ohne Beunruhigung betrachten manche Engländer das Vordrin—
gen der russischen Herrschaft nach den centralasiatischen Gegenden.
Selbst diese Befürchtung kann indessen zur Befestigung der eng⸗
lischen Regierung gereichen, wenn sich diese bemüht, weniger mit
den Mitteln der Gewalt als durch weise bewirkte Wiederbelebung
einer ins Stocken gerathenen Cultur in Indien ihre Ueberlegen—
heit darzuthun.
In einigen anderen Besitzungen haben sich europäische Be—
völkerungselemente unter englischer Herrschaft in ihrer Eigenthüm—
lichkeit aufrecht zu erhalten vermocht. Auf einigen westindischen
Inseln behaupteten sich spanische Pflanzer im Besitz ihres Grund⸗
eigenthums; in Kanada erhielten die älteren franzöfischen Ansied⸗
ler ihre Sitten und Gebräuche und auch in der Kapeolonie blieb
manches Herkommen der holländischen „Bauern“ bestehen.
Eine dritte und letzte Kategorie englischer Besitzungen trägt
das vollkommen nationale Gepräge rein englischer Pflanzländer.
In ihnen war weder eine alte einheimische Cultur zu schonen,
noch auch der Widerstand historischer Ueberlieferungen zu be—
kämpfen. In diesen Pflanzstaaten, in denen englisches Leben
pulsirt, englische Gewohnheit herrscht und der Baustil englischer
Kirchthürme in Stadt und Land sich wiederholt, galt es nur,
die naturwüchsige Rohheit einer noch vorstaatlichen Bevölkerung
unter die Gesetze und Ansprüche höherer Bildung zu bringen
oder — auszurotten: ein Kampf, der entweder wie in Kanada
und Austvralien als bereits völlig entschieden angesehen werden
kann oder mindestens, wie in Neuseeland oder den afrikanischen
Kafferdistrikten einer zweifellosen Entscheidung entgegengeht. Auf
den unbetheiligten Zuschauer macht es einen fast ironischen Ein—
druck, wenn man wahrnimmt, wie einzelne englische Wohlthätig—
keitsvereine von untergehenden Urbevölkerungen das in ehernem
Schritte herrannahende Schicksal des Unterganges durch die Aus—
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