Agypten, wie es bisher scheint, an Metallen nicht reich; lediglich
Blei und Gold in geringen Mengen wird bisher ausgebeutet.
Irgendwelche nennenswerten Erfolge haben die sämtlichen Minen—
gesellschaften noch nicht zu verzeichnen.s8) Eine eigentliche
Minenindustrie giebt es vorläufig noch nicht, wenn auch tat—
sächlich schon das ganze Wüstengebiet zwischen Nil und rotem
Meere, soweit irgendwie das Vorkommen von Gold oder Edel⸗
steinen vermutet werden kann, vom 29. Breitengrade im Norden
bis zu den Abhängen des abessinischen Hochlandes und der
Gegend von Senaar und Goderef im Sudan und Kordofan im
Westen zu Bergbauzwecken vergeben ist. Aber noch sind diese
Landstriche nicht völlig erforscht, vielmehr sprechen die Spuren
alter Bergwerke für ein ausreichendes Vorkommen von Mineralien
Der Ausbau der Verkehrsstraßen wird auch auf diese Unterneh—
mungen ganz wesentlich fördernd wirken.
Vorläufig ist jedoch Agypten in erfter Linie Agrikulturland,
und für den Ackerbau eröffnen sich mit der Erschließung des
Sudan und der Errichtung der Nilsperren günstige Aussichten
Hier ist es vor allem der Baumwollenbau, der die eingehendste
Berücksichtigung verdient. Was für Südafrika Gold und Dia⸗
manten sind, das ist für Agypten die Baumwolle. Sie ist das
Produkt, das einzig und allein ausschlaggebend für den jeweiligen
Wohlstand des Landes ist.ꝰ0)
So war z. B. das Jahr 1904 nur deshalb im gesamten
wirtschaftlichen Leben so außerordentlich günstig für Aegypten,
weil mit einer großen Baumwollernte ein hober Banmwoll⸗
preis zusammentraf.ↄ)
Dementsprechend erfolgen denn auch die Meliorationen der
Regierung vorzugsweise im Interesse der Baumwollkultur. Die
Aufspeicherung des Wassers in den Reservoirs von Assuan und
Assiut und die Regelung seines Abflusses durch die verschiedenen
Barragen schützen in Zukunft das Land vor der Gefahr des
Wassermangels und geben vor allem der Baumwollkultur eine

89) vgl. Nachrichten f. Hand. u. Ind. 04 Nr. 112 S. 5.
90) vgl. Nachrichten f. Hand. u. Ind. 04 Nr. 112 S. 53. Hand.-Arch.
05 U S. 652, Export 02 Nr. 39 S. 528.
91) vgl. Nachr. f. Hand. u. Ind. oß Nr. 22 S. 3 u. Nr. 18 S. 2.