das Verhältniss der Staatsbürger zum Staate und seiner Ver- fassung ins Auge, während sie die wirtschaftliche Seite des individuellen Daseins in den Hintergrund drängten. Es lag aber ganz in der Richtung der herrschenden Ideen des vorigen Jahrhunderts, dass dieselbe Bewegungs- freiheit, für die die Staatsphilosophie der Aufklärungszeit auf politischem Gebiete stritt, auch für das wirtschaftliche erstrebt wurde. So erklären sich die Bemühungen der Physiokraten alle Schranken hinwegzuräumen, die die Entfaltung der Ar- beitskraft des Individuums hemmten, und deren Beseitigung den Forderungen der Freiheit und Gleichheit, aber auch den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Zeit entsprach. Diese Be- strebungen haben in dem droit de travailler einen be- stimmten Ausdruck gefunden. Die Anerkennung dieses Grundsatzes durch Turgot in dem berühmten Edicte vom ı2. März 17761), das in Frankreich die Gewerbefreiheit ein- führte, hat mehrere Schriftsteller (besonders Marlo) zu der Behauptung veranlasst, die Physiokraten hätten bereits ein Recht auf Arbeit anerkannt. Gleichwohl lässt sich für diese häufig aufgestellte Behauptung ein quellenmässiger Beweis nicht erbringen. Quesnay, dem Vater der physiokratischen Schule, lag der Gedanke eines vom Staate dem Individuum zu gewährenden Rechts auf Arbeit vollständig ferne. Sein Denken drehte sich hauptsächlich um die Vorzüge, des Acker- baus; denn unter den verschiedensten Formen und von den mannigfaltigsten Ausgangspunkten aus kommt er immer wieder auf die trita questio von der Productivität des Acker- baus und der Unfruchtbarkeit der Industrie zurück. Die so- ziale Seite seines Denkens tritt hauptsächlich in seinem Droit 1) S. das Ediet im Receuil g6neral des anciennes lois frangaises von Jourdan, Decrusy und Isambert Bd. 23 S, 370 ff.: Louis etc, Nous devons ä tous nos sujets de leur assurer la jouissance pleine et entiere de lcurs droits; nous devons surtout cette protection ä cette classe d’hommes qui, n’ayant de propriete que leur travail et leur industrie, ont d’autant plus le besoin et le droit Yenplöyer, dans toute leur 6tendue, les senles resources qu’ils aient pour subsister ,,.. Dieu, en donnant ä l’homme des besoins, en Iui rendant n&cessaire 1a ressource du travail, a fait du droit de travailler la propriet6e de tout homme, et cette propriet6 est 1a premidre, la plus sacr6e et la plus impre- seriptible de toutes. Nous regardons comme un des premiers devoirs de notre justice, et comme un des actes les plus dignes de notre bienfaisance, d’affranchir nos sujets de toutes les atteintes port6es ä ce droit inali6nable de ”’humanite. Nous voulons en consequence abroger ces institutions arbi- traires. aui ne Dermettent pas A Vindiyvent de vivre de son fravail:ı ...-