und nur mit der Konkurrenz des durch die Kürze des Trans—
portes begünstigten Nachbarverkehrs zu rechnen haben. Für die
Finanzen des Staates hätte eine derartige Zolltarifierung dieselbe
Wirkung wie oben bei Südafrika auseinandergesetzt. Die Ver—⸗
teuerung der Konsumtion dürfte hier nicht so groß sein, da der Nach—
barverkehr länger konkurrenzfähig bleiben könnte. Die Möglichkeit
der Gründung einer eigenen Industrie wäre aber definitiv beseitigt.
Also auch hier Vorteil überwiegend nur für das Vereinigte
Königreich, dagegen für Agypten überwiegend Nachteil ohne ent—
sprechendes Entgelt.
3. Mittelafrika.
Das gesamte Britisch-Mittelafrika, bestehend aus West⸗, Ost⸗
und Centralafrika, einschließlich Nordostrhodesia, hat als gemein⸗
sames Charakteristikum die Unmöglichkeit weißer Siedlung, sofern
man wenigstens von den Hochländern in Uganda und Britisch⸗
Centralafrika absieht. Hieraus folgt, daß diese Länder auf ab—
sehbare Zeit nicht geeignet find, Industrie- und Fabrikationsstaaten
in europäischem Sinne zu werden. Ihre Aufgabe ist und wird
auch in Zukunft sein, Plantagenkolonieen zu bleiben, d. h. tro⸗
pische Agrarprodukte, insonderheit Baumwolle, zu erzeugen.*7)
Mit dem Fortschreiten der Kultur wird sich ihre Produktion und
damit auch ihre Aufnahmefähigkeit für europäische Industrie—
produkte steigern. Zu einer eigenen Industrie wird es m. E.
nicht kommen. Das Beispiel von Indien, das auf dem besten
Wege ist, sich in dem bedeutendsten Zweige der Industrie Groß⸗
hritanniens, der Baumwollindustrie, von der Abhängigkeit vom
Mutterlande frei zu machen, ꝰ8) — es betrug z. B. die Zahl der
Spindeln 1895 1899 1908
in Großbritannien 45,400,000 45,500,000 48,000,000
in Indien. 3,800,000 4.700,000 5,000, 000 90),
fie vermehrte sich also im Vereinigten Königreich in den 8 Jahren
um 5,720/0, in Indien dagegen um 31,60/0 — vermag diese Be—

97) Die Karte Nr. 5 des Statesman's yearbook for 1905 zeigt, in
welchem großen Umfange in diesen Gebieten entweder schon Baumwollbau
betrieben oder doch fast überall Anbauversuche unternommen sind, wesentlich
dank der Tätigkeit der 1902 nach deutschem Vorbild gegründeten Cotton
growing association.
98) vgl. Wagner, Agrar- und Industriestaat S. 170.
99) S. Nachr. f. Hand. u. Indust. 04 Nr. 41 S. 3.