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noch 15 Millionen Acres — bisher bepflanzt sind 360000 ha
— vorhanden, die zum Baumwollenbau geeignet, z. Zt. aber noch
unbebaut sind. Bei der in Agypten sich immer mehr steigernden
Nachfrage nach Landbesitz werden in absehbarer Zeit auch diese
Landstriche besiedelt sein.
Auch in Agypten wiegt der englische Handel wesentlich vor
gegenüber dem der übrigen Nationen, und ich gehe wohl nicht fehl
in der Annahme, daß der Hauptgrund hierfür Englands
politischer Einfluß ist. Denn wohl überall geht mit der Be—
herrschung der politischen Verhältnisse auch eine Beherrschung
des wirtschaftlichen Marktes Hand in Hand. Man vergleiche
einmal, um nur ein Beispiel herauszugreifen, die Handelsstatistik
des „unabhängigen“, in politischer Beziehung Ägypten ähnelnden
Kongostaats. Von der 23,344 282 Fr. betragenden Einfuhr ent⸗
fallen 17,869,869 Fr., von der Ausfuhr von 51,890,520 Fr.
sogar 48,531,949 Fr. auf Belgien.?) Um den weitgehenden
Einfluß Englands auf die Verhältnisse eines Landes, das unter
der Oberherrschaft der Türkei steht und darum als neutraler
Boden den sämtlichen europäischen Nationen gleichmäßig offen
stehen sollte, richtig beurteilen zu können, muß ich — wenigstens
ganz kurz — auf die Geschichte des Landes eingehen.
1517 wurde Agypten türkisch. Die Versuche Napoleons zu
Ende des 18. und der Engländer zu Anfang des 18. Jahr—
hunderts, sich in den Besitz des Landes zu setzen, ebenso die Be—
gründung einer eigenen Dynastie durch Mohammed Ali darf ich
als bekannt voraussetzen.78) 1865 erhielt Ismail Pascha von
der Türkei Titel und Rang eines Khedive oder Vizekönigs, er
hatte nur noch die Verpflichtung, einen jährlichen Tribut von
ungefähr 14 Millionen Mark an die Pforte zu zahlen.so) Die
Eröffnung des Suezkanals machte es für England zur politischen
Notwendigkeit, sich ÄAgyptens zu bemächtigen 81) Erst 1882 bot

78) vgl. Handelsarchiv 190601 S. 1060, Johnston S. 190.
79) vgl. übrigens Johnston S. 21, 119 u. 208 u. Statesman's year⸗
book S. 1248.
80) vgl. Sievers-Hahn S. 585f. u. Statesman's yoarbook S. 1249.
81) vgl. den bei Dehn, Weltw. Neub. S. 178 zitierten Ausspruch
Bismarcks