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        <title>Die neue Situation Europas und die Tschechoslovakei</title>
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            <forname>Milan</forname>
            <surname>Hoǆa</surname>
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        TSCHECHOSLOVAKISCHE QUELLEN
UND DOKUMENTE

Nr. 24

DIE NEUE

SITUATION EUROPAS

ISCHECHOSLOVAKEI

UND DIE

Kundgebungen
Dr. MILAN HODZAS,

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Ministerpräsidenten der Tschechoslor

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        DIE NEUE

SITUATION EUROPAS

UND DIE

ISCHECHOSLOVAKEI
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        TSCHECHOSLOVAKISCHE QUELLEN
UND DOKUMENTE

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04

DIE NEUE

SITUATION EUROPAS

UND DIE

TSCHECHOSLOVAKEI

Kundgebungen

Dr. MILANIHODZAS.

Ministerpräsidenten der Tschechoslovakei

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1938

‚ORBIS“ VERLAG, PRAG XII, FOCHOVA 62
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BUCHDRUCKEREI „ORBIS“ PRAG XII
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        RUNDFUNKREDE

des Vorsitzenden der Regierung

Dr MILAN HODZA

am 28. März 1938
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Die Regierung der Republik wird auch weiterhin
die gesetzgebenden Körperschaften und die ganze
Öffentlichkeit über die Entwicklung der internationalen
 und der heimischen Politik informieren,
heute aber komme ich zu Ihnen, um Ihnen namens
der Regierung dafür zu danken, dass Sie die Regierungserklärung
 vom 4. März richtig verstanden
haben. Sie haben gut begriffen, was das Gebot
von heute ist, Ihre besonnene Entschlossenheit
hat die Bereitwilligkeit unserer Verbündeten und
Freunde gestützt und in der Welt das Vertrauen
in die Politik der tschechoslovakischen Regierung
gestärkt. Es erfüllt uns mit Freude, dass die Erklärung
 der Regierung der Republik die Zustimmung
 im Auslande, nicht nur der offiziellen Stellen,
 sondern auch der gesamten öffentlichen Meinung
 und insbesondere auch der breiten Volksschichten
 in den westlichen Demokratien, gefunden
 hat.
Die amtlichen Stellen in Berlin reagierten auf
die Erklärung unserer Regierung vom 4. März
über die offizielle Versicherung, dass Deutschland
 nicht beabsichtige, sich in unsere innerpoliti-Es


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        schen Angelegenheiten einzumischen, Die verantwortlichen
 Repräsentanten des Deutschen Reiches
erklärten auch in den Tagen der österreichischen
Ereignisse wiederholt mit allem Nachdruck und
mit aller Verbindlichkeit, dass Deutschland gegen
die T'schechoslovakische Republik keine Angriffsabsichten
 hege. Die deutsche Reichsregierung bestätigte
 den Inhalt dieser Versicherungen auch der
Regierung Grossbritanniens,
Nach der Erklärung des Vorsitzenden der britischen
 Regierung Chamberlain vom 24. März
kann konstatiert werden, dass sich die britische
Politik konsequent auf der Linie bewegt, welche
wir in der Erklärung der tschechoslovakischen Regierung
 vom 4. März vorausgesetzt haben. Wir
haben gesagt, dass die Identität der Interessen und
deren Anerkennung für den Frieden oft eine
grössere Bedeutung als formale Pakte zu haben
pflegt. Der Vorsitzende der britischen Regierung
hat diese unsere Ansicht voll bestätigt und beharrt
nicht allein auf dem bisherigen Interesse Grossbritanniens
 an Mitteleuropa, sondern legt darauf
mit folgenden Worten Nachdruck:
„Dort, wo es sich um Frieden oder Krieg handelt,
 kommen nicht nur legale Verpflichtungen zur
Geltung. Wenn ein Krieg entsteht, ist es unwahrscheinlich,
 dass er sich auf diejenigen beschränken
würde, die solche Verpflichtungen übernommen
haben. Es wäre gänzlich unmöglich zu sagen, wo
das Ende sein wird, und welche Regierung in den

m
        <pb n="8" />
        Krieg hineingezogen werden könnte. Der unerbittliche
 Druck der Tatsachen kann sich mächtiger
erweisen, als eine formale Erklärung. In einem
solchen Falle wäre es im Bereich der Möglichkeit,
dass auch andere Länder keineswegs nur Parteien,
die im ursprünglichen Konflikt direkt beteiligt
sind, beinahe sofort in einem solchen Konflikt
hineingezogen werden könnten.‘
Bei aller Nüchternheit und bei allem Kritizismus
 kann daher konstatiert werden, dass die Sicherheit
 der T’schechoslovakei in dem System der
europäischen Zusammenarbeit gestärkt ist. Es
wurde also unsere Erklärung vom 4. März nicht
nur bei uns zu Hause, sondern überall in Europa
und insbesondere auch in England richtig verstanden.
 Sicherlich war die ganze Erklärung des
Vorsitzenden der britischen Regierung eine grosse
Tat, eine Tat für die europäische Konsolidierung.
Möglicherweise wird ihm die Geschichte einmal
anerkennen, dass er sich in diesem Zeitpunkt um
den Frieden verdient gemacht hat.
Die Regierung der Republik macht aber insbesondere
 auf einen wichtigen Umstand aufmerksam.
 Der Vorsitzende der Regierung von Grossbritannien
 hat in seiner Rede vom 24. März ein
ganz ausserordentliches Interesse für die Minderheiten-Politik
 der Regierung an den Tag gelegt.
Er sagte u. a. : „Was die Tschechoslovakische Republik
 anlangt, scheint es der Regierung seiner
Majestät, dass jetzt der Augenblick gekommen

wi
        <pb n="9" />
        ist, da alle diplomatischen Mittel im Interesse des
Friedens angewendet werden sollten. Die britische
Regierung hat gerne zur Kenntnis genommen und
unterschätzt. in keiner Richtung die definitive Versicherung,
 die von der deutschen Regierung über
ihren Standpunkt gegeben wurde. Andererseits
hat sie mit Dank vermerkt, dass die Regierung der
T'schechoslovakischen Republik praktische Schritte
vorbereitet, die im Rahmen der tschechoslovakischen
 Verfassung gemacht werden können und
die den verständigen Wünschen der deutschen
Minderheit entsprechen würden. Ihrerseits wird
die Regierung Seiner Majestät immer bereit sein,
jegliche Hilfe, die in ihrer Macht steht, durch
welche Mittel immer, die ihr zur Lösung aller
Fragen geeignet erscheinen würden, welche
Schwierigkeiten zwischen der deutschen und der
tschechoslovakischen Regierung bewirken könnten,
 zu gewähren.“
Es muss vor allem betont werden, dass dieses
Interesse des britischen Ministerpräsidenten für
unsere Minderheitenpolitik eine feste international-rechtliche
 Basis, und zwar in dem Vertrage
über den Minderheitenschutz hat, der am 10, September
 1919 in St.-Germain-en-Laye unterzeichnet
worden ist. Die T'schechoslovakei hat somit die
Erklärung des Vorsitzenden der britischen Regierung
 mit Freude zur Kenntnis genommen.
Ich weiss und begreife auch vollkommen, dass
bei uns viele mit der Minderheitenpolitik nicht
        <pb n="10" />
        übereinstimmen, wie wir sie am 18, Feber 1937
ergänzt haben. Sogar die ehemaligen deutschen
Aktivisten hielten sich für verpflichtet, ihr Lücken
und Unzulänglichkeiten vorzuwerfen. Doch ist es
überaus interessant, das Organ der deutschen
Christlichsozialen zu lesen, in welchem gerade im
Zeitpunkt ihres Eintritts in die Opposition am
25. März d. J. ausdrücklich erklärt wurde, dass
„es auch heute Geltung hat, dass seit dem 18. Februar
 1937 wertvolle Erfolge erzielt wurden,
welche tausenden Volksgenossen Beschäftigung,
Arbeit, Brot und Hilfe wiedergebracht haben“.
Sehr ernste Zweifel hatten bezüglich der Politik
des 18. Februars auch viele tschechische Nationalisten.
 Heute jedoch ist es klar, dass gerade unsere
traditionelle und seit dem 18. Februar 1937 neu
ausgerichtete Minderheitenpolitik das Vertrauen
derjenigen bestätigt hat, welche jetzt eine so eindeutig
 energische Stütze unserer staatlichen Sicherheit
 sind. Die Regierung der Republik wird
also konsequent in der Regelung unserer nationalen
 Verhältnisse im Rahmen der Verfassung
fortfahren.

Wollen wir in dieser Hinsicht ein Werk zustande
 bringen, dessen Geltung endgültig wäre,
müssen wir vor allem die neue innerpolitische Situation
 richtig werten, wie sie sich nach dem Austritt
 eines Teils der deutschen Aktivistem aus der
Regierung und der Regierungsmehrheit darstellt
und sich weiterhin noch darstellen wird. Die deut-
        <pb n="11" />
        schen Aktivisten waren in der Regierung und in
den gesetzgebenden Körperschaften unsere Mitarbeiter
 und trugen mit uns die gleiche Verantwortung.
 Auch wenn sie jetzt weggefallen sind,
wollen wir den Versuch einer wohlwollenden Erklärung
 ihrer Krise machen.
Wir Tschechen und Slovaken erleben unseren
eigenen demokratischen Nationalismus mit innerlicher
 Wahrhaftigkeit und bemühen uns, reell die
Entwicklung zu beurteilen, welche in unserer
Nachbarschaft die Karte Europas und die europäischen
 Machtverhältnisse geändert hat. Die
Hochflut des deutschen Nationalismus hat die anderen
 Gesinnungselemente vieler unserer deutschen
 politischen Gruppen in den Hintergrund
gedrängt. Wenn wir jedoch die neue Situation
der Deutschen in unserer Republik mit nüchternem
 Kritizismus überprüfen, so können wir nicht
leugnen, dass eine ganze Reihe von Massnahmen
im Bereiche der Minderheitenpolitik schon seit
längerer Zeit Gegenstand des gegenseitigen Überbietens
 und der Rivalität zwischen den deutschen
politischen Parteien geworden ist. Auf unsicherem
 Boden kann man nicht gehen. Wir treten in
eine neue Periode unserer Minderheitenpolitik ein.
Doch muss nach allen Seiten hin Klarheit darüber
herrschen, dass jede Minderheitenregelung in der
Tschechoslovakei auf festen Voraussetzungen beruht,
 welche sind: unsere Staatlichkeit, unsere
Verfassung, keine Entnationalisierung — weder
        <pb n="12" />
        der Deutschen, Magyaren, Russen und Polen,
noch selbstverständlich auch der Tschechen und
Slovaken. Alle tschechoslovakischen Staatsbürger
stehen unter dem Schutz des Staates und der Regierung,
 mögen sie wo immer in der Republik
leben. Die Regierung wird im keinen Falle und
keiner Form, sei es einen wirtschaftlichen oder
moralischen oder politischen Druck zulassen.
Wir müssen uns aber einmal eingestehen, dass
unsere Minderheitenpolitik noch immer unter einer
gewissen Unproportionalität leidet. Die T'schechoslovakei
 war und ist in grossen Dingen gegenüber
ihren Deutschen grosszügig und freigebig, in kleinen
 Einzelheiten — zögernd. Unsere Deutschen
haben Hoch-, Mittel- und Fachschulen in voller
Proportion, manchmal auch über diese Proportion
hinaus. Der tschechoslovakische Staat gewährt
also vom ersten Tage seiner Erneuerung an seinen
Deutschen den geistigen Quell, aus welchem so
viele kulturelle und sittliche Kräfte strömen, dass
das Ergebnis gar nicht anders als ein kultureller
und in seinem Gefolge ein politischer Nationalismus
 sein kann. In unserer Republik sind ganze
Gebiete, in welchen es bis zum Jahre 1918 keine
deutschen Volks-, geschweige denn Mittelschulen
gegeben hat. Hier hat erst die Republik dieses
Schulwesen geschaffen und so für die Deutschen
ganze Gebiete, welche unter dem früheren Regime
bedroht waren, gerettet. Die Republik hat also
mit grosszügiger Hand ihren Deutschen die kultu-|-
        <pb n="13" />
        rellen Voraussetzungen für ihren Nationalismus
geschenkt.
Heute ist es an der Zeit in einem einheitlichen
gesetzgebenden Akt alle schon gültigen Minderheitenmassnahmen,
 ob sie nun in der Verfassungsurkunde
 oder dem Sprachengesetz und in einer
ganzen Reihe von legislativen und administrativen
 Teilmassnahmen enthalten sind, zu einem
systematischen Ganzen zusammenzufassen. Wir
behaupten mit Recht, dass wir in der ’T'schechoslovakei
 den relativ vollkommensten Komplex
der Minderheitenrechte geschaffen haben. Weil
wir jedoch aus ihnen noch kein kodifiziertes System
 gemacht haben, kann böser Wille in der uninformierten
 Welt den Eindruck hervorrufen,
dass die Minderheiten bei uns nicht frei atmen
können und wenn sie es können — so erst seit
dem 18. Februar 1937,
Es ist also ein Gebot der Zweckmässigkeit und
der Ordnung, das wertvolle Werk unserer Minderheitenpolitik
 auch in formaler Hinsicht zu vollenden.
 Darum berät die tschechoslovakische Regierung
 über ein Minoritätenstatut der Republik, Wir
werden damit der Propaganda ein Ende bereiten,
die von so vielen Seiten gegen unseren guten
Willen und gegen unsere ehrliche Arbeit geführt
wird.

Nach der historischen Erklärung des britischen
Ministerpräsidenten, der zu der europäischen Klärung
 und damit auch der tschechoslovakischen Po-
        <pb n="14" />
        sition durch einen so wertvollen Beitrag beigetragen
 hat, wird es niemand einfallen, uns noch
anzuschwärzen, dass wir unsere Minderheitenpolitik
 unter einem Druck von Aussen machen. Aus
der politischen Praxis der letzten zwei bewegten
Jahre kann ich mit ruhigen Gewissen betonen,
dass, wann immer irgend ein ausländischer Einfluss
 auf unsere innere Politik versucht worden
ist, wir niemals diesem Versuch nachgegeben und
auch nicht im Sinne haben, an unserem Vorgehen
etwas zu ändern. Wir machen und werden das
machen, was unserem eigenen Willen und unserer
staatlichen Souveränität im Zusammenwirken mit
unserem heimischen Faktoren und im Rahmen der
vertraglich angenommenen Verpflichtungen entspringen.

Und noch ein Wort in unsere eigenen Reihen:
Zu der Regierungserklärung vom 4. März hat
eine geradezu riesige Majorität unserer Öffentlichkeit
 ihre volle Zustimmung kundgegeben. Die
gesetzgebenden Körperschaften und nach ihnen
sozusagen ohne Ausnahme sämtliche Organisationen
 unseres Öffentlichen Lebens, Institute,
Schulen, die Armee, die Jugend, alles beeilte sich,
die Zustimmung zu der ruhigen Besonnenheit,
aber gleichzeitig zu der furchtlosen Entschlossenheit,
 wie sie die Regierung der Republik formuliert
 hat, zu erklären.
Ich spreche zu Ihnen, jetzt nach einer überwundenen
 Etappe der europäischen Krise und

17
        <pb n="15" />
        danke Ihnen allen, allen, weil Sie alle vor dem
Antlitz der Welt zu dem Beweise beigetragen haben,
 dass unser Volk in einer grossen Zeit weder
kleinlich noch schwach ist. Die Regierung der Republik
 hat das starke Gefühl, dass sie sich auf
jemanden stützen kann. Das Bewusstsein und das
Gefühl der eigenen Stärke, Ruhe und Besonnenheit,
 die Friedensliebe ebenso wie der Mut und
die Bereitschaft, das alles hat uns daheim und in
Europa eine Position errungen, von der gesagt
werden kann, dass sie fester ist, als sie vor der
gegenwärtigen Krise war. Geradezu ergreifend
schön war und ist in dieser bewegten Zeit die Haltung
 der breitesten Schichten unseres Volkes, der
landwirtschaftlichen, Arbeiter-, mittelständischen
Schichten und aller Kategorien unserer öffentlichen
 Angestellten und des grössten Teiles der
Bourgeoisie und Intelligenz. Absichtlich führe ich
die Gesellschaftsschichten deshalb an, damit sich
jeder von uns vergegenwärtige, dass je stärker
die soziale Stellung, je günstiger die materiellen
Bedingungen sind, um so kategorischer die Pflicht
ist, zumindestens ein so festes Rückgrat zu haben
wie unser Arbeiter und unser Mann aus der Provinz,
 Handwerker und Beamte. Wenn sich hie und
da irgendein Defaitist aus dem moralischen Solidarismus
 unseres Volkes ausschliesst, schliesst er
sich ein für allemal aus. Ich bitte, dass diese einfache
 Mahnung genüge: Stark und fest sind Nation
 und Staat, stark und fest ist seine Regierung.

MM
        <pb n="16" />
        Ich schliesse: Es droht keine internationale Gefahr.
 Es besteht keine Gefahr eines Konfliktes in
der Nachbarschaft, es ist in ganz Europa eine Situation,
 in welcher man zu einem friedlichen
Abkommen gelangen kann und muss. Die Tschechoslovakei
 arbeitet gemeinsam mit anderen dazu.
Auch im Inneren werden wir weiter ruhig vorgehen.
 Niemand wird sich in irgend etwas übereilen.
 In den Regierungs- und parlamentarischen
Kreisen werden wir unsere Arbeiten weiter auf
dem bewährten demokratischen Wege in Zusammenarbeit
 mit allen denjenigen fortführen, die bei
uns Ruhe, Ordnung und friedliche Befestigung
des Staates wünschen. Die Diskussionen treten
zurück und den Weg bahnen sich Taten und Handlungen.
 Unsere Disziplin und das gegenseitige Vertrauen
 sind nicht nur in der Vernunft verankert.
Heute meldet sich auch unser Herz und durchwärmt
 unsere innere Solidarität zu der einen,
glühenden Leidenschaft, eben auch in der neuen
mitteleuropäischen Situation hohe moralische, organisatorische
 und technische Tüchtigkeit der Republik
 zu beweisen.
Wir beharren darauf, was wir uns am 16. Dezember
 des vergangenen Jahres aus Anlass des 20.
Jahrestages der Anerkennung unserer Armee in
Frankreich gesagt haben: Die Tschechoslovakei
hat ihre Mission auf diesem empfindlichen Punkte
Kuropas, das Einvernehmen und das Zusammenwirken
 der Nationen zu organisieren, Diese Mis-In


"wo;
        <pb n="17" />
        sion ist heute für uns und für Mitteleuropa und
für ganz Europa und dessen Frieden ein elementares
 Interesse, Diese Mission werden wir ehrlich
erfüllen, unseren Staat werden wir in dem starken
Gefühl der inneren Sicherheit und im Bewusstsein
 der sicheren Entwicklung fortführen.

IM
        <pb n="18" />
        REGIERUNGSERKLÄRUNG

des Vorsitzenden der Regierung

Dr MILAN HODZ7A

in beiden Kammern der Nationalversammlung

am 4, März 1938
        <pb n="19" />
        Die Beziehungen zwischen den Völkern und Staaten
 machen gerade eine Periode der Veränderungen
 durch, deren manchmal fast dramatischer Verlauf
 Grund zur Beunruhigung in der öffentlichen
Meinung Europas gibt. Wir glauben, dass es sich
auch diesmal um ein Übergangsstadium handelt,
aus welchem die europäischen Nationen bei wahrhaft
 gutem Willen den Ausweg zu einer dauernden
Sicherung des Friedens und zu einem gesicherten
Gleichgewicht in Europa finden können. Wir beurteilen
 alle Erscheinungen im internationalen Leben
 mit Ruhe unter dem Gesichtswinkel unserer
gründlichen moralischen, wirtschaftlichen und
Wehrbereitschaft und bemühen uns jederzeit, nach
aussen wie innen, den Pflichten, die uns unsere nationale
 Würde und unser staatliches Interesse auferlegen,
 gerecht zu werden.
Ich bitte deshalb das Hohe Haus, mir zu gestatten,
 ihm heute den Standpunkt der tschechoslovakischen
 Regierung zu den aktuellsten aussenpolitischen
 Fragen zu verdolmetschen. Ich werde dann
eine andere Gelegenheit zur Darlegung des Arbeitsprogrammes
 der Regierung auf innerpolitischem
Gebiete benützen.
        <pb n="20" />
        Die ’T'schechoslovakei begrüsst mit Freude die
vom Abgeordnetenhaus genehmigte Anregung der
französischen Regierung, auf den Wegen auszuharren,
 die zu einer Belebung der Funktion des
Völkerbundes führen sollen. Denn dieses Genfer
Forum hat mit anerkennenswertem Streben auch
in den schwersten internationalen Krisen für den
Frieden gearbeitet.
Mit Befriedigung konstatieren wir die bewährte
Lebenskraft aller unserer internationalen Verträge,
 auf denen wir bestehen und beharren. Nur bei
völligem Mangel an Objektivität oder bei Unkenntnis
 des politischen Geschehens der letzten anderthalb
 Jahrzehnte wäre die Behauptung möglich, dass
die Kleine Entente ihre Sendung nicht erfüllt habe.
 Die historische und psychologische Kraft der
Kleinen Entente, ebenso wie ihre wirtschaftlichen
Bindungen haben die Erwartungen voll bestätigt,
welche nicht nur ihre Mitglieder, sondern die ganze
friediiebende Öffentlichkeit Europas an diesen
friedensschöpferischen diplomatischen Organismus
geknüpft haben und knüpfen. In Übereinstimmung
mit den beiden anderen Mitgliedern der Kleinen
Entente verstärken wir ihre Leistungsfähigkeit als
Ganzes durch weitere Teilverträge, deren Durchführung
 in vollem Fluss ist.
Mit dem Gefühl innerer Genugtuung und freudiger
 Zustimmung hat die tschechoslovakische
Öffentlichkeit die letzten Kundgebungen des Ministerpräsidenten
 und des Aussenministers der
        <pb n="21" />
        (ranzösischen Republik vernommen, welche die bereits
 als historisch zu bezeichnende Tatsache bestätigten,
 dass die Zusammenarbeit des edlen
Frankreich mit der 'T'schechoslovakischen Republik
 sich um so nachhaltiger bewährt, je deutlicher
sich die internationale Krise zeigt. Ich benütze
diese Gelegenheit, um im Namen der tschechoslovakischen
 Regierung besonders zu betonen, einen
wie wertvollen Beitrag die französisch-tschechoslovakische
 Zusammenarbeit für die Politik des
Friedens durch ihre Klarheit und Entschiedenheit
auch in der letzten Zeit geleistet hat. Ein wertvoller
 Ausgangspunkt zur internationalen Zusammenarbeit
 wird jene freundschaftliche Verständigung
bleiben, die anlässlich des Aufenthaltes des Herrn
Delbos in der Tschechoslovakei deutlich wurde.
Der Vertrag der französischen Republik mit Sowjetrussland
 und mit der T'schechoslovakei hat
sich als Instrument der Friedenspolitik gut bewährt.


Mit dem Gefühl der Genugtuung nimmt die
Tschechoslovakische Republik ebenso wie der
grösste Teil der europäischen Öffentlichkeit die
letzte Erklärung des englischen Ministerpräsidenten
 zur Kenntnis, in welcher er sich mit der Kundgebung
 des jüngst zurückgetretenen Aussenministers
 Eden vom 24. Juni 1937 voll identifiziert. Dieser
 neue Ausdruck der Stabilität in der Politik des
britischen Reiches ist ohne Zweifel eines der entscheidendsten
 Elemente des europäischen Friedens.
        <pb n="22" />
        Der ’T'schechoslovakei geht es um keine formalen
Verträge, noch um Sondervereinbarungen mit dem
britischen Reiche. Es handelt sich einfach darum,
ob man in London anerkennt, dass die Beruhigung
und der Friede in Mitteleuropa allgemeines, also
auch britisches Interesse sind. Diese Identität der
Interessen und ihre Anerkennung pflegen für den
Frieden oft eine grössere Bedeutung zu haben, als
formale Pakte. Zweifellos konsolidiert die britische
 Politik durch ihre Stabilität und ihre hohen
Gesichtspunkte ihre aussergewöhnliche Position in
der Welt und dadurch trägt sie in sehr bemerkenswertem
 Masse zur Sicherung des Friedens auch
auf dem Gebiete Mitteleuropas und zugleich zur
Sicherung ihres eigenen Friedens und der vitalen
Interessen des britischen Reiches ‘bei.
Das konsequente Verharren auf den bisherigen
Freundschaften schliesst in keiner Weise das Bemühen
 der Cechoslovakischen Regierung aus, die
Hindernisse zu beseitigen, die sich der Zusammenarbeit
 mit einigen unserer Nachbarn in den Weg
stellen, sondern ergänzt es vielmehr.
Gern konstatieren wir das gute Verhältnis zu
den Donauländern und die fortschreitende Normalisierung
 der Beziehungen auch zu denen, mit denen
 sie nicht befriedigend waren. Diese Entwicklung
 bedeutet in Europa ohne Zweifel einen deutlichen
 Fortschritt, Die führende Stellung, die Italien
 in dem in den Römischen Protokollen niedergelegten
 Vertrag innehat, wird es natürlich im Geiwi
        <pb n="23" />
        ste der Entfaltung der Grossmachtstellung seines
Reiches beibehalten. Im April dieses Jahres wird
die tschechoslovakische Armee die 20. Wiederkehr
der Aufstellung ihrer Abteilungen auf italienischem
 Boden feiern, so wie sie am 16. Dezember
vorigen Jahres den Jahrestag der Aufstellung der
ersten Formationen der tschechoslovakischen Armee
 in der französischen Republik gefeiert hat. Die
*schechoslovakische Öffentlichkeit wird dieses Jahrestages
 mit dem Gefühl der traditionellen Achtung
 und Dankbarkeit zu Italien gedenken, der
ersten Heimat so vieler unserer Legionäre,
Die zwischenstaatliche Annäherung im Donaubecken
 entwickelt sich nach den Grundsätzen der
Gleichberechtigkeit, Nichteinmischung und Zusammenarbeit.
 Mit Befriedigung kann man heute in
der Organisierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit
 der Donaustaaten einen allseitigen Fortschritt
 konstatieren. Bisher drückte sich dieser
Fortschritt in der Vervollkommnung des handelspolitischen
 Vertragsnetzes aus, so dass heute dieses
Netz sowohl vom tschechoslovakischen Standpunkte,
 als auch im ganzen Donauraum-Gebiete vollständig
 ist. Der Fortschritt, den ich heute erwähnen
möchte, beruht in der Tatsache, dass die Entwicklung
 zur Anerkennung der Ausnahme von der
Meistbegünstigungsklausel in erfreulichem Vormarsch
 begriffen ist.

Eine Klarstellung bedarf unser Verhältnis zum
Deutschen Reiche. Seit einem halben Jahre findet

27
        <pb n="24" />
        zwischen den zuständigen diplomatischen Organen
des. Deutschen Reiches und der Tschechoslovakischen
 Republik ein Meinungsaustausch statt, mit
dem Ziele, dass die Organe der Öffentlichkeit, insbesondere
 die Journalistik, auf der einen wie der
anderen Seite, Aggressivität vermeiden und in allen
ihren Erwägungen, die unsere gegenseitigen Beziehungen
 berühren können, jene Stellungnahme
der Objektivität und des guten Willens beachten,
welche der höchste Stolz der Journalistik in der
zivilisierten Welt ist oder sein soll. Dieser Meinungsaustatisch
 hatte und hat günstige, wenn auch
gewiss noch nicht so allgemeine Ergebnisse, wie
dies das gute nachbarliche Verhältnis des Deutschen
 Reiches und unseres Staates erheischen würde,
 das wir alle bei uns ohne Ausnahme wünschen.
Dass die tschechoslovakische Regierung bei Einhaltung
 der Reziprozität gewillt ist, für einen Pressefrieden
 dauernd und konsequent zu arbeiten, ergibt
sich bereits aus jenem traditionellen Grundsatz der
tschechoslovakischen Politik, dass internationale
Verträge um jeden Preis eingehalten werden müssen.
 i
Mit gutem Erfolg haben wir auch einige Verhandlungen
 wirtschaftlichen Charakters mit
Deutschland beendet. Wir zweifeln nicht, dass auch
der Meinungsaustausch über weitere Fragen im
Geiste gegenseitigen Verständnisses geführt werden
 wird.

Dieser Meinungsaustausch und die Verhandlun-
        <pb n="25" />
        gen über Teilprobleme zwischen dem Deutschen
Reich und der Tschechoslovakei könnten jedoch
nach den Ereignissen der letzten Wochen auf einen
bedenklichen Boden geraten. Im Hinblick auf die
Rede des deutschen Reichskanzlers vom 20. Feber
müssen unsere Erwägungen über das gegenwärtige
Verhältnis der Republik zum Reiche um so sorgfältiger
 sein, als am 1. März der Chef des deutschen
Militärflugwesens, Feldmarschall, Ministerpräsident
 und Präsident des Reichstages diese Kundgebung
 durch eine weitere ergänzt hat.
Der Herr Reichskanzler hat in seiner Rede vom
20. Feber auf die Tatsache hingewiesen, dass in
„zwei Staaten an den deutschen Grenzen“ zehn
Millionen Angehörige der deutschen Nation leben.
Es ist ein historisches Faktum, dass in der T'schechoslovakei
 mehr als drei Millionen Einwohner
deutscher Nationalität ihre Heimat haben. Die
Tschechoslovakei gehört zu jenen Ländern, wo auf
ganzen grossen Gebieten eine Bevölkerung verschiedenen
 nationalen Ursprungs einander durchdringt.
 Die Friedenskonferenz konnte daher sicherlich
 nicht anders, als auch nach dem Weltkriege die
vielhundertjährige Situation bestätigen. Es ist einfach
 eine Selbstverständlichkeit, wenn die T'schechoslovakei
 — und zwar in vollem Bewusstsein der
Tragweite dieser Erklärung — betont, dass ihre
Grenzen absolut unantastbar sind. Auch der deutsche
 Reichskanzler hat keine Zweifel daran erweckt.
 denn er selbst erklärte direkt: ‚Wir wissen
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        gut, dass es in Europa kaum Grenzen gibt, welche
allseits befriedigen könnten.“ Es ergibt sich jedoch
eine andere Frage. Der Herr Reichskanzler erklärte,
 dass zu den Interessen des Deutschen Reiches
auch der Schutz jener fremdstaatlichen Bürger
deutscher Nationalität gehört, die aus eigener
Kraft nicht im Stande sind, sich innerhalb der
Grenzen anderer Staaten das Recht auf allgemein
menschliche, politische und weltanschauliche Freiheit
 zu sichern. Wie wir glauben, braucht man die
Erklärung des deutschen Reichskanzlers nicht auf
die T'schechoslovakei zu beziehen, und zwar aus
dem sehr einfachen Grunde, weil man von den
Bürgern deutscher Nationalität in der T'schechoslovakei
 gewiss nicht sagen kann, dass sie aus
eigener Kraft nicht im Stande wären, sich das
Recht auf allgemein menschliche, politische und
weltanschauliche Freiheit zu sichern. Dies schon
aus dem Grunde, weil, wie aus dem Begriff der
staatlichen Souveränität hervorgeht, der tschechoslovakische
 Staat für die Sicherung aller nationalen,
 bürgerlichen Rechte und der Gewissensfreiheit
 gesorgt hat, sorgt und sorgen wird, in verständnisvoller
 Zusammenarbeit der Bürger aller
Nationalitäten. Im Hinblick darauf jedoch, dass
der Herr Reichskanzler von zehn Millionen Deutschen,
 „die sich in zwei Staaten zu den deutschen
Grenzen befinden“, gesprochen hat, kann trotzdem
die Anschauung entstehen, dass der Herr Reichskanzler
 den Schutz seines Reiches auch im Hin-
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        blick auf die Deutschen in der Tschechoslovakei
meint. Ein in diesem Sinne formulierter Standpunkt
 würde einen Eingriff in die inneren Angelegenheiten
 unseres Staates bedeuten.
Die erste Voraussetzung der Regelung internationaler
 Beziehungen ist ihre Klarheit und unbedingte
 Eindeutigkeit,. Wir würden der gesamten
 weiteren Entwicklung der Dinge in Mitteleuropa
 einen schlechten Dienst erweisen und am
schlechtesten den Beziehungen der T'schechoslovakei
 zu Deutschland dienen, wenn wir nicht sehr
deutlich erklärten, dass die T'schechoslovakei und
ihre Bevölkerung niemals und unter keinen Umständen
 ein Eingreifen in ihre innerpolitischen Angelegenheiten
 zulassen kann, noch darf und auch
nicht zulassen wird,
Sollte die Erklärung des deutschen Reichskanzlers
 als ein Versuch der Einmischung in unsere
inneren Angelegenheiten gemeint sein, als ein
Versuch, der mit dem Prinzip der Anerkennung
der Souveränität anderer Staaten unvereinbar ist,
würde die tschechoslovakische Regierung es aufrichtig
 bedauern, da dies seit der erneuerten tschechoslovakischen
 Selbständigkeit der erste Versuch
dieser Art wäre und gerade in eine Zeit fiele, da in
der T'schechoslovakei ernste konstruktive Vorbereitungen
 getroffen werden, die Beziehungen mit
Deuschland auf der Grundlage eines korrekten
Zusammenwirkens und der absoluten Nichteinmischung
 in die inneren Angelegenheiten des an-
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        deren Staates zu regeln. Gross ist die Gefahr jeder
Zweideutigkeit oder Unklarheit eben an diesem
Punkt Europas, da gerade Mitteleuropa eine jener
Stellen Europas ist, wo — um die Worte des
Herrn Reichskanzlers zu gebrauchen — „der
Ausgleich und die Beruhigung“ das oberste Interesse
 des Friedens sind. Daher lässt die tschechoslovakische
 Regierung niemand in Zweifel darüber,
dass die Bevölkerung dieses Staates sämtliche
Attribute ihrer staatlichen Selbständigkeit mit
allen ihren Kräften verteidigen wird, falls sie angetastet
 würden.
Unser Volk hat lange Jahrhunderte im zähen
Ringen um seine nationale Existenz und seine
Staatlichkeit durchlebt. Wenn unser Volk einst
durch das gespalten war, was man heute den
Kampf um eine Ideologie nennt, dann sind wir
heute alle darin eins, dass das Volk dieses Staates
 bei aller seiner Achtung vor Weltanschauungen
 heute in seinen Beziehungen zum Vaterlande
bloss eine Ideologie hat: seine staatliche Souveränität
 und dann jenes Höchstmass an Opfern,
das jeder von uns für die persönliche, nationale
und sittliche Freiheit ohne Zögern bringen wird.
Wir suchen den Frieden. Die heutige Situation
Europas zwingt uns aber zu sagen, dass, sollte uns
das Schicksal einmal vor die Notwendigkeit der
Verteidigung stellen, sich die Tschechoslovakei bis
in die letzten Konsequenzen wehren, wehren, weh-52
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        ren wird, gestützt auf ihre gesamte technische
und sittliche Reife.
Wir sind uns heute alle gegenseitig Klarheit
schuldig. Eine klare Sprache bedeutet guten Willen,
 Loyalität und Frieden. Fine doppelsinnige
Sprache würde Unsicherheit, Misstrauen und
überflüssige Konflikte bedeuten, die nicht nur
uns und die Nachbarn, sondern auch ganz Europa
in Unruhe versetzen würden.
Die Heimat der seit altersher auf dem Gebiete
unseres Staates ansässigen deutschen Bevölkerung
liegt im tschechoslovakischen Staate, Es ist daher
die Aufgabe dieses, einzig und ausschliesslich dieses
 Staates vom ersten Tage seiner Erneuerung
an, sein Verhältnis zu dieser Bevölkerung so zu
regeln, dass sie selbst die ewige Wahrheit erfühle
und erlebe, dass ihre ewige Heimat in der Tschechoslovakei
 ist. Diese jetzt bereits durch eine
Reihe von Jahren folgerichtig und ehrlich gelöste
 Aufgabe hat die T'schechoslovakische Republik
einerseits deshalb auf sich genommen, weil eine
gerechte nationale Politik für unser Volk eine
völlige Selbstverständlichkeit ist, andererseits deshalb,
 weil unser Volk sich selbst aus eigenem Willen
 und auf Grund seiner Souveränität durch das
Verfassungsgesetz eine Rechtsordnung geschaffen
 hat, die diesem Zwecke und gleichzeitig jener
internationalen Verpflichtung entspricht, die wir
in‘ dem in St. Germain am 10. September 1919
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        abgeschlossenen Minderheitenvertrag übernommen
 haben.
Die gegenwärtige Situation Europas erheischt
allerdings eine gewissenhafte und zum Ziele führende
 Aktion. Daher zitiere‘ ich abermals die
Worte des deutschen Kanzlers, welcher erklärte,
dass „es jedoch erwiesen ist, dass es bei gutem
Willen möglich ist, einen Weg des Ausgleiches,
gegebenenfalls zur Beruhigung zu finden“. Mit
dieser Ansicht des Herrn Reichskanzlers stimme
ich voll überein. Diese Zustimmung ist nicht bloss
formal, sie ist sachlich durch eine ganze Reihe
von Anregungen, Aktionen und Massnahmen der
Regierung der T’schechoslovakischen Republik erwiesen.

Das durch so viele Leiden geprüfte Europa
erwartet mit Recht von den Männern Mitteleuropas,
 die Geschichte zu machen verstehen, dass sie
daher Geschichte auch durch die Regelung des
zwischenstaatlichen deutsch-tschechoslovakischen
Problems unter dem Gesichtswinkel des europäischen
 Zusammenwirkens machen. Man muss es
wieder klar sagen, dass es zwischen Deutschland
und der T’schechoslovakei mehr Barrieren psychologischen
 Charakters, als Barrieren politischen
Charakters gibt. Unser Volk, das selbst von nationalem
 Fühlen erfüllt ist, hat Verständnis für
das Nationalgefühl eines jeden anderen. Wenn
jedoch unser Volk dieses psychologische Element
zu begreifen vermag, sollte auch die Bevölkerung
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        des Deutschen Reiches dafür Verständnis haben,
was nach langen Jahrzehnten, nach langen Jahrhunderten
 des alten Regimes auf die Seele der
Bevölkerung unserer Republik einstürmt. Bei den
internationalen Beziehungen geht es um die Reinigung
 der Atmosphäre von allem, was das Vertrauen
 der Nationen zueinander schädigen kann.
Dieses Werk erfordert von uns der Geist der
neuen Zeit. Wenn der gute Wille auf beiden Seiten
 vorhanden sein wird, muss einmal der Abbau
der psychologischen Schranken beginnen. Die
Tschechoslovakei ist ein Staat, dessen Bevölkerung
niemals vor grossen Anregungen zurückschreckte,
die geeignet wären, dazu zu führen, was der
Reichskanzler Beruhigung genannt hat. Ein Ausgleich
 wird für alle unverhältnismässig mehr Vorteile
 bringen, als Krisen und Konflikte. Wir lehnen
 daher jeden Versuch eines Eingreifens in die
Souveränität unseres Staates ab, begrüssen jedoch
die fruchtbare Zusammenarbeit nach den Grundsätzen
 der Gleichheit und Nichteinmischung.
Die Tschechen und Slovaken haben sich in ihrer
ganzen geschichtlichen Vergangenheit zur Wahrheit
 bekannt und für die Gerechtigkeit gekämpft.
In dem gemeinsamen Staate, den wir vor 20 Jahren
 geschaffen haben, wollen wir an den Zielen,
denen wir in vergangenen Jahrhunderten nachstrebten,
 nicht Verrat üben. Durch den kollektiven
 Willen unserer gesamten Bevölkerung sind
wir heute so stark, wie wir es in der Geschichte

zz
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        bisher‘ nie waren. Im Geiste unserer Geschichte,
im Geiste der sittlichen und intellektuellen Veranlagung
 unseres Volkes, bauen wir mit allen unseren
 Kräften den erneuerten Staat auf als die
wahre Heimat aller seiner ethnischen Bestandteile.
Wir geben ihnen nicht nur die Hoffnung auf Befriedigung
 der kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen
 Bedürfnisse, sondern verbürgen ihnen
das volle Mass aller menschlichen und bürgerlichen
 Freiheiten, die nur ein wirklich moderner
Staat seinen Bürgern geben kann. In diesem Bewusstsein
 ist unsere Ruhe, unsere Sicherheit und
unsere entschiedene Entschlossenheit verankert,
das Erbe unserer Könige, die Künder und Vertreter
 des Friedens, des Einvernehmens zwischen
den europäischen Nationen und entschlossene Hüter
 und Kämpfer für die christliche Kultur in
Mitteleuropa waren, festzuhalten und tapfer zu
verteidigen. Wir haben uns tausend Jahre nicht
gefürchtet, und fürchten uns auch heute nicht,
sicher der Einheit der Herzen und der Vernunft
aller Schichten unseres Volkes und des Zusammenwirkens
 mit jenem Europa, das wie wir keine
gewaltsamen Eingriffe, sondern Ruhe und Frieden
 wünscht,
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