Die in der letzten Zeit gewährte Eisenbahn-Transportvergünstigung
ermöglicht auch die Einschaltung der entfernteren Produktionsgegenden
in die Versorgung der städtischen Märkte. In ihrer entscheidenden Mehrheit
 ist die Belieferung des freien Marktes mit der Belieferung der Städte
durch die Einzelbauernschaft gleichbedeutend. Gewiss, wir freuen uns
über die Produktionslust der Einzelbauernschaft und werden sie auch
weiterhin fördern, damit es sich ihr lohnt, ihre Erzeugnisse auf die städtischen
 Märkte zu bringen, aber wir würden uns sehr freuen, wenn auch
unsere Produktionsgenossenschaften mit mehr Ware auf den Markt herauskämen
 und wenn auch das von den Bäuerlichen Handelsgenossenschaften
initiierte sogenannte Kommissionssystem grössere Ergebnisse aufweisen
würde.
In den vergangenen Monaten haben wir, um die Versorgung der Bevölkerung
 zu verbessern, an den Privathandel annähernd zehntausend Gewerbescheine
 genehmigt. Seit der Deklarierung des neuen Regierungsprogramms
 haben wir also bei der Versorgung der Bevölkerung ernsthafte
Ergebnisse erzielt, in einzelnen wichtigen Verbrauchsgütern und Waren
zu Produktionszwecken jedoch können wir die Nachfrage der Bevölkerung
noch nicht befriedigen. Die Ursache hierfür müssen wir zum Teil auf dem
Gebiete des Handels suchen.
Der Handel hat sich in den vergangenen Jahren damit begnügt, im
Handelsnetz die von der Industrie hergestellten, der Nachfrage der Bevölkerung
 teils entsprechenden, teils unentsprechenden Waren zu verteilen.
Dabei besteht eine der wichtigsten Aufgaben des Handels eben darin, die
industrielle und landwirtschaftliche Produktion, besonders die Produktion
von Verbrauchsgütern und einzelnen neuen Warensorten, in entscheidender
 Weise zu beeinflussen und durch einen ständigen Kampf um die
Verbesserung der Warenqualität, um eine Vergrösserung der Auswahl
die Industrie zur Erzeugung von mehr, besseren und schöneren Waren
anzuspornen. Die Tatsache, dass in den in entscheidender Weise Investitionsgüter
 produzierenden Betrieben die Herstellung von Verbrauchsgütern
 nicht zufriedenstellend vorwärtsgeht, ist zum Teil eine Folge dessen,
dass der Handel die durch den neuen Kurs bestimmten Aufgaben nicht
rechtzeitig erkannt hat, Ein Fehler, des Handels ist es auch, dass wir auf
Grund der täglichen Erfahrungen der kommerziellen Arbeit und Praxis
bis in die letzte Zeit nicht in Erwägung zogen, dass die Organisation unserer
Verbrauchsindustrie allzu zentralisiert ist, dass wir in den letzten Jahren
zahlreiche für die Verbesserung der Qualität, die Vergrösserung der Auswahl,
 die Befriedigung lokaler Ansprüche wichtige Mittelbetriebe liquidiert
und die Produktion allzusehr auf einer oder einigen Fabriken aufgebaut
haben, was auch im allerbesten Falle zu einer Verengung der Auswahl
geführt hat,

53