Schon aus den vorstehend angedeuteten Gründen wird es
erklärlich, warum die Raiffeisen'schen Spar- und Darlehens—
kassenvereine, die während ihres nunmehr siebzigjaͤhrigen Be—
tandes in Deutschland schon so viele Proben ihrer segensreichen
Wirksamkeit geliefert und auch in einzelnen Kronländern Oester⸗
reichs ungeteilten Anklang und bereits allseitigen Eingang ge—
funden hatten, sich in Böhmen nicht so ohne weiteres und kampf⸗
sos einführen konnten.

Dazu kam noch ein weiterer erschwerender Umstand: Der
„Deutsche landwirtschaftliche Zentralverband für Böhmen“, in
dessen Hände in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre beinahe
ausschließlich die Ausübung des landw. Wanderunterrichtes in
Deutschböhmen lag und der, wollte er die praktische Nutzanwen⸗
dung der von ihm ausgeübten Wanderlehre auf dem speziell in
Rede stehenden Gebiet ziehen, auch die Gründung von Raiff—
eisen'schen Spar⸗ und Darlehenskassenvereinen hätte in die
Hand nehmen müssen, war nicht eine Schöpfung der deut—
schen Landwirte allein, wenn auch deren stolzeste Schöpfung;
an seiner Gründung und seiner Erhaltung hat das deutsche
Volk in Böhmen als solches mitgewirkt und da weiter das
höhere Ziel des Zentralverbandes von damals, die nationale
Zweiteilung und Neugestaltung des Landeskulturrates alter
Konstitution, eine politische Angelegenheit des ganzen Volkes
war, war es ebenso begreiflich wie natürlich, daß auch die Ver—
treter anderer Interessen im Zentralverband zum Worte kamen
und der Zentralverband selbst, um Konflikte zu vermeiden und
seinen höheren Zweck nicht zu gefährden, bei seiner praktischen
Betätigung auf andere bereits bestehende Einrichtungen des
Volkes Rücksicht nehmen und die Verfolgung rein agrarischer
Angelegenheiten bis zu ihren letzten Konsequenzen mitunter zu⸗
rückstellen mußte. Das war unter den zu jener Zeit herrschen—
den Verhältnissen nicht anders möglich, die volle Erfüllung
mancher seiner statutarischen Aufgaben, wie derjenigen auf dem
Gebiet des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens, mußte
dadurch auf eine spätere Zeit vertagt werden.

Wir sehen aber auch, daß in jener Zeit sich in der Landwirt—
schaft häufig ein empfindlicher Mangel an Betriebskapital fühl—
bar machte. Dieser Mangel an Betriebskapital wirkte auf die