index

Die Leute mit einem positiven Index — an sich der geringste
Teil der Gesamtsumme — nehmen mit der Länge der Zwischenzeit
zu; der Anteil der Gruppe „1 bis 20“ steigt zunächst etwas, fällt
dann aber wieder ab; die Gruppe — 21 bis 30 nimmt ab, und die
Gruppe (— 31 und mehr) erheblich zu.
Im Gegensatz zur Tabelle über die Schulbesuchsdauer zeigen demnach
 bei der Berücksichtigung der Zeit nach der Schule die Kräftigen
‘im Pignetschen Sinne) keine ausgesprochene Zunahme, eher eine abnehmende
 Tendenz, dagegen weist die Gruppe des höchsten Index eine
sehr deutliche Zunahme auf,
Es wäre natürlich von besonderem Wert, wie in früheren Tabellen
die beiden Faktoren der Zeit während und nach der Schule zu
kombinieren, doch würde dadurch die Betrachtung zu kompliziert,
auch würden bei etwaigem noch weiterem Zusammenfassen der verschiedenen
 Gruppen die Unterschiede sich zu sehr verwischen, so daß
lie Ergebnisse doch unsicher blieben.
Aber ‚auch so sind die oben mitgeteilten Zahlen nicht‘ ohne
Interesse; besonders beachtenswert ist die Abnahme des Prozentanteils
der Indexgruppe „— 381 und mehr“ mit steigender Schulbesuchsdauer
— namentlich bei Berücksichtigung des Umstandes, daß einerseits
nach S. 92 die Körpergröße der jungen Leute zugenommen hat, je
länger sie die Schule besucht hatten, und andererseits (S. 103)
wiederum mit wachsender Körpergröße auch der Anteil der hohen
Pignetschen Differenzen zunimmt.
Wie sich im einzelnen diese Dinge erklären, ist schwer zu sagen;
man würde dazu die Verteilung auf die Körpergröße und auch wieder
die Anzahl der wegen Schwächlichkeit usw. Untauglichen feststellen
müssen, um einen näheren und sicheren Einblick in den Zusammenhang
 der verschiedensten Faktoren zu gewinnen.
        <pb n="125" />
        — 117 —

Es sei daher auch mit einer Erklärung über die Bedeutung der
fraglichen Abnahme der hohen Indexgruppen, je länger die Schulbesuchsdauer
 währt, zurückgehalten — nur soviel kann wohl gesagt
werden, daß sie als kein ungünstiges Zeichen anzusehen ist, denn sie
spricht doch dafür, daß die Schulbesuchsdauer keinen allzu ungünstigen
Einfluß auf die allgemeine körperliche Entwickelung ausgeübt zu haben
scheint, daß vielmehr im Gegenteil die Zustände von einem Mißverhältnis
 zwischen der Körperlänge und der sonstigen Körperentwickelung
 trotz langem Schulbesuch sich vermindert haben. Dieses Ergebnis,
sowie die gegenteilige Beobachtung hinsichtlich der Zwischenzeit
stimmt ja auch gut mit der früheren Feststellung über die Abnahme
der Untauglichkeit wegen allgemeiner Körperschwäche mit der Länge
des Schulbesuches bzw. mit ihrem Ansteigen mit der Länge der
Nachschulzeit überein — vgl. S. 56 ff.
Diese Unterschiede in dem Anteil der Indexgruppen an der Gesamtsumme
 je nach der Schulbesuchsdauer und der Länge der Zeit
nach der Schule können nun vielleicht auch zur — wenigstens teilweisen
 — Erklärung für die Verschiedenheiten bei den einzelnen Schulen
herangezogen werden, wie sie uns S. 113ff. entgegengetreten sind.
Nach den Tabellen S. 12 und 17 hatten nämlich die Schule bis
zum 20. Lebensjahre und darüber besucht
von den Seminaristen ., .
Gymnasiasten .
Realgymnasiasten
Yberrealschülern
Realschülern

78,3%
31,1 ”
16,2
13,1
43

‚

Ferner hatten eine Zwischenzeit zwischen Schulbeendigung und
Untersuchung aufzuweisen von

ı Jahr
von den Seminaristen Sn
»„ Gymnasiasten $ m
Öberrealschülern 1%,U0 ,,
Realgymnasiasten 10,0 ,,
Realschülern 6,5.

4 und mehr Jahren
18,5%
65,3
70,6
72,6 ,
171

Die Schulen ordnen sich also nach der Schulzeit sowohl als auch
nach der Zwischenzeit genau oder fast genau in der gleichen Reihenfolge,
 wie in der Tabelle S. 118, d.h. je länger bei jeder Schule der
Schulbesuch gedauert hat und je kürzer die Zwischenzeit bis zur
Meldung zum Diensteintritt gewesen ist, desto günstiger stellte sich
auch bei den betreffenden Schülern die nach der Pignetschen
Formel gemessene körperliche Entwickelung dar, und desto niedriger
        <pb n="126" />
        — 118 —

war unter ihnen die Zahl der wegen allgemeiner Schwächlichkeit,
schwacher Brust und Erkrankungen der Lungen als dienstuntauglich
Ausgemusterten — und umgekehrt,
Die Regelmäßigkeit und der Parallelismus in diesen Reihen ist
doch zu auffällig, um allein auf Zufälligkeiten zurückgeführt werden
zu können.
Betrachtet man die verschiedenen Schulen unter gleichzeitiger
Berücksichtigung der Schulbesuchszeit und Zwischenzeit, so ergeben
sich im allgemeinen die gleichen Verhältnisse hinsichtlich der prozen-‘ualen
 Verteilung der Indexgruppen, wie wir sie für die Gesamtsumme
festgestellt haben — mit der Maßgabe, daß auch in den einzelnen
Unterabteilungen sich die bei den einzelnen Schulen nachgewiesenen
Unterschiede mehr oder minder ausgesprochen bemerkbar machen.
Es erübrigt sich, die entsprechenden Zahlen zu bringen, es möge
daher an diesen kurzen Bemerkungen darüber genug Sein.

Von Interesse war es endlich, zu untersuchen, wie sich der
Pignetsche Index nach der Gebürtigkeit der Leute verhält.
In der folgenden Tabelle sind daher für die aus den einzelnen Pro-/inzen
 und Staaten usw. (+eborenen die entsprechenden Zahlen angeführt.
 Der bequemeren Uebersichtlichkeit wegen sind wieder nur
4 Indexgruppen gebildet.
Nimmt man mit Pignet an, daß der Index „— 1 bis 20“ für eine
kräftige Konstitution spricht; so zeichnen sich hiernach Ostpreußen,
Westfalen und Rheinland am meisten in dieser Beziehung aus; am
geringsten ist dieser Index in Berlin, Brandenburg, Posen, Schlesien,
den Hansestädten, im Königreich Sachsen, Württemberg. und auffälliger
 Weise auch in Westpreußen, Schleswig-Holstein und in den
veiden Mecklenburg vertreten.
Die ungünstige Indexgruppe „— 31 und darüber“ finden wir am
seltensten in Ostpreußen, Pommern. Westfalen, Elsaß-Lothringen und
sodann in den bayerischen Gebieten, ausgenommen die Pfalz, am
häufigsten in Berlin, den Hansestädten, Königreich Sachsen, sowie
wiederum in Schleswig-Holstein.
Es lag nun nahe, diese Ergebnisse mit den Untauglichkeitsprozenten
 auf Grund von allgemeiner Körperschwäche und schwacher
Brust zu vergleichen. Es sind daher in folgendem die Geburtsstaaten
ausw. nach der Höhe der genannten Untauglichkeitsquoten geordnet
aufgeführt, und daneben der Prozentsatz für den Index „— 31 und
larüber“ gesetzt.

12.
        <pb n="127" />
        119 —

Von den Abgefertigten hatten einen Pignetschen
Index von

Geburtsstaat
provinz

Ostpreußen .
Westpreußen .
Zerlin . .
Brandenburg .
Pommern . .
Posen . . . .
Schlesien . 0. 2... 4
Sachsen, Anhalt. . .
Schleswig-Holstein . . .
Tannover, Braunschweig,
Oldenburg . . . +.
Westfalen, Schaumburg-Lippe,
 Lippe . . . -
Hessen-Nassau, Waldeck .
Rheinland . . . . .
)berbayern . .
Niederbayern
Schwaben .
Unterfranken
Malz. .
Mittelfranken
)berfrauken
Öberpfalz .
K. Sachsen. . .
Württemberg .
Baden . . ;
Jessen . . 0... 0.
Mecklenburg-Schwerin und
-Strelitz . ... ..
Thüringische Staaten . .
Hansestädte . . . .
Zlsaß-Lothringen E HR

Deutsches Reich. . . .
Ausland. . .

Gesamtsumme }ı

1 bis 20 | 21 bis 30 |81 u. darüber
abs. | 9% ! abs. | 9% | abs. | 9% | abs. | %

+ (4

95
56
144
89
71
54
127
157
24

6,5
5,7
4,9
4,2
5,9
4,9
4,2
5,0
95

6453
329
961
716
437
369
1058
1159
298

44,0
33,38
38,1
23,9
36,6
33.4
34,8
36,9
30.8

475
359
980
783
453
433
1106
1186
399

32,4
36,4
38,7
87,1
37,8
39,2
36,3
87,7
413

240
243
824
528
236
249
752
641
246

17,1
24,6
28,3
24,8
19,7
22,5
24,7
20,4
954

195

ı 585 1 1977

36.8

1317

274

790

290.7

213
117
287
23

6,5
4,9
5,1
3,0
6,3
2,4
2,2
4,7
3,1
4,8
4,1
2.4
3,0
4,4
46

15320
867
2471
430
122
238
312
309
8322
207
125
314
756
70F
523

40,4
36,2
43,7
38,8
36,9
38,0
38,5
36,1
33,4
37,9
36,1
26,8
21.5

1102
918
1967
428
126
253
334
304
429
217
143
1362
004
823
509

88,7
38,3
84,7
38,6
38,1
40,3
41,2
35,6
44,5
39,7
41:3
40,1
41,4
40,0
36.1

535
495
935
218
62
121
146
202
184
96
64
1038
590
438
3214

19,4
20,6
16,5
19,6
18,7
19,8
18,0
28,6
19,0
17,6
18,5
30,6
24.4
21,3
999

‘5
8
0
30
6
A

32
14
90
65

2,

2

571

28 | 4,0 | 220
62 4,9 | 449
23 1,6 | 3887
42 3811 512

81,3
85,7
25,9
389

291
495
592
532

41,4
39,8
41,3
39.6

164
253
434
9256

23,3
20,1
30,2
19.1

2292 | 41 18427
2029 215

ars

D

19319
272

27,6 11887; 22,1
39.91 175! 25,7

U.

9312 | 4,4

18651 ı 35,8

19591

8761113121 22.9

Darunter
K. Preußen . . . . 1589 5,1. 11368 37,6 10907 36,1 6419| 21,2
K. Bayern. . . . .. 197 | 8,5 | N OORT 36,9| 2234‘ SO 1098 | 19,6
Dieübrigen deutsch. Staaten | 556 | 3.6 | 5008 Sl 6178| 839,7! 3825| 24.6

Da die bayerischen Regierungsbezirke z. T. recht kleine absolute
Zahlen aufweisen, sind Oberbayern, Niederbayern und Schwaben einerseits,
 Ober-, Mittel-, Unterfranken und Oberpfalz andererseits zusammengefaßt.

Von 100 in den betreffenden Gebieten Geborenen
        <pb n="128" />
        120 —

waren untauglich hatten einen Index
yegen allgemeiner von — 31 und
Körperschwäche darüber

Elsaß-Lothringen
Pommern . .
Ostpreußen. . &amp;gt;
Thüringische Staaten . .
Hannover, Braunschweig, Oldenburg .
Westfalen, die beiden Lippes .
Rheinland * ,
Baden . .
Nördl, Bayern. . .
Provinz Sachsen, Anhalt
Westpreußen . .
Hessen. . . .
Hessen-Nassau, Waldeck
Schleswig-Holstein .
Südl. Bayern . .
Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz
Königreich Sachsen
Pfalz . .
Württemberg
Brandenburg
Hansestädte
Schlesien
Posen .
Berlin

a

2%
“9
10,8
10,8
11.4
1,6
1,6
1,9
2,2
12,3
12,6
2,7
2,7
3,1
14,2
‘4,4
‘4,6
5,0
5,8
5,8
16,3
29.2

19,1
19,7
17,1
20,1
20,7
19,4
16,5
21,3
18,4
20,4
24,6
22,2
20,6
25,4
25,4
23,3
30,6
23,6
24,4
24,8
30,2
24,7
22,5
98.3

Daß kein voller Parallelismus zwischen den beiden Zahlenreihen
besteht, kann zunächst nicht Wunder nehmen; dazu sind die Zahlen
für manche Gebiete zu klein, und die prozentualen Unterschiede
vielfach zu gering — schon eine mäßige Aenderung .des Prozentsatzes
würde die Stellung mancher Gebiete in der Reihenfolge nicht unwesentlich
 beeinflußen. Immerhin läßt sich auch in der Indexreihe
ein gewisses Ansteigen der Prozente nicht verkennen; zumal am Anfang
 und am Schluß ist die Uebereinstimmung deutlich erkennbar,
während in der Mitte, wie fast stets in derartigen Reihen, größere
Abweichungen zu verzeichnen sind.
Besonders hervorgehoben sei, daß Westpreußen, Schleswig-Holstein,
 Königreich Sachsen und auch die Hansestädte sich durch einen
auffallend hohen Anteil in der Indexreihe auszeichnen, der gegenüber
der Zahl der wegen allgemeiner Schwächlichkeit Untauglichen überrascht.


Umgekehrt zeichnen sich Rheinland, das nördliche und südliche
Bayern, auch Posen in der Indexreihe durch günstige Prozentzahlen
aus, welche auch auf eine günstigere Stellung hinsichtlich der wegen
        <pb n="129" />
        — 1921

allgemeiner Körperschwäche Untauglichen hätte schließen lassen, als
os in Wirklichkeit der Fall ist.
Abgesehen von den oben angeführten Momenten der kleinen
Zahlen und der geringen prozentualen Unterschiede zwischen vielen
Gebieten muß aber bei diesen Abweichungen von der sonst hervortretenden
 Regelmäßigkeit berücksichtigt werden, welch’ verschiedene
Faktoren sich als wirksam auf die Gestaltung des Index erwiesen
haben, so die Körpergröße, die Schulbesuchsdauer und die Zeit nach
der Schule. Doch ist es nicht möglich, den Einfluß aller dieser Verhältnisse
 nach Geburtsstaaten zu untersuchen; wie schon mehrfach
betont, würden bei einer weiteren den oben genannten Gesichtspunkten
vorzunehmenden Differenzierung der Zahlen diese zu klein werden,
um als Grundlagen für Prozentberechnungen zu dienen. Es könnten
so leicht falsche Bilder entstehen, welche den tatsächlichen Verhältnissen
 nicht entsprechen und so zu falschen Schlußfolgerungen führen
würden. Man muß sich daher, wie schon an verschiedenen früheren
Stellen der Untersuchungen, so auch hier darauf beschränken, die sich
ergebenden zahlenmäßigen Tatsachen als solche hinzunehmen und die
weitere Erforschung der Gründe für gewisse Abweichungen und Unterschiede
 gegenüber früheren Ergebnissen späteren Untersuchungen an
der Hand eines größeren Materials überlassen.

Diesen Untersuchungen über das Pignetsche. Verfahren ist ein
stwas breiterer Raum eingeräumt, als es zunächst der Zweck der
ganzen Arbeit erforderlich zu machen scheint. Es sollte aber die
Gelegenheit benutzt werden, das bisher nur wenig erprobte Verfahren
einer eingehenden Nachprüfung zu unterziehen, wozu das vorliegende
über 50000 Einzelfälle umfassende Material die beste Gelegenheit
bot. Daß dabei auch die eine oder andere, nicht unmittelbar zum
Thema gehörige Tabelle mitberücksichtigt werden mußte, ist leicht
erklärlich, doch erschien eine Trennung der Untersuchungen und gesonderte
 Veröffentlichung nicht angezeigt, zumal sich ja aus der Gesamtheit
 der Betrachtungen über die Pignetsche Methode auch eine
Reihe von Anhaltspunkten gewinnen ließ, welche für die Bewertung
der in den früheren Abschnitten des Buches gewonnenen Ergebnisse
nicht wertlos waren.
        <pb n="130" />
        VII. Besondere Beobachtungen über Störungen des
Sehorgans bei den zum einjährig-freiwilligen Dienst
berechtigten jungen Leuten in Deutschland.

Von
Jberstabsarzt Dr. Nieolai.

1. Einleitendes.
Schon seit langer Zeit hat die Frage nach dem schädlichen Ein-Auß
 der Schule auf die Funktionen des Sehorgans im Vordergrund
des Interesses gestanden; die Schulhygiene hat sich in erster Linie
damit beschäftigt, Unterrichtswesen und Sozialwissenschaft sind ihr
gefolgt. Die ersten planmäßigen Untersuchungen an einer großen
Zahl von Schülern hat H. Cohn?!) ausgeführt, zahlreiche Arbeiten
über diesen Gegenstand folgten. Von den Brechungsfehlern war die
Hyperopie nur mit 2,3 % beteiligt, allerdings nur manifeste Hyperopie.
Nimmt man die fakultative Hyperopie hinzu, so sind die Zahlen
wesentlich höher [Erismann?) 43 %; Cohn bei atropinisierten Augen
vechts 77 %,, links 64%]; da in der Jugend Hypermetropie der
normale Refraktionszustand des Auges ist. Diese Ergebnisse sind
nichtssagend gegen die Zahlen über Kurzsichtigkeit. Es fand sich
Myopie in 10 °%,,, die Myopie ist in Dorfschulen selten, steigt in den
Stadtschulen von den niederen zu höheren an; sie steigt an nach
Zahl und Grad innerhalb der Schule, steigt schließlich mit den Schuljahren.
 Bei der progressiven Myopie muß naturgemäß, wie es bei
der fortschreitenden Erkrankung anderer Körperorgane auch der Fall
ist, die Funktion leiden, also die Sehschärfe allmählich abnehmen.
Die Zunahme der Kurzsichtigkeit in den höheren Schulen
betrug:

1) Cohn, H., Untersuchungen der Augen an 10060 Schulkindern, Nebst
Vorschlägen zur Verbesserung der den Augen nachteiligen Schuleinrichtungen.
Eine ätiologische Studie, Leipzig 1867.
2) Erismann, Archiv für Ophthalm. Band 17, 1.
        <pb n="131" />
        — 123 —

Dorfschule . . 1,4%
Elementarschule . 6,7 „
Mittelschule . . 10,3 ,
Realschule .‘ . 19,7 „
Gymnasium . . 262 „i

In den Realschulen fand sich von Sexta bis Prima ein Anstieg
bis 44 %: in den Gymnasien bis 55,8 %,, einmal sogar bis 64,8 %.
Spätere Untersuchungen haben keine wesentlichen Aenderungen ergeben,
 einige Ausnahmen günstigerer Zahlen nicht zu rechnen (z.B.
Kadettenkorps, Sanitäts-Bericht 1884/88, S. 136ff.).
Es ist schon an sich ein zweifelhafter Vorzug der auf höheren
Schulen gebildeten jungen Leute; daß die Augen Gefahr laufen, an
Kraft ihrer Leistung einzubüßen; ein grüßerer Nachteil aber erscheint
28, daß schon bei Beginn des Studiums die höhere Ausbildung für
den Beruf oft eine Störung erleidet, daß die geistige Arbeitskraft im
Beruf eine Beschränkung erfährt, einzelne Berufszweige überhaupt
nicht zugänglich sind. Noch beklagenswerter ist es, daß unsere
gebildete Jugend für ihren Beruf körperliche Fehler mitbringt, welche
sich nach der Schulzeit steigern und Spannkraft wie Leistungsfähigkeit
 schwächen können. Die militärischen Behörden aber haben an
diesen beklagenswerten Verhältnissen ihr besonderes Interesse, als
sehr viele junge Leute mit der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen
Dienst wegen Augenleiden bzw. Augenfehler den Anforderungen nicht
entsprechen. Die Augen-(Brechungs-)lehler stehen mit 3,6 % aller
Abgefertigten an dritter Stelle (vgl. S. 44). Es werden wegen Augenfehler
 sogar 10,3 % aller Untauglichen entlassen. Es bedarf kaum
der Erörterung, daß die höhere Schulbildung nach Art und Dauer
Schuld daran trägt, daß wir bei den zum einjährig-freiwilligen Dienst
berechtigten jungen Leuten diese ungünstigen Verhältnisse vorfinden.
Während bei der Musterung, Aushebung, Einstellung der Heerespflichtigen
 die Prüfung des Sehorgans nur seltener Schwierigkeiten bereitet,
 nimmt dieser Teil der Untersuchung bei den Kinjährig-Freiwilligen
 die meiste Zeit in Anspruch. Von 100 dauernd zum aktiven
Dienst Untauglichen sind gegen 10,3 % KEinjährig-Freiwillige nur
1,4 °%, sonstige Militärpflichtige zu finden.
Unter diesen Umständen lag es nahe, auf der Zählkarte für Ein-Jährig-Freiwillige
 den häufigen Augenfehlern durch genauere Befundangaben
 Rechnung zu tragen. Es kommt bei der Untersuchung des
Sehorgans im wesentlichen auf die Sehleistung an, und zwar getrennt
für beide Augen: dementsprechend lautet die Frage im Formular:
        <pb n="132" />
        124

Befund an den Augen,
Sehschärfe rechts ............................ links
Stwaige Brechungsfehler oder sonstige Veränderunger
rechts ... links

Ein sorgfältiger Untersucher fand hier Gelegenheit, seinen Befund
an den Augen klar und übersichtlich einzureihen; außerdem bot die
weitere Rubrik „Sonstige Fehler .....................“ noch Platz für Augenfehler,
 welche z. B. das Sehvermögen nicht beeinträchtigen, schließlich
 blieb noch übrig, die Nummer der Anlage 1 A bis E der Heerordnung
 in die Spalte: „Untauglich wegen u.“ einzutragen.
Bei dieser Ausführlichkeit der Befundangaben in Augenfehlern
war zu erwarten, daß nach dieser Richtung das statistische Material
sehr wertvoll und ergiebig werden würde,
Wenn man einige Tausende der Zählkarten durchmustert, zeigt
sich, daß Fehlerquellen trotz aller Sorgfalt nicht zu vermeiden gewesen
 sind,
Zunächst ist jede Sehprüfung, wie sie, zumeist mit Brillenkasten.
ausgeführt wird, eine subjektive Methode, abhängig von der Aufmerksamkeit
 des Untersuchten, von individueller Disposition, z. B. Ermüdung,
 Erregung, von der Art der Beleuchtung, von den Sehproben.
von der Uebung des Untersuchers in schwierigen Fällen von Sehprüfungen.
 Eine objektive Kontrolle durch Schattenprobe, ophthalmoskopische
 Untersuchung des Augenhintergrundes im aufrechten Bild
usw. wird selten ausgeführt; oft fehlt es an Zeit, an Uebung, am
Instrumentarium, Dunkelraum usw. Und wenn Sanitätsoffiziere mit
augenspezialistischer Vorbildung sich Zeit und Mühe geben, die genauesten
 Resultate zu ermitteln, so läßt sich diese Forderung nicht
allgemein aufrecht erhalten. Ueberhaupt scheint jede Prüfung eines
Sinnesorganes auf seine Leistungsfähigkeit gewisse Grenzen zu haben,
welche nicht bloß gezogen sind durch die Unzulänglichkeit der
Apparate und mangelnde Uebung, sondern auch durch mannigfache,
nicht zu beeinflussende. Momente. Es wird ja auch bei den gewöhnlichen
Untersuchungen etwaige latente Hyperopie, Akkommodationsvermögen,
Farbensinn nicht geprüft. . Trotzdem scheinen mir die Ergebnisse
durch ihre Menge, durch annähernde Genauigkeit an statistischem Wert
nicht wesentlich einzubüßen.
Auch sei erwähnt, daß die Angaben bisweilen unvollständig sind,
da man z. B. bei voller Sehschärfe des rechten Auges die geringe
Sehschwäche des linken Auges nicht genau nach Ursache zu ergründen
suchte.
        <pb n="133" />
        125

Von der statistischen Verwertung etwaiger Befunde über Augenkrankheiten,
 Resten von Krankheiten, sonstiger Fehler war abzusehen,
da diese Angaben häufig fortgelassen sind, die vorhandenen kein einwandfreies
 Urteil zulassen. Sehr häufig haben diese Fehler das Sehen
nicht beeinträchtigt, sind also irrelevant, oder haben Sehstörung veranlaßt,
z. B. Hornhautflecke, dann sind ihre Folgen bei der Sehleistung in Beiracht
 gezogen. Der statistische Wert leidet anf diese Weise wenig Einbuße.
Augenleiden, welche z, B. unter Anlage 1 D und E 20 (Lider und
Bindehäute), 1 E21 (Bindehäute), 1 D und E 22 (Tränenorgane), 1 D 23
(Augenzittern), 1 E23 (Lähmungen), 1 E29 (tiefere Gebilde der Augen)
fallen und zur Untauglichkeit führten, unterstehen weniger dem
schädlichen Einfluß der Schule und sind gesondert nicht ausgezählt
worden; auch sind ihre Zahlen zu klein, um daran statistische Bemerkungen
 zu knüpfen. Wenn dieselben die Funktion der Augen
störten, so sind dieselben eingerechnet ohne Rücksicht auf diese
Aetiologie. Es bleibt noch zu erörtern, daß junge Leute, berechtigt
zum einjährig-freiwilligen Dienst, mit Augenleiden eingestellt sind,
welche bei der Untersuchung entgangen sind oder gegen Erwarten
nach der Einstellung doch zur Entlassung als dienstunbrauchbar
kamen, z. B. Fälle von Sehschwäche an der Grenze des zulässigen
Maßes. Diese Anzahl kann nur gering sein; so wurden z. B. nach
dem Sanitäts-Bericht 05/06 wegen Herabsetzung der Sehschärfe, Kurzsichtigkeit,
 Blindheit im ganzen 609 Mann dienstunbrauchbar entlassen,
bei denen das Leiden schon vor der Einstellung bestand; legt man
die Zahlen für die Iststärke eines Jahrganges und der KEinjährig-Freiwilligen
 zu Grunde, erhält man 28 Einjährig-Freiwillige. Diese
Zahl ist vielleicht im allgemeinan noch zu hoch, da bei den Einjährig-Freiwilligen
 die Untersuchungen der Augen für die Tauglichkeit stets
vesonders sorgfältig vorgenommen werden.

2. Plan der Einteilung.
Es galt, die Störungen des Sehvermögens bezw. die Fehler des
Brechungsvermögens so zu gruppieren, daß man eine Uebersicht erhält,
 in welchem Umfange von einem schädlichen Einfluß der Schule
auf die Sehkraft zu sprechen ist, Ich schuf daher folgende 4 Gruppen:
Von den zum einjährig-freiwilligen Dienste im Heere Berechtigten
L. hatten Fehler des Sehvermögens;
2. hatten nach Ausgleich etwaiger Brechungsfehler auf einem oder
beiden Augen volle Sehschärfe;
3. litten an Sehschwäche auf beiden Augen;
4, litten an Kurzsichtiykeit auf einem oder beiden Augen.
        <pb n="134" />
        126 —.

Die 1. Gruppe gewährt einen Ueberblick darüber, wie viel
Junge Leute überhaupt auf den höheren Schulen Augenfehler haben;
es ist ja leider eine traurige Erfahrung, daß mit der gesteigerten
Kultur, mit der höheren geistigen Bildung unter den Sinnesorganen
besonders das Auge in seiner Leistungsfähigkeit geschädigt wird.
Will man diesem Uebel energisch beikommen, mit schulhygienischen
Maßnahmen, oder mit Vorschlägen zur Schulreform, so bedarf es,
um durchzudringen und zu überzeugen, statistischer Resultate,
warnender Zahlenreihen, welche auch dem Zweifler die Notwendigkeit
Aringender Abhilfe klar vor Augen führen.
Die 2. Gruppe liefert diejenigen, welche wenigstens auf einem
Auge, mit oder ohne Glas, volle Sehschärfe haben, d. h. die Leistung
des Sehens entspricht den Anforderungen. Es werden in dieser
Gruppe zwar nicht Alle zum Militärdienst tauglich sein, denn es gehören
 z. B. Fälle mit Kurzsichtigkeit über 6,5 D und gleichzeitiger
5 = %, Fälle von einseitiger Blindheit bei voller Sehschärfe des
anderen Auges hinein. Junge Leute, welche S = %%, beiderseits ohne
jede Korrektur aufwiesen, sind nicht gezählt, es schleicht sich hier ein
kleiner Fehler ein, welcher praktisch aber nicht sehr in das Gewicht
lällt. Es wäre ja möglich, daß S = %g, eine empirische Größe,
bereits. schon eine Herabsetzung darstellt, daß der Betreffende eigentlich
5 &amp;gt;1 haben müßte oder gehabt hat, auch ist die latente Hyperopie
aicht eingerechnet, welche als Brechungsfehler gilt und nur mit
Atropin bei völliger Ausschaltung der Akkommodation zu ermitteln ist.
Die 3. Gruppe gibt ein Bild, wie verbreitet die Sehschwäche
beiderseits ist; es handelt sich hier also um einen nicht zu korrizierenden
 Ausfall beiderseits, die Sehleistung ist beeinträchtigt. Die
Gruppe 1 stellt also die Summe der Gruppen 2 und 3 dar.
In der 4, Gruppe wird die wichtige Frage nach der Verbreitung
der Kurzsichtigkeit auf den höheren Schulen beantwortet; werden; an
einem so umfangreichen Material (nach abgeschlossener Schulzeit) ist
dieses, sonst schon wiederholt bearbeitete Thema nicht erörtert worden.
Es gibt uns ein Gesamtbild, welche Schäden für das Auge der Besuch
der höheren Lehranstalten in Deutschland mit sich bringt, welche Einfüsse
 die Kurzsichtigkeit auf Berufsleben und Wehrfähigkeit ausübt,
Eine Teilung in diesen 4 Gruppen nach Tauglichkeit und Untauglichkeit
 erschien nicht geboten, da ja die dauernd Untauglichen
besonders nach den entsprechenden Nummern der H.0. 1D und E25
(Herabsetzung der Sehschärfe), 1 D 26 (Kurzsichtigkeit), 1 D und
E27, ausgezählt worden sind und zuletzt besprochen werden sollen.
Es haben diese Zahlen namentlich militärärztliches Interesse, weil sie
        <pb n="135" />
        127

einen Anhaltspunkt gewähren, wie viele junge Leute wegen Fehler
des Seh- und Brechungsvermögens dem Heere entzogen werden von
denen, welche durch ihre Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst
später im Beurlaubtenstande, insbesondere als Reserveunteroffiziere,
Reserve- bezw. Landwehroffiziere besondere Verwendung hätten finden
können.
Im übrigen bin ich der bereits gewählten Einteilung gefolgt,
welche mir auch für die Augenfehler zweckmäßig und wertvoll zu
sein schien, d. h. Einteilung nach Geburtsstaaten bezw. Provinzen,
nach Art der Schule, nach Schulbesuchsdauer, nach Zwischenzeit
zwischen Beendigung des Schulbesuchs und Untersuchung. Die Beziehungen
 auf Körpergröße und andere Körpermaße sind als nicht verwertbar
 in dieser Statistik fortgelassen worden. . Dagegen schien es
mir wichtig und interessant, die Berufszweige hereinzuziehen, ich stellte,
für die Gymnasien, bei den 4 erwähnten Gruppen noch (folgende
Unterabteilungen auf:
a) Studierende,
b) Kaufleute,
c) Landwirte.
d) Sonstige,
8) Unbekannt.

Unter a) sind alle verrechnet, bei denen geistige Arbeit durch
Studieren auf einer Universität, Hochschule die Augen anstrengt,
ınter b) diejenigen, welche im Bureaudienst andauernd zu arbeiten gewöhnt
 sind; jene werden auch mehr lesen, diese mehr schreiben,
rechnen müssen. Unter b) sind daher auch Bankbeamte, Supernumerare
 gezählt worden. Bei c) sind außer Landwirten auch
Gärtner, Oekonome usw. verrechnet.
Während unter d) Berufsarten stehen, welche sich nicht bei a bis ©
gruppieren ließen, enthält e) diejenigen, bei welchen die berufliche
Entscheidung noch ausstand, z. B. Schüler, Abiturienten,
Die Prozentzahlen sind berechnet auf die in der betreffenden
Gruppe vorhandene Anzahl endgültig Abgefertigter, deren Gesamtsumme
 52650 beträgt; ihre Verteilung auf die einzelnen Schularten
ist bereits ausführlich auf S. 7/8 gegeben.
Die Gymnasien nehmen etwa die Hälfte aller Abgefertigten in
Anspruch und bieten daher besonderes Interesse.
        <pb n="136" />
        128

3. Augenfehler bei den zum einjährig-freiwilligen Dienst
berechtigten jungen Leuten, welche Gymnasien besucht haben.
Es ergab sich folgende Tabelle:

Von den zum einjährig-freiwilligen Dienste im Heere
Berechtigten (Gymnasien)

il. hatten Fehler des Sehvermögens. ... .. ,
2. hatten nach Ausgleich etwaiger Brechungsfehler auf einem
oder beiden Augen volle Sehschärfe, . . ..
3. litten an Sehschwäche auf beiden Augen . . ...
£. litten an Kurzsichtigkeit auf einem oder auf beiden
Augen .0.0.0. e
der endgültig Abgefertigten.

Ahs.

1/5

12 063

47,8

7 965
4. 098

81,5
16.2

9310 | 36,9

Es ist also annähernd die Hälfte aller Abgefertigten mit Fehlern
des Sehvermögens behaftet (47,8 %/,); es ist dies für unsere Gymaasien
 ein sehr beschämendes Resultat, welches zu ernstem Nachlenken
 über die Ursachen dieses Uebelstandes herausfordert.
Unter den 47,8 % waren noch immerhin zwei Drittel 31,5 %, bei
jenen die Sehschärfe wenigstens auf einem Auge voll gefunden
wurde, Für diese mag die Leistung des Sehens gut sein, da man ja
auch mit einem guten Auge z. B. vorzüglicher Schütze werden kann;
aber die Vorteile des binokularen Sehaktes, das stereoskopische Sehen,
das Entfernungsschätzen fallen mehr‘ oder weniger fort, auch ist die
Ausdauer des Nahesehens durch schnellere Ermüdung beeinträchtigt.
Wer in Gruppe 2 volle Sehschärfe beiderseits nach Korrektur des
Brechungsfehlers hatte, genießt zwar die Vorteile des binokularen
Sehens, lebt aber in steter Abhängigkeit von seiner Brille, einer
gläsernen unentbehrlichen Stütze: Ein Drittel, 16,2 %, hat Sehschwäche
 beiderseits, welche von ‘bestimmter Grenze an sich nachteilig
 fühlbar macht, ob nun Gläser getragen werden oder nicht. Diese
jungen Leute sind für manche Berufsarten, außer dem Soldatenstande,
nicht geeignet z. B. Forstkarriere, Handelsmarine, Maschinentechnik,
Kisenbahndienst.
In der 4. Gruppe stehen die Kurzsichtigen mit 36,9 % aller Abgefertigten;
 legt man die Zahl der Gruppe 1 zugrunde, so ergibt sich,
daß von den 12 063 mit Fehlern des Sehvermögens Behafteten 77,2 %,
an Kurzsichtigkeit litten. Diese Zahlen beweisen, daß auf den Gymnasien
 die Kurzsichtigkeit in einer erschreckenden Weise verbreitet
ist. Vergleicht man das Ergebnis mit früheren Untersuchungen, so
ergibt sich eine von der Art der Untersuchung abhängige Unregel-
        <pb n="137" />
        129

mäßigkeit in mäßigen Grenzen, eine deutliche Abnahme im Laufe der
Jahre läßt sich nicht feststellen. Es ist dies ein Zeichen, daß die
bisher getroffenen Maßnahmen seitens der Behörden auf dem ‚Gebiete
der Augenhygiene, und speziell der Schulhygiene, nicht hinreichen oder
lie eigentlichen Ursachen nicht treffen, Ich stelle folgende Tabelle
zusammen, welche auf Vollständigkeit keinen Anspruch erheben will:
1867 Cohn 2080.20.
1871 Erismann (Petersburg)
1873 v. Hoffmann
1876 Scheiding .
1878 Burchardt.
1881 Dürr. .
1888 2 2
1884 v. Hippel
1885 Stilling. .
1885 Schmidt-Rimpler
1889 Kirchner
1904 Greeff

26,2 9%
29,8
38
55
32
10,7
35
4
20
33,6
34,5
31,0

Aus der Fülle der Untersuchungen über Kurzsichtigkeit in
Schulen habe ich vorstehend 12 Arbeiten herangezogen, deren Ergebnisse
 sich nur auf Gymnasien beziehen; der durchschnittliche Prozentsatz
 beträgt 36,6 %, und befindet sich mit obigem Ergebnis unserer
Statistik im harmonischen Einklang, in gleicher Weise ein durchschnittlicher
 Prozentsatz won 8 Ergebnissen aus Untersuchungen,
welche von Dürr!) erwähnt werden =— 36,9 %.
Unsere Untersuchungen bei den zum einjährig-freiwilligen Dienst
verechtigten jungen Leuten bestätigen die bisherigen Resultate völlig.
Große Schwankungen in den Zahlen kommen hier und dort vor und
ıängen von örtlichen Momenten, oft auch von der Kleinheit der Gesamtzahlen
 ab, z. B. Gymnasium Burgdorf (158 Schüler) 10 9% gegen
xymnasium ‚Erlangen (175 Schüler) 55 %.
Es besteht freilich ein Unterschied in‘ der Art der Untersuchung,
da jene Prüfungen an Schülern von Gymnasien ausgeführt sind, bei
anserer Statistik der Schulbesuch meist beendet war, bisweilen sogar
zine größere Zeitspanne seit Beendigung des Schulbesuches verflossen
war. Indessen läßt sich ziffernmäßig feststellen, daß dieser Umstand
ılcht wesentlich in das Gewicht fällt. ; ;
Die Kurzsichtigkeit ‚steigt im Gymnasium mit den höheren
Klassen, die von Cohn gefundenen Zahlen lauten: 12,5, 18,2, 23,7,

1) Dürr, E., Die Entwickelung der Kurzsichtigkeit während der Schuljahre.
 Braunschweig 1884,

Veröffent]l. aus dem Gebiete des Milit.-Sanitätsw. 40. Heft.
        <pb n="138" />
        130

31, 41,3, 55,8. In Prima sind also mehr als die Hälfte der Schüler
kurzsichtig. Da zwei Drittel der kursichtigen Gymnasiasten unserer
Statistik die Schule bis zum Examen (0 I) besucht haben, ein Drittel
bis zum Berechtigungszeugnis für. den einjährig-freiwilligen Dienst
U ID, so haben wir durchschnittlich mehr Myopen zu erwarten,
während jene erwähnten Untersuchungen an Schülern von VI. bis I. Kl.
vorgenommen sind. Nach Cohn steigt aber auch der Grad der
Myopic in den Klassen an, wir bekommen also höhere Grade der
Kurzsichtigkeit zu sehen, auf deren Rückgang in der Zeit nach dem
Schulbesuch in erheblicher Weise kaum zu rechnen ist.
Erwähnt sei noch eine neuere Arbeit von Seggel!) (1897),
welche die traurige Erfahrung der weitverbreiteten Kurzsichtigkeit in
Gymnasien nur zü deutlich bestätigt. Er fand bei KEinjährig-Freiwilligen,
 welche bereits eingestellt waren, 58 %, Kurzsichtige, bei
Absolventen von Gymnasien 65,5 %,.
Die Vergleiche mit anderen Schularten werden später besprochen
werden; über die Ursachen des besonders schädlichen Einflusses der
Gymnasialbildung auf das Sehorgan wird sich noch wiederholt zu
sprechen Gelegenheit finden, besonders bei Erwähnung der bisherigen
Maßnahmen zur Besserung des Uebels und etwaiger zu empfehlender
reformatorischer Vorschläge,

a) Augenfehler der zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten
 jungen Leute, welche Gymnasien besucht haben,
unter Berücksichtigung der Schulbesuchsdauer.
Alle bisherigen Untersuchungen haben fast einstimmig ergeben,
daß die Fehler des Sehvermögens zunehmen, je länger der schadenbringende
 Einfluß der Schule besteht, dies trifft insbesondere für die
Gymnasien zu. Folgende Tabelle gewährt Aufschluß:

Von den zum einjähr.-freiwill.
Dienst Berechtigten

1. Fehler des Sehvermögens .
2, usw. volle Sehschärfe .
3. usw. Sehschwäche . . .
1 Kurzsichtigkeit, . . ..
°% der Abgefertigten, welche
) Fehler des Sehvermögens
hatten . .

Summe

Schulbesuch bis zum
Lebensjahre

16. | 19.

20. u.
länger

12 063
7965
4098
98310

307 7308
542 4829
265 2487
620 | 5605

3 948
2 601
1347
3.085

77,2 | 76,81 76.7 | 78,2

99 der
Abgefertigten

16. ! 19. "20, u.
länger

41,9
28,2
13,8
399

47,2
31,2
161
269

50,8
33,1
17,2
39.8

Sa !
1) Seggel, Münch, med, Wochenschr. 1897. S. 1042.
        <pb n="139" />
        . 131

Es ergibt sich zunächst durchgehend, daß der Besuch der Schule
in der überwiegenden Mehrzahl bis zum 19. Lebensjahre währte, da
die Gymnasialbildung meist als Vorstufe des Studiums gewählt wird,
also die Schüler selten mit dem Zeugnis zum einjährigen Dienst abgehen.
 Dann zeigt sich in allen 4 Gruppen eine stetige Zunahme
der Augenfehler mit der längeren Dauer des Schulbesuches; und zwar
ist die Differenz zwischen Spalte 1 (bis 16. Lebenjahre) und Spalte 2
(bis 19.) größer als zwischen Spalte 2 und 3. Mit 19 Jahren ist
durchschnittlich die Prima erreicht, die Schädigung des Sehorgans
kann nun durch weitere Zunahme geistiger Anstrengung keine erhebliche
 Steigerung mehr erfahren.
Die Prozentzahlen in Gruppe 4, berechnet auf die Zahl der Abgefertigten,
 welche überhaupt Fehler des Sehvermögens hatten, hbeweisen
 von neuem, daß unter den Augenfehlern die Kurzsichtigkeit
am höchsten steht, und zwar, ohne Rücksicht auf Schulbesuchsdauer,
mehr als drei Viertel beträgt. Die Hyperopie und der Astigmatismus
werden häufiger nicht festgestellt sein, besonders, wenn die Sehschärfe
den Anforderungen genügte, oft wird aber Schielen auf bestehende
Hyperopie hingewiesen haben; Cohn fand z. B. unter 239 Hyperopen
‘bei 10 060 Schulkindern in Breslau) 158 = 66 %, Schielende. ;
Es läßt sich angesichts dieser Zahlen für die Verhütung der Zunahme
 vorhandener Kurzsichtigkeit die Frage ventilieren, ob es nicht
ratsam erscheint, daß kurzsichtige Gymnasiasten, deren Myopie bis
U IL dauernd anstieg, mit dem Zeugnis zum einjährigen Dienst
herauszunehmen und Berufszweigen zuzuführen, welche geringere Sehkraft
 beanspruchen. Man nützte den jungen Leuten, auch würde
mancher militärtauglich sein, welcher bei weiterem Schulbesuch durch
höheren Grad der Kurzsichtigkeit und sinkende Sehschärfe später
nach 1 D 25 oder 1 D 26 zum Dienste untauglich befunden wird. Es
wäre Aufgabe der Schulärzte, den Eltern dringend zu raten, im gesundheitlichen
 Interesse der Söhne ihrem Ehrgeiz zu steuern. Die
Kurzsichtigkeit ist eine Krankheit mit progressivem Verlauf in der
Schulzeit, wird aber leider gar zu oft als unvermeidliches Uebel behandelt.
Die Oberklassen der Gymnasien liefern die schädlichen Ursachen in
erhöhtem Maße, heute noch so wie früher, trotz palastartiger Neubauten
 nach hygienischen Regeln, trotz neuer Schulbanksysteme usw.
Es kommen ja auch die häuslichen Räumlichkeiten in Betracht, in
lenen von den Schülern der höheren Klassen. oft fast ebenso lange täglich
zearbeitet wird wie in der Schule selbst.
Es bleibt in erster Linie die anhaltende Naharbeit unter unyünstigen
 Verhältnissen, Platz, Beleuchtung, Körperhaltung, Kopl-
        <pb n="140" />
        — 132 —

neigung, Druckschrift usw. anzuschuldigen; dazu kommt noch das
Tragen ungeeigneter, schlecht sitzender, schlecht gehaltener Brillen
und Kneifer. Ich erwähne nur die von vielen Seiten aufgeworfenen
Klagen der Ueberbürdung; Beschränkung der Unterrichtsstunden, Reform
 der Lehrpläne, Aenderung des Lehrstoffes, Begünstigung eines
vernünftigen Schülersportes usw. Hier müssen Aerzte und Pädagogen
gemeinsam abwägen, einander Rechnung tragend, prüfen und dann
ebenso durchgreifend wie hartnäckig auf Grund statistischen Materials
bessernde Maßnahmen vorschlagen und durchbringen. Es lohnt der
Mühe zu bessern, denn die bisherigen Erfolge sind gering, leider noch
viel zu gering.

b) Augenfehler der zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten
 jungen Leute, welche Gymnasien besucht haben,
anter Berücksichtigung der Zwischenzeit zwischen Sehulbesuch
 und Untersuchung.
Es ergeben sich hier sehr wechselnde Resultate, deren Regellosigkeit
 zunächst auffallen muß. Folgende Zahlenreihen lassen sich
tabellarisch aufstellen.

Von den zum einjährigfreiwilligen
 Dienst
Berechtieten

l. Fehler des Sehvermögens.
 . . . .
2. usw. volle Sehschärfe
 . . . ..
3. usw. Sehschwäche |
4. Kurzsichtigkeit . |
9% der Abgefertigten,
welche Fehler des
Sehvermögens hatten {

S
summe

Zwischenzeit
‚Jahre

du. 314 u. 5lübers

92068

9056|

1938! 4820) 3754

7965
1098
9210

1545| 1368 2878| 217«
511° 565| 1442| 1580
1641| 1495| 3247| 299”

77.2 | _ „a w% 3 | WI

4C

CO
der Abgefertigten

(9 1. 314 u. 5lüber5

195,9

48.7

49,3

39.4

28,6
20,8
PA

Man hätte erwartet, daß in den Spalten, welche die Zwischenzeit
geben, die Prozentzahlen abnehmen, da man glauben könnte, daß je
eher die Schule verlassen wird und je größer die Zwischenzeit ist,
die Verhältnisse sich günstiger gestalten und die Augenfehler sich
bessern, zurückgehen und verschwinden. Indessen richtet sich dies
vor allem nach der Tätigkeit, welche nach Abgang von der Schule
folgt, und, da 2 Drittel der wegen Fehler des Sehvermögens abgefertigten
 Gymnasiasten sich dem Studium widmet, also doch mit geringer
 Ausnahme bis OI die Schule besucht hat, so schließen sich
an die bisher vorhandenen Schädlichkeiten der Schule diejenigen des.
        <pb n="141" />
        138

Studiums an. Letztere sind nicht gerade geringer zu veranschlagen,
jedenfalls nicht geeignet, vorhandenes Uebel in kurzen Jahren auszugleichen.
 Bei den Kaufleuten, welche häufig in früheren Altersjahren mit
lem Zeugnis der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst abgehen,
 ist die Bureauarbeit von 6—10 stündiger Dauer nicht viel
weniger schädlich.
Die hohen Prozentzahlen in Spalte 1 zeigen deutlich die Nachwirkung
 der Schädlichkeiten von der Schule her, in Spalte 2 bemerkt
man eine Abnahme wie eine Reaktion, aber leider ist es keine
lauernde Besserung.
Nach den Zahlen in Spalte 3 und 4 (Zwischenzeit über 4 Jahre)
warten die meisten jungen Leute mehrere Jahre nach beendetem
Schulbesuch mit der Erledigung ihrer militärischen Dienstpflicht, oft
sind sie noch zu jung, zu schwach oder schieben es aus anderen Gründen,
z. B. des Berufes, hinaus. Wer sich sofort meldet, weiß meist, daß
er dienen muß oder überhaupt nicht militärtauglich beurteilt werden
wird. Diejenigen, welche sehr lange Zeit, über 5 Jahre warten, haben
oeim Studium oder kaufmännischer Tätigkeit die Augenfehler nicht
selten verschlechtert; daher sind wohl die Zahlen in Spalte 4 der
Prozentzahlen bei Gruppe 1, 3 und 4 hoch, aus demselben Grunde
»ei Gruppe 2 (volle Sehschärfe) gering.
Es entspricht diesen Erwägungen, daß die Prozentzahlen bei
Kurzsichtigkeit, berechnet uf die Zahl der Abgefertigten, welche
Fehler des Sehvermögens hatten, in Spalte 1—4 am höchsten sind.
Nur in Gruppe 3 (Sehschwäche auf beiden Augen) ist ein langsames
Ansteigen mit der Länge der Zwischenzeit zu bemerken, ein Beweis
lafür, daß, wenn beide Augen an Sehkraft einbüßen, die ersten, gewiß
anstrengenden Jahre im Beruf bzw. des Studiums, mit ihren hohen
Anforderungen an das Sehen die Verhältnisse eher verschlechtern als
oessern. In den 3 anderen Gruppen sind viele mit voller Sehschärfe
enthalten, auf einem oder beiden Augen, mit oder ohne Korrektur,
Jaher die Unregelmäßigkeit in den Zahlen, welche die Zwischenzeit
berücksichtigen. Die höheren Zahlen in Spalte 4 geben vielleicht
noch ein Bild für die Erfahrung, daß auch nach beendeter Schulzeit
im Beruf, auch nach Jahren, Augenfehler nicht abnehmen, Vorsicht
and Rücksicht, Behandlung und Verhütung ebenso wenig geübt und
zepflegt werden als zuvor, sogar noch weniger, da hygienische Maßaahmen
 im Berufsleben der gebildeten Stände oft am schwersten
Eingang finden.
        <pb n="142" />
        134

ce) Augenfehler der zum einjährig-freiwilligen Dienst bevechtigten
 jungen Leute, welche Gymnasien besucht haben,
unter Berücksichtigung der Berufsarten.
Leider wird bei der Auswahl des Berufes, gerade in den gebildeten
 Gesellschaftsklassen, auf die Beschaffenheit des Sehorgans
wenig Rücksicht genommen; junge Leute mit höheren Graden von
Kurzsichtigkeit widmen sich dem Studium, Lehrerberuf; nur in einzelnen
 Berufszweigen wird bezüglich der Sehkraft eine Grenze gezogen.
Für den Soldatenstand, Dienst bei der Marine, Post-, Forstverwaltung,
Kisenbahndienst bestehen Vorschriften. Für die Schüler der Bürgerschulen,
 Gemeindeschulen usw. hat Silex!) in einer Arbeit die Berufszweige
 nach den optischen Anforderungen gruppiert und für die
Berufswahl Anhaltspunkte gegeben.
Es war mir von Interesse zu erfahren, bei den mit Augenfehlern,
besonders Kurzsichtigkeit, vorzüglich behafteten Gymnasiasten, welche
Berufszweige vertreten waren und welche derselben die meisten Augenfehler
 aufzuweisen hatten. Folgende Tabelle gibt einigen Aufschluß:

Darunter waren + 04 der Abgefertigten

3ruppe

9% der Abgefertigten,
welche Fehler des
Sechvermögens hatten

il
de
ä |®
= }
N *

a

ir
at
st m
Cr

kw

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1
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3

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DD

© -
&amp;gt; $
© 9
&amp;gt; S .
zz «
als
S&amp;amp; PR
Tl a

|

‚2068|7969/2762 330' 271 731
7965/5162 1802| 226| 166) 609
4098|2807| 960 104 0 129
93101622812064! 2238| 204! 591

50,7! 42,1| 36,5| 54,2| 46,5
32,9| 27,4 25,0 383,2| 88,7
17,9 14,6/11,5/ 21,0 7,8
89.7 81.41 24.71 40.8 37.6

77,2 | 78,2) 74,7 67,6! 75,81 80,8 — 1 ı— 1 — 1 —

Es waren also 2 Drittel Studierende, fast 1 Viertel Kaufleute,
die Zahlen in den Spalten 3—5 sind für die Statistik zu klein,
Spalte 4 und 5 sind schon an sich nicht zu verwerten. Ferner zeigt
sich, daß die Studierenden mit Augenfehlern obenan stehen, da sie
fast sämtlich das Gymnasium bis OTI besucht haben und nach dem
Schulbesuch durch geistige Arbeit, Lesen und Schreiben, die Augen
weiter geschädigt haben, Die Zahl 50,7 %,, also mehr als die Hälfte,
ist für die studierende Jugend ein betrübendes Zeichen, betrübend für
Beruf und Wehrpflicht. Unter den Kaufleuten mit 42.1 9%, sind vor

1) Silex, P., Anforderungen von Seiten der verschiedenen Berufsarten an
die Beschaffenheit des Auges, Aerztl. Sachverst. Zeitg. 1902. VIII. Jahre. No. 1.
        <pb n="143" />
        135 —

allem auch Bankbeamte, Supernumerare usw. gerechnet. Die Landwirte,
 36,5 %, besuchen seltener das Gymnasium, meist auch nur
bis U HM, die folgenden Jahre erholt sich die weniger geschädigte Sehkraft
 durch ihre Berufsarbeit im Freien und den Mangel an dauernder
Schreibarbeit. In allen Gruppen erkennt man die Abnahme der Prozentzahlen
 in den ersten drei Spalten, am deutlichsten in Gruppe 1
und 4. Deutlicher kann wohl keine Statistik reden für die Tatsache,
daß geistige Arbeit auf den Gymnasien dieselben Schäden dem Auge
zufügt, wie geistige Arbeit überhaupt; es ist das Sehen und Erkennen
der kleinen Objekte in Druck und Schrift unter ungünstigen hygienischen
 Verhältnissen, die andauernde Naharbeit. Untersucht man
Berufszweige der Industrie mit Präzisionsarbeit, z. B. Schlosser,
welche feine Arbeiten liefern, Uhrmacher, Mechaniker, so findet man
ähnliche Verhältnisse, da auch andauernde Naharbeit mit kleinen Objekten
 vorliegt. So fand Walther!) bei 83 Schlossern (Schraubstockarbeitern)
 16 Kurzsichtige = 19,3 %; während derselbe bei
jugendlichen Arbeitern verschiedener industrieller Berufsarten nur
8,1 % durch den Beruf erworbene Schwachsichtigkeit feststellen
konnte. Eine andere Statistik nach Berufszweigen gibt Seggel?,
welcher die Verhältnisse in gleicher Weise beleuchtet. Er fand bei
1600 Soldaten Kurzsichtigkeit
lL. bei den Bauern . . .
2. bei Tagelöhnern und Städtern . .
3. bei Handwerkern und Gewerbsleuten
4. bei Kaufleuten, Schreibern usw. . .
J. bei Einjährig-Freiwilligen , 2... © „
6. bei Gymnasialabiturienten 651

”

Overweg®) untersuchte die Einjährig-Freiwilligen bei der Truppe
und stellte Kurzsichtigkeit in 45 %, gegen 5,6 % bei Ersatzrekruten
fest; ich*) selbst fand 36,9 % gegen 3,3 %. Das Verhältnis war
vel Overweg also 8:1, bei mir sogar 11:1.
Alle diese Zahlen zeigen und beweisen, daß Fehler des Sehvermögens
 und insbesondere Kurzsichtiegkeit (nach unserer Statistik

]) St. A. Walther, Augenuntersuchungen von 2500 Arbeitern verschiedener
industrieller Betriebe. Arch. für Augenheilk. Bd. 42. S. 15.
2) Seggel, Ueber den Einfluß der Beleuchtung auf die Sehschärfe und die
Entstehung der Kurzsichtigkeit. Münchener med. Wochenschr. 1897. S. 1042,
3) Overweg, Beitrag zu dem Vorkommen von Kurzsichtigkeit in der Armee
and Einfluß auf den militärischen Dienst, Festschrift zur 100jährigen Stiftung des
Friedrich-Wilhelm-Instituts, 1895.
4) Nicolai, Ueber die Grenzen des Sehvermögens bei der Augenuntersuchung
 unserer Soldaten. Deutsche mil. Zeitschr. 1904. 8. 2353.
        <pb n="144" />
        186

78,2 9%, bei den Studierenden, 74,7 %, bei den Kaufleuten, berechnet
auf die Zahl der Abgefertigten, welche Fehler des Sehvermögens
haben) unter den Einjährig-Freiwilligen außerordentlich häufig sind.
Es bleibt noch die Frage zu beantworten, welchen Einfluß die Dienstzeit
 auf diese Augenfehler ausübt, da ja Naharbeit für ein Jahr fortfällt,
 im Gegenteil Weitsehen beim Schießdienst, Gelände-Dienst, Entfernungsschätzen
 usw. an die Stelle treten. Es ergibt sich dabei die
günstige Beobachtung, daß eine Besserung des Augenübels eintritt,
daß die Dienstzeit gut macht, was Schule und Beruf verdorben haben.
Överweg!) fand bei scinen Untersuchungen, daß sogar in 50% bei
Myopie mit Herabsetzung der Sehschärfe wieder volle Sehschärle
eintritt, ein sehr günstiges Resultat. Ich habe dieselbe Beobachtung
machen können, besonders auch bei Hyperopen, wenn die passenden
Konvexgläser getragen wurden. Es entspricht dies den sonstigen Erlahrungen,
 daß körperliche Fehler häufig durch die Dienstzeit beseitigt
 und gebessert werden, daß nach geistiger Arbeit, Aufenthalt
in Klassen, Bureaus usw. die Bewegungsfreiheit in frischer Luft dem
Körper in den Entwicklungsjahren ersprießlich ist und die Jugend für
den Beruf stählt und kräftigt. Das Auge ist für das Sehen nah und
[ern eingerichtet, einseitiger Gebrauch schadet; wenn man das Sehorgan
 benutzt seiner vollen Bestimmung entsprechend, so ist der Gebrauch
 desselben der Leistungsfähigkeit fördernd und steigert seine Kraft,
ein Gesetz, das auf die Sinnesorgane wie auf alle anderen zutrifft.
Es bleibt zweckmäßig noch ein Wort zu sagen über die Augenfehler
der Studierenden, welche bei den Gymnasien 2 Drittel aller die Schule
verlassenden jungen Leute betragen, welche sehr häufig aber erst Jahre
bis zum Diensteintritt vergehen lassen. So warten Juristen gern bis
nach dem Referendarexamen, um eher auf Beförderung rechnen zu
können; Mediziner warten bis nach dem Staatsexamen, um hintereinander
 als Soldat mit der Waffe und als einjährig-freiwilliger Arzt zu
dienen, Theologen, Philologen warten ebenfalls oft die Examina ab.
Einige mögen auch erwarten, später eher militärfrei zu werden,
Wie in der Schule mit den Altersklassen, so — muß man annehmen
 — nimmt die Kurzsichtigkeit im allgemeinen während des
Studiums zu. Nach den bisherigen Statistiken trifft dies wohl zu.
1861/65 Gärtner. Tübingen, Theol.
1861/79 ;
1861/82 N ” ”
1867 Cohn. Breslau. allg.
1880 Med.
I) Orerweg, l. c.
        <pb n="145" />
        187 —

Collard, Utrecht. allg 27 9%
Tscherning. Kopenhagen. . 38
Anroy. Leyden, 3l
Kremer. Gröningen. n 32
Davidson, Aberdeen. » 12—16
Randall. Philadelphia. „ 10
Cranicean. Budapest. Med. 30
Auf deutschen Universitäten sind die Zahlen auffallend hoch;
die Reihenfolge der Fakultäten ist etwa Juristen, Mediziner, Theologen
 und Philologen, Philosophen. Auf fremden Universitäten sind
die Zahlen erheblich günstiger und besonders England, Amerika
stehen mit ihrem akademischen Sport besonders gut. Schon Donders
hat ernst auf die progressive Myopie der Studenten hingewiesen und
zum Einschreiten aufgefordert, er verlangt fortlaufende Statistiken
über Augenfehler derselben Studenten bis zum Ende des Studiums
zum Zwecke des Vergleiches.
So erweist sich immer wieder erhöhte geistige Anstrengung als
den Augen besonders schädlich, wenn es dauernd fortgeht und dem
Sehorgan keine Ruhe gegönnt wird; ja temporäre Ueberbürdung steigert
die Myopie graduell, wie Cohn feststellen konnte. Er fand .bei
Medizinern vor dem tentamen physicum 52%, nach demselben 64 %,,
und spricht von einer Examensmyopie, wie sie sich nicht bloß in
Examen der Staatslaufbahnen, sondern auch bei Abiturientenexamen,
Seminaristenexamen geltend macht. Tscherning!) stellte bei Rekruten
 in Kopenhagen Vergleiche an durch Augenuntersuchungen,
rechnete freilich erst die Myopnie von mehr als 2 Diomptr.

Studenten . .
Studierte Leute .
Komptoristen ,
Beamte, Künstler . .
Handwerker, grobe Arbeiter
» feine Arbeiter
Banern, Fischer, Seeleute

38 9
32
16,
3
Do
y

ZB

Man ersieht an den Zahlen, wie die Beamten und der Kaufmannstand
 sowie die Künstler, welche ja auch fast alle Berechtigung zum
einjährig-freiwilligen Dienst oder eine gleichstehende Schulbildung genossen
 haben, schon bedeutend günstiger stehen als die Studenten,
durchschnittlich 14,5% gegen 35 %.
Dieser Tatsache, daß die Studierenden ihre Augen durch andauernde
 Naharbeit verderben können, entspricht die Beobachtung,
1) Tscherning, Studien über die Aetiologie der Myopie. Archiv für
Ophthalm. Ba. 29. S. 201.
        <pb n="146" />
        = 138 —

daß in den Altersklassen des Schulbesuchs und mit einiger Einschränkung,
 welche sich begründen läßt, in den Zwischenzeitsklassen
doch im allgemeinen die Tendenz der Zunahme unverkennbar ist.
Bei den folgenden Tabellen findet sich noch oft Gelegenheit, auf
diesen Gegenstand zurückzukommen; er kehrt auch in den Gruppen
1—3 wieder, da ja Myopie stets der häufigste Brechunegsfehler ist.

4. Fehler des Sehvermögens (Gruppe 1)
der zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten jungen Leute,
unter Berücksichtigung der Schularten.
Da der Schulzeit mit ihren Schädlichkeiten ein besonders ungünstiger
 Kinfluß auf die Sehkraft zugeschrieben wird, und zwar den
(iymnasien an erster Stelle, so war es nach den verschiedensten Gesichtspunkten
 interessant, die Schularten miteinander zu vergleichen,
Es geben die Cohnschen Tabellen in dieser Richtung einigen Aufschluß,
 er fand Kurzsichtigkeit bei 10 060 Kindern:
1]. Dorfschulen in... 1,4 9%
2, Elementarschulen in 6,7
3. Mittelschulen in . 2. 2. 163
4. Realschulenin. . 19,7
5. Gymnasien in 26,2
Unserer Statistik liegt eine weit größere Zahl zugrunde; außerdem
 ist auf jeder Zählkarte vermerkt, wie die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen
 Dienst erworben wurde, nach $ 90, 8 91, $89,6 der
Wehrordnung bzw. welche Schule besucht wurde: so wurde eine größere
Vollständigkeit erreicht.

8,
9.
10,
11.

Abgefertigte

absolute Zahl

07

Gymnasien . .
Realgymnasien .
Progymnasien .
Realprogymnasien .
Überrealschulen. . .
Realschulen . . . .
Seminare , . . .
Handelsschulen . . .
[ndustrieschulen. . .
Landwirtschaftsschulen
Privatschulen . .
Summe $&amp;amp; 90
Nach 8 91

25246
6791
313
142
4026
3953
2910
578
369
601
Pr

12063
3017
142
64
1596
3780
‚030
209
159
159

47,8
44,4
45,4
45,1
39,6
42,2
35,4
36,2
48,1
26,5
29 1

| 50407 22406 44,5
1976 755 1 38,2
Nach &amp;amp; 89.6 967 79 296
Gesamtsumme | 52650 | 928940 | 44,1
        <pb n="147" />
        — 139 —

Diese "Tabelle gibt in Spalte 1 die endgültig Abgefertigten, in
Spalte 2 und 3 die Abgefertigten mit Fehlern des Sehvermögens,
abs. und 9%, letztere Zahl berechnet auf die Abgefertigten in Spalte 1.
Nach $ 90, auf Grund des Zeugnisses einer autorisierten höheren
Schule, haben die größte Mehrzahl 50407 =— 95,7 % die Berechtigung
 zum einjährig-freiwilligen Dienst erworben; von diesen haben
44,5 % Fehler des Sehvermögens, also nicht viel weniger als die
Hälfte. Nach $ 91, auf Grund eines wissenschaftlichen Examens vor
einer Prüfungskommission, haben 1976 = 3,8%, die Berechtigung
zum einjährigen Dienst erlangt, hiervon haben 38,2 %, Augenfehler.
Nach 8 89,6, auf Grund von Hand-, Kunstfertigkeit oder besonderer
Leistungen, unter Erlaß des Nachweises wissenschaftlicher Befähigung,
haben 267 = 0,5 °% die Berechtigung erlangt, davon sind mit Augenfehlern
 behaftet 29,6 %.
Für die Beurteilung der Augenfehler, welche bei den nach 8 91
und $ 89,6 der Wehrordnung zum einjährig-freiwilligen Dienst Berechtigten
 vorkommen, sind die absoluten Zahlen zu klein, immerhin
ergeben die Prozentzahlen einige Anhaltspunkte. Junge Leute, welche
vor einer Prüfungskommission ihr Examen ablegen, haben meist
vorher eine andere Schule besucht und werden nunmehr unter erhöhter
 Arbeitskraft vorbereitet. Die Meisten haben also die Schule
nur bis OIIM oder UI besucht, Klassen, in denen besonders Kurzsichtigkeit
 noch in mäßigem Grade ‚und in geringerer Anzahl vorzukommen
 pflegt. Diesen Verhältnissen entspricht die Zahl 38,2 %,.
Bei den nach $ 89,6 zum einjährig-freiwilligen Dienst‘ Berechtigten
besagt die niedrige Prozentzahl 29,6 %,, daß hier Mittel-, Elementar-,
Gemeindeschulen mit ihren nachweisbar geringeren spärlichen KEinflüssen
 auf die Sehkraft besucht wurden, daß im übrigen Leistungen
and Fertigkeiten im Beruf, Gewerbe, Handwerk, Kunst, vorlagen,
welche die Augen weniger schädigten. .
Bei den Schularten zu S$ 90 sind die absoluten Zahlen bei
No. 8—11 zu klein, so daß die Prozentziffern leicht zu falschen
Schlußfolgerungen führen können; bei No. 3 und 4 trifft dies auch
zu, doch kann man hier die Progymnasien den Gymnasien, die Realprogymnasien
 den Realgymnasien an die Seite stellen. Die Reihenfolge
 der höheren Schulen ist: Gymnasium 47,8 %, Realgymnasium
44,4 9/,, Realschule 42,2 %,, Oberrealschule 39,6 %, mit Fehlern des
Schvermögens, es ist dies eine so traurige Tatsache, daß man von
Erfolgen auf dem Gebiete der Augenhygiene kaum sprechen kann.
Die Seminare mit 1030 = 35,4 % stehen nur etwas besser, die
Landwirtschaftsschulen mit 159 — 26,5 9%, am «günstigsten. Bei den
        <pb n="148" />
        140 —

Schularten 8, 9 und 10 ist‘ wohl häufig der Besuch einer anderen
Schule voraufgegangen; aus diesem Grunde ist die Beurteilung nicht
einwandfrei, Auf den Seminaren wird der schädliche Einfluß vielleicht
 ausgeglichen durch häufigere Gelegenheit der Bewegung im
Freien, die Seminare liegen meist in kleinen Städten.

a) Fehler des Sehvermögens (Gruppe 1) der zum einjährigfreiwilligen
 Dienst berechtigten jungen Leute, nach Schularten
 und unter Berücksichtigung der Schulbesuchsdauer.
In der folgenden Tabelle sind bei den Schularten 3—4, 8—11,
ebenso bei $ 89,6 der Wehrordnung die absoluten Zahlen zu klein
und geben in den Prozentziffern infolge großer Schwankungen kein
zutreffendes Bild.

Schulart

Summe

Schulbesuch bis zum Lebensjahre
16. ' 19. 20, und länger
abs. | % abs. ! 0. ahs ! 0%

abs. |! 9%

|. Gymnasien. . . 50,8
‚ Realgymnasien . 50,4
+ Öberrealschulen . 44,0
6. Realschulen . . 43,0
7. Seminare 85.8
Summe $ 90 | 22406| 44,5 ı 3809 | 39,9 | 13264| 44,7 5888 | 47,0
8 91 755| 38,9 " 9249 | 40,0! 380 36,8 138 | 41,2
Gesamtsumme | 23240 44,1 | 3588 | 39,6 | 13673] 44,4 | 5984 | 46,8

12063; 47,8
3017| 44,4
1596| 389,
3780| 492.5
1080] 25 A

Bei den Schularten 1, 2, 5, 6 ist eine stete Zunahme mit der
längeren Dauer des Schulbesuches im allgemeinen deutlich zu erkennen;
 bei den Seminaren fällt‘ Spalte 1 der Schulbesuchsdauer
wegen der absoluten Zahl 8 als zu niedrig für die Beurteilung aus,
die Spalten 2 und 3 sind mit den Prozentzahlen auffallender Weise
hier auf gleicher Höhe, ein Zeichen, daß die geistige Arbeit sich hier
gleichmäßiger verteilt!). In der Summe zu 890 (sämtliche Schularten
 1—11) ist die Steigerung wieder deutlich zu erkennen, ebenso
in der Gesamtsumme, wenn man die Altersklassen vergleicht. Die
Prozentzahlen bei $ 91 geben nicht das gleiche Bild; die Vorbereitung
für das Examen vor einer Prüfungskommission ist anscheinend sehr
wechselnd, die vorher besuchten Schulen sind hier nicht angerehen.

1) Auch treten die Seminaristen erst spät in die Seminare ein, stammen
oft aus der kräftigen Landbevölkerung und haben Mittelschulen besucht, daheı
die niedere Prozentzahl 835.3 vielleicht erklärlich.
        <pb n="149" />
        141

Die Tatsache, daß die Altersklasse I und IIE mit Augenfehlern am
ungünstigsten stehen, besagt, daß Irühzeitiges Verlassen der Schule
eine über das Gewöhnliche hinausgehende Anstrengung der Augen zur
Folge haben kann, andererseits aber sehr lange dauernder Schulbesuch
 ebenfalls nicht für die Sehkraft zuträglich erscheint.

b) Fehler des Sehvermögens (Gruppe 1) der zum einjährigfreiwilligen
 Dienst berechtigten jungen Leute, nach Schularten
 unter Berücksichtigung der Zwischenzeit zwischen
Schulbesuch und Untersuchung.
Nach Beendigung der Schule richtet sich die Frage, ob sofort
dienen oder warten, meist nach dem Alter, nach der körperlichen
Entwickelung, nach der Berufswahl; bei diesen mannigfachen Faktoren
müssen naturgemäß die absoluten Zahlen, bei den einzelnen Schularten,
 sehr wechselnde sein, wie folgende Uebersicht ergibt.

Summe | Zwischenzeit in Jahren
12.214 = 5) über 5

abs. | 23940 | 3894 | 4029 ! 816
A 44.1 | 445 | 389 a

7

Die meisten jungen Leute, 15 817 von 23 240, warten mit dem
Eintritt mehrere Jahre, nur !/, schließt die Dienstzeit an den Schulbesuch
 binnen Jahresfrist‘ an.‘ Aus den Prozentzahlen ergibt sich,
daß die Augenfehler bei baldigstem Diensteintritt, unter dem Einfluß
der Schule, häufig sind (44,5 %); es tritt dann in den nächsten
Jahren eine Remission ein, wie eine Besserung nach gesteigerter Anstrengung,
 38,9 %; dann aber steigt die Zahl wieder an und hält
sich, gleich als ob nach der Lehrzeit mit dem Beginn ernsterer
Berufsarbeit das Uebel wieder zunimmt, 45,4 %,, 45,9 %. Die Schularten
 verhalten sich, wie folgt:

Zwischenzeit zwischen Schulbeendigung und
Untersuchung

Schulart

Summe

ahe | 07

1 Jahr 18 Jahre
abs. | % | abs. ! %

4—B5 Jahre jüber 5 Jahre
abs. |! 9% | abs. | 0/5

ı. Gymnasien . . 49,3
*, Realgymnasien . 46,0
5. Oberrealschulen 40,9
6. Realschulen. . 43,0
7. Seminare, . . 837,2
Summe $ 90 2006 44,5 | af 39,2 1007| 45,6 wat] 46,2
5 91 755 a] 78 | 36.11 136] 32,5 | 9239| 39.1| 3021| 41.4

‘2068| 47,8
3017| 44,4
1596| 39,6
3780| 42,2
1080| 25 /
        <pb n="150" />
        142

Die übrigen Schularten sind bei der Kleinheit der absoluten
Zahlen fortgelassen.
In allen 4 Spalten folgen die Schulen wieder in der Reihenfolge:
Gymnasium, Realgymnasium, Realschule, Oberrealschule, die Seminare
stehen dagegen erheblich günstiger als diese Vollanstalten einschl. der
Realschule. Bei den Gymnasien und Realgymnasien ist der Abfall
von Spalte 1 zu 2 am erheblichsten, von 49,1 %, auf 42,2, von
48,4 9%, auf 40,8; es macht den Eindruck, als ob hier der Einfluß
der Oberklassen auf die Beschaffenheit der Augen und das Sehvermögen
 ein temporär hochgradiger ist; der Rückgang erfolgt schnell
mit dem Aufhören der schädlichen Ursachen. Die ersten Jahre des
Studiums werden ja erfahrungsgemäß auch nicht immer mit übermäßiger
geistiger Anstrengung ausgefüllt; nach 3—4 Jahren kommen dann
die Examina und nun tritt gewissermaßen ein Rückfall des Uebels
ein, der sich in den höheren Prozentzahlen der Spalten 4 und 5 auszudrücken
 scheint.

5. Volle Sehschärfe auf einem oder beiden Augen (Gruppe 2) bei
den zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten jungen Leuten,
unter Berücksichtigung der Schularten.
In dieser Gruppe befinden sich nicht etwa die Vollsichtigen ohne
erforderliche Korrektur durch Gläser, sondern Leute, welche trotz
eines Augenfehlers, meist des Brechungsvermögens, auf einem oder
beiden Augen noch volle Sehschärfe haben. Für die Tauglichkeit
zum aktiyen Dienst kommen sie in Betracht, sobald die Kurzsichtigkeit
 nicht — 6,5 übersteigt oder nicht einseitige Blindheit
vorliegt.
Man betrachte folgende Tabelle (S. 143), welcher ich zum Vergleich
die entsprechende für Gruppe 3 (Sehschwäche auf beiden Augen) vorwegnehmend
 an die Seite stelle; denn Gruppe 2 + 3 ist gleich Gruppe 1
zu erachten.
Wenn wir die Schularten mit gar zu geringen absoluten Zahlen
ausschalten, so ergibt sich für die vollgültigen höheren Lehranstalten
einschl. Realschule die Reihenfolge Gymnasium, Realgymnasium, Realschule,
 Oberrealschule, und zwar für alle 3 Gruppen. Die Unterschiede
 sind aber nicht sehr bedeutend, die höchsten und niedrigsten
Zahlen in Gruppe 2 lauten 81,5 %, und 26,1 %, in Gruppe 3 16,2 %
und 13,5 %. Es ist schwer nach den tatsächlichen Gründen zu
suchen, warum die Schulen in so verschiedenartiger Weise die Augen
        <pb n="151" />
        — 143

der Schüler beeinflussen und schädigen. Es kann hier kaum Bauart,
Beleuchtung, Druckschrift u. dgl. beschuldigt werden, denn in allen
4 Schularten gibt es darin gute und schlechte Verhältnisse; vielleicht
gibt es noch besonders viele alte, der Hygiene wenig entsprechende
Gymnasien. Man muß hier vielmehr zur Erklärung auf Lehrpläne,
Lehrstoff, Art und Menge desselben, näher eingehen.

Schulart

Gymnasien . . .
Realgymnasien . ;
Progymnasien . #
Realprogymnasien . .
Yberrealschulen . .
Realschulen . . .
Seminare . . . ..
Tandelsschulen . . .
. Industrieschulen . .
') Landwirtschaftsschulen
Privatschulen . . .

abs.

Gruppe 2 | Gruppe 3
9% abs. 0/5

7965 381,5 4098
1960 28,8 1057
95 304 47
38 26,8 26
1052 26,1 544
2438 27,2 242
705 | 24,2 325
126 | 21,8 | 83
24 | 33,6 35
49 18,1 50
18 ! 947 69

16,2
15,6
15,0
18,3
18,5
15,0
1,2
44
95
2

‚4.4

Gruppe 1(=2+38)
abs. ] | 9%

12063
3017
142
64
1596
3780
1050
209
159
159
187

|! 47,8
44,4
45,4
45,1
39,6
42,2
35,4
36,2
43,1
26,5
39.1

Summe $90 14730 ! 29,2 7676 352 22406 | 445
&amp;amp; 91 477 ' 24.1 , 978 141 755 38,2
S 89,6 49 | 184 | 3830! 11,2 79 | 29,6
Gesamtsumme I 15256 | 29,0 | 7984 | 15,2 | 23240 | 44,1
|
0/, der endgültig Abepfertigten in der betreffenden Gruppe.

Bei den übrigen Zahlen der Schularten fällt die Industrieschule
auf, welche in Gruppe 2 die Prozentzahl 33,6 %, aufweist und so die
Gymnasien sogar übertrifft. Es erübrigt hier, wie bei den anderen
Schularten, auch bei 8 91, 8 89,6 der Wehrordnung, nach Gründen
zu. suchen, da die Prozentzahlen bei der Kleinheit der absoluten
Zahlen nicht statistisch vollwertig gelten können, Vergleicht man
Gruppe 2 und 3, so finden sich alle Prozentzahlen der letzteren erheblich
 niedriger und ‘besagen, daß bei den vielen Augenfehlern,
welche. vorkommen, die Sehschärfe im allgemeinen nicht zu schr
leidet, daß bei zwei Drittel vorkommender Brechungsfehler die Schschärfe,
 auf einem oder beiden Augen, voll bleibt. Bei sorgfältiger
Gläserkorrektur, welche unbedingt der Arzt und nicht der Optiker
vorzunehmen hat, nie dem eigenen Ermessen überlassen werden darf,
würden nach meiner Ansicht sich die Verhältnisse nicht unerheblich
günstiger gestalten. Hier ist ein Feld der Tätigkeit für den Schularzt,
 auf dem er reiche Früchte ernten kann.
        <pb n="152" />
        144

a) Volle Sehschärfe auf einem. oder beiden Augen (Gruppe 2)
bei den zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten jungen
Leuten, unter Berücksichtigung der Schulbesuchsdauer
Mit der Länge der Schulzeit nehmen im allgemeinen die Augenfehler
 zu, naturgemäß werden auch in den höheren Klassen mehr
Schüler zu finden sein mit voller Sehschärfe nach korrigiertem
Brechungsfehler; andererseits wird die Steigerung der Zahlen nicht
sehr erheblich sein können, weil ja gerade in den höheren Klassen
der Grad der Kurzsichtigkeit steigt und damit bei vielen die Sehschärfe
 unter das Normale sinkt.

Schulart

Summe

abs. | 9%

. Gymnasien. . .
Realgymnasien .
. Öberrealschulen .
. Realschulen . .
. Seminare . .

7965
i 960
1.069
3

81,5
28,8
26,1

Summe nach $ 90
Nach $ 91

1A men

ans

€

Gesamtsumme | 15556| 6°)

LO

Schulbesuch bis zum . . Lebensjahre
16. | 19. |] bis 20.u.länger
abs. | % : abs. | % abs. | “9

542
320
240
882
£

28,2 4822
24,9 , 19291
24.5 | 68
25,2
a2

31,2 2601
29,3 ı 349
264 146
ü88 a8
IER

33,1
31,8
27,7
28,0
23,2

VA

4.95

29,6 4 30,8
28,2 ' _78| 2429
1 2290| 25,3 | 9057| 29.4 | 3909| 30,5

Die Prozentzahlen in den 3 Spalten für Schulbesuchsdauer sind
in der Gesamtsumme obiger Erwägung entsprechend 25,3; 29,4; 30,5 %%.
Die absoluten Zahlen zeigen, daß durchschnittlich die meisten Schüler
„bis zum 19. Lebensjahre“ (Spalte 2) in der Schule bleiben; nur die
Seminaristen machen eine Ausnahme, da ihre Aufnahme überhaupt
erst bei höherem Lebensalter möglich ist. Die Prozentzahlen
steigen bei den aufgeführten Schularten 1, 2 und 5 langsam an mit
der Länge des Schulbesuches; bei den Realschulen ist die absolute
Zahl in Spalte 3 zu klein für richtige prozentuale Bewertung.
Bei den Seminaren ist ein Abfall der Prozentzahlen zu bemerken;
 wenn auch hierfür ein plausibler Grund nicht vorliegt, so
ist gewiß erklärlich, aus dem vorangegangenen Bildungsgang auf
Mittelschulen, aus der Herkunft von kleinstädtischen und ländlichen
Verhältnissen, daß keine Steigerung der Zahlen bei den Seminaristen
zu finden ist.
Bei den nach 8 91 der Wehrordnung zum einjährig-freiwilligen
Dienst Berechtigten sind die Prozentzahlen in den 3 Altersstufen unregelmäßig;
 es liegt dies in dem unregelmäßigen Entwicklungsgang
        <pb n="153" />
        145

der Bildung, da diese jungen Leute wohl auf den verschiedensten
Schulen vorgebildet sind. ;

b) Volle Sehschärfe auf einem oder beiden Augen (Gruppe 2)
bei den zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten
jungen Leuten, unter Berücksichtigung der Zwischenzeit
zwischen Schulbesuch und Untersuchung.
In den vorhergehenden Abschnitten (vergl. S. 22 ff.) war (estgestellt,
 daß die Tauglichkeit mit der Länge der Zwischenzeit mit
wenigen Ausnahmen kontinuierlich abnimmt, daß also der jugendliche
Körper in der Berufsarbeit leidet oder doch etwaigen Schädlichkeiten
des Berufes dauernd nicht den erforderlichen Widerstand leisten kann.
Die Augenfehler verhalten sich, wie bereits erwähnt, etwas anders,
wie auch die folgende Tabelle beweist, in welcher wiederum nur die
Schulen aufgeführt sind, welche größere Zahlen aufweisen, um falschen
Bildern in der Prozentberechnung vorzubeugen.

Schulart

Summe

Zwischenzeit . . . Jahre
_ '09—? | 4—5 | über 5
abs. | % ! abs. ı %; | abs. | % | abs. | %

abs. | 9.

', Gymnasien. . .
°, Realgymnasien .
». Oberrealschulen .
), Realschulen . .
7. Seminare . .

P 174} 28,6
699| 27,3
366| 24,7
956/ 26,1
21! 27,0
2466 a4 65270 ° 211| 30,5 4368| 27,3
48 22,2 | 90/21,5| 159/26,0 | 180| 24,7
Summe | 15256 | 29.0. 2517| 33.0 2 787 | 26.9 5 380| 30.3 |4 572) 27.1

7965 1381,5
1.960 | 28,8
1052 261
2438 | 27,2
705 | 9249

1545| 36,9 1 368 29,9 12 8781 32,4
248/ 36,6 | 332 28,1 | 681| 28,7
146/80,8 | 168 | 240 Sal em’
174|80,0 | 8367194 1 es
952|23,3| 305123,61 3424.

Summe nach &amp;amp; 90
Nach $ 91

Bald nach dem Schulaustritt treten die wenigsten zum Militärdienst
 ein; die Augenfehler bei voller Sehschärfe stehen prozentualiter
hier am höchsten, mit Ausnahme der Seminare. Dann folgt ein
Rückgang der Zahlen bei den höheren Lehranstalten, besonders bei
den Gymnasien und Realgymnasien; es folgt in Spalte 3 wiederum
ein Anstieg, doch nicht zur früheren Höhe, zum Schluß ein geringer
Rückgang.
Es 1äßt sich dies Schwanken in den Prozentzahlen nicht leicht
erklären, wenn man dabei nicht bloß den. Augenfehler, sondern auch
die Schschärfe berücksichtigt. Die Seminaristen machen eine Ausnahme,
 indem dieselben meist bald zum Dienst eintreten; die Augenfehler
 sind bei ihnen seltener, eine Abnahme mit wachsender Zwischenzeit
 kann man nicht erwarten, da ihre Berufstätigkeit ja auch in den
Veröffentl. ans dem Gebiete des Milit.-Sanitätsw. 40. Heft. Cl
        <pb n="154" />
        146

Schulen liegt, Lesen und Schreiben unter ähnlichen Verhältnissen
weiter gepflegt werden. Die Rubrik für die Berechtigung zum einjährigen
 Dienst nach $ 91 entspricht in ihren Prozentzahlen etwa den
höheren Lehranstalten.
Im allgemeinen scheinen mir die Zahlen in Gruppe 2 etwas zu
hoch, da bei der Untersuchung der Einjährigen — erlaubter Maßen —
die Anforderungen nicht zu streng gehandhabt werden und daher bei
Erkennen nur einzelner Buchstaben, z.B. von Zeile 5 der Sehproben in
5 m Abstand schon volle Sehschärfe gerechnet wird. Ziffer 37 der Dienstanweisung
 zur Beurteilung der Militärdienstfähigkeit vom 9. Februar
1909 gestattet bei freiwillig eintretenden Leuten die geringsten Zulässigen
 Anforderungen an die Körperbeschaffenheit zu stellen; in
Hinsicht auf diese Konzession wird fälschlicher Weise die Sehschärfe
nicht selten zu optimistisch bemessen, besonders, wenn die jungen
Leute, z. B. Referendare, gern dienen wollen. Es werden auch oft
durch zu starke Konkavgläser, Zukneifen der Lidspalte, die wie ein
stenopäischer Spalt wirkt, bessere Resultate erzielt als wirklich unter
gewöhnlichen Umständen zu erreichen sind. Ich habe diese Erfahrung
 bei Nachuntersuchungen häufig gemacht; Sehprüfungen sind
Sinnesprüfungen und schon aus diesem Grunde bisweilen schwer genau
auszuführen, um so mehr muß man bestrebt sein, möglichst einwandfreie
 Resultate zu erlangen. Bei schlechter Beleuchtung, wie sie in
den Untersuchungsräumen nicht selten besteht, mache man mit
eigenem Auge (wenn es vollsichtig ist) oder mit dem vollsichtigen
Auge eines anderen Soldaten Kontrollprüfungen, um zu beurteilen,
welches Maß anzulegen ist. Bei den Ersatzrekruten ist es mit dem Sehen
in die Ferne besser bestellt als bei den Einjährig-Freiwilligen, welche
weniger Uebung darin gewonnen haben. Dafür spricht auch die Tatsache,
 daß bei den Einjährig-Freiwilligen sich die Sehschärfe während
der Dienstzeit bessert, selbst bei Kurzsichtigen, weil sie lernen, ihre
Augen beim Zielen und Schießen, Felddienst, Entfernungschätzen,
Patrouillendienst usw. zu gebrauchen und ihre Leistung durch Uebung
zu steigern.

6. Sehschwäche auf beiden Augen (Gruppe 3) bei den zum einjährig-freiwilligen
 Dienst berechtigten jungen Leuten, unter Berücksichtigung
 der Schularten.
Es sind im ganzen 7984 junge Leute mit Sehstörungen beiderseits
 ermittelt — 15,2 %, der endgültig Abgefertigten in dieser Gruppe;
unter diesen bilden die Gymnasiasten allein mehr als die Hälfte mit
4098, während die übrigen Vollanstalten (Realgymnasium, Oberreal-
        <pb n="155" />
        — 147

schule, Realschule) zusammen 2943 geben, der Rest entfällt auf die
Schularten 3, 4, 7—11 des 8 90, 8 91, 8 89,6.

Schulart

. Gymnasien . . . . .
Realgymnasien . . . .
ÖOberrealschulen ‘. . .
Realschulen . .
Seminare. . . ..
Landwirtschaftsschulen

abs.

4 098
1057
544
1342
325
506

Of

16,2
15,6
18,5
15,0
11,2
85

8 90 Summe | 7676 | 15,2
8 91 | 278 | 14.1

Die Prozentzahlen zeigen die schon oft gefundene Reihenfolge
wiederkehren, daß Gymnasien am ungünstigsten stehen, es folgen
Realgymnasien, Realschulen, Oberrealschulen; dann kommen mit
wesentlich besserem Stande Seminare und am besten stellen sich die
Landwirtschaftsschulen. Die Prozentzahl für 8 91, Berechtigung zum
einjährig-freiwilligen Dienst durch wissenschaftlichen Nachweis vor
einer Prüfungskommission, steht mit 14,1 unter dem Durchschnitt der
wissenschaftlichen Vollanstalten, aus denen sich diese jungen Leute
rekrutieren, welche sie aber meist nur bis Tertia oder Sekunda besuchen.


a) Sehschwäche auf beiden Augen (Gruppe 3) bei den zum
einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten jungen Leuten,
unter Berücksichtigung der Schulbesuchsdauer.
Die folgende Tabelle läßt im allgemeinen eine Steigerung mit
der Schulbesuchsdauer erkennen.

Schulart

«. Gymnasien. .
2, Realgymnasien .
5. Oberrecalschulen .
6. Realschulen

Summe

abs. | 0

4.098
1057
544
| 3492

16,2
15,6
13,5
15.0

Schulbesuch bis zum . . Lebensjahre
!bis20.u. länger
abs. | 9%

16. 19.
ahe | 0%, ! abs. |

265
188
102
547

13,8 | 2486
14,6 | 664
10,5 | 355
156 | 734

16,1 1347
“51 205
14.1 | 86
145 61

17,2
18,6
16,8
158

1195' 14,4 4468 ' 15,0 2013! 16,2
86 142 | 137 18,1 551 170
Gesamtsumme | 7984! 15,2 | 1298‘ 14,8 | 4616 15,0 | 2075| 16,2
10*
        <pb n="156" />
        48

[n den ersten drei Schularten ist die Steigerung der Prozentzahlen
durch die Altersklassen deutlich ausgeprägt, ebenso wie in der Summe
zu 8 90; bei der Realschule ist in Altersklasse II (bis 19. Lebensjahr)
ein Rückgang zu verzeichnen, welchen ich mir vielleicht so erklären
kann, daß mit 17—18 Jahren die abgehenden Realschüler die größten
Schädlichkeiten nicht erfahren haben, die gleichen Verhältnisse finden
sich bei 8 91 vor. Immerhin bleibt dies Ergebnis sehr auffallend.
In den Altersklassen der Gesamtsumme ist die Steigerung wieder
deutlich, die Sprünge aber sind unbedeutend, so daß vielleicht die erwähnten,
 unregelmäßigen Schwankungen Zufälligkeiten sein können,
welche bei absoluten Zahlen unter 100 vorkommen können.

b) Sehschwäche auf beiden Augen (Gruppe 3) bei den zum
einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten jungen Leuten,
unter Berücksichtigung der Zwischenzeit zwischen Schulbesuch
 und Untersuchung.
Es bestätigt sich in der folgenden Tabelle, daß im Allgemeinen
mit der Länge der Zwischenzeit die Tauglichkeit abnimmt, insofern
als die Sehschwäche beiderseits durch Augenfehler am verbreitetsten
ist in der Spalte 4, wie die Prozentzahlen. ergeben, am geringsten
in Spalte 1, von hier also allmählich ansteigend zunimmt. Es werden
nur diejenigen Lehranstalten berücksichtigt, bei denen die absoluten
Zahlen größer sind und daher falsche Bilder in der Prozentberechnung
fortfallen.

Schulart

über 5
abs. (9
569 20,8
3 187
11163
620 16,9
Summe $ 90 7676 115,9' &amp;lt;49 |11,4' ‘192 119,0] 2596 |15,2| 3046 [19,0
Gesamtsumme | 7984 /15,2| 877 111,5 1242 |12,0| 2688 115,1! 3182 118,8

Zwischenzeit von Jahren
2—3 3—4
ehe 07 abe 107

;. Gymnasien . . . .
, Realgymnasien , . . .
. Oberrealschulen . . .
6. Realschulen .

Man kann diese Tabelle nur dahin deuten, daß sehschwache
Augen, bei denen also der Brechungsfehler nicht voll korrigierbar ist,
in der Berufsarbeit mit geringen Ausnahmen keine Besserung erfahren,
zumal junge Leute mit höherer Schulbildung meist Berufe ergreifen,
welche mit geistiger Arbeit (Lesen, Schreiben, Rechnen) verknüpft sind.
Es sind, wie erwähnt, die Hälfte Gymnasiasten mit längerem
Schulbesuch, welche sich meist dem Studium widmen, so daß die
        <pb n="157" />
        149

Zahlen in Spalte 4 bei den Schularten Gymnasium und Realgymnasium
20,8%, und 18,7%, ihre Erklärung finden, Dem Staate würde es
zu Gute kommen, wenn die jungen Leute sich früher zum HEintritt
meldeten, dem gesundheitlichen Wohle würde diese Unterbrechung
fortlaufender geistiger Arbeit nützlich sein, besonders den Augen,
welche Brechungsfehler und Sehstörungen haben, von großem Vorteil
sein. Für den Beruf sind leider Rücksichten auf körperliches Wohl
wenig maßgebend, eiliges Fortkommen, schnelle materielle Versorgung,
oft, auch Konkurrenz erfordern eine gesteigerte geistige Anstrengung
in Jahren, welche noch der Entwicklung des Körpers gewidmet sein
sollen. Man sieht nicht selten die Nachteile in‘ Form von Nervenschwäche,
 geistiger Abspannung, Ueberarbeitung später hervortreten.

7. Kurzsichtigkeit auf einem oder beiden Augen (Gruppe 4)
bei den zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten jungen Leuten,
unter Berücksichtigung der Schularten.
Da von allen Abgefertigten, welche Fehler des Sehvermögens
hatten, 76%, kurzsichtig waren, so beansprucht diese 4. Gruppe besondere
 Beachtung. Die Frage, welche Art der Schulbildung am ungünstigsten
 auf die Entstehung der Kurzsichtigkeit und ihre Entfaltung
einwirkt, stand bereits lange im Vordergrund des Interesses. Die genaue
 Klassifizierung nach Schulen ($ 90, 91, 89,6) in der Wehrordnung
gab für die Ausfüllung der Zählkarten die richtigen Anhaltspunkte,
daher ist die folgende Statistik wegen ihres Umfanges, ihrer Genauigkeit
 von besonderem Werte.

Schulart

Gymnasien . .
Realgymnasien
Progymnasien .
Realprogymnasien
Oberrealschulen
Realschulen. .
Seminare 2.0. 0.00.04
. Handelsschulen . . . .
7). Industrieschulen . . .
19. Landwirtschaftsschulen .
“1. Privatschulen

Summe $ 90
891

Gesamtsumme

$ 89,6

Endgültig
Abgefertigte

Kurzsichtigkeit
Absol. Zahl ' 0/

0/.

25246
6791
313
142
4026
8953
2910
578
369
601
Amen

9310
2365
92
50
1164
2726
822
157
112
“3%
122

36,9
34,8
29,4
35,9
28,9
30,4
98,2
26,7
80,4
m

77,2
78,4
64,8
78,1
72,9
72,1
79,8
75,1
70,4
66,7
71

33,8 76,0
28,5 74,8
sin 70,9
52650 | 17658 | 33,5 | 76,0
        <pb n="158" />
        — 150 —

Ich füge die Zahlen der endgültig Abgefertigten bei den einzelnen
Schularten zur Vollständigkeit bei, die zweiten Prozentzahlen betreffen
die Beziehung auf die Abgefertigten in Gruppe 1 (Fehler des Sehvermögens)
 überhaupt.
Die absoluten Zahlen der endgültig Abgefertigten zeigen den
hochstehenden Besuchsquotienten bei den Gymnasien, nahezu die
Hälfte; es folgen die Realschulen, Realgymnasien, Öberrealschulen,
Seminare, dann reihen sich diejenigen jungen Leute an, die ihre Berechtigung
 zum einjährig-freiwilligen Dienst durch Examen vor einer
Prüfungskommission erlangt haben ($ 91 der W.O0.). Die übrigen Schularten,
 einschließlich S$ 89,6 der W.O., weisen erheblich niedrigere
Zahlen auf.
Die Kurzsichtigkeit ist am verbreitetsten auf den Gymnasien
(vgl. S. 149); es folgen die Realgymnasien mit etwa 2%, weniger. —
Die Progymnasien und Realprogymnasien weisen zu geringe absolute
Zahlen auf, die Prozentzahlen sind daher zu hoch und geben nicht
zutreffende Schlußfolgerungen; ich schalte sie aus. — Es folgen nun
Realschulen und dann erst Oberrealschulen, Die Realgymnasien stehen
mit 34,8 sehr hoch; andere Statistiken an derartigen Schulen
ergaben:

Stuttgart 1883 42 9%.
Hannover a 30
Straßburg i. E. 1885 . Gr
Wiesbaden m +: 5 0: Hm
Ulm ns 38
Moskau 1889 38

Diese Ziffern sind den Cohnschen Tabellen!) entnommen und
geben im Durchschnitt 29,7 %,, also ca. 5%, weniger.
Die Realschulen zeigen die Kurzsichtigkeit mit 30,4 % an, es
sind nur 6klassige Schulen, berechtigen nur zum einjährig-freiwilligen
Dienst und sind schon aus diesem Grunde weniger ungünstig in
ihrem Einfluß auf die Entstehung der Myopie. Einige Vergleichszahlen
 für Realschulen aus Cohns Tabelle lauten
1876 Luzern . 86°
1877 Hamburg ;
1879 Zittau . 6
1880 Graz . . . 33
1880 Coburg . 42,

1880 Coburg . 235%
1881 Darmstadt 41
1882 Drontheim . 4 ,
1885 Stockholm .&amp;amp;1
1886 Reudnitz . . 29 „
„ Oberstein. . 38 x
In dieser Schulart ist also ein Mehr von 3%, zu vermerken.

1) Cohn, Hygiene des Auges. 1892, S. 215 ff,
        <pb n="159" />
        - 151 -

Bei den Öberrealschulen war es schwer, Vergleichszahlen zu
finden; diese Schularten sind. noch aus jüngster Zeit eingerichtet; es
sind 9klassige Schulen und entsprechen etwa den Realgymnasien, ohne
Latein. Auffallender Weise rangieren die Oberrealschulen mit ihren
Prozentzahlen meist günstiger als die Realschulen.
Die Seminare stehen mit 28,2 %, noch ziemlich hoch, obwohl
ihre Besucher meist aus ländlichen oder kleinstädtischen Mittelschulen
stammen, also unter anerkannt günstigen Verhältnissen leben. An
2 Seminaren in Coburg fand man 43 °%, und 32%, in Hannover
33 %, in Straßburg i. E. 33 %,, verhältnismäßig sehr hohe Ziffern.
Ich gebe zu, daß man alle diese Zahlen nicht ganz einwandfrei vergleichen
 kann, da hier Schüler, bei uns Schulentlassene, oft jahrelang
 nach der Schulzeit untersucht worden sind.
Von den Schularten 8—10 stehen die Landwirtschaftsschulen
am günstigsten mit 17,6 %, das entspricht früheren Beobachtungen;
im übrigen lassen diese Schulen. keinen Maßstab zu, da man nicht
weiß, welche Schulen vorher besucht wurden. Auch bei den Privatschulen
 kommt diese Einschränkung hinzu. Es sei noch der Berechtigung
 nach $ 9] gedacht, hier ist die Zahl 28,5 %, den höheren
Lehranstalten nahe, da ja vor dem Besuch der Vorbereitungsanstalt
zum Examen eine der höheren Lehranstalten besucht wurde, also
fast gleiche Schädlichkeiten mitsprechen. Die Berechtigung auf Grund
besonderer Leistungen, Hahd-Kunstfertigkeit, &amp;amp; 89, 6, gibt naturgemäß
eine günstige Zahl, da besonders Lesen, Schreiben nicht sehr in Betracht
 kommen, 21,0 %,; indessen gehören Zeichnen, Präzisionsmechanik,
  Feinschlosserei usw. auch als Handfertigkeiten zu: den
Berufsarten, welche das Augenlicht anstrengen bei andauernder Arbeit
und schlechten Beleuchtungsverhältnissen

a) Kurzsichtigkeit auf einem oder beiden Augen (Gruppe 4)
bei den zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten
jungen Leuten, unter Berücksichtigung der Schulbesuchsdauer.

Es liegt naturgemäß eine Tendenz der Steigerung der Kurzsichtigkeit
 vor, je länger die Schule besucht wird (vgl. S. 130); auch folgende
 Tabelle (S. 152) zeigt es.
In der 1. Spalte (Summe) liest man zunächst heraus, daß von
den Abgefertigten mit Fehlern des Sehvermögens 72,1 bis 79,8 9%),
durchschnittlich etwa 76,0 %, an Kurzsichtigkeit gelitten haben. In
den folgenden Spalten für Altersklassen zeigt sich bei den Schularten
 1, 2, 5, 6 (Gymnasium, Realgymnasium., Oberrealschule. Real-
        <pb n="160" />
        52

Schulart

Schulbesuch bis zum Lebensjahre
16. 12. 20. u. länger
abs. | 9% 190 ! abs. | %0 |_%o | abs. | 90 | %n! abs. | 9% | 0

l. Gymnasien . . 620/32,2 76,8‘ 5605136,2/76,7
2, Realgymnasien . 398 30,9/78,3: 1513/34,3/77,4
5. Oberrealschulen . 23724,2/69 765/30,4/74.2
6. Realschulen . 102029171 157931,2/7°
7. Seminare ._. 6,35,3.75.0 222/99,282.51
Summe $ 90 \17087/83,8 76,0 2444/29,5/73,9/10068|33,9/75,9| 4530136,5/77,7
891 ' 565/28,5/74,8! 19432,1 80,1] 270125,8 71,1| 10131,3/75,9
Gesamtsumme |17658/38,5176,0| 2661.29,4 74,3110354|33,6175,7| 4643 36,8|77,6

Die erste Prozentzahl bezieht sich auf die endgültig Abgefertigten. Die zweite
Prozentzahl bezieht sich auf die Abgefertigten mit Fehlern. des Sehvermögens.

schule) eine konstante Steigerung; die Sprünge sind bei der Realschule
 (6klassig) am geringsten, da hier die Schulbildung nur bis
UI der Vollschulen geht, also das gleiche Pensum in verschieden
langer Zeit erledigt wird. Die Differenz beträgt hier zwischen I. und
III. Altersklasse 3,8; bei den Gymnasien 7,1, Realgymnasien 10,4,
Oberrealschulen 6,5. In sämtlichen Spalten für Altersklassen stehen
die Realschulen etwas ungünstiger als die ÖOberrealschulen, eine Beobachtung,
 welche sich mit geringer Ausnahme durchgehends
wiederholt. Die Seminare stehen ja im allgemeinen günstiger, aber
die Steigerung ist wegen Kleinheit der absoluten Zahlen in den
Prozentzahlen nicht vorhanden, im Gegenteil eine Abnahme; eine
gleiche Unregelmäßigkeit findet sich bei $ 91 der Wehrordnung und
ist nicht zu bewerten. Die Reihen für Summe 8 90 und Gesamtsumme
 bringen aber wieder die Steigerung zum Ausdruck.
Die Prozentzahlen bringen ja Ohne weiteres die Steigerung in
den Klassen nicht zum Ausdruck, da viele in Altersklasse II und IIT
gar nicht bis O0 I gegangen sind, andererseits in Altersklasse IL sicher
viele Abiturienten rechnen, während in Altersklasse III bei den Realschulen
 sämtliche Schüler (127) eigentlich nur bis UI der Vollschulen
 gegangen sind. — Folgende Zahlen geben die Steigerung in den
Klassen an:

VI. V. 1V. HN
Cohn Realschulen . .. 9 16,7 19,2 25,1
„ Gymnasien . . . .12,5 18,2 23,7 1
Durchschnitt von 24 deutschen
Realschulen und Gymnasien 22 27 36 46

IL di.
26,4 44,0
41.3 58,8

55 55 07
        <pb n="161" />
        153 —

Greeff!) fand bei Untersuchung von 3 Berliner Gymnasien eine
Steigerung von 16 bis 38 %, durch die Klassen VI bis Ol.
In unserer Statistik sind junge Leute einbegriffen, welche bereits
mehr oder weniger lange Zeit die Schule-schon hinter sich haben und
den Einflüssen der Berufszweige ausgesetzt waren, welche günstig oder
ungünstig einwirken können.

b) Kurzsichtigkeit auf einem oder beiden Augen (Gruppe 4)
bei den zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten
jungen Leuten, unter Berücksichtigung der Zwischenzeit
zwischen Schulbesuch und Untersuchung.
Es ergeben sich hier die schon mehrfach besprochenen Verhältnisse,
 welche auch für Gruppe 4 zutreffen, die folgende Tabelle berücksichtiegt
 nur die meist besuchten Schulen.

Schulart

Zwischenzeit zwischen Schulbesuch und Untersuchung
1 Jahr | 2—3 Jahre | 4—5 Jahre | über 5 Jahre
abs. | %/a! %a | abs. | % | "/o! abs. | 9%! 9%! abs! 9% Be

'. Gymnasien . .
&amp;gt;, Realgymnasien ,
5, Oberrealschulen ,
6. Realschulen . .
7. Seminare . . .
Summe $ 90 | 2603050500 A 75,6| 5809/83,9/74,4' 5651|85,3/76,2
_$ 97 64 29,6 89.1) 91121,7 66,9! 181 29,6175,7' 229 31.4 75.8
Gesamtsumme | 2718:35,6/79,9| 3086/29,3/75,4] 6002|83.1/74,4) 5907/85,0/76.9

2927.38,5 78,0
918135,8/78,0
427 28,8/70,3
1154/31,5/73,2
18/23.1 162.1

Die zweiten Prozentzahlen bedeuten die Beziehung auf die Abgefertigten,
 welche Fehler des Sehvermögens hatten.
Die Prozentzahl ist in Spalte 1 bei den Schularten 1, 2, 5, 6
hoch und hängt wahrscheinlich mit dem Einfluß der gesteigerten Anforderungen
 in den höheren Klassen zusammen, welcher sich noch
geltend macht, wenn die jungen Leute im Laufe des 1. Jahres, meist
sofort, zum Militärdienst sich melden. In Spalte 2 kommt die
Reaktion, indem die ersten Studienjahre eine geringe Abnahme aufweisen,
 die Differenz beträgt bis 8,2; es folgt dann wieder eine
Steigerung unter dem Einfluß der vermehrten Arbeit für die Staatsexamina.
 In Spalte 4 bemerken wir geringen Anstier. Stillstand

1) Greeff, Augenärztliche und hygienische Schuluntersuchungen. Klin,
Jahrb. XIlIL Bd. 1904.
        <pb n="162" />
        154

oder geringen Rückgang, je nachdem Examina noch ausstehen oder
bereits überwunden sind, ja bisweilen hat der Eintritt in den Beruf
schon ein ruhiges gleichmäßiges Arbeiten zu Folge gehabt. Diese
Erwägungen sind - maßgebend, da die große Mehrzahl der jungen
Leute sich dem Studium widmet. Die Seminaristen müssen im allgemeinen
 gleich nach der Seminarzeit dienen (vgl. S. 19). Die Kurzsichtigkeit
 zeigt aber nicht in Spalte 1 den hohen Anstieg, weil auf
diesen Schulen die Anforderungen bei dem anders gearteten Lehrplan
nicht denjenigen der Vollanstalten gleichkommen, es folgt dann Steigerung
 der Prozentzahlen durch Spalte 2 und 3; in der letzten Spalte
muß die statistische Bewertung wegen Kleinheit der absoluten Zahl
fortfallen.

In den Zahlen für die Gesamtsumme kommt wieder die alte
Erfahrung zur Erscheinung, daß mit der Länge der Zwischenzeit
ein langsames Ansteigen der Fehler einhergeht, die Tauglichkeitsverhältnisse
 für den Waffendienst abnehmen; jedoch bleibt in Spalte 1
der Einfluß der Schulzeit in den höheren Klassen auch hier deutlich,
für die Schädlichkeit der Schulbildung für die Augen und ihre Sehkraft
 ein untrügliches Zeichen. Unter den Augenfehlern nimmt in
Spalte 1 die Kurzsichtigkeit mit 79,9 %, die höchste Stelle ein, es
folgt dann durch Spalte 2 und 3 eine Abnahme geringer Bedeutung,
 zuletzt wieder eine mäßige Steigerung, doch nicht zu
früherer Höhe.

8. Die Untauglichkeitsverhältnisse bei Augenfehlern.
Es bleibt noch die wichtige Frage zu erörtern, wie viele der
jungen Leute, welche zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigt sind,
wegen Augenfehler dauernd untauglich wurden; es handelt sich also
um die Fälle, bei denen die Grenzen des Sehvermögens bzw. des
Brechungsvermögens überschritten waren.
Die Heerordnung enthält in der Anlage 1 D bzw. E unter
No. 25, 26, 27 die hierfür geltenden Bestimmungen:

1D 25. Herabsetzung der Sehschärfe
 auf beiden Augen, wenn sie
auf dem besseren Auge nur die
Hälfte oder weniger, aber mehr
als 1/, der normalen beträgt (nach
Ausgleich etwaiger Brechungsfehler).


1 E25. Herabsetzung der Sehschärfe
 auf dem besseren Auge
auf !/, der normalen oder darunter
 (nach Ausgleich etwaiger
Brechungsfehler).
        <pb n="163" />
        155 -

LD 26. Kurzsichtigkeit, ausgleichbar durch Hohlgläser von
stärkerer Brechkraft als 6,5 Meterlinsen, solange die Sehschärfe auf
dem besseren Auge mehr als !/, der normalen beträgt.
1 D 27. Blindheit eines Auges, 1 E 27. Blindheit beider Augen
sofern die Sehleistung auf dem oder eines Auges, sofern die Sehanderen
 Auge (ohne Ausgleich leistung des anderen Auges (ohne
etwaiger Brechungsfehler) mehr Ausgleich etwaiger Brechungsals
 die Hälfte der normalen be- fehler) nur die Hälfte oder weniträgt.
 ger als die Hälfte der normalen
beträgt.
Die folgenden Tabellen leiden vielleicht an geringer Ungenauigkeit,
 da bisweilen die Ausmusterung nach anderer Nummer der Anl. 1
der H.O. stattfand, obwohl auch Sehstörung oder Brechungsfehler vorlagen,
 welche zu obigen Nummern gehörten. Oft zeigten die Zählkarten
auch 2 oder 3 Nummern, z.B. 1D47 +25, letztere wurde übersehen
 oder nicht berücksichtigt. Schließlich sind noch KEinjährig-Freiwillige
 nach der Einstellung wegen der genannten Augenfehler
wieder entlassen worden. Trotz dieser Fehlerquellen haben die nachfolgenden
 statistischen Daten einigen Wert.

Schulart

Endgültig
Abgefert.

1D25+1E25[ 1D 26
abs. ! abs. ! 9%

1D27 + 1E27
abs. | %

. Gymnasium . . .
Realgymnasium . .
Progymnasium . .
Realprogymnasium .
Öberrealschule , .
Realschule, . . . |
Seminar . . .
Handelsschule . .
Industrieschule . .
I0, Landwirtschaftsschl.
‚ Privatschule . .
Summa $ 90 [| 50407 918 | 1,8 898
891 | 1976 | 24 12 1 :9
S 89,6 267

25246
6791
315
142
4026
8953
2910
578
369
601
475

514
130
5
?
56
137
51
R

2,0
1,9
16
‚4
4
15
‚8
nu

2,4 \ 123 | 0,49
1,8 | 27 04
0:6 4 13
0,7 07
12 0:37
10} 044
10 0:34
1.4
05 1
02
AR

1x

1,8 ] 223 | 0,44
0,96 4 | 0,2

Gesamtsumme | 52650 | 948 | 18 | 918 | 1,7 | 228 | 0,43

In Spalte 1 und 2 erkennt man wiederum die ungünstige
Stellung der Gymnasien; in Spalte 1 folgen die Schularten in der
üblichen Reihenfolge, indem die Realschule die Oberrealschule übertrifft,
 in Spalte 2 ist gleichmäßige Abnahme zu erkennen. Die Progymnasien
 und Realprogymnasien müssen ebenso wie die Schularten
7—11, 891, 8 89,6 wegen Kleinheit der absoluten Zahlen ausscheiden.
        <pb n="164" />
        156 —

Man kann Spalte 3 von der statistischen Betrachtung fortlassen,
da die Blindheit ein- oder doppelseitig fast immer die Folge einer
großen dichten Hornhautnarbe, operierten Schichtstares, einer Verletzung,
 hochgradigen Schielens usw. ist, also bezüglich Entstehung
oder Verschlimmerung des Leidens ein Einfluß der Schule sehr selten
vorliegt. Mancher Fall dieser Art ist wohl auch bei 1 E 29 (chronische
 Krankheiten der tieferen Gebilde eines Auges) verrechnet, da
es überlassen bleibt, die Krankheit oder den Einfluß auf das Sehen,
also die Sehstörung, als Grund für die Untauglichkeit anzuführen. Wenn
der Prozentsatz 0,43 %, gering erscheint, so erwäge man, daß im
allgemeinen die Blindheit eines oder beider Augen mehr in den
Klassen der Bevölkerung vorkommt, in denen die Knaben die Volksschulen
 besuchen; hier ist Tuberkulose, Skrofulose, Trachom, Blennorrhoe
 (häufige Ursachen der Blindheit) öfter zu finden als in den
besser gestellten Familien.
Die Unterabteilungen nach Dauer des Schulbesuchs und nach
Zwischenzeit zwischen Schulbesuch und Untersuchungen ergeben so
kleine absolute Zahlen, daß eine prozentuale Abschätzung hier nicht
angängig erscheint und sogar falsche Bilder geben könnte. Ich stelle
daher nur die Zahlen der Gesamtsumme aus sämtlichen Schularten
des 8 90, 8 91, $ 89,6 der Wehrordnung zusammen.

1D-+E25
1D 26
1D-—+E27

Schulbesuch bis zum
Jahre

Zwischenzeit in Jahren

19. | 20.
[W- länger
abs.| 0/. [ade 0/ ‘abs! 0/,

| 2—8 '
»pa.! 0/ labs.| 0/, labs| 0/, abs! 0/,

4—5 | über 5

1386| 1,5 |549| 1,8 1978 88/1,1 1157| 1,5 288) 1,6 |415| 2,5
[io 1,2 1566 10 85/1,1 110/1,1 1800 1,7 |423| 2,5
46| 0.511127| 0.41| 55|0.48} 20 0.26! 37 0,36| 62 0.351091 0,65

DI

Sowohl in den Altersklassen als bei den Zwischenzeitsstufen
läßt sich bei den Ziffern No. 25 und 26 eine langsame Steigerung
herauslesen; bei ‚No. 27 erübrigt sich, nach den bereits hervorgehobenen
 Erwägungen, besondere Merkmale aus den Ziffern zu entnehmen
 oder künstlich herauszulesen.

9. Fehler des Sehvermögens, insbesondere Kurzsichtigkeit, bei den
zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten jungen Leuten, unter
Berücksichtigung der Geburtsstaaten und -provinzen,
Eine statistische Uebersicht der Augenfehler nach Geburtsörtlichkeit
 kann bei unvermeidlichen Fehlern nur einen beschränkten
Wert haben. Zunächst muß man zugeben, daß sehr viele Schüler
        <pb n="165" />
        157

nicht in ihrer Heimat die Schule besucht haben, weil die Eltern den
Wohnsitz verlegten. Einige haben ihren Wohnsitz vielleicht sogar
mehrfach gewechselt. Bei den Familien, aus denen die Schüler
höherer Lehranstalten stammen, ist sogar eine Versetzung häufiger,
z. B. Offiziere, Beamte, Richter; Kaufleute, Besitzer, Gewerbetreibende
pflegen seBßhafter zu sein, da der Beruf sich mehr und bisweilen
gänzlich an die Oertlichkeit bindet.
Noch mehr kommt dieser Fehler in den Jahren nach dem Besuch
 der Schule zur Geltung; der Besuch der Universität ist meist ein
Abschied von der heimatlichen Scholle.
Trotzdem sind einige bemerkenswerte Erwägungen bei dieser
Statistik möglich; wenn man z. B. die Ergebnisse der Untersuchungen
auf Kurzsichtigkeit bei Schülern und Studenten verschiedener Nationen
prüft, so ergibt sich für deutsche Pflanzstätten der Bildung ein sehr
ungünstiges Resultat. Es ist dies begründet durch die hohen Anforderungen
 auf deutschen Schulen und den emsigen Fleiß der Schüler.
An Rassenunterschiede muß man weniger denken; nur eine auffallende
Differenz stellte Kirchner?) fest, daß die Juden, wegen ihrer körperlichen
 und geistigen Frühreife, besonders zur Kurzsichtigkeit, auch zu
höheren Graden derselben neigen.
Man kann ferner geltend machen, daß innerhalb des Deutschen
Reiches die Stätten der Kultur, der Wissenschaft, der Industrie, die
Großstädte mehr Augenfehler, besonders Kurzsichtigkeit, bei der Schuljugend
 höherer Lehranstalten finden lassen als jene Gegenden, in denen
Landwirtschaft, Schiffahrt, Handel und Gewerbe erblühen. Die bevölkerten
 Gegenden sind ebenfalls ungünstiger gestellt, da die Schulen
überfüllt, die hygienischen Verhältnisse schlechter sind.
Im folgenden findet sich eine tabellarische Uebersicht, wie sich
die Fehler des Sehvermögens, wie sich besonders Kurzsichtigkeit in
den einzelnen Bundesstaaten, Provinzen, usw. verteilen. Am Schlusse
sind Preußen und Bavern mit den anderen Staaten in Vergleich
gezogen.
Die Kurzsichtigkeit und ihre Verbreitung in den einzelnen Staaten
und Provinzen rangiert nicht in gleicher Weise, wie die Fehler des
Sehvermögens im ganzen bezüglich ihrer Verbreitung; cs schließt sich
daher noch eine Tabelle III an, aus welcher die Verbreitung der
Myopie in ansteigender Linie ersichtlich ist.
Der Inhalt der vorstehenden Tabelle findet sich in graphischer
Darstellung auf den Karten Nr. VI und VIT wiedergegeben.

1) Kirchner, Zeitschrift für Hygiene. Ba. VIL 1889.
        <pb n="166" />
        L58

Von den zum einjährig-freiwilligen Dienst im
Heere Berechtigten
litten an
Fehlern des | darunter an
Sehvermögens Kurzsichtigkeit
absolut | absolut | Ya

Geburtsstaat, -Provinz

waren endzültig
 Abgefertigte


l. Ostpreußen
&amp;gt;, Westpreußen
. Berlin. .
3randenburg
Pommern . .
Posen . . .
Schlesien . . .
Sachsen, Anhalt. . .
5chleswig-Holstein . . .
Hannover, Oldenburg und
Braunschweig. . . .
Westfalen, Schaumburg-Lippe,
 Lippe. . . . .
12, Hessen-Nassau, Waldeck .
13. Rheinland . . .

1464
997
2933
2140
1218
1111
3103
3219
975

608
476
1474
986
511
534
1463
1500
329

41,5
47,7
50,8
46,1
42,0
48,1
47,1
46,6
38.7

464
822
1116
738
415
409
1121
1168
239
1101

31,7
32,3
38,0
34,5
34,1
36,8
36,1
36,3
24,5
31.0

3550

1506

424

3344
2425
5714

1267
941 |
2904

87,9
38.8
38.6

895
683
1573

26,8
28,2
27,5

Summe 1—18

32193

13799 | 4929

10244 ' 31.8

14. Oberbayern .
“5. Niederbayern .
16, Schwaben . .
”, Unterfranken .
‘, Pfalz . . .
‚4, Mittelfranken .
20. Oberfranken .
31. Oberpfalz .

114
254
631
315
363
982
559
346

572
‚665
323
360
389
435
289
“7

51,3
19,7
51,2
449
r 1

466
138
259
297
284
521
272
139

41,8
41,3
41,0
36,4
32,9
32,7
39,7
40.2

Summe 14—231

5644

2702 | 47,9

2126 | 87,7

22. Königreich Sachsen. . .
23. ® Württemberg .
24. Baden . . . .. .
25. Hessen. . . . . .
26. Mecklenburg- Schwerin,
-Strelitz 2.0.0.0...
27. Thüringische Staaten . .
28, Lübeck, Bremen, Hamburg
29, Elsaß-Lothringen .

3406
2435
2070
1494

1728
1079
943
568

97
1.8
45,6
39.9

357
911
732
490

39,8
37,4
35,4
995

717
1268
1446
12358

332 46,8
650 | 51,8
606 41,9
39] 384

262
517
446
395

36,5
40,8
30,8
79.1

Summe 22—9%29

14124

6427 | 45,5

5040 | 85.7

30, Deutsches Reich. . . .
31. Ausland + 2.0.0.0.
32, Gesamtsumme . . . .
Königreich Preußen. . . 30644 13125 49,8 9739 831,8
»„ Bayern. .. 5644 2702 | 47,9 ) 2126 | 87,7
Die übrigen deutsch. Staaten 15678 7101 45,3 | 5545 | 354
Anmerkung: Die Prozentzahlen sind sämtlich auf Spalte 1 berechnet.

22928 | 44,1 * 174°0 | 388,5
312 | 453 248 36.0

923940 | 44! ' 17658 | 335
        <pb n="167" />
        159

Schleswig-Holstein .
Westfalen, Sch,-L., L.
Eisaß-Lothringen ..
Rheinland, . .. ..
Hessen-Nassau, Waldeck
Hessen. ... 0...
Ostpreußen . . ..
Hansestädte . . .
Pommern. . .
Hannover, Old,, Br.
Unterfranken .
Württemberg .
Mittelfranken .
Pfalz. . ..
Baden .

Schleswig-Holstein .
Westfalen, Sch.-L., L.
Rheinland . . ...
Hessen-Nassau, Waldeck
Elsaß-Lothringen. .
Hessen . . .
Hansestädte. . .
Hannover, Old., Br
Ostpreußen .
Westpreußen
Mittelfranken
Pfalz . ..
Pommern. .
Brandenburg
Baden .

"/o “0
33,7 24,5
37,9 26,8
38,4 29,1
38,6 27,5
38,8 28,2
39,9 29,5
41,5 31,7
41,9 30,8
42,0 34,1
122,4 31,0
14,2 36,4
14,3 37,4
44,3 32,7
45,1 32,9
15.6 35,4

IL.

%o
24,5
26,8
27,5
28,2
29,1
29,5
30,8
31,0
37
32,3
32,7
32,9
“]
45
354

Brandenburg. . . .
Mecklenburg-Schw.,-Str.
Pr. Sachsen, Anhalt .
Schlesien , .
Westpreußen .
Posen . .
Niederbayern .
Yberfranken
Berlin ..
Kgr. Sachsen
Schwaben .
Öberpfalz .
Oberbayern .
Thür. Staaten

Kurzsichtigkeit.

Schlesien . . ..
Pr. Sachsen, Anhalt
Unterfranken . ..
Mecklenburg-Schw., -Stı
Posen . . 2.
Württemberg
Berlin...
Oberfranken .
Kgr. Sachsen
Oberpfalz. .
Thür. Staaten
Schwaben .
Niederbayern
Oberbäyern

9% 0/0
46,1 34,5
46,3 36,5
46,6 36,3
47,1 36,1
47,7 32,8
48,. 36,8
49,7 41,3
50,1 39,7
50,8 38,0
50,7 39,8
51,2 41,0
51,2 40,2
51,3 41,8
51,3 40,8

%
36,1
36,3
36,4
36,5
36,8
37,4
38,0
39,7
39,8
40,2
40,8
41,0
41,3
41,8

An der Spitze steht Schleswig-Holstein mit 33,7%, Fehlern
des Sehvermögens und 24,5%, Kurzsichtigkeit; dieses günstige Resultat
erklärt sich aus verschiedenen Faktoren.
Schleswig-Holstein hat eine sehr gesunde Bevölkerung; es hat
sich von der Kraft des friesischen und niedersächsischen Volksstammes
noch ein gut Teil durch die Generationen erhalten. Die Provinz hat
wenig Industrie, keine raucherfüllten Großstädte, sondern ist umgeben
und durchzogen von Meeren und Flüssen; Schiffahrt, Ruder- Segelsport,
 Angelsport, Schlittschuhsport rufen die Jugend in das Freie,
wo sich der Geist ausruht, der Körper stählt, das Auge von der engbegrenzten
 Schulstube über weite Fernen bhliekt.
        <pb n="168" />
        160 —-Es

 folgt Westfalen, welches trotz seiner Industrie günstig steht;
man sieht, wie schwierig es ist, hier allgemeine Gesichtspunkte geltend
zu machen. Doch möchte ich nicht vergessen, die kernige Gesundheit
 der westfälischen Bevölkerung, ihre harte Ruhe, vorzügliches
Auffassungsvermögen hervorzuheben. Durch Fruchtbarkeit in den
Niederungen und den Segen an Bodenschätzen ist die Provinz wohlhabend
 und stellt für Hygiene des Körpers, in Haus und Schule,
größere Mittel ein. Es sei auch erwogen, daß in Westfalen keine
Universität liegt; Münster ist erst im Aufblühen zu einer Zentrale
der Wissenschaft. Es trifft bei dieser Provinz wie bei Schleswig-Holstein
 zu, daß eine feste Gesundheit, körperliche Widerstandskraft
der Entwicklung von jeglichen Körperfehlern eine hemmende Wirkung
entgegensetzt.
Elsaß-Lothringen hat eine gemischte, alemannische und fränkische
 Bevölkerung; Stilling!) hat gefunden, daß bei den Alt-Esässern
weniger Myopie vorkommt als bei den eingewanderten Deutschen.
Auf 100 deutsche Schüler in Straßburg kommen 34 %, Myopie, auf
322 Elsässer nur 5 %,; nach anderer Untersuchung 31% : 11 °%.
Damit stimmen die Stillingschen?) Untersuchungen an einem
Realgymnasium 9 %, und einem Gymnasium 12 % etwa überein,
Hering?) fand in 4 Gymnasien und Realschulen zu Mülhausen nur
23 %,. Es mögen also hier neben anderen Faktoren Verhältnisse
mitsprechen, welche in der Art und Herkunft der Bevölkerung begründet
 sind.
Die Rheinprovinz ist die bevölkerteste Gegend des Reiches mit
großen Städten, verbreiteter Industrie, aber durch seine Natur, seine
Rheinufer, Weinberge ein gesegnetes Land. Es waren 5714 endgültig
Abgefertigte, also mehr als im ganzen Königreich Bayern. Die Bevölkerung
 ist im ganzen kräftig, die Schuljugend bewegt sich bei
heiterem Sinn und Freude an der Natur viel im Freien, der Rhein
ist hierfür die anziehendste und beliebteste Verkehrsstraße, nicht
weniger das Moseltal. So gibt das Rheinland trotz scheinbarer Ungunst
 der Verhältnisse, als reiches und gesegnetes Land, der heranwachsenden
 Jugend einen günstigen Boden für ihre Entwicklung. Es
sei auch erwähnt, daß .dort reiche Städte gut hygienisch ausgeführte
Schulbauten haben.

1) Stilling, Untersuchungen über die Entstehung der Kurzsichtigkeit,
Wiesbaden 1887. — Schädelbau und Kurzsichtigkeit. Wiesbaden 1888,
2) Stillig, Arch. f. Augenheilk, XV, 1885. S. 133,
3) Hering, Aerztl. Gutachten. 1884.
        <pb n="169" />
        161

Die Provinz Hessen-Nassau sowie das Großherzogtum Hessen,
welche in Tabelle II das erste Viertel (bis. 40%, Fehler des Sehvermögens)
 abschließen, haben große, aber schön gebaute Städte mit
zweckmäßigen Schulbauten. Für die Myopie stelle ich einzelne Untersuchungsergebnisse
 zusammen !).
1873 Frankfurt a. M. 34 9%
1873 Wiesbaden 38 9%
1881 Darmstadt 44 9%
1881 41 9/.

Wenn diese Resultate den Durchschnittsatz für Hessen-Nassau
28,2 %, und für Großherzogtum Hessen 29,5 %, etwas übertreffen, so
spricht es nicht gerade für eine Verbesserung in‘ dem Zeitraum von etwa
20 Jahren. Indessen lassen sich die Zahlen nur mit Vorbehalt und
einiger Einschränkung vergleichen, da unsere Statistik den Einfluß des
Berufes nach beendetem Schulbesuch mit in Betracht zieht.
Im zweiten Viertel (40—45 %) der Tabelle II ist Ostpreußen
bevorzugt durch Landwirtschaft, Seehandel, Fischerei, Schiffahrt, durch
viele kleinere, von Industrie freie Städte. Das endemische Trachom,
welches meist die weniger an Kultur gewöhnten Bevölkerungsklassen
befällt, hat daher scheinbar wenig Einfluß auf die Fehler und Störungen
 des Sehvermögens; immerhin .könnten chronische Krankheitszustände,
 Hornhautkomplikationen das Sehvermögen beeinträchtigen.
Die Hansestädte behaupten ihre günstige Stellung in der statistischen
 Reihe durch die eingewurzelte Neigung der Jugend zum
Wassersport, welcher ihnen in freien Stunden die erfrischende Abwechslung
 und dem Körper wie Geist Erholung bietet, vor Ermüdung
der Organe schützt,
Pommern möchte ich den geschilderten Verhältnissen in Ostpreußen
 an die Seite stellen.
Auch die Provinz Hannover usw. bietet keine besonderen Anhaltspunkte;
 Dürr?) fand 1884 im Lyceum II zu Hannover 40,7 %, im
Realgymnasium 30,4 %, Kurzsichtigkeit; er untersuchte auch objektiv
die Augen unter Anwendung von Homatropin und fand auf diese
Weise etwas geringere Sätze (Scheinmyopie).
Von .den Bezirken des Königreichs Bayern steht Unterfranken
am günstigsten, es ist der nördlichste Teil, in dem sich wenig Industrie
 findet. Im Maintal herrschen Weinbau, Landwirtschaft, Forst-1)

 Nach H. Cohn, 1. ©.
2) Dürr, Die Entwicklung der Kurzsichtigkeit während der Schuljahre.
Braunschweig 1884,
Veröffentl. aus dem Gebiete des Milit-Sanitätaw. 40. Heit.
        <pb n="170" />
        L62

wirtschaft, nach unseren Anschauungen über Entwicklung von Augen-[ehlern
 günstige Betriebe.
Württemberg steht wie die übrigen Landteile des südlichen
Deutschlands etwa in der Mitte mit 44,3 %; über Kurzsichtigkeit auf
höheren Schulen gibt es aus dem Jahre 1883 Untersuchungen, welche
für ein Realgymnasium 42 %,, für ein Gymnasium 46 % ergaben. In
Tübingen fand Gärtner!) 78 %, Studenten der Theologie kurzsichtig.
Unsere Statistik hat als Durchschnitt 37,4 %/, ergeben.
Es folgen Mittelfranken und die Pfalz; es lassen sich ohne
vage Vermutungen Schwer Anhaltspunkte herausfinden; aus Erlangen
besteht eine Arbeit:
1876 Scheiding?) Erlangen 55%, Gymnasien,
welche schr ungünstiges Resultat liefert über die Kurzsichtigkeit bei
Schülern eines Gymnasiums, aber eine Schulstatistik besagt nichts
für die Beurteilung im allgemeinen.
Großherzogtum Baden, eins der gesegnetsten Länder mit fruchtbaren
 Gegenden und mannigfacher Industrie, steht trotz allen Reichtums
 und günstiger Lebensbedingungen nicht sehr günstig.
Es seien folgende Arbeiten erwähnt:
Becker Heidelberg 35%, Manz Freiburg 29%
Weiss Mannheim 30 9%. ;
Es folgen nun Provinz Brandenburg, Großherzogtümer Mecklenburg,
 Provinz Sachsen.
Schlesien, Westpreußen, Posen, die östlicher gelegenen
Teile des Reiches, stehen verhältnismäßig ungünstig, besonders für
Westpreußen ist dies auffällig, da die Nachbarprovinz um vieles günstiger
 sich verhält. Einige Arbeiten über Kurzsichtigkeit aus früheren
Jahren ergeben folgendes:

18 9%
21 9%
24 9%
28 9%
283 0/0
34 9/
„ 35 %
Es kommen diese Zahlen den unsrigen über Kurzsichtigkeit
ziemlich nahe; Westpreußen zeigt 32,3 %,; Schlesien und Posen, als
Binnenprovinzen mit vielfach älteren Schulgebäuden, zeigen 36,1 9%
und 36,8 %,
1) Gärtner, 1883,
2) Scheiding, Inaug.-Diss. 1876. Erlangen.

1866 Cohn Breslau Realschule
1866
1866
1566 R n
1886 Schneller Danzig P
1886 x
1886

I
        <pb n="171" />
        163 -

Naclı Niederbayern und Oberfranken folgt Berlin mit
50,3 % Fehlern des Sehvermögens und 38,0 %, Kurzsichtigkeit. Es
sind das Getriebe der.Großstadt, die z. T. unlıygienische Bauart in den
höheren Schulen, die Wohnungsverhältnisse überhaupt, die allgemeine
Schwächlichkeit der Großstadtkinder, der Mangel an Bewegungsfreiheit
in frischer Luft daran Schuld; ganz langsam scheinen sich neue Anschauungen
 über Schulhygiene durchzuringen und Reformen Platz zu
greifen, deren Wirkung in der Statistik sich erst nach Jahren zu
erkennen geben wird.
Burchardt!) fand in Berlin (Gymnasium) 1878 62 %, Myopie,
Kirchner?) 1889 an 2 Gymnasien 36 % und 33 %,, nach San.-Bericht?)
 der preußischen Armee fand sich bei ‚11 000 Kadetten
1882—1887 25 %, Myopie, Greeff*) hat 1904 über 3 Gymnasien
berichtet und gibt durchschnittlich 30 % an.
Man kann nach diesen Zahlen im allgemeinen kaum von einer
Verbesserung sprechen; man wird zu Rate gehen müssen, welche Maßnahmen
 zur Verhütung des Uebels in Betracht kommen und in
welchem Umfange man dieselben durchführen muß, um sichtbare Erfolge
 zu erlangen. Die Reformen müssen die Ursachen beseitigen,
Ratschläge sind allein unzureichend.
Das Königreich Sachsen ist durch seine Industrie, Fabrikstädte,
zahlreiche Bevölkerung in großen Städten wenig günstig gestellt; zwei
Schuluntersuchungen in Dresden und Zittau an 670 Gymnasiasten
ergaben 48—-49 %, Myopie.
Es folgen am Schluß die bayerischen Bezirke Schwaben, Oberpfalz,
 Oberbayern mit 51,2 % an Fehlern des Sehvermögens, über
40 % Kurzsichtigkeit. Seggel5) land an einem Gymnasium in
München 50 %,, beim Kadettenkorps (Realgymnasium) 31 % Myopie.
Es läßt sich nicht ohne weiteres ein Grund für diese hohen Zahlen
angeben. ,
Noch aufflallender ist, daß die Thüringischen Staaten an letzter
Stelle folgen, mit 51,3 % bzw. 40,8 %. Folgende Zahlen ‘aus einzelnen
 Untersuchungen illustrieren nnd bestätigen unsere Statistik.
Es fanden sich am Gymnasium in Jena 67 %, Kurzsichtigkeit, in

Burchardt, Deutsche med, Wochenschr. 1878, No. 1,
Kirchner, Zeitschr. f. Hyg. 1889. Bd. VII.
Sanitäts-Bericht. 1890.
4) Greeff, 1. c.
5) Seggel, Bayerisch. ärztl, Intelligenzbl. 1878. — v. Graefes Archiv f.
Öphthalm. 1884, XXX: 2.
        <pb n="172" />
        164

Coburg am Gymnasium 51 %, Realschule 42 % bzw. 49 % und
35 % [Schillbach?!), Florschütz?)].
Vergleicht man (am Schluß der Tabelle I. S. 158) Königreich
Preußen, Bayern und die übrigen deutschen Staaten, so steht Bayern
mit 47,9 °%, Fehlern des Sehvermögens, 837,7 °% Kurzsichtigkeit am
höchsten, es folgt die Summe der übrigen deutschen Staaten außer
Preußen mit 45,3 bzw. 35,4 % und am besten steht Preußen mit
42,8 9% bzw. 31,8 %. Hier muß man wohl in erster Linie die Anforderungen,
 welche in den Schulen der Bundesstaaten gestellt werden,
namhaft machen; Lehrpläne, Lehrstoff, Verteilung desselben, Prüfungsbedingungen
 sind verschiedenartig. Rassenunterschiede, Klima, Boden,
soziale Verhältnisse, Berufs-, Augen-, Schulhygiene, Kulturentwicklung
usw. kommen weniger in Betracht.
Das Deutsche Reich zeigt also im ganzen 44,1 % bzw. 33,5 %
und steht mit diesen‘ Zahlen sehr ungünstig da; ich führe vergleichsweise
 einige Zahlen anderer Nationen an, welche für die Verbreitung
der Kurzsichtigkeit gelten und auch allgemein maßgebend sind, da ja
76 9% aller Fehler des Sehvermögens auf Kurzsichtigkeit fallen, wie
unsere Statistik ergeben hat (nach H. Cohn, J. e.).
Schweiz 14,3 9%, . .
England 51/ 9%, 24 %/o, 11%, 10 9%.
Frankreich 23,4 9%, 15 %, 10 9%,
Amerika 19%, 10%,
Holland 27 %/,.
Italien, Schweden, Ungarn zeigen den Deutschen ähnliche Zahlenverhältnisse.
 Die Differenzen brauchen keine anthropologischen Ursachen
 [Stilling?)] zu haben, sondern können durch Lebensgewohnheiten,
 Bräuche, Sitten usw. erklärt werden.
Die Statistiken sind freilich nicht nach gleichen Grundsätzen ausgeführt
 und nur mit Vorbehalt zu verwerten. Im allgemeinen steigt
die Zahl mit den Anforderungan der Schule, mit der kulturellen Entwickhune.


10. Ueber die schädlichen Ursachen, welche bei den zum einjährigfreiwilligen
 Dienst berechtigten jungen Lenten für die Entstehung
md Entwicklung von Augen-Brechungsfehlern in Betracht kommen.
Wenn wir aus allen Tabellen und statistischen Zahlenreihen den
Schluß ziehen, so ergibt sich. daß im Deutschen Reiche die zum ein-1)

 Schillbach, Jahresbericht des Gymnasium in Jena 1880.
2) Florschütz, Die Kurzsichtigkeit in den Coburger Schulen. 1880.
3) Stilling, 1887. 1. c. 1888. 1. c.
        <pb n="173" />
        165 —-jährig-freiwilligen

 Dienste berechtigte Jugend zu 44,1 % Fehler des
Sehvermögens aufweist und zu 33,5 %, Kurzsichtigkeit; unter den
Fehlern des Sehvermögens ist die Kurzsichtigkeit mit 76%, vertreten.

Es ist dies ein schweres Uebel für die Tauglichkeit unserer
Jugend zum Waffendienst, für. ihre Berufstüchtigkeit, für ihre Gesundheit
 im allgemeinen; es handelt sich um eine ernste, chronische, weit
verbreitete Krankheit. Obwohl es an Warnungen, guten Ratschlägen,
an . Mahnungen und eingreifenden Maßregeln von seiten der Aerzte
nicht gefehlt hat, ist eine nachweisbare Besserung nicht in erheblicher
Weise eingetreten.
Man fragt sich immer wieder nach den wesentlichen Ursachen,
um dem Leiden an der Wurzel beizukommen; es bestehen zwar hier
im allgemeinen übereinstimmende, im einzelnen noch oft abweichende
Ansichten, bei den Behörden sowohl wie vom Standpunkte der ärztlichen
 Wissenschaft.
Es bedarf keiner näherer Begründung, daß der Schulbesuch der
höheren Lehranstalten im wesentlichen die Schuld trägt, denn alle
Untersucher berichten einstimmig, daß Dorf-, Elementar-, Mittel-, Bürgerschulen
 das traurige Bild nicht bieten, daß vielmehr die höheren
Lehranstalten, und zwar ansteigend mit den Anforderungen der
Schule, mit der Länge des Schulbesuchs, allein zu solchen hohen
Zahlen führen. -
Es bleibt dem sorgfältigen Statistiker aber noch eine Pflicht, die
anderen möglichen Gründe nachweisbar auszuschalten. Bei dieser Erwägung
 stoßen wir sofort auf Schwierigkeiten; denn wir registrieren
nicht bei der Aufnahme zur Schule listenmäßig die schon mitgebrachten
 Fehler. Letztere sind oft augenscheinlich, oft auch verborgen.
 Krankheiten konstitutioneller Natur vor dem Schuleintritt
schädigen häufiger die Augen, ich erwähne sowohl ererbte wie erworbene
 Leiden, z. B. Tuberkulose, Skrofulose, Syphilis, Rachitis,
Masern, Pocken, gonorrhoische Bindehautentzündung der Neugeborenen.
Die Sehstörungen und Brechungsfehler können bedingt sein durch
Trübungen oder Krümmungsanomalien der brechenden Medien, durch
Störungen der Augenbewegungen usw., z. B. Hornhautflecke, Astigmatismus,
 angeborene Starformen, Schichtstar, Schielen. Die latenten
Augenfehler wie Hyperopie mittleren Grades, Astigmatismus, Amblyopie
 durch Schielen kommen oft erst zur Feststellung, wenn die
Kinder in der Schule beim Lesen und Schreiben ihre Sehkraft anstrengen
 sollen. Es kann also, wenn auch seltener, die während der
Schulzeit bemerkte und sich weiter entwickelnde Sehstörung ihren
        <pb n="174" />
        166

ersten Anfang und ihre eigentliche Ursache vor der Schulzeit ge-10mmen
 haben.
Bei der Kurzsichtigkeit, welche nach Zahl und Grad am meisten
in das Gewicht fällt, ist diese Frage besonders schwer zu beantworten,
 weil das Uebel oder — besser gesagt — die Disposition
nicht selten von den Eltern vererbt ist. Die Heredität in der Lehre
‚on der Aetiologie der Kurzsichtigkeit ist oft behandelt; es gibt
statistische Zahlen über Augenbefunde bei Eltern und Kindern, doch
sind alle derartige Untersuchungen leicht lückenhaft und mit Vorbehalt
 zu gebrauchen; oft sind die Resultate auf Grund von Aussagen
der von Fragebogen zusammengestellt.
Man kann wohl kaum mehr als das eine mit einiger Sicherheit
annehmen, daß weniger das Leiden selbst als die auf anatomischen
Kigentümlickeiten beruhende Prädisposition vererbt wird; erst durch
Naharbeit in der Schule kommt das Leiden auf Grund bestehender
Disposition zur Entwickelung. Cohn!) rechnet ererbte Myopie in
diesem Sinne auf etwa 10% ,?2). Nur die Naharbeit, mit starker
Konvergenz verbunden, welche mit übermäßiger Annäherung der
kleinen Objekte wächst, ist und bleibt für die Entwicklung der
Myopie das auslösende wichtigste Moment. Die Kurzsichtigkeit ist
also, mittelbar, zurückzuführen auf andauernde Naharbeit, wie sie
am umfangreichsten das Lesen und Schreiben in der Schule mit sich
bringt; indessen kann gleichwertige Berufsarbeit, z.B. Feinmechanik,
Uhrmacherei u. dgl. erwiesenermaßen ebenfalls zur Kurzsichtigkeit führen
‘Tithographen 45 °%,, Schriftsetzer 51 %). Bleibt so die Hauptschuld
 an den Augen- bzw. Brechungsfehlern der Jugend auf der
Schule mit ihren schädlichen Einwirkungen für das Sehvermögen
sitzen, so entsteht die weitere Frage, welcher Art diese Schädlichkeiten
 sind und welche hauptsächlich in Betracht kommen. Die
Statistik ergab eine Steigerung der Kurzsichtigkeit in den Klassen;
nach diesem Befunde müssen neben allgemeinen Schäden noch besondere
 hinzukommen. Es werden die folgenden Erörterungen sich
naturgemäß in erster Linie und vornehmlich auf Myopie beziehen, da
lie Hypermetropie in der Jugend durch die kräftige Akkommodation
gedeckt wird, der seltene Astigmatismus in geringem Maße zunimmt
and in den vorhandenen Formen bei der gleichzeitigen Sehschwäche
meist sorgfältig korrigiert und behandelt wird. Die Myopie stellt ja
nach der Statistik auch 76 °%, aller Augenfehler dar.

1) Cohn, A., 1. c.
2) Genaue statistische Untersuchungen, nach gleichen
würden zur Klärung dieser bedeutsamen Frage vieles beitragen.

Gesichtspunkten,
        <pb n="175" />
        — 167 —

Man hat mit Recht geltend gemacht, daß die mangelhaften
Schulbauten, welche den hygienischen Anforderungen oft wenig entsprechen,
 zu beschuldigen sind. Die Ueberfüllung der Klassen, unyenügende
 Beleuchtung der Arbeitsplätze, schlechte Schulbänke, in
denen ein ungesunder Sitz mit schiefer Körperhaltung, Kopfhaltung,
ein Aufliegen gegen die Schreibtischplatte kaum zu vermeiden sind,
werden hervorgehoben; auch die künstliche Beleuchtung in Form
Äackernder, offener Gasflammen wird mit Nachdruck getadelt. Es
wurden Messungen vorgenommen und auf Grund statistischer Krhebungen
 Vorschläge bautechnischer Art für Schulbauten ausgearbeitet,
welche sich auf Lage, Zahl und Größe der Fenster, Anstrich der
Wände, Umgebung der. Schulgebäude, künstliche Beleuchtungsarten
usw. bezogen. Den Anforderungen der Aerzte gaben die Schulbehörden
 allmählich nach; pädagogische Rücksichten wurden mit
hygienischen Grundprinzipien in Einklang gebracht. Die Schulbankindustrie
 nahm große Formen an; aus dem Streit um die zweckmäßig
 ste Vereinigung der vier Hauptpunkte: Differenz, Distanz, Bankhöhe,
 Tischneigung sind brauchbare und praktische Subsellien entstanden.
 Es wurde bei Neubauten auch nicht an Mitteln gespart,
so daß wir in neuerer Zeit bisweilen von Schulpalästen sprechen
können. Auf die Hörsäle der deutschen Universitäten und Hochschulen
 fand die fortschreitende Schul- und Bauhygiene sinngemäße
Anwendung.
Florschütz hat vergleichende Untersuchungen angestellt und
fand in den neuen Schulbauten gegenüber den alten eine Abnahme
der Myopie, in Bürgerschulen von 12 und 14% auf 4 und 7°%%;
Schmidt-Rimpler verglich die Resultate von Untersuchungen in
/wei hygienisch sehr verschiedenen Gymnasien in Frankfurt a. M. und
Fulda, v. Hippel untersuchte die Schulen des Gießener Gymnasiums
vor und nach dem Neubau der Anstalt, Kirchner verglich in Berlin
zwei hygienisch verschiedenartige Schulen, alle drei Autoren haben
den günstigen Einfluß bautechnischer Verbesserungen auf die Entstehung
von Augenfehlern bestätigt. Greeff verglich in Berlin das Schülermaterial
 des Friedrich-Werderschen, Wilhelms- und Gymnasiums zum
rauen Kloster und fand trotz hygienischer Differenzen keine erheblichen
 Unterschiede für die Myopie 32, 30, 30 %,, dagegen waren in
der letztgenannten Lehranstalt mit mangelhafter Beleuchtung die
(ırade der Kurzsichtigkeit größere. KEs hat aber auch an Beispielen
nicht gefehlt, welche bei Vergleichen diesen Satz nicht bestätigen
konnten (Cohn, Stilling). Man soll auch bei Vergleichen sehr vorsichtig
 sein, subjektive und objektive Methoden der Untersuchungen
        <pb n="176" />
        - 168 —

geben sehr wechselnde Resultate; oft haben Autoren die Myopie unter
1 D nicht gezählt, andere die geringsten Grade eingerechnet.
Es kann wohl jeder Arzt, welcher mit solchen Prüfungen sich
beschäftigt, beweisen, daß Ausnahmefälle vorkommen, daß oft Augen
unter den ungünstigsten Bedingungen der Schulhygiene gesund bleiben.
Die Dehnbarkeit der Lederhaut, welche zur Formveränderung des
Bulbus führt bei andauernder Naharbeit und Konvergenzstellung, ist
individuell sehr verschieden, auch dies Gewebe unterliegt den Gesetzen
 für den Organismus im allgemeinen.
Bauhygiene in Schulen wird sicher zur V erbesserung. des Uebels
beitragen, aber dieser Faklor allein kann nicht in kurzer Zeit sichtbaren
 Wandel schaffen. Bei den Sinnesorganen liegen die Verhältnisse
 weit komplizierter, als es auf den ersten Blick erscheint, bei
dem Sehorgan ganz besonders.
Es ist besonderes Interesse in gesundheitlicher Beziehung auf
Druck und Schrift verwandt worden, besonders auf Druck der Schulbücher.

Ich unterlasse es, auf Schrägschrift, Steilschrift, Druckart, Größe
und Dicke der Buchstaben, Entfernung von einander, Zeilenlänge, Zeilenabstand,
 Papierart, auf Art der Wandtafeln, Wandkarten, Zeichenvorlagen
usw. einzugehn; es sind über diesen Gegenstand zahlreiche Arbeiten
geschrieben. Es muß hier seitens der Schulbehörde strenge Kritik
und Aufsicht geübt werden, in gleicher Weise aber auch seitens des
Elternhauses, ohne dessen Mithilfe mit bestem Willen nur wenig zu erreichen
 ist. Unter den Büchern sind m. E. die Wörterbücher, Lexika,
Testamente in Taschenformat, Gesangbücher, Schulausgaben der fremden
Schriftsteller die gesundheitsgefährlichsten; der kleine, enge Druck bildet
einen Verderb für die Augen. Vor allem ist es das andauernde
Lesen und Schreiben; besonders das sogenannte Präparieren zu Hause,
wobei der Schriftsteller, das Lexikon, das Vokabelheft in verschiedenen
Abständen gleichzeitig benutzt werden, unter Umständen mit Brille oder
Kneifer, oft unter wechselndem Gebrauch und Nichtgebrauch. Die
rasch folgenden, kleineren und größeren Muskelbewegungen der Augen,
Muskelzuckungen kommen dabei wahrscheinlich als schädliche Wirkung
in Betracht. Man lese vergleichsweise ein Buch mit großem, weitem
Druck und ein solches mit engen, kleingedruckten Zeilen, man empfindet
 jenes als einen Genuß, dieses als eine Anstrengung. Es kommt
aber stets auf die Länge der Zeit an, die andauernde Naharbeit
vergrößert den Schaden. Aus diesem Gründe ist das Lernen durch
emsigen Bücherfleiß, durch lange schriftliche Arbeiten, Uebersetzungen
zu begrenzen und zu beschränken, besonders wenn es als häusliche
        <pb n="177" />
        169

Arbeit hinzukommt, dagegen ist freies, unabhängiges Denken, Beobachten,
 Betrachten, Anschauung, Erkennen ein willkommener Ersatz;
 Beobachten führt zu Beurteilen, zu logischen Schlüssen, schärft
den klaren, geistigen Blick und fördert gesunden Menschenverstand.
Das Kapitel der für die Kurzsichtigkeit schädlichen Naharbeit
führt hinüber zu der Behandlung der Frage, ob außer diesen genannten
Schädlichkeiten auch im Lehrplan der höheren Schulen schädliche
Umstände mitwirkend sind. Ich will nicht die so umstrittene Ueberbürdung
 der Schüler erörtern; denn es wird stets vorkommen, daß
nach der Individualität, allgemeinen Disposition, Anlage der einzelnen
Schüler die Anforderungen von diesen spielend leicht, von jenen mit
Uebermaß von Anstrengung erreicht werden, bisweilen gar nicht zu
erfüllen sind. Der Hauptteil des Lernens muß in die Schule verlegt
werden; hier sind die Fächer planmäßig zu ordnen, Pausen nützlich
durch Bewegung im Freien, Ventilation der Schulräume auszunutzen.
Wenn man die Verbreitung der Kurzsichtigkeit unter Berücksichtigung
 der Schularten betrachtet, die Steigerung bis zu den
Gymnasien hinauf, so ist man unwillkürlich geneigt, in den gesteigerten
Anforderungen, in der Art des Lehrstoffes den Grund zu suchen, da
ja die bisher erwähnten Schädlichkeiten mit wechselnden Unterschieden
bei allen Schularten zu finden sind.
Die Stundenzahl für Woche und sämtliche Klassen berechnet, beträgt!)
 für Preußen etwa:‘
Gymnasien .. 252 Stunden
Realgymnasien . 259
ÖOberrealschulen. . 268
Realschulen (6klassig) . . . .. . 166
Anm. In den anderen Bundesstaaten liegen die Verhältnisse ähnlich.
Es besteht also kein wesentlicher Unterschied.
Von den Lehrfächern sind die fremden Sprachen diejenigen,
welche am meisten Hausarbeit (Präparieren, Aufsätze, Uebersetzungen)
erfordern, in der Schule durch Lesen von Schriftstellern, Extemporalien
usw. das Auge mit Lesen und Schreiben besonders anstrengen, mehr
als Deutsch, Religion, Geschichte, Rechnen, Mathematik und die naturwissenschaftlichen
 Fächer. In den Oberklassen trifft dies besonders
„a. Die Stundenanzahl für fremde Sprachen beträgt in den höheren
Lehranstalten für
1. Gymnasien . .
2. Realgymnasien .
3. Oberrealschulen .
t, Realschulen (6klassig) . »
1) Beyer, Die höheren Schulen in Preussen und ihre Lehrer. Hallea.S. 1899.

117 Stunden
92 ”
72 N
44
        <pb n="178" />
        170

Es trifft also für die Schulen 1) und 2) eine erhebliche Steigerung
der Anstrengungen für die Augen zu.
Ein weiteres Moment ist noch die Art der Korrekiur durch
Brillengläser, welche sehr oft falsch, unzureichend, unzweckmäßig ist.
Die Brillen werden oft zu schwach gewählt, in der irrigen Absicht,
die Augen zu schonen, ohne ärztlichen Rat, während gerade die Vollkorrektur
 das beste Mittel ist, das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit
zu vermeiden, Auch in Form der Brillengestelle, Handhabung der
Brillen, Sitz derselben, Zentrierung der Gläser wird viel gefehlt. Die
Grundsätze der rationellen Brillenverwendung werden zum Nachteil
der Schüler in sträflicher Weise vernachlässigt,
Am schlimmsten aber ist der Nachteil der vorübergehenden
Ueberanstrengung vor den Examina, Cohn hat mit Recht den Begriff
der Examens-Myopie konstruiert; für die höheren Lehranstalten war
festzustellen, daß bei einer sofortigen Meldung zum Waffendienst nach
beendetem Schulbesuch die Prozentzahl für Kurzsichtigkeit hoch war,
in der zweiten Rubrik (2—3 Jahr Zwischenzeit) die Abnahme nicht
anerheblich war; man vergleiche die Tabelle auf S. 153.
Gegen die erwähnten, hauptsächlichen schädlichen Ursachen sind
die Faktoren, Geburtsörtlichkeit, Klima, Rassenunterschiede del. gering
zu veranschlagen.

11. Ueber Verhütungsmaßregeln gegen die Ausbreitung der
Augen- bezw. Brechungsfehler bei den zum einjährig-freiwilligen
Dienst berechtigten jungen Leuten.
Die bisherigen Arbeiten über die Verbreitung der Brechungsfehler
bei Schülern und Studenten haben zur Genüge die Notwendigkeit bewiesen,
 daß gegen dies Uebel mit allen Mitteln energisch vorzugehn
und sein Entstehen zu verhüten ist. Es fanden diese Bestrebungen
auch seitens der Behörden ihre Unterstützung; Kaiser Wilhelm II hat
1890 bei dem Beginn der Sitzungen einer Schulreformkommission gerade
auf die Kurzsichtigkeit der Schüler mit ernsten Worten hingewiesen und
selbst beherzigenswerte Vorschläge gemacht.
Es sind auch im Laufe der Jahrzehnte viele Reformen und Vervesserungen
 eingeführt, neue Schulbauten entstanden, mit hellen
Arbeitsplätzen, guter künstlicher Beleuchtung, praktischen Schulbänken:;
der Bücherdruck ist größer geworden; Schulärzte haben ihre umfangreiche
 Tätigkeit aufgenommen. Trotzdem glaube ich, sind von allen
diesen Neuerungen nachweisbare, statistisch festzulegende Umwandlungen
 noch nicht zu erwarten; es beweisen die Zahlen unserer
Tabellen dies zur Genüge. Wenn man festhält, daß die Disposition
        <pb n="179" />
        171 —

zur Kurzsichtigkeit vererbt werden kann, so läßt sich naturgemäß der
greif bare Erfolg hygienischer Maßnahmen erst nach Generationen erhoffen.
Ich übergehe die Einzelheiten der zahlreichen Vorschläge, Anordnungen,
 Reformen auf schulhygienischem und pädagogischem Gebiete,
 weil dies Thema gar nicht im Rahmen der vorliegenden Arbeit
liegt, sondern bringe nur einzelne, allgemeine Gesichtspunkte.
Es ist ein Haupterfordernis, daß sich Eltern, Lehrer, Aerzte verständigen
 und den Kampf gegen das Uebel gemeinsam aufnehmen.
Eltern mögen schulärztliche Ratschläge nicht als Druck oder Kontrolle
mit gekränkter Empfindlichkeit abweisen; Lehrer die Schulhygiene in
ihre pädagogische Ausbildung aufnehmen; Aerzte sollen unermüdlich
dieser Riesenarbeit sich unterziehen, mit ihren Vorschlägen sich uber
auch in den Grenzen des Erreichbaren halten. Da auf den Universitäten
die Kurzsichtigkeit oft noch weiter sich steigert, so muß auch hier ein
planmäßiges Vorgehen gesichert werden; eindringende Belehrung wird
in rechter Form bei den Studierenden meist auf guten Boden fallen.
Ueberhaupt ist Belehrung in Wort und Schrift bei dem Laienpublikum
von großem Werte, in klaren, eindringlichen Sätzen, ohne gerade
dadurch Unruhe und Aengstlichkeit hervorzurufen,
Bei der Auswahl des Berufes ist, wenn Augenfehler vorliegen,
der Haus- oder Schularzt zu befragen; olt ist der Besuch der Schule
bis O.I dringend abzuraten, ebenso das Studieren, um eine progressive
Kurzsichtigkeit nicht weiter ‚zu steigern und dauernden, erheblichen
Schaden zu vermeiden.
Die Schüler sind schon beim Eintritt auf ihre Sehkraft und mitgebrachte
 Augenfehler zu prüfen, besonders schwächliche, skrofulöse,
rachitische. Nachprüfungen, Kontrolluntersuchungen, besonders bei
Augenfehlern, sind unerläßlich, die Ergebnisse sind listenmäßig zu
registrieren. Brillen sind ärztliche Verordnungen; über Handhabung
derselben sind die Schüler zu belehren.
Da ohne Zweifel Naharbeit, Schreiben und Lesen, die Entstehung
der Kurzsichtigkeit begünstigt, so ist diese tunlichst einzuschränken;
ich erwähnte bereits, daß fremde Sprachen die meiste Arbeit über
Buch und Heft erfordern. Nach Förster!) schrieb ein Quartaner im
Ilalhbiahr

lateinische Arbeiten .
französische
deutsche Bm m ß
Rechenaufgaben

zu Hause in der Schule
178 Seiter 4 Seiten
99 ” 14 ”
46 3
55 oo 18

|) Förster, Archiv für Augenheilk. 1885. S. 295.
        <pb n="180" />
        — 172 —

Es sind Pausen ohne Arbeit nötig, Ferien wirklich als solche auszunützen,
 damit sich die Augen, besonders die Akkommodationsmuskeln,
erholen können. Die häuslichen Arbeiten sind einzuschränken, der
Schwerpunkt des Lernens muß in der Schule liegen; für Spiel,
Mahlzeiten, Schlaf muß dem Schüler die erforderliche Zeit bleiben.
Damit komme ich auf die wichtigste Maßregel allgemeiner Natur,
auf die sorgfältigere Ausbildung des Körpers mehr Bedacht zu
nehmen. In der Schule gibt es nur das Turnen als Aequivalent zur
geistigen Ausbildung, aber es ist zu knapp bemessen. Dürr!) hat
Zahlen als Beweis gegeben: Vom 10. bis 19. Jahre hat der Schüler
in Deutschland ca,. . . . 20000 Arbeitsstunden 650 Turnstunden
in England ca... . . . . 16500 % 4500 ”
in Frankreich ca. :; .... . 19000 „ 1300 ie

Neuerdings hat sich auch Rudersport auf Schulen und Universitäten
 eingebürgert; jegliche körperliche Bewegung, besonders im Freien,
ist von Vorteil, z. B. auch Spiel, Schwimmen, Spaziergänge, Wanderungen,
 Radfahren, Reiten, Fechten, Ruder-, Segelsport, Schlittschuhlaufen
 usw. Die Treibhauserziehung in den Stuben führt zu zarler
Konstitution, auf deren Basis, zumal in den Jahren des Wachstums,
sich jegliche Körperfehler schneller entfalten, bei vorhandener Prädisposition
 sich ein Augenfehler um so leichter entwickeln kann.
Die deutsche Jugend auf Schulen und Universitäten muß den Bücherfleiß
 vereinen mit der Stählung des Körpers, dann wird auf Grund
eines gesunden Organismus mit festen Geweben auch die Kurzsichtigkeit
 geringer werden. Der gesamte Erfolg einer Erziehung von
Körper und Geist wird, wenn letztere planmäßig, nach bestimmten
Grundsätzen und Prinzipien, ohne eine partielle Veberanstrengung,
ohne Wetteifern nach Höchstleistungen geschieht, der Jugend in der
Schule und der akademischen Jugend stets von großem Vorteil sein.
Berufstüchtigkeit und Tauglichkeit zum Waffendienst werden zunehmen,
im Interesse aller beteiligten Faktoren.
Im Kadettenkorps, welches in diesem Sinne seine Arbeitspläne
entwirft, fand man in den Jahren 1882—87 an durchschnittlich
1896 Schülern nur 25 pCt. Kurzsichtigkeit; es waren hierbei die
schwächsten Grade mitgezählt; auf der Kriegsschule angestellte Untersuchungen
 ergaben (1889), daß von allen kurzsichtigen Offiziersaspiranten
 35 pCt. im Kadettenkorps, 65 pCt. in anderen Lehranstalten
 ausgebildet waren.
Auch sind die Vorteile guten Sehvermögens, klaren weitgehenden

1} Dürr, Le. S. 73.
        <pb n="181" />
        1738

Blickes von unschätzbarem Werte schon zur Zeit der Erziehung und
Ausbildung; man erfreut sich reiner am naturwissenschaftlichen Unterricht,
 man sieht Naturbilder und Kunstwerke tatsächlich mit anderen
Augen an, mit höherem Genuß, man bekommt mehr Interesse an
den Erzeugnissen der Technik, Industrie, Handel und Gewerbe, an
ler uns umgebenden Welt; man vertieft die Beobachtung, erweitert
den Gesichtskreis und man schärft die Gabe einer vernünftigen Beurteilung
 der Dinge?).
Diese allgemeinen Gesichtspunkte werden seltener ausgesprochen
und scheinen demnach neben vielen anderen Maßnahmen und Reformen
 der Beachtung wert zu sein.
Wenn wir Besserung anstreben und erreichen, dann zieht nicht
5loß die Armee den Nutzen, sondern das Vermögen der Nation
wächst durch Steigerung einer gesunden Volkskraft, durch erhöhte
Leistungsfähigkeit der Staatsbürger in den gebildeten Ständen. Der
Walfendienst auf 1 Jahr bei den zum einjährig-freiwilligen Dienst
berechtigten jungen Leuten gewährt den auf der Schule, der Universität,
 im Bureau geschädigten Augen Ruhe und Erholung nach andauernder
 Naharbeit, geistiger Anstrengung, es lenkt den Blick wieder
in die Ferne, es kräftigt die Funktion der Augen und erhöht die
Widerstandskraft für die folgende Berufsarbeit. Wenn der militärische
Dienst vom Sehorgan auf der einen -Seite hohe Leistung fordert, so
zibt es ihm auf der anderen Festigung derselben und macht zum
Teil mitgebrachte Schäden wieder gut.
Alle späteren Vorteile rechtfertigen die ernste Mahnung, alle
Mittel schon von früher Kindheit anzuwenden, um dem heranwachsenden
 Geschlecht das Auge in seiner Vollkraft zu erhalten.

1) Es gibt auch einen ästhetischen Wert des Auges, es ist von bildnerischer
 Schönheit, trägt zum Gesichtsausdruck bei durch Form, Farbe und Glanz.
Brillengläser sind zerbrechliche Stützen und beeinträchtigen die Wirkung. Auch
am dieses Vorteils willen ist die Pflege, Schonung und Erhaltung wertvoll.
        <pb n="182" />
        VII. Schlußsätze.

ı. Die zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten
jungen Leute haben durchschnittlich eine etwas höhere
Fauglichkeitszifferals die sonstigen Militärpflichtigen (s.S.9).
2. Getrennt nach den Schulen, welche die Leute besucht haben,
zeigen die Gymnasiasten fast durchweg die ungünstigsten
Fauglichkeitsverhältnisse; es folgen die Realgymnasiasten,
die Realschüler und Oberrealschüler; soweit die kleinen Zahlen
der aus anderen Lehranstalten Hervorgegangenen ein Urteil zulassen,
stehen die Landwirtschaftsschüler und Seminaristen am
günstigsten.
3. Von den 4 Hauptschularten weisen die längste Schulbesuchsdauer
 die Gymnasien auf, dann die Realgymnasien, die Oberrealschulen
 und Realschulen; überhaupt den längsten Schulbesuch haben
die Seminare und Industrieschulen gehabt.
4. Da durchschnittlich nur in etwa 15%, der Fälle die Leute
bald nach Verlassen der Schule sich zum Dienst melden, muß auch
die Zwischenzeit zwischen Schulbeendigung und Untersuchung bei der
Beurteilung der Tauglichkeit berücksichtigt werden.
5. Bei Berücksichtigung dieser Zwischenzeit ergibt sich, daß
durchweg die Leute mit kürzestem Schulbesuch die meisten
Tauglichen gehabt, und ihre Zahl nimmt konstant ab, je
länger die Schule besucht ist, daß aber
6. die Zahl der Tauglichen in noch höherem Maße abnimmt,
 je länger die Zeit nach der Schulentlassung bis zur
Untersuchung gedauert hat.
7. Wenn zu letzterem Ergebnis zweifellos auch der Umstand
beiträgt, daß schwächliche oder mit ernsteren Körperfehlern
behaftete junge Leute vielfach mit ihrer Meldung zum
Dienst länger warten als kräftige und fehlerfreie Leute,
so muß doch der Zeit nach der Schule an sich ein besonders
ungünstiger Kinfluß auf die körperliche Entwickelung beiyemcssen
 werden.
        <pb n="183" />
        175

8. Die höheren Untauglichkeitsgrade finden sich häufiger‘ bei den
4 Hauptschulen als bei den übrigen Schulen; am häufigsten sind sie
bei den Gymnasien und Realgymnasien vertreten.
9. Der Anteil der höheren Untauglichkeitsgrade nimmt
— namentlich auch bei den Gymnasiasten und Realgymnasiasten —
mit der Länge der Schulzeit zu; bei den geringeren, die leichteren
der vorübergehenden Krankheitszustände umfassenden Untauglichkeitszraden
 ist ein solches konstantes Verhalten nicht nachzuweisen.
10. Dagegen nimmt der Prozentsatz bei allen Untauglichkeitszraden
 gleichmäßig zu, je länger die Zeit nach der Schule gedauert hat.
11. Auch bei denhöheren Untauglichkeitsgraden zeichnen
sich die Gymnasien und Realgymnasien durch höhere Prozentzahlen
 gegenüber den übrigen Schularten aus.
12. Unter den Gründen, welche die Dienstuntauglichkeit bedingt
haben, steht die allgemeine Schwächlichkeit obenan; es folgen
die Krankheiten des Herzens und der großen Gefäße, die
Augen-(Brechungs-)Fehler, die Krankheiten der Gliedmaßen
and Gelenke und die Krankheiten der Lungen und des Brustfells.
 71,5%) aller Untauglichen entfallen auf diese 5 Fehlergruppen.
13. Soweit ein Vergleich mit der Häufigkeit der bei den
übrigen Militärpflichtigen festgestellten, Untauglichkeit be-Jingenden
 Krankheiten usw. möglich ist, ergibt sich, daß bei diesen
die äußeren Fehler un Gebrechen die Hauptursachen der
Untauglichkeit ausmachen, während bei den zum einjährigen
Dienst Berechtigten die eigentlichen  Organerkrankungen
(der Atmungs- und Blutzirkulationsorgane, des Nervensystems und der
Augen) überwiegen.
14. Die in Satz 12 genannten Fehlergruppen sind unter den
Hauptschularten bei den Gymnasiasten am häufigsten vertreten gewesen,
 mit Ausnahme der allgemeinen Körperschwäche, welche bei
den Realschülern den höchsten Prozentsatz an Untauglichen aufzuweisen
 hat (vergl. Satz 50—53).
15. Wegen der Verteilung der genannten Fehlergruppen und der
übrigen Untauglichkeitsgründe auf den sonstigen Lehranstalten sei auf
lie Tabelle S. 50/51 verwiesen.
16. Die schwereren, dauernde Untauglichkeit zu jedem
Militärdienst bedingenden Lungenerkrankungen sind, soweit
ein Vergleich sich ermöglicht, bei den Gymnasien erheblich
zahlreicher gewesen, als bei den übrigen Schulen,
17. Die allgemeine Schwächlichkeit als Untauglichkeitssrund
 nimmt mit der Länge der Schulzeit nicht nur nicht
        <pb n="184" />
        — 176 —

zu, sondern beträchtlich ab, steigt aber mit der Länge der
Zeit nach der Schule sehr erheblich an.
18, Bei der Mehrzahl der übrigen Dienstuntauglichkeitsgründe
 ist mit der Länge der Schulzeit eine mäßige Zunahme,
 mit der Länge der Zwischenzeit eine beträchtliche
Zunahme nachweisbar.
19. Das in Satz 17 und 18 angedeutete Verhalten ist auch bei
Jen Hauptschularten — mit nur geringen Abweichungen — erkennbar.
Nur hinsichtlich der Augenfehler zeigen die Realschüler und hinsichtlich
 der Lungenerkrankungen die Oberreal- und Realschüler insofern
ein abweichendes Verhalten, als bei ihnen die genannten Fehler mit
der Länge der Schulzeit nicht zu-, sondern deutlich abnehmen. Ueber
die mutmaßlichen Gründe hierfür vergl. S. 61 ff. .
20. Die günstigsten durchschnittlichen Tauglichkeitsverhältnisse
weisen die in Ostpreußen, den Thüringischen Staaten, den Reichslanden,
 Hannover, Pommern und Mecklenburg Geborenen, die ungünstigsten
 die aus Berlin, Schlesien und einem Teile Bayerns Gebürtigen
 auf.
21. Hinsichtlich der Verteilung auf die einzelnen Schularten bestehen
 bei den in den verschiedenen Staaten Geborenen recht erhebliche
 Unterschiede.
22. Auch bei Berücksichtigung des Geburtsortes zeigen die Tauglichkeitsziffern
 für die 5 Hauptschularten die gleiche Reihenfolge wie
bei Zugrundelegung der Gesamtzahlen; nur bei den in den übrigen
deutschen Staaten Geborenen stehen nicht. die Gymnasiasten, sondern
lie Realschüler am ungünstigsten.
23. Die allgemeine Schwächlichkeit ist bei den in Berlin
Geborenen bei weitem am häufigsten als Untauglichkeitsgrund vermerkt;
 es folgen dann die aus Posen, Schlesien und den Hansestädten
Gebürtigen. Am seltensten ist sie bei den aus Elsaß-Lothringen,
Oberfranken, Pommern, Ostpreußen und den Thüringischen Staaten
stammenden Leuten.
24. Hinsichtlich der Herzkrankheiten stehen die meisten
bayerischen Bezirke, dann das Königreich Württemberg und wieder
lie Provinz Schlesien am ungünstigsten. Die wenigsten Herzleiden
sind bei den Mecklenburgern verzeichnet.
25. Hinsichtlich der Augenfehler vergl. Schlußsatz 56—66.
26. Mit Krankheiten der Lungen und des Brustfells
stehen Posen, Westfalen, die meisten bayerischen Bezirke, Württemerg
 erheblich über, Schleswig-Holstein, Berlin, Niederbayern, .Königeich
 Sachsen, Mecklenburg, die Thüringischen Staaten und die Hanse-
        <pb n="185" />
        7

städte erheblich unter dem Gesamtdurchschnitt. Doch sind die Zahlen
zum Teil so- klein, daß die Prozentzahlen keinen Anspruch auf ausreichende
 Sicherheit machen können.
27. Die genannten 4 Fehlergruppen machen in Preußen 65,2,
in. Bayern 62,1, in den übrigen deutschen Staaten 69,1 9% aller Unlauglichkeitsgründe
 aus.
28. Von den sonstigen Fehlern sind die Krankheiten der
Gliedmaßen und Gelenke, die Fettleibigkeit und die Krampfadern
 am häufigsten bei den aus Preußen Kommenden, die übrigen
fast durchweg bei den aus Bayern Gebürtigen am zahlreichsten, bei
len aus den übrigen deutschen Staaten Gebürtigen am geringsten ver-;reten.
 Doch lassen die kleinen Zahlen keine sicheren Schlüsse zu.
29. Von sämtlichen zum einjährigen Dienst Berechtigten entfällt
der größte Anteil (29,8 °%) auf die Körpergröße von 171 bis
175 cm; die Prozentanteile der übrigen Gruppen (je 5 cm
amfassend) nehmen nach unten sowohl wie nach oben konunuijerlich
 ab.
30. Gegenüber den sonstigen Militärpflichtigen sind
anter den zum einjährigen Dienst Berechtigten die großen
Leute wesentlich zahlreicher vertreten, während die mittleren
ınd kleinen Leute bei den ersteren überwiegen.
31. Bei den tauglichen Leuten sind die großen Staturen zahlreicher
 vertreten als bei den Untauglichen, die kleinen und mittleren
Staturen bei den Untauglichen etwas zahlreicher als bei den Tauglichen.

32. Unter den wegen allgemeiner Körperschwäche und schwacher
Brust Untauglichen sind die kleinen Leute und die ganz großen Leute
noch etwas zahlreicher, die mittleren und großen Leute noch etwas
geringer vertreten, als bei den Untauglichen insgesamt.
33. Die allgemeine Tauglichkeitsziffer nimmt im Durchschnitt
 mit zunehmender Größe zu —- bis zur Größe von
171-—175 cm — und fällt dann in den folgenden Größengruppen
 um ein geringes ab.
34. Wegen allgemeiner Körperschwäche usw. und Lungenkrankheiten
 sind die ganz kleinen Leute am meisten untauglich gewesen;
‚hre Zahl nimmt mit steigender Körpergröße stetig ab, nur bei den
zanz großen Leuten nimmt ihre Zahl wieder um ein geringes zu.
35. Die meisten großen Leute sind unter den Gymnasiasten, die
wenigsten unter den Seminaristen zu finden; die meisten kleinen Leute
Jementsprechend unter den letzteren, die wenigsten kleinen Leute bei
len Öberrealschülern.

Veröffentl. aus dem Gebiete des Milit.-Sanitätsw. 40. Heft.
        <pb n="186" />
        — 178

36. Auch bei Berücksichtigung der Hauptschularten steigt die
Tauglichkeitsziffer mit zunehmender Körpergröße an; und zwar bei
den Gymnasiasten und Realgymnasiasten konstant. bis zur Gruppe
der größten Körperlänge; bei den Realschülern und ÖOberrealschülern
entfällt die höchste Tauglichkeitsziffer auf die Gruppen von 171—175
bzw. von 166—170 em; bei den Seminaristen steigt die Tauglichkeitskurve
 von der Gruppe unter 155 cm zur Gruppe von 156—160 cm
sofort steil an und hält sich dann hei allen Größen auf der gleichen
Höhe.

37. Mit Ausnahme der allergrößten Leute (über 180 cm)
stellt sich die Tauglichkeitsziffer der Gymnasiasten in
allen Größengruppen ungünstiger als diejenige der anderen
Schüler.

38. Die wenigsten großen Leute haben die aus Nordbayern Gebürtigen
 gehabt; ihnen schließen sich an das Königreich Sachsen,
Schlesien und Posen. Die ganze Ostseeküste zeichnet sich durch den
höheren Anteil der großen Leute aus, und zwar nimmt der Anteil
von Osten nach Westen stetig zu, um in Mecklenburg, Schleswig-Holstein
 und den Hansestädten den höchsten Prozentsatz zu erreichen;
von hier aus nimmt die Zahl der großen Leute nach Süden zu
wieder ab. In Mitteldeutschland hält sich ihre Zahl ziemlich gleichmäßig
 etwas unter dem Durchschnitt.
839. In den preußischen Provinzen haben durchweg die
Leute kleiner Statur die wenigsten Tauglichen geliefert.
Die Leute von mittlerer und großer Statur weisen in den Tauglichkeitsprozenten
 nur geringe Unterschiede auf; die günstigste Tauglichkeitsziffer
 findet sich in der Hälfte der Provinzen bei den mittelgroßen,
 in der anderen Hälfte bei den großen Leuten.
Auch in den übrigen Staaten (außer Bayern) haben die
kleinen Leute die wenigsten Tauglichen gehabt; die günstigste
Tauglichkeitsziffer zeigen aber hier fast überall die mittelgroßen
Leute.

In Bayern dagegen zeigen in 4 Bezirken (Oberbayern,
Schwaben, Mittelfranken und Oberpfalz) die großen Leute
die ungünstigsten Tauglichkeitsquoten; im Gesamtdurchschnitt
für Bayern weisen infolgedessen die kleinen und großen Leute fast
die gleichen Prozentzahlen auf.
40. Mit zunehmender Schulbesuchsdauer nimmt auch
die Körperlänge zu — entsprechend dem steigenden Lebensalter
 der Leute. Dagegen nimmt mit der Länge der Zwischen-
        <pb n="187" />
        — 179

zeit zwischen Schulbeendigung und Untersuchung der Anteil
der großen Leute nicht zu, sondern ab; nur bei denjenigen
Schülern, die die Schule am längsten besucht haben, ist
dann ein das Wachstum beeinträchtigender Einfluß der Zeit
nach der Schule nicht mehr nachweisbar.
41. Auch bei Berücksichtigung der Schulbesuchsdauer und der
Zwischenzeit zeigen die kleineren Leute fast durchweg eine geringere
Tauglichkeitsquote als die größeren. Im übrigen nimmt auch innerhalb
 jeder Größengruppe die Tauglichkeit mit steigender Schulbesuchsdauer
 sowohl, wie mit länger währender Zwischenzeit ab. Vergl.
Schlußsatz 5—-10.

42. Unter Zugrundelegung des Pignetschen Index. — Körperlänge
 in cm abzüglich der Summe von Gewicht in kg + Ausatmungsbrustumfang
 in cm: die Differenz soll um so größer sein, je
schwächlicher der Mann ist — ergibt sich, daß der Prozentanteil in
den einzelnen Indexgruppen „-—“, „— 1 bis 10“, „— 11 bis 20“,
bis zur Gruppe „— 21 bis 30“ ansteigt; auf die letztere entfällt
der Hauptanteil von 37,6%; in den folgenden Gruppen „— 31 bis 35“
and „— über 35“ fällt dann der Prozentsatz steil ab.
43. Auffällig ist der hohe Anteil des positiven Index (4,4 %,),
was nur durch verhältnismäßig zahlreiche Leute mit hohem Gewicht
(Fettleibigkeit) zurückgeführt werden kann.
44. Bei den Untauglichen sind die günstigen Indexgruppen
{— 1 bis 30) wesentlich seltener, die ungünstigen (— 31 und mehr)
wesentlich häufiger vertreten als bei den Tauglichen; bei den wegen
allgemeiner Schwächlichkeit und Lungenkrankheiten Untauglichen
zeigen die ungünstigen Indexgruppen einen noch höheren Anteil.
45. In den ersten 3 Indexgruppen steigt der Tauglichkeitsprozentsatz
 der dazu gehörigen Leute an; die Gruppe „— 11 bis 20“,
welche nach Pignet die kräftigen Leute umfaßt, hat mit 76,9 %,
Taugliche den günstigsten, den Durchschnitt (65,2%) bedeutend überragenden
 Stand. Aber auch die Gruppe von „— 21 bis 30“, nach
Pignet schwächliche Leute, steht mit 71,2 % Tauglichkeit noch
günstiger als der Gesamtdurchschnitt, Nur die Gruppen mit den
größten Differenzen bleiben hinsichtlich der Tauglichkeit unter dem
Durchschnitt. Immerhin sind von den Leuten der Gruppe „— 31 bis 35“
noch 48,5%, und von den Leuten der Gruppe „— über 35“ noch 18,8 0%
tauglich gewesen.
46. Die Untauglichkeit wegen allgemeiner Schwächlichkeit und
Lungenkrankheiten nimmt mit steigendem Index sehr erheblich zu.
        <pb n="188" />
        - 180

47. Mit zunehmender Körpergöße nimmt der Anteil der
yünstigsten Indexgruppen (bis — 20) ab; die mittlere Gruppe
‘— 921 bis 30) zeigt nur geringe Schwankungen, die ungünstigsten
Gruppen (— 31 und darüber) nehmen zu,
48. In jeder Indexgruppe nimmt aber mit zunehmender Körperoröße
 die Tauglichkeit ebenfalls zu, die Untauglichkeit ab, und zwar
in den hohen Indexgruppen am meisten,
49. Hierdurch erklärt sich auch der scheinbare Widerspruch,
daß mit steigender Körpergröße einmal die Tauglichkeit zunimmt,
andererseits die im Pignetschen Sinne ungünstigen Indexgruppen
zunehmen: von den großen Leuten sind bedeutend mehr Leute trotz
hohen Index tauglich, als von den kleinen und mittleren Leuten.
50. Ordnet man die 5 Hauptschularten nach dem Anteil der
yünstigsten bzw. ungünstigsten Indexgruppen, so steht am schlechtesten
die Realschule, es folgt das Realgymnasium, die Oberrealschule, das
Gymnasium und die Seminare. Genau die gleiche Reihenfolge weisen
die 5 Schulen hinsichtlich der Zahl der wegen allgemeiner Schwächlichkeit
 als untauglich Erklärten auf,
51. Auch bei den 5 Schulen sind von den Leuten mit unzünstigstem
 Index doch noch ein namhafter Teil (schwankend zwischen
13,8 °/%, bei den Realschulen und 22,3 %, bei den Seminaren) für
tauglich erklärt worden.
52. Mit zunehmender Schulbesuchsdauer steigt der Anteil
 der günstigen Indexgruppen an, mit zunehmender
Zwischenzeit wird ihr Anteil geringer; nur bei denjenigen, die
die Schule am längsten besucht haben, ist eine Abnahme der günstigen
and eine ausgesprochene Zunahme der ungünstigen Indexgruppen mit
steigender Zwischenzeit nicht nachweisbar. Es besteht also das gleiche
Verhalten, wie hinsichtlich der Körpergröße. Vergl. Schlußsatz 40.
53. Da die 5 Hauptschularten hinsichtlich des Anteils der längsten
Schulbesuchsdauer bzw. der kürzesten Zwischenzeit die gleiche Reihenfolge
 innehaben, wie in Satz 50 angeführt, so erklärt sich durch diesen
Einfluß der Schul- und Zwischenzeit wenigstens teilweise die auffällige
Verschiedenheit der Schulen hinsichtlich des Pignetschen Index.
54. Den größten Anteil an günstigen Indexgruppen weisen die
in Ostpreußen, Westfalen und Rheinland Geborenen, den geringsten
Anteil die in Berlin, Brandenburg, Posen, Schlesien, den Hansestädten,
Kg. Sachsen und Württemberg Cieborenen auf. Auffälligerweise zeigen
auch die aus Westpreußen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg Gebürtigen
 ein ungünstiges Verhalten nach Pignet.
        <pb n="189" />
        x |

55. Im allgemeinen stimmt die Reihenfolge der Geburtsstaaten,
geordnet nach der Häufigkeit der ungünstigen Indexgruppen, mit derjenigen
 nach der Untauglichkeitsziffer wegen allgemeiner Schwächlichkeit
 überein. Gewisse Abweichungen lassen sich durch besonders
ausgesprochene Verschiedenheiten hinsichtlich Körpergröße, Schulbesuchs-
 und Zwischenzeitsdauer usw. erklären.
56. Von den auf Gymnasien gewesenen jungen Leuten
haben 47,8 % Fehler des Sehvermögens; 36,9 % leiden an
Kurzsichtigkeit.
57. Von den mit Fehlern des Sehvermögens behafteten
Gymnasiasten leiden 77,2 % an Kurzsichtigkeit.
58. Die Fehler des Sehvermögens wie auch Kurzsichtigkeit
 nehmen mit der Schulbesuchsdauer bei den Gymnasiasten
 an Zahl zu; letztere ist bei der Untersuchung im 1. Jahre
nach beendetem Schulbesuch hoch, nimmt darnach im 2.-—3. Jahre
ab, um bei längerer Zwischenzeit zwischen Schulbesuch und Untersuchung
 wieder anzusteigen.
59. Fast zwei Drittel der Gymnasiasten widmen sich dem Studium;
 von diesen haben 50,7 %, Fehler des Sehvermögens, 39,7 %
Kurzsichtigkeit; die Anzahl geht bei den Kaufleuten herunter, noch
weiter bei den Landwirten.
60. Die Schularten mit höchster Besuchfrequenz beteiligen sich
an Fehlern des Sehvermögens sowie Kurzsichtigkeit in der.Reihenfolge:
Gymnasium, Realgymnasium, Realschule, Oberrealschulen, Seminar.
61. Bei den höheren Lehranstalten steigt die Anzahl der Fehler
des Sehvermögens wie der Kurzsichtigkeit mit der Schulbesuchsdauer;
die Anzahl der Fehler des Sehvermögens wie der Kurzsichtigkeit ist
im 1. Jahre nach beendetem Schulbesuch hoch, nimmt darnach im
2.—3. Jahre ab, um bei längerer Zwischenzeit zwischen Schulbesuch
and Untersuchung wieder anzusteigen.
62. Im allgemeinen leiden von den mit Fehlern des Sehvermögens
 Behafteten 76 % an Kurzsichtigkeit.
63. Im allgemeinen haben von den zum einjährig-freiwilligen
 Dienst Berechtigten 44,1 % Fehler des Sehvermögens,
 33,5 % Kurzsichtigkeit.
64. Von den zum einjährig - freiwilligen Dienst Berechtigten
sind untauglich wegen Sehschwäche (1 D 25 -— E25 der H.0.) 1,8 %,
wegen Kurzsichtigkeit höheren Grades (1 D 26 der H.0.) 1,7 %,
wegen Blindheit (1 D 27 + E 27 der H.0.) 0,43 %.
        <pb n="190" />
        ‚82

65. Fehler des Sehvermögens wie Kurzsichtigkeit sind ihrer Anzahl
 nach im Königreich Bayern am verbreitetsten, es folgen die
übrigen deutschen Staaten insgesamt außer Preußen; am günstigsten
steht das Königreich Preußen.
66. Die Statistik liefert allgemein so ungünstige Verhältnisse,
laß es geboten erscheint, den schädlichen Ursachen, welche auf den
1öheren Schulen Augen-Brechungsfehler, besonders Kurzsichtigkeit
„ervorrufen, bzw. steigern, weiter nachzuforschen und das Uebel mit
allen Mitteln zu bekämpfen.
        <pb n="191" />
        Schlußwort.

In den vorstehenden Sätzen ist versucht worden, die Hauptergebnisse
 der umfangreichen statistischen Untersuchungen kurz zusammenzufassen,
 um so den Ueberblick über die gesamte Arbeit zu erleichtern.
Ehe wir uns anschicken, diese Hauptergebnisse von einigen allgemeinen
 Gesichtspunkten zu betrachten und einige allgemeine Schlußfolgerungen
 daraus zu ziehen, sei nochmals betont, daß es sich aus
mehrfach erörterten Gründen nur um vorläufige Ergebnisse handelt,
die auf Grund eines umfassenderen, namentlich sich über einen
größeren Zeitraum erstreckenden Materials vielleicht in der einen oder
anderen Richtung noch modifiziert werden können.
Der Zweck der Untersuchungen war, wie in der Einleitung ausgeführt,
 zu erforschen, wie sich der Körperzustand der aus den höheren
wissenschaftlichen Lehranstalten hervorgegangenen Militärpflichtigen
darstellt und namentlich, ob sich irgendwelche Einflüsse der verschiedenen
 Schularten auf die allgemeine Körperentwicklung oder die
Entstehung bzw. Verschlimmerung mancher Krankheiten und Krankheitsarten
 nachweisen läßt.
Diese Betrachtung wird ja dadurch recht erschwert, daß sich
der Einfluß des Schulbesuchs durch die, gerade bei den zum einjährigen
 Dienst Berechtigten häufig besonders lange ausgedehnte Wartezeit
 bis zum Diensteintritt naturgemäß erheblich abschwächen und
verwischen kann.
Immerhin dürfte‘ sich aus den Untersuchungen eine Reihe von
Schlußfolgerungen ziehen lassen — namentlich angesichts der Konstanz,
mit welcher einige Ergebnisse bei den verschiedensten Betrachtungsarten
 in stets gleicher Weise hervortreten.
Bei der ersten Betrachtung erscheinen ja die Ergebnisse hinsichtlich
 der körperlichen 'Tüchtigkeit der unserer Statistik zugrunde
 liegenden Militärpflichtigen nicht ungünstig — im Gegenteil;
ine allgemeine relative Tauglichkeitsziffer von rund 65 9% aller
andgültig Abgefertigten muß sogar als hoch und im Vergleich zu
ler großen Masse der sonstigen Militärpflichtigen günstig bezeichnet
        <pb n="192" />
        [84

werden. Und selbst wenn man berücksichtigt, daß der Tauglichkeitsgrad
 aus den in der Einleitung erörterten Gründen vielleicht etwas
zu hoch berechnet ist, als er sich in Wirklichkeit stellt, so kann man
doch wohl behaupten, daß die aus den höheren wissenschaftlichen
Schulen hervorgegangenen jungen Leute relativ immer noch etwas
mehr, jedenfalls nicht weniger waffentüchtige Männer zur Fahne
stellen als die breite Schichten des Volkes.
Daß durch die den freiwillig sich meldenden Wehrpflichtigen
gegenüber zulässige Herabsetzung der Anforderungen an die körperliche
 Tüchtigkeit die Qualität der zur Einstellung gelangten jungen
Leute im allgemeinen nicht geringer ist, als bei den übrigen Mannschaften
 beweisen folgende Zahlen:
Im Durchschnitt der Berichtsjahre 1904/06 1) wurden von 100 Ein-Jährig-Freiwilligen
 6,0, von 100 Mannschaften des 1.Dienstjahres dagegen
6,3 als dienstunbrauchbar wieder aus dem Dienst entlassen — also bei den
Einjährigen sogar noch ein etwas geringerer Prozentsatz. Rechnet man
noch die als halb- und ganzinvalide Entlassenen hinzu, so sind von den
Einjährigen im gleichen Zeitraum insgesamt 8,1, von den übrigen Mannschaften
 im 1. Dienstjahre 7,9 %, dem Dienst verloren gegangen, also
auch so kein wesentlich ungünstigeres Verhalten der Einjährigen.
Aber diese allgemeinen Tauglichkeits- bzw. Untauglichkeitswerte
gestatten natürlich noch kein sicheres Erfassen der mehr oder weniger
großen Tüchtigkeit der zum einjährigen Dienst Berechtigten. Hierzu
ist es erforderlich, die Gründe der Untauglichkeit zu kennen — denn
es ist etwas anderes, ob die Untauglichkeit hauptsächlich durch
mehr zufällige, äußere Körperfehler bedingt ist, oder durch organische,
innere Krankheiten, durch mangelhafte körperliche Entwickelung, also
durch solche Leiden, die auf eine angeborene oder früh erworbene
krankhafte Konstitution und geringe körperliche Widerstandsfähigkeit
schließen lassen.
Betrachtet man unser Material von diesem Gesichtspunkte aus,
so stellen sich allerdings die Dinge wesentlich ungünstiger dar.
Die sehr hohen Untauglichkeitsziffern wegen allgezemeiner
 Schwächlichkeit und schwacher Brust, wegen
Krankheiten der Kreislaufs- und Atmungsorgane, namentlich
 auch der erhebliche Ausfall wegen Augenbrechungs-1)

 Für weitere Jahre ließen sich die Vergleichszahlen nicht feststellen. Die
Angaben beziehen sich nur auf die preußische Armee und das XIII, (Königl.
Württembergische) Armeekorps. Für Bayern und Sachsen standen die Zahlen
nicht zur Verfügung,
        <pb n="193" />
        185

fehler lassen besonders bei einem Vergleich mit den sonstigen
Militärpflichtigen die Körperbeschaffenheit der aus den höheren wissenschaftlichen
 Lehranstalten Hervorgegangenen in einem etwas bedenklicheren.
 Licht erscheinen und weisen darauf hin, daß die jungen Leute
unseres Materials einerseits von Hause aus weniger kräftig und schädlichen
 Einflüssen gegenüber weniger widerstandsfähig sind, daß sie
andererseits aber wohl häufiger und stärker derartigen schädlichen
Einflüssen ausgesetzt sind, als die breiten Schichten der sonstigen
männlichen Jugend.
Da man nun nicht annehmen kann, daß die zum einjährigen
Dienst Berechtigten in ihrer häuslichen Umgebung schädlicheren Einwirkungen
 ausgesetzt sind, als die aus den niedrigeren sozialen Schichten
stammenden Militärpflichtigen, im Gegenteil wohl die Annahme begründet
 ist, daß sie im allgemeinen unter günstigeren sozialhygienischen
Verhältnissen aufwachsen, so ist man wohl berechtigt, die Ursachen
für die ungünstigere Gestaltung ihrer Gesundheitsverhältnisse in anderen
 Faktoren zu suchen, unter denen der Besuch einer höheren
Schule mit seinen vielfachen körperlichen und geistigen Anstrengungen
wohl der nächstliegende ist.
In der Tat haben ja nun unsere Untersuchungen ergeben, daß
bei einer großen Reihe der besprochenen Krankheitszustände sich ein
z. T. recht erhebliches Anwachsen bemerkbar macht, je länger die
Schule besucht ist; es wäre natürlich ungerecht, diese Steigerung
allein dem Schulbesuch zuzuschreiben — die verschiedensten Faktoren
können dabei noch mitwirken, daß aber ein Einfluß der Schule nicht
gänzlich abzulehnen ist, dürfte aus dem weiteren Umstande zu schließen
sein, daß auch die verschiedenen Schularten bei manchen Fehlern und
Krankheiten fast durchweg nicht unerhebliche Unterschiede zeigen, für
die eine andere Erklärung als der verschiedene Schulbetrieb, die verschieden
 großen Anforderungen an Körper und Geist, die vielfach —
wenigstens bisher — noch recht verschiedene Bewertung körperlicher
Uebungen als eines Ausgleiches gegen die geistige Arbeit usw. kaum
zu finden ist.
Zu diesen Unterschieden dürften wohl ohne Zweifel die ungünstige
Stellung der 4 wissenschaftlichen Hauptschularten gegenüber den
“achwissenschaftlichen Schulen zu rechnen sein, und des weiteren
wieder das besonders ungünstige Verhalten der Gymnasien
und Realgymnasien gegenüber den eigentlichen Realschulen.
Daß sich diese Einflüsse nicht überall gleichmäßig bemerkbar machen,
kann bei der Vielgestaltigkeit der in Betracht zu ziehenden Faktoren
nicht überraschen und auch den allgemeinen Eindruck kaum verwischen.
        <pb n="194" />
        186 —

Es sei hier noch eingeschaltet und besonders hervorgehoben, daß
die unserer Statistik zugrunde liegenden jungen Leute zum großen
Teil noch die Schule in einer Zeit besucht haben, in denen die jetzt
zültigen Bestimmungen über die Berechtigung der verschiedenen
Schularten hinsichtlich Studium noch nicht in Kraft waren. Die
Aenderungen, welche in dieser Beziehung in den letzten Jahren eingetreten
 sind, durch welche die Oberreal- und Realschulen wesentlich
an Bedeutung gegen früher gewonnen haben, können sich natürlich
erst im Laufe der Zeit bemerkbar machen: es ist aber nicht unwahrscheinlich,
 daß hierdurch manche Verschiebungen, in der Frequenz,
der Länge des Schulbesuches usw. bei den verschiedenen Schularten
sintreten werden, wodurch natürlich auch der Einfluß der Schulen auf
lie Gestaltung des Gesundheitszustandes der Schüler gewisse Aenderungen
 erfahren kann. Späteren Untersuchungen muß es vorbehalten
bleiben, hierüber Aufschluß zu bringen.
Aber unsere Untersuchungen haben auch ergeben, daß der
Schulbesuch auf die Gestaltung der Gesundheitsverhältaisse
 der zum einjährigen Dienst Berechtigten nicht allein
und wohl nicht einmal an erster Stelle von maßgebender
Bedeutung ist — viel größer und nachhaltiger scheint die
Wirkung zu sein, welche die Zeit nach der Schule auf die
körperliche Entwickelung und die Entstehung und Verschlimmerung
 mancher Krankheiten und Fehler auszuüben
vermag.
Auch hier stellen sich ja einer sicheren statistischen Erfassung
der fraglichen Verhältnisse nicht unerhebliche Schwierigkeiten entgegen,
 die zum Teil in der Eigenart des Materials an sich, namentlich
 in der freiwilligen Wahl des Termins zum Eintritt in den Dienst,
begründet sind, worüber im Text ausführlich berichtet ist. Aber die
Konstanz der Erscheinungen, die große Regelmäßigkeit, mit welcher
die Untauglichkeit im allgemeinen sowohl wie hinsichtlich fast aller
Fehler. und Gebrechen zunimmt, je länger die Zeit zwischen Schulbeendigung
 und Meldung zum Dienst gewährt hat, drängen doch zu
ler Annahme, daß ‚hier eine der Hauptursachen für das in vieler
Beziehung so wenig günstige Verhalten der jungen Leute aus den
höheren sozialen Schichten liegt.
Besonders bemerkenswert erscheinen in dieser Richtung die
Feststellungen über die mit der Länge der Zeit nach der Schule anwachsende
 Zahl der wegen allgemeiner Schwächlichkeit und schwacher
Brust für untauglich Erklärten — im Gegensatz zu der Abnahme des
gleichen Untauglichkeitsgrundes, je länger der Schulbesuch gedauert
        <pb n="195" />
        187 —

hat; ferner die Ergebnisse hinsichtlich der geringeren Größenzunahme
nach Abschluß der Schuljahre, das beträchtliche Ansteigen der Herzarkrankungen
 u. a. m.
Es kann nicht der Zweck dieses Schlußwortes sein, nochmals
alle die Einzelheiten, welche für die besprochenen Annahmen anzuführen
 wären, hier zu wiederholen, es muß dieserhalb auf die Ausführungen
 im Text verwiesen werden — ebenso wie hinsichtlich der
mutmaßlichen Gründe für diese Erscheinungen auf die Erörterungen
S, 55 ff. Bezug genommen sel. —
Leider fehlen ja jegliche Anhaltspunkte dafür, ob der Körperzustand
 der zum einjährigen Dienst Berechtigten, wie er sich nach
ınseren Untersuchungen darstellt, eine Verbesserung oder eine Verschlechterung
 gegenüber früheren Zeiten bedeutet.
Angesichts der vielen hygienischen Verbesserungen und des
wachsenden schulhygienischen Verständnisses sollte man meinen, daß
zegen früher sich manches zum Bessern gewendet und geändert hat.
Aber diesen Fortschritten stehen ja so zahlreiche schädliche Einflüsse
und Nachteile des heutigen, modernen Lebens gegenüber, daß dadurch
 etwaige Vorteile auf ersterem Gebiete wohl ausgeglichen werden
können. —
Man darf aber auch die "Tragweite der Ergebnisse unserer Erhebungen
 nicht allzusehr überschätzen. Denn die bei den militärärztlichen
 Untersuchungen festgestellten Krankheiten haben bei den
verschiedenen Einzelpersonen auch eine sehr verschiedene Bedeutung
hinsichtlich ihres Einflusses auf die Tüchtigkeit des Individuums in
sozialer, biologischer und hygienischer Beziehung.
Wenn es ja auch zu beklagen ist, daß so viele Angehörige der
gebildeten Klassen dem Heeresdienst verloren gehen, so besagt die
Feststellung eines die Militäruntauglichkeit bedingenden Fehlers noch
nicht, daß der. Betreffende nun auch in sonstiger Hinsicht körperlich
minderwertig und weniger leistungsfähig sei. Dafür sind unter den
Krankheitsgruppen, welche behufs statistischer Erfassung und Bearbeitung
 zusammengefaßt werden müssen, doch zu verschiedenartige
und verschieden zu bewertende Zustände vertreten, welche auf die
weitere gesundheitliche Entwickelung des Einzelnen von sehr verschiedenem
 Einfluß sein können.
So werden sich z. B. unter den wegen allgemeiner Schwächlichkeit
 und schwacher Brust für untauglich erklärten jungen Männern
viele befinden — und die Erfahrung bestätigt das täglich —, - die
später nichts mehr von einer solchen Schwächlichkeit erkennen lassen,
sondern völlig gesund und körperlich tüchtig sind. Es handelt sich,
        <pb n="196" />
        ‚88

wie noch neuerdings von Prinzing!) betont, eben vielfach nicht
um eine mangelhafte, sondern nur um eine verlangsamte
Entwickelung — ganz abgesehen davon, daß sich unter den hier
verrechneten Zuständen auch zahlreiche Schwächezustände nach vorher
 überstandenen, akuten Krankheiten befinden, welche nach absehbarer
 Zeit wieder völliger Gesundheit Platz machen.
Auch unter den zahlreichen und zu besonderer Beachtung zwingenden
 Herzkrankheiten dürften sich manche Störungen vom Regelrechten
 belinden, welche nach Aufhören der ursächlichen Faktoren
wieder verschwinden und ausheilen können.
So ließe sich Aehnliches für noch andere der gefundenen Fehler
anführen — andererseits soll aber ‚nicht verschwiegen werden, daß,
wie schon früher betont, manche Krankheiten, besonders auf dem
Gebiete des Nervensystems, bei der einmaligen Untersuchung auf
Dienstuntauglichkeit bei weitem nicht in ihrer tatsächlichen Häufigkeit
erfaßt werden können und in Wirklichkeit wohl eine wesentlich ernstere
Bedeutung beanspruchen müssen, als unsere dafür gefundenen Zahlen
erkennen lassen.
Diese kurzen Ausführungen dürften gezeigt haben, wie überaus
schwer es ist, die aus derartigen Untersuchungen wie der vorliegenden
sich ergebenden Resultate hinsichtlich ihrer allgemeinen Bedeutung
richtig zu würdigen und einzuschätzen.
Aber selbst wenn man von den gefundenen Zahlen einen Teil
als ohne ernstere Bedeutung ın allgemeiner Beziehung in Abzug
bringen kann, so bleibt doch die Tatsache, daß in militärischer Hinsicht
 die besprochenen Krankheiten und Gebrechen zur Dienstuntauglichkeit
 geführt haben und daß auch ein gut Teil davon an dauernden
schweren Schäden ihres Gesamsorganismus leidet, welche sowohl für
sie selbst in sozialer Beziehung von Nachteil als auch für die
atwaige Nachkommenschaft nicht ohne Gefahren sind. Und gerade
das Ueberwiegen der organischen Krankheitszustände bei
unseren den höheren sozialen Ständen entstammenden
Militärpflichtigen läßt für die weitere Entwickelung dieser
Schichten doch manche Bedenken aufsteigen.
So drängt sich natürlich die Frage auf, ob und was geschehen
 kann, um eine Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse
des zum einjährigen Dienst berechtigten Teiles unserer männlichen
Jugend herbeizuführen.
1) Prinzing, Der Prozentsatz der Militärtauglichen als Maßstab der körperlichen
 Entwickelung einer Bevölkerungsgruppe. Zeitschr. f. Sozialwissenschaft.
XI. Bd. 1. Heft. 1908.
        <pb n="197" />
        +29 _
+

Es hieße, einen Abriß der gesamten Hygiene hier geben, wollte
man versuchen, die Frage erschöpfend zu behandeln.
Abgesehen von der gesundheitlichen Ueberwachung der Kinder
vor dem schulpflichtigen Alter, von der Heranziehung eines gesunden
and widerstandsfähigen Nachwuchses — wobei wohl schon der Säuglingsernährung
 keine untergeordnete Rolle beizumessen ist — stehen
in erster Linie natürlich die Bestrebungen auf schulhygienischem
Gebiete in des Wortes weitester Fassung. Licht und Luft für
die Schulklassen, in denen die Kinder mehrere Stunden des Tages
hintereinander zuzubringen gezwungen sind, richtige Verteilung von
Arbeit und Erholung, dauernde Ueberwachung der Körperhaltung und
vieles mehr — alles Forderungen, die ja heutzutage eigentlich als
selbstverständlich gelten, auf die immer erneut hinzuweisen aber nicht
ganz überflüssig sein dürfte. Daß neben der geistigen Ausbildung
die körperliche Fortbildung, das Turnen und ein vernünftiger Sport
nicht vernachlässigt werden soll, braucht ebenfalls kaum gesagt zu
werden — es sei aber auf das gesperrt gedruckte Wort besondere
Betonung gelegt, denn jede Uebertreibung von sportlichen Uebungen,
welche nicht die harmonische Durchbildung des ganzen Körpers bezwecken,
 sondern in der mehr oder minder einseitigen Ausbildung
einzelner Körpergeschicklichkeiten bestehen und wohl gar in der Erreichung
 von Höchstleistungen gipfeln, können gerade in den Jahren
der Entwicklung mehr Schaden als nützen. Daher dürften auch
Wettbewerbungen, so sehr sie der Liebe und Begeisterung zur Sache
dienen können, nur mit großer Vorsicht und unter Anpassung der
zu erreichenden Ziele an den Grad der möglichen Leistungsfähigkeit
 der Teilnehmer zuzulassen sein.
Von hoher Bedeutung würde auch die weitere Ausdehnung der
Einrichtung der Schulärzte auf die höheren Schulen und eine tiefer
gehende Vertrautheit des Lehrerpersonals mit den allgemeinen hygienischen
 Grundsätzen und Forderungen sein. Wenn ja auch wohl die
Tätigkeit der Schulärzte in den Kreisen, aus denen sich die höheren
Schulen rekrutieren, in vielen, ja den meisten Fällen durch die im
allgemeinen bessere häusliche Beaufsichtigung und die größere Aufmerksamkeit,
 welche den Kindern im Elternhause gewidmet wird, ersetzt
 wird, so bleiben doch sicher noch manche Fälle übrig, in denen
ein Eingreifen von schulärztlicher Seite nicht unangebracht wäre.
Ein weiteres Eingehen auf diese schulhygienischen Forderungen
an dieser Stelle erscheint um so weniger erlorderlich, als Nicolai
bereits ım Abschnitt VII diese Dinge näher berührt und ausführlicher
jesprochen hat.
        <pb n="198" />
        190

Hierzu kommen nun aber, und nicht an letzter Stelle, Maßnahmen
 zur gesundheitlichen Förderung der männlichen
Jugend nach dem Verlassen der Schule. Wir sind damit zu
einem Gebiet gelangt, auf dem bisher wohl mit am wenigsten getan
ist, auf dem aber Aenderungen der bestehenden Verhältnisse und
Verbesserungen ganz besonders notwendig sind.
Es liegt allerdings in der Natur der Sache, daß eine Fürsorge
in sozialhygienischer Hinsicht gerade für diese Zeit auf ganz besondere
Schwierigkeiten stößt, zumal die Lebensverhältnisse der von den
Schulen kommenden jungen Leute je nach dem ergriffenen Beruf,
nach Neigungen und Gewohnheiten sehr verschieden sind und eine
sinheitliche Beurteilung unmöglich machen.
Erfreulicherweise hat sich ja auch auf diesem Gebiete im Laufe
der Jahre schon manches: geändert, namentlich ist die Bedeutung von
körperlichen Uebungen als Gegengewicht gegen die doch meist angestrengte
 geistige Arbeit mit ihrem Mangel an Bewegung immer
mehr erkannt — aber gerade hier gilt ganz besonders das bereits
oben Gesagte über das Maßhalten bei allen sportlichen Betätigungen
und die Vermeidung von allen Ueberanstrengungen; ob z. B. nicht
ain gut Teil der zahlreichen Herzstörungen auf. Ueberanstrengungen
beim Radfahren, Wassersport usw. zurückzuführen sind, dürfte jedenfalls
 ernster Erwägung wert sein.
Für viele der hier in Betracht kommenden Gesichtspunkte wird
ja eine Einwirkung zum Besseren sich im wesentlichen auf die Erziehung
 zu einem gesundheitsgemäßen Leben, auf eingehende Belehrungen
 und die Verbreitung allgemeinhygienischer Kenntnisse
beschränken müssen. Aber auch manche praktisch-hygienische Maßnahmen,
 z. B. auf dem Gebiete des Wohnungswesens, der Arbeitsräume
 usw. dürften in Frage kommen.
Es würde zu, weit in das Gebiet sozialer Probleme führen,
wollte man alle Faktoren auch nur erwähnen, welche auf die‘ Gestaltung
 der Gesundheitverhältnisse der der Schule entwachsenen gebildeten
 männlichen Jugend von Einfluß sein können.
Daß es sich bei dieser ganzen Frage nicht nur um militärische
Interessen handelt, sondern um die wichtigsten Güter des Gesamtvolkes,
 kann niemand leugnen.
Mens sana in corpore sano — wenn das Wort irgendwo
Geltung hat, so ist es ganz besonders für den unserer Statistik zugrunde
 liegenden Teil der Bevölkerung der Fall, der als Träger der
höheren Bildung berufen ist, auf allen Gebieten des öffentlichen und
        <pb n="199" />
        191 -—-privaten

 Lebens tätig zu sein und an der Weiterentwickelung unseres
Volkes mitzuarbeiten.
Daß dazu ein gesunder Sinn, geistige Spannkraft und Leistungs-(ähigkeit
 bei jedem Beteiligten, welchen Posten er auch später einaehmen
 möge, nötig ist, bedarf keiner Begründung — hoffen wir,
daß es der so regen sozialen Betätigung aller maßgebenden Kreise
zelingen möge, die Vorbedingung für einen gesunden Geist, die
körperliche Gesundheit immer mehr zu bessern und zu heben.
        <pb n="200" />
        Anhang.
Verzeichnis derjenigen Nummern der Anlage 1A bis E der Heerorduung,
 welche unter den im Text angeführten Krankheitsgruppen
 usw. zusammengefaßt sind.
Allgemeine Schwächlichkeit, schwache Brust: Anl. 1 C, D 1:
D 46.
Krankheiten des Herzens und der großen Gefäße: Anl. 1 CO,
D, E 49.
3. Augen-(Brechungs-)Fehler: Anl. 1 A, D, E25; A, D 26.
* Krankheiten der Gliedmaßen und Gelenke: Anl.1 D, E59;
E60 u. 61; D, E62; 063; A, B 64; D, E65; A, B, D,
E66; D67 u. 68; A, D69; A, B, D, E70; B, E71; A,
B, C, D 72; A, D, E76; A, B, D, E77 u. 78.
5. Krankheiten der Lungen und des Brustfells: Anl. 1 C, D, E 47.
5. Unterleibsbrüche: Anl. 1 A, B, D, E 51.
7. Krankheiten der Ohren: Anl.1 A, B, C, D, E31, D, E 32.
8. Plattfuß: Anl. 1 A, B, D, E 75.
9. Narben: Anl. 1 A, D, E77.
10. Fettleibigkeit: Anl. 1 D, E 2.
11. Krampfadern: Anl. 1 A, D, E78.
12. Kropf: Anl. 1 A, D, E41.
13. Verkrüppelungen und Mißbildungen: Anl. 1 E1,37,44,45,46u. 50.
14. Verbiegungen der Wirbelsäule: Anl. 1 A, C 44; A, B, D 45.
15. Krankheiten der Harn- und Geschlechtsorgane: Anl. 1 C, D,
E54; A, D 55; B, D 56; A, D57; D, E 58.
16. Blindheit eines oder beider Augen: Anl. 1 D, E27.
17. Krankheiten des Nervensystems: Anl. 1 C 15; E17; D, E 18.
18. Unterleibsleiden: Anl. 1 C, D, E52; D, E 53.
19. Andere Augenkrankheiten: Anl.1 C, D, E20; E21; D, E
22; A, B, C, D, 523; A 24; A 28: E29,
20. Epilepsie: Anl. 1 E 16.
21. Schlechte Zähne: Anl. 1 A, B, D, E 39.
22. Geisteskrankheit und geistige Beschränktheit: Anl. 1 E 15.
23. Stottern: Anl. 1 A. D 40.

Iruck von I. Schumacher in Berlin N. 24.
        <pb n="201" />
        Veröffentlichungen a.d Militär -Sanitäts-Wesen, Heft 40.

Karte No. 1

Von je 100 in den Provinzen und Staaten geborenen.
zum einjährigen Dienst Berechtigten waren tauglich

„575

576-600

BOT-BRS

626-650

7

1
|
3

67-678

ET6-F00

Fr. FE

‚hen TS

Tune Lite. Inst Zerle S
        <pb n="202" />
        Karte NoM

Veröffentlichungen a.d. Militar-Sarnitüts-Wesen Heft 10.

Tr

Von je 100 in den Provinzen und Staaten geborenen,
zum einjährigen Dienst berechtigten. jungen Leuten
waren untauglich wegen allgemeiner Schwäckhtichkeit,
 schwacher Brust usW.;

G6-10,5

TEN

U

17 B- 12,5

126-135

26-145

2.765
N FE

EEE

ET ne Lie st ZN
        <pb n="203" />
        Veröffentlichungen a.d Militär -Sanitäts-Wesen, Heft 40.

Harte NoLdt

Von je 100 in den Provinzen und Staaten geborenen,
zum einjährigen Dienst berechtigten jungen Leuten
waren untauglich wegen Herzerkrankungen:

ar RG

ff If

ES

FI

NE

A u

PS

E

&amp;amp;
w_

6 ne Li Inst Deere 5
        <pb n="204" />
        Veröffentlichungen a.d Milttar-Sanitäts-Wesen, Heft 40.

Von je 100 in den Provinzen und Staaten geborenen,
um einjährigen. Dienst berechtigten jungen Leuten
waren untauglich wegen Brechungsfehler:

BAR

27-25

OO

57-75

VEN

27-45

-0

‚hen 50

VD
U % ST

ST Te rs EÄ
        <pb n="205" />
        Veröffentlichungen a.d. Militär -Sanitäts-Wesen, Heft 40

Karte No}

Von je 100 in den Provinzen und Staaten geborenen,
zum einjährigen Dienst berechtigten jungen Leuten
hatten eine Körpergrösse von 176 cm und mehr:

75,0

757-780
187-21,0

A
K

BP ZHO

ZEIT -RIO

A

A

2277-300

07-33.0

Lern 33.0

FTane Lith Inst. Bern 5
        <pb n="206" />
        Veröffentlichungen a.d Militdr-Sanitäts-Wesen Heft 40,

Karte No VI

Von je 100 in jedem Staat (Provinz) geborenen, endgültig
 Abgefertigten hatten Fehler des Sehvermögens:

A

757-3700

CE)

39. 7-4720

I 7-70

LPT SO

HET ATO

KPLMAEBO

697-570

Der 510

ELaue Lith, Inst.Berlim.&amp;amp;S
        <pb n="207" />
        Veröffentlichungen, a.d Militär -Sanitäts-Wesen, Heft 40.

Karte No. 7

Von je 100 endgültig Abgefertigten litten an Kur?
sichtigkeit‘

„25,0

257-270

77-290

297-770

777-3232,0

737-350

A

77-730

RGT LO

bern #710

PIane Lit. Ist. Bert. 5.
        <pb n="208" />
        Verlag von August Hirschwald in Berlin.
(Durch alle Buchhandlungen zu beziehen.)

Veröffentlichungen aus dem Gehiete des Militär-Sanitätswesens.
Herausgegeben von der Medizinal-Abteilung des Königlich Preussischen
Kriegsministeriums.

4. Heit. Historische Untersuchungen über das Einheilen und
Wandern von Gewehrkugeln. Von Stabsarzt Dr. A. Köhler. gr. 8. 1892. 80 Pf,
2. Heft. Ueber die kriegschirurgische Bedeutung der neuen Geschosse.
 Von Geh. Ober-Med.-Rat Prof. Dr. von Bardeleben. gr. 8. 1892, 60 Pf,
3. Heft. Ueber Feldflaschen und Kochgeschirre aus Aluminium,
Bearb. von Stabsarzt Dr. Plagge und Chemiker G. Lebbin. gr. 8. 18983. 2M. 40,
4. Heft. Epidemische Erkrankungen an akutem Exanthem mit
typhösem Charakter in der Garnison Cosel. Von Oberstabsarzt Dr. Schulte.
gr. 8. 1893. 80 Pf.
5. Heft. Die Methoden der Fleischkonservierung. Von Stabsarzt
Dr. Plagge und Dr. Trapp. gr. 3. 1893, 3 M.
6. Heft. Ueber Verbrennung des Mundes, Schlundes, der Speiseröhre
 und des Magens. Behandlung der Verbrennung und ihrer Folgezustände.
Von Stabsarzt Dr. Thiele. gr. 8. 1893. 1 M. 60 Pf.
7. Heft. Das Sanitätswesen auf der Weltausstellung zu Chicago.
Bearbeitet von Generalarzt Dr. C. Grossheim. gr. 8, Mit 92 Textlguren.
1893. 4 M. S0 Pf.
8. Heft. Die Choleraerkrankungen in der Armee 1892 bis 1893 und die
yegen die Cholera in der Armee getroffenen Massnahmen. Bearbeitet von Stabsarzt
Dr. Schumburg. gr. 8. Mit 2 Textfiguren und 1 Karte. 1894, 2 M.
9. Heft. Untersuchungen über Wasserfilter, Von Öberstabsarzt Dr.
Plagge. gr. 8. Mit 37 Textfiguren. 1895. 5 M.
10. Heft. Versuche zur Feststellung der Verwertbarkeit Röntgenscher
Strahlen für medizinisch-chirurgische Zwecke. gr. 8, Mit 23 TextfÄguren.
 1596. 6 M.
1l. Heft. Ueber die sogenannten Gehverbände unter besonderer Berücksichtigung
 ihrer etwaigen Verwendung im Kriege. Von Stabsarzt Dr. Coste,
gr. 8, Mit 13 Textfiguren. 1897. 2 M.
12. Heft. Untersuchungen über das Soldatenbrot. Von Oberstabsarzt
Dr. Plagge und Chemiker Dr. Lebbin. 1897. 12 M.
13. Heft. Die preussischen und deutschen Kriegschirurgen und
Feldärzte des 17, und 18, Jahrhunderts in Zeit- und Lebensbildern.
Von Oberstabsarzt Prof. Dr. A. Köhler, Mit Portraits und Textfiguren. 1898. 12M.
14. Heft. Die Lungentuberkulose in der Armee, Bearbeitet in der
Medizinal- Abteilung des Königl. Preuss. Kriegsminist. Mit 2 Taf. 1899. 4M.
15. Heft. Beiträge zur Frage der Trinkwasserversorgung. Von Oberstabsarzt
 Dr. Plagge und Öberstabsarzt Dr. Schumburg. Mit 1 Tafel und
Textfiguren. 1900. 8 M.
16. Heft, Ueber die subkutanen Verletzungen der Muskeln. Von Dr.
Knaak. 1900. 3 M.
17. Heft. Entstehung, Verhütung und Bekämpfung des Typhus
bei den im Felde stehenden Armeen. Bearbeitet in der Medizinal-Abteilung
les Königl. Preuss. Kriegsministeriums. Zweite Aufl, Mit 1 Tafel. 1901. 3 M.
18. Heft. Kriegschirurgen und Feldärzte der ersten Hälfte des
19, Jahrhunderts (1795—1848). Von Stabsarzt Dr. Bock und Stabsarzt Dr.
on enknopf. Mit einer Einleitung von ÖOberstabsarzt Prof. Dr. Albert Köhler.
1901. 14 M.
19. Heft. Ueber penetrierende Brustwunden und deren Behandlung.
 Von Stabsarzt Dr. Momburg. 1902. 2 M. 40 Pf,
20. Heft. Beobachtungen und Untersuchungen über die Ruhr
Dysenferie). Die Ruhrepidemie auf dem Truppenübungsplatz
Döberitz im Jahre 1901 und die Ruhr im Ostasiatischen Expeditionskorps.
 Zusammengestellt in der Medizinal-Abteilung des Königl. Preussischen
Kriegsministeriums. Mit zahlr. Textfiguren und 8 Taf, 1902. 10 M.
        <pb n="209" />
        Verlag von August Hirschwald in Berlin.
(Dureh alle Buchhandlungen zu beziehen.)

Veröffentlichungen aus dem Gebiete des Militär-Sanitätswesens,
Jerausgegeben von der Medizinal-Abteilung des Königlich Preussischen
Kriegosministeriums.

21. Heft, Die Bekämpfung des Typhus. Von Geh. Med.-Rat Prof. Dr.
Robert Koch. 1903. 50 Pf,
29. Heft: Ueber Erkennung und Beurteilung von Herzkrankheiten.
Vortr. aus der Sitzung des Wissenschaft]. Senats bei der Kaiser Wilhelms-Akademie
ir das militärärztliche Bildungswesen am 31. März 1903. 1903. 1 M. 20 Pf.
23. Heft. Kleinere Mitteilungen über Schussverletzungen, Aus den
Verhandlungen des Wissenschaftlichen Senats der Kaiser Wilhelms- Akademie für
Jas militärärztliche Bildungswesen vom 3. Juni 1903. 1903. 2 M. .
24. Heft. Kriegschirurgen und Feldärzte in der Zeit von 1848 bis
1868. Von Oberstabsarzt a. D. Dr. Kimmle. 1904. 14 M.
25. Heft. Ueber die Entstehung und Behandlung des Plattfusses
m jugendlichen Alter. Von Dr, Schiff. 1904. 2 M.
26. Heft, Ueber plötzliche Todesfälle, mit besonderer Berücksichtigung
 der militärärztlichen Verhältnisse. Von Oberarzt Dr. Busch.
‚904. 2 M. 40 Pf,
27. Heft. Kriegschirurgen und Feldärzte der Neuzeit. Von ÖOberstabsarzt
 Prof. Dr. A. Köhler. 1904, 18 M.
28. Heft. Beiträge zur Schutzimpfung gegen Typhus. Bearbeitet in
ler Medizinal- Abteilung des Königlich Preussischen Kriegsministeriums. Mit
(0 Kurven im Text, 1905. 1 M. 60 Pf.
29. Heft, Arbeiten aus den hygienisch-chemischen Untersuchungsstellen.
 Zusammengestellt in der Medizinal-Abteilung des Königlich Preussischen
KXriegsministeriums. I. Teil. 1905. 2 M. 40 Pf.
30, Heft. Ueber die Feststellung regelwidriger Geisteszustände
jeiHeerespflichtigen und Heeresangehörigen. Beratungsergebnisse aus der
Sitzung des Wissenschaftl. Senats bei der Kaiser Wilhelms- Akademie für das militärärztliche
 Bildungswesen am 17. Februar 1905. Mit 3 Kurventaf. im Anhang. 1905. 1 M.
81. Heft. Die Genickstarre-Epidemie beim Badischen Pionier-Bataillon
 No. 14 (Kehl) im Jahre 1903/1904. Mit einem Grundriss der Kaserne
ınd zwei Anlagen. 1905. 3 M. 60 Pf,
82. Heft. Zur Kenntnis und Diagnose der angeborenen Farbensinnstörungen.
 Von Stabsarzt Dr. Collin. gr. 3. 1906. 1 M. 20 Pf,
83. Heft. Der Bacillus pyocyaneus im Ohr. Klinisch- experimenteller
Beitrag zur Frage ‘der Pathogenität des Bacillus pyocyaneus. Von Stabsarzt Dr.
Itto Voss. gr. 8. Mit 5 Tafeln, 1906. 8 M.
34. Heft. Die Lungentuberkulose in der Armee. Im Anschluss an
Heft 14 der Veröffentlichungen bearbeitet von Stabsarzt Dr. Fischer. 1906. 2M.
35. Heft. Beiträge zur Chirurgie und Kriegschirurgie, Festschrift zum
ziebzigjährigen Geburtstage Sr. Exz. v. Bergmann gewidmet, gr, 8, Mit dem
Portrait Exz. v. Bergmanns, 8 Tafeln und zahlreichen Textfig. 1906. 16 M.
36. Heft. Beiträge zur Kenntnis der Verbreitung der venerischen
Krankheiten in den europäischen Heeren sowie in der militärpflichtigen
Jugend Deutschlands. Von Stabsarzt Dr. H. Schwiening. 1907, gr. 8. Mit
12 Karten und 8 Kurventafeln. 6 M.
37. Heft. Ueber die Anwendung von Heil- und Schutzseries im
Heere. Beratungsergebnisse aus der Sitzung des Wissenschaftlichen Senats der Kaiser
Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen am 30. November 1907.
3. 1908. 1 M. 20 Pf.
38, Heft. Arbeiten aus den hygienisch-chemischen Unitersuchungsstellen.
 Zusammengestellt in der Medizinal-Abteilung des Königlich Preussischen
Kriegsministeriums. II. Teil. 1908. 2 M. 80 Pf.
39. Heft, Ueber das Auftreten von Sarkomen, sowie von Haut-, Gelenkand
 Knochentuberkulose an verletzten Körperstellen bei Heeresangehörigen. Von
Oberstabsarzt Dr. Eichel. 1908. 80 Pf.
Druck von L Schumacher in Berlin N. 24,
        <pb n="210" />
        <pb n="211" />
        <pb n="212" />
        <pb n="213" />
        <pb n="214" />
        <pb n="215" />
        <pb n="216" />
        <pb n="217" />
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
