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        <title>Das Budget der Ungarischen Volksrepublik für 1954</title>
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        DAS BUDGET DER
UNGARISCHEN VOLKSREPUBLIK
FÜR 1954

Aus dem Material der Budgetdebatte
auf der Tagung der ungarischen Nationalversammlung
vom 15. bis 19. Juni 1954

UNGARISCHES BULLETIN
1054

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        440m Z/9

DAS BUDGET DER
UNGARISCHEN VOLKSREPUBLIK
FÜR 1954

Aus dem Material der Budgetdebatte
auf der Tagung der ungarischen Nationalversammlung
vom 15. bis 19. Juni 1954

u. UNGARISCHES BULLETIN
1954
        <pb n="3" />
        3 0. AUG. 1954

9 54/ 8106
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Druckerei Athenaeum, s43131.. Verantw.: Bela Sopron*
        <pb n="4" />
        RECHENSCHAFTSBERICHT DES FINANZMINISTERS KAROLY OLT
ÜBER DEN STAATSHAUSHALTPLAN FÜR 1954

Geehrte Nationalversammlung !
In dem Budget der Ungarischen Volksrepublik für das Jahr 1954
kommt die Hauptrichtlinie der Politik der Partei und der Regierung zur
Geltung ; es ist dies der Aufbau der Grundlagen des Sozialismus und
parallel hiermit die beharrliche Hebung des materiellen und kulturellen
Niveaus unseres Volkes,
Die Ausführung des Budgets wird zur Verwirklichung der Beschlüsse
des III. Parteitages beitragen und bedeutet einen wichtigen Schritt vorwärts
 auf dem Wege des weiteren Aufschwungs unseres Volkes und des
Gedeihens unserer Heimat.
Sodann erläuterte Genosse Olt die‘ Schlussrechnung über die Ausführung
 des vorjährigen Budgets. ;
Der Bericht über die Ausführung des vorjährigen Budgets deutet
bereits auf jene ersten Ergebnisse, welche der Staat der Volksdemokratie
im Interesse der gesteigerten Geltendmachung des wirtschaftlichen
Grundgesetzes des Sozialismus auf dem Gebiet der Besserung der materiellen
 Lebensbedingungen des werktätigen Volkes, seiner sozialen und kulturellen
 Lebensumstände in der zweiten Hälfte des Vorjahres erzielte.
Im Interesse der Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung ermässigte
die Regierung den Handelspreis der Verbrauchsgüter, erhöhte die landwirtschaftlichen
 Produktionspreise, führte bei einzelnen Kategorien
der Arbeiter und Angestellten Lohnerhöhungen durch, erliess einzelnen
Produktionsgenossenschaften ihre Schulden, bzw. prolongierte diese,
traf Verfügungen zur Ermässigung der allgemeinen Einkommensteuer der
Agrarbevölkerung sowie zum Erlass ihrer Steuer- und sonstigen Rückstände,
 bzw. zu einer beträchtlichen Senkung derselben. .

Die Hebung des Lebensstandards des werktätigen Volkes
Die auf die Hebung des Lebensstandards des werktätigen Volkes
hinzielenden Anordnungen erforderten im zweiten Halbjahr 1953 eine
entsprechende Umgruppierung der finanziellen und materiellen Mittel.
        <pb n="5" />
        Die Umgruppierung der Geldmittel führte bei den Budgetausgaben zu
neuen Proportionen. Am bedeutendsten ist die Abweichung bei den
Investitionen. So betrugen die zur Finanzierung von Investitionen verwendeten
 Budgetausgaben statt der vorgesehenen 37% lediglich 32% der
Gesamtausgaben des Budgets. Der Anteil der Schwerindustrie an der
Gesamtsumme der Investitionen verringerte sich von 43,3 auf 41,3%»
während wir in der zweiten Hälfte des Jahres gleichzeitig jene Investitionen,
die der Förderung der Landwirtschaft, der Leicht- und der Lebensmittelindustrie
 dienten, wesentlich erhöhten. Das Nationalvermögen vermehrte
sich um die 1953 verwirklichten Investitionen im Werte von rund 16 Milliarden
 Forint.
Die kraftvolle Entwicklung der industriellen Produktion, die gute
Ernte und die Umstellung von Produktion und Aussenhandel auf eine
gesteigerte Befriedigung der Bedürfnisse der Bevölkerung ermöglichten es,
dass der Warenumsatz des Innenhandels in der zweiten Hälfte des Vorjahres
 um rund 2300 Millionen Forint höher war als in der ersten Hälfte,
Diese günstige Gestaltung des Warenumsatzes steht in engem Zusammenhang
 damit, dass infolge Verfügungen der Regierung sich das Einkommen
der Arbeiter, Bauern und Angestellten im Jahre 1953 um etwa 4 Milliarden
 Forint erhöhte.
In der zweiten Hälfte 1953 verschoben sich die Einkäufe der Bevölkerung
 von den Lebensmitteln nach und nach zu den Industrieartikeln.
Beträchtlich wuchs die Nachfrage nach solchen, einen grösseren Wert darstellenden
 Artikeln, wie z. B. Möbel, Funkgeräte und Motorräder. Der
Verbrauch jener Artikel, die die Hebung des Lebensstandards der Stadtbevölkerung
 kennzeichnen, stieg beträchtlich an. So war in den staatlichen
 Läden im Dezember 1953 der Umsatz in Selchereiwaren um 15,6,
im Grünspeck um 25, in Butter um 23 und in Zucker um 21% höher
als im Dezember 1952.
Käroly Olt erläuterte sodann die in der Verwirklichung des Regierungsprogramms,
 im neuen Abschnitt des Aufbaus des Sozialismus erzielten
 grossen Erfolge. Unsere Volkswirtschaft hat sich 1953 beträchtlich
entwickelt.
Die industrielle Produktion überzraf jene des Vorjahres um 11,8%,
die der landwirtschaftlichen Erzeugung um 18,4%.
Die Verfügungen der Regierung hoben nicht nur den Lebensstandard
unseres werktatigen Volkes, sondern als deren Wirkung stelete sich auch
eine ernsthafte Besserung in der Produktion ein, die Produktionslust der
Bauernschaft nahm zu, das Bündnis der Arbeiter und der werktätigen
Bauern festigte sich.
Unsere Ergebnisse wären noch grösser gewesen, wenn im Laufe der
        <pb n="6" />
        Verwirklichung des Regierungsprogramms unsere leitenden Organe die
notwendige Umgruppierung auf allen Gebieten richtig organisiert und das
Wesen der Partei- und Regierungsbeschlüsse rasch und beharrlich in die
Praxis umgesetzt hätten. Die Tatsachenziffern des Vollzuges des Investitionsplans
 für das Jahr 1953 beweisen, dass die Ministerien die im Regierungsprogramm
 vorgeschriebenen Modifizierungen nur schleppend durchgeführt
 haben. Während die Investitionen der Schwerindustrie zu 97%
erfüllt wurden, erfolgte dies bei den Investitionen der Leichtindustrie
nur zu 80, bei der Lebensmittelindustrie zu 76% und bei den Investitionen
zum Arbeitsschutz lediglich zu 48%. Auch die in der zweiten Hälfte des
Jahres begonnenen Wohnbauarbeiten wurden nicht in dem geplanten Ausmass
 verwirklicht. Auf dem Gebiet der landwirtschaftlichen Investitionen
konnte das grosse Versäumnis des ersten Halbjahrs im zweiten Halbjahr
nicht mehr eingeholt werden.
In der zweiten Hälfte 1953 machte die auf dem Gebiet der Umgruppierung
 und der Umstellung der Produktion vielenorts bemerkbare
Unbestimmtheit ihre schädliche Wirkung einerseits bei der Warenversorgung
und andererseits in dem Wirtschaften der Unternehmen und der Durchführung
 der Selbstkostenpläne fühlbar.
Im Jahre 1953 wurden neben der mengenmässigen Erfüllung der
Produktionspläne die Gesichtspunkte der Wirtschaftlichkeit stark in den
Hintergrund gedrängt.
Die Mehrheit der Unternehmen vollzog die geplanten, bzw. modifizierten
 Aufgaben der Selbstkostensenkung nur mangelhaft. Die
Produktionskosten gestalteten sich in zahlreichen Zweigen der Volkswirtschaft
 infolge der planlosen Arbeit der Ministerien, Industriedirektionen
 und Unternehmen, der nicht entsprechenden Leitung und Kontrolle,
infolge der Verletzung der Staats-, Plan- und Finanzdisziplin, der lockeren
Lohnfondswirtschaft und einer unrichtigen Materialwirtschaft beträchtlich
 über dem geplanten Niveau. Infolgedessen verringerte sich die Gewinnanteilzahlung
 der Unternehmen und gleichzeitig wuchs einerseits die Zahl
der mit Defizit arbeitenden Unternehmen und andererseits die Gesamtsumme
 der Verluste der Unternehmen. Besonders hoch waren die Verluste
 bei den Staatsgütern, im Kohlenbergbau und bei zahlreichen. Unternehmen
 des Ministeriums für Hüttenindustrie und Maschinenbau.
Die Hauptlehre des Wirtschaftens 1953 ist, dass sämtliche
Wirtschaftsministerien sich weit mehr als bisher um die Fragen der
Wirtschaftlichkeit, die Einhaltung der Material- und der Lohnnormen,
die Erhöhung der Produktivität und die Gewährleistung der im Plan vorgesehenen
 Selbstkosten kümmern müssen.
Dem Wesen nach muss zum Ziel gesetzt werden, dass wir die Produk-
        <pb n="7" />
        tion auf realen Grundlagen und auf einem höheren Niveau als bisher
organisieren.
Auf dem Gebiet der Produktion bezeugt die Tatsache, wonach die
Forderungen der Wirtschaftlichkeit in den Hintergrund gedrängt und die
Planaufgaben der Selbstkosten nicht erfüllt werden, dass die Finanzorgane
 einzelner Ministerien und vor allem das Finanzministerium selbst
nicht genug Aufmerksamkeit dem Wirtschaften der Unternehmen widmeten
 und die Ausmerzung der sich in der Arbeit der Industriedirektionen
und der Unternehmen meldenden Planlosigkeit, der lockeren Lohn- und
Materialwirtschaft nicht urgierten.
Diese Mängel vermögen jedoch nicht jene grossen Erfolge in den
Schatten stellen, die wir im Laufe der Verwirklichung des Regierungsprogramms
 erreicht haben. Wir können feststellen, dass nach den Junibeschlüssen
 der Partei unser ganzes werktätiges Volk wie ein Mann zur
Verwirklichung des Regierungsprogramms antrat. Die Ergebnisse zeigen,
dass trotz gewisser, infolge einer allzu rapiden Förderung der Schwerindustrie
 eingetretener Disproportionen die Grundlagen unserer Volkswirtschaft
 fest sind und wir, auf die Stärke der Landwirtschaft und
der gesamten Wirtschaft im allgemeinen gestützt, jetzt bereits mit Sicherheit
 auf dem Wege fortschreiten können, den der III. Parteitag der Partei
der Ungarischen Werktätigen bezeichnet hat.
Die feste Kraft unserer Volkswirtschaft beweist auch die erfolgreiche
Ausführung des Budgets für das Jahr 1953. Nach dem der Nationalversammlung
 zur Gutheissung unterbreiteten Jahresbericht haben wir
das Budget für 1953 mit einer Gesamteinnahme von 49 Milliarden 890
Millionen und einer Gesamtausgabe von 49 Milliarden 28 Millionen Forint
erfüllt. Der Budgetüberschuss von 862 Millionen beweist die Festigkeit
der Finanzlage unseres Staates und zeugt davon, dass unsere Regierung
— auf die breiten Volksmassen gestützt — unser Volk mit sicherer
Hand vorwärts auf dem Wege des Aufbaus des Sozialismus führt.

Unseren Haushaltplan durchdringt die Fürsorge
um den Menschen

Geehrte Nationalversammlung !
Nun gehe ich zur Erörterung des Budgetvoranschlages für das
Jahr 1954 über. Die Einnahmen des Staatshaushaltplanes für 1954 betragen
49 Milliarden 684 Millionen, die Ausgaben 47 Milliarden 891 Millionen
Forint. Die Bilanz des Budgets ergibt einen Überschuss von ı Milliarde
793 Millionen Forint, .
Die Einnahmen und Ausgaben des Budgets halten sich im grossen
und ganzen auf dem Niveau des Vorjahres. Darin, dass sich das Volumen
        <pb n="8" />
        des Budgets gegenüber dem Vorjahre nicht erhöht, kommt jenes Bestreben
der Wirtschaftspolitik unserer Regierung zum Ausdruck, bei der Verteilung
 des Nationaleinkommens den Verbrauch seitens der Bevölkerung
zu steigern.
Da nun 1954 das Nationaleinkommen sich infolge der Umgruppierung
der Kräfte der Volkswirtschaft nur in geringem Ausmass erhöht, erschien
es im Interesse der geplanten grossangelegten Steigerung des Verbrauchs
seitens der Bevölkerung als notwendig die Beteiligung des Akkumulationsfonds
 und des Verbrauchs seitens öffentlicher Körperschaften am Nationaleinkommen
 zu vermindern. Dementsprechend haben wir die Investitionen
in einem gegenüber dem Vorjahre um 3,2 Milliarden geringeren und die
Verteidigungsausgaben in einem um 854 Millionen Forint niedrigeren
Betrag vorgesehen und gleichzeitig auch bei den übrigen Ausgabenposten
beträchtliche interne Umgruppierungen vorgenommen, um die zur gesteigerten
 Befriedigung der sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Bevölkerung,
 zur Förderung der Landwirtschaft und für die sonstigen Zielsetzungen
 des Regierungsprogramms benötigten materiellen Mittel —
neben dem festen Gleichgewicht des Budgets — sicherstellen zu können,
Es beweist die erfolgreiche Umgruppierung der Mittel, dass das Budget
bei strikter Beachtung der Sparsamkeit unserer Volkswirtschaft die 1954
notwendigen Geldmittel garantiert und gleichzeitig einen Überschuss
von beinahe 1,8 Milliarden aufweist, was von der Festigkeit unseres staatlichen
 Finanzwesens zeugt.
Im Haushaltplan für das Jahr 1954 wurden für die Förderung der
Volkswirtschaft 60% aller Ausgaben des Haushaltplans, für soziale und
kulturelle Zwecke 21% aller Ausgaben, zu Zwecken der Landesverteidigung,
 zur Sicherstellung des friedlichen Schaffens unseres Volkes 11%
der Gesamtausgaben, für Ordnungs- und Rechtssicherheit sowie für
Verwaltungsauslagen des Staatsapparats je 4% aller Ausgaben vorgesehen.


In dem Budgetentwurf kommt jene Zielsetzung der Politik der Regierung
 zum Ausdruck, dass in unserem Vvolksdemokratischen System
das wirtschaftliche Grundgesetz des Sozialismus je konsequenter und
umfassender zur Geltung komme, dass die Förderung der Produktivkräfte
 des Landes organisch mit der ständigen Hebung des materiellen
und kulturellen Wohlstandes des werktätigen Volkes und vor allem der
Arbeiterklasse verbunden werde.
Dieser Zielsetzung entsprechend und im Interesse der Hebung des
materiellen Wohlstandes der Werktätigen gewährleistet der Entwurf des
staatlichen Budgets die finanziellen Bedingungen für solche wichtige
— und zum Teil bereits verwirklichte — Verfügungen der Regierungsstellen,
 wie die im Laufe des Monates März erfolgte Herabsetzung der
        <pb n="9" />
        Fleisch- und Fettpreise, die in den vergangenen Monaten bereits durchgeführten,
 bzw. in Zukunft beabsichtigten lohnpolitischen Regelungen
sowie die Erhöhung eines beträchtlichen Teils der Alters- und Invalidenrenten
 und Ruhegehälter.
Die Regierung widmet der Hebung der vielseitigen Bildung und
Qualifizierung unseres werktätigen Volkes und unsrer Kinder grosse Aufmerksamkeit
 und bringt im Interesse einer weiteren Förderung des Gesundheitswesens
 und der sozialen Umstände grosse Opfer.*Aus diesem Grunde
stellen jene mittelbaren Zuweisungen, die unser Staat mittels Förderung
der aus dem Budget bestrittenen sozialen und kulturellen Einrichtungen
sowie Erhöhung der Qualität der für die Bevölkerung geleisteten Versorgungen
 dem werktätigen Volke bietet, einen wichtigen Teil der Hebung
des Lebensstandards dar, Dieses Bestreben kommt in den für löffentlichen
Unterricht und Gesundheitsschutz, für Zwecke der Volkswohlfahrt und
für Sozialversicherung vorgesehenen und von Jahr zu Jahr ansteigenden
Ausgabenposten zum Ausdruck. Unsere Regierung hält die Fürsorge um
den Menschen vor Augen, da sie in diesem Jahr um 1,3 Milliarden
Forint mehr für kulturelle und soziale Zwecke verwendet als 1953.
Der Entwurf des Staatsbudgets veranschlagt für die weitere Förderung
 von Institutionen der Volksbildung und wissenschaftlichen Forschungsinstituten,
 für die Aufrechterhaltung der Theater und der Einrichtungen
 des Sports und der Körperkultur sowie für die Verwirklichung
sonstiger kultureller Ziele 850 Millionen Forint. Im Rahmen des für
Unterrichtszwecke sichergestellten Budgetvoranschlags erhöhen wir den
Betrag der für den Grund- und Oberschulunterricht sowie für die
Ergänzung der Ausrüstung von Schulinstitutionen und zur Erneuerung
ihrer Einrichtung verwendeten Ausgaben.
Der Voranschlag der im Budget 1954 für das Unterrichtswesen verwendeten
 Ausgaben stellt die Förderung der Grundschulen in den Vordergrund
 und schafft damit zum Teil jenen Mangel der Schulpolitik der vergangenen
 Jahre ab, dass neben den auf den übrigen Gebieten des Unterrichtswesens
 erzielten beträchtlichen Ergebnissen der Grundschulunterricht
 verhältnismässig in den Hintergrund gedrängt wurde. Die Spezialisierung
 des Unterrichts in den Ober- und Hochschulen erwies sich in
mehr als einem Fall als übretrieben. In dem Budgetvoranschlag kommen
bereits jene Verfügungen zum Ausdruck, die auf die Eliminierung dieses
Missverhältnisses abzielen. In diesem Jahr nimmt die Zahl der Schüler
der Grund- und Oberschulen sowie der Technik weiter zu. Die für den
Hochschulunterricht veranschlagten Budgetausgaben betragen 568 Millionen
 Forint und in deren Rahmen sind die Stipendien der Hochschulhörer
 in einem erhöhten und ausgedehnten Betrag besonders beachtenswert.
 Neben der Hebung des Niveaus unserer Unterrichtsinstitutionen
        <pb n="10" />
        und ihrer materiellen Versorgung lässt das Budget auch der weiteren
Förderung der wissenschaftlichen Forschungsarbeit bedeutende Beträge
zukommen. Neben unseren bestehenden Forschungsinstituten legen wir
in diesem Jahr mittels einer weiteren Förderung des Netzes die Grundlagen
 neuer Forschungsinstitute, Selbst innerhalb der für die Forschung
bestimmten Ausgaben sind jene Beträge besonders bedeutend, welche von
dem Budget für die Lösung solcher Forschungszielaufgaben vorgesehen
sind, die. der tatkräftigen Steigerung des Ertrags von Ackerbau und Viehzucht
 dienen.
Von dem Budget verwenden wir bedeutende Beträge für kulturelle
und künstlerische Zielsubventionen. Auch mittels des Budgetvoranschlags
 sorgen wir dafür, dass die Erziehung unserer Jugend in einem
patriotischen Geist verfolgt und dass die Wertschätzung der fortschrittlichen
 Volkstraditionen unser gesamtes werktätiges Volk so ausgedehnt
als möglich durchdringt. Deshalb fördern wir beträchtlich das Bibliotheksnetz,
 unterstützen mit wesentlichen Beträgen die sich in immer
grösserem Ausmass entfaltende volkhafte Kulturbewegung und die Volkskunst
 sowie nicht zuletzt unsere schöne Erfolge aufweisende Filmproduktion.

Im Staatsbudget 1954 haben wir rund 135 Millionen Forint für
Zwecke des Sports und der Körperkultur veranschlagt. So wird es ermöglicht,
 dass sich immer breitere Massen an den verschiedenen Sportarten
beteiligen und dass wir den guten Ruf unseres volksdemokratischen
Landes auch durch internationale Sporterfolge steigern. Das Prinzip
der unablässigen Fürsorge für den Menschen durchdringt jeden Posten
der für gesundheitliche und soziale Zwecke verwendeten Ausgaben.
Die Zahl der Krankenhausbetten nimmt um rund 8%, die der Plätze
in den Säuglingskrippen um 20% zu. Neben der quantitativen Förderung
 des Gesundheitswesens führt das Budget äusserst hohe Beträge der
qualitativen Förderung der sanitären Versorgung zu. Entsprechend den
sich auf den Gesundheitsschutz, die radikale Besserung ‘der werksanitären
 Umstände und der Arbeitsschutzeinrichtungen beziehenden Zielsetzungen
 des Regierungsprogramms haben wir für die Finanzierung
von sanitären und Arbeitsschutzinvestitionen 662 Millionen Forint kalkuliert.


Die Förderung der landwirtschaftlichen Produktion

Die ständige Hebung des materiellen Wohlstandes unseres werktätigen
Volkes erfordert eine beträchtliche Steigerung der Produktion der grundliegenden
 Lebensmittel. In den kommenden Jahren, doch bereits auch 1954,
gelangt daher die steigende Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln
        <pb n="11" />
        sowie die Erweiterung der Rohstoffversorgung der Leicht- und der Lebensmittelindustrie
 in den Vordergrund. Deshalb wurde die allgemeine und
grossangelegte Förderung der landwirtschaftlichen Produktion zum Schlüsselproblem
 des neuen Abschnitts der Entwicklung der Volksdemokratie
und zum entscheidenden Kettenglied unseres weiteren Fortschrittes.
Daher haben sich von den die Förderung der Volkswirtschaft bezweckenden
 Ausgaben des Budgets die der Förderung der Landwirtschaft dienenden
Voranschläge bedeutend erhöht. Im Interesse dessen, dass wir auf dem
Gebiet der Lösung dieser zentralen Frage auch schon 1954 erfolgreich vorwärtsschreiten,
 haben wir den Voranschlag der landwirtschaftlichen Institutionen
 dem Vorjahr gegenüber verdoppelt.
Wir lassen dem Dorfe mehrere Tausend Traktoren, zahlreiche Mähdrescher,
 Dresch- und andere landwirtschaftliche Maschinen zukommen,
um die landwirtschaftliche Arbeit zu erleichtern und produktiver zu
gestalten.
Käroly Olt erwähnte sodann, dass sich in diesem Jahr das Gebiet
der bewässerten Felder um 70% erhöht. Von den Budgetausgaben werden
rund 1300 Millionen Forint für die Förderung und Festigung der Maschinen-Traktorenstationen
 verwendet, das sind um 62% mehr als die
Ausgaben des Vorjahres. Ausser den der Finanzierung von Investitionen
des staatlichen Sektors der Landwirtschaft dienenden Ausgaben wurden
unter dem Titel mittel- und langfristiger Kredite bedeutende Beträge
zur Verwirklichung der Investitionen des Genossenschaftssektors veranschlagt,
 vor allem für die Investitionen der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften,
 für ihre Bautätigkeit, die Steigerung ihres Viehbestandes,
 ferner für den Bau von Silos, die Anlage von Fischteichen
und die Errichtung von Bewässerungsanlagen und die Viehkäufe für die
Hauswirtschaften von Mitgliedern der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften.

Die Regierung gewährt den landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften
 jedwede Unterstützung, damit sie bei der Verwirklichung des
landwirtschaftlichen Beschlusses an der Spitze schreiten und mittels Hebung
der Erträge und Steigerung der Einnahmen ihren Mitgliedern ein entsprechendes
 Einkommen sicherstellen können.
_ Wir müssen erreichen, dass unsere bestehenden landwirtschaftlichen
Pröduktionsgenossenschaften erstarken, sich wirtschaftlich und, politisch
festigen und dass das Einkommen der Genossenschaftsmitglieder wächst.
Die staatliche Unterstützung führt selbstverständlich nur dann zum
Erfolg, wenn diese Unterstützung durch die disziplinierte Arbeit der Genossenschaftsmitglieder
 ergänzt wird. Dies ist die Grundbedingung
der weiteren Erhöhung des Wohlstandes der Bauernschaft der landwirtschaftlichen
 Produktionsgenossenschaften, Im Interesse der Steigerung

Te
        <pb n="12" />
        des Ackerbaus wird sich in diesem Jahr der staatliche Pflanzenschutz
beträchtlich entwickeln und das Budget verwendet für diesen Zweck um
rund hundert Millionen Forint mehr als im Vorjahre.
indem die Regierung dem sozialistischen Sektor der Landwirtschaft
maximale Hilfe gewährt, bietet sie gleichzeitig auch dem Einzelbauer
wirksame Unterstützung.
Sie erhöhte durch zahlreiche Verfügungen das Interesse der Einzelbauern
 an der Steigerung der Produktion : so durch Erhöhung der Übernahmspreise
 der vertraglichen sowie der zur Ablieferung gelangenden
übrigen Produkte, der Ermässigung der Gebühren der Maschinen-Traktorenstationen,
 der unentgeltlichen tierärztlichen Versorgung und der
Zuweisung von Zuchttieren und Saatkorn zu Vorzugspreisen.
Es ist Aufgabe unserer staatlichen Organe und Institutionen, dem
Einzelbauer die Inanspruchnahme der von der Regierung gewährten
Unterstützung sicherzustellen, damit er seine auf die Erhöhung der Produktion
 gerichtete Absicht, für die er in letzter Zeit so viel Beweise erbrachte,
 auch ungestört verwirklichen könne. Der werktätigen Bauernschaft
 muss garantiert werden, dass sie alles erhält, dessen sie zu ihrer
Produktion und zu ihrem Verbrauch bedarf, und dass sie ihre Produkte
nach Erfüllung der Ablieferung frei verwerten kann. All dies trägt zum
Aufschwung der landwirtschaftlichen Produktion bei und knüpft auch
das Bündnis zwischen Arbeiter und Bauern enger,
In dem Staatsbudget für das Jahr 1954 fördern die der Entwicklung
der Landwirtschaft dienenden Ausgaben die planmässige und proportionelle
 Entwicklung der grundlegenden beiden Zweigen der Volkswirtschaft,
der Industrie und der Landwirtschaft. Die für die Förderung der Volkswirtschaft
 veranschlagten Ausgaben des Budgets gewährleisten neben der
Förderung der landwirtschaftlichen Produktion auch eine Deckung für
die Erweiterung der Industrieproduktion, des Warenumsatzes und des
stehenden sowie des Umlaufsfonds des Verkehrswesens.
Damit wir die Bevölkerung weitmöglichst mit Industrieartikeln versehen
 können, verlangsamt sich in der Industrie verhältnismässig das Ansteigen
 des A-Sektors — die Erzeugung von Produktionsmittel — während
sich die Entwicklung des B-Sektors — die Produktion von Verbrauchsgütern
 — verhältnismässig beschleunigt. Gegenüber dem vergangenen
Jahr erhöht sich wesentlich der Betrag der Investitionen in der Leichtund
 der Lebensmittelindustrie, in deren Rahmen. wir die Schuhfabrik
„Tisza”, die Spinnerei zu Kaposvär und den Bau der Kühlhäuser in
Györ noch erweitern und ausserdem die im Budget veranschlagten Ausgaben
 zur Erweiterung der Produktion einer Anzahl von Artikel des
Gemeinbedarfes herstellenden Betrieben, zur Steigerung ihrer Kapazität
und zur Verwirklichung ihrer Renovierungsarbeiten verwenden. Damit

‚3
        <pb n="13" />
        schaffen wir die notwendigen Bedingungen dazu, dass sich die Produktion
der Verbrauchsartikel herstellenden Industriezweige 1954 beträchtlich
erhöht.
Um die Landwirtschaft mit moderner Technik zu versehen und die
zur Steigerung der Produktion der Verbrauchsartikel herstellenden Industriezweige
 notwendigen Maschinen und Einrichtungen sicherstellen zu
können, entwickeln wir einzelne Zweige der Produktionsmittel erzeugenden
Industrie weiter. Unsere Schwerindustrieinvestitionen dienen vor allenr
der Steigerung der Grundstoff- und Energieproduktion, ferner des
Jandwirtschaftlichen Maschinenbaus.
Die für die Industrie und die Landwirtschaft veranschlagten Investitionen
 unterstützen jene Zielsetzung der Wirtschaftspolitik der Regierung,
die Produktions- und Warenbeziehungen zwischen Stadt und Land auszudehnen.

Hinsichtlich der Versorgung des werktätigen Volkes mit Verbrauchsartikeln
 haben das Erfassungsministerium und die Erfassungsorgane eine
wichtige Rolle. Der gesetzeskräftige Erlass über das mehrjährige
System der staatlichen Erfassung, ferner die Aufstellung der Erfassungsämter
 haben die Vorbedingungen dazu geschaffen, dass sich die Arbeit
des Erfassungsministeriums bessert und die zur störungslosen Versorgung
der Bevölkerung mit Lebensmitteln und der Industrie mit landwirtschaftlichen
 Rohstoffen notwendigen zentralen Warenfonds zur Verfügung
stehen.
Es liegt an der gewissenhaften und die Gesetzmässigkeit gewährleistenden
 Arbeit der Werktätigen der Erfassung und an der wirksamen
Kooperation seitens der Ortsräte, dass die breitesten Schichten der
Bauernschaft die Wichtigkeit der staatsbürgerlichen Disziplin verstehen
und die bedeutsame Aufgabe der Erfassung zu vollem Erfolg führen.
Die bedeutende Erhöhung des Realeinkommens der Bevölkerung und
die kraftvolle Steigerung der Produktion von Verbrauchsartikeln gewährleisten,
 dass der Umsatz des staatlichen und des genossenschaftlichen
Kleinhandels in grossem Ausmass zunimmt. Der Warenumsatz des staatlichen
 Kleinhandels wird 1954 um rund 22% höher sein als 1953. In
diesem Jahr wird eine Anzahl solcher Artikel in Umlauf gebracht — so auch
Jandwirtschaftliche Kleinmaschinen und Geräte — in denen im Laufe
der vergangenen Jahre die werktätige Bauernschaft ihren Bedarf nicht
befriedigen konnte.
Der Handel ist ein wichtiges Kettenglied im Aufbau des Sozialismus
und ein unentbehrliches Mittel zur Hebung des Lebensstandards des werktätigen
 Volkes.
Diese seine wichtige Rolle kann unser sozialistischer Handel nur dann
wahrlich erfüllen, wenn er bei der Organisierung seiner Tätigkeit die An-12
        <pb n="14" />
        sprüche und Wünsche der Bevölkerung weitgehendst beachtet, die Waren
planmässiger und mit mehr Überlegung verteilt und die Verbraucher Sorgfältiger
 bedient. Unser staatlicher Handel kann nur dann den an ihn gestelltem
 hohen Anforderungen gerecht werden, wenn er sich in stets steigendem
 Ausmass neben den zentralen Warenfonds auf die örtlichen Quellen
stützt und seine Warenauswahl mittels Erschliessung der lokalen Warenfonds
 erweitert.
Bei der Erschliessung der örtlichen Warenfonds versehen die Kleingewerbegenossenschaften
 eine wichtige Aufgabe; ihre Produktion hat einen
wesentlichen Aufschwung genommen und ihre Erzeugnisse tragen beträchtlich
 zur Erweiterung der Warenauswahl und zur besseren Versorgung der
Bevölkerung bei. Es ist erstrangige Aufgabe sowohl der kleingewerblichen
Produktionsgenossenschaften als auch des die Bedürfnisse der Bevölkerung
 befriedigenden Kleingewerbes, zur Erweiterung der Warenbasis
der Bevölkerung zu produzieren und nicht Bestellungen öffentlicher
Körperschaften auszuführen. Die Regierung gewährt der dahingerichteten
Tätigkeit der kleingewerblichen Produktionsgenossenschaften sowie des
Kleingewerbes wirksame Unterstützung und Hilfe.
1954 müssen die Kosten des staatlichen Handels weiter verringert
werden. Die Verminderung der Kosten hat eine äusserst ernste Reserve
in der richtigen Organisierung der Warenlieferungen. Im Interesse der Befriedigung
 der an den Handel gestellten erhöhten Anforderungen veranschlagt
 das unterbreitete Budget für Handelsinvestitionen mehr als im
Vorjahr. Von dem Investitionsfonds des Handels erweitern wir vor allem
das Ladennetz des Kleinhandels.
Die Rolle des Aussenhandels in unserer Volkswirtschaft hat beträchtlich
 zugenommen. Unser Land hat sich im Laufe der vergangenen Jahre
immer lebhafter in den Blutkreislauf des internationalen Wirtschaftslebens
eingeschaltet, mit dem Ziel, auf Grund des Prinzips der Gegenseitigkeit
und Gleichberechtigung und mittels Förderung der Handelsbeziehungen
den Importbedarf unserer Volkswirtschaft zu befriedigen und gleichzeitig
den ungarischen Waren einen Markt sicherzustellen. Unsere Aussenhandelsbeziehungen
 mit der Sowjetunion und den volksdemokratischen Ländern
haben sich vertieft. Besonders fruchtbar vom Gesichtspunkt der Entwicklung
 unserer Volkswirtschaft, der Hebung des materiellen Wohlstandes und
kulturellen Niveaus unseres werktätigen Volkes ist die Erstarkung der
sowijetisch-ungarischen Witschaftsbeziehungen.
Die Gründlage der gegenseitigen wirtschaftlichen Zusammenarbeit
ist jene unzerreissbare Freundschaft, welche das ungarische und das sowjetische
 Volk miteinander verknüpft.
Die Vereinbarungen zwischen der Sowjetunion und Ungarn hinsichtlich
 der Zusammenarbeit und dem Warenaustausch wirken sich wohltuend

iA
        <pb n="15" />
        auf die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes aus. Die Entwicklung
der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der Sowjetunion und der
ungarischen Volksdemokratie ermöglicht es uns, die technischen Ergebnisse
der Sowjetunion sowie ihre im Aufbau des Sozialismus gewonnenen Erfahrungen
 im Interesse des Gedeihens unserer Heimat, der Hebung des
Wohlstandes unseres Volkes und des konsequenten Aufbaus des Sozialismus
wirksamer anzuwenden.
Die planmässige Koordinierung der volkswirtschaftlichen Interessen
im Geiste der Zusammenarbeit und gegenseitigen Hilfe schafft neue Möglichkeiten
 und eröffnet neue Perspektiven für die weitere Ausdehnung der
Aussenhandelsbeziehungen der zum sozialistischen Weltmarkt gehörenden
Länder. Indem jedes Land in erster Linie die seinen Eigenheiten am besten
entsprechenden Produktionszweige fördert, beschleunigt diese Zusammenarbeit
 auch die Entwicklung der Volkswirtschaften der einzelnen Länder.
Der im Laufe des vergangenen Jahres sich stets erweiternde Warenaustausch-
 und Zahlungsverkehr mit den kapitalistischen Ländern —
der sich auch 1954 fortsetzt — beweist ebenfalls die friedliebende Politik
der Regierung unseres volksdemokratischen Staates. Wir haben kürzlich
auch mit mehreren solchen Ländern regelmässige und unmittelbare Handelsbeziehungen
 aufgenommen, mit denen wir früher keinen wesentlichen
Handel besassen, so unter anderem mit Indonesien, Island, Paraguay,
Brasilien und Griechenland.
Eine der grundlegenden Forderungen der erfolgreichen Entwicklung
unseres Handels ist, dass wir unseren Verpflichtungen restlos nachkommen,
die Lieferungstermine einhalten und mittels Verbesserung der Qualität
der zum Export gelangenden Waren in erhöhtem Ausmass für die Wahrung
des guten Rufes der ungarischen Industrie und Landwirtschaft Sorge
tragen.
Die Förderung unseres Verkehrswesens muss in engem Zusammenhang
mit der Erhöhung der Produktion und der Zunahme des Warenumsatzes
stehen. Das Budget veranschlagt für diesen Zweck rund anderthalb Milliarden
 Forint. ; .
Die der Erhöhung des Umlaufsfonds der staatlichen Unternehmen
dienenden Ausgaben figurieren im Budget mit einem geringeren Betrag
als im Vorjahr. Auf dem Gebiet der Umlaufsmittelwirtschaft der Unternehmen
 sind nämlich die in unserer Volkswirtschaft vorhandenen Reserven
äusserst bedeutend. Eben deshalb muss 1954 die Bewegung zur Verringerung
 der Umlaufsmittel weiter gefördert, die in der Industrie unbenützt
herumliegenden Lagervorräte erschlossen und das Entstehen weiterer
solcher Vorräte verhindert werden.
Die Organisation der richtigen Umlaufsmittelwirtschaft der Unternehmen
 muss 1954 restlos durchgeführt werden.
        <pb n="16" />
        Die gesteigerte Rolle der Ortsräte
Unter den Ausgaben des Staatsbudgets nehmen die Ausgaben der
Ortsräte von Jahr zu Jahr einen wichtigeren Platz ein. Während vor der
Bildung der Ortsräte der Ausgabenvoranschlag der Selbstverwaltungen
ı Milliarde 300 Millionen Forint betrug, erreicht das Budget der Ortsräte
1954 bereits 6 Milliarden 316 Millionen Forint.
Auch der sich rapid entwickelnde Ausgabenvoranschlag des Ratsbudgets
 beweist klar die gesteigerte Rolle der Räte im Leben unseres volksdemokratischen
 Staates,
Die Ausmerzung der in den Wirtschaften der Räte aufgedeckten
Fehler und Mängel erfordert eine weitere Ausdehnung des Wirkungskreises
 der Räte und die Steigerung iherer Selbständigkeit in jeder
Hinsicht, so auch auf dem Gebiet des Budgetwirtschaftens. Es muss jenen
unhaltbaren Zustand ein Ende bereitet werden, wonach sich die unteren
Räte mit geringfügigen nachträglichen Kreditanforderungen an das.
Exekutivkomitee des Komitatsrates und in einzelnen Fällen sogar an das
Finanzministerium wenden müssen. Deshalb muss auch den Exekutivkomitees
 der Kreisräte ein gewisses Recht zur Genehmigung Nachtragskrediten
 eingeräumt werden. Im Interesse der Erhöhung der Selbständigkeit
 der Räte und der Fachsektionen der Exekutivkomitees ist die in
eigenem Wirkungskreis vorzunehmende Verwendung jener Einnahmequellen
 zu gestatten, welche mittels Erforschung und Mobilisierung der
verborgenen Reserven erschlossen wurden. In der budgetmässigen Rechnungsführung
 und Evidenzhaltung sind weitere Vereinfachungen vorzunehmen.

Durch diese Verfügungen lösen sich die wirtschaftlichen Gebundenheiten
 der Ortsräte, ihre Selbständigkeit wächst und dadurch kann die
Befriedigung der sozialen und kulturellen Ansprüche der Ortsbevölkerung
in gesteigertem Ausmass gewährleistet werden.
Bei der Zusammenstelluntg des Budgets für das Jahr 1955 müssen
die Arbeiten so organisiert werden, dass die Ortsräte ihr Budget selbständig
gestalten können, die Budgetstruktur der Ortsräte muss modifiziert und
die Arbeit der Zusammenstellung des Budgets soll vereinfacht werden
vor allem bei den Gemeinderäten.

Sn

Wachsende Einnahmen können nur durch wachsende Produktion
gewährleistet werden
Geehrte Nationalversammlung !
Ich gehe nun auf die Besprechung des Einnahmevoranschlags:
des Budgets für das Jahr 1954 über.
        <pb n="17" />
        Die Einnahmen des Budgets der Ungarischen Volksrepublik für das
Jahr 1954 stammen zum überwiegenden Teil aus dem sozialistischen Sektor.
Die aus dem sozialistischen Sektor einfliessenden Umsatzsteuern, Gewinnund
 sonstige Einzahlungen betragen 37,8 Milliarden Forint, die von den
Genossenschaften zu bezahlende Genossenschaftssteuer ı Milliarde
100 Millionen Forint.
Der Redner erläuterte sodann, dass die Hauptquelle zur Deckung
der Budgetausgaben die Akkumulation der staatlichen Unternehmen darstellt,
 die in Form von Umsatzsteuer- und Gewinneinzahlungen 70% der
Budgeteinnahmen ausmacht. Sodann fuhr er fort :
Die Hauptquelle der staatlichen Einnahmen ist — wie dies auch das
entscheidende Gewicht der Umsatzsteuer- und Gewinneinzahlungen zeigt
die Produktionstätigkeit unserer staatlichen Unternehmen.
Wachsende Einnahmen können durch wachsende Produktion — und
innerhalb derselben durch die Wirtschaftlichkeit der Produktion und weitgehendste
 Sparsamkeit — gewährleistet werden.
Deshalb müssen wir die Hauptaufmerksamkeit auf die stete Erhöhung
der Produktivität der Arbeit, auf die Senkung der Selbstkosten, weitgehendste
 Sparsamkeit mit dem Material und auf die Verbesserung der
Qualität der Produkte und Artikel lenken.
Die Erfahrungen des vergangenen Jahres und auch die der gegenwärtigen
 Lage zeigen, dass in dieser Hinsicht noch äusserst viel zu tun ist —
sagte Käroly Olt und lenkte sodann die Aufmerksamkeit darauf, dass
unsere leitenden Organe unverzüglich die wirksamsten Verfügungen zur
restlosen Erfüllung der Selbstkostenpläne treffen und die verantwortlichen
 Führer unserer Unternehmen, die Direktoren und technischen
Leiter, von Vierteljahr zu Vierteljahr die Durchführung der Selbstkostenpläne
 sicherstellen müssen. Im neuen Abschnitt des sozialistischen Aufbaus
 ist unsere entscheidende Aufgabe, jene Reserven zu erschliessen
und zu mobilisieren, die mit der systematischen Senkung der Selbstkosten
 erreicht werden können. Die Senkung der Selbstkosten ist eine
unerlässliche Vorbedingung für die Hebung des Lebensstandards und
für unseren ganzen weiteren Fortschritt.
Ein auf dem Gebiet der Materialsparsamkeit erzieltes, wenn auch nur
einprozentiges Ergebnis würde das Einkommen der Bevölkerung um mehr
als eine halbe Milliarde Forint erhöhen.
Sodann betonte Käroly Olt die Wichtigkeit der Hebung der Produktivität.

Die Produktivität der Arbeit ist in den seit der Befreiung verstrichenen
neun Jahren sprunghaft gewachsen und übertrifft heute den Vorkriegsstandard
 um 70%. Die Produktivität hat sich jedoch 1953 in nicht mehr
befriedigendem Ausmass erhöht und im ersten Quartal 1954 verringerte

16
        <pb n="18" />
        sie sich sogar in den Industriebetrieben im Verhältnis zu der gleichen
Periode des Vorjahres, während sich gleichzeitig in zahlreichen Industriezweigen
 die ausgezahlten Arbeitslöhne erhöhen. Die Unternehmen zahlten
wesentliche Beiträge als Prämien aus, zu einer Zeit, wo sie im allgemeinen
ihren Produktionsplan nicht erfüllt, bzw. ihre Lohnfonds überschritten
hatten. Es muss daher der Kampf gegen das lockere Wirtschaften mit den
Lohnfonds und gegen die sich in verschiedenen Formen offenbarenden
Normenschwindel aufgenommen werden.
Es bedarf des Zusammenschlusses von Wirtschaftsleitern und Werktätigen
 zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit der Produktion. Wir müssen
im weitesten Kreis bewusst werden lassen, dass die Frage der Wirtschaftlichkeit
 der Produktion die entscheidende Vorbedingung für unseren
weiteren Fortschritt und für eine stete Hebung des Lebenstandards ist.
Eine wichtige Ursache der ungünstigen Gestaltung der Selbstkosten
ist, dass wir bei unseren Unternehmen die Anforderung einer selbständigen
 Verrechnung nicht genügend zur Geltung brachten.
Es muss den Direktoren zu einem integranten Teil ihrer täglichen
Arbeit und zu ihrer Hauptpflicht gemacht werden, das System der selbstständigen
 Verrechnung konsequent auszubauen und zu festigen.

Zur Hebung des Lebenstandards gehört untrennbar;
die Festigung der staatsbürgerlichen Disziplin
Einen wichtigen Teil des staatlichen Budgets machen die von der
Bevölkerung stammenden Steuereinnahmen aus. In dem Budget für das
Jahr 1954 figurieren die von der Bevölkerung einfliessenden Steuereinnahmen
 mit 3696 Millionen Forint und betragen lediglich 8% der Gesamteinnahmen
 des Budgets. Im Budget für das laufende Jahr haben wir die
Einnahme aus der allgemeinen Einkommensteuer im Betrag der um 15%
verminderten Steuer des Jahres 1953 veranschlagt. Diese Ermässigung
betrifft in erster Linie die landwirtschaftliche Bevölkerung.
Die im Budget vorgesehenen Steuern können jedoch nur dann die
Durchführung des Regierungsprogramms und das stete und rapide Ansteigen
 des Lebensstandards der Bevölkerung fördern, wenn diese auch
restlos und zeitgerecht einfliessen.
Die Festigung der staatsbürgerlichen Disziplin und die restlose Erfüllung
 der staatsbürgerlichen Pflichten gehören untrennbar zur Hebung des
materiellen Wohlstand des werktätigen Volkes.
Die sich auf die Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten und auf die
Festigung der Gesetzmässigkeit beziehenden Verfügungen des Regierungsprogramms
 werden jedoch häufig einerseits von den Steuerzahlern
selbst, andererseits jedoch auch von den Steuerbehörden einseitig ausge-Vi



2
        <pb n="19" />
        legt. Es gibt Staatsbürger, die lediglich die Sicherung der gesetzlichen Rechte
anstreben, ihre Verpflichtungen jedoch nicht erfüllen, während die Finanzorgane
 nicht konsequent die Erfüllung derselben fordern, die Auf klärungszätigkeit
 ist keine entsprechende — und auch die Vorschriften des Gesetzes
werden nicht angewandt. Dies beweist jene Nichterfüllung, die sich im
Einfliessen der Steuern zeigt. Trotz der bedeutenden Vergünstigungen blieb
die landwirtschaftliche Bevölkerung im ersten Quartal dem Staat mit 170
Millionen Forint schuldig, obgleich sich ihre Geldeinnahmen günstig
gestalteten. Hierbei trifft die Versäumnis in erster Linie das Finanzministerium,
 doch auch die Finanzorgane der Ortsräte und diese selbst. Sowohl
die Finanzorgane, als auch die Steuerpflichtigen müssen klar.sehen, dass
nur die genaue und restlose Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten die
Verwirklichung der Zielsetzungen des Regierungsprogramms und die
Durchführung der auf die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung,
auf die gesteigerte Befriedigung ihrer materiellen und kulturellen Bedürfnisse
 abzielenden Aufgaben gewährleisten können. Das einseitige Auslegen
der Gesetzmässigkeit muss aufhören. Die Finanzorgane müssen gegen die
sich im Versäumen der Erfüllung der Steuerpflicht meldende Verletzung
des Gesetzes streng auftreten, gleichzeitig muss jedoch jede Ungerechtigkeit
und jeder Übergriff verhindert werden.

Weitgehendste Sparsamkeit auf jedem Gebiet
des wirtschaftlichen und staatlichen Lebens

Die Bedingung für die erfolgreiche Ausführung des Budgets für das
Jahr 1954 ist das Geltendmachen der Sparsamkeit auf jedem Gebiet des
wirtschaftlichen und staatlichen Lebens. Die Sparsamkeit muss auch
auf dem Gebiet der Verwaltungsausgaben weitgehend geltend gemacht
werden.
In der Tätigkeit unserer Staatsverwaltungsorgane müssen wir mittels
Dezentralisierung eines Grossteils der Aufgabenkreise, der Eliminierung
der zwischen Leitung und Durchführung eingeschalteten überflüssigen und
parallelen Organe, Ausmerzung des Funktionalismus, Liquidierung der
formellen und bürokratischen Tätigkeit und der Vereinfachung der Arbeit
der Staatsverwaltung erreichen, dass der Staatsapparat näher zu den Werktätigen
 kommt, sich seine Arbeit quantitativ bessert, dass er seine Aufgaben
besser und rascher verrichtet.
Dadurch können wir die Arbeit des Staatsapparates verbilligen und
unsere Verwaltungsausgaben in beträchtlichem Ausmass verringern.
Seit Juni vorigen Jahres nimmt der Sparkasseneinlagebestand dauernd
zu. Nebst den stetig wachsenden städtischen Einlagen haben sich die
Einlagen im Dorf in den letzten zehn Monaten verdoppelt, was nicht nur

3
        <pb n="20" />
        die Erhöhung des Wohlstandes der Bevölkerung, sondern auch die Zunahme
 des Vertrauens gegenüber unserem Staat und unserer Regierung
besagt.
Das Budget der Ungarischen Volksrepublik für das Jahr 1954 ist das
erste Budget der neuen Phase des Aufbaus des Sozialismus. Seine Ausgabenvoranschläge
 stehen im Dienste jener grossen Zielsetzung, die die
Schaffung der Grundlagen des Sozialismus eng mit der beharrlichen
Erhöhung des Lebensstandards des werktätigen Volkes verbindet. Um
diese Ziele verwirklichen zu können, müssen wir die Einnahmen unseres
 Budgets so ansetzen, dass wir bei sparsamer Einteilung einerseits unsere
 ein Schlüsselproblem darstellenden Aufgaben der Förderung der
Landwirtschaft lösen und andererseits unserem werktätigen Volk immer
mehr Waren zukommen lassen, die die Hebung des Lebenstandards
gewährleisten.
Die erfolgreiche Verwirklichung dieser Doppelaufgabe ist der wichtigste
 Teil des Programmes der Regierung, jenes Regierungsprogramms,
das sich auf die Macht der Arbeiterklasse und auf das Arbeiter-Bauern-Bündnis
 stützt und die gesamte Schaffenskraft der Nation in breitem nationalen
 Zusammenschluss vereint. .
Die bisherige erfolgreiche Durchführung des Regierungsprogramms
wurde dadurch ermöglicht, dass unser gesamtes werktätige Volk sich zu
diesem Programm bekannte und seine Durchführung übernahm. Deshalb
können und müssen wir uns mit grösserer Bestimmtheit als je zuvor auf
unser Volk und auf seine gemeinsamen Kraftanstrengungen stützen. Unsere
Arbeiterklasse, unsere werktätige Bauernschaft und unsere volkstreue
Intelligenz stellen eine solch gewaltige Kraft dar, die die sicherste Grundlage
 des die Richtlinien des II. Parteitages verwirklichenden Regierungsprogramms
 bildet, jenes Regierungsprogramms, das im Dienste des Volkes
steht und unser Volk vorwärtsbringt auf dem Wege des sozialistischen
 Aufbaus, an der Seite der für den Frieden kämpfenden Hundertmillionen
 — für das glückliche Leben unseres Volkes und für das
Gedeihen unseres Vaterlandes.

TO
        <pb n="21" />
        DISKUSSIONSBEITRAG DES MITGLIEDS DES POLITBÜROS
DER PARTEI DER UNGARISCHEN WERKTÄTIGEN,
MIHÄLY FARKAS

Geehrte Nationalversammlung !

Der vom Ministerrat unserer Volksrepublik der Nationalversammlung
unterbreitete Staatshaushaltplan für das Jahr 1954 widerspiegelt getreu
die neue Politik der Partei der Ungarischen Werktätigen und die Verwirklichung
 der Zielsetzungen des im Geiste dieser Politik ausgearbeiteten
Regierungsprogramms. Die Angaben des diesjährigen Budgets geben
einen anschaulichen Beweis dafür, dass unsere Volksregierung auf Grund
der Anleitungen der Partei unser Vaterland auf dem Wege des Aufstiegs,
des wachsenden Wohlstandes erfolgreieh vorwärtsbringt. Es ist bereits
ein Jahr her, dass der Ministerrat die Angelegenheiten des Landes im
Geiste des neuen Regierungsprogramms führt, und es wird wohl nicht
unbegründet sein, die Frage aufzuwerfen, wie es um die Verwirklichung
des Regierungsprogramms steht.
Unser Volk hat auf dem Gebiete der Durchführung der Politik unserer
Partei und des Regierungsprogramms ernsthafte Ergebnisse erzielt. Diese
Ergebnisse konnten wir aber deshalb in so kurzer Zeit erzielen, weil unser
Volk die Politik der Partei für wahr und richtig hält. Das ist auch der
Grund dafür, dass unser Volk mit solch grosser Arbeitslust, mit steigendem
Fleiss und Einsatzbereitschaft an die Durchführung des Regierungsprogramms
 geschritten ist.
So ist zwischen Partei, Regierung und Volk eine Einheit zustandegekommen,
 die bisher in der ungarischen Geschichte beispiellos dasteht.
Die immer stärkere politische Einheit unseres Volkes und die Tatsache,
 dass unsere Arbeiterklasse, werktätige Bauernschaft und Geistesschaffenden
 die Politik von Partei und Regierung mit immer grösserer
Begeisterung unterstützen, fanden auch in der Art und Weise Ausdruck,
wie sich unser Volk auf den III. Parteitag der Partei der Ungarischen Werktätigen
 vorbereitete. Nicht nur die Kommunisten, auch die parteilosen
Millionen des Volkes nahmen an der Vorbereitung des Parteitages unserer
Partei lebhaft teil, Der begeisterte Arbeitswettbewerb, von dem unsere

ıf)
        <pb n="22" />
        Arbeiterklasse durchdrungen war, die steigende Arbeitslust, die unsere
werktätige Bauernschaft erfasste, zeigen, dass unser Volk die Partei der
Ungarischen Werktätigen als eine Partei des Volkes betrachtet.
Erhöhung der Lebenshaltung des Volkes

Welche Veränderungen sind im Leben unseres Volkes infolge der
Politik unserer Partei und des neuen Regierungsprogramms in einem
Jahre vor sich gegangen?
Vor allem hat sich die Lebenshaltung unserer Arbeiterklasse, unseres
Volkes gehoben. Infolge der Preissenkungen von Juli und September 1953
haben die Werktätigen über 800 Millionen Forint eingespart. Im Ergebnis
der Preissenkung beträgt die durchschnittliche Ersparnis einer Familie,
deren Mitglieder Lohn- und Gehaltsempfänger sind, im Jahre 1953
etwa 425 Forint und im Jahre 1954 — unter Berücksichtigung der Senkung
der Fleisch- und Fettpreise — annähernd 1100 Forint. Seit Juni 1953 hat
unsere Regierung zahlreiche Lohnerhöhungen durchgeführt. Es wurden
unter anderem erhöht : die Gehälter der Werktätigen der Elektroindustrie,
der Hüttenwerker, der Bergleute, einzelner schwere und gesundheitsschädliche
 Arbeit verrichtender Arbeiter, der Arbeiter mit niedrigerem
Verdienst, der Werktätigen der Räte, der Beamten der Unternehmen
sowie zahlreicher anderer Angestelltenschichten. Von den seit der Veröffentlichung
 des Regierungsprogramms durchgeführten Lohnmassnahmen
 wurden nahezu eine Million Werktätige erfasst, und die Auswirkung
 dieser Massnahmen auf das Budget beträgt im Jahre 1953 800 Millionen
 und im Jahre 1954 etwa anderthalb Milliarden Forint. Im Jahre
1953 haben wir die Investitionen für Arbeitsschutz um 60 Millionen
Forint und den Investitionsrahmen zur Verbesserung der Arbeitsverhältnisse
 der werktätigen Mütter sowie zum Bau von Kindergärten und Kinderkrippen
 um 100 Millionen Forint erhöht.
Nach vorläufigen Berechnungen hat sich in der ersten Hälfte 1954
ger auf einen Erwerbstätigen entfallende Reallohn der Arbeiter und
Angestellten im Vergleich zum ersten Halbjahr 1953 um etwa 20 Prozent
erhöht. Im Ergebnis der Massnahmen zur Hebung des Lebensniveaus
der Bevölkerung ist die Kaufkraft der Werktätigen von Stadt und Land
bedeutend gestiegen, hat sich der Warenumsatz erhöht.
Auch die Senkung der Marktpreise führt zu einer Zunahme der
Kaufkraft des Volkes. Im April dieses Jahres waren die Marktpreise um
25 Prozent niedriger als im April des vergangenen Jahres und im Rahmen
deren der Durchschnittspreis für Kartoffeln um 70 Prozent, der Eierpreis
 um 18,7 Prozent und der Butterpreis um 20,3 Prozent niedriger.
Infolge des Anwachsens der Kaufkraft hat sich auch die Zusammen-21
        <pb n="23" />
        setzung unseres Warenumsatzes bedeutend verändert. In der ersten
Hälfte 1954 nimmt der Warenumsatz unseres Kleinhandels im Vergleich
zur entsprechenden Zeitspanne des Vorjahres um 23,8 Prozent zu. Zugleich
erhöht sich der Umsatz in Bekleidungsartikeln um 56 Prozent und in
Kulturartikeln um 29 Prozent. Dementsprechend werden in der ersten
Hälfte 1954 um 8,2 Millionen Quadratmeter Baumwollgewebe, um 660 000
Stück Herrenhemden, um 180 000 Stück Herrenanzüge und um 600 000
Paar Kinderschuhe mehr umgesetzzt als in der ersten Hälfte 1953.
Die wachsende Arbeitslust unserer werktätigen Bauernschaft zeigte
sich auch darin, dass die Nachfrage nach Waren, die Produktionszwecken
dienen, erheblich zugenommen hat. Zur Befriedigung dieser steigenden
Ansprüche brachte und bringt der Innenhandel im Jahre 1954 z. B.
14 000 Pflüge, 2000 Sämaschinen, 13 000 Eggen, 11 000 Krimmer, 6000
Rübenschneider und zahlreiche andere Kleinmaschinen, Geräte, dreimal
soviel Kunstdünger und doppelt soviel Kupfervitriol in Verkehr als im
vergangenen Jahr. In hohem Masse hat auch die Baulust zugenommen.
In den ersten vier Monaten dieses Jahres hat die Bevölkerung bereits zweieinhalbmal
 soviel Ziegel gekauft als im ganzen vergangenen Jahre.
Die neue Politik unserer Partei sowie die Durchführung des Regierungsprogramms
 haben die wirtschaftliche Lage unserer werktätigen
Bauernschaft wesentlich verbessert. Die die landwirtschaftliche Produktion
bedrückenden Lasten wurden vermindert, das Ablieferungssoll herabgesetzt,
 die Steuerermässigung und andere Massnahmen mehrten im Jahre
1953 das Einkommen der werktätigen Bauernschaft um annähernd zwei
Milliarden Forint. Besondere Sorgfalt verwandten Partei und Regierung
auf die wirtschaftliche Erstarkung der Produktionsgenossenschaften ; sie
halfen dadurch den Genossenschaftsbauern bei ihrer grossartigen Kraftanspannung,
 binnen kurzer Zeit ein durchschnittliches Lebensniveau der
Mittelbauern zu erreichen, ja zu übertreffen. Diese Politik von Partei
und Regierung zur Unterstützung der werktätigen Bauernschaft hat die
Arbeitslust der Bauern in hohem Masse gesteigert und das Bündnis der
Arbeiterklasse mit der werktätigen Bauernschaft, die Grundlage unseres
volksdemokratischen Staates, gefestigt. Das Interesse an der Produktion
ist bei den Genossenschaftsmitgliedern und den werktätigen Einzelbauern
gewachsen, und im Ergebnis dessen wurde in diesem Jahre sozusagen
jeder Fussbreit Boden bestellt. Eine Rolle spielen‘ hierbei auch die neu
gebildeten Produktionsausschüsse, in denen viele tausend werktätige
Bauern begeistert für die Entwicklung der Landwirtschaft arbeiten.
Die Arbeiten der Frühjahrsbestellung wurden zwar unter schwierigeren
 Verhältnissen aber doch schneller und in besserer Qualität ausgeführt
 als im vergangenen Jahre. Nahezu 30 Prozent der Anbaufläche
des Landes erhielt Stalldüngung, das sind um eine halbe Million Katastral-WI,
        <pb n="24" />
        joch mehr als im Vorjahre. Bedeutend entwickelt hat sich auch die Kunstdüngung.
 Rund ein Drittel der Anbaufläche von Brotgetreide erhielt
Kopfdüngung. Ansehnliche Ergebnisse sind auch auf dem Gebiete des
Reisanbaues zu verzeichnen, deren Aubaufläche sich im Vergleich zum
Vorjahre um 55,6 Prozent vergrössert hat. Gross ist auch das Interesse für
Zuchttiere. Auch hat sich unsere Gemüseproduktion bedeutend entwickelt,
 was dadurch gefördert wurde, dass wir der werktätigen Bauernschaft
 und den Produktionsgenossenschaften annähernd hunderttausend
Treibbeet-Holzrahmen zukommen liessen. Im Ergebnis der Förderung
der Gemüseproduktion nimmt die Anlieferung zu und die Werktätigen
der Städte können zu mehr und besserem Gemüse gelangen. Alle diese
Dinge sind nur Anfangsergebnisse, sie zeigen aber dennoch, dass die
Beschlüsse von Partei und Regierung zur Förderung der landwirtschaftlichen
 Produktion in den Kreisen der gesamten Bauernschaft ein breites
Echo, eine entsprechende Aufnahme gefunden haben.
Diese Ereignisse konnten von unsrer werktätigen Bauernschaft nicht
zuletzt deshalb erzielt werden, weil unsere heldenhaft schaffende Arbeiterklasse
 unter Führung von Partei und Regierung der werktätigen Bauernschaft
 dem ungarischen Dorf wirksame Hilfe bietet.
Auch der Befriedigung der kulturellen Ansprüche unseres Volkes
haben Partei und Regierung im vergangenen Jahre grössere Sorgfalt
zugewandt, Die dörflichen Kulturheime werden reicher, behaglicher.
Rapid steigt die Leserzahl in den staatlichen Bibliotheken und auch der
Bücherverkehr ist besonders gewachsen. Ende 1953 erhöhte sich die Zahl
der in die Bibliotheken eingeschriebenen Leser um nahezu 50 Prozent
und die Zahl der verliehenen Bücher um über 70 Prozent. Seit Juni vorigen
Jahres wurden in den Bibliotheken von Budapest und der Provinz — nur
die staatlichen Bibliotheken gerechnet — um 4,5 Millionen mehr Bücher
verliehen als im vorigen Jahr.
Die Zahl der Theater- und Opernbesucher nimmt in der Hauptstadt
 wie in der Provinz seit dem Regierungsprogramm in kraftvoller
Weise zu. Hiervon zeugt die Tatsache, dass im ersten Quartal 1954, obwohl
 infolge des rauhen Winters viele Vorstellungen unterblieben, die
Besucherzahl in den Budapester Theatern dennoch um 8,8 Prozent, in
den Provinztheatern um 10,4 Prozent und in den Dorftheatern um 13,9
Prozent grösser war als in der gleichen Zeit des Vorjahres,
Auch der Besuch der Lichtspielhäuser zeigt eine kraftvolle Entwicktung.
 Wenn wir das erste Quartal dieses Jahres mit dem ersten Quartal
des Vorjahres vergleichen, sehen wir, dass sich die Besucherzahl der
Lichtspieltheater von 16,2 Millionen auf 23,3 Millionen erhöht hat. Das
bedeutet, dass die Zahl der Kinobesucher in Budapest um 46 Prozent
und in den Dörfern um 58 Prozent gestiegen ist. Die angeführten Ziffern
        <pb n="25" />
        zeigen mit überzeugender Kraft die grossartigen Erfolge unserer Kulturrevolution
 in Entwicklung.

Die sozialistische Gesetzlichkeit hat sich gekräftigt
Auf dem Gebiete der Festigung der Gesetzlichkeit können wir ebenfalls
 über ernsthafte Ergebnisse berichten.
Die Polizeigerichtsbarkeit hat aufgehört. Sowohl bei der Polizei
und der Staatsanwaltschaft wie bei den Gerichten wurden eine ganze
Anzahl Massnahmen getroffen, die die Gesetzlichkeit des Verfahrens
erhöhen und der Ausschaltung grundloser Behelligungen dienen. Im
Ergebnis hiervon ist die Zahl der bei den Gerichten anhängig gemachten
 Strafverfahren in der zweiten Hälfte 1953 wesentlich gesunken und
auch im ersten Quartal dieses Jahres erheblich unter den früheren Zahlen
geblieben. Die Zahl der Anklageerhebungen hat sich in der zweiten
Hälfte 1953 im Vergleich zur ersten Jahreshälfte um annähernd 40 Prozent
 vermindert, Ebenso gesunken ist die Zahl der in Präventivhaft Genommenen
 und letzten Endes die Zahl der Verurteilten. Die Abnahme
beträgt auf diesem Gebiete in der zweiten Hälfte 1953 im Vergleich zur
ersten Jahreshälfte annähernd 45 Prozent.
Das Verhalten der staatlichen Organe gegenüber den Staatsbürgern
hat sich im allgemeinen gebessert. Gefördert wurde dies in hohem Masse
durch das Gesetz I vom Jahre 1954 über die Erledigung von Mitteilungen
und Beschwerden der Werktätigen. Auf Grund dessen suchen die Staatsbürger
 in immer grösserer Zahl die betreffenden staatlichen Organe mit
ihren Beschwerden auf. Entsprechend dem im Regierungsprogramm
entwickelten Prinzip hat die Verletzung der Gesetzlichkeit auf allen Gebieten
 durch strenge Massnahmen und, wenn diese nichts nützen, auch
durch schwere Strafen ausgeschlossen zu werden. Dementsprechend ist
bereits in mehreren Fällen gegen staatliche Funktionäre, die die Gesetzlichkeit,
 die Rechte der Staatsbürger schwer verletzt hatten, ein Strafverfahren
 eingeleitet worden. Solche Strafverfahren gab es in der zweiten
Hälfte des Vorjahres 57 und in der ersten Hälfte 1954 31.
Als wichtiges Ergebnis müssen die Durchführung der Amnestieverordnung
 sowie die Auflösung der Internierungslager und die Regelung
der Lage der Ausgesiedelten erwähnt werden. Eiz bedeutsamer Schritt
auf dem Gebiete der Festigung der Gesetzlichkeit ist auch die Organisierung
 der Staatsanwaltschaft.
Alle diese Massnahmen hatten zum Ergebnis, dass die sozialistische
Gesetzlichkeit sich gestärkt hat, Die von der Regierung getroffenen Massnahmen
 zur Abstellung der Behelligung von Staatsbürgern lassen ernsthaft
 ihre Wirkung fühlen, viele berechtigte Beschwerden wurden behoben
        <pb n="26" />
        und das Vertrauen der Staatsbürger zu den staatlichen Organen ist gewachsen.

Wir können also zweifellos feststellen, dass unser Volk unter der
Führung von Partei und Regierung im vergangenen Jahr ernsthafte Ergebnisse
 erzielt hat. Diese Ergebnisse zeigen, was die Politik des neuen
Kurses für unser Vaterland und unser Volk bedeutet. Der III. Parteitag
unserer Partei stellt im Rechenschaftsbericht des ZK über die Kennzeichen
des neuen Kurses u. a. folgendes fest :
„Am neuen Abschnitt des sozialistischen Aufbaus ist die Kardinalfrage
 unserer ganzen Politik und so auch unserer Wirtschaftspolitik die
weitere konsequente Festigung der Staatsmacht der Arbeiterklasse sowie
der Grundlage dieser Macht, des Arbeiter-Bauern-Bündnisses, die Verbreiterung
 und Stärkung der wirtschaftlichen Basis des Arbeiter-Bauern-Bündnisses
 und dementsprechend die ständige Hebung des Volkswohlstandes,
 der schnelle Aufschwung der landwirtschaftlichen Produktion
und die Steigerung der Produktion von Verbrauchsgütern,”
Diese Feststellungen beruhen auf den Juni-, Oktober- und Dezemberbeschlüssen
 des Zentralkomitees unserer Partei. Im Geiste dieser Beschlüsse
 arbeiten Partei und Regierung nunmehr bereits seit einem Jahre

Für sich und für sein Vaterland baut und schafft unser Volk.
Der Staatsvoranschlag 1954 hält eben die Verwirklichung der Zielsetzungen
 des neuen Abschnitts für seine wichtigste Aufgabe. Deshalb
wird für die Entwicklung der Schwerindustrie in diesem Budgetjahr
nur 30 Prozent aufgewendet, während im Jahre 1953 auf die Schwerindustrie
 über 41 Prozent aller Investitionen entfielen. Innerhalb des
reduzierten Investitionsbetrages wächst in diesem Jahr der Anteil der
Landwirtschaft, der Leichtindustrie, der Nahrungsmittelindustrie sowie
der sozialen und kulturellen Zweige in bedeutendem Masse.
Während im Jahre 1953 die Investition der Landwirtschaft ı 3,7
Prozent aller Investitionen betrug, wird sie 1954 auf 24 Prozent erhöht.
Die Investitionen des Wohnungsbaus steigen von 6,2 Prozent auf 13,3
Prozent, der Anteil der Investitionen für Arbeitsschutz und Betriebshygiene
 von 1,3 Prozent auf 2,3 Prozent und der Anteil der sonstigen
sozialen und kulturellen Investitionen von 8,3 Prozent auf ı3 Prozent.
Durch die Senkung der Investitionen und des Verbrauchs der öffentlichen
Institutionen sowie durch die Entwicklung der Leichtindustrie, der
Nahrungsmittelindustrie und der Landwirtschaft wünschen Partei und
Regierung zu gewährleisten, dass der unmittelbare Verbrauch der Bevölkerung
 im Jahre 1954 im Vergleich zum Jahre 1953 um annähernd ı9
Prozent ansteigt. Dadurch erhöht sich der unmittelbare Anteil der Be-
        <pb n="27" />
        völkerung am Nationaleinkommen von etwa 60 Prozent im Jahre 1953
auf annähernd 70 Prozent im Jahre 1954. Ausserdem werden 12 Prozent
des Nationaleinkommens für die Erhaltung von kulturellen und sanitären
Institutionen zur Hebung des Volkswohlstandes aufgewandt. So macht
der gesamte Verbrauchsfonds 82 Prozent des Nationaleinkommens aus.
Dass das werktätige Volk am Nationaleinkommen einen so grossen
Anteil hat, ereignet sich jetzt zum ersten Male in der ungarischen Geschichte.

Die Verwendung des Nationaleinkommens zeigt, dass in unserer
volksdemokratischen Gesellschaft immer mehr das wirtschaftliche Grundgesetz
 des Sozialismus zur Geltung kommt, wonach die von den Werktätigen
 produzierten Güter das Leben der Werktätigen reicher, schöner
und freudvoller gestalten, Unser Volk arbeitet nicht mehr dafür, dass
sich eine Handvoll Ausbeuter bereichern, sondern baut und schafft
für sich, für das Vaterland,
Unser Budget des Jahres 1954 senkt auch unsere Ausgaben für die
Landesverteidigung um annähernd 900 Millionen Forint, was ebenfalls
zur Hebung der Lebenshaltung unseres Volkes beiträgt. Wir bauen den
Frieden auf und bereiten uns nicht auf Krieg vor! Aber da bedeutende
Kräfte — besonders in den Vereinigten Staaten — auch weiterhin eine
Politik der Kriegsvorbereitung betreiben, handeln Partei und Regierung
richtig, wenn sie neben einer Senkung der Landesverteidigungsausgaben
auf die weitere Entwicklung und Stärkung unserer jungen, sich
kräftigenden Volksarmee, unserer gesamten Landesverteidigung auch
fernerhin grosse Sorgfalt verwenden.
Das freie und friedliche Leben unseres Volkes, die Unabhängigkeit
unseres Vaterlandes ist unser teuerstes Gut. Wir müssen und werden
dafür sorgen, dass, wenn jemand dennoch einen Versuch machen sollte,
gegen die Freiheit unseres Volkes, gegen unseren Frieden, gegen die
Unabhängigkeit unseres Vaterlandes die Hand zu erheben, er eine Antwort
 erhalte, die es ihm begreifllich macht, dass unser Vaterland keine
Bresche, sondern ein starkes, uneinnehmbares Bollwerk in der Front des
Friedens und der Freiheit ist.

Wohlstand, nationale Einheit, Friede, Sozialismus

Die Politik der Regierungen kann und soll nicht zuletzt auf Grund
des Budgets beurteilt werden. Die Angaben des Budgets zeigen klar, ob
die eine oder andere Regierung im Interesse des Volkes oder einer kleinen
Gruppe von Ausbeutern das Land führt. Aus unserem Budget kann jedermann
 unbezweifelbar feststellen, dass die Regierung einzig und allein
im Interesse des Volkes, im Geiste des Dienstes am Volke das Land leitet.

6
        <pb n="28" />
        Deshalb nennt unser Volk die Regierung mit Recht „unsere Regierung”
und unsere grosse Partei „unsere Partei” !
Durchaus anders ist die Lage in der kapitalistischen Welt. Während
das Budget unseres Landes in immer grösserem Masse der Befriedigung
der materiellen und kulturellen Ansprüche unseres Volkes dient, während
unser Budget keinen Defizit aufweist, ist ein grosser Teil des Budgets der
kapitalistischen Länder dem Interesse der Militarisierung, der Vorbereitung
 auf einen neuen Krieg unterworfen ; deshalb kämpfen diese Länder
ständig mit einem Riesendefizit.
Wenn wir die Ausgaben und Einnahmen der letzten vier Jahre z. B.
in den Vereinigten Staaten betrachten, sehen wir, dass sich das Budgetdefizit
 in vier Jahren auf 19,6 Milliarden Dollar erhöht hat. Aber auch die
Budgets anderer kapitalistischer Länder werden von einem stets steigenden
 Defizit gekennzeichnet. In den kapitalistischen Ländern wird
nämlich der Grossteil der staatlichen Einnahmen durch eine hohe Besteuerung
 der Werktätigen gesichert. Deshalb wird in diesen Ländern fast
jedes Jahr die Verbrauchssteuer für Bedarfsartikel erhöht. Die Einkommensteuern
 sind in den Kriegsjahren und nach dem Krieg in den Vereinigten
Staaten auf das Zwölffache, in Frankreich auf nahezu das Dreifache und
in England um 64 Prozent gestiegen. 70 Prozent des Budgets der Vereinigten
 Staaten — also 47 Milliarden Dollar — dienen zur Deckung von
Militärausgaben, Die Militärausgaben Englands und Frankreichs betragen
nahezu das Dreifache, die Kanadas fast das Siebenfache der Militärausgaben
 des Jahres 1949.
All diese Tatsachen und Beispiele beweisen, dass in der kapitalistischen
 Gesellschaft der Militarismus, die Vorbereitung zum Krieg einesteils
 das Elend der Völker, andernteils die fetten Einkünfte der Kapitalisten
 steigert.
Dieses kapitalistische Paradies wird Tag für Tag von dem Sender,
der sich „Freies Europa” nennt, Ungarn angepriesen. Wie „frei” dieser
Sender ist, beweisen auch schon die vorhin angeführten Beispiele. Unser
Volk kennt das kapitalistische Paradies sehr gut und hält es nicht für ein
Paradies, sondern für eine Hölle, die drei Millionen Bettler hervorbrachte
und die Besten der ungarischen Intelligenz ins Ausland trieb, weil sie
auf ungarischem Boden, im eigenen Lande kein menschliches Dasein
führen konnten. Vergeblich preisen die Sender des Westens die Vorteile
des kapitalistischen Lebens, bei unserem Volk finden sie nur taube Ohren.
Die Schrecken und Entbehrungen des Horthy-Regimes sind unserem
Volke noch ziemlich lebhaft in Erinnerung. Unser Volk will nicht zurück
in die kapitalistische Hölle, sondern wünscht immer entschiedener und
mit immer grösserem Schwung vorwärtszuschreiten, auf dem Wege zur
sozialistischen Gesellschaft, weil es weiss, dass diese, die freie Gesellschaft
        <pb n="29" />
        freier Menschen, die tausendjährigen Freiheitsbestrebungen unseres
Volkes, all das verwirklicht, wofür es so viel geopfert und so viel Blut vergossen.

Der Staatshaushaltplan 1954 unserer Volksrepublik spiegelt klar die
Innen- und Aussenpolitik von Partei und Regierung. Unsere Innenpolitik
 ist: Hebung des Wohlstandes, fortgesetzte Festigung der nationalen
 Einheit unseres Volkes, Aufbau des Sozialismus. Unsere Aussenpolitik
 : In dem von der sozialistischen Sowjetunion geführten mächtigen
Friedenslager — für die Sicherung des Friedens — unsere Berufung in
Ehren zu erfüllen.
Wohlstand, nationale Einheit, Friede, Sozialismus — das ist in Kürze
die Innen- und Aussenpolitik unserer Partei und Regierung.
Von diesen grossen Gedanken waren die Arbeit und die Beschlüsse
des III. Parteitages unserer Partei durchdrungen. Mit der Durchführung
der Beschlüsse des historisch bedeutsamen III, Parteitages können die dem
Interesse des Volkes dienenden Zielsetzungen des .Staatshaushaltplanes
1954 gesichert werden.

Meinung und Geschmack der Verbraucher müssen als
Gesetz gelten!
Geehrte Nationalversammlung !
Obwohl es unbestreitbar ist, dass unser Volk bei der Durchführung
der Politik von Partei und Regierung bedeutsame Erfolge erzielt hat,
können wir uns mit den bisherigen Ergebnissen dennoch nicht zufrieden
geben. Dies muss umso eher gesagt werden, da es bekannt ist, dass sich
neben einer ansehnlichen Verbesserung der Versorgung unseres Volkes
bei einer Reihe von Verbrauchsgütern, so z. B. beim Schweinefleisch,
auch weiterhin Mängel zeigen.
Unsere Ergebnisse würden grösser, die Versorgung unseres Volkes
besser sein, hätten wir es vermieden, dass vor allem auf dem Gebiete der
Organisierung der Produktion, der Arbeitsdisziplin und der Erfüllung der
staatsbürgerlichen Pflichten ernsthafte Mängel und Fehler in Erscheinung
treten. Vor allem müssen wir uns darüber in klarem sein, dass wir die
Aufgaben des Jahres 1954 nur dann aus dem Budget finanzieren können,
wenn wir die Einnahmen des Budgets binnen vorgeschriebener Frist restlos
 erfüllen. Jeder Rückstand auf diesem Gebiete birgt ernsthafte Gefahren
in sich. Dies muss umso eher in Betracht gezogen werden, da es bekannt
ist, dass die wichtigste Quelle für die Deckung der Budgetausgaben die
Akkumulation der staatlichen Unternehmen ist, die etwa 70 Prozent der
Budgeteinnahmen beträgt. Deshalb ist die Erfüllung des Budgets von der

a
        <pb n="30" />
        Arbeit der staatlichen Unternehmen, das heisst der Werktätigen und Leiter
dieser Unternehmen abhängig.
Damit wir die Beschlüsse von Partei und Regierung erfolgreicher
durchführen, müssen wir endgültig und ohne Verzögerung mit dem
Zaudern und Schwanken bei der Umgruppierung der Kräfte und Mittel
unserer Volkswirtschaft sowie mit den aus der übertriebenen Industrialisierung
 stammenden schädlichen Folgen aufräumen.
Es steht auch fest, dass ein ansehnlicher Teil der Leiter unserer
Industriebetriebe auch heute noch nicht genügend von dem Verantwortungsgefühl
 im Interesse der Befriedigung der Ansprüche der Bevölkerung
durchdrungen ist. Sie produzieren nicht solche Artikel und nicht in solch
einer Auswahl, wie dies den Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechen
würde, Das Regierungsprogramm stellt das Ministerium für Hüttenindustrie
 und Maschinenbau bei der Versorgung der Bevölkerung vor grosse
Aufgaben. Obwohl das Ministerium die Lösung dieser Aufgaben bestrebt
hat, wurde in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres die Durchführung
des Regierungsprogramms dennoch in schleppendem Tempo vorbereitet,
und dieses schleppende Tempo war, wenn zwar in geringerem Masse,
auch im ersten Quartal dieses Jahres wahrzunehmen.
Die Leiter der Produktion müssen endlich begreifen, dass nicht das
Volk für die Industrie, sondern die Industrie für das Volk da ist! Die
sozialistische Industrie hat die Pflicht zu produzieren, noch dazu in einer
Auswahl und in einer Qualität, welche die Ansprüche und den Geschmack
des Volkes am besten befriedigen.
Es ist leider ziemlich allgemein, dass die Industriebetriebe sich der
Erzeugung von Verbrauchsgütern, die mehr Arbeit beanspruchen und
schwer herzustellen sind, verschliessen und in ihrem Bestreben nach
sogenannter „„globaler” Planerfüllung die Erzeugung von „komplizierten”
Verbrauchsgütern vernachlässigen.
Oft verschliesst sich die Industrie der Einführung neuer, geschmackvoller
 Modelle. In der Arbeit der Produktionsplanung der Leichtindustrie
ist zweifellos eine bedeutende Entwicklung zu verzeichnen. Doch ist es
auch wahr, dass weder die Leichtindustrie noch der Innenhandel bei
weitem nicht in entsprechendem Masse den Geschmack unseres Volkes
sowie die Mode in Betracht ziehen.
Das Ministerium für Innenhandel begnügt sich damit, die Industrie
der schlechten Qualität, der mangelhaften Auswahl wegen zu kritisieren.
Diese Kritik ist richtig und berechtigt. Nicht richtig aber ist, dass das
Ministerium so tut, als hätte es mit der schlechten Qualität und der mangelhaften
 Auswahl nichts zu schaffen. Es hat damit zu schaffen !
Die Werktätigen des Handels haben die Aufgabe, die Ansprüche der
Bevölkerung fortgesetzt zu studieren und unter Berücksichtigung dieser
        <pb n="31" />
        Ansprüche auf die Produktion einzuwirken. Die Werktätigen des Innenhandels
 müssen im Interesse der Verbraucher, im Interesse des Volkes
mutiger dafür kämpfen, dass die Güter unseres allgemeinen Verbrauchs in
besserer Qualität, in geschmackvollerer Ausführung und in entsprechender
Auswahl hergestellt werden.
Der Innenhandel hat die Gestaltung der Warennachfrage der Bevölkerung
 regelmässig zu studieren. Die Organe unseres Innenhandels müssen
wissen, welche Waren von unserem Volk gesucht werden, welcher Meinung
unser Volk über die in den Verkehr gebrachten Waren ist,
Meinung und Geschmack der Verbraucher müssen als Gesetz gelten !
Nach diesem Gesetz hat sich der Innenhandel und auch die Industrie zu.
richten. Die Aufmerksamkeit der Leichtindustrie muss darauf gelenkt
werden, dass sie die ungarische Mode, deren Ruf ehedem weit über die
Grenzen unseres Landes hinausging, pflegt und entwickelt. Wir müssen
dafür sorgen, dass die ungarischen Frauen und Mädchen sowie unsere
Kinder sich hübscher und schöner kleiden. Der Entwicklung der ungarischen
 Mode sollen keine schlechten Textilwaren, Leder und anderes
Material schlechter Qualität im Wege stehen.
Nicht wortlos vorübergehen kann man an dem bedeutenden Rückstand,
 der auf dem Gebiete der Erfüllung der landwirtschaftlichen Investitionen
 wahrzunehmen ist. Anfang dieses Jahres war das Landwirtschaftsministerium
 selbst nicht genügend darauf vorbereitet, dass die Durchführung
 der Investitionen reibungslos vor sich geht, man kam mit den
Plänen zu spät. Diesen Mangel hat das Ministerium für Landwirtschaft
zum grossen Teil wettgemacht. Pläne sind heute bereits vorhanden, und
dennoch hat die Erfüllung der landwirtschaftlichen Investitionen bis zum
31. Mai nur 10 Prozent des diesjährigen Planes erreicht. Und das zu einer
Zeit, da bis zum 30. April das Ministerium für Bauwesen die Investitionen
für das Ministerium für Hüttenindustrie und Maschinenbau mit 34,8 Prozent
 und für das Ministerium für Schwerindustrie mit 22,2 Prozent durchgeführt
 hat. Für den bei den landwirtschaftlichen Investitionen zutage
tretenden bedeutsamen Rückstand belastet das Ministerium für Bauwesen
eine ernste Verantwortung.
Partei und Regierung können aber nicht gestatten, dass dieser Rückstand
 bei den landwirtschaftlichen Investitionen weiterhin bestehen
bleibe. Es bedarf schneller und entschiedener Massnahmen, da es sonst
geschehen kann, dass wir einen ansehnlichen Teil der Investitionen nicht
verwirklichen können.
Für die landwirtschaftlichen Bauten müssen mehr Arbeitskräfte,
mehr entwickelte Technik angewendet sowie die fortlaufende Materialversorgung
 der Bauten sichergestellt werden. Von besonderer Wichtigkeit
 ist es, dass auch die Investitionen der Produktionsgenossenschaften
        <pb n="32" />
        in schnellerem Tempo durchgeführt werden als bisher, denn auf diesen
Gebieten ist der Rückstand noch grösser. Die Hauptursache dieses Rückstandes
 ist, dass das Baumaterial nicht rechtzeitig geliefert wird.
Der bedeutsame Rückstand auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen
 Investitionen zeigt, dass — obwohl Partei und Regierung die Förderung
 der Landwirtschaft als die Schlüsselfrage der nächsten Jahre halten
die Umgruppierung zur erfolgreichen Durchführung der neuen Aufgaben
 schleppend vor sich geht; eine Tatsache, die die restlose Verwirklichung
 der Politik von Partei und Regierung gefährdet. Es muss
m Ministerium für Bauwesen ein Ende damit gemacht werden, dass
man zwar mit Worten nicht spart, wenn von der Bedeutung der Landwirtschaft
 sowie von deren Förderung die Rede ist, aber gleichzeitig sich
das Unstatthafte gestattet und die Erfüllung der landwirtschaftlichen
Investitionen vernachlässigt.
Die Mechanisierung der Landwirtschaft erfordert es, dass unsere
Industriebetriebe die landwirtschaftlichen Maschinen in viel besserer
Qualität herstellen. Leider sind auf diesem Gebiete noch ziemlich ernste
Übel zu verzeichnen. Es müssen für die Landwirtschaft Gross- und
Kleinmaschinen, aber auch Spaten, Schaufeln, Hauen und Gabeln von
guter Qualität sichergestellt werden. Einesteils deswegen, weil man auch
in der Landwirtschaft nicht mit Maschinen und Geräten schlechter Qualität
 arbeiten kann, und andernteils, weil wir das Arbeiter-Bauern-Bündnis
auch durch landwirtschaftliche Maschinen und Geräte guter Qualität
stärken können.

Voraussetzungen der wirtschaftlichen und kulturellen
Erstarkung unseres Landes

Die erfolgreiche Erfüllung des Einnahmesolls des Staatshaushaltplanes
 1954, aber auch die Sicherung einer gesunden Richtung unserer
ganzen Entwicklung sowie die konsequente Hebung der Lebenshaltung
unseres Volkes hängen in entscheidendem Masse davon ab,
ob sich die Selbstkosten der Produktion senken ;
ob sich die Arbeitsproduktivität steigert ;
ob wir auf allen Gebieten eine strikte Sparsamkeit sichern können ;
ob wir die Qualität unserer Waren wesentlich verbessern können ;
ob sich die Arbeitsdisziplin bessert ;
ob es gelingt, die Verwaltungsausgaben wesentlich zu senken, und,
letzten Endes,
ob sich die Steuer- und Erfassungsdisziplin festigt.
Die erfolgreiche Lösung der angeführten Aufgaben wird die Voraussetzungen
 für eine weitere Hebung des Volkswohlstandes, für die

7
        <pb n="33" />
        wirtschaftliche und kulturelle Erstarkung des Landes schaffen. Zur Zeit
der übertriebenen Industrialisierung konnten wir uns mit der Lösung
dieser wichtigen Aufgaben nicht in entsprechendem Masse beschäftigen.
Jetzt aber, da wir deren schädliche Folgen liquidieren, wird es uns möglich,
 organisierter, billiger und in besserer Qualität zu produzieren, Und
das ist für die Industrie, aber auch für unsere gesamte Volkswirtschaft
eine der wichtigsten Forderungen im neuen Kurs.
Eine Verschlechterung der Selbstkosten kann unmöglich weiter
geduldet werden. Leider ist im ersten Quartal 1954 auf dem Gebiete der
Selbstkostensenkung statt einer Besserung eine Verschlechterung eingetreten.
 In der Industrie der Ministerien haben die Produktionskosten das
Soll um 3,6 Prozent überschritten, und so hat ein Teil der Unternehmen,
statt einen Gewinn einzuzahlen, mit einem Verlust von 672 Millionen
Forint geschlossen.
In der Bauindustrie werden die Selbstkosten oft auch durch überflüssige
 Lieferungen in hohem Masse gesteigert. So werden z. B. bei den
Bauten in Miskolc nicht die qualitativ vollkommen entsprechenden, in
Mälyi — unweit Miskolc — erzeugten Ziegel verwendet, sondern so entfernte
 Städte wie Bekescsaba und Kecskemet liefern für die Bauten in
Miskolc die notwendige Ziegelmenge.
Ebenso werden durch die oft unbefriedigende Qualität der Erzeugnisse
 die Selbstkosten in hohem Masse gesteigert und unserer Volkswirtschaft
 schwere Schäden zugefügt. Die Pönalien und Reparaturgebühren,
die sich aus der schlechten Qualität ergeben, sowie die wegen verspäteten
Lieferungen eingetretenen Zinsenkosten haben die Produktionskosten
unserer Unternehmen im Jahre 1953 mit ı,1 Milliarden belastet und die
Zuwendungen vermindert, deren die Werktätigen dieser Unternehmen
sonst teilhaftig geworden wären.
Der 111. Parteitag unserer Partei hat diese Mängel kräftig zur Sprache
gebracht und die notwendigen Massnahmen bestimmt, damit auf dem
Gebiete der Produktion Ordnung herrscht und die ungarische Industrie
billige Waren guter Qualität erzeugt. Wenngleich die angeführten Mängel
sehr ernst sind, besteht doch die Möglichkeit dafür, sie schnell und entschieden
 zu beheben,
Vor allem muss die Leitung, von den Ministerien angefangen bis zu
den Werkstätten, verbessert werden.
Den Direktoren muss ein grösserer Wirkungskreis, mehr Rechte eingeräumt
 werden. Das wird dann ihre Verantwortung steigern. Unsere
Direktoren, unsere Oberingenieure, der Kommandostab der Industrie
haben sich in den letzten Jahren grösseres Wissen und ernsthafte Erfahrungen
 verschafft und doch werden sie auch heute noch ebenso behandelt
wie zur Zeit der Verstaatlichung der Betriebe. Das muss geändert werden !

22
        <pb n="34" />
        Zugleich muss den Leitern unserer Betriebe, Fabriken und Bergwerke
begreiflich gemacht werden, dass auch die Leitung der Fabriken, Betriebe
 und Bergwerke auf eine wissenschaftliche Grundlage gestellt werden
muss,
Die Gestaltung der Produktion in Fabriken, Betrieben und Bergwerken
 muss fortlaufend studiert und alles aufgespürt werden, was die
Selbstkosten erhöht, die Produktivität vermindert, was zu Materialvergeudung
 führt ; es müssen fortlaufend Massnahmen zur Abstellung dieser
Übel ausgearbeitet werden.
In den letzten Jahren haben wir eben infolge der übertriebenen
Industrialisierung die Entwicklung der Technologie vernachlässigt.
Besonders in der Maschinenindustrie muss man sich mit der Lösung der
Montage eingehender beschäftigen. Die mangelhafte Montage verhindert
die Anwendung der neuzeitlichen Technik, die Produktivität sich also
nicht entsprechend steigert. In den Mätyäs-Räkosi-Werken z. B. ist die
auf eine Sämaschine entfallende notwendige Normzeit 86 Stunden, zu
ihrer Fertigstellung wurden jedoch 260 : Stunden angewiesen, da das
Fabrikat nicht entsprechend montiert war. Durch strikte Massnahmen
muss die technologische Disziplin gefestigt und es muss gewährleistet
werden, dass unsere Qualitätskontrolleure nur diejenigen Werkstücke
übernehmen, die der vorgeschriebenen Qualität vollauf entsprechen.
Unsere Industrie muss mit neuzeitlichen Instrumenten versehen
werden. Unsere Instrumentenindustrie ist zu entwickeln, da unsere Industrie
 mangels neuzeitlichen Instrumenten nicht fähig ist, die Selbstkosten
 zufriedenstellend zu senken und die Produktivität zu steigern.
Unsere Parteiorganisationen mögen ebenso wie unsere Betriebsräte
und die Organisationen des Verbandes der Werktätigen Jugend die Selbstkostensenkung,
 die Produktivitätssteigerung, die Qualitätsverbesserung
und die strikte Sparsamkeit als eine entscheidende Aufgabe ihrer Arbeit
betrachten, da dies eine entscheidende Voraussetzung für die Schaffung
des wachsenden Volkswohlstandes ist.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass wir mit unserer grossartigen
Arbeiterklasse, unseren ausgezeichneten technischen Leitern und unseren
über immer grösseres Wissen und mehr Erfahrung verfügenden Direktoren
 erzielen werden, billigere Waren besserer Qualität zu produzieren,
die Selbstkosten zu senken und die Produktivität zu steigern.
Der Volkswirtschaftsplan 1954 sowie die erfolgreiche Sicherung des
Einnahmesolls des Staatsvoranschlages erfordern es, dass sich der sozialistische
 Wettbewerb auf allen Gebieten der Produktion mit grossem
Schwung und mit besserer Organisiertheit weiterentwickle. Der grossangelegte
 Arbeitswettbewerb, der sich zu Ehren des III. Parteitages
unserer Partei entfaltet hat, zeigt, dass unsere Arbeiterklasse von stets

N 2

a

$
        <pb n="35" />
        zunehmender Arbeitslust durchdrungen ist. Der Arbeitswettbewerb darf
jedoch nicht als Kampagne angesehen werden! Der Arbeitswettbewerb
ist eines der wichtigsten Mittel zur Hebung der Lebenshaltung unseres
Volkes. Deshalb muss der Arbeitswettbewerb lebendig gehalten und von
jeder bürokratischen, einschränkenden Massnahme befreit werden.
Der Arbeitswettbewerb ist eine lebendige, kämpferische Bewegung
der Arbeiterklasse, die sich auf einer vielseitigen Initiative der Werktätigen
 aufbaut. Besonders grosses Gewicht muss darauf gelegt werden,
dass der Arbeitswettbewerb in unserem Kohlenbergbau einen grösseren
Aufschwung nehme, denn ein Rückfall in der Kohlenproduktion kann
unserer Volkswirtschaft ernste Schwierigkeiten verursachen.
Auch die Erfahrungen der letzten Wochen zeigen, dass unsere fleissige
 Bauernschaft die Politik der Partei begriffen hat; das beweisen die
hunderttausend und aber hunderttausend Joch wohlgepflegter Kartoffel-,
Zuckerrüben- und Maisfelder. Zugleich muss aber auch bemerkt werden,
dass an einzelnen Stellen infolge der Häufung von Arbeit sowie der regnerischen
 Witterung in der Hackarbeit ein Rückstand wahrzunehmen ist,
besonders in den Komitaten Szolnok, Veszprem, Bäcs und Baranya.
Die weitere Hebung des Wohlstandes unseres Volkes hängt zum
grossen Teil davon ab, wie die Werktätigen der Landwirtschaft jetzt, in
diesen entscheidenden Tagen, die ihnen obliegenden landwirtschaftlichen
Arbeiten durchführen. An den uns jetzt bevorstehenden Tagen und Wochen
liegt es, wieviel wir in diesem Jahre von unserem auf den Aufschwung der
Landwirtschaft gerichteten Programm verwirklichen können. In der
Landwirtschaft ist dies ein besonders schwerer Abschnitt, denn um diese:
Zeit häufen sich die Pflanzenpflege, die Einbringung des Heus, die Ernte,
die Schälfurche, die Abersaat und der Drusch zusammen. Deshalb müssen
 alle Werktätigen der Landwirtschaft, unsere ganze Bauernschaft mit
aller Kraft gegen die Verunkrautung der Felder und für die verlustfreie
Einbringung der Getreidearten kämpfen,
Partei und Regierung erwarten von den Maschinen-Traktoren-Stationen,
 dass sie den Produktionsgenossenschaften mit aller Kraft bei
ihrer Arbeit helfen, damit sie durch eine rechtzeitige Durchführung der
Pflanzenpflege eine gute Ernte einbringen, damit sie die Lebenshaltung
ihrer Mitglieder wesentlich heben und schon in diesem Jahre die Überlegenheit
 der Genossenschaftswirtschaften beweisen. Hierauf muss die
Aufmerksamkeit der Leiter und Werktätigen der Maschinen-Traktoren-Stationen
 um so eher gelenkt werden, da es Maschinen-Traktoren-Stationen
gibt, wo ein Teil der Kultivatoren und Universaltraktoren auf dem Hof der
Maschinen-Traktoren-Station steht, obgleich diese auf den Produktionsgenossenschaftsfeldern
 intensiv benötigt würden. Auch können wir nicht
sagen, dass die zur Arbeit eingesetzten Traktoren entsprechend ausgenutzt
        <pb n="36" />
        werden, beträgt doch an einzelnen Stellen die auf eine Maschine entfallende
 Tagesleistung nur ein, zwei Joch. Die Möglichkeiten sind natürlich
grösser, was auch die Tatsache zeigt, dass beispielsweise im Komitat
Somogy ein Kultivator bisher fast viermal soviel Arbeit verrichtet hat als
im Komitat Szolnok.
Es bedarf bei den Maschinen-Traktoren-Stationen und auch bei
den Staatsgütern einer viel grösseren Kraftanspannung, damit die Maschinen
 keine Minute stillstehen, damit sämtliche Universaltraktoren, Hackmaschinen
 und Heuwerbemaschinen maximal ausgenutzt werden.
Die Zeit drängt. Sie drängt, weil unsere Maschinen-Traktoren-Stationen
 neben der schnellen Durchführung der Pflanzenpflegearbeiten
sich schon jetzt zur Ernte, zur Schälfurche und zum Drusch vorbereiten
müssen, Um einen grossen Körnerverlust zu vermeiden, müssen unsere
Maschinen-Traktoren-Stationen und unsere Staatsgüter derart vorbereitet
sein, dass sie den Schnitt schnell, in kurzer Zeit durchführen können. Deshalb
 muss die Reparatur der noch nicht ausgebesserten Traktoren, Kombines
 und Erntemaschinen abgeschlossen und die Qualität der Reparatur
vor Beginn der grossen Arbeit streng kontrolliert werden. In den letzten
Jahren hat es sich leider wiederholt herausgestellt, dass ein ziemlich bedeutender
 Teil der Maschinen wegen der schlechten Qualität der Reparatur
in den ersten Tagen des Schnittes oder des Drusches nicht mehr arbeitsfähig
 war. Man kann daher die Initiative der Werktätigen einzelner Betriebe
nur begrüssen, dass sie auch zur Zeit der Ernte und des Drusches den
Maschinen-Traktoren-Stationen zur schnellen Behebung eventueller Fehler
techische Unterstützung bieten.
Partei und Regierung erwarten von unserer werktätigen Bauernschaft,
dass sie auf die ansehnliche Unterstützung, die sie im vergangenen Jahre
vom Staate erhalten hat, jetzt damit antwortet, dass sie ihrer Produktenund
 Viehablieferungspflicht restlos Genüge leistet. In einigen Wochen
beginnt die Getreideerfassungskampagne.
Die Erfüllung der‘ Ablieferungspflicht ab Dreschmaschine ist ein
Interesse sowohl unseres Staates wie auch unserer werktätigen Bauernschaft.
 Nur der brüderliche Zusammenschluss und die gegenseitige Unterstützung
 von Stadt und Land ermöglichen eine Hebung des Volkswohlstandes,
 die Erstarkung unseres Vaterlandes.
Im Interesse der Sicherung des Erfolges der Erfassung ist es am
wichtigsten, dass wir unter unserer werktätigen Bauernschaft entsprechende
politische Aufklärungsarbeit verrichten. Wenn unsere Partei- und Ratsorgane
 auf diesem Gebiete ihre Arbeit verbessern, wird das Ergebnis nicht
ausbleiben.
Gleichzeitig aber müssen wir auch erklären: wenn einzelne nicht
begreifen, dass man seiner Pfilicht dem Volksstaate gegenüber genau
        <pb n="37" />
        gerecht werden muss, dann wird es unser Staat denjenigen, die auf die
Kulaken hören und mit den dem Staate gebührenden landwirtschaftlichen
Erzeugnissen Wuchergeschäfte machen, begreiflich machen, dass. das
Gesetz für jedermann verpflichtend ist. Und der Staat wird auch durch
Inanspruchnahme gesetzlicher Mittel der Erfüllung ‘der Ablieferungspflicht
 Geltung verschaffen.
Auf dem Gebiete der staatsbürgerlichen Disziplin, der Steuerzahlung,
ist in den letzten Monaten einige Besserung wahrzunehmen, doch kann
diese noch nicht als zufriedenstellend betrachtet werden. Im ersten Quartal
1954 hat die Bauernschaft bloss 43,6 Prozent, im April 53,2 Prozent und
im Mai nach den vorläufigen Daten etwa 74 Prozent ihrer Steuern eingezahlt.

Die unbefriedigende Erfüllung der Steuereinzahlung ist zum Teil
der mangelhaften politischen Aufklärungsarbeit zuzuschreiben, in der
Hauptsache aber eine Folge des liberalen Verhaltens des Steuerapparats.
Dort, wo die Parteiorganisation und der Ratsapparat gut arbeiten, geht
auch die Steuerzahlung ungestört vor sich. So wurde im Komitat Vas der
zweite Quartalsplan statt der auf diese Zeit vorgesehenen 66 Prozent
mit 70,1 Prozent erfüllt. Von 32 Gemeinden des Kreises Vasvär hat die
werktätige Bauernschaft von 20 Gemeinden bis Ende Mai das Steuereinnahmesoll
 des Kreises übererfüllt. So haben beispielsweise die Gemeinde
Zsennye eine 118- Gersekaräd eine 93-, Telekes eine 91,5- und Kän eine
B6prozentige Erfüllung erreicht, statt der auf diese Zeit vorgesehenen
66 Prozent.
Unseren Partei- und Ratsorganen zeigen die angeführten Beispiele,
wie sie arbeiten müssen, damit es auf dem Gebiete der Steuerzahlung keine
Rückstände mehr gibt.

Unter Führung der Partei wird die Unabhängigkeits-Volksfront
 eine lebendige kämpferische Bewegung unseres Volkes
Geehrte Nationalversammlung !
Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass unser Vaterland an der Schwelle
eines neuen, grossen Aufschwungs angelangt ist. Unser Voik arbeitet auf
dem Gebiete der Landwirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur mit
ständig zunehmender Arbeitslust. Diese neue Erscheinung in der Entwicklung
 unseres Vaterlandes ist darauf zurückzuführen dass unser
Volk die Richtigkeit der Politik von Partei und Regierung fühlt und sich
alltäglich aus eigener Erfahrung davon überzeugt, dass Partei und Regierung
 bei der Lenkung und Leitung der Angelegenheiten des Landes sich
die Sache des Volkes vor Augen halten.

26
        <pb n="38" />
        Die Beschlüsse des III. Parteitages der Partei der Ungarischen Werktätigen
 haben unserem Volk die grossartigen Perspektiven unserer Entwicklung
 eröffnet. Wir müssen uns aber auch darüber im klaren sein,
dass es, wie grossartig auch diese Aufgaben auch sein mögen, zu ihrer
erfolgreichen Verwirklichung ernsthafter, sehr ernsthafter Kraftanspannungen
 bedarf. Die Aufgaben sind nicht leicht, aber lösbar, und wir
werden sie auch restlos lösen, da die Sache unseres Volkes dies verlangt.
Dazu aber, dass die Beschlüsse des Parteitages zur Tatsache werden,
ist es vor allem erforderlich, dass unser Volk diese immer mehr als seine
eigene Sache betrachtet.
Die hochbedeutsamen Aufgaben, die sich der III. Parteitag unserer
Partei gestellt hat, können mit Erfolg nur gelöst werden, wenn die Parteiorganisationen,
 die Gewerkschaften, die Organisationen des Verbandes
der Werktätigen Jugend und des Demokratischen Verbandes Ungarischer
Frauen sowie die Ortsräte immer intensiver die gesamten Kräfte unseres
Volkes in den Aufbau unseres neuen Lebens einbeziehen.
Nur durch eine erfolgreiche und fortlaufende Lösung dieser Aufgabe
können die übrigen wichtigen Aufgaben mit Erfolg durchgeführt werden,
sonst nicht!
Eine neue Möglichkeit zur Lösung dieser grundlegenden Aufgabe
bietet der wichtige Beschluss des III. Parteitages der Partei der Ungarischen
 Werktätigen über die Schaffung einer neuen Unabhängigkeits-Volksfront.

Unter Führung der Partei wird die Unabhängigkeits-Volksfront
eine lebendige, kämpferische Bewegung unseres Volkes sein, in der jeder
ungarische Werktätige, Arbeiter, Bauer, Geistesschaffende, Kleingewerbetreibende,
 Kleinkaufmann, jeder, der für das Wohl des Vaterlandes,
für die Hebung des Volkswohlstandes, für die Verteidigung des Friedens,
für den Sieg des Sozialismus zu arbeiten wünscht, seinen Platz finden
kann.
Die Unabhängigkeits-Volksfront festigt und verbreitert in bedeutendem
 Masse die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen
 der Werktätigen von Stadt und Land. Sie stellt das Arbeiter-Bauern-Bündnis
 auf eine feste Grundlage und schaltet auch die städtischen
 Mittelschichten in den Aufbau unseres neuen Lebens ein. Mit der
Schaffung der neuen Unabhängigkeits-Volksfront verbreitert sich die
Massenbasis unseres volksdemokratischen Staates, und unser Volk wird
intensiver an der Arbeit der Organe der Staatsgewalt teilnehmen.
So wird unser Volk die Arbeit unserer staatlichen Organe besser unterstützen
 und kontrollieren können. Die Schaffung der Unabhängigkeits-Volksfront
 bedeutet aber auch eine Weiterentwicklung des Demokratismus
unseres Volksstaates.

7
        <pb n="39" />
        Auf diesem Wege — durch die Schaffung der Unabhängigkeits-Volksfront
 — wird es möglich, dass die Millionen des Volkes die Durchführung
 der Politik von Partei und Regierung, der Beschlüsse des Parteitages
 immer energischer in die Hände nehmen.
Wenn die Millionen einheitlich, begeistert und organisiert für die
Durchführung der Beschlüsse des Parteitages kämpfen, wenn die kommunistischen
 und nichtkommunistischen Leiter sich beherzt auf die Initiative
 des Volkes stützen, wenn sie unzerreissbar mit unserem Volke
verbunden sind, dann wird unser Vaterland in schnellerem Tempo auf
dem Wege des Aufschwunges, des Wohlstandes vorwärtsschreiten.
Der III. Parteitag der Partei der Ungarischen Werktätigen war der
Parteitag einer weiteren Hebung des Volkswohlstandes, des Aufschwunges
der Landwirtschaft, des Aufbaus des Sozialismus. Der Parteitag hat das
Banner der nationalen Einheit hochgehalten. Er hat den Weg gezeigt zur
Zusammenfassung aller sozialistischen, demokratischen, patriotischen
Volkskräfte im Rahmen der Ungarischen Unabhängigkeits-Volksfront.
Gestützt auf unser Volk, mit der brüderlichen Unterstützung der mächtigen
 sozialistischen Sowjetunion, mit Hilfe der anderen Länder der Volksdemokratie
 führen wir die historisch bedeutsamen Beschlüsse des III.
Parteitages unserer Partei, den Aufbau des Sozialismus in unserem Vaterlande
 zum Siege.
Im Namen des Zentralkomitees der Partei der Ungarischen Werktätigen
 nehme ich den unterbreiteten Staatsvoranschlag für das Jahr
1954 an.

38
        <pb n="40" />
        DISKUSSIONSBEITRAG DES ERSTEN STELLVERTRETERS
DES MINISTERS DES INNERN GENERALLEUTNANT
LÄSZLÖ PIROS*

Das Regierungsprogramm hat als überaus wichtige Aufgabe die Festigung
 der in der Verfassung niedergelegten Rechtsordnung und Gesetzlichkeit,
 die Abschaffung jeder unbegründeten Behelligung der Bevölkerung
 und den Kampf gegen übertriebene administrative Massnahmen
bezeichnet. Die Leiter und Angestellten unserer staatlichen Organe sind
in der Praxis immer mehr von der sozialistischen Gesetzlichkeit durchdrungen,
 die sozialistische Gesetzlichkeit wird allmählich zur festen Grundlage
 ihrer Tätigkeit. Die Festigung der Gesetzlichkeit hat das Verantwortungsgefühl
 der Leiter und der Angestellten unserer staatlichen Organe,
so auch des Innenministeriums, bei ihrer Arbeit gesteigert und hat also
zur Hebung der Qualität und des Niveaus der Arbeit beigetragen. Die
Festigung der Gesetzlichkeit hat das Sicherheitsgefühl der Staatsbürger
erhöht und förderte, bzw. fördert zugleich den Erfolg des gegen den Feind
geführten Kampfes,
Die Festigung und Entwicklung der Gesetzlichkeit hat zwei Seiten.
Es handelt sich nicht nur darum, dass das Innenministerium und seine
Organe sowie jedes andere staatliche Organ die Vorschriften des Gesetzes
einhalten, sondern auch darum, dass wir sie einhalten lassen und niemandem
 gestatten, die Gesetze unserer Volksdemokratie zu verletzen. Wir
müssen die rechtschaffenen und wohlgesinnten Menschen erziehen, unterweisen
 und ihnen helfen, unsere Gesetze zu kennen, die Regierungsbeschlüsse
 und Verordnungen einzuhalten. Hier muss das Mittel der
Überzeugung, der Geduld, der Aufklärungsarbeit angewendet werden.
Aber nicht am Platze ist die Geduld und hauptsächlich nicht am Platze
sind der Liberalismus und der Mangel an Wachsamkeit den Feinden
unseres Volkes gegenüber, die bewusst und in heimtückischer Weise
versuchen, unsere Gesetze zu umgehen, zu übertreten, die versuchen,
unserem Staate Schaden zuzufügen, die Durchführung der grossartigen
Zielsetzungen des Regierungsprogramms aufzuhalten und zu verhindern,

* Anfang Juli wurde Lä4szl6 Piros vom Präsidialrat der Ungarischen Volksrepublik
zum Minister des Innern gewählt.

2
        <pb n="41" />
        und die friedliche schöpferische Arbeit unseres fleissigen Volkes. zu
stören.
Fest gestützt auf die Gesetze unseres Staates, verteidigen und wahren
wir in gesteigertem Masse die Interessen unseres Volkes, die Sicherheit
 der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion gegen den
Feind jeden Standes und Ranges.
Die Staatsschutz- und Polizeiorgane des Innenministeriums führen
einen erfolgreichen Kampf gegen die Agenten der ausländischen Imperialisten
 und gegen die feindlichen Elemente und Kräfte der inneren Reaktion.
 Unsere Staatsgrenzen bedeuten ein immer undurchdringlicheres
Hindernis für die Agenten der Imperialisten, die, ob sie nun wollen oder
nicht, lernen müssen, dass unsere Staatsgrenzen heilig und unverletzbar
sind. Gleichzeitig sperrt unsere Regierung nicht die Tore vor Ausländern,
die in ehrlicher Absicht in das Land einreisen, die das Leben und die Arbeit
unseres Volkes und unsere Ergebnisse kennenlernen wollen.
Die hochbedeutsamen Beschlüsse von Partei und Regierung haben
dem Innenministerium und seinen Organen den gesteigerten Schutz der
öffentlichen Sicherheit und öffentlichen Ordnung, des gesellschaftlichen
Eigentums, des Vermögens und der Sicherheit der Staatsbürger zu einer
wichtigen Aufgabe gemacht. Die Durchführung und Sicherung dieser
Aufgaben obliegt vor allem unserer Polizei. Unsere Polizei hat bei der
Durchführung dieser ehrenden Aufgabe in der letzten Zeit bedeutende
Ergebnisse erzielt. In den Monaten, die unmittelbar der Verwirklichung
einer umfassenden Amnestie und der Einstellung des polizeilichen Gewahrsams
 folgten, war auf dem Gebiete der öffentlichen Ordnung, der
öffentlichen Sicherheit eine gewisse Lockerung wahrzunehmen. Aber
diese Lage hat sich dank entsprechenden Massnahmen geändert, die
öffentliche Sicherheit, die persönliche Sicherheit hat sich bedeutend
gebessert.
Auch auf dem Gebiete des Schutzes des gesellschaftlichen Eigentums
 sind Ergebnisse zu verzeichnen. Mit der hier eingetretenen Besserung
 können wir aber noch lange nicht zufrieden sein. Der gesteigerte
Schutz des gesellschaftlichen Eigentums erfordert neben einer Verbesserung
 der diesbezüglichen Arbeit der Polizei, dass unsere Wirtschaftsleiter
dieser wichtigen Frage eine grössere Aufmerksamkeit zuwenden.
Auch bei der Arbeit unserer Feuerwehrorgane ist eine Entwicklung
festzustellen. Im Jahre 1953 hat sich die Zahl der Brände im Vergleich
zum Jahre 1952 bedeutend verringert, ebenso der Betrag der Brandschäden.
Unsere Feuerwehrorgane haben die Aufgabe, zur Vorbeugung noch
energischere und erfolgreichere Massnahmen zu treffen. Besonders
wichtig ist es, sich jetzt für den Feuerschutz der landwirtschaftlichen
Sommerarbeiten vorzubereiten, damit auch nicht ein einziges Getreide-40
        <pb n="42" />
        korn einem Brand zu Opfer falle. Darin harrt neben unserer Feuerwehr
auch der zuständigen Wirtschaftsleiter eine ernsthafte Aufgabe.
Das Innenministerium betrachtet es als eine wichtige Aufgabe, neben
einer weiteren Verbesserung der inneren Arbeit unserer Polizei den Kontakt
 zwischen der Polizei und dem werktätigen Volk, eine der grundlegendsten
 Quellen für den Erfolg der Polizeiarbeit, noch enger zu knüpfen.
Nach der Veröffentlichung des Regierungsprogramms und der Promulgierung
 der Gesetzesverordnung I vom Jahre 1954 wird die Zahl jener
Werktätigen, die an das Innenministerium und dessen Organe schriftliche
oder mündliche Mitteilungen und Beschwerden richten, immer grösser.
Ferner steigt die Zahl der Mitteilungen, in denen die Werktätigen die
Aufmerksamkeit auf gewisse Mängel auf irgendeinem Gebiete des Staatsapparats,
 unter anderem auch auf die beim Innenministerium und seinen
Organen vorkommenden Fehler und Mängel lenken.
Auf Grund von Mitteilungen der Werktätigen haben Organe des
Innenministeriums in mehr als einem Falle feindliche Elemente unschädlich
 gemacht und verschiedene Strafhandlungen verhütet.
Es zeugt von tiefer Vaterlandsliebe, dass in vielen Fällen Grenzbewohner,
 einfache Arbeiter, Bauern, Männer und Frauen, Alt und Jung,
im Verein mit unserer Grenzwache dieser behilflich sind, gefährliche
imperialistische Agenten, mehr als einmal bewaffnete Individuen, die
die Grenze verletzen, unschädlich zu machen.
Generalleutnant Piros betonte schliesslich, dass das Innenministerium
 es als eine wichtige Aufgabe betrachte, auch weiterhin mit den ihm
zur Verfügung gestellten materiellen und Geldmitteln sparsam zu wirtschaften.


4 3
        <pb n="43" />
        DISKUSSIONSBEITRAG DES JOURNALISTEN
KOSSUTHPREISTRÄGER GYÖRGY PARRAGI

Ich muss vor allem auf die folgende Tatsache hinweisen: der Etat
des Aussenportefeuilles ist ein konkreter Beweis dafür, dass die unabhängige
 Ungarische Volksrepublik eine unabhängige, selbständige, aktive
Aussenpolitik hat.
In vielen Jahrhunderten ist die selbständige, unabhängige, nationale
Aussenpolitik des ungarischen Volkes verkümmert und verlorengegangen.
Ein herabfallender Meteor am Himmel dieser düsteren, finsteren Jahrhunderte
 war die selbständige, mutige, dem Interesse der Nation dienende
Aussenpolitik, die von Istvän Bocskay, Gäbor Bethlen, Ferenc Räkö6czi und
Laios Kossuth vertreten wurde.
Heute lenken die Söhne des ungarischen Volkes die Aussenpolitik,
Söhne, die dem Volke entsprossen und mit dem Volke verschmolzen sind,
die den Willen, die Gefühle, den Freiheitsdrang und den Friedenswillen
des ungarischen Volkes vertreten.
Die ungarische Aussenpolitik betrachtet es als ihre wichtigste Aufgabe,
 in aktiver Weise zur Milderung der internationalen Spannung, zum
Triumph des Verhandlungsgeistes, zur Verteidigung des Friedens beizutragen.
 Diese Aufgabe wird ihr durch den leidenschaftlichen Friedenswillen
 unseres Volkes vorgeschrieben. Hierzu verpflichtet sie aber auch
die historische Tatsache, dass der Weltfriedensrat sich vor einem Jahre
in Budapest an jeden rechtschaffenen Menschen ohne Rücksicht auf
Nationalität, Parteizugehörigkeit und Konfession mit einer Botschaft
der Hoffnung gewandt hat: die Völker mögen von ihren Regierungen
fordern, dass diese verhandeln und sich einigen sollen.
Die Kraft der ungarischen Aussenpolitik hat zwei unerschöpfliche
Quellen. Die eine ist die, dass die ungarische Aussenpolitik der Ausdruck
des Friedenswillens des ungarischen Volkes ist. Die zweite Kraftquelle
aber ist unsere Zugehörigkeit zu dem von der Sowjetunion geführten
mächtigen Friedenslager, dessen moralische und physische Macht von
der Sowjetunion verkörpert wird.
Wir haben unsere kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zur
Sowijetunion, zur Volksrepublik China, zur Deutschen Demokratischen

472
        <pb n="44" />
        Republik weiter vertieft, Wir leben mit den volksdemokratischen Republiken
 in einem äusserst harmonischen, freundschaftlichen Verhältnis,
das scharf von der Politik der Habsburger-Monarchie und später von
der Losung „Divide et impera” der westlichen Imperialisten nach dem
ersten Weltkriege abweicht. Diese Politik strebte ständig danach, die
im Donautal lebenden Nationen, die nicht nur wirtschaftlich aufeinander
angewiesen sind, sondern auch kulturell einander ergänzen, gegeneinander
zu hetzen.
Wir freuen uns auch darüber, dass das Verhältnis zwischen unseren
beiden Nachbarn Jugoslawien und Österreich einerseits und Ungarn
andererseits sich immer mehr normalisiert. Die Spannung an unseren
Grenzen hat sich wesentlich gemildert, was am besten dadurch bewiesen
wird, dass die Zahl der Grenzverletzungen und Grenzzwischenfälle stark
abgenommen hat.
Unser Friedensgedanke und unser Friedenswille ist keine passive
Phantasie, kein Bauen von Luftschlössern, sondern äussert sich in unseren
Handlungen, in unserer Entschlossenheit. Wir lieben den Frieden, wir
lieben ihn sogar sehr. Ist doch unser Vaterland so schön, so gross und
heroisch die Arbeit, die das ungarische Volk nach .den Verheerungen
von zwei furchtbaren Weltkriegen leistet — in der Tiefe des Schachtes
und in den Betrieben, in den Fabriken, auf den Feldern und in den wissenschaftlichen
 Instituten gleichermassen.
Aber auf jede Angriffsbewegung dessen, der an unsere friedliche
Aufbauarbeit, an die Unabhängigkeit unseres ungarischen Vaterlandes
zu rühren wagt, würde jeder Ungar so antworten, als ob jemand an sein
Augenlicht, an sein Kind, an seinen Enkel zu rühren wagte.
Geehrte Nationalversammlung ! Die ungarische Aussenpolitik vertritt
 den Geist friedlicher Verhandlungen. Sie kann aber niemals mit
denjenigen feilschen, die ausserhalb oder innerhalb unserer Grenzen
einen Anschlag auf den äusseren und inneren Frieden des ungarischen
Volkes organisieren. Wir haben die Lehre von Lajos Kossuth gelernt:
„Der Friede der Schwachen ist der Gnadenstoss, der Starke trägt die
Sicherung des Friedens in sich.”

43
        <pb n="45" />
        DISKUSSIONSBEITRAG DES OBERARZTES DR. ZOLTÄAN BENE

Unsere Gesundheitspolitik fördert den Aufbau des Sozialismus durch
umfassende Krankheitsvorbeugung, durch eine erhöhte Qualität der Hei-Jung,
 die Bekämpfung der Schäden der Umgebung, durch die Schaffung
eines engen Kontakts zwischen Wissenschaft und Praxis.
Auf dem Gebiete der ärztlichen Wissenschaft haben wir bereits
bisher ernsthafte Ergebnisse erzielt. Es genüge hier, mich auf die grosse
Zahl erfolgreicher Herzoperationen sowie auf die bei gehirn- und nervenchirurgischen
 Forschungen, bei der Lungenheilkunde, der Kinderheilkunde,
 der Arzneimittelforschung und bei den kombinierten Schutzimpfungen
 erzielten beachtenswerten Erfolge zu berufen,
Der Etat des Ministeriums für Gesundheitswesen für das Jahr 1954
schafft die Grundlage dafür, dass wir die sanitäre Versorgung des werktätigen
 Volkes weiterentwickeln. Zur Erweiterung des vorhandenen
Gesundheitsnetzes sieht das Budget des Jahres 1954 um etwa 100 Prozent
mehr vor als im vergangenen Jahre. Das ermöglicht eine Verbesserung
des Niveaus unserer Gesundheitsinstitutionen.
Bei der Verhandlung des Staatshaushaltes des Jahres 1954 müssen wir
auch die vorhandenen Mängel erwähnen. Der hauptsächlichste Fehler
— und darauf möchte ich hier vor der Nationalversammlung entschieden
hinweisen — ist die Tatsache, dass die Entwicklung des Gesundheitswesens
 mit der schnellen Entwicklung unserer Volkswirtschaft, hauptsächlich
 unserer Industrie, nicht Schritt gehalten hat. Sie hat die rapide
Zunahme der Zahl der Sozialversicherten nicht in Betracht gezogen,
die sich im Vergleich zum Jahre 1938 nahezu verdreifacht hat. Überdies
 haben sich auch die Ansprüche der Werktätigen an das Gesundheitswesen
 bedeutsam gesteigert. Viele Fehler sind auch in der Planung des
Gesundheitswesens wahrzunehmen.
Dr. Zoltän Bene wies im weiteren darauf hin, dass parallel mit der
grossangelegten Förderung der Landwirtschaft die Verbesserung der
gesundheitlichen Versorgung der landwirtschaftlichen Werktätigen, die
allmähliche Liquidierung der vom gesundheitlichen Gesichtspunkte aus
bestehenden wesentlichen Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie
der Missverhältnisse einer Lösung harren.

14
        <pb n="46" />
        Auch das Budget des Jahres 1954 ist ein Beweis dafür, dass unsere
Regierung ihre Kraftanspannungen im Interesse einer besseren sanitären
Versorgung der Erbauer des Sozialismus, unserer Arbeiterklasse, unserer
Bauernschaft, unserer Geistesschaffenden, der ganzen werktätigen Bevölkerung
 unseres Vaterlandes steigert.
Schliesslich stellte Dr. Zoltän Bene den Antrag, dass die Nationalversammlung
 beim Titel „Kindererholung”” des Budgetabschnittes „Erholung”
 eine Ausgabe von weiteren fünf Millionen Forint votieren
möge.

45
        <pb n="47" />
        DISKUSSIONSBEITRAG DES SCHAUSPIELERS
KOSSUTHPREISTRÄGER FERENC LADÄNYI

Die allerwichtigsten Zentren des massenkulturellen Lebens sind die
Kulturheime, für deren Entwicklung das Budget um 11 800 000 Forint
mehr vorsieht als im Jahre 1953. Wir bestreben, dass unsere Kulturheime,
vor allem für die werktätige Bauernschaft, zu einem zweiten Heim werden,
wo sie in freundlichem, kultiviertem Milieu sich bilden und zerstreuen
können, wo ihre ideell-politische Erziehung gewährleistet wird und sich
die ihnen angeborene künstlerische Schaffenskraft frei entfalten kann.
Im Budget der Ortsräte verwenden wir für Volksbildungszwecke
nahezu das Doppelte als im Vorjahre. Ein bedeutender Betrag sichert die
Unterstützung der Kulturgruppen durch besseres Programmaterial, durch
Musikinstrumente, Tanzkostüme und nicht zuletzt durch Fachleute, die
ihre Entwicklung in die richtigen Bahnen lenken. Diese Beträge verfolgen
das Ziel, dass unser Volk die Kultur nicht nur geniessen, sondern an ihr
auch aktiv teilnehmen soll.
Im staatlichen Bibliotheksnetz ist die Belletristik, besonders die Jugendliteratur,
 stärker vertreten. Bis Ende 1953 haben sich die Leserzahl um
fast 50 Prozent und die Zahl der entlehnten Bücher um über 70 Prozent
erhöht. Dies beweist, dass das Interesse für die Bibliotheken sprunghaft
gestiegen ist,
Ansehnliche Entwicklung zeigt sich auch auf dem Gebiete der popu-Järwissenschaftlichen
 Arbeit, besonders seit dem sich unsere Wissenschaftler,
 Künstler, Schriftsteller und Pädagogen im Rahmen der Populärwissenschaftlichen
 Gesellschaft für Sozial- und Naturwissenschaften in
Stadt und Land und den Betrieben immer aktiver in diese Arbeit einschalten.
 Dieser Tatsache ist es zu verdanken, dass die Zahl der Interessenten
 und Teilnehmer ständig zunimmt. Unsere Aufgabe besteht nun
darin, die Bibliotheken in noch breiterem Sinne zu aktiven Zentren der
populärwissenschaftlichen Belehrung zu entwickeln, sie den Leseransprüchen
 entsprechend zu ergänzen (hauptsächlich aber auf dem Gebiete
der Belletristik sowie der Jugendliteratur), die hervorragendsten Geistesschaffenden
 zur populärwissenschaftlichen Arbeit heranzuziehen und
unsere Museen durch Ausstellungen, die auf wissenschaftlichen Forschun-16
        <pb n="48" />
        gen hohen Niveaus fussen, zu wahren Schulen der weltanschaulichen
Erziehung unserer Werktätigen zu machen.
Bedeutende Ergebnisse haben wir im vergangenen Jahr, besonders
in dem der Veröffentlichung des Regierungsprogramms folgenden Zeitabschnitt,
 auch auf dem Gebiete der verschiedenen Kunstarten erzielt.
Die Besucherzahl der Theatervorstellungen hat sich erhöht; so hatten z. B.
die Theater Budapests im ersten Quartal 1954 um 44 000 Besucher mehr
als in der Vergleichszeit des Vorjahres. In der Provinz besuchten um ı 3 000
mehr Leute das Theater als im Vorjahre, obwohl des rauhen Winteris
wegen etwa 100 Vorstellungen abgesagt werden mussten. In der Spielzet
1953/54 brachten unsere Theater 20 neue ungarische Stücke zur Aufführung.
 Das übertrifft weit die Zahl der ungarischen Erstaufführungen
der vorangegangenen Jahre. Eine erfreuliche Tatsache ist ferner, dass auf
unseren Bühnen die Stücke jener Schriftsteller, die die Träger der fortschrittlichen
 Traditionen in der Vergangenheit waren, wiederaufgefrischt
werden.
Wir haben nun die Aufgabe, jene schöpferische Arbeit, die so lebendig
eingesetzt hat und die unsere Schriftsteller im Verein mit den Theaterkollektiven
 und mit Hilfe des Ministeriums im Interesse des neuen ungarischen
 Dramas enfalten, nach besten Kräften weiter zu festigen. Die „Woche
des Ungarischen Dramas”, die in Kürze anläuft, wird gewiss zur interessanten
 Heerschau der dramatischen Schöpfungen des Jahres werden. Auch
die der Festwoche folgende Diskussion — wobei die wichtigsten Fragen
des ungarischen Dramas sowie der nationalen Schauspielkunst erörtert
werden — wird unbedingt die Entwicklung widerspiegeln und fördern,
die wir in dieser Richtung eingeschlagen haben.
Im Zusammenhang mit den gesteigerten Zerstreuungsansprüchen
unseres werktätigen Volkes haben wir hauptsächlich auf dem Gebiete Programme
 „Buntes Allerlei” sowie gegen den im musikalischen Programm
der Gaststättenbetriebe üppig wuchernden Kulturschund den Kampf aufgenommen.
 Doch die administrativen Massnahmen des Volksbildungsministeriums
 reichen nicht hin. Es ist auch notwendig, dass sich die Schriftsteller
 und Musiker zusammentun, dass unsere Vortragskünstler dieses
Bessere mit Hingabe interpretieren und schliesslich, dass das Publikum
selbst das Bessere beansprucht und den Schund ablehnt.
Mehrere unserer Theater erhalten in der kommenden Saison Kammerbühnen,
 die durch weitere etwa 1200 T’heatervorstellungen den Kulturansprüchen
 der Werktätigen entgegenkommen.
Sehr ansehnlich sind die Ergebnisse auf dem Gebiete des Films.
Die bisherige Produktion betrug 6 bis 7 Filme im Jahr. In diesem Jahr
drehen wir 10 bis 12 grosse Spielfilme und vier Kurzfilme. Unsere Filme
haben auch auf den verschiedenen internationalen Filmfestivals grosse
        <pb n="49" />
        Erfolge errungen. Ihr ideelles und künstlerisches Niveau steigt, die Besucherzahl
 nimmt ständig zu. Wir haben aber auch innerhalb dieser Kunstart
den Schematismus endgültig auszuschalten. Es muss die Zahl der Spielfilme
 weiter erhöht und bei der dramaturgischen Arbeit die Hauptaufmerksamkeit
 auf die aktuellen Themen gerichtet werden, Wir haben für Abwechslung
 in Thematik und Kunstart zu sorgen und nicht zuletzt dafür,
dass unsere veraltete Filmproduktionstechnik neuzeitlich gestaltet werde.
Die Förderung der Landwirtschaft muss auch mit Filmen unterstützt,
sowie besondere Sorgfalt der Herstellung von industriellen und landwirtschaftlichen
 Lehr- und Agitationsfilmen zugewandt werden. .
Die Lichtspieltheater müssen den Räten zur Verwaltung übergeben
werden. Die zu anderen Zwecken verwendeten Kinosäle sollen ihrer ursprünglichen
 Bestimmung zurückgegeben werden. Die Zahl der Premierfilme
 muss erhöht und auf Grund der Anleitungen des Zentralkomitees
unserer Partei die nächsten Aufgaben unserer Filmkunst in Diskussionen
geklärt werden, damit wir auf diesem Gebiete noch erfolgreicher fortschreiten
 können.
Die Beschlüsse von Partei und Regierung lassen auf dem Gebiete der
bildenden Künste immer kräftiger ihre Wirkung fühlen. Die materielle
Unsicherheit unserer bildenden Künstler verschwindet allmählic}». 7
Jahre 1954 stellen wir einzelnen Organen zum Ankauf von Kunstschöpirühgen
 insgesamt 8 Millionen Forint bereit. Auch von den Bauinvestitionen
müssen zwei Prozent zu Investitionen für die bildende Kunst verwendet
werden. Unsere bildenden Künstler arbeiten mit gesteigerter Arbeitslust.
Unsere Tonkunst erfährt im grossen und ganzen eine gesunde, erfolgreiche
 Entwicklung. Eine der wesentlichsten Richtlinien unserer Kulturpolitik
 ist die Ausgestaltung von Kulturzentren in der Provinz und gleichzeitig
 die Schaffung eines eigenen Musiklebens in den Provinzstädten.
Die sogenannte Konzertzentrale wirkt im Interesse der Heranbildung
eines neuen Konzertpublikums und seiner Einführung in die ernsteren
musikalischen Kunstgattungen. Ihre Programmpolitik ist breiter und —
enstsprechend den Ansprüchen der Werktätigen — elastischer geworden.
Um das musikalische Interesse der Jugend zu wecken, werden in den Oberund
 an den Hochschulen Jugendkonzerte veranstaltet.
Eine der entscheidendsten Aufgaben bei der Förderung unserer Tonkunst
 ist die Klärung der prinzipiell-schöpferischen Fragen der leichten
Musik, der Unterhaltungsmusik und der Tanzmusik, das Ausfegen des
Bourgeois-Kulturmistes, der auf diesem Gebiete eingeströmt ist, und im
Interesse dieser Ziele die Gewährleistung der Weiterentwicklung der sinfonischen
 Musik, neuer Opern, Operetten und Konzertstücke.
Eine besonders wichtige Aufgabe auf dem Gebiete des Kunstunterrichts
 bildete der Ausbau des Musikunterrichts der Unterstufe. Im Schul-
        <pb n="50" />
        jahr 1953/54 wurden neun neue Musikschulen organisiert. Es ist ein bedeutsames
 Ergebnis, dass die Musikschulen überall zur Treibkraft des Musiklebens
 in den Städten geworden sind. Das Ministerium für Volksbildung
beantragt nun, dass im kommenden Schuljahr weitere sechs Musikschulen
gegründet werden. Auch die Festigung der Lehr- und Erziehungsarbeit
der Kunsthochschulen ist eine sehr wichtige Aufgabe.
Sodann sprach der Redner über die Entwicklung unseres Buchverlags.
 Wir haben die Verhältniszahl der Werke ungarischer Autoren im
Verlagswesen bedeutend verbessert und, um den Ansprüchen zu genügen,
 die Auflageziffern der Klassiker erhöht. Die Herausgabe einer Serie
„Preiswerte Bücherei” und einer Jökai-Serie ist angelaufen. In grösserer
Zahl erscheinen die erfolgreichen Werke unserer Schriftsteller von heute.
Eine Neuauflage früherer Werke zahlreicher Schriftsteller ist geplant. Die
ersten Bücher der Serie „Russische Meisterwerke” sind bereits erschienen,
und in Kürze beginnt die Serie „Klassiker der Weltliteratur”, Durch eine
Erhöhung der Auflagen sowie die Schaffung preiswerter Serien, hauptsächlich
 auf dem Gebiete der Belletristik, ist es gelungen, die Preise der
Bücher herabzusetzen.
‚Auf diesem Gebiete haben wir folgende Aufgaben: Der Belletristik
wu. fugendliteratur muss mehr Papier zur Verfügung gestellt werden. Wir
beantragen tausend Tonnen pro Jahr, Der Buchverschleiss muss im allgemeinen,
 in erster Linie aber auf dem Lande verbessert werden. Noch in
diesem Jahre werden wir einen Antrag zur Senkung der Bücherpreise
unterbreiten. Die verlässliche, intensive Organisierung unserer Kulturrevolution
 muss fortgesetzt werden. Gleichzeitig haben wir den Künstlern
zu ihrer schöpferischen Arbeit eine noch grössere, prinzipiell feste, aber
taktvolle Hilfe zu gewähren. Aus diesem Grunde müssen wir mit allen Mitteln
 die Freiheit der unserem Volke dienenden schöpferischen Arbeit
stärken. Bei der gedeihlichen Lösung der Schaffensfragen müssen wir den
einzelnen Kunstverbänden eine grössere Verantwortlichkeit sichern. Ihre
positiven Anregungen sind zu unterstützen, damit die Kunstverbände
zu lebendigen, freien Debattenforums, und auf der festen prinzipiellen
Grundlage des sozialistischen Realismus zu Schmiedewerkstätten der nationalen
 Einheit unserer Kultur werden. Mit noch grösseren Schritten müssen
wir auf dem Wege der Demokratisierung unserer Kultur und der Dezentralisierung
 unseres kulturellen Lebens weiterschreiten, um unser Volk mit
immer mehr Kultur von immer höherem Niveau versorgen zu können.
Wir müssen den nationalen Charakter unserer Kultur und den ständigen
Anstieg ihres ideell-künstlerischen Niveaus weiter festigen. Ebenso müssen
wir die konsequente Durchführung der auf Grund der Partei- und Regierungsbeschlüsse
 bestimmten Aufgaben sicherstellen.

1
        <pb n="51" />
        DISKUSSIONSBEITRAG DES MINISTERS FÜR INNEN- UND
AUSSENHANDEL JÖZSEF BOGNAR*

Die Wirtschaftspolitik des neuen Kurses setzte auch für den Aussenhandel
 neue Aufgaben fest. Infolge des Einstellens der übertriebenen
Industrialisierung ist der Importanteil unserer Schwerindustrie an Grundstoffen
 geringer. Um so kraftvoller ist die Einfuhr von Rohstffen für die
Leichtindustrie und von Verbrauchsgütern, die für die Versorgung der
Bevölkerung so wichtig sind. Durch Einfuhr mussten und müssen die
Produktionszwecken dienenden Güter, wie Kunstdüngemittel, Kupfervitriol,
 einzelne Pflanzenschutzmittel sowie die für Pflanzenschutz geeigneten
 kleineren Traktoren, sichergestellt werden — Güter, die für den
Aufschwung der landwirtschaftlichen Produktion, für die Hebung des
Ernteertrages unentbehrlich sind. Zugleich steigerten wir in unserer Ausfuhr
 den Anteil der viel Arbeit beanspruchenden Spezialgüter, in erster
Linie der feinmechanischen und meldetechnischen Waren ; wir erschlossen
der Ausfuhr auch verschiedene neue Warenquellen,
Mit der Sowjetunion und den Ländern der Volksdemokratie schufen
wir in den letzten Jahren teils in langfristigen Aussenhandelsverträgen
festgelegte Wirtschaftsbeziehungen neuen Typs. Die grosse Hilfe und
vielseitige Unterstützung, die wir auf allen Gebieten des staatlichen und
wirtschaftlichen Aufbaus von der Sowjetunion erhielten, wurde zumeist
auf dem Aussenhandelswege verwirklicht. Im Jahre 1954 macht unser
Aussenhandelsverkehr mit der Sowjetunion etwa 30 Prozent unseres gesamten
 Aussenhandelsverkehrs aus. Auch unser Handel mit den anderen
demokratischen Ländern ist in den vergangenen Jahren in erfreulicher
Weise gewachsen. Von den volksdemokratischen Ländern möchte ich
besonders Volkschina hervorheben, mit dem wir vor der Befreiung sozusagen
 gar keine Handelsbeziehungen unterhalten haben, während heute
bereits ein bedeutender Warenaustauschverkehr zwischen den beiden
Ländern besteht. Im Jahre 1954 beträgt unser Export nach China, beziehungsweise
 der Import von China nach unserem Lande etwa 10 Prozent un-*

 Anfang Juli wurde Jözsef Bognär vom Präsidialrat der Ungarischen Volksrepublik
seines Postens als Minister für Innen- und Aussenhandel enthoben und zum Minister für
innenhande} gewählt,
        <pb n="52" />
        seres gesamten Aussenhandelsverkehrs. Mit der Sowjetunion und den
Bruderländern der Volksdemokratie wollen wir in Zukunft noch tiefere
wirtschaftliche und Aussenhandelsbeziehungen schaffen. ;
Neben der Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen zu den demokratischen
 Ländern wünschen wir unsere Aussenhandelsbeziehungen zu den
kapitalistischen Ländern kraftvoll zu entwickeln. Ungarn hatte in den vergangenen
 Jahrzehnten traditionelle Handelsbeziehungen zu zahlreichen
westeuropäischen Ländern, wie Österreich, Deutschland, Italien, der
Schweiz, England oder Schweden, wickelte aber mit fast allen kapitalistischen
 Ländern einen kleineren oder grösseren Verkehr ab. In den letzten
Jahren beschränkten einzelne kapitalistische Länder auf amerikanischen
Druck ihren Verkehr mit der Sowjetunion und den Volksdemokratien,
darunter auch mit Ungarn. Die konsequente Politik der Sowjetunion und
der Länder des Friedenslagers sowie eine gewisse Abnahme der internationalen
 Spannung haben auch auf diesem Gebiete eine bedeutsame
Aenderung heranreifen lassen, und heute gibt es schon in fast jedem kapitalistischen
 Lande solche wirtschaftliche Kreise von besonderem Gewicht,
die in allen Gegenden der Welt mit jedem Lande — ohne Rücksicht auf
dessen inneres System — Handel treiben wollen. Unser Volkswirtschaftsplan
 1954 sieht eine erhebliche Zunahme des. Aussenhandelsverkehrs
mit den kapitalistischen Ländern vor, die sich sowohl auf den Import wie
auf den Export erstreckt. Mit zahlreichen kapitalistischen Ländern wickeln
wir Warenverkehr auf Grund eines Vertragsverhältnisses ab, und treiben
Handel mit etwa 79 Ländern. Unsere Bereitschaft zur Erweiterung des
Handelsverkehrs mit den kapitalistischen Ländern kommt auch in der
Tatsache zum Ausdruck, dass wir mit einzelnen Ländern bereits im Jahre
1953, mit anderen im Jahre 1954 im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen
 Jahre einen bedeutenden Anstieg des Verkehrs erzielten und
erzielen ; so z. B. mit Finnland, Dänemark, Aegypten, Iran, Uruguay, der
Türkei und anderen Ländern. Auch in Zukunft sind wir zu einer Ausweitung
 des Verkehrs und Ausbau von Beziehungen mit den kapitalistischen
 Ländern geneigt, und zwar auf Grund der. Gleichberechtigung
und der gegenseitigen Respektierung beiderseitiger Interessen, von Beziehungen,
 die beiden Teilen.zum Vorteil gereichen.
Wir ‚müssen unseren Exportverpflichtungen in Quantität und entsprechender
 Qualität termingemäss gerecht werden. Weit grössere Sorgfalt
als bisher müssen wir der schönen Ausführung und der gefälligen Verpackung
 der Waren widmen. Unsere Aussenhandelsorganisationen müssen
sowohl beim Kauf wie beim Verkauf viel beweglicher, elastischer sein,
müssen mehr handeln und weniger administrieren. In den nächsten Monaten
 werden wir unsere Aussenhandelsexposituren verstärken. Wir werden
Exposituren in Ländern organisieren, wo wir noch keine haben, und in
        <pb n="53" />
        anschnlicher Zahl Reisende ins Ausland schicken sowie in unser Land
auch weiterhin ausländische Wirtschaftsfachleute einladen, die mit uns
Handel zu treiben wünschen.
Die gewachsenen Aufgaben erfordern nun eine Zweiteilung des Ministeritums
 für Innen- und Aussenhandel, aber die reichen Erfahrungen der
vergangenen Jahre sind vorhanden und werden den Werktätigen beider
Apparate die Arbeit und das Zusammenwirken erleichtern.
Die Wirtschaftspolitik des neuen Kurses hat für einen Anstieg des
inneren Warenumsatzes, für eine Verbreiterung der Warenverkehrsbeziehungen
 zwischen Stadt und Land und für eine ständige Verbesserung der
Versorgung der Bevölkerung günstige Voraussetzungen geschaffen, Im
Jahre 1954 kauft die Bevölkerung im Vergleich zu 1953 um etwa zwanzig
Prozent mehr Waren. Ein derartiger Anstieg der Lebenshaltung und des
Warenumsatzes von einem Jahr zum anderen ist ein entscheidender Beweis
dessen, welch bedeutende Ergebnisse wir im Zuge der Verwirklichung
des Regierungsprogramms erzielt haben. Die Tatsache, dass neben einer
globalen Zunahme des Warenumsatzes um zwanzig Prozent der Umsatz
in Bekleidungsartikeln sich um 37 Prozent, der Umsatz in diversen
Industrieartikeln um 30 Prozent erhöht, ist ein Beweis des wachsenden
Wohlstandes, der steigenden Kaufkraft der Bevölkerung.
Bei den sogenannten haltbaren Verbrauchsgütern, wie z. B. bei Fahrrädern,
 Funkgeräten, Möbeln, Kameras, Einrichtungsgegenständen usw.,
hat sich der Umsatz viel bedeutender erhöht, als die bei den Industrieartikeln
 durchschnittlich der Fall ist. Der Anstieg oder das Absinken des
Umsatzes an haltbaren Verbrauchsgütern ist gleichfalls ein wichtiger
Gradmesser der Gestaltung des Handels sowie der Lebenshaltung der
Bevölkerung. In den kapitalistischen Ländern, wo die Kaufkraft der Bevölkerung,
 der Massen sinkt, ist in erster Linie beim Umsatz der haltbaren
Verbrauchsgütern ein Rückfall zu verzeichnen.
Gestiegen, ja vervielfacht hat sich der Umsatz in den von der werktätigen
 Bauernschaft für Produktionszwecke angekauften Waren, was ein
deutliches Zeichen der Produktionslust der werktätigen Bauernschaft
sowie des Erfolges der zum Aufschwung der Landwirtschaft und innerhalb
dieser der Einzelbauernwirtschaft durchgeführten Massnahmen ist. Schliesslich
 hat die Wirtschaftspolitik des neuen Kurses den Warenverkehr der Bevölkerung
 untereinander, also die Warenverwertung durch die werktätige
Bauernschaft auf dem freien Mark erweitert. Infolge der gesteigerten
Marktbelieferung gestaltet sich auch das Preisniveau auf dem freien Markte
in günstiger Weise. Der durchschnittliche Preisindex der Waren auf dem
freien Markte beträgt im Mai 1954 — im Vergleich zu Mai 1953 — 64,2
Prozent.

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        Die in der letzten Zeit gewährte Eisenbahn-Transportvergünstigung
ermöglicht auch die Einschaltung der entfernteren Produktionsgegenden
in die Versorgung der städtischen Märkte. In ihrer entscheidenden Mehrheit
 ist die Belieferung des freien Marktes mit der Belieferung der Städte
durch die Einzelbauernschaft gleichbedeutend. Gewiss, wir freuen uns
über die Produktionslust der Einzelbauernschaft und werden sie auch
weiterhin fördern, damit es sich ihr lohnt, ihre Erzeugnisse auf die städtischen
 Märkte zu bringen, aber wir würden uns sehr freuen, wenn auch
unsere Produktionsgenossenschaften mit mehr Ware auf den Markt herauskämen
 und wenn auch das von den Bäuerlichen Handelsgenossenschaften
initiierte sogenannte Kommissionssystem grössere Ergebnisse aufweisen
würde.
In den vergangenen Monaten haben wir, um die Versorgung der Bevölkerung
 zu verbessern, an den Privathandel annähernd zehntausend Gewerbescheine
 genehmigt. Seit der Deklarierung des neuen Regierungsprogramms
 haben wir also bei der Versorgung der Bevölkerung ernsthafte
Ergebnisse erzielt, in einzelnen wichtigen Verbrauchsgütern und Waren
zu Produktionszwecken jedoch können wir die Nachfrage der Bevölkerung
noch nicht befriedigen. Die Ursache hierfür müssen wir zum Teil auf dem
Gebiete des Handels suchen.
Der Handel hat sich in den vergangenen Jahren damit begnügt, im
Handelsnetz die von der Industrie hergestellten, der Nachfrage der Bevölkerung
 teils entsprechenden, teils unentsprechenden Waren zu verteilen.
Dabei besteht eine der wichtigsten Aufgaben des Handels eben darin, die
industrielle und landwirtschaftliche Produktion, besonders die Produktion
von Verbrauchsgütern und einzelnen neuen Warensorten, in entscheidender
 Weise zu beeinflussen und durch einen ständigen Kampf um die
Verbesserung der Warenqualität, um eine Vergrösserung der Auswahl
die Industrie zur Erzeugung von mehr, besseren und schöneren Waren
anzuspornen. Die Tatsache, dass in den in entscheidender Weise Investitionsgüter
 produzierenden Betrieben die Herstellung von Verbrauchsgütern
 nicht zufriedenstellend vorwärtsgeht, ist zum Teil eine Folge dessen,
dass der Handel die durch den neuen Kurs bestimmten Aufgaben nicht
rechtzeitig erkannt hat, Ein Fehler, des Handels ist es auch, dass wir auf
Grund der täglichen Erfahrungen der kommerziellen Arbeit und Praxis
bis in die letzte Zeit nicht in Erwägung zogen, dass die Organisation unserer
Verbrauchsindustrie allzu zentralisiert ist, dass wir in den letzten Jahren
zahlreiche für die Verbesserung der Qualität, die Vergrösserung der Auswahl,
 die Befriedigung lokaler Ansprüche wichtige Mittelbetriebe liquidiert
und die Produktion allzusehr auf einer oder einigen Fabriken aufgebaut
haben, was auch im allerbesten Falle zu einer Verengung der Auswahl
geführt hat,

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        Die. kommerzielle Arbeit erfordert in. höherem Masse als‘ bei allen
anderen Volkswirtschaftszweigen grössere Beweglichkeit und Elastizität,
eine schnelle Anpassung an die sich oft ändernden Situationen, das Erkennen
 und die aktive Beeinflussung einer Verlagerung der Nachfrage sowie
einen hohen Grad von Selbständigkeit. Wir demgegenüber haben auch die
Handelsorganisation überzentralisiert, den Leitern der Läden und Unternehmen
 keinen entsprechenden Wirkungskreis gewährt, als deren Folge
eine selbsttätige elastische Arbeit in unserem Fach noch zu den grössten
Seltenheiten gehört. Viele Mängel gibt es auch bei der Warenverteilung,
bei der Festsetzung der auf die einzelnen Komitate und Handelszweige
entfallenden Warenfonds, bei der Erforschung der Nachfrage sowie beim
Kontakt mit der Industrie, Eine unserer Hauptaufgaben besteht darin,
diese Lage zu ändern, denn unser werktätiges Volk erfordert es mit Recht
von uns, dass es für sein ehrlich erworbenes Geld gute Ware erhalte und
höflich, zuvorkommend bedient werde. Zwar haben wir in der letzten Zeit
das Handelsnetz sowohl im Ladenkleinhandel wie im Gastgewerbe kraftvoll
 entwickelt, aber die Zunahme des Verkehrs hat im vergangenen Jahre
die Vergrösserung des Netzes um ein Mehrfaches übertreffen. Besonders
schwierig ist die Lage im Gastgewerbe.
Wir werden in den kommenden Jahren mit aller Kraft bestrebt sein,
das über grosse Traditionen verfügende ungarische Gast- und Konditorgewerbe
 weiter zu stärken und das Netz zu entwickeln, und da es jetzt
hierzu bereits aus eigener Kraft langt, öffneten und öffnen wir in mehreren
Städten des Auslands ungarische Restaurants mit ungarischen Köchen und
ungarischer Volksmusik.
In diesen Tagen wurden im Zusammenhang mit der Programmpolitik
der Unterhaltungsbetriebe zahlreiche berechtigte Kritiken geäussert.
Seither haben wir — im Einvernehmen mit dem Volksbildungsministerium
eine Anzahl Massnahmen getroffen und werden solche auch in Zukunft
treffen, Massnahmen, die im wesentlichen darin bestehen, dass — dem
Publikumsgeschmack und den heimischen Traditionen entsprechend —
in unseren Restaurants und Kaffeehäusern Volksorchester spielen werden,
damit unsere Volksmusik, diesen organischen Bestandteil der ungarischen
Volkstradition, pflegen. Ich bin überzeugt, dass die Aenderung der Programmpolitik
 der Unterhaltungsbetriebe, d. h. die‘ Wiederherstellung der
Ehre und des Ansehens unserer Volksorchester von jedem die ungarischen
Volkstraditionen liebenden Menschen, also sozusagen von unserer ganzen
Bevölkerung mit Freude aufgenommen werden wird.
Unsere wichtigste Aufgabe besteht nun darin, im Geiste des Regierungsprogramms
 die Entwicklungspläne des Handels und der Verbrauchsindustriezweige
 für lange. Jahre auszuarbeiten, die übertriebene Zentralisation
 abzustellen, der Entfaltung der Selbsttätigkeit, des Einfallsreichtums,
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        des Geschmacks und des Talents breite Möglichkeiten zu bieten, die kommerzielle
 Arbeit auf wissenschaftlichere Grundlagen zu stellen, die
guten Traditionen zu pflegen, und das Niveau des Handels zu heben, um
dem sozialistischen Handel die Liebe und Achtung unseres Volkes zu erringen.


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        INHALT

Rechenschaftsbericht des Finanzministers Käroly Olt über den Statshaushaltplan
 für 1954 .U 0.3. un
Diskussionsbeitrag des Mitglieds des Politbüros der Partei der Ungarischen
Werktätigen, Mihäly Farkas . .. 2... 0... 2
Diskussionsbeitrag des Ersten Stellvertreters des Ministers des Innern,
Generalleutnant Läszl6 Piros . .0.0.0.00.0.00.00. 0 7 + + 47 „39
Diskussionsbeitrag des Journalisten Kossuthpreisträger György Parragi . , 42
Diskussionsbeitrag des Oberarztes Dr. Zoltän Bene . . ..... . 44
Diskussionsbeitrag des Schauspielers Kossuthpreisträger Ferenc Ladänyi 46
Diskussionsbeitrag des Ministers für Innen- und Aussenhandel Jözsef
Boenär . .

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