wärtig in umgekehrter Richtung darüber klagen, daß ihr Markt
mit billigen Erzeugnissen der englischen Industrie überschwemmt
werde. In den australischen Colonien fehlt es nicht an Aeuße—
rungen einer schutzzöllnerischen Handelspolitik. Man verlangt,
daß die Zufuhren des englischen Marktes einem Schutzzoll unter—
worfen werden, damit eine „nationale Industrie“ in den Colo—
nien erblühen könne. Eine Forderung, die, wenn aus dem feind—
lichen Gegensatze oder dem öconomischen Interessenkampfe ver—
schiedener Staaten entspringend, allenfalls verständlich, hier aber,
innerhalb der nationalen Gemeinschaft selbst von Ansiedlern gegen—
über ihrem Mutterlande erhoben, gleichsam die Errichtung von
Binnenzöllen bewirken würde.
Das Verlaugen nach Schutzzoll in den englischen Colonien
hängt im Grunde mit deren Stellung zur Einwanderungsfrage
zusammen. Während ein Theil der englischen Ansiedler mit
allen moͤglichen Mitteln billigere Arbeitskräfte aus Europa herbei—
zuziehen sucht, geht das Bestreben der arbeitenden Klassen dahin,
die Löhne auf ihrer Höhe durch Fernhaltung fremder Ankömm-—
linge festzuhalten. Eins dieser Mittel der Abwehr gewährt nach
der kurzfichtigen Meinung der Colonisten der Schutzzoll, welcher
die billigeren Artikel des englischen Marktes auszuschließen sucht,
das Leben in den Colonien erheblich vertheuert und die Consu—
menten mit schweren Lasten belegt.
Auch in neuester Zeit führte die Einwanderungsfrage öfters
zu Zwistigkeiten mit dem Mutterlande, dessen Vortheil nicht
immer so verstanden wurde, wie es die Colonisten ihrerseits
wünschten. Die Wegsendung der Verbrecher nach den Colonien
betrachtete man lange Zeit hindurch als ein Recht des dichter bevöl—
kerten Heimathlandes, indem man meinte, die Zerstreuung großer
Verbrecherschaaren auf weite und dünn bevölkerte Landstriche
werde wohlthätig wirken. Zuweilen schien es, als ob man in
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