von Neufundlaund zu behaupten. Aber nichts spricht für die An—
nahme, daß England einer bloßen Drohung weichend, ohne einen
Versuch der Abwehr eine Bevölkerung einfach preisgeben würde,
die gegenwärtig in anhänglicher Treue dem Mutterlande er—
geben ist.
Mag auch der Verlust von Kanada im Falle eines ameri—
kanischen Krieges als unabwendbar gelten, so bleibt es doch frag—
lich, ob die Republik durch den Zuwachs einer aufrichtig monar—
chisch gefinnten Bevölkerung auf die Dauer gewönne. Länugere
Zeit hindurch unzufrieden, sind die britischen Besitzungen in
Nordamerika, nachdem sie eine allen ihren Wünschen entsprechende
Verfassung und die Gewährleistung freiester Selbstverwaltung
empfangen haben, ihrem Stammlande mehr zugethan, als irgend
ein anderes Pflanzland.
Für den Staatsmann ist das Nebeneinanderbestehen dieser
beiden Staatskörper von wesentlich verschiedener Regierungsform
in Nordamerika von hohem Interesse. Seite an Seite berühren
sich auf einer vom atlantischen bis zum stillen Ocean reichenden
Gränzlinie eine in unermeßlichem Aufschwung begriffene, vom
Machtgefühl tief durchdrungene, Republik und eine aus ähnlichen
Bevölkerungstheilen zusammengesetzte Colonie, deren koönigliches
Haupt hunderte von Meilen entfernt ist.
Die politische Denkweise der Kanadier bewegt sich augen—
blicklich in einer den amerikanischen Anschauungen entgegengesetzten
 Richtung. Ihre Verfassung beruht zwar auf denselben Grund⸗
agen der Selbstverwaltung und der Verbündung mehrerer An—
fangs von einander unabhängigen Colonien. Die im britischen
Nordamerika gebildete Conföderation stellt eine Vereinignug dar,
deren Zweck in gemeinschaftlicher Vertheidigung und in gemein—
samer Herstellung großer Verkehrswege besteht. Aber, wie ähu—
lich immer die Verhältnifse in vieler Hinsicht denjenigen der
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