Umwandelung in den Beziehungen zwischen England und seinen
Colonien sich vollzogen. In demselben Maße, als mit der Aus—
breitung der Dampferlinien und der Möglichkeit schneller Ver⸗
bindung die Raumverhältnifse weiter Entfernung verkürzt wurden
und die äußere Gelegenheit centralistischer Einwirkung zunahm,
begriff England immer klarer den Werth colonialer Freiheit und
Selbstregierung.
Wie leicht wäre es zu bewerkstelligen, daß mittelst des elec—
trischen Telegraphen alltäglich der Wille der englischen Central—
regierung den amerikanischen Colonisten zur Nachachtung mitge—
theilt würde. Niemand denkt daran, diese mechanischen Kräfte
der Einmischungssucht dienstbar zu machen. Nur für Ostindien
ist der electrische Funke als ein wichtiges Mittel in dem Trieb—
werke der Regierung zu erachten. Denn die Telegraphie ist für
die afiatischen Besitzungen mindestens soviel werth wie die Ver—
doppelung einer Armee. Sie gestattet in Indien selbst beim
Herannahen feindlicher Kräfte die Gegenwehr sofort zu sammeln
oder die auf verschiedenen Stationen zerstreuten Bruchtheile der
Flotte in kürzesten Fristen zusammenzugiehen.
In England selbst ist die centrale Verwaltung der Colo—
nien auf einen außerordentlich geringen Apparat von Regierungs—
mitteln angewiesen. Erst vor hundert Jahren (1768) ward ein
Staatssecretariat für die Colonien eingerichtet. Mit der Durch—
etzung der Unabhängigkeit der nordamerikanischen Colonie ging
diese Stelle 1782 wiederum ein. Während der napoleonischen
Kriege kam die Oberleitung der Colonien aus leicht begreiflichen
Bründen an das 1801 geschaffene Kriegsdepartement. Erst zu
Zeiten des orientalischen Krieges ward das coloniale Departement
wiederum selbstäudig hergestellt. Neben ihm entstand eine beson—
dere Centralstelle für Ostindien, dessen Stellung zur englischen
Krone eine tiefgreifende Umänderung erlitt. Das gesammte Co—
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