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        <title>Britisch-Afrika in dem geplanten Britischen Reichszollverein</title>
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            <forname>Rudolf</forname>
            <surname>Asmis</surname>
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            <idno>193949561X</idno>
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        t.

Britisch-Afrika
in dem geplanten britischen Reichszollverein.

Inaugural-Dissertation

—

Erlangung der philose jischen Doktorwürde

hohen philosophischen Fakultät
der Königlichen Universität Greifswald

oorgelegt

n071

Or. iur. Rudolf Asmis,

Gerichtsassessor.

Greifswald.
Druck von Julius Abel.
1906.
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        Gedruckt mit Genehmigung der philosophischen Fakultät der
Kgl. Universität Greifswald, nachdem der Verfasser am 14. März 1906
das Examen rigorosum bestanden hat.
Dekan: Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Seeck.

Referent: Prof. Dr. Oldenberg.
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        <pb n="4" />
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Statistisches Jahrbuch für das deutsche Reich.
Supan, Alexander, die Bevölkerung der Erde Nr. 12, Amerika, Afrika und
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Wiedenfeld, Chamberlains großenglische Politik in der „deutschen Monatsschrift“
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Zimmermann, Alfred, Weltpolitisches, 2. Aufl. Berlin 1901.
Derselbe, die europäischen Kolonien, Bd. 2 und 3: Die Kolonialpolitik Groß⸗
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        <pb n="5" />
        Inhaltsübersicht.

81. Die Grundzüge des Chamberlainismus.
g2. Übersicht über die britischen Besitzungen in Afrika und die Bedeutung
ihres Außenhandels für das Mutterland.
88. Bedeutung der Verwirklichung der Chamberlainschen Pläne für den
dandel der einzelnen Gebiete mit dem Mutterlande.
1. Südafrika.
2. Agypten.
3. Mittelafrika mit Zanzibar und Pemba.
4. Die afrikanischen Inseln.

84. Bedeutung der Einbeziehung Britisch-Afrikas in den Reichszoll⸗
berein für den Handel Deutschlands und seiner Kolonien.
        <pb n="6" />
        8 1.

Die Grundzüge des Chamberlainismus.
Man hat einmal die Volkswirtschaft eines Industriestaates
im nationalökonomisch technischen Sinne mit einem Gebäude ver—
glichen, dessen zweites industrielles Stockwerk über den landwirt—
schaftlichen Unterbau innerhalb der Landesgrenze hinausragt und
nur noch durch die künstlichen, auf fremden Boden stehenden
Pfeiler des auswärtigen Handels getragen wird. — Nachdem
England sich entschlossen hatte, seine Landwirtschaft der Industrie
zu opfern, ist seine Volkswirtschaft zu einem derartigen Gebäude
geworden. Sie ist wie eine großartige Säulenhalle, deren Decke
in der Mitte nur einige schwache Stützen tragen, während die
Schwere des ganzen Baues auf den auf fremdem Boden stehenden
Pfeilern ruht. Der stolze Bau steht, solange die Außenpfeiler
halten. Nun aber kommt die Konkurrenz und nagt und frißt an
dem Mauerwerk der Säulen, bis eine nach der andern mürbe
wird und zusammenbricht. Die britische Volkswirtschaft beginnt
diesen Vorgang zu empfinden und sie fürchtet für den Augenblick,
wo die wenigen, noch unversehrten Pfeiler die Last nicht mehr
zu tragen vermögen und das ganze große Gewölbe zusammen—
stürzt. Und wenn in unserer Zeit Kaiser- und Kanzlerreden,
wenn Reichstagsverhandlungen und Presseartikel immer wieder
auf die Möglichkeit eines kriegerischen Konfliktes zwischen England
und Deutschland hinweisen, so sind das treibende Motiv für
Großbritannien in erster Linie handelspolitische Rücksichten und
Erwägungen. Großbritannien will die Außenpfeiler vor der zer⸗
setzenden Tätigkeit des Schwammpilzes „Konkurrenz“ — um im
Bilde zu bleiben — schützen und da bieten sich ihm 2 Mittel:
ein radikaleres, das die ganze Brut vernichtet: der Krieg, und
ein Imprägnierungsmittel, das nur das Mauerwerk selbst schützt:
der Schutzzoll. Es ist daher m. E. ganz erklärlich, daß bei einem
        <pb n="7" />
        großen Teil der englischen Bevölkerung der Wunsch laut geworden
ist, man solle einen der gefährlichsten Konkurrenten, den deutschen
Handel, vernichten, bevor er dem englischen gleichgekommen ift
oder gar ihn überflügelt hat und bevor er durch ausreichende
Machtmittel geschützt werden kann. Ebenso verständlich ist es,
daß eine andere starke Partei seit Jahren dahin arbeitet, die
Rivalität des Auslands, speziell Deutschlands und der Vereinigten
Staaten von Amerika, auf dem Weltmarkte ohne militärische
Machtentfaltung auszuschalten:
durch den Zusammenschluß des gesamten britischen Weltreichs
zu einem wirtschaftlichen Ganzen mit starkem Zollschutz nach außen
und möglichster Zollfreiheit im Innern, zu dem besonders von
dem früheren Kolonialminister Joseph Chamberlain mit allen
Mitteln erstrebten „Reichszollverein“.
Allerdings ist erst Anfang Dezember 1905 ein Wechsel in
der britischen Regierung vollzogen. An Stelle des unionistischen
und wenigstens teilweise mit Chamberlain übereinstimmenden))
Ministerpräsidenten A. J. Balfour ist der Führer der Liberalen
— D
Staatssekretär des Außeren ist Sir Edward Grey geworden,
der behauptete, die Ch.'sche?) Zollpolitik werde zum Ruin des
englischen Eigentums und zur Auflösung des Reiches führen.)
Ebenso ist die für den März dieses Jahres geplante Kolonial—
konferenz auf das Jahr 1907 verschoben worden. Aber es fragt
sich noch, ob nicht dieses Kabinett das von Ch. vorhergesagte
Ubergangskabinett sein wird, das nur dazu beitragen wird, die
Verwirklichung der Ch.'schen Pläne zu beschleunigen.) Jedenfalls
ist m. E. aus diesem Regierungswechsel keineswegs auf die
definitive Erledigung der Ch.'schen Pläne und des Chamberlai—
nismus, wie man kurz die Gesamtheit der in ihnen enthaltenen
Probleme genannt hat, zu schließen.
Die Bedeutung dieses Schlagwortes im Einzelnen dar—
zulegen, überschreitet den Rahmen der vorliegenden Arbeit. Diese

1) vgl. Balfour, a. a. O. S. 50f.; Braude S. 125ff. bes. S. 136
Schwab S. 10
A—
8) vgl. Dehn, Weltwirtsch. Neubild. S. 120.
14) vgl. v. Brandt, Zeitfragen S. 367f.; Schwab S. 2 und 112.
        <pb n="8" />
        soll sich nur darauf beschränken, aus der Fülle der auftauchenden
Fragen eine einzige herauszugreifen, indem sie behandeln wird,
welche Rolle Britisch-Afrika in Ch.'s „Reichszollverein“ zukommt
und welche Folgen seine Einbeziehung in diesen „Zollverein“ auf
seine Handelsbeziehungen mit dem Mutterlande, mit Deutschland
und den deutschen Kolonien in Afrika haben kann.
Diese spezielle Behandlung von Britisch⸗Afrika rechtfertigt
sich aus verschiedenen Gründen: Einmal ist Britisch-Afrika in
seiner Gesamtheit in der handelspolitischen Literatur ziemlich
stiefmütterlich behandelt worden, wenigstens im Vergleich zu
Britisch-Nordamerika, Australien und Indien; sodann verdienen
die hritischen Besitzungen in Afrika deshalb ein bes onderes Interesse,
weil sie sich von der nördlichen gemäßigten Zone durch die tropische
bis in die südliche gemäßigte Zone erstrecken, und so in ihrem
Gebiete tropische und außertropische Produktion möglich ist; vor
allem aber auch dadurch, weil ihre unmittelbare Nachbarschaft zu
den größten deutschen Kolonien die Befürchtung nicht unbegründet
erscheinen läßt, gerade ihre Zollumgrenzung könnte die weit—
—E in den Anfängen stehende
wirtschaftliche Leben unserer Kolonien haben. Dazu kommt, daß
wenn auch der Handel mit Afrika zur Zeit nur einen geringen
Prozentsatz des Gesamtaußenhandels von Großbritannien aus⸗
macht,*) dieser Handel wegen seiner Ausdehnungsmöglichkeit und da—
durch an Bedeutung gewinnt, daß Südafrika das reichste Goldland
der Welt, Agypten aber dasjenige Land ist, das allein England von
jeiner völligen Abhängigkeit von Amerika auf dem Baumwollen⸗
markte befreien könnte, wenigstens was die Quantität anbetrifft.6)
Auch für diese Arbeit sind aber die Ch.'schen Pläne der
Ausgangspunkt, und deshalb sollen sie auch in Kürze wieder—
gegeben werden, wenigstens soweit sie sich auf die handels—
politischen Beziehungen zwischen Mutterland und Kolonien beziehen.
Ch. geht von der Voraussetzung aus, daß das britische
Weltreich dank seiner den Erdball umspannenden Ausdehnung in

5) vgl. Handelsberichte Serie J Nr. 142 S. 7 und die weiter unten S. 18
u. 19 gegebene Tabelle.
6) vgl. Samassa S. 129ff.; Handelsberichte Serie IIl Nr. 15 6. 18;
o. Schkopp S. 105ff.; s. auch Handeksarchiv 19051 S. 296 Statistik über
Gold- und Silberproduktion der Welt).
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        10 —

der Lage ist, sämtliche für den wirtschaftlichen Bedarf notwendigen
Erzeugnisse innerhalb seiner Grenzen selbst zu produzieren und
sich dadurch von der Rohstoff- und Lebensmitteleinfuhr der fremden
Länder freizumachen.) Es ist auf dessen Einfuhr nicht angewiesen
und daher auch imstande, ohne für seine eigene Industrie mit
Rücksicht auf eventuelle Gegenmaßregeln fürchten zu müssen, die
weiten Absatzgebiete in den britischen Kolonienen der Industrie
des Vaterlandes vorzubehalten. Aus dieser Erkenntnis heraus
schlägt Ch. folgende Maßnahmen vor: Durch Fabrikatzölle soll
den Konkurrenzländern, besonders den gefährlichsten Rivalen
Deutschland und Amerika, die Einfuhr von Fabrikaten erschwert
werden; eventuell soll die Verwendung dieser Zölle als Rezi—
prozitätszölle ermöglichen, die Schutzzolländer zur Beseitigung ihrer
Zollschranken zu zwingen; anderseits soll durch Zölle auf Lebens—
mittel — nicht jedoch auf Rohstoffe — von denen die Kolonien
befreit wären, diesen eine bevorzugte Absatzgelegenheit für ihre
Agrarprodukte im Mutterlande gewährt werden.s) Innerhalb
des Reiches soll möglichst jede Zollschranke beseitigt und durch
diese Zusammenfassung zu einem einheitlichen Zollgebiet das
britische Weltreich nach und nach zu einem einheitlichen Wirtschafts⸗
gebiet gemacht werden. Hand in Hand geht hiermit der Gedanke
der größeren politischen Festigung des Reichs. Speziell gehen
die Ch.'schen Absichten auf folgende Zollmaßnahmen: 9)
„J. 1. Es soll auf ausländisches Getreide mit Ausnahme
des in den Kolonien nicht erzeugten und die Nahrung der ärmsten
Volksklassen bildenden Maises ein Zoll von 2 sh pro Quarter
(S8 Bushels oder 480 Pfund) gelegt werden, dazu ein ent—
sprechender Zoll auf Mehl.“ — In unsere Maße umgerechnet
würde dies einem Zoll von 80 Pf. für 100 kg 10) gleichkommen.
Der Ch.'sche Zoll ist also noch O,10 Mtk. niedriger wie der Zoll—
satz des deutschen Zolltarifs vom 15. 7. 1879, während vergleichs—
weise nach dem deutschen Zolltarifgesett vom 25. 12. 02 die

7) vgl. Braude S. 17, 2ff.; Schwab S. 6f. u. 773 Dehn weltwirtsch.
Neub. S. 109ff.; Rathgen S.481-488.
8) vgl. Schwab S. 77, 9f. Braude S. aAff. 19.
9 vgl. Ch.'s Rede in Glasgow am 6. Oktober 1908,
Schwab S. 9; vgl. auch Dehn, Weltwirtsch. Neub. S. 118.
10) vgl. Dehn, Weltw. Neub. S. 118.
        <pb n="10" />
        11

Minimalsätze für Roggen auf 5 Mk. und für Weizen und Spelz
auf 5,60 Mk. für 100 Kg festgesetzt worden sind. 11)
„2. Auf Fleisch — ausgenommen den den Ärmsten als
Nahrung dienenden Speck — ein Zoll von 50/0 vom Werte,
3. ein Zoll in gleicher Höhe auf Molkereiprodukte wie Butter,
Käse usw.,
4. auf Wein und Obst ein noch zu bestimmender Zoll, der
zur Herstellung einer Bevorzugung der Kolonien ausreicht.
II. Es sollen Zölle von nicht über 100,, gelegt werden auf
ausländische Industrieerzeugnisse in der Weise, daß der Zoll um
so höher ist, je mehr in der Ware die Verarbeitung des Roh—
materials vorgeschritten erscheint.
III. Es sollen um die Wirkung der neuen Zölle auszugleichen,
im Interesse der arbeitenden Klassen der bestehende Teezoll um ?/,
der Zuckerzoll um 1, und die Zölle auf Kaffee und Kakao in
entsprechendem Umfang ermäßigt werden.“
Zur Beantwortung der Frage nun, inwieweit diese zoll⸗
politischen Maßnahmen den Handel von Britisch-Afrika treffen,
gebe ich zunächst eine Übersicht über die einzelnen Besitzungen
nach Lage, Klima und Bodenbeschaffenheit, nach ihrer politischen
Organisation und den Umfang ihres Außenhandels.

82

übersicht über die britischen Besitzungen in Afrika und die
Bedeutung ihres Außenhandels für das Mutterland—

Die britischen Besitzungen in Afrika erstrecken sich über eine
Fläche von 7,046,880 qkw, 12) d. h. sie sind über doppelt so
groß wie Indien und stellen ungefähr 1,, des gesamten britischen
Kolonialbesitzes dar.i) Nur das französische Kolonialreich in
Afrika ist mit 7,261.667 akm noch umfangreicher: die deutschen

11) vgl. 8 1 des genannten Gesetzes s. Reichsgesetzblatt 1902 S. 803; vgl.
auch Nr. 9 des Zolltarifes vom 15. VII. 1879 s. Reichsgesetzblatt 1879 S. 219.
12) Die Zahlen sind dem kleinen Kolonial-Atlas der deutschen Kolonial—
gesellschaft entnommen, der sie der Colonial Office List für 1904 entlehnt hat.
13) vgl. v. Brandt, Engl. Kol. Pol. u. Kol. Verw. S. 14.
        <pb n="11" />
        12

Kolonieen entsprechen mit ihren 2412,900 qkm ungefähr ! des
—DO jedoch zu den politisch britischen
Ländern das offiziell noch zur Türkei gehörende, wirtschaftlich
aber völlig unter englischem Einfluß stehende und deshalb in
handelspolitischer Beziehung auch als britischer Besitz zu bewer⸗
tende Agyptenia) mit seinen 1,959,000 qkm hinzu, i8) so erhält
man für das wirtschaftlich britische Gebiet den Gesamtwert von
10,005,880 qkm. Großbritannien ist danach, wie als Kolonial⸗
macht überhaupt, so auch in Afrika, was Ausdehnung des Gebietes
anbetrifft, sämtlichen konkurrierenden Ländern überlegen. Seinem
Einflusse unterliegen von den 29,818,964 qkm des Erdteils16)
nehr als /,.

Diese kolossale Fläche erstreckt sich vom Norden des Kontinents
durch alle Breiten bis zum Süden. Ein geschlossener Zusammen—
hang besteht jedoch nicht zwischen sämtlichen Ländern. Es sind
fremde, speziell französische und deutsche, Kolonien dazwischenge—
lagert, sodaß sich nach der Lage 4 bezw. 5 Gruppen der britischen
Besitzungen unterscheiden lassen:
J. Die wichtigste Gruppe ist Britisch-Südafrika, bestehend
aus der Kapkolonie, Basutoland, Betschuanaland-Protektorat, Natal,
Transvaal, Oranjeflußkolonie und Süd-Rhodesia, mit Nord-Rho—
desia und Britisch-Centralafrika, wichtig vor allen Dingen deswegen,
weil in den weiten Gebieten südlich des Sambesi die Ansiedlung
möglich, ja zum Teil schon durchgeführt ist und weil die gesamten
Kolonien einen einheitlichen, zusammenhängenden Länderkomplex
hilden. 1649

II. Die zweite Gruppe, Britisch-Westafrika, umfaßt die
Kolonien Gambia mit dem Gambia-Protektorat, Sierra Leone,
die Goldküstenkolonie, Lagos und Nord- und Südnigerien, sämt—
lich Gebiete, die in der tropischen Zone liegen und sich deshalb

14) vgl. Johnston S. 205ff, Sievers-Hahn S. 585, und Supan
S. 73 u. 79.
15) Hierunter ist der englisch-äghptische Sudan und der zur englischen
Interessensphäre gehörende Teil der lybischen Wüste mitenthalten; der Umfang
des eigentlichen Agypten wird auf 994300 qkm angegeben: s. Sievers-Hahn
S. 585 und 537.
16) vgl. Sievers-Hahn S. 58.
16a) vgal. Zimmermann, Europ. Kol. III S. 139 und Samassa S. 321.
        <pb n="12" />
        für die weiße Besiedlung nicht eignen. Hierzu ist dann der
Vollständigkeit halber noch die Walfischbai hinzuzufügen, der
jedoch ein wirtschaftlicher Wert für Großbritannien kaum beizu—
messen ist.

III. Britisch-Ostafrika umfaßt die unmittelbar dem Fest—
—EDD das Ostafrika⸗
Protektorat, Uganda und das Somaliland.
IV. In die vierte Gruppe gehört Agypten im eigentlichen
Sinne mit der insolge des französisch-englischen Abkommens vom
21. II. 1809 England zugesprochenen Interessensphäre in der
lybischen Wüste und dem englisch-ägyptischen Sudan.7)
V. Als fünfte Gruppe sind schließlich die gewöhnlich zu
Afrika gerechneten, in britischen Besitz befindlichen Inseln zu
erwähnen:
. Ascension, wirtschaftlich ohne nennenswerten Wert, doch
als Flottenstützpunkt von Bedeutung,18)
2. St. Helena,
3. Mauritius mit Diego Garcia usw.,
1. die Seychellen und Amiranten,
53. Sokotra nebst Zubehör, wobei dahingestellt bleiben mag,
ob diese Inseln bereits zu Asien zu rechnen sind.
Diese Gruppierung liegt auch meistenteils der deutschen Statistik
zu Grunde.19) Vorteilhafter für die vorliegende Arbeit ist es jedoch
nit Rücksicht auf die Besiedlungsfähigkeit, auf die Art der Pro—
duktion und die Eigenschaft als Absatzgebiet für europäische Fabrikate
nur 3 Zonen zu unterscheiden:
Britisch-Nord, Mittel- und Südafrika.
Hierbei bietet die Südgrenze des eigentlichen AÄgypten, d. h.
eine durch Wadi-Halfa gedachte Linie, im Norden und der Sam⸗
besi im Süden die Grenzen von Mittelafrika. Danach gehörten
nur das eigentliche Agypten zu Nord-, die vorher unter „IJ“ ge—
nannten Kolonien mit Ausnahme von Nordrhodesia und Britisch—

17) vgl. Sievers-Hahn S. 538, Zimmermann Weltpol. S. 187,
Johnston S. 205 ff.
18) vgl. Statesman's yearbook 1805 S. 192.
19) vgl. z. B. Handelsberichte Serie J Nr. 142 S. 7f. und „Auswärtiger
handel“ Bd. 158 B., Erläuterungen zu den Tabellen S. 7.
        <pb n="13" />
        14

Centralafrika, zu Süd-, diese sowie sämtliche übrigen Besitzungen zu
dem als Industriegebiet nicht in Frage kommenden Mittelafrika.20)
Die klimatischen Verhältnisse mit der dadurch gegebenen Be—
siedlungsmöglichkeit durch Europäer, Hand in Hand mit der ge—
schichtlichen Entwicklung, haben es mit sich gebracht, daß in den
britischen Besitzungen in Afrika sich in politischer Beziehung sämtliche
Formen britischer Kolonialverwaltungssysteme vertreten finden.21)
Es würde zuweit führen, hierauf im einzelnen einzugehen, aber
es ergiebt sich von selbst, daß diejenigen Kolonieen, die einmal über
eine ausreichende weiße Bevölkerung verfügen und ferner am längsten
sich im britischen Besitz befinden, auch die relativ höchste Stufe
kolonialer Entwicklung erreicht haben müssen. Man kann als
Entwicklungsstufen britischen Kolonialbesitzes folgende 8 ansehen:
1. das Protektorat und Chartered Company-Terri—
korium, d. h. ein Gebiet unter der Kontrolle des britischen
Staates oder einer privilegierten Gesellschaft bei Aufrecht⸗
erhaltung des ursprünglichen Verwaltungssystems.
Die Kronkolonie mit einem Gouverneur und einer
absoluten, vom Mutterlande aus geleiteten Verwaltung.
Die Selfgoverment-Kolonie, die im wesentlichen
nur durch gemeinsame Interessen mit dem Mutterlande
berbunden ist, im übrigen aber völlig selbständig und
unter eigener Verantwortung Verwaltung und politische
Beziehungen bestimmt.?2)
Nach den angegebenen Vorbedingungen müßten Capland und
Natal als diejenigen Kolonieen mit ausreichender weißer Bevöl—
kerung, die sich schon erhebliche Zeit im britischen Besitz befinden,
in dieser Entwickelung am weitesten vorgeschritten sein, und in
der Tat sind es auch diese beiden Länder, die schon die letzte
Stufe erreicht haben. Ihnen werden in absehbarer Zeit Trans—
vaal und die Oranjeflußkolonie folgen, sobald nur diese erst die

2

20) vgl. auch Johnston S. 246f.
21) vgl. Colonial Office List S. XXIII.
22) vgl. zur Aufstellung dieser 8 Entwicklungsstufen: Zimmermann,
Europ. Kol. II. 885: „der gegenwärtig leitende Gedanke aller britischen
Kolonialpolitit, die überseeischen Besitzungen durchweg zu sich selbst regierenden,
nach ihren Bedürfnissen handelnden Staatswesen heranzubilden, usw.“ Vgl. auch
Samassa S. 844: „Die Bewegung nach Selbstverwaltung ist gar nicht auf—
zuhalten.“
        <pb n="14" />
        —14

Nachwehen des Krieges überwunden haben und als gesicherter
englischer Besitz gelten können. Transvaal hat schon den ersten
Schritt getan, indem es im Jahre 1908 ein repräsentative Ver—
faffung erhalten hat, „ein Mittelding zwischen der absoluten Ver—
waltung einer Kronkolonie und der Selbstverwaltung“.?) Doch
noch sind die früheren Burenstaaten Kronkolonien, ebenso wie es
augenblicklich gleichfalls sind: Gambia, Sierra Leone, die Gold—
küfte, Lagos, St. Helena, die Seychellen und Mauritius mit den
Nachbarinseln.?) Die übrigen Besitzungen befinden sich sämtlich
noch auf der untersten Entwicklungsstufe, wenn auch hinsichtlich der
Ausübung der britischen Kontrolle gewisse Verschiedenheiten bestehen.
Eine besondere Stellung nimmt die Insel Ascension ein: Sie
ist, wie erwähnt, lediglich Flottenstützpunkt und untersteht direkt
der Admiralität.?6)
Agypten ist, wie gleichfalls bereits hervorgehoben, noch türkisch,
dürfte sich aber auch der für die unterste Klasse gegebenen Verwal—
tungsform nähern und den vorhin skizzierten Entwickungsgang
durchlaufen. Die sämtlichen, in Mittelafrika liegenden Besitzungen
werden mit Erreichung der 2. Stufe ihren Höhepunkt in der Ent—
wicklung unter britischer Flagge erreicht haben, da in ihnen eine
genügende weiße Bevölkerung auch in Zukunft fehlen wird. —
So verschieden aber auch die Regierungssysteme und die
dadurch gegebene Abhängigkeit vom Mutterlande sein mögen, so
genügt doch ein Blick in die Handelsstatistik dieser Länder, um
eine sämtlichen Besitzungen gemeinsame Eigenschaft sofort in die
Augen fallen zu lassen:
Das starke Vorwiegen des britischen Handels gegen—
über dem Handel der fremden Länder.
Es betrug nämlich im Jahre 1902, dem letzten Jahre, für
das mir eine ausführliche englische Statistik zur Verfügung stand,
der Gesamt-Import uud -Export und der Import und Export
aus bezw. nach dem Vereinigten Königreich der einzelnen britischen
Besitzungen folgende Werte:

23) vgl. Samassa S. 321, 326f., 382.
24) vgl. v. Brandt, Engl. Kol. Pol. u. Kol. Verw. S. 12 und Colonial
Office List S. XXIII.
25) val. Statesman's vearbook 1905 S. 192.
        <pb n="15" />
        Tabelle Nr. J.

Kergleichende Ubersicht des Gesamthandels von Britisch-Afrika und seines Handels mit dem Vereinigten Königreich
im Jahre 1902 (in ).

*
*

*

Länder

Kapland
Basutoland
Natal
Betschuanaland
ransvaal
Dranjeflußkolonie
Mauritius usw.
Zeychellen
St. Helena
Sierra Leone mit Prot.
Bambia
Voldküste

Lagos
Südnigeria
Nordnigeria
Rhodesia und Britisch
Zentralafrika
Somali-Prot., Sokotra,
Zanzibar, Pamba, Ost⸗
Afrika-⸗Prot. u. Uganda

Besamtsumme für die
hritischen Bes. in Afrika
Ägypten rund

Britisch-Afrika

Einfuhr

Besamt

aus dem
Ver. Kön.

j

32109,605
191,019
5,656,052
78,741
8,067 671
2459, 682
461,194
573410
00o,a78
628,935
3083,615
2125.464

20,994 0051 65,8
169,019 88,4
8470,619 54,1
— —
5,818,691 44,5

382,607 22,7
* 31,6
os,go 94,0
485,822 72,9
iss es 4,7
568, 6656 78,1

395,228
246,481
118,689

1.004,958 80,4

2,012.990 125,6971 6.2

2164, 834

310,5271 14.3

39,484, 101) 32,1
15.407,0000 5,665,000 36,7 rund

90076,6558 485, 149, 101 30, 100

Ausfuhr

Gesamthandel

nach dem ⸗
Gesamt Ver. Kön. R. 0

mit dem
Tolal in so

16,881,2791 15,581,477 94,8
258,9277 586,594 21,7
10,527,000 2,4221,072 21,1

48,490,884 36,525,672
449,946 225,618
26, 188,060 10,691,691
78,741
20,499,808
2,744, 885
4,017,207
130,861
102 288
,O29,458
551,755
2,899,650

75,8
50.2
40,8

73481,632
284,708
2,556,118
72,951
1,755
408,518
248,140
74,186

274,628
26,468
1u168
123,272
18,750
389,468

107
35,6
66,6
304
76
44,0

607,288
44,828
—
679, 194
1665, 085
1,898,118

18,1
38,8
93,0
68,9
28,0
65,2

259, 688
254, 696
73,288

320,0571 63.4

2,154, 906
—R
186,947

1,825.015

72,9

34 765

28,.097 80.0

2.047,7551 183. 794 7,8

,546, 408

1,546,403 100,0

3710,737

1,850,930 409,8

48, 109,047
18,768,0001 9.,738,000

48,6
51,8

117,778,600 60,471, 864 51,8
34,175,000 16,280, 000) 47,4

61,1877,047 30,720,458 49,70/0 151, 958,600 75, 869, 884 49,9

i) Soweit keine Zahlen angeführt sind, fehlen diesbezügliche statistische Angaben.
) Summe nach dem Handelsbericht III?o.

Die Tabelle ist zusammengestellt und berechnet nach der vor S. 1 der „Colonial-Offico List for 1904* befindlichen
Generalstatistik, sür Agypten aus den Handelsberichten III Nr. 29 unter Umrechnung der ägyptischen Pfunde in englische. —
Val. aber die teilweise abweichenden Zahlen in dem Statistical Abstraet for the several colonial and other possessions
London 1908 S. 88, 89, 42 -485, 48 u. 49; 379 - 408.
        <pb n="16" />
        18

Die Zahlen dieser Tabelle machen keinen Anspruch auf absolute
Genauigkeit; sie geben aber wenigstens einen gewissen Anhalt.
Die später zu gebende Entwicklung des Handels der einzelnen
Länder wird z. T. wenigstens die vorhandenen Fehler berichtigen.
Eine völlig genaue Statistik läßt sich mit Rücksicht auf die Unzu—
———
nicht geben.
Aus dieser Tabelle geht nun hervor, daß nahezu die Hälfte
des gesamten Außenhandels von Britisch-Afrika durch das Ver—
einigte Königreich besorgt wird. Den Anteil der übrigen britischen
Besitzungen habe ich im einzelnen nicht festzustellen vermocht. Nach
Samassa (S. 341) stammte aber z. B. die Einfuhr Südafrikas
im Jahre 1904 zu 62,50,, aus England und zu 13,90/0 aus
britischen Kölonien. — Die verhältnismäßig sehr niedrigen Ziffern
für Britisch-Ost- und Zentral-Afrika erklären sich durch das Vor—
wiegen des Nachbarverkehrs. Den Gesamthandel des Vereinigten
Königreichs mit Britisch-Afrika im Jahre 1902 wird man mit
gut 13,, Milliarden Mark sicher nicht zu hoch veranschlagen,
wahrlich schon eine ganz beträchtliche Summe, die sich inzwischen
noch vergrößert haben dürfte.
Die folgende Tabelle Nr. 2 mag die Wichtigkeit des afrika—
nischen Marktes für den gesamten britischen Außenhandel erläutern
(siehe S. 21):
Erscheinen nach dieser Tabelle auch die Zahlen für Britisch—
Afrika im Vergleich zu den Ziffern des Gesamtaußenhandels des
Vereinigten Königreichs nur gering, so zeigt sich in den Zahlen,
die das Verhältnis des Handels des Mutterlandes mit Britisch—
Afrika und der Gesamtheit der britischen Besitzungen einschließlich
AÄgypten angeben, die Bedeutung, die Britisch-Afrika unter den
britischen Kolonien als Handelsmarkt, besonders als Absatzmarkt,
zukommt. Obgleich Britisch-Afrika einschließlich Agypten der
Größe nach nur etwas mehr wie 1,, des gesamten britischen
Kolonialbesitzes darstellt, entfällt auf das Gebiet nahezu die Hälfte
der Einfuhr des vereinigten Königreichs in seine Kolonien. Ferner
ist nicht zu vergessen, daß die beiden wichtigsten Länder, Süd—
afrika und Ägypten, erst am Anfang ihrer wirtschaftlichen Ent—
wicklung stehen, und daß die Besitzungen in Mittelafrika, wie
das Beispiel der Goldküste uno Gambias lehrt, eines ganz erheb—
        <pb n="17" />
        19

Tabelle Nr. 2.
überficht über den Außenhandel d. V. K. mit seinen Besitzungen, speziell
mit Britisch-⸗Afrika im Jahre 1902 in 1000 8.

Nr.

4*.

Gebiet

Besamtaußenhandel
Großbritanniens
und Irlands

vesamtaußenhandel
des V. K. mit
seinen sämtlichen
Besitzungen.
Außenhandel des V.
K. mit Agypten

eo zusammen
Besamtaußenhandel
des V. K. mit
den britischen
Besitzungen in
Afrika
26 zusammen
Anteil des Handels
m. britisch-⸗Afrika
einschl. Agyptens
an „a.
Derselbe an „d“.

Import Export
wus dem V. K. nach dem V. K.

570,980

382,871

90,290

87,953

5, 665

9.738

95,955

97,686

39,484

20.987

15. 149

30.720

7,8 ——

8,09 00

47,900

81,60/0

Total

953,851

178,24383

15,398

193,641

60,471

75,869

7,9600

39,100

Bemerkungen

Aus der, Entwicklung
der deutschen See—
interessen“ Bl. 33
unter Umrechnung in
7—; 20 M. * 1*8*.

Aus der Tabelle vor
Bl. 1 der Colonial-Office
 List.

Aus dem Handels—
bericht III2 S. Lunter
Umrechnung der E.
in 2; 19E. — 20,80
M.: — 1.04 v.

Wie zu b.

lichen Aufschwungs fähig sind. Gerade wegen ihrer Entwicklungs⸗
fähigkeit bekommen die afrikanischen Besitzungen für die Ch.'schen
Pläne erhöhten Wert: bieten sie doch auch einer sich steigernden
Produktion des Mutterlandes noch günstige Absatzmärkte.

Bedeutung der Verwirklichung der Ch. schen Pläne für den
Handel der einzelnen Gebiete mit dem Mutterlande.
Fragt man nun weiter, welche Bedeutung die Verwirklichung
der Ch.'schen Pläne für den Handel der einzelnen Gebiete haben
wird, so bieten sich folgende Grundlagen: Einmal hat man den

83.
        <pb n="18" />
        20 —

Umfang des gegenwärtigen Handels festzustellen und seine Ent—
wicklungsfähigkeit unter den augenblicklichen Verhältnissen zu
prüfen; sodann hat man die voraussichtliche Rückwirkuug der be—
abfichtigten Zollmaßnahmen zu untersuchen. Auf die zukünftige
Entwicklung des Handels eines Landes lassen sich Schlüsse ziehen;
einmal aus der bisherigen Entwickung, der Entwicklungsgeschichte,
ferner aus der Bewertung der gesamten wirtschaftlichen Verhält⸗
nisse, seinen geologischen, klimatischen und und ethnologischen
Eigenschaften. Löst man die Gesamtzahlen der Handelsstatistik
in die Beträge für die einzelnen Hauptartikel auf, so gestattet
deren Beschaffenheit einen Rückschluß auf die unmittelbare Wirkung
des Schutzzolls.
Nach dieser Methode sollen nunmehr, soweit möglich, die
einzelnen Gebiete behandelt werden und zwar an erster Stelle
das wichtigste:
1. Südafrika.
Unter Britisch-Südafrika versteht die deutsche amtliche
Terminologie: Die Kapkolonie im engeren Sinne, Basuto—-,
Betschuana-, Nyassac, Sulu- und Tongaland, das Gebiet der
Britisch-Südafrikanischen Gesellschaft — allgemein Rhodesia ge—
nannt —, Natal, Oranjeflußkolonie, Transvaal und Swasiland.26)
Dieser gewaltige Länderkomplex bildet — abgesehen von Nord—
rhodesia — bereits ein einheitliches Zollgebiet. Am 15. August
1908 trat die Customs Union für sämtliche genannten Gebiete
mit Ausnahme von Nordwest- und Nordostrhodesia in Kraft.?7)
Im Jahre 1905 ist auch Nordwestrhodesia unter denselben Be—
dingungen wie Basuto- und Betschuanaland diesem Zollverein
beigetreten.ü) Innerhalb der Grenzen der Customs Union sind
grundsätzlich die Zölle beseitigt. Nur kann jede zum Verein ge⸗
hörige Kolonie oder jedes solche Territorium von Ale oder Bier
sowie von Sprengartikeln und Spirituosen, welche in einem anderen
Zollvereinsgebiet erzeugt oder hergestellt sind, einen bestimmten
Zoll erheben.?) Desgleichen ist es Transvaal allein gestattet,

26) vgl. Bundesratsbeschluß vom 8. 12. 03 im Handelsarchiv 19041 S. 11.
27) vgl. Handesberichte III Nr. 31 S. 2f und Nr. 25 S. 15, vgl. auch
Samassa S. 88f., 322f.
28) vgl. Nachr. f. Hand. u. Ind. 1905 Nr. 106 S. 8.
29) val. art. 17 des Zollvereinigungsvertrages im Hand. Archiv 19081
5. 1378ff.
        <pb n="19" />
        den sämtlichen Produkten aus dem portugiesischen Mozambique
und Britisch-Zentralafrika zollfreie Einfuhr zu gewähren.so) Der
Zolltarif führt im übrigen neben einer Reihe spezifischer Zölle
und einer Anzahl zollfreier Artikel allgemeine Wertzölle von 21/,,
10 und 25040 auf. Zollfrei bleiben insbesondere landwirtschaft—
liche Geräte und Maschinen, sowie diejenigen Gegenstände und
Waren, die hauptsächlich im Farmbetriebe Verwendung finden.
Diejenigen Waren britischer Herkunft aber, die nach dem Tarif
einen Zoll von 21/,040 zahlen müßten, bleiben zollfrei, den briti—
schen Waren der übrigen mit einem Wertzoll belegten Klassen
wird ein Zollnachlaß von 25040 des tarifmäßigen Wertzolls
gewährt.31) —

Für den Handel des ganzen Gebietes hat der südafrikanische
Krieg, der am 15. Oktober 1899 begann und im Frieden zu
Vereeniging am 831. Mai 1902 sein Ende fand, 2) einschneidende
Bedeutung gehabt, ja völlig umgestaltend gewirkt. Er unterbrach
den Handel der Oranjeflußkolonie und Transvaals fast vollständig:
Nach dem Ende Mai 18902 erstatteten Bericht des deutschen
Generalkonsuls in Kapstadt (S. 60) war die Produktion des
früheren Oranjefreistaates zu damaliger Zeit erschöpft, die Trans—
vaals auf den Ertrag der Goldfelder beschränkt. Und wenn auch
Kapland und Natal verhältnismäßig wenig direkt unter den
Kriegswirren zu leiden hatten,s8) ja sogar in den Hafenstädten
und deren nächster Umgebung ein wirtschaftlicher Aufschwung sich
einstellte,“c) so wurden sie doch indirekt erheblich in Mitleidenschaft
gezogen. Die Beendigung des Krieges hatte mit Rücksicht darauf,
daß man ganz allgemein eine rapide wirtschaftliche Entwicklung
des Landes erwartete, eine außerordentliche Uberfüllung des
Marktes zur Folge, „die dadurch noch erhöht wurde, daß die
Militärverwaltung große Mengen von noch vorhandenem Proviant
und anderen Gütern, für die sie infolge des Friedens eine Ver—

30) vgl. art. 22 des genannten Vertrages.
31) vgl. Handelsberichte III Nr. 31 S. 3, Hand. Arch. 19031 S. 1379ff.:
bes. art. 8 des genannten Vertrages.
32) s. Supan S. 1839.
383) vgl. Handelsber. IIIS1 S. 6, s. auch v. Brandt Kol. Pol. S. 42f.
34) vgl. hierzu Samassa S. 72f., s. dort auch die Gründe für diesen
Aufschwung.
        <pb n="20" />
        22

wendung nicht hatte, zu Spottpreisen auf den Markt brachte“.86)
Die Kaufkraft des Landes war aber erschöpft, der erwartete
wirtschaftliche Aufschwungs6) konnte sich nicht so plötzlich voll⸗
ziehen, und die Folge war eine wirtschaftliche Krisis schwerster
Art. Am bezeichnendsten zeigt diese Tatsache die amtliche Konkurs⸗
statistik für die Kapkolonie. Es wurden nämlich an Konkursen
berzeichnet:
für das Jahr 1901 196 Konkurse
18802 1528,
18908 29988,
118804 816,
und im ersten Vierteljahr des Jahres 1905 betrug die Zahl
der Konkurse bereits 355, d. h. noch mehr, wie in den beiden
Jahren 1901 und 1902 zusammen erfolgten.7) Ob im Jahre
1908 nunmehr der Tiefstand erreicht ist, läßt sich mangels ge—
nügenden statistischen Materials nicht sagen.88) —
Es ist selbstverständlich, daß bei derartigen außergewöhnlichen
Verhältnissen von einer gleichmäßigen Entwicklung des wirtschaft—
lichen Lebens, aus der man Schlüsse für die Zukunft ziehen dürfte,
nicht die Rede sein kann. Südafrika ist infolge des Krieges und
seiner Nachwirkungen auch in wirtschaftlicher Beziehung ein völlig
anderes geworden,s) oder richtiger gesagt, es hat aufgehört, das
alte Südafrika, das vor dem Kriege war, zu sein, und ist noch
dabei, sich zu einem neuen, auf völlig andern wirtschaftlichen
Grundlagen ruhenden umzubilden. Man kann daher nur aus
der augenblicklichen Beschaffenheit des Handels und den allge—
meinen volkswirtschaftlichen Verhältnissen die Weiterentwicklung
des Handels folgern. —
Südafrika konsumiert erheblich mehr, als es produziert. Seine
Einfuhr übersteigt die Ausfuhr ganz bedeutend, besonders, wenn

35) vgl. Samassa S. 81; Handelsber. III21 S. 17, s. bes. auch Export
1904 Nr. 34 S. 516 u. Nr. 25 S. 384.
36) vgl. den Auszug aus der „Friedensausgabe“ der British and
South African Export Gazette in d. Ber. f. Hand. u. Ind. Bd. 4 S. 287 ff.; vgl.
auch Exrport 1900 Nr. 47 S. 6835 und 1908 Nr. 50 S. 669.
837) vgl. Handelsberichte IIS1 S. 8; Samassa S. 82, 94.
38) vgl. Berichte f. Hand. u. Ind. Bd. VIII S. 710.
39) val. Samassa S. 4; Handelsber. IIIS1 S. 2.
        <pb n="21" />
        23

man von den Ausfuhrziffern die Werte für die Gold- und die
Diamantenausfuhr abzieht und die Waren ein- und ausfuhr ver—
gleicht. Samassa (S. 282) giebt für das Jahr 1904 die Einfuhr
auf 716, die Ausfuhr auf 487 Millionen Mark an. Genaue Zahlen
stehen mir nur noch für das Jahr 19083 in dem Bericht des General⸗
konsuls in Capstadt (S. Iff.) zur Verfügung. Hiernach betrug die
Gesamteinfuhr Südafrikas einschließlich der Regierungseinfuhr, aber
unter Weglassung der Baargeldverschiffung im Jahre 1903 (über
Kapkolonie, Natal, Delagoabai und Beira)
insgesamt. . . —
die Gesamtausfuhr.
die Einfuhr überwog daher mit

Hiervon betrug die Gesamteinfuhr der Kap—
kolonie im Jahre 1903
die von Natal.
insgesamt. .
die Gesamtausfuhr von Kapland
von Natal (über See)
insgesamt. ..

38,761,881 ,
15,274,006 *
19,035,927 8,
22,302, 282 W,
2446,5866 ,
21948,838 9.

Hiervon wurden ausgeführt aus dem Kap⸗
—
an Gold für
aus Natal an Gold
zusammen

5,472,690 &amp;amp;,
1379,6588 *,
1138,768 ,
—DDVVV—
6,357,722 0,
548,070 ,

Die Ausfuhr an Waren betrug danach nur
und zieht man hiervon noch.
als Wert der aus dem Kapland wieder aus—
geführten Waren ab, so erhält man . . . — 5,809,652 *
als Wert der über Kapland und Natal ausgeführten südafrika—
nischen Erzeugnisse e).

40) Fast die ganze Gold- und Diamantenausfuhr von Transvaal und
die Diamantenausfuhr von den Kimberley- und Oranjeflußkolonie-Minen
geht über Kapstadt. Vgl. Berichte für Hand. u. Ind. Bd. 8 S. 702.
41) Vgl. Handelsber. IIIzu S. 9 und B S. 4.
42) Vgl. Samassa S. 282.
        <pb n="22" />
        24

Die Ausfuhr von afrikanischen Erzeugnissen, abgesehen von
Gold und Diamanten, betrug demnach im Jahre 1903 nur LI So/
der Einfuhr, und mag sich das Verhältnis zwischen Gesamtein⸗
und -ausfuhr in den letzten 2 Jahren auch etwas zu Gunsten der
Ausfuhr verschoben haben,12) so ist dies im wesentlichen doch nur
der größeren Goldausbeute und einem Zurückgehen der Einfuhr⸗
ziffern zuzuschreiben.
An der Einfuhr nach Südafrika über Kapland und Natal
waren beteiligt
Großbritannien mit ... 80,268,840 v — 62,10/0,
die britischen Besitzungen mit. 5,201,711 — 10,7 0.0,
die übrigen Länder mit. ..13,284,923 — 27,20/. 18)
Betreffs der Ausfuhr fehlen mir auf Ganzsüdafrika bezügliche
Ziffern. Von der 25,714,440 &amp;amp; betragenden Ausfuhr der Kap⸗
kolonie, einschließlich der Baargeldverschiffung von 3.212,158 0.
gingen 44)
nach Großbritannien 22,219,227 “ — 86,40/0,
den britischen Besitzungen 417,6384 1,600,
andern Ländern. 30077,629 &amp;amp; 12 d/ (11,89).
Bei den Einfuhrziffern ist die Einfuhr über Delagoabei und
Beira nicht berücksichtigt, da statistisches Material nicht zur Ver⸗
fügung stand. Nach Ansicht des Generalkonsulats in Capstadt
Bericht 1904 S21) soll jedoch durch deren Einbeziehung eine
wesentliche Anderung in den Prozentsätzen nicht eintreten. — Die
britische Einfuhr betrug 1898, d. h. dem letzten Jahre vor Aus—
bruch des Krieges, noch 609,10/0, die der fremden Länder 240/0,
im Jahre 1901 65,60/0 bezw. 19,10/,, 1002 64,4 bezw. 28,5/, und
1803 62,1 bezw. 27,2900. Für das Jahr 1804 giebt Samassa
(S.841) 62,40,0 beʒw. 283,70,0 an. Der Anteil der fremden Länder
ist danach von 1901 —1908 um 8,10/0 gestiegen, im letzten Jahre
allerdings wieder etwas — 8,50/0 — zurückgegangen. Dieser Rück
gang ist aber nur zum geringsten Teil Großbritannien zu Gute ge⸗
kommen und auch im Jahre 1904 ist sein Anteil an der Einfuhr noch
um 6,70/, niedriger als im Jahre 1898. Gestattet auch die augen⸗
blickliche Lage in Südafrika aus diesen Zahlen keine Folgerung

48) vgl. Handelsber. IIISi S. 22.
14) vgl. Handelsber. IIIS! S. 10.
        <pb n="23" />
        25

auf eine weitere Steigerung der außerbritischen und Minderung der
britischen Einfuhr, so ergiebt sich doch aus ihnen, daß das Ver—
einigte Königreich alle Ursache hat, die fremdländische Konkurrenz
als wesentlichen Faktor auf dem südafrikanischen Markte mit in
Betracht zu ziehen. —

Die Hauptartikel der britischen Einfuhr sind folgende:*8)
Kleidungsstücke und Kleidung, Hüte, Schuhe und sonstige
Lederwaren, Posamentierwaren, Baumwoll-, Leinen- und Woll—⸗
waren, Roheisen, Stahl und Wellblech, fast das gesamte feste und
rollende Eisenbahnmaterial, Apparate und Zubehör für Tele—
graphen und Telephon, Lokomobilen, Straßenbahnmaterial, Straßen⸗
lokomotiven, Werkzeuge, Präzisionsinstrumente, Uhren, Dampfkessel,
Röhren, Maschinen jeder Art, auch landwirtschaftliche Maschinen,
Fahrräder, Arzneien, Drogen- und Geheimmittel, Farben, Firnisse,
Lack, Tapeten, Schreib- und Druckpapier, Hauseinrichtungen ein⸗
schließlich Schlösser, Griffe, Porzellan, Steingut, Bestecke, Seife
und Kerzen, Lebensmittel, namentlich Fleisch- und Fischkonserven,
eingemachte Früchte, Biskuits, Kuchen, Süßigkeiten, Whisky, Bier,
Sodawasser, Waffen und Munition, Kautschuk- und Gummiwaren,
Gold-, Silber-, Kupfer- und Messingwaren.“
Von diesen Gegenständen gingen, soweit sich dies mit Rück⸗
sicht auf die Verschiedenartigkeit der Benennung im Bericht des
Generalkonsuls in Kapstadt und dem Zolltarif vom März bezw.
15. VIII. 1903 feststellen läßt, für sämtliche Einfuhrländer
zollfrei ein nur landwirtschaftlichen Maschinen, Schreib- und
Druckpapier und Kerzen. Zollfrei als britische Einfuhr infolge
des Nachlasses des Wertzolls von 2,20/0 waren:
Das feste und rollende Eisenbahnmaterial, Apparate und
Zubehör für Telegraphie und Telephon, Lokomobilen, Straßen⸗
bahnmaterialien, Straßenlokomotiven, Werkzeuge, Präzisionsinstrumente,
 Uhren, Dampfkessel, Röhren, Maschinen jeder Art.
Die übrigen Artikel genossen nur den Vorzug der bereits er—
wähnten Zollermäßigung von 250/,0 des allgemein erhobenen Zolls.
Von den britischen Kolonien liefert Kanada besonders Holz
für Bauten, Schuhe, Leder, Butter, Speck, Schmalz und Futter—

45) val. Handelsber. IIIBu S. 24.
        <pb n="24" />
        26

stoffe, Australien und Neuseeland vornehmlich gefrorenes Fleisch,
Mauritius Zucker.
Im Lande selbst könnten von den genannten Artikeln die
Fabrikate aus den vorhandenen Rohprodukten hergestellt werden,
so besonders die Produkte der Eisen- und Wollindustrie, dazu
die sämtlichen agrarischen Podukte.46)
Kaum in einem andern Lande der Erde ist die Verbindung
von Eisen und Kohle so günstig wie in großen Teilen Südafrikas: 17)
Natal besitzt reichhaltige Eisenerzlager, deren Ausbeutung aller—
dings noch keine Erfolge gezeitigt hat, daneben bereits umfangreich
abgebaute Kohlenlager.8) In Transvaal befinden sich reiche Eisen⸗
erzlager in der Gegend von Middelburg-Ermelo in unmittelbarer
Nähe der Kohlenfelder von Middelburg, ferner bei Praetoria.
Diese Lager werden von der Eisenbahn durchschnitten. Auch in
Rhodesia ist bereits das Vorkommen von Eisen in abbauwürdiger
Menge festgestellt worden. Schon plant man die Errichtung von
Hochöfen und Walzwerken an den Viktoriafällen. Die nur 70 Km
Bahnlinie entfernten Kohlenlager von Wankie sollen das nötige
Feuerungsmaterial liefern.*9)
Nur tritt das Eisen- und Kohlevorkommen gegenüber der
Bedeutung der Gold- und Diamantenfunde vorläufig noch sehr
in den Hintergrund.so) — An Wolle produziert Südafrika soviel,
daß diese einen seiner bedeutendsten Ausfuhrartikel bildet. Aller—
dings hat der Krieg die großen Schafherden dezimiert, der Woll⸗
export der letzten Jahre setzte sich zum Teil noch aus vor dem
Kriege gewonnener Wolle zusammen und stand trotzdem im Jahre
1908 um 8 Millionen Pfund hinter dem von 1898 zurück.s1)
Aber die Wolle wird mit Rücksicht auf die Beschaffenheit weiter
Strecken des Landes als Viehzuchtsland immer ein Haupterzeugnis
bleiben. Und wenn auch der Entwicklung der Landwirtschaft im
allgemeinen keinesweas derartig unbegrenzte Möglichkeiten gegeben

46) vgl. Samassa S. 85.
47) vgl. Samassa S. 315.
48) vgl. Statesman's vearbook S. 225 u. Berichte für Hand. u. Ind.
Bd. 8 S. 708.
49) vgl. Berichte für Handel und Industrie Bd. 7 S. 66- 68.
50) vgl. Handelsber. III is S. 13, Samassa S. 18 u. 287.
51) vak. Handelsber. IIt S. 56 u. 1s S. 96.
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        27

sind, wie häufig gesagt wird,) so besteht doch wohl kein Zweifel,
daß noch große Flächen unter Bewirtschaftung genommen werden
könnten, und daß die südafrikanische Landwirtschaft sehr wohl
im stande ist, die gegenwärtig auf etwa 100- 120 Millionen
Mark geschätzte Einfuhr agrarischer Produkte selbst zu erzeugen.68)
Ja, nach einem Aufsatz von John Camerons) ist allein in
Rhodesia soviel zur Kultur geeigneter Boden längs der Flußläufe
vorhanden, daß schon Rhodesia nach Anficht Camerons ohne
Zweifel Südafrika mit Korn versorgen könnte.
Die Oranjeflußkolonie besteht aus wellenförmigen Ebenen, die
eine ausgezeichnete Weide bieten.ss) Die Entwicklung des Ackerbaus
und der Viehzucht war bis zum Kriege nur dadurch wesentlich behin⸗
dert, daß die Wasserversorgung schlecht und die Absatzgelegenheiten
mangels genügender Verkehrsmittel sehr erschwert waren. 6) Jetzt
gehen ein ausgedehntes System künstlicher Bewäss erungsanlagen und
der Ausbau des Eisenbahnnetzes — nach dem Statesmans
yearbook für 1905 befanden sich gegenüber 550 Meilen fertiger
Bahnen 440 Meilen im Bau oder waren doch projektiert —
ihrer Vollendung entgegen.s7) Ebenso ist Transvaal — ab—
gesehen von seiner hervorragenden Bedeutung für die Minen⸗
industrie — besonders für den Ackerbau geeignet.ss) Und auch
hier werden die gleichen Mittel wie in der Oranjeflußkolonie
wesentliche Fortschritte herbeiführen. Dazu kommt, daß der Krieg
wohl definitiv jene patriarchalische Wirtschaftsmethode des Buren,
der sich gegen die Einführung moderner Maschinen und Gerät—

52) Bgl. Handelsber. IIIS S. 19, Samassa S. 314, vgl. auch den
Artikel „Skizzen aus Südafrika“ in der deutschen Monatsschrift Jahra. 5
Heit 4 S. 536.
53) Vgl. Samassa S. 298 u. 59.
54) Im Auszug wiedergegeben in der deutschen Kolonialzeitung vom
Januar 1906.
55) Vgl. Statesmans yearbook S. 234.
56) Vgl. Bericht f. Hand. u. Ind. Bd. 4 S. 288.
57) Bgl. Statesmans yearbook S. 285. Bgl. auch den auf südafrikanische
Verhältnisse sich beziehenden Artikel, „die Gisenbahn als kolonisierender Haup⸗
faktor einer Kolonialverwaltung“ in der deutschen Monatsschrift Jahrg. 5
Heft 4 S. 532f. — Vgl. auch die dort S. 536 gegebene, sehr abfällige Kritik
uͤber die bisherigen Maßnahmen der britischen Regierung betreffs der Land—
wirtschaft, speziell in der Kapkolonie.
58) Val. Statesmans vearbook S. 299.

13.
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        28

schaften sträubte und mit zähkonservativem Sinn an der einfachen,
vom Vater übernommenen Wirtschaftsweise festhielt, der mehr
zur Befriedigung eigenen Stolzes als um einer, rationellen Aus—
beute willen die Viehzucht betrieb,s9) beseitigt hat. Die groß
angelegten Besiedlungsversuche der englischen Regierung 60) werden,
mögen sie auch zu einem noch so großen Prozentsatz mißglücken, 6)
jedenfalls das gute haben, daß sie immerhin einige Musterwirt⸗
schaften auf moderner Wirtschaftsgrundlage zeitigen, daneben aber
auch den Buren durch belehrendes Beispiel und durch die Schaffung
einer Konkurrenz zu einem intensiveren Wirtschaftsbetriebe ver⸗
anlassen werden. Eine erhebliche Steigerung der landwirtschaft⸗
lichen Produktion ist hiernach m. E. mit Sicherheit anzunehmen,
sofern diese nur gegen den ausländischen Wettbewerb durch ge⸗
nügende Zollschranken geschützt ist. Nun kämen ja an sich die
Ch.'schen Zollmaßnahmen diesem Wunsche entgegen. Die Haupt⸗
lieferanten der agrarischen Einfuhr sind aber die britischen
Kolonien selbst, so besonders Australien, Neuseeland und auch
Kanada. Diese würden als Mitglieder des Zollvereins, wenn
das letzte Ziel, die Zollfreiheit im Innern des Greater Britain,
erreicht ist, nicht den Zoll zu zahlen haben; sie würden vielmehr
ihren Export mit Rücksicht auf etwa sich mit dem Ausland er—
gebende Schwierigkeiten mehr wie bisher nach dem ihnen offen⸗
stehenden und so viel näher als das Mutterland liegenden Süd⸗
afrika hinlenken, und die Folge des Eintritts in den „Zollverein“
wäre in diesem Punkte für Südafrika nur, daß es, anstatt wie
bisher auch aus fremden Ländern jetzt nur noch aus britischen
Kolonien mit Agrarprodukten versorgt würde: zum gleichen
Schaden für die einheimische Landwirtschaft.
Dasselbe gilt für die Einfuhr der Industrieprodukte. Die
schwachen Ansätze einer eigenen Industrie e2) sind schon jetzt durch
den Zolltarif von 19083 erheblich gefährdet, weil dieser ihnen
keinen oder doch keinen ausreichenden Schutz gewährt. Namentlich
ist es die Kerzen-, Mühlen- und Konfektindustrie, die sich über
den Tarif bitter beklagt.ss“ Und doch bezeichnete Ch. die Art

59) Vgl. Berichte f. Hand. u. Ind. Bd. 4 S. 291.
60) Vgl. Statesmans yearbook S. 249 f. u. 285.
51) Vgl. Samassa S. 110.
82) Vgl. Handelsber. IIISi S. 60, Samassa S. 85.
33) Val. Handelsber. IIIꝛ1 S. 3.
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        2

und Weise, wie die Bevorzugung der britischen Waren erreicht
wurde — nämlich durch entsprechendes Höherschrauben der Zoll—
sätze für fremde Waren unter Aufrechterhaltung des bisherigen
Zolls für britische Produktess) — als keineswegs ausreichend
und seinen Intentionen entsprechend. Wie erst, wenn nach dem
Ch.'schen Plan gegenüber der übermächtigen britischen Industrie
die Zollsätze noch mehr ermäßigt sind, ja jede Zollschranke ge—
fallen ist? Die vorhandene Industrie wäre einfach vernichtet, das
Erstarken neuer anderer Industriezweige ausgeschlossen. Ich
glaube aber nicht, daß sich Südafrika schlechthin durch den Mehr—
heitsbeschluß einer Kolonialkonferenz zu einem Lande rein agrarischer
Produktion — abgesehen von der Gold- und Diamantenindustrie —
wird stempeln lassen.66) Dazu sind schon zu viele Existenzen an
dem Fortbestehen der jungen Industrie interessiert, dazu ist das
Selbständigkeitsgefühl in der Kolonie schon zu groß, dazu fordern
schließlich die im Boden ruhenden Schätze zu sehr ihr eigenes Recht.
Dagegen würde England zweifellos großen Vorteil durch eine
Einbeziehunng Südafrikas in den Zollverein haben.
Wie wir bereits gesehen haben, betrug der Anteil Groß—
britanniens an der Einfuhr im Jahre 1903 62, 100, der der
britischen Besitzungen 10,70/0. Es ist m. E. zweifellos, daß das
Vereinigte Königreich und seine Besitzungen sehr bald die fehlenden
27,2010 oder — wenn wir die von Samassa (S. 341) für 1904
mitgeteilten Zahlen zu Grunde legen — 28,70/0 fast ausschließlich
an sich gebracht haben würde, wenn auf die ausländischen Industrie—
erzeugnisse der geplante Wertzoll von 100/,, gelegt, dagegen die
englischen Erzeugnisse zollfrei bleiben würden. Großbritanniens
Hauptkonkurrenten sind auch auf dem südafrikanischen Markte
augenblicklich die Vereinigten Staaten von Nordamerika und
Deutschland.
Amerikas Haupteinfuhrartikel sind „Lebensmittel, landwirt—
schaftliche Maschinen, sonstige Maschinen und Bergwerksaus—
rüstungen, Schreibmaschinen, Fahrräder, Kontrollkassen, Zaundraht,
Werkzeuge, Material für Eisenbauten, Lokomotiven, Ofen, Lampen,
Holz in verarbeitetem und unverarbeitetem Zustande, Windmotoren,
Bohrmaschinen, elektrische Maschinen und sämtliche Arten von

64) Vgl. Braude S. 74
65) Val. Fuchs S. 253.
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        30

Elektrizitätsausrüstungen und -Zubehör, ferner in geringerem
Umfange Uhren, Drahtseile, Handpumpen, Farben und Lacke.“ 66)
Die deutsche Einfuhr ist bei fast allen Warengattungen be—
teiligt; besonders macht sich die deutsche Konkurrenz der englischen
Einfuhr gegenüber bemerkbar bei der Einfuhr von Maschinen,
elektrischen Ausrüstungen, Kleinbahnmaterial, einschließlich Schienen,
Zement, Sprengstoffen, Lampen, Klavieren und sonstigen Musik—
instrumenten, Steingut, Emaillewaren, Strumpfwaren, bedruckten
—XR—
Die großbritannische Ausfuhrstatistik lehrt, daß alle diese
Gegenstände in mehr oder minder großen Massen aus dem Ver—
einigten Königreich exportiert werden. Den Vorzugszoll von
21/300 des Wertes hat die fremdländische Konkurrenz vielleicht
noch auszuhalten vermocht; — es steht jedenfalls nicht fest, daß
der Rückgang des fremdländischen Imports im Jahre 1904 auf
diefe Zolldifferenzierung zurückzuführen ist — ob sie auch noch
bei einer Begünstigung der britischen Einfuhr von 100/0 den
Kampf erfolgreich wird durchführen können, erscheint mir mehr
vie zweifelhaft.
Und so müßte denn m. E. der britische Handel in Südafrika
allerdings alsbald die von Ch. gewünschte Monopolstellung erhalten.
Abgesehen von den dadurch hervorgerufenen, bereits geschilderten
Schädigungen der eigenen Industrie hätte dies für Südafrika noch
weitere Nachteile. Die Monopolisierung des Handels wirkt immer
oreissteigernd, die Konkurrenz preismäßigend. Ist die fremd—
ändische Einfuhr vollständig oder so gut wie ganz unterbunden,
so kann England, ohne eigenen Schaden fürchten zu müssen,
— denn die Nachfrage ist ja vorhanden — seine Preise genau
so hoch festsetzen, daß sich die Einfuhr nicht mehr lohnt, die
eigene Produktion aber noch nicht existenzfähig ist. Kostet z. B.
ein Gegenstand bei freiem Wettbewerb sämtlicher Nationen 100
und kann ihn die eigene Industrie nur zu 105 herstellen, so
könnte Großbritannien, wenn eine fremde Konkurrenz erst infolge
eines Wertzolles von 5 oder mehr o/ ausgeschlossen wäre — und
so hoch, daß dieser Ausschluß erreicht wird, sollen ja nach Ch.
die Zölle bis zur Höchstgrenze von 100/,0 festgesetzt werden —

36) Vgl. Handelsberichte III 1 S. 25.
37) Val. Handelsber. III1 S. 27
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        *

den Preis auf 104 bestimmen. Diesen Mehrbetrag von 4 würde
Südafrika zu tragen haben, ohne irgend ein Entgelt dafür zu
erhalten. Daß lediglich Wohlwollen für die Kolonieen den eng⸗
ischen Kaufmann dazu veranlassen sollte, einen geringeren Preis
zu fordern, als er ohne eigenen Schaden erhalten könnte, glaube
ich nicht.
Noch weit bedeutungsvoller ist aber die unmittelbare
Schädigung, die die Finanzen der Kolonieen erleiden würden.
Die ordentlichen Einnahmen der Kapkolonie z. B. beliefen sich im
Rechnungsjahre 1902/03 auf 11,701,149 . Den Hauptanteil
lieferten hiervon allerdings die Eisenbahnen mit 5,617,866 &amp;amp;,
daneben aber auch die Zölle und Abgaben mit 3,503,479 LOoder
29,90/0 der gesamten ordentlichen Einnahmen. Der Ausfall, den
allein die Kapkolonie an der Zolleinnahme infolge der dem Ver⸗
einigten Königreich gewährten Bevorzugung im Jahre 1904, d. h.
einem wesentlich ungünstigeren als dem vorhergehenden Jahre,
erlitten hat, wurde nach Samassa (S. 342) auf 8 Millionen
Mark gefchätzt. Die Annahme, daß der Zollausfall schon jetzt
—n der ganzen Zolleinahme ausmacht, dürfte daher ziemlich
richtig sein. Wenn aber einmal fast nur britische Güter einge—
führt werden uad diese zollfrei eingehen, dann muß der oben
gen annte Posten fast ganz aus dem Etat der Kolonie verschwinden.
Der größte Teil jener 70 Millionen Mark ist auf andere Weise
aufzubringen, in dubio wieder aus den Taschen der Konsumenten.
Ja, jede auch nur geringe dem Mutterlande noch zu gewährende
Zollvergünstigung muß mit ihrer doppelten Wirkung: der Mehrung
der brilischen Einfuhr und der dadurch doppelt so starken Min—
derung der Zolleinnahme in dem Etat der Kolonieen sich äußerst
ühlbar machen. —

Fragt man sich aber, ob denn wenigstens die südafrikanische
Ausfuhr derartig durch die Ch.'sche Zollpolitik begünstigt wird,
daß dadurch die infolge der Begünstigung der britischen Ein—
zuhr dem Lande auferlegten Nachteile und Lasten wieder gut
gemacht werden, so erhält man auch eine verneinende Antwort.
Die Hauptausfuhrartikel Südafrikas sind, wenn man von
der Gold-⸗, Diamanten- und Kohlenausfuhr absieht, 68) Wolle,

38) val. hierzu Handelsber. IIIs S. 60ff. u. 28 S. 20f
        <pb n="30" />
        32

Angorahaar, Straußenfedern, Rindshäute, Schaf- und Ziegenfelle,
Wein und Früchte. Die Wollausfuhr der Kapkolonie allein be—
lief sich im Jahre 19038 auf 1,817,832 Æ, die Natals auf
292,231 B, die Gesamtwollausfuhr der beiden Kolonieen da—
nach auf 2,110, 166 — ich erinnere daran, daß ich oben
(S. 25) die Gesamtwarenausfuhr der Kapkolonie und Natals auf
5,809,652 berechnet hatte. — 36,30/0 dieser Ausfuhr waren
also Schafwolle. Angorahaar, (Mohair), wurde für 652,515
aus der Kapkolonie, für 31,294 E aus Natal, insgesamt für
683,809 9 ausgeführtss), an Straußenfedern für 945,001 ,
an Rinds-, Schaf- und Ziegenfellen für insgesamt 491,602 . 70)
Wenn auch von dieser sich insgesamt auf 4280,375 “ belaufenden
Ausfuhr der weitaus größte Teil nach Großbritannien ging, so
würden, abgesehen vom Wein und den Früchten, diese Artikel
durch den Ch.'schen Schutzzoll doch keinen Vorteil haben: Der
Export von Straußenfedern ist für die Kapkolonie ziemlich einzig⸗
artig; für sie giebt es vorläufig keine nennenswerte Konkurrenz.
Der Export Deutsch-Südwestafrikas und Tripolis' kommt noch
nicht wesentlich in Betracht.) Die Ausfuhr der andern Gegen—
stände bleibt als Rohstoffausfuhr durch den Schutzzoll unbeeinflußt.
Die Ausfuhr an Wein aus der Kapkolonie belief sich im
Jahre 1908 auf 20,596 , die bisher nur zum geringen Teil
nach Großbritannien, zum größten Teil nach Natal ging. Hier
könnte nun allerdings durch einen Schutzzoll — abgesehen von
dem bereits erhobenen Finanzzoll — gegen die Weineinfuhr,
namentlich aus Frankreich und auch Deutschland, ein etwas
günstigerer und deshalb gesteigerter Absatz im Mutterlande er—
zielt werden.72)
Dieser vom Mutterland den Kolonieen zu leistende Gegenwert
ist aber so verschwindend gering, daß er garnicht ernstlich in Be—
tracht kommt, und wir erhalten daher für Britisch-Südafrika das
Ergebnis, daß die Verwirklichung der Ch.'schen Pläne nur nach—
teilig auf seinen Handel wirken würde, ohne ihm irgend welche
nennenswerten Vorteile zu sichern. Als politische Folgen der

69) vgl. Handelsber. I1181 S. 57; 2 S. 22.
70) vgl. Handelsber. IIIS1 S. 58; 8 S. 22.
71) vgl. Handelsber. III ißS S. 26; Samassa S. 307.
72) vgl. Handelsber. I2 S. 69; Samassa S. 348 u. 309.
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        —

gewaltsamen Eingliederung scheinen mir aber die von der augen⸗
blicklich herrschenden Partei vorhergesagten Streitigkeiten zwischen
Mutterland und Kolonieen und den Kolonieen unter einander,?9)
ja die Loslösung vom Reich näher zu liegen, als die von Ch.
und seinen Anhängern gewollte und prophezeite Einigung und
Festigung des Reichsverbandes.79)
Zu einem ähnlichen Ergebnis gelange ich, wenn auch von
teilweise andern Vorbedingungen aus, für das zweitwichtigste
Gebiet, für J
2. Agypten.
Das unter britischen Einfluß stehende, schlechthin Agypten
genannte Gebiet zu beiden Seiten des Nils zerfällt in 3 Teile,76)
in das eigentlich Agypten von der Mittelmeerküste bis zu einer
durch Wadi-Halfa, einer Stadt am Nil ungefähr auf derselben
geographischen Breite wie Mekka, gezogenen westöstlichen Linie,
in den englisch-ägyptischen Sudan?6) südlich dieser Linie bis an
die Grenzen von Abessinien und Britisch⸗Ostafrika und in den
englischen, östlichen Teil der lybischen Wüste. Als Handelsgebiet
kommt — entsprechend der oben S. 15 gegebenen Dreiteilung —
vorläufig nur das eigentliche Agypten in Frage; beziehen sich
auch die statistischen Zahlen auf die ganze Fläche, so sind zur
Zeil doch nur die Landstriche nördlich Wadi-Halfa Produktions—
und Absatzgebiete des europäischen Handels. Jedoch vorläufig
nur: schon sind Anzeichen vorhanden, die darauf schließen lassen,
daß der ägyptische Sudan ein Baumwollenproduktionsland ersten
Ranges werden wird.?7) Hier sind nach v. Schkopp (S. 48 u. 53)

73) vgl. Dehn, weltwirtsch. Neub. S. 120, bes. auch 152 und den in
Nr. 658 der National-gZeitung vom 1. XII. 1905, Abendblatt, wiedergege—
benen Briefwechsel zwischen den Premiers von Australien, Kanada und Süd⸗
afrika. — Vgl. hierzu auch die Volkswirtschaftl. Chronik in Conrads Jahrb.
Bd. 30 S. 609, wonach allerdings die Kapregierung dem australischen Pemier⸗
minister für die Erbrterung der Frage, ob Australien mit Bezug auf die
Artikel, die das Kapland ohnehin importiere, vorzugsweise Behandlung er⸗
halten könne, Entgegenkommen zugesichert hat.
74) vgl. hinsichtlich der Möglichkeit der Loslösung Südafrikas Samassa
S. 350ff.
75) vgl. Sievers-Hahn S. 538, s. auch oben S. 15.
76) vgl. Supan S. 82.
77) vgl. bes. Nachr. f. Hand. u. Ind. 1904 Nr. 43 S. 4 „Baumwoll⸗
kultur im ägypt. Sudan“ u. Nr. 112 S. 5.
Asmis, Britisch-Afrika.
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        34

noch 15 Millionen Acres — bisher bepflanzt sind 360000 ha
— vorhanden, die zum Baumwollenbau geeignet, z. Zt. aber noch
unbebaut sind. Bei der in Agypten sich immer mehr steigernden
Nachfrage nach Landbesitz werden in absehbarer Zeit auch diese
Landstriche besiedelt sein.
Auch in Agypten wiegt der englische Handel wesentlich vor
gegenüber dem der übrigen Nationen, und ich gehe wohl nicht fehl
in der Annahme, daß der Hauptgrund hierfür Englands
politischer Einfluß ist. Denn wohl überall geht mit der Be—
herrschung der politischen Verhältnisse auch eine Beherrschung
des wirtschaftlichen Marktes Hand in Hand. Man vergleiche
einmal, um nur ein Beispiel herauszugreifen, die Handelsstatistik
des „unabhängigen“, in politischer Beziehung Ägypten ähnelnden
Kongostaats. Von der 23,344 282 Fr. betragenden Einfuhr ent⸗
fallen 17,869,869 Fr., von der Ausfuhr von 51,890,520 Fr.
sogar 48,531,949 Fr. auf Belgien.?) Um den weitgehenden
Einfluß Englands auf die Verhältnisse eines Landes, das unter
der Oberherrschaft der Türkei steht und darum als neutraler
Boden den sämtlichen europäischen Nationen gleichmäßig offen
stehen sollte, richtig beurteilen zu können, muß ich — wenigstens
ganz kurz — auf die Geschichte des Landes eingehen.
1517 wurde Agypten türkisch. Die Versuche Napoleons zu
Ende des 18. und der Engländer zu Anfang des 18. Jahr—
hunderts, sich in den Besitz des Landes zu setzen, ebenso die Be—
gründung einer eigenen Dynastie durch Mohammed Ali darf ich
als bekannt voraussetzen.78) 1865 erhielt Ismail Pascha von
der Türkei Titel und Rang eines Khedive oder Vizekönigs, er
hatte nur noch die Verpflichtung, einen jährlichen Tribut von
ungefähr 14 Millionen Mark an die Pforte zu zahlen.so) Die
Eröffnung des Suezkanals machte es für England zur politischen
Notwendigkeit, sich ÄAgyptens zu bemächtigen 81) Erst 1882 bot

78) vgl. Handelsarchiv 190601 S. 1060, Johnston S. 190.
79) vgl. übrigens Johnston S. 21, 119 u. 208 u. Statesman's year⸗
book S. 1248.
80) vgl. Sievers-Hahn S. 585f. u. Statesman's yoarbook S. 1249.
81) vgl. den bei Dehn, Weltw. Neub. S. 178 zitierten Ausspruch
Bismarcks
        <pb n="33" />
        35

sich hierzu die Gelegenheit: England warf in der Schlacht bei
Tell el Kebir am 13. September den Aufstand des Arabi⸗Pascha
für den Khedive nieder und übernahm „vorläufig“ bis zur Her⸗
stellung der Ordnung im Lande die Kontrolle über die Ver—
waltung. Diese Kontrolle wurde jedoch zu einer dauernden.
Nachdem dann Kitchener im Jahre 1899 die Macht des Mahdir
in der Schlacht bei Omdurman gebrochen hatte, wurde der
britische Einfluß in dem ganzen großen Gebiet ausschlaggebend.
Die Herrschaft des Khedive, der den englischen Weisungen Folge
zu leisten hat, ist nur noch eine rein nominelle, auch wenn die
Frage der ausschließlichen britischen Herrschaft noch nicht erledigt
ist. Die ägyptischen Finanzen, und damit auch die Zollpolitik
des Landes, stehen unter britischer Aufsicht. Die Spitzen der
hohen Behörden und die Unterstaatssekretäre sind englische Be—
amte, das Heer untersteht einem englischen Offizier s2) Jedoch
ist es England bisher nicht gelungen und es wird es auch in
Zukunft nicht erreichen können, durch weiße, speziell britische
Siedlung seinen Einfluß zu stärken. Dazu ist der Mitbewerb,
die Zahl und der kriegerische Geist der eingeborenen Bevölkerung
zu stark, um die Ansiedlung zahlreicher Europäer zu gestatten. 88)
Großbrilannien hat dies aber auch nicht nötig. Sein Handel
ist, wie gesagt, auch so schon der bedeutendste, und in den letzten
20 Jahren zeigt der ägyptische Handel eine ruhige, fortschreitende
Entwicklung, bei der allerdings die fremdländische Konkurrenz
immer energischer wird. 860
Im Jahre 1904 belief sich die Einfuhr nach Agypten auf
20,550,3588 &amp;amp; HN (I ägyptisches Pfund &amp;amp; E20,80 M. s. Handels⸗
bex. IIlIꝛo S. 1), die Ausfuhr 20,811,040 &amp;amp; B. Hierbei waren
ʒeteiligt an der Einfuhr an der Ausfuhr
Großbritannien mit 6,990,6890 F 10,979,760 E.
Deutschland 1,020,2609 1803,623 ,
Frankreich 1,906,992 1615,281
Rußland 750, 044 1,340,030
Italien 1,168,120 960,627

*

82) vgl. Johnston S. 2060f., Sievers-Hahn S. 544.
83) vgl. Johnston S. 247.
84) vgl. Nachr. f. Hand. u. Ind. Oo5 Nr. 18 S. 2 u. 04 Nr. 17 S. J.
        <pb n="34" />
        36

an der Einfuhr an der Ausfuhr
Osterreich- Ung. mit 1,458,5241 B. u. 938,875 Æ P.
die Türkei „2,814,0060, 399,714,
Belgien F 748,08838, F 201,353 , 86),
d. h. Großbritanniens Anteil an der Einfuhr betrug also 834, 80,
an der Ausfuhr 52,70/0. Hiernach ist Großbritanniens Beteiligung
an der Einfuhr, die 1884 noch 37,80/0, 1903 noch 88,8 d/0 betrug,
wieder gefallen. Der Anteil an der Ausfuhr, der sich 1884 noch
auf 67,80/0 belief, hat sich dagegen gegenüber 19083, wo er 52,00
betrug, wieder etwas gehoben.
Im übrigen zeigt die Entwicklung des ägyptischen Handels
eine völlige Stetigkeit: Die Einfuhr stieg in Millionen &amp;amp; P. von
8,2 im Jahre 1884 auf 9,2 im Jahre 1891, 9,8 im Jahre 1896,
14,8 im Jahre 1902, 16,8 im Jahre 1903 und, wie wir bereits
gesehen haben, 20,5 im Jahre 1904; die Ausfuhr dementsprechend
von 12,6 auf 14, fiel dann auf 18,4 im Jahre 1896 und stieg
dann wieder auf 18, 19,5 und schließlich 20,08 im Jahre 1904.86)
Diese gleichmäßige Entwicklung berechtigt m. E. zur Annahme der
Andauer der Steigerung des Außenhandels, zumal die erst in
den letzten Jahren in Betrieb genommenen großartigen Wasser⸗
stauwerke, besonders das von Assuan, die ägyptische Landwirtschaft
immer mehr von der Höhe der Nilschwellen unabhängig machen
und ällmählich ein immer weiteres Gebiet dem Ackerbau zugänglich
gemacht wird.87) Der ägyptische Markt gilt demgemäß als völlig
gesund, ein Urteil, das auch vorübergehende Beunruhigungen, wie
sie z. B. zu Anfang des Jahres 19085 vorkamen, nicht zu ändern
vermögen.s8) Dem entspricht es auch, daß fast sämtliche Ende 1904
an der Börse Alexandriens gehandelten Wertpapiere über Pari
standen (vgl. Nachrichten für Handel und Industrie 1905 Nr. 68
S. 2: auf die Ausnahmen ist noch weiter unten einzugehen).
Desgleichen berechtigen die geologischen Verhältnisse zu der
Annahme einer weiteren günstigen Entwicklung. Allerdings ist

85) vgl. Nachr. für Hand. u. Indust. 05 Nr. 20 S. 2f.
86) vgl. auch die Tabelle im Hand.Arch. Oh Ie S. 652.
87) vgl. Geogr. Zeitschr. 1901 S. 642 u. 1908 S. 50, Nachr. f. Hand.
u. Ind. 05 Nr. 18 S. 2.
88) vgl. Hand.Arch. Oñ 11 S. 651, Nachr. f. Hand. u. Ind. 0Oõ RNr. 50
S. 1f. u. Nr. 22 S. gf.
        <pb n="35" />
        Agypten, wie es bisher scheint, an Metallen nicht reich; lediglich
Blei und Gold in geringen Mengen wird bisher ausgebeutet.
Irgendwelche nennenswerten Erfolge haben die sämtlichen Minen—
gesellschaften noch nicht zu verzeichnen.s8) Eine eigentliche
Minenindustrie giebt es vorläufig noch nicht, wenn auch tat—
sächlich schon das ganze Wüstengebiet zwischen Nil und rotem
Meere, soweit irgendwie das Vorkommen von Gold oder Edel⸗
steinen vermutet werden kann, vom 29. Breitengrade im Norden
bis zu den Abhängen des abessinischen Hochlandes und der
Gegend von Senaar und Goderef im Sudan und Kordofan im
Westen zu Bergbauzwecken vergeben ist. Aber noch sind diese
Landstriche nicht völlig erforscht, vielmehr sprechen die Spuren
alter Bergwerke für ein ausreichendes Vorkommen von Mineralien
Der Ausbau der Verkehrsstraßen wird auch auf diese Unterneh—
mungen ganz wesentlich fördernd wirken.
Vorläufig ist jedoch Agypten in erfter Linie Agrikulturland,
und für den Ackerbau eröffnen sich mit der Erschließung des
Sudan und der Errichtung der Nilsperren günstige Aussichten
Hier ist es vor allem der Baumwollenbau, der die eingehendste
Berücksichtigung verdient. Was für Südafrika Gold und Dia⸗
manten sind, das ist für Agypten die Baumwolle. Sie ist das
Produkt, das einzig und allein ausschlaggebend für den jeweiligen
Wohlstand des Landes ist.ꝰ0)
So war z. B. das Jahr 1904 nur deshalb im gesamten
wirtschaftlichen Leben so außerordentlich günstig für Aegypten,
weil mit einer großen Baumwollernte ein hober Banmwoll⸗
preis zusammentraf.ↄ)
Dementsprechend erfolgen denn auch die Meliorationen der
Regierung vorzugsweise im Interesse der Baumwollkultur. Die
Aufspeicherung des Wassers in den Reservoirs von Assuan und
Assiut und die Regelung seines Abflusses durch die verschiedenen
Barragen schützen in Zukunft das Land vor der Gefahr des
Wassermangels und geben vor allem der Baumwollkultur eine

89) vgl. Nachrichten f. Hand. u. Ind. 04 Nr. 112 S. 5.
90) vgl. Nachrichten f. Hand. u. Ind. 04 Nr. 112 S. 53. Hand.-Arch.
05 U S. 652, Export 02 Nr. 39 S. 528.
91) vgl. Nachr. f. Hand. u. Ind. oß Nr. 22 S. 3 u. Nr. 18 S. 2.
        <pb n="36" />
        —38

sichere Grundlage.92) Rechtzeitig hat die Regierung ferner er—
kannt, daß zur Hebung der landwirtschaftlichen Produktion vor
allem 2 weitere Bedingungen notwendig sind: Verbesserung des
Loses des kleinen Landmannes und Eiuführung moderner Kultur—
methoden.

Der Erfüllung der ersten Aufgabe dienen die Errichtung
einer Agrikulturbank, deren Zweck es ist, dem Landmann durch
Gewährung von wenigstens nach ägyptischen Verhältnissen billigen
Darlehen — höchstens zu 90/0 — die nötigen Baarmittel zu ver—
schaffen, und die Revision der Grundsteuer, die die besonders den
kleinen Landwirt hart bedrückende Ungleichheit der Besteuerung
beseitigen soll. Ferner versucht die Regierung im ägyptischen
Sudan durch billige Landverpachtung die Baumwollkultur für den
kleinen Mann rentabel zu machen.
Um die Verwendung von Kunstdünger, den Gebrauch mo—
derner landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte und eine ratio—
nellere Bestellung bei den Bauern einzubürgern, werden in Kairo
regelmäßig landwirtschaftliche Ausstellungen veranstaltet, und es
haben sich außerdem eine Reihe von staatlichen und privaten
Schulen und Anstalten zur Aufgabe gemacht, die Aufklärung der
bäuerlichen Bevölkerung zu fördern. Allerdings werden bei dem
passiven Widerstande der ägyptischen Landbevölkerung gegenüber
europäischen Neuerungen bei diesem Versuche erhebliche Schwierig⸗
keiten zu überwinden sein. 8)
Immerhin erscheint mir die Annahme, daß der Bodenertrag,
besonders die Produktion von Baumwolle, von Jahr zu Jahr
sich steigern wird, durchaus berechtigt. Welche Bedeutung der
Baumwollenbau schon jetzt für den ägyptischen Außenhandel hat,
tritt vornehmlich in den Ausfuhrziffern zu Tage. Der Anteil der
Baumwolle an der ägyptischen Ausfuhr stieg von 65,60,0 im
Jahre 1884 auf 80,20,0 im Jahre 1903; der Export an Baum—
wollsamen beläuft sich zudem in gewöhnlichen Jahren auf 10 bis
12 0,0 der Ausfuhr.

92) vgl. Export 01 Nr. 89 S. 5382; v. Schkopp S. 47.
93) val. Export 1908 Nr. 45 S. 599, v. Schkopp S. 49f., 38f.; vgl.
auch Berichte s. Hand. u. Ind. Bd. 3 S. 214.
        <pb n="37" />
        Im einzelnen sind die Hauptartikel der Ausfuhr im Jahre
1904, die sich — ich wiederbole — auf 20,811. 040 &amp;amp; belief,
folgende:

Tabelle Nr. 3.
übersicht über die ägyptische Ausfuhr im Jahre 1904 nach Hauptartikeln
in B.

Artikel

Baumwolle
Baumwollsamen
Zwiebeln
Bohnen
Zucker
Gummiarabikum

Ausfuhrwert

16,702,180
1,320, 166
265,274
258,214
2838,562
234.060

d/ der Ge⸗
amtausfuhr

80,2 —2
7,3 o/
—2

Ausfuhr nach
Großbritannien

8,518,606
1446,700
164, 146
18,647
144,000
49,960

Die übrigen noch ausgeführten Artikel fallen nicht ins Gewicht.
Man könnte nun meinen, Agypten als fast ausschließlicher
Agrarstaat müsse besondern Vorteil durch den Ch.'schen Schutzzoll
haben. Denn Ch. will ja gerade der landwirtschaftlichen Pro⸗
duktion der Kolonieen Schutz gegenüber der Konkurrenz des Aus⸗
landes verschaffen. Dem ist aber nicht so. Die Baumwolle bleibt
als Rohstoff außerhalb des Zollschutzes; dasselbe gilt für Gummi—
arabikum. Für die übrigen Artikel ist ebenfalls bisher ein Zoll
noch nicht vorgesehen. Außerdem dürfte der Same der ägypti⸗
schen Baumwolle, soweit er zu Saatzwecken verwandt wird, dank
deren Eigentümlichkeiten: Stapellänge, Feinheit und Spinnbar—
keit der Faser ziemlich außer Konkurrenz sein.99)
Eingeführt werden fast sämtliche Handelsartikel, da es an
einer eigenen Industrie fehlt. An eigentlichen Fabrikunternehmen
zeigen in allerletzter Zeit nur eine Olfabrik und Seifensiederei,
eine Zementfabrik und eine Brauerei erfreulichen Fortschritt.
Dagegen ist die Lage der beiden Baumwollspinnereien in Kairo
und Alexandrien recht ungünstig, besonders deshalb, weil ihnen
„zum Ausgleich des Eingangszolls eine achtprozentige Steuer auf—
erlegt ist“.ss) Man muß m. E. in dieser Bestimmung den eng—
94) vgl. v. Schkopp S. 50 u. 54.
95) vgl. Nachr. f Hand. u. Ind. 05 Nr. 68 S. 2.
        <pb n="38" />
        lischen Einfluß erblicken. Großbritannien will eben die Baum—
wollindustrie Agyptens, für die infolge der eigenen Rohstoffpro⸗
duktion und der bequemen Schiffahrtsverbindungen die Vorbedin—
gungen ganz günstig wären, nicht hoch kommen lassen, um der
einheimischen Industrie den Markt offen zu halten. — Auch die
Zuckerindustrie ist mit Rücksicht darauf, daß der Zuckerrohrbau
mehr und mehr durch den Baumwollenbau verdrängt wird, ständig
zurückgegangen. 96)
Die Hauptartikel der Einfuhr und der Anteil Großbritan—
niens an ihnen ergeben sich aus der folgenden Tabelle Nr. 4.
Tabelle Nr. 4.
1904 in RE.

Waare

Baumwollgewebe
Sonstige Gewebe
Konfektionswaren
Eisen- und Stahlwaren
Sonstige Metallwaren
Maschinen
Lokomotiven
Mehl
Galanterie- u. Kurzwaren

Steingut, Porzellan, Glas
Möbel
Farbwaren

Gesamteinfuhr

2.969,497
1,004, 909
48,588
1,282, 188
480,638
718,054
70,020
685,911
380, 836
269, 688
342, 189
158.676

Davon aus
Großbritannien

2848, 906
308, 948
138,082
551,098
301,195
346,761
29,807
11,358
59,006
31418
76,868

33. 125

Aus dem Handelsarchiv 19051 S. 652 entnommen.)

Ein Zoll auf fremde Einfuhr müßte hiernach die britische
Einfuhr, die überwiegend aus Fabrikaten besteht, außerordentlich
begünstigen. Anstatt wie bisher weiter — wenigstens relativ —
zurückzugehen, würde sie bald die alte Höhe überschritten haben

96) vgl. Nachr. f. Hand. u. Ind. 04 Nr. 67 S. 83.
        <pb n="39" />
        und nur mit der Konkurrenz des durch die Kürze des Trans—
portes begünstigten Nachbarverkehrs zu rechnen haben. Für die
Finanzen des Staates hätte eine derartige Zolltarifierung dieselbe
Wirkung wie oben bei Südafrika auseinandergesetzt. Die Ver—⸗
teuerung der Konsumtion dürfte hier nicht so groß sein, da der Nach—
barverkehr länger konkurrenzfähig bleiben könnte. Die Möglichkeit
der Gründung einer eigenen Industrie wäre aber definitiv beseitigt.
Also auch hier Vorteil überwiegend nur für das Vereinigte
Königreich, dagegen für Agypten überwiegend Nachteil ohne ent—
sprechendes Entgelt.
3. Mittelafrika.
Das gesamte Britisch-Mittelafrika, bestehend aus West⸗, Ost⸗
und Centralafrika, einschließlich Nordostrhodesia, hat als gemein⸗
sames Charakteristikum die Unmöglichkeit weißer Siedlung, sofern
man wenigstens von den Hochländern in Uganda und Britisch⸗
Centralafrika absieht. Hieraus folgt, daß diese Länder auf ab—
sehbare Zeit nicht geeignet find, Industrie- und Fabrikationsstaaten
in europäischem Sinne zu werden. Ihre Aufgabe ist und wird
auch in Zukunft sein, Plantagenkolonieen zu bleiben, d. h. tro⸗
pische Agrarprodukte, insonderheit Baumwolle, zu erzeugen.*7)
Mit dem Fortschreiten der Kultur wird sich ihre Produktion und
damit auch ihre Aufnahmefähigkeit für europäische Industrie—
produkte steigern. Zu einer eigenen Industrie wird es m. E.
nicht kommen. Das Beispiel von Indien, das auf dem besten
Wege ist, sich in dem bedeutendsten Zweige der Industrie Groß⸗
hritanniens, der Baumwollindustrie, von der Abhängigkeit vom
Mutterlande frei zu machen, ꝰ8) — es betrug z. B. die Zahl der
Spindeln 1895 1899 1908
in Großbritannien 45,400,000 45,500,000 48,000,000
in Indien. 3,800,000 4.700,000 5,000, 000 90),
fie vermehrte sich also im Vereinigten Königreich in den 8 Jahren
um 5,720/0, in Indien dagegen um 31,60/0 — vermag diese Be—

97) Die Karte Nr. 5 des Statesman's yearbook for 1905 zeigt, in
welchem großen Umfange in diesen Gebieten entweder schon Baumwollbau
betrieben oder doch fast überall Anbauversuche unternommen sind, wesentlich
dank der Tätigkeit der 1902 nach deutschem Vorbild gegründeten Cotton
growing association.
98) vgl. Wagner, Agrar- und Industriestaat S. 170.
99) S. Nachr. f. Hand. u. Indust. 04 Nr. 41 S. 3.
        <pb n="40" />
        12

hauptung nicht zu erschüttern. Der Unterschied zwischen der ein—
geborenen Bevölkerung Indiens und Afrikas ist zu groß. Dort
brauchten nur die im Indier dank einer Jahrtausende alten, einst
hochentwickelten Kultur ruhenden industriellen Talente und Fähig—
keiten von neuem geweckt zu werden. Hier wird es noch Jahr—
hunderte dauern, bis der Neger zu ähnlicher kultureller Stufe
erzogen ist. 100)
Aus diesem Grunde fällt bei der Erörterung der Bedeutung
der Ch.'schen Pläne für die mittelafrikanischen Besitzungen von
vorn herein ein wiederholt gegen Ch. hervorgehobenes Moment
fort: die Vernichtung bezw. Verhütung einer eigenen Industrie.
Auch mag in den Kronkolonieen die Durchführung derartiger Zoll—
maßnahmen sich wesentlich einfacher gestalten als in den Kolo—
nieen, die ein verantwortliches Parlament besitzen. Immerhin
verspricht m. E. auch für diese Besitzungen der Ch.'sche Plan
dank der Zusammensetzung ihrer Ausfuhr mehr oder sogar fast
nur Nachteile zu bringen. Gerade die Hauptausfuhrartikel Erd—
nüfse, Palmöl, Palmkerne, Kautschuk und in letzter Zeit mehr
und mehr Baumwolle haben nicht Teil an dem Vorteil des Schutz⸗
zolls. Dagegen würden die Finanzen der Kolonieen erheblich
beeinträchtigt werden, zumal ihre Einnahmen fast ausschließlich
aus den Zöllen fließen. 1o1), Weitgehenden Vorteil würde auch
hier wieder nur das Vereinigte Königreich haben, besonders mit
Rücksicht auf seine Baumwollindustrie. Die Baumwollwaren
bilden neben Lebensmitteln überall den Haupteinfuhrartikel. Mit
dem Fortschritt der Kultur wird der Verbrauch von Tuchen und
Geweben sich ganz beträchtlich mehren. Das Verhalten der
Neger, die schon mehr mit Europäern in Berührung gekommen
sind, bestätigt das. Ebenso wird bei einem auch nur etwas
mtensiveren Betrieb der Landwirtschaft sich der Bedarf anu
Maschinen und Eisenwaren steigern. Es eröffnen sich also
gute Aussichten für die Vergrößerung des Absatzmarktes, und
England würde natürlich den Vorteil hieraus allein haben,
venn es durch den Zoll die übrigen Nationen vom Wettbewerb
ausschlösse.

100) vgl. Wagner, a. a. O. S. 220.
101) vgl. Zimmermann, Europ. Kol. IHI S. 120ff.
        <pb n="41" />
        138

Im übrigen zeigt der Handel der einzelnen Kolonien fol⸗
gendes Bild:

a. Westafrika.
1. Gambia: Es betrug!lod) in

1903 180218801

die Einfuhr 841,0685 808,6168. 262,647
aus d. V. K. 136, 826 116,920
die Ausfuhr 248, 140 233, 666
nach d. V. K. 181689 86,Odh

1900

—1899

277,6850 240,907
124, 1260 116,806
281,876 241, 986
42,1758 26,846

Haupteinfuhrartikel waren 1908 Baumwollwaren mit64,870 4,
Kolanüsse mit 33,820 4, Reis mit 22,539 C, sodann folgen Taback,
Zucker, Spirituosen, Wein und Salz. Hauptausfuhrartikel waren
hor allem Erdnüsse mit 278,439 4, Wachs mit 1589 L, Kaut—
schuk (1544 0), Häute und Felle (1004 9).

3. Sierra Leone: Es betrug!oß) in a

1904

1903

—

441

9001838899

die Einfuhr 717,286
—D —
die Ausfuhre
nach d. V. K.

700 8261 625, 084 648, 286 568,271680, 806
456, 922 411,678 425,245 544,587
484,870 418,6811 408, 518 804, 010 362,471 886,011
123,2721 87,5881 125.559 135, 635

Im Jahre 1903 war an der Einfuhr Großbritannien mit
73,50/0, an der Ausfuhr mit 30,500 beteiligt. Deutschland mit
10,3000 und 34,7 03.) Die Einfuhr an Fabrikaten belief sich im
Jahre 1904 auf 420,8348 , darunter für 200,864 VTertil⸗
vwaren, von denen im Jahre 1900 noch für nur 17 1,492 M ein⸗
geführt worden war. Der zweite Hauptposten der Einfuhr sind
Nahrungsmittel und Getränke: von ihnen wurde im Jahre 1904
für 140,932 eingeführt. — Hauptausfuhrartikel sind besonders
Palmkerne (218,731 im Jahre 1904), Kolanüsse (80,742 *.)
Kautschuk (18,005 ), Palmöl (16,245 0) und Ingwer (12,743 )

102) vgl. Hand.⸗Arch.O416. 972 u. 81 S. 1266; Col.Off. List 1904 S. 187.
108) vgl. Nachr. f. Hand. u. Ind. 04 Nr. 107 S. 1u. 0Ob Nr. 108 S.2;
dand.-Arch. 05 II S. 118 u. Col. Off. L. O4 S. 295f.
        <pb n="42" />
        Es besteht kein Zweifel, daß mit der Fertigstellung der Sierra—
Leonebahn sich der Handel noch ganz beträchtlich heben wird.
Vor allen Dingen ist begründete Aussicht vorhanden, daß alsbald
die Baumwolle unter den Hauptausfuhrartikeln erscheint. Sie
wächst in einer einheimischen Art überall in der Kolonie, und es
sind weite zum Baumwollenbau im Großen geeignete Flächen
vorhanden. Die Regierung fördert den Anbau mit allen Kräften.
Besonders bemerkenswert ist, daß in Sierra-Leone ein neuer
Baumwollenstrauch, namens „Gallinas“, gefunden ist, der be—
deutend ertragreicher wie die bisher bekannten Sorten zu sein
verspricht. ioz3 Außerdem geht in jüngster Zeit eine Nachricht
durch die Tagesblätter, wonach ganz gewaltige Kautschukwälder
entdeckt worden sind.
y. Goldküste: Es betrug “o6) in

die Einfuhr 2082,544 2,128,164 1,801, 027
aus d. B. K. 1,489,822 1,858,658 1,824, 808
die Ausfuhr 980,340 774, 186 559,738
nach d. B. K. 3094,1481 3889,4668 254, 129
Haupteinfuhrartikel sind Baumwollwaren, Lebensmittel,
Spirituosen, Maschinen. Die Einfuhr der Maschinen, von Bau—
materialien und Tauwerk hat im Jahre 1903 mit Rücksicht auf
die Entwicklung des Bergbaues erheblich zugenommen. Ausgeführt
werden, abgesehen von Gold (im Jahre 1903 für 254,791 ),
Kautschuk (196,300 ), Palmöl (145,896 ), Palmkerne
(105,272), Kakao (86,2560 &amp;amp;) und Kolanüsse (50,8661 4). Der
Rückgang der Einfuhr im Jahre 1903, besonders auch an Baum—
wollwaren, wird auf die übermäßige Einfuhr im vorhergehenden
Jahre zurückgeführt. Auch für die Goldküste verspricht der ge—
plante Eisenbahnbau Secondi-Kumassi 06) einen größeren Auf—
schwung, insonderheit für den Berabau.

1903

1902 —

1901

18909
1,294,968 1,828,218
920,2791 976,036
866,446 1, 111,788
509.779 767,5758

104) vgl. Hand.-Arch. 05 1 S. 118, Nachr. f. Hand. u. Ind. 04
Nr. 128 S. 5.
105) vgl. Hand.Arch. O8 IIS. 573; Nachr. f. Hand. u. Ind. 04 Ar. 128
S. 4; Col. Off. L. 04 S. 199.
106) val. Hand.Arch. 05 U S. 574.
        <pb n="43" />
        44

3. Lagos: Es betrugl!o7) in

1903

1902

1004

—

1899

die Einfuhr
rus d. V. K.

ohne Geld
363. 479

30,745
693, 427

737,2885
572,850

830,469

674,855

966,595
788,580

die Ausfuhr 1.837,8681 900,2832 885,111198185,834
aach d. V. K. 862,882 2858,711 308, 265 8332,836
Haupteinfuhrartikel sind Baumwollwaren (381,937 im
Jahre 1903), von denen Großbritannien 97,400 einführte, ferner
Spirituosen, rund 72,000 &amp;amp;, Baumaterial (31,000 ) Kurzund
 Kleineisenwaren. Hauptaussuhrartikel sind auch hier wieder
Palmkerne 667,612 *), Palmöl (218,247 E), Kautschuk
15,8388 ) — 1896 wurde noch für 347,721 Kautschuk
ausgeführt, insolge Raubbaues ist die größte Mehrzahl der
Bäume eingegangen — und Mahagoniholz (56,167 0). Auch hier
sind gute Aussichten für den Baumwollenbau; 1903 wurde
edoch erst für 7110 Baumwolle ausgeführt.

ohne Geld
924,949

s. Nigeria.
aa. Südnigeria: Es betrug“os) in

1002

1902

1904941

1900

1899

1246,481 1,297, 116
1,004,9581,072,962 927, 905
1.25469601 1.253, 706 L.Iss, 604
80.os⸗ 788.03 678 900
Haupteinfuhrartikel sind wieder Baumwollwaren (295,481 V),
Gin und Genever (134,271), Böttcherwaren, Baumaterialien,
Rohtabak, Kleineisen- und Wasserwaren. Ausgeführt werden be⸗
sonders Palmöl (629,708 A), Palmkerne 526.738 0) und Kaut⸗
schuk (61,8180 4).
ob. Nordnigeria. Hier fehlen mir genaue Zahlen. Ein—
und Ausfuhr gleichen in ihrer Zusammensetzung im wesentlichen

ohne Geld
die Einfuhr 1,264, 669
aus d. V. K. 1,012,889
die Ausfuhr 1.2481,825
nach d. V. K. l 922.658

107) ogl. Hand. Arch. 0511 S. 188f.; Nachr. f. Hand. u. Ind. 04 Nr.7
S. 2 u. Nr. 41 S. 1, Col. Off. L. 04 S. 220.
108) val. Hand.-Arch. 05 I11 S. 150 u. 328; Col. Off. L. S. 311.
        <pb n="44" />
        dem Handel mit Südnigeria und werden wohl ausschließlich sich
über dies Gebiet vollziehen.108)

b. Ostafrika.
2. Zanzibar und Pemba.
Die beiden Inseln sind nur in geringem Umfange Produktions⸗
länder, und nur zu einem kleinen Teil bleibt die Einfuhr in ihren
Grenzen. Ihre Hauptbedeutung, besonders die Zanzibars, ist
— DD
Hier strömen auf Grund der früheren politischen Verhältnisse in—
folge langjiähriger Gewohnheit die Handelsgüter der ganzen Ost—
küste zusammen, um von hier aus weiter verteilt zu werden. Nur
ganz allmählich gelingt es, besonders durch die Bemühungen des
kaiserlich deutschen Gouvernements in Dar-es-salam, den Handel,
wenigstens des deutschen Schutzgebietes, nach Dar-es-salam hin—
überzuziehen.

So kommt es, daß die Ein- und Ausfuhrziffern des General⸗
handels für Zanzibar recht hoch, des Spezialhandels dagegen
verhältnismäßig niedrig sind.
Es betrug in Rupien) (1 Rupie — 1,36 M. im Jahre 1903)
— D
16. 308,768 — 16,740,611 20,425, 90
16.21450217.527.764 17.516,080 20.528, 419 20. 082., 86

Ein- und Ausfuhr sind also nicht unerheblich zurückgegangen.
Der Grund hierfür dürfte der schon erwähnte sein: Das Be—
streben, den Handel unter Umgehung Zanzibars direkt nach den
Absatzgebieten zu leiten.
Auf den Spezialhandel entfielen von den Werten des Jahres
1902 an Einfuhr (ohne gemünztes Geld) 2,596,588 Rup., an
Ausfuhr 83,110,8345 Rup. Der Spezialhandel betrug daher nur
ungefähr 1/, des Generalhandels.
Haupterzeugnisse der beiden Inseln sind Nelken, Nelkenstengel
und roter Pfeffer; die übrigen Ausfuhrartikel afrikanischen Ur—
109) vgl. Col. Off. L. O4 S. 280. — Bgl. auch Statesman's yearbook
S. 280.
110) val. Handelsber. III S. 1f. u. 32.
        <pb n="45" />
        sprungs, wie Elfenbein, Kautschuk, Kopra, Erdnüsse usw., sind
iberwiegend Durchgangsware. — Für die drei hervorgehobenen
Warengattnnugen ist der Ch.'sche Schutzzoll bedeutungslos. An der
Einfuhr sind in erster Linie Indien (4,327,092 Rup.) und Deutsch⸗
ostafrika (83,041,9500 Rup.) beteiligt. Von den europäischen Län⸗
dern steht Großbritannien an der Spitze mit 2,347,634 Rup.;
es folgen die Vereinigten Staaten mit 1,207,210 Rup. und
Deutschland mit 1,127,368 Rup. uu) Die Erschwerung der fremd⸗
ändischen Einfuhr dürfte zur Folge haben, daß die bereits ver—
suchte Ablenkung des Handels von Zanzibar wesentlich beschleu—
nigt wird. Großbritannien würde nur ganz vorübergehend Vor—
teil und später sich auf den Spezialhandel der beiden Inseln zu
heschränken haben.

8. Britisch-Ostafrika mit Uganda: Es betrug!) in *

1903 1008
die Einfuhr 455,427 443,032 frühere Zahlen
die Ausfuhr 159.612 148.060 fehlen

Für das gesamte wirtschaftliche Leben dieses Gebietes ist der
Bau der Ugandabahn von ausschlaggebender Bedeutung gewesen.
Während des Baues steigerten die Bedürfnisse der meistens indi⸗
schen Arbeiter die Einfuhr beträchtlich, mit ihrer Fertigstellung
hat sie die weiten Bezirke Ugandas dem Verkehr erschlossen und
dadurch die Möglichkeit geschaffen, daß in einigen Jahren das
Land feinen eigenen Bedarf an Getreide, Reis und Hülsenfrüchten
deckt. Vorläufig bilden aber diese Waren noch einen Hauptein⸗
fuhrartikel, daneben sind dies Baumwollen- und Wollenwaren,
bon denen im Jahre 19038 für 138,803 eingeführt wurde,
Zpirituosen, Baumaterialien, Kohlen und Lebensmittel. Mit der
veiteren Vervollständigung der Verkehrswege wird der Handel
sicherlich beträchtlich zunehmen.
Als Hauptausfuhrartikel kommen Elfenbein, Häute, Kautschuk,
Kopra und Mangrovenrinde in Betracht. Die landwirtschaftliche
Produktion hat noch keine nennenswerten Erfolge gehabt. Jedoch

111) vgl. Handelsber. III S. 2.
119) val. Handelsber. II0 S. 2f.: 6 u. 75
        <pb n="46" />
        werden Anbauversuche mit Baumwolle und rotem Pfeffer ge⸗
macht.ius) Auch verspricht der Kartoffel-⸗ Bohnen- und Lein—
samenbau demnächst größere Ausfuhrmengen zu liefern. Die
Wirkung des Ch.'schen Zolls wäre hier dieselbe wie in den west—
frikanischen Kolonieen.

x. Somaliland: Es betrug!t) in Rupien

die Einfuhr
die Ausfuhr

000

4594,70
4152,57

00100

5,877,54
5,.242 664

1900/018

5,915,903
5.470.340

Somaliland ist die einzige Kolonie, die einen wesentlichen
Rückgang in ihrem Handel zeigt. Der Grund hierfür, der gleich—
zeitig die Bedeutung des Bahnbaues für die Erschließung von
Kolonieen aufs Beste illustriert, ist der Bau der Bahn von
Djibuti nach Harrar im französischen Somalilande. Durch sie
wurde der bedeutende Handel Zailas in den letzten drei Jahren
im die Hälfte von diesem Hafenplatz weggelenkt. Die Eingebo—
renen stehen verhältnismäßig sehr tief. Sie leben von ihren
Tieren und verkaufen deren Felle und das überschüssige Vieh, um
für den Erlös Getreide, Datteln und amerikanisches Tuch einzu—
kaufen. Diese Tatsachen spiegeln sich in der Handelsstatistik
wieder. Haupteinfuhrartikel sind Baumwollwaren, Reis, Mehl
und Datteln, Hauptausfuhrwaren Felle, daneben auch etwas
Kaffee, Elfenbein. Gummi und Harz.
c. Zentralafrika.
Es betrug in 9116)

1903/04 1902/08

die Einfuhr
die Ausfuhbr

206,000 148,700 s ältere Zahlen
27.400 34,700 fehlen

Hiervon wurde aus, bezw. nach Großbritannien im Jahre
1903/04 für 174.845 ein- und für 21,800 ausgeführt.
1183) vgl. auch Statesman's yearbook S. 210f. u. 218.
114) vgl. Hand.Arch. 04 I S. 583ff.
115) val. Hand.Arch. 05 II S. 270f.
        <pb n="47" />
        Großbritannien betrieb also bei weitem den umfangreichsten Handel.
Haupteinfuhrwaren sind auch hier Baumwollwaren, auf die un—
gefähr die Hälfte der ganzen Einfuhr entfällt, daneben Lebens—
mittel und Eisenkurzwaren. Hauptausfuhrartikel ist Kaffee mit
17,896 . Der Kaffeebau wird zu Gunsten des Baumwollbaus
sehr vernachlässigt. Der Kaffeeexport, der jetzt dem allgemeinen
Kaffeezoll unterliegt, uch) würde durch die allgemeine Herab—
setzung des Kaffeezolls, wie sie von Ch. vorgesehen ist, keinen
Vorteil haben. Die Herabsetzung des Zolls käme fast aus⸗
schließlich dem Konsumenten zu gute. Nur dadurch, daß vielleicht
durch die Verbilligung des Preises ein größerer Konsum erreicht
würde, könnten auch die Produzenten Nutzen haben. Im übrigen
hätte die Zollermäßigung nur die Folge, daß die Gesamtheit der
Produzenten zu einem entsprechend niedrigeren Preise bei gleichem
eigenen Gewinn und unter den früheren Verkaufsbedingungen den
Kaffee verkaufen könnten.
Dasselbe gilt für den Import kolonialen Zuckers, der unten
noch bei Mauritius zu erwähnen ist, vorausgesetzt, daß an der
Nichtbevorzugung des kolonialen Zuckers seitens des Mutterlandes
festgehalten wird. 117)
Für den Baumwollenbau ist das Land sehr geeignet; der
Anbau kann noch wesentlich ausgedehnt werden, sodaß man für
das Jahr 1904/085 bereits auf eine Baumwollenausfuhr von
50,000 &amp;amp; rechnete. Mangels genügender Eisenbahnen vollzieht
sich der Hauptoerkehr auf dem Zambesi und dem Schire.

4. Die Inseln.
Von den oben genannten Inseln sind von wesentlicherer
wirtschaftlicher Bedeutung nur Mauritius, die Seychellen und
St. Helena: Mauritius besonders wegen seines ausgedehnten
Zuckerrohrbaues.iud) Die Ernte vom Jahre 190304 war die
größte, die die Insel bisher aufzuweisen hatte]) Die Zuckeraus—

116) vgl. Chiozza S. 87.
117) ogl. Art. 10 der Brüsseler Zuckerkonvention v. 5. III 1902 und das
Schlußprotokoll zu Art. 11 der Konvention. Abgedruckt bei Schivpel, „Zucker⸗
oroduktion u. Zuckerprämien. Stuttgart 1908.
118) vgl. Statesmans yearbook 1905. S. 206.
119) vgl. Berichte f. Hand u. Ind. Bd. 8. S. 38 ff. bes. S. 38.

168mis., Britifsch-Afrika.
        <pb n="48" />
        fuhr ging zu 2h, nach Indien, zu i nach Südafrika, in das letzte
i, teilen sich Großbritannien und die australischen Kolonieen.
Reben Zucker und seinen Nebenprodukten, Rum und Melasse,
oroduziert die Insel noch vornehmlich Kokosnußöl, Vanille und
Aloefaser.i20) Haupteinfuhrartikel sind Getreide und Mehl, land⸗
wirtschaftliche Maschinen, Düngemittel, Vieh und Baumwollwaren.
— Eingeführt wurde im Jahre 1903 für 39,270,000 Rup.
gegen 30,739,000 Rup. im Jahre 1902), die Ausfuhr belief sich
vuf 36,671,000 Rup. (36,204,000 Rup.).
Die Seychellen führen besonders Vanille, Kokosnüsse und
Kokosmehl aus; eingeführt werden Reis, Baumwoll- und Eisen⸗
waren und Spirituosen. Die Wareneinfuhr betrug 1903
366,641 Rup. gegen 861,169 Rup. im Vorjahre, die Waren—
rusfuhr 825,525 Rup. gegen 1,094,268 Rup. im Jahre 1902.
St. Helena hat im Jahre 1902 überhaupt Erzeugnisse der
Landwirtschaft nicht mehr ausgeführt. Es wurden nur leere
Fässer, Häute und leere eiserne Tanks ausgeführt zum Gesamt⸗
hetrage von 1755 . Die Ausfuhr betrug 1900 noch 4215 8,
1901 4724 A. 123.) Im Jahre 1908 schnellte sie dann plützlich
auf 12,285 empor. Die Zusammensetzung dieses Wertes und
den Grund der plötzlichen Steigerung habe ich nicht festzustellen
vermocht. Auch die Einfuhrie) war 190 noch bedeutend höher
wie jetzt. Sie betrug 168,282 4 gegen 105,645 9 im Jahre
1901, 100,478 im Jahre 1902 und 60,459 9 im Jahre
1903. Der erhebliche Rückgang erklärt sich daraus, daß die
kriegsgefangenen Buren inzwischen die Insel wieder verlassen
haben. Haupteinfuhrartikel sind Krämerwaren, Tuch⸗ und Schnitt⸗
vwaren, Spirituosen, Wein, Kohlen und Lebensmittel. — — —

120) vgl. Ber. f. Hand u. Ind. Bd. 8. S. 40.
121) vgl. Hand.-Arch. Os J. S. 880 u. Il S. 612
122) vgl. Hand.-Arch. O5 J S. 3209.
128) vgl. Hand⸗Arch. 1908 J. S. 1432.
124) val. Nachr. f. Hand. u. Jud. 04. Nr. 112 S. 2.
        <pb n="49" />
        Fasse ich nun das Ergebnis meiner bisherigen Erörterungen
zusammen, so vermag ich nur festzustellen, daß der Chamber⸗
lainismus überwiegend Nachteile für ganz Britisch-Afrika bringen
würde. Dank der Beschaffenheit seiner Ausfuhrartikel hat Britisch—
Afrika von den als Gegenwert für die dem Mutterlande einzu⸗
räumende Vorzugsstellung vorgesehenen Zöllen so gut wie keinen
Vorteil. Die sämtlichen britischen Besitzungen in Afrika sind
übereinstimmend nur oder doch überwiegend Rohstoffproduktions⸗
gebiete. Lebensmittel für den Export nach dem Mutterlande
produzieren sie so gut wie garnicht. Ihre volkswirtschaftliche
Entwicklung muß daher auch, soweit es mit Rücksicht auf die
limatischen Verhältnisse möglich ist, auf die Entwicklung einer
eigenen Indnstrie gerichtet sein. Die Tendenz ihrer Entwicklung
ist also dieselbe wie im Mutterlande. Der Ch.'sche Zoll, so
wie er bisher vorgeschlagen ist, beruht gerade auf dem Gegensatz
des volkswirtschaftlichen Interesses des Mutterlandes und der
Kolonieen, und so ergiebt sich denn auch aus dieser Erwägung,
daß der Ch.'sche Schutzzoll auch für die spätere Zeit für Britisch—
Afrika unannehmbar bleibt. Und gegenwärtig wäre ein Eintritt
in den „Zollverein“ nur denkbar, wenn den Kolonieen ein be⸗
achtenswertes Entgelt für ihre Opfer zugebilligt würde. Als ent⸗
prechende Gegenwerte könnten m. E. in Frage kommen einmal
politische Zugeständnisse, sodann aber die Ausdehnung des Schutz⸗
zolls auch auf Rohstoffe und tropische Agrarprodukte. Ob letztere
aoch genügend Anhänger in England finden wird, erscheint mir,
da sie unmittelbar auf das Einkommen der Arbeiter — und nicht
erst indirekt wie die Verteuerung der Lebensmittel — wirken
muß, zur Zeit mehr wie zweifelhaft. So ist denn m. E., so wün⸗
schenswert die Verwirklichung der Ch.'schen Pläne für das Mutter⸗
land wäre, diese vorläufig noch unmöglich.26) Erst wenn Eng—
land gezwungen sein wird, um den völligen Zusammenbruch seiner
Industrie, zu dem schließlich das Prinzip des Freihandels führen
muß, zu verhüten, große — viel größere, als die von Ch. dem
Laude zugedachten — Opfer zu bringen, wird ein Zurückkehren
zu dem früheren Prinzip des Schutzzolls möglich sein. Die Opfer,

125) vgl. die im Resultat übereinstimmenden Ausführungen des Prof.
George Fisfk von der Universität Illinois mit Rücksicht auf die kanadischen
Verhälinisse: wiedergegeben in der Kreuzzeitung vom 10. J 66. Morgenausg.
        <pb n="50" />
        —52

die dann Großbritannien bringen muß, werden der Beleg für die
Verkehrtheit einer Handelspolitik sein, die um des Augenblickserfolges
 willen den notwendigen Grundsatz jeder Volkswirtschaft,
die Erhaltung der Unabhängigkeit, völlig aus dem Auge verlor.
Wollte man aber nur diejenigen Kolonieen, die durch den
geplanten Zoll Vorteil hätten, d. h. die Länder mit europäischer
Agrarproduktion und -ausfuhr, in den Zollverein miteinbeziehen,
so würde dieser Ausschluß von Britisch-Afrika wohl zweifellos
eine Lockerung des Reichszusammenhanges und eine Erstarkung
des Selbständigkeitsgefühls zur Folge haben, wenigstens für Süd—
afrika und AÄgypten. Immerhin erscheint mir der Ausschluß
Britisch-Afrikas noch weniger gefährlich als seine Einbeziehung
in den Zollverein.

84

Bedeutung der Einbeziehung Britisch-Afrikas in den Reichs—
zollverein für den Handel Deutichlands und seiner Kolonieen.

Aber angenommen, die von mir vorgetragenen Anschauungen
wären zu pessimistisch und es gelänge der nächsten Kolonialkon—
ferenz durch politische Zugeständnisse oder Zwangsmaßregeln und
durch Modifikation der Schutzzollvorschläge die Gründung des
britischen Reichszollvereins mit Einschluß von Britisch-Afrika, so
erhebt sich die Frage, welche Bedeutung dies für den deutschen
Handel und den Handel der deutschen Kolonieen haben könnte.
Der Handel des deutschen Zollgebiets mit Britisch-Afrika
ergiebt sich aus folgenden Tabellen (siehe S. 55 u. 56):
Hiernach beträgt die deutsche Einfuhr aus Britisch-Afrika
nicht ganz 200 der Gesamteinfuhr und die deutsche Ausfuhr dort—
hin sogar noch nicht 11,0 0/0. Der deutsche Handel mit Britisch—
Afrika ist also im Vergleich zu Deutschlands Gesamtaußenhandel
verhältnismäßig gering. Seine Bedeutung tritt aber schon mehr
hervor, wenn man sein Verhältnis zu dem deutschen Handel mit
dem Vereinigten Königreich und seinen sämtlichen Kolonieen be—
trachtet. Nach den Tabellen entfielen auf ihn im Jahre 1903
8,7 00 der deutschen Einfuhr aus dem Vereinigten Königreich und
seinen Besitzungen und von der deutschen Ausfuhr dorthin 5,9 00.
Ein Veraleich mit den in der Denkschrift über die Entwicklung
        <pb n="51" />
        Tabelle Nr. 5.

Übersicht der Einfuhr in das deutsche Zollgebiet in 1000 M.
zusammengestellt nach den Angaben des kaiserlichen statistischen Amtes (mit Einschluß des Edelmetallverkehrs).

Herkunftsland

1897

Britisch⸗Ostafrika
Britisch-Westafrika
Britisch-⸗Südafrika
Dranjeflußkolonie
Transvaal
Agypten
Britisch⸗Afrika
Großbritannien mit
seinen Kolonien 1,004, 666
und mit Aqypten

1,893
20264
17444

63,461

mnleil Britisch- Af⸗
rikas in V
Gesamteinfuhr in
das deutsch. Zoll⸗
gebiet
Anteil Britisch⸗Af⸗
rikas in “ an d.
Gesamteinfuhr

6,10/0

5,176, 449

2100

1898

1899

1,717
28256
19,795

1,864
26,141
29,962

24,588

31,893

69,351 *

89,860

1,192,658 1,199,301
1,217,241 1,281,194

5,6 0

7,304

5,744,987

6,127,738

1,2000

LAGO/ꝗ

—1900

1901

1902

2,181
28,224
18,624

1,841
30,899
21,949

2,168
48,018
26,199

10
38,120. 45,648

40,580

89,5591 86,809 117,018

1,253,850

1,048, 4261,057, 882
1,103,228

1,293,930

1,081,546

6.90/0

8,0400

10,600

6406, 129

6,016,472

6.093,4792

1,4000

14400

1,9200

1903

2167
42,846
29, 158

30
57,060

121,261

1329,668
1,386,728

8,700

6,675,499

,81

1904

27,800

50,800

63,300

7,234,891

s aus der „Entwick
lung der deutsch
Seciteessen“ —

2
7
        <pb n="52" />
        Tabelle Rr. 6.

Übersicht der deutschen Ausfuhr in 1000 M.

aus dem „Auswärtigen Handel“ und der „Entwicklung der deutschen Seeinteressen“ entnommen und berechnet

7
9

Bestimmungsland

Britisch-Ostafrika
Zůüdasrika
Dranjeflußkolonie
Transvaal
Britisch-Westafrtka
Agypten
gritisch⸗Afrika u
Broßbritannien m.
den Kolonien u.
mit AÄgypten
Anteil Britisch-Afrikas
 in N4
Besamtausfuhr
aus Deutschland
Anteil Britisch⸗
Afrikas hieran
in 84

1897

1898

1899

1900

1901

1902

1,165
13.470

906
14.,556

1,366
11,304

1,406
12,459

1,499
19. 964

1417
38,058
27
3,114
8052
18.229

5,495
10534

6,861
11,6858

l
7,640 7,600
15,674 16,547
30,8201 87,179)1 388,6610

30,664

34,008

67,892

819,379 942,35551,002,546 1,074,659 1,107, 806

1,171,663

830,113

954,240

1,012,217

1,090,333 1,124,058

1,189,892

3,700

3,7 —

2,90/0

3,4 0/0

3,4 o¶ä

5,700

4106,921

4,311,282

4,673,898

5,101,4861 4,825,2061 3, 180808

30
Q, 7500

— —

—XR

—XD —

0 810/

1,3200

1903

1904

3,146
32,780
44
8941
6,221
22,708

6,700
32.700

73,790

12183,839

12236,247

5,904

5.457,518 83,700,282

1,3500

Aus der „Entwicklung
der deutschen See—
inkeressen“S. 32u. 33.
        <pb n="53" />
        55

der deutschen Seeinteressen (S. 14 u. 15) gegebenen Tabellen
—0 großen Nachbarländern nur
die Vereinigten Staaten von Nordamerika, Argentinien, Britisch⸗
Ostindien, Brasilien und Britisch-Australien hinsichtlich der Ein—
fuhr nach Deutschland und hinsichtlich der Ausfuhr aus Deutsch⸗
land nur die drei zuerst genannten Länder (vgl. S. 16 u. 17 a.
a. O) höhere Prozentsätze aufweisen. Berücksichtigt man ferner,
in welchem Umfange der deutsche Handel mit Britisch⸗Afrika, be⸗
sonders aber mit Ägypten und Britisch-Westafrika, in den letzten
Jahren zugenommen hat, weiter, daß an der Ausdehnung des
Maͤrktes an sich auch Deutschland seinen Anteil haben würde,
schließlich, daß es sich in Britisch-Mittelafrika um Länder handelt,
vo das Entstehen einer eigenen leistungsfähigen Industrie, wie
. B. in Nordamerika und Rußland, nicht zu befürchten ist, so
erhellt ohne Weiteres, daß die deutschen Handelsbeziehungen zu
Britisch-Afrika keinen unwesentlichen Faktor in dem Interesse
Deutschlands, der britische Reichszollverein möge nicht zu stande
eommen, ausmachen.
Noch bedeutungsvoller wäre aber die Gründung des briti⸗
schen Reichszollvereins für unsere, noch in den Anfangsstadien ihrer
Entwicklung befindlichen afrikanischen Kolonieen, zumal wenn die
Zollschranke auch für den Handel mit Rohstoffen gezogen würde.
Die Tabelle Nr. 7 (siehe S. 58) giebt eine Ubersicht über die
Gesamtausfuhr unserer Kolonieen und ihre Ausfuhr nach den
afrikanischen Nachbarländern. Unter letzteren sind allerdings
auch die nichtbritischen Besitzungen fremder Mächte mitinbegriffen.
Genaue Zahlen für die Ausfuhr nach den britischen Kolonieen allein
waren mir nicht zugänglich. Ich glaube aber mit Rücksicht auf
die örtliche Lage, die Verkehswege und Absatzgelegenheiten, daß
—— den briti⸗
schen Besitzungen geht.
Die beigefügten Prozentzahlen zeigen das Interesse unserer
—
würde für Südwestafrika die Sperrung der kapländischen Grenzen
ein schwerer Schlag sein, da Britisch-Südafrika für seine Pro—
dukte der gegebene Absatzmarkt ist bezw. werden wird. 26) Ja,

.26) vagl. bes. Samassa S. 400 u. 401.
        <pb n="54" />
        Tabelle Nr. 7.

übersicht über die Ausfuhr der deutschen Kolounieen im Jahre 1903 und 1904
in Mark

1903

1904

— — —

Kolonie

Ostasrika

Kamerun!)

Togo

Südwestafrika“)

Gesamt⸗
ausfuhr

7, 054, 207
7,139456
3,616,061
3443,511

Davon
nach
England

45,602

2.649, 186
202,200
484, 394

Nach
afrikanisch
Nachhbarl.

—

3,875, 452

5500

13461,094 40,600
2,302, 128 72,600

Gesamt⸗
ausfuhr

—RE
8020,731

3,551,858

Davon
nach
England

49,868

1,243. 663

Nach
afrikanisch
Gebieten

3,077, 684

119

1,3381,204

O/

56,7 00

38,90/0

) Unter Nichtberücksichtigung des Handels des Ngokogebietes; mit diesem betrug die Ausfuhr 7,564,512 M.
) Für Südwestafrika liegt mit Rücksicht auf die kriegerischen Ereignisse für 1904 keine Handelsstatistik vor.

Aus den Anlagen zur Denkschrift über die Entwicklung der deutschen Schutzgebiete in Afrika im Jahre 03,04 S. 445 und
im Jahre 04,05 S. 385, 188 und 186 zusammengestellt und berechnet.
        <pb n="55" />
        es erscheint mir nicht ausgeschlossen, daß die Sperrung der Grenze
in späteren Jahren, wenn die Kolonie sich von den augenblicklichen
Wirren erholt hat und des nachbarlichen Verkehrs bedarf, geradezu
eine politische Gefahr für das Verhältnis unserer Kolonie zum
Reich zu werden vermag.
So muß denn auch die Pflicht der Fürsorge für unsere Ko⸗
lonieen mitbestimmend sein bei dem Wunsch Deutschlands, sein
handelspolitisches Verhältnis zu dem Vereinigten Königreich und
seinen Besitzungen möchte dasselbe bleiben wie bisher und lediglich
die Güte der Ware die einzige Waffe in dem wirtschaftlichen
Wettbewerb der beiden Länder auf dem britischen Weltmarkte sein.
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        Lebenslauf.

Ich, Rudolf, Albert, August, Wilhelm Asmis wurde am 12. Juni 1879
zu Mesekenhagen, Kreis Grimmen, als Sohn des Königlichen Oberamtmanns
Adolf Asmis und seiner Ehefrau Marie, geborenen Fleischfresser, geboren.
Meinen ersten Schulunterricht erhielt ich im Elternhause. Von Ostern 1888
besuchte ich das Gymnasium zu Greifswald, das ich zu Ostern 1897 mit dem
Zeugnis der Reife verließ. Ich studierte sodann in Greifswald die Rechte
und die Staatswissenschaften, bestand am 26. Mai 1900 das Referendarexamen
und promovierte unter dem 5. Dezember 1900 zum Dr. jur. Als Referendar
war ich in Barth, Stargard i. Pom., Ueckermünde, Greifswald und Stettin
beschüftigt. Am 9. Oktober 1905 bestand ich die große juristische Staatsprüfung
und wurde mit Patent vom 9. Dezember 1904 zum Gerichtsassessor ernannt.
Meiner Dienstpflicht genügte ich von Oktober 1900 bis Oktober 1901 bei
dem Colbergschen Grenadierregiment in Stargard i. Pom. und wurde mit Patent
oom 19. Dezember 1903 zum Leutnant der Reserve dieses Regiments befördert.
Ich bin evangelisch und besitze die preußische Staatsangehörigkeit.
Während meiner Studienzeit und später als Referendar und Assessor
besuchte ich die Vorlesungen, Seminare und UÜbungen folgender Herren
Professoren und Dozenten: Arndt, Ashby, Bierling, Biermer, Campbell, Credner,
Deeke, Ebert, Frommhold, Fuchs, Heller, Oldenberg, Pescatore, Plessis, Schmöle,
Siebs, Stampe, Stoerk, Traube, Weißmann.
Allen diesen meinen Lehrern sage ich an dieser Stelle meinen aufrichtigen
Dank, besonders Herrn Professor Dr. Oldenberg, der mich zu dieser Arbeit
anregte und mich bei ihrer Anfertigung stets in liebenswürdigster Weise
unterstützte.
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