Heerdenbesitzer auszunutzen. Bei einem günstigen Klima sind
dort die großen Wollproducenten in der Lage, mit einem gerin⸗—
gen Vorrath an Arbeitskräften ihre Stellung zu behaupten und
einen hervorragenden Einfluß auf den Gang der öffentlichen An—
gelegenheiten auszuüben. Dies ist der Grund, weswegen auch
Neu-Seeland von aufmerksamen Reifenden als ein vorwiegend
aristokratisch geartetes Gemeinwesen geschildert wird. In Kanada
wird hingegen dine an Bedeuntung hervorragende Klasse von
Großgrundbesitzern durch Eigenthum an großen Waldftrecken
gebildet, deren Erzeugnisse als Bauholz uͤber den Ocean nach
England ausgeführt werden.
Es liegt in der Natur der Diuge, daß diejenige Schicht der
Bevölkerung, welche wir in Europa die „arbeitende Klasse“ zu
nennen pflegen, bis jetzt in den Colonien nur schwach vertreten
ist. Mit Bestimmtheit läßt sich indessen voraussehen, daß die Zu—
kunft den englischen Colonien jene Erfahrungen nicht ersparen Hird,
welche Europa in der Gegenwart zu verwerthen bemüht ist. Eins
hat sich schon gegenwärtig ergeben, was eine nutzbare Lehre in sich
trägt. Uebermäßig schnell erworbener Reichthum gereicht den
Arbeitern meistentheils zum Unsegen; wofür die Geschichte der
australischen Goldgräbereien reich an beherzigungswerthen Bei⸗
spielen ist. In der Hauptstadt von Victoria stießen die Gegen⸗
sätze einer ausschweifenden Genußsucht glücklicher Goldgräber und
hoffnungsloser Armuth zusammen. Wenige von denen, welche
der Reiz des Goldes nach den Gruben gelockt hatte, fanden das
von ihnen erträumte Glück. Viele würden in einem Kohlen⸗
bergwerk einen ausreichenderen Lebensunterhalt gefunden haben.
Die Meisten übersahen: daß Goldgraben den Erwerb auf das
Zusammentreffen zweier Factoren. anweist, die ihrer Natur nach
sich bekämpfen: auf einen Glückszufall, vermöge dessen es als
Hazardspiel erscheint, und auf angestrengte Arbeit, die sich oft um
1934)