Union sein mögen, das monarchische Gefühl von Kanada ist fast
in demselben Maße gewachsen, in welchem der Republikanismus
in der Union die Zuversicht einer in Amerika gebietenden Stel⸗
lung gewann. Die Nachbarschaft des gewaltigen Staatsweseus,
das gerade seit dem Bürgerkrieg so vielfache Beschwerden gegen
England erhob, hat der Anhänglichkeit der kanadischen Bevölke—
rung an ihr Mutterland keinerlei Abbruch zu thun vermocht.
So sehen wir dicht nebeneinander auf dem amerikanischen Con⸗
tinent zwei Staatsbildungen, die beide auf einer wesentlich demo—
kratischen Gesellschaft ruhen, aber dennoch unter verschiedenen
Staatsformen ihren Entwickelungszielen nachstreben.
Sollte Kanada jemals den ernstlichen Wunsch zu erkennen
geben, sich mit der nordamerikanischen Union zu vereinigen, so
wird England wahrscheinlich nicht versuchen, seine transatlanti—
schen Besitzungen mit dem Schwerdte in der Hand gewaltsam
festzuhalten. Die zuweilen, wenn schon vereinzelt, aus australi—
schen Colonien gehörte Drohung einer Losreißung vom Mutter⸗
lande vermag nicht mehr, das Ohr der Engländer zu erschrecken.
Es ist zu augenscheinlich, daß die Vortheile der gegenseitigen Be—
ziehungen wesentlich auf Seite der Colonien liegen. Denn das
Mutterland ist es, welches die Kosten ihrer äußeren Vertheidi—
gung in der Bestreitung des Aufwandes für Heerwesen und
Flotte fast ausschließlich trägt, ohne seinerseits von den Colonien
mehr zu empfangen, als eine leitende Ehrenstellung. Selbst der
Vortheil eines in den Colonien eröffneten Handelsgebietes würde
durch eine Abtrennung der Colonien kaum wesentlich verringert
werden

Die Regierungsform der von Engländern besiedelten Pflanz—
staaten erscheint als eine im Großen und Ganzen einfache Nach—
bildung des englischen Verfassungsbaues.
An der Spitze der Staatsgeschäfte waltet ein Gouverneur,
nus